Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1938)
- Date
- 1938-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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»«•לי' /J«i״gM»g 43 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU Badakttoa, Varlsg and A BaalgaaverwaltaBgi BerllnW IS, Malaakeatr.10 Farnrnf I 919031, Telagramm-Adrame■ Orghlp. - Beiugapreis *insdiließlidi BattaHgeld j« Monat RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bmr. RM 5,39. - Portacfaeck - Konten der Vertriebs-Abteilung, Berlin 71573 (für Grofi-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt beateht kein Anspruch aut Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bangsgebühren- — Erscheint jeden Dienstag und Freitag, BERLIN כ״ג עבט תרצ״ח DIENSTAG, 25. JANUAR 1938 GBlttg! Anzelgenpreiallste Nr. 5. Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten anzeigen mir gegen Vorauszahlung auf Postscheck'-Kon^ Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F r o i t a g - A u sga b o Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das (ildlsehe Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Die Einwanderer in Brasilien Keine Maßnahmen gegen Juden aus Deutschland Rio de Janeiro, 18. Januar (Luftpost) Der Bundesjustiz minister hat heute in einer Presseerklärung energisch das (von einigen nordamerikani־ sehen Zeitungen verbreitete — A. d. R.) Gerücht deinen■ tiert, wonach die Bundesregierung ein Einwanderungsverbot für Juden aus Deutschland erlassen habe; eine solche Maßnähme sei weder getroffen worden noch sei sie für die Zukunft beabsichtigt. Der Minister fügte hinzu, daß Brasilien keine Rassenvorurteile kenne; die Einwanderung bleibe nach wie vor jedem gestattet, der unter Innehaltung der Einwanderungsgesetze ins Land komme, um in Anstand und unter Beachtung der Landesgesetze sein Brot zu verdienen. Vor einigen Tagen bereits hatte der Justizminister mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, daß die in der letzten Zeit getroffenen Maßnahmen gegen die als ״Touristen“ ins Land gekommenen Emigranten jeglichen antisemitischen Charakters entbehren, sondern sich ganz allgemein gegen alle illegal Eingcwandcrten ohne Rücksicht auf ihre Nationaliiät, Rasse oder Religion richten. In der Tat befinden sich unter den von diesen Maßnahmen Betroffenen Leute der allerverschiedensten Herkunft. Diese gegen die illegalen Immigranten gerichtete, bereits im vorigen Monat eingelcitete große Aktion hat vor einigen Tagen infolge einer direkten Intervention des Präsidenten der Republik eine vorläufige Unterbrechung erfahren. Die Polizeibehörden haben gestern eine Bekanntmachung erlassen, in der gesagt wird, daß die Maßnahmen gegen die Touristcn-Emigrantcn für die Dauer von 60 Tagen ruhen werden. Alle illegal Eingewanderten, die im Zeitpunkt des Ablaufs dieser Frist ihre rechtliche Situation nicht geregelt haben, werden dann strafrechtlich verfolgt und ausgewiesen werden. Ob und unter welchen Voraussetzungen eine Legalisierung der illegal Eingewanderten innerhalb dieses Zeitraums möglich sein wird, lassen die polizeilichen Anweisungen nicht erkennen. Einige brasilianische Zeitungen bringen zum Ausdruck, daß die Intervention des Präsidenten der Republik vor allem mit Rücksicht auf die aus Deutschland eingcwandcrten Jude n erfolgt sei und knüpfen daran wohlwollende Kommentare. Es wird eine nordamerikanische Pressestimme zitiert, die sagt, daß Präsident Vargas mit dieser Maßnahme bewiesen habe, daß auch das neue brasilianische Regime frei von antisemitischer Einstellung sei. Der vorstehende Bericht bestätigt die von uns schon vor einer Woche gebrachte Nachricht, daß die vor einiger Zeit von der Presse gemeldete angebliche Absicht von Massenausweisungen aus Brasilien nicht bestellt. Die jüdische Welt wird die Haltung der brasilianischen Regierung mit Genugtuung und Dankbarkeit zur Kenntnis nehmen, in dem Bewußtsein, daß die eine neue Existenz und ein Ziel ihrer Wanderscfiaft suchenden Juden dem Lande, das sie gastlich aufnimmt, arbeitssame und gute Bürger sein und an der Entwichlung seiner großen Möglichkeiten aktiv teilnehmen wollen. Jüdische Sorgen in Jugoslawien Von unserem Berichterstatter J. H. Belgrad, 22. Januar Die Nachrichten über den Kurswechsel im Nachbarstaat Jugoslawiens, in Rumänien, haben die jugoslawischen Juden tief beunruhigt. Zwar ist die Zahl der jugoslawischen Juden nur ganz unbedeutend, aber die Erfahrung zeigt, daß Quantität und Bedeutung nicht immer notwendig sind, um das Los der einzelnen Judenheiten zu verschlechtern. Die Stirnmutig der Unruhe wurde noch verstärkt durch einige Gcschehriisse, denen man offensichtlich zu große Bedeutung zumaß. So wurden am Tage des Regierungswechsels in Rumänien in der Belgrader großen Synagoge einige Fenster eingeworfen und die Außenwände beschmiert. Viele sahen darin, mit Unrecht, mehr als einen Streich unverantwortlicher Elemente. Dazu kam noch der Umstand, daß in diasen Tagen die Amtszeit des einzigen jüdischen Vertreters im Senat, des Oberrabbiners Dr. Isaak Alkalay, abgeiaufen ist und bei der neuen Besetzung der Senatssitze kein Jude ernannt noch gewählt wurde, so daß die jugoslawischen Juden jetzt weder im Parlament noch im Senat einen Vertreter haben. Dieser Tage brachte das Organ des jugoslawischen Innenministers Korosec, der ״Slovenec“, einen größeren Artikel, in welchem die Juden im allgemeinen scharf angegriffen werden. Im Lande ist es allgemein bekannt, daß der Innenminister, ein katholischer Prälat, kein Judenfreund ist; nichtsdestoweniger hat ein so offener Artikel seines Hauptorgans die Oeffentlichkeit stark überrascht. Auch der moslemische Teil der Bevölkerung nimmt immer deutlicher Stellung gegen die Juden. Wir berichteten, daß vor einigen Monaten sechs Wochen lang Scheik Emir Arslan, der Chef des syrisch-arabischen Büros in Genf, in Jugoslawien weilte und ln einigen Städten Propaganda betrieb. Nun zeigen sich die Früchte. Anläßlich der Hinrichtung des palästinensischen Terroristen Farhan wurde in der größten Moschee im Lande, in Sarajewo, ein Trauergottesdienst abgehalten. Die moslemische Presse brachte bei dieser Gelegenheit scharfe antizionistischc und antijüdische Artikel. Dennoch darf nicht vergessen werden, daß, wenn auch heute antisemitische Stimmen lauter vernehmbar als früher sind, die breite Masse der Bevölkerung in Jugoslawien ihre freundschaftliche Haltung den Juden gegenüber behalten hat und auch diese Haltung recht oft zum Ausdruck bringt. Fragen der polnischen Auswanderung Von unserem Berichterstatter Warschau, den 18. Januar Nichts ist bezeichnender für die Verhältnisse in Polen als der Umstand, daß während der letzten Beratungen der Budgetkommission im Sejm das Emigrationsproblem nicht bei der Vorlage des Etats des Ministeriums für soziale Fürsorge, sondern des Außenministeriums behandelt wurde. Die vielstiindige Debatte bei der heutigen Kommissions* Sitzung drehte sich um die Frage der jüdischen Emigration. Es sei festgestellt, daß sich fast sämtliche Redner bemüht haben sachlich zu sein; über Madagaskar sprach man nur als Beispiel. Trotzdem war es ungerecht, wenn man in der Hauptsache Besorgnisse um die jüdische Auswanderung äußerte, zumal aus der antijüdischen Erklärung des Ahgeordneten Budzynski hervorging, daß vom Jahre 1918 bis 1935 aus Polen zwei Millionen ausgewandert sind, darunter z. B. im Jahre 1929 allein ein Viertel Million Polen. Es findet zwar eine Rückwanderung der Polen statt, sie ist aber in den letzten Jahren immer schwächer geworden. Trotzdem wird bei Behandlung dieses Problems besonders die jüdische Note hervorgehoben. Der Budgetreferent, Abgeordneter W a I e w s k i, teilte mit, daß im Dezember 1926 bis 1936 j ä h r I i c h i m Durchschnitt 18 000 Juden Polen verlassen haben. Das macht etwa 60 י des natürlichen Zuwachses der Juden in Polen aus, Abgeordneter Walewski erklärte, daß jährlich mindestens aus Polen hunderttausend Juden auswandern müßten und das gegenwärtige Einigrationsangebot schätzte er mit einer Million. Es liege nun, erklärte der Redner, sowohl im Interesse des strukturellen Gleichgewichts Polens, als auch im Interesse der jüdischen Bevölkerung, den Abfluß der Juden in diesem Ausmaße zu sichern. In erster Reihe komme als Emigrationsland Palästina in Betracht, ״Die Umwandlung der Juden in ein normales Volk auf eigenem Territorium betrachten wir als eine gesunde und wünschenswerte Erscheinung.“ Die Restriktionen, die im letzten Jahre die Mandatsregicrung ei!!geführt habe, beunruhigen aufs stärkste die polnische Regierung. Der Budgetreferent teilt mit, daß das polnische Außenministerium sich sehr bemüht habe und bemühe, die Iinmigrationsniöglichkciten nach Palästina aufs maximalste zu steigern, jedoch die neue englische Palästinapolitik gehe für die nächste Zeit wenig Hoffnung auf eine großangelegte Emigration der Juden. Deshalb müssen andere Emigrationsländer gesucht werden, was auf große Schwierigkeiten stoße, da viele Staaten eine negative Be- Ziehung zur jüdischen' Einwanderung haben. Ahg, Sommerstein hat in seiner ausführlichen Rede darauf hingewiesen, daß das Emigrationsproblem in erster Linie vom wirtschaftlich-sozialen Standpunkt betrachtet werden muß und keinesfalls unter national-religiösem Aspekt zu behandeln ist. ,''יי י־*׳ ' ‘ Pol ne Vorhedin - . ... Bella....״ _ . . , Emigration* Problems. Es ist kein Wunder, daß die Juden keinen Enthusiasmus in dieser Frage bekunden, da man polnischerseits die jüdische Auswanderung als Massen- und Zwangsbewegung hinstellt. Die Palästinaemigration geht nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern gleichfalls aus ideellen Motiven hervor. Die Anerkennung, die die polnische Diplomatie für die Bemühungen der Juden, ein eigenes Staatswesen zu begründen, hegt, könnte viel erfolgreicher sein, wenn nicht Hand in Hand damit die Bestrebung vorbanden wäre, die Juden in großer Zahl loszuwerden. Im Zusammenhang mit dieser letzten Feststellung des Abg. Sommerstein sei initgeteilt, daß der jüdische Parlamentsklub die an ihn gerichtete Einladung, sich an einer von der Emigrationssektion des Klubs der Landwirte im Sejm veranstaltetcn Diskussion über das Palästinaproblem zu beteiligen, nicht angenommen hat, und zwar mit der Begründung, daß diese Abgeordneten die Emigrationsprobleme der Juden ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der E v a k 11 a t i o n behandeln. Der Brief Ormsby-Gores Von DavidBc 11- Gurion (Jerusalem) Der Vorsitzende der Palästina-Exekutive, Ben-Gurion, veröffentlicht in einer Reihe von zionistischen Zeitungen einen sehr ausführlichen Artikel über das neue Weißbuch der englischen Regierung, den er auch der ״Jüd. Rundschau“ zur Verfügung stellt. Ben-Gurion gibt den {unseren Lesern aus dem Abdruck in AY. 2 /ÖLS der ״J.R.“ bekannten) Inhalt wieder und analvsiert jeden einzelnen Paragratdien. Dabei weist er zunächst' darauf hin, daß alte, die eine radihole Abkehr der Regierung vom Teilunvsphin erwartet halten, enttäuscht sind, 'da das Weißbuch am Prinzip der Teilung fcslhält. Ben-Gurion stellt aber dann die erhebliehen Unterschiede in Intention und Ausdruchswcise des Weißbuches gegenüber der Erklärung eom S. Juli 1937 fCmd. 5513) fest, ln manchen Punkten handelt cs sich, wie in der ״Jüdischen Rundschau■‘ gleich!,dis bereits dargelegt, sogar um Widersprüche gegenüber dem ursprünglichen Plan. W'ir bringen nachfolgende einzelne Abschnitte aus dem /Irtihel von Ben-Gurion zum Abdruck. (Red.) Die Prozedur schaftlichen Fragen klaren, die 'mit der Teiinn:: verbunden sind. handeln, und wenn sie sie genehmigt, sie vor den Völkerbundsrat bringen. 3. Der Völkerbund soll den Vorschhig der Regierung behandeln und genehmigen. 4. Nach Genehmigung tjllrch den Völkerbund sollen in den einzelnen Gebieten ״neue Regierungsmellioden“ festg> setzt werden. 5. Wenn die Parteien (die Juden und die Araber) zustimmen, soll die Regierung Verhandlungen über Verträge (Staatsvertrage) zum Zwecke der Errichtung selbständiger Staaten eröffnen. 6. Möglicherweise wird vor der Errichtung der selbständigen Staaten ein provisorisches Mandats- oder Kantonal- System im jüdischen und arabischen Gebiete geschaffen werden. 7. Es sollen selbständige Staaten errichtet werden. Wieviel Zeit kann vergehen, bis jede Etappe beendet ist? Vorläufig stehen wir noch nicht in der ersten Etappe, sondern vor ihr. Die Kommission ist noch nicht ernannt, und wenn sie ernannt ist, weiß niemand, wann sie nach Palästina kommt. Und wenn sie nach Palästina kommt, verspricht uns der Brief, ״werden ihre Untersuchungen zweifellos viele Monate dauern“. Vielleicht aber hegt jemand möglicherweise doch noch einen Zweifel, daß sich die Sache lange genug hinziehen wird; darum unterstreicht der Brief im vorletzten Absatz, ״cs sei also klar, daß die Tätigkeit, die auf unbestimmte Zeit durchzuführen ist, ausschließlich den Zwecken der Untersuchung dienen wird.“ Das Staatsgebiet ist es,' die'Grenzen dt's^üdischen mul'arab'schcif ,"lelhctes“ und der britischen Mandatsgebiete beider Kategorien, der ״zeitweiligen“ und der ״ständigen", fcstzuset/cn. Für die Festsetzung der Grenzen der beiden Staaten, die irgendwann im Laufe der Zeit errichtet werden sollen, wird die Kommission beauftragt, zwei Bedürfnisse zu berücksichtigen: 1. die angemessene Aussicht, daß jeder Staat sich selbst erhalten kann und ausreichend geschlitzt ist; 2. daß beide Staaten das klcinsiinögiiche Minimum von Angehörigen des andcien Volkes umfassen. In diesen Weisungen wendet sich der Brief nicht nur von der Erklärung des Koloniabninisters in der Mandatskommission, sondern auch von der vitalen und zentralen Schlußfolgerung ab, über die die Mandatskommission beschlossen hat. Die Schlußfolgerung der Mandatskommission lautet: ״Die für die Juden bestimmten Gebiete sollen ziemlich weit, fruchtbar und hinsichtlich der Verbindung mit dem Meere und dem Festlande bequem sein, um auf diese Weise eine intensive wirtschaftliche Entwicklung und in ihrem Gefolge eine rasche enge Besiedlung möglich zu machen.“ Bei der Begründung der Notwendigkeit, den Juden ein breiteres Gebiet zuzuweisen, seihst wenn dadurch eine größere Anzahl von Arabern im Judenstaate verbleibt, sprach die Mandatskommission eine große, moralisch bedeutsame Wahrheit aus, indem sie sagte: ״Es muß daran erinnert werden, daß die kollektiven Leiden der Araber und Juden nicht verglichen werden können, weil weite Gebiete, die früher den Wohnsitz einer großen Bevölkerung und die Heimat einer glänzenden Kultur bildeten, für die ersteren Swsiev UeMdick Der Kampf um die Fußball Weltmeisterschaft in Tel /lein endete mit. einem Sieg der Griechen von 3:1 über die jüdische Mannschaft. — Bei den Winter» hilfsspielen in Berlin konnte der Makkabi beide Kämpfe siegreich beenden. Die Militärgerichte in Palästina füllten drei Todesurteile gegen Araber. Zwei Urteile wurden bereits vollstreckt. ln Washington wurde eine Palästina-Konferenz des amerikanischen Judentums eröffnet.