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Jüdische Rundschau · 1938-03-01 · Heft 17 (1.3.1938) · page 26

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 17 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Seite 26 JODISCHF RUNDSCHAU Nr. 17, 1. III. 1938 Im Kulturbund-Theater: ״Kap der guten Hoffnung“ Das reizvollste an diesem leichten und verspielten Stück ist sein Reichtum an netten Einfällen und Uebcrrasclnmgcn. Was sich nie und nimmer hat begeben, das allein ist wahr. (Es handelt sich hier, wie man gleich sehen wird, um so etwas wie eine komödisclic omelettc ä surprise.) Wenn man es fertig bringt, au Stelle einer höchst unzuverlässigen tinirdischeu Gottheit eine solide Aktiengeseil- Schaft zur Lenkerin seines Erdenschicksals zu machen, d' in hat man die Chance, daß das ausweglose Leben sich p! Szlieh in einen Märchen wähl verwandelt — (meint der keineswegs humorlose und verspielte Autor Ladislaus Bus- I-ekele in seinem Stück). Eigentlich mußte man jetzt von den Fakten berichten, die sich da oben auf der Buhne abspielen, — aber niemand hätte was davon, und diese raffiniert /»bereitete eomedie ä surprise wäre damit iiires Hauptreizes beraubt; Leser und Zuschauer wären nur um das Vergnügen gebracht, selber an den geschickt verteilten Knallbonbons zu ziehen. Aber selbst bei so großer Zurückhaltung, die wir uns, aus Freude an diesem Quiprnquo, auferiegen, kommen wir nicht darum herum, uns iiher den jungen Mann zu äußern, um welchen sich in diesem Stück, wie drts Karussell 11m seine Achse, alles dreht. Eigentlich ist gar nichts über ihn zu sagen, denn er ist ein durchschnittlicher und herzlieh unbedeutender junger ,Mann, er ist ein Erbe und sonst nichts, — und das ist insofern ganz in der Ordnung, als eine Aktiengesellschaft ja nicht dazu da i-t. sich au •gerechnet um bedeutende Menschen zu kümmern. Aber da kommt ein Etwas auf diesen jungen Mann zugeflogen, ein Wesen wie aus einem Märchen, jung׳ und süß und mit großen blauen Kulleraugen, eine Mädchenmama, ein kindlich besessenes .Muttertier, und dieses Wesen sieht selbstverständlich außerhalb der von der ״Den ex maHiin? A.-G.“ rings um diesen jungen Mann bewegten kleinen mir Mädchen, die teils am der’ Literatur und teils aus Nußdort hei \Xn־n sind, lieben können: tauseml-rozenti!׳. Und da erweist e■- sich, daß dieser junge Mann nicht ein Menschenwesen_von Llei-ch und Blut ist, sondern mir der l'mriß einer 'rhrirh nahe ersten Ranges.’ Nur noch ein v. enwes. und der mit •— /;1־ ־ Dichter geworden. Er wurde es nicht. Er schrieb nur eine Rolle — aber was für eine Rolle! Line Bombenrolle für eine von schauspielerischer Phantasie mul Leidenschaft durehmdste Natur. Lnu! da nun diese Rolle in die Hände der Schauspielerin Camilla Eisner-Spira geriet, wurde aus ihr, der Rolle, ein blühender, von pulsendem Leben erfüllter Mensch, und es trat liier jener seltene Eni! ein, wo die Grenzen menschlieber und künstlerischer Wesenheit sich verwischen, ineinanderfließen und einander bis ins Letzte hinein durchdringen. Denn die Gestalt, «ler sie von sich aus so unendlich viel Leben gab, war eben dieses Leben selbst in seiner ganzen Fülle. Es gibt in dieser Komödie überhaupt eine ganze Reihe ausgezeichneter und wirkungsvoller Rollen, und sie waren durchweg mit ganz vorzüglichen Schauspielern besetzt. Von der Rolle des jungen Mannes sprachen wir bereits. Walther Herz tat alles, um ihr mit schauspielerischem Können soviel Lehen ein/uhauchcn, wie es nur irgend möglich war. Dem Kontrapunkt des Naturwescns, einem penetranten Vamp und ״gold digger“ amerikanischer Filmprovenienz, gab Gerda Klein schärfste Konturen. Dann gibt es da einen Advokaten, einen Marinnettenspiclcr des Lebens, es ist der Mann, der in. diesem Stück alles fingert und in Bewegung setzt, und wie der von umfassender Begabung nur so strotzende Schau- Spieler Alfred Berliner das hinlegte, das war ersten Ranges. Ein scharmanterer Zynismus ist kaum vorstellbar. Uno dann ist da ein Prokurist, eine Seele von einem Mensehen, ein flügelloser Engel mit Glat/e und ovaler Brille, und diese Figur führte von des Schauspielers Sigmund Nunborg Gnaden ein so üppiges Bühnendasein, daß ihm das Publikum aus Dankbarkeit am Hellsten einen dicken Kuß aufgedrückt hätte. Der bombastische ״Graphologe" des Alfred Lichtenstein aller war in Maske und Spiel ein zwerchfellhedr,äugendes Kabinettstück, ln kleineren Rollen: Martin Brandt, Berthok! Sega 11, Fritz Lion, Lilly Kann, Herbert Oru 11 ba um und Willy Prager (in einer verblüftend cn Peter -Altenberg- .Maske). Sicherlich war der Anteil des Regisseurs Fritz Wisten an der hohen (Qualität dieser Aufführung nicht gering. Es läßt sich sogar denken, dnÜ er sehr groß war. Denn nichts ist schwerer zu erreichen als tlas, was es. hier zu sehen gab: ein anmutiges und flott bewegtes Enscmblcspiel, — Die Dekorationen, die diesmal keine Probleme zum Knacken aulgaben, waren, wie (Gott sei Dank) immer, von Heinz Cond eil. i. v. in. Ankündigungen Frauen-Arbeltsgemelnschaft für Palästina. Am X. März, 16.30 l’hr, Regensburger Sir. 26: Rudolf Melitz: ״Jugcnd-Alijah — bke und X envirkhcliurg". ikhbtretlea: ,,Lin Tag aus dem Letzen der fugend- Alijah". — 2.. März, 10 l’hr, Chug Iwri, Wizo-Heim. Zu allen Ycr- Neue hebräische Anlün״erkur«e der BZV. Zentrum: Dienstag«, 20.30 Uhr. Kurs für Anfänger mit gelingen Vorkenntniso-n. Rn-cni halcr die Kuimrab:eih!ng der BZV., V 15. Memekesir. 10 (Tel.: 019031). Lchrküche auf Pa' :«tina Herden. Praktische Kochühungen auf h:c- (Tel: 87 25 28). 'munah. 1. März, ־׳red Gold- Hebräische Lehranstalt der Ji'd sclien Gemeinde, ln der Weh ten Zeit Montag und Mi'lworh: 17,30 bis 18 30 l'hr. — Klop-tackstr. 58 18 30 Uhr. gram- Am: •' hing,-a an' das Sekretariat des Ridischen Lehrhau-es 0. V., Bniim V 50. Mari.arger Sir. 5 (24 55 87). Sinai-Lehrgänge. .,Zeit und Ewigkeit im jüdischen Lehen": S. R. Weht, Vlirzhiirg. am 2. Marz. 20.30 Uhr, Siegmundshof 11. Premiere in der K'einkunstbühne des Jüdischen Kulturbundes. Am 12, Miliz 1933. 2)15 Uhr, im Kulturbunds;!״!. Kemmandanlenstr. 58 '59, unter der k.in uie: ivahen Leitung und in der fnszenicnmg von Max Ehrlich LWtauiiiihrim״ der Operette in d׳ci Akten ״Warum lügst du. Cherie...'?‘. von LcngsfeUlcr und Tisch. Musik von Märker. Außer Max Ehrlich wirken in dieser Opc'.ette Alfred Herliner, Ste'f; Ro.enbaum, Hans Karl Rnscnlwrg, Irrna Inteld u. a. mit. An zwei Flüge!״: Werner llaer, I)r. Richard Hirsch. Theater der Jüdischen Schulen, ln Airänderung des Spielplans gelangt am 7. und 8. März in: Briidc-rvereinshaus das Volksstück ,,Grüne Felder‘ von Pcrez Hirseiibein zur Aufführung. Das ״Sekretariat für Bildende Kunst“ eröffnet in der Matburger Straße 5 am 6. März, vormittags zwischen 11—2 Uhr, eine Ausstellung, in der folgende Berliner Künstler ihre Arbeiten zeigen: Dorothea Horwitz, Margarete Nchemia«, Ludwig Schwedin, Manfred Steinhardt. Jüdischer Muscumsverein. Am 8. März, Oranienburger Str. 31, 20 Uhr. Rabb. I)r. S. Samuel: ,,Künstlerische Kultur in Palästina“. Die Arno Nadel-Ausstellung hei Weil, Fasanenstr. 5, bleibt bl* 6■ Miirz (11—-1 Uhr), geöffnet. Der Film der Reichsvertretung ״Schaffender Wille, Juden werden Bauern und Handwerker“ wird am 2. März. 20.30 Uhr, im Brüdervoreinshuu« nochmals aufgeiiihrt. Referat: Dr. Georg Lubinski. Karten beim Zentral )11 s huß für Hilfe und Aulbau, Charlbg., Kantstr. 158. Hauskonzert bei R.-A. Danzlger, Motzstr. 82. am 8. März, 20.15 Uhr. Camilla Eimer (Spirn), Paula Salomon (Lindberg). Charlotte Sak>• rnonski (Rosen), Wilhelm Guttmann und Erna Klein. Konzert Hildegard Lippstadt (Lind:), (Sopran). Erna Jacoby• (Alt) und Dr. Hermann Saiomonski (Bariton), am 3. März, 20.15 Uhr. Joachimstba'er Str. 13. Am Flügel: Werner liacr und Gerhard Goldschlag. Komprsitions-Abend. In> Rahmen der Künst'erhilfe findet am 7. März in der Schu'e Jonchimstha'c׳ Str. 13 ein Kompositions-Abend mit Wer• ken von Max * W a c h s in a 11 ״ und James Rothstein statt. Mitwirkende: Alfr. Wittenberg, Max Warhsmann. Kurt Burchard, Blurncnield, Kantor Sittig, Merten, Dr. Aron und J. Rothstein. JUd. Wohlfahrt*- und Jugendamt. Die Rechtslxrrntungsstcllcn erteilen Auskunft an hilfsllediirf1 ige Mitglieder der Gemeinde bei Nachweis der wirtsrhaftürhen läge in allen juristischen Fragen. Sprechstunden: Bezirk Mitte, Auguststr. 17: Montag und Donnerstag, 9.30 bis 10.30 Uhr. Bezirk Süden. Thielseh Ufer 10/16: Montag und Donnerstag, 11 bis 12 Uhr. Bezirk Norden. Fberswaldcr Str. 26: Montag, 10 bi* 12.30 Uhr, und Donnerstag. 9.30 Iris 11.30 Uhr. Bezirk Südwest, Münrhencr Str. 37: Dienstag. 14 bis 10 Uhr, und Mittwoch, 10 bis 11 Uhr, und Donner .tag. 15 bis 17 Uhr. Bezirk Westen, Lützowstr. 16: Dienstag. 11 bis 12 Uhr. Bezirk Cbarlottenburg. Illeibtreustr. 2: Montag und Mittwoch, 14 Iris 15.30 Uhr. Bezirk Osten. Blumenstr. 97: Donnerstag, 15 bis 16 Uhr. Die ״Ahawah" (Jüd'sche Kinder- und Jugendheime) plant für End« März ein Vorhercitungslnger, in dem 14—16jährige für die nächst« Alijah vorbereitet werden sollen. Es stehen voraussichtlich 25 Zertifikate zur Verfügung. Fiir vn'lzahlcndc Jugendliche, die auf traditio• no!Ljüdische l.eltensßihrung Wert legen, sind noch einige Plätze frei. Mehlungen an: ״Ahawah“, Berlin N 4, Auguststr. 14/15. Die je tische private Musikschu'e Hollaender, Syltclstr. 9, hat an Stelle des nach Südamerika auswandernden Dr. Arthur Schleiiper für tlas Fach ״Flöte“ den Soloflötisten Alfred Lichtenstein als Lehrer Syn. Lindenstraße. Srhabbat-Ausgnngsfcicr am 5. März, 17.45 Uhr. Ansprache: Dr. Sa'omonski. Mitwirkende: Oberkantor Peissachowitsch, Elfiiede Borodin, Hildegard Lippstadt, Charlotte Salomortski-Rosen, der Chor der Synagoge Lindenstraße. An der Orgel: Paul Lichtenstern, Alexander Weinbaum. Selbsthiifegruppe jl'd. Körperbehinderter. Mitgliederversammlung am 1. März. 20 1 Ihr. Johanmsstr. 16. Max Gundcrshcim: ״Die Jüdische Wintcihüfe. ein Werk jüdisch-sozialer Gemeinschaft“. — Fürsorge- Beratung Montags, von 11—13 l'hr. oder nach telephon. Vereinbarung (39 13 05) bei Hermann. Tilc-Wardcnbcrg-Str. 10. Der jüdische BuchverMcb Kedsrrt, Charlottenburg. Dahlmannstr. 8, ist von Herrn Martin Salomon am 1. Februar übernommen worden. Der 100 000. Passagier der ״Queen Mary“. In Southampton schiffte sieh der 100 000. Passagier der Queen Mary“ für die Ueberfahrt nach New York ein. Seit der ersten Fahrt der ״Queen Mary“ im Mai 1936 war das Schiff dauernd im Dienst, mit Ausnahme der für das Ueberholen und Nachprüfen erforderlichen Zeit. Amerikareisen. Wie wir vom Reisebüro Atlantic Express GmbH. hören, findet die zweite Informationsreise nach LISA, am 14. März mit der ״Queen Marv“ statt. Die Firma E. Gaertner & Co., Hamburg 1. Altstädtcr Str. 17, ist offizieller Vertreter der Exportmustermesse, die vom 11.—20. März it» Prag, Messopalais, stattfindet. Aus dem Gemeindeleben Fn der Repräsentanten-Versammlung vom 1. Februar gedachte Dr. Conrad Kaiser der Verstorbenen Jakob Freimann, Rerthold Feiwel, Otto Warburg sowie des ermordeten englischen Archäologen Starkey. Sodann wurden die satzungsgemäß erforderlichen Wahlen in das Präsidium der Repräsentanicti-Versammlung vorgenommen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Regierutigsdirektor a. I). Conrad Kaiser, zu seinem Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. Max Baerwald wiedergewählt. Ein Gemeindeabend in der Synagoge Fasanenstraße würde durch eine Ansprache von Direktor Heinrich Stahl eingeleitct. Moritz Rosenthal sprach zum Thema Auswanderung und forderte planvolles Wandern. Direktor Josef Schmeidler betonte die Notwendigkeit der Umschichtung und wandte sich gegen die Tendenzen, die sich dieser Notwendigkeit entgegenstellen. Oberkantor Karl N e u m a n n trug mit seinen Oesängen zu einer würdigen Ausgestaltung des Abends bei. Familien- Nachrichten Herr Heinrich Stolzmann und Frau Hertha geh. Arnstadt, Charlottenburg, Kantstr, 103, begingen am 23. Februar die silberne Hochzeit. Das Beth-Chinuch vermittelt schulentlassenen Knaben tiefere Kenntnis des Judentums und bereitet sie gleichzeitig für Beruf und Auswanderung vor. Die von auswärts kommenden Schüler werden in dem angegliederten Internat untergebracht. Zum kommenden Sommerhalbjahr können noch eine Reihe von Knaben aufgenommen werden; Anmeldungen an das Büro, N 4, Artiilcriestr. 31. Ein englischer BUcherpreis für Berliner Kandidatin. Hilde Richard, eine der Schülerinnen der Waldschule Kaliski, die im Dezember 1937 die englische Schulabschlußprüfung der Universität Cambridge bestanden haben, erhielt jetzt die Nachricht, daß sie als die erfolgreichste Kandidatin ihrer Prüfungsgruppe mit einem von Baron Leopold de Rothschild hierfür gestifteten Bücherpreis in Höhe von 4*4 englischen Pfund ausgezeichnet worden ist. Warnung! Unter der Bezeichnung ״Jüdisches Flüchtlingswerk“ wird zurzeit eine unerlaubte Sammlung durchgeführt. Ein Mann, der sich Abel nennt, spricht in Priyatnäusem vor. Einer Aufforderung, am nächsten Tage wieder vorzusprechen, leistete er nicht Folge. Im gegebenen Falle wird gebeten, eine Spende abzulehnen und die Zentrale des Wohlfahrtsamts, Berlin C2, Rosenstraße 2/4, zu benachrichtigen. 6 B. 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