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Jüdische Rundschau · 1938-03-04 · Heft 18 (4.3.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 18 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Hr. ftS / Jahrgang 41 Prel» 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion,Verlag ond Anielgenverwaltongi BarllDWlS.MaInakaatr.10 Fernrafi 919031, Telegramm-Adreaaat Orghlp. — 10 Fällen höherer Oewelt beataht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Eretattung etwa schon gezahlter Beangigehühren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljshr RM 5,75; bei Abholung RM 1,88 brw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitungsgebühr von 10,72 Rpf je Monat). — Postscheck - Konten der Vertriebs-Abteilung ffir Groß-Berlin! Berlin 71S73, für das übrige Reich: Berlin 17392 BERLIN א׳ אדר ב׳ תרצ״ח FREITAG, 4. MÄRZ 1938 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag, Gültig ist die AnzeigenprelsUate Nr. 5 vom 1. April 1936. Die zwöifgespaltene mm - Zeile 20 Rpf, für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewähr für־ Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Pützen. Einzelanzeigen nur gegen Vorauizahjung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annnhmeschluß für die Dienstag - Ausgabe: Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe: Mittwoch 15 Uhr. Familien Anzeigen am Tag vor Eracheinen 16 Uhr, Der Zionismus erstrebt!Br das indische Volk die Schäftung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Erwachte Kräfte Die neue Palästina-Kommission Mitte März Arbeitsaufnahme — Nach Ostern in Palästina Der neue jüdische Mensch im Werden Die neue Situation der Juden in Deutschland dauert nun fünf Jahre. Das ist eine lange Zeit im Leben eines Einzelnen, eine kurze Zeit im Leben eines Volkes wie des jüdischen, das auf eine Geschichte von mehreren Jahrtausenden zurückblickt und in seinem nationalen Leben sich dieser Geschichte immer wieder erinnert, der guten wie der bösen Tage, der Tage nationalen und geistigen Aufschwungs sowie der Zeiten des Niedergangs und des eigenen Versagens. Die Geschichte als Lehrmeister gibt uns — und unsere Literatur tut das mit großer Offenheit — eine Anleitung zu permanenter Selbstkritik. Unser Volk, das durch die ״älteste Urkunde des Menschengeschlechts“ erzogen ist, weiß, daß die eigene Geschichte genug Stoff bietet, sich über die Mängel, Sünden und Irrtümer des eigenen Volkes Rechenschaft abzulegen und so im Wandel der Zeiten zu immer höherer Erkenntnis, zu Umkehr und besserer Bewährung zu gelangen. Vielleicht ist es kein Zufall, daß gerade dann, wenn die Juden sich zu sicher zu fühlen beginnen, wenn es ihnen, wie man populär sagt, ״zu gut“ geht, eine Erschiitterung oder ein Absturz erfolgt, der sie daran erinnert, daß geschichtliches Leben ewiges Mühen, An- Spannung aller Kräfte im Hinblick auf ein höheres Ziel bedeutet, und daß es nicht angeht, sich am Ziele zu wähnen und satter Sorglosigkeit hinzugeben. So grausam dies auch für den Einzelnen sein mag, so sehr der Einzelne — und in diesem Punkte sind wir Menschen alle gleich — diese Erschiitterung als ein unverschuldetes Leiden, als einen Schicksalsschlag, empfinden mag, das Leben der Nation als ganzes und der Fortschritt zu neuen Lebensformen kann wohl nicht anders als durch solche Zuckungen und Krämpfe hindurch vor sich gehen, ehe nach ewigen, uns unerforschlichcn Gesetzen im Rhythmus der Zeiten auf ein Wellental wieder ein Wellenberg folgt. Man spricht gewiß einen Gemeinplatz aus, wenn man sagt, daß mit den Juden Deutschlands — und teilweise auch anderer Länder — in den letzten fünf Jahren gewaltige Veränderungen vor sich gegangen sind. Sie haben viel verloren, was sie vordem als unverlierbaren Besitz betrachtet hatten, an materiellen Gütern, an sozialer Stellung, an menschlicher und beruflicher Entfaltungsmöglichkeit, aber auch an tief eingewurzelten seelischen Zusammenhängen und Werten. Diese Verluste sind noch keineswegs zu Ende. Aber es hat keinen Reiz der Neuheit mehr, diese negative Bilanz zu ziehen, ja den meisten von uns fällt es zuweilen schon schwer, sich in die frühere jüdische Ge- Schichtsepoche und relativ sorglose Daseinsform zurückzuversetzen. Doch die Bilanz ist nicht eine durchaus negative. Fragen wir heute, was aus den Juden Deutschlands in den letzten fünf Jahren unter all den ungünstigen äußeren Umständen geworden ist, so sollen wir eines niemals vergessen: daß die Juden Deutschlands Kräfte entwickelt haben, die wir selbst niemals ln Ihnen, d. h. in uns, vermutet hätten. Die Juden Deutschlands, gestehen wir es nur, waren ein etwas verweichlichtes und verwöhntes Geschlecht. Die heutige Mittelgeneration allerdings, die vor zwei Dutzend Jahren jung war, hat die körperlichen und seelischen An- Spannungen des Weltkrieges durchgemacht, und schon damals konnte man staunen, zu weichen Leistungen und Strapazen, zu welchem Einsatz und selbst Todes- Verachtung ein solcher scheinbar auf bürgerliches Wohlleben angewiesener Jüngling fähig war. Es scheint, daß eine kraftvolle Substanz in diesen Menschen noch vorlianden ist, die, wenn die Stunde der Not schlägt, sich durchsetzt. Aber in den letzten fünf Jahren ergriff die Umwandlung des eigenen Lebens noch weitere Kreise; alte und junge, Frauen und Männer, sind einbezogen, sie alle hatten zu erweisen,” daß sie nicht verzweifeln, wenn die alte Lebensgrundlage zerbricht, und imstande sind, sich ganz neuen Verhältnissen anzupassen. Diese Kräfte, denen gewiß auch ein schöpferischer Kern innewohnt, wären nie zum Vorschein gelangt, wenn nicht äußere Notwendigkeit sie beschworen hätte. Der durchschnittliche Jude in Deutschland vor 1933 war keine Abenteurernatur. Ehe er etwas unternahm, fragte er nach der ״Sicherheit“, er wünschte möglichst gute Rückendeckung. Das kann ihm niemand verargen; aber in den letzten Jahren lernte er das Wagnis wieder kennen, den Mut zum Wagen. Oft genug haben junge Menschen ihre Eltern, die verzagen wollten, getröstet und ihnen den Weg gezeigt: den Weg Wie bereits in der vorigen Ausgabe kurz berichtet, teilte Kolonienminister Ormsby-Gore am Montag im Unterhaus die Zusammensetzung der neuen Palästina- Kommission mit. Die Mitteilung erfolgte auf eine Frage von Sir Percy Harris. Außer dem Vorsitzenden Sir John Woodhead werden der Kommission Sir Alison Russell und A. P. Wateriield angehören. Die Ernennung eines vierten Mitgliedes der Kommission ist in Aussicht genommen. Zum Sek retär der Kommission ist S. E. V. Luke, ein Beamter des Kolonialministeriums, ernannt worden. Die Arbeit der Kommission beginnt in England Mitte März, und es ist vorgesehen, daß sie nach Palästina einen Monat später reisen wird, so daß sie in Jerusalem nach dem Osterfest eintrifft. Die Verschiebung der Abreise nach Palästina dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Periode um Ostern infolge der verschiedenen religiösen Feiertage stets eine besonders kritische Zeit im Lande ist, bei der alle Kräfte der Administration auf die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit konzentriert werden müssen. Die Kommissionsmitglieder Sir John Woodhead trat im Jahre 1901 in den indischen Zivildienst ein und tat in Bengalen Dienst. Nach verschiedenen Aemtern, die er bekleidet hatte, war er zuletzt Finanzreferent der Regierung von Bengalen von 1932 bis 1937. In Abwesenheit des Gouverneurs vertrat er diesen während eines halben Jahres im Jahre 1934. Sir Alison Russell war Generalstaatsanwalt in Uganda von 1906 bis 1912 und in Cypern von 1912 bis 1924, dann wurde er Oberrichter von Tanganjika, seit dem Jahre 1929 fungierte er als Rechtsberater der Regierung von Malta und war im Jahre 1935 Vorsitzender einer Untersuchungs- Kommission, die über Unruhen in Nordrhodesien verhandelte. A, P. Wateriield ist seit dem Jahre 1911 im englisclien Schatzamt tätig. Er ist Erster stellvertretender Sekretär des Schatzamtes. Sir John Woodhead verfügt insbesondere über große Kenntnisse der Finanzverwaltung, während Sir Alison Russeil Kolonialerfahrungen und juristische Kenntnisse vereinigt. A. P. Wateriield dürfte die Aufgabe haben, die Interessen des britischen Steuerzahlers zu wahren, soweit sie durch den Teilungsvorschlag Palästinas betroffen werden. Die Zusammensetzung der Kommission ist also so getroffen worden, daß die finanziellen, ökonomischen und sonstigen technischen Fragen, die mit dem Teilungsplan verbunden sind, studiert und entschieden werden können. Wie die ״Times“ dazu bemerkt, ist zu erwarten, daß das vierte Mitglied der Kommission insbesondere dafür qualifiziert sein wird, um die militärischen und politischen Problerne der Teilungsfrage zu behandeln. Die Aufgaben der neuen Kommission Die Aufgaben der neuen Kommission sind in dem Weißbuch vom 4. J ar.itar genannt, das das zehn Tage vorher abgegangene Telegramm des Kolonialministers an den des Wagnisses. Die Eltern konnten zuweilen ihre Kinder nicht verstehen, aber schließlich haben sie verstanden. Werfen wir einen Blick auf den Weg, den viele gegangen sind. Denken wir an die Tausende von jungen Mensehen, die nach 1933 in die Reihen des Hechaluz geströmt sind! Nicht alles war echt, es war dabei, zug־egeben, auch viel Aufblähung und manche Selbsttäuschung, und doch gebt die Zahl derer, die ans Ziel gelangt sind, in die Tausende. Sie haben einen Bruch mit dem Leben der vorangegangenen Generation vollzogen, wie er tiefer kaum zu denken ist. Diese Menschen leben heute in Ercz Israel, sie leisten schwere Arbeit, aber sie haben sich auch den alten Lebensbedingungen völlig losgelöst, viele können sich kaum mehr daran erinnern. Sie sindnicht Erben, sondern Beginnende. Schließlich haben die Urgroßväter, die in Deutschland oder anderwärts vor hundert Jahren eine Existenz aufzubauen begannen, die sie ihren Kindern und Enkeln vererben wollten, meistauch kein leichtes und bequemes Leben gehabt, auch sie mußten schwer arbeiten, körperlich schwer arbeiten. Die Jungen von heute haben sich bewußt einem neuen Zusamincnhang ei!!gegliedert, sie erleben, was ״Volk“ ist, erleben es buchstäblich und greifbar, mit all dem Zauber eines solchen Bewußtseins, aber, auch das ist nicht zu verschweigen, auch mit vielen Widrigkeiten. Sie machen nicht nur eine Schule der Arbeit, sondern auch der inneren Ueberwindung durch. Denken wir daran, daß in den letzten paar Jahren etwa tausend Jugendliche der Altersstufe zwischen 15 und 17 aus ihren Elternhäusem in Deutschland durch die Jugend-Alijah, betreut von dem Qeiste jener großen und edlen Frau, Henrietta Szold, High Commissioner enthielt. Die Aufgaben (״terms of reference“) der Kommission wurden in diesem Telegramm in folgender Art festgelegt: ״Unter Berücksichtigung des Teilungsplans, wie er in Teil III des Kommissionsberichtes ausgeführt ist, aber mit voller Freiheit, Aenderungen dieses Plans _vorz.11schlagen, einschließlich einer Aendcrung der für die Beibehaltung unter britischem Mandat vorgeschlagenen Gebiete; sowie unter Berücksichtigung etwaiger Vorstellungen der Bevölkerungsgruppen in Palästina und rrausiordanlen — I. Grenzen für die vorgeschlagenen arabischen und jüdischen Gebiete und die siändig oder zeitweilig unter britischem Mandat zurückzubchaltenden Enklaven zu empfehlen, die a) eine vernünftige Aussicht gewähren für die schließliehe Errichtung selbständiger arabischer und jüdischer Staaten mit entsprechender Sicherheit; b) den Einschluß der geringstmöglichen Zahl von Arabern und arabischen Unternehmungen im jüdischen Gebiet und umgekehrt nötig machen; und c) S. M. Regierung instandsetzen, die Mandatspflichten zu erfüllen, deren Ausführung im Konimissionsbericht empfohlen wird, einschließlich der durch Artikel 28 des Mandates hinsichtlich der Heiligen Stätten auferlegten Verpflichtungen. II. Die wirtschaftlichen und finanziellen Fragen zu prüfen und darüber zu berichten, die mit der Teilung Zusammenhängen und die Entscheidungen erfordern, einschließlich a) der Aufteilung der öffentlichen Aktiva, der Staatsschuld Palästinas und anderer finanzieller Verpflichtungen, die nach Artikel 28 des Mandats ״gesetzlich von der Verwaltung Palästinas während der Mandatsperiode efngegangen wurden“, soweit als notwendig zwischen den verschiedenen Gebieten; b) Mittel zu sichern, daß die oben erwähnten finanziellen Verpflichtungen In Uebereinstimmung mit Artikel 28 des Mandats voll erfüllt werden; c) die Verwaltung der Eisenbahnen, Häfen, Post, Telegraphen- und Telephondienste; d) Währungsregelungen; e) Zollverwaltung und Tarife; f) Budgetaussichten der verschiedenen zu errichtenden Verwaltungen; g) Wahrung der Rechte der Beamten in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Artikels 28 des Mandats; h) Behandlung industrieller und anderer Konzessionen; i) Möglichkeiten des freiwilligen Austausches von!.and und Bevölkerung und Aussichten, durch Landentwicklungsmaßnahmen Raum für weitere Siedlung zu Schaffen, um den Bedürfnissen derjenigen zu entsprechen, die von einem Gebiet ins andere überzusiedeln wünsehen; j) Schaffung wirksamer Sicherungen für die Rechte der religiösen oder völkischen Minderheiten in den Gebieten, die den Arabern bzw. den Juden zugesprochen werden, einschließlich des Schutzes der religiösen Rechte und Besitztümer.“ die seit 55 Jahren unermüdlich jüdische Volksarbeit leistet und Auswanderern den Weg in eine neue Heimat erleichtert, in ein neues Gemeinschaftsleben in Palästina verpfianzt worden sind, dort in körperlicher Arbeit und inniger Verbindung mit dem Boden aufwachsen, um wertvolle, selbstbewußte und innerlich gereifte Bürger eines neuen Gemeinwesens zu werden! Aber auch zahlreiche Menschen der älteren Generation haben den Weg großer äußerer Miihsale betreten und dabei innere Befriedigung gefunden. Sie leben als Siedler auf dem Lande in Palästina in einer Weise, die SAttei Ue&eMuk Primeminister Chamber lain empfing eine Abordnung des parlamentarischen Palästina-Komitees. Sir Arthur Wauchope reiste am 1. März von Palästina nach Aegppten ab. Einer der Gründer der Siedlung M i s chm ar II a e m e h wurde von Arabern getötet. Ein Angriff auf die Sied■ lung Tirat. Zwi wurde a b ge w e hr t. Der litauische Staatspräsident Sm el o n a und der litauische Innenminister General C a p l i It a s versicherten, daß die neue litauische Verfassung die Rechte der jüdischen und der anderen Minderheiten in Litauen nicht beeinträchtige. Der brasilianische Staatspräsident V arges ha' ■:׳' I irl, daß die brasilianische Regierung niiht /. Vnfeindlich sei.

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