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Jüdische Rundschau · 1938-01-21 · Heft 6 (21.1.1938) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 6 (21.1.1938)
Date
1938-01-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JODISfHP RllNDSrH AU Nr. 6, 21. 11938 Der Plan einer ״Hebräischen Akademie“ Von Oskar Wolfsberg (Jerusalem) Wir haben in Nr. $5 (1937) zu dem von Dr. Magne Universität angehündigtcn Plan der Schaffung einer Hebr stehende Artikel beschäftigt sich gleichfalls mit diesem Konkretisierung eines derartigen Planes auftauchen. (Red.) Der Plan einer Hebräischen Akademie, die nach dem Vorbilde der Akademien der Wissenschaften in Europa und Amerika, der gelehrten Gesellschaften im höchsten Sinn, errichtet werden soll, verpflichtet zu einer eingehenden Prüfung. Nicht aus der Regung eines Augenblicks, aus ephemerer Begeisterung für erhabene Dinge darf ein solches Projekt hervorgehen und Gestalt annehmen. Wir dürfen uns nicht an Namen berauschen. Wir haben viele wichtige Dinge viele Jahrhunderte lang entbehren müssen und sind nun auf einmal ungeduldig geworden. Ungeachtet der Rolle, die bei allen solchen Fragen das organisatorische Talent spielt, ist die Entstehung solcher Institutionen kein Werk der Geschicklichkeit. Es muß wachsen. Es muß sich auf dem Fundament gesicherter und bleibender kultureller und wissenschaftlicher Anstalten erheben. Das alles will Zeit und Ruhe. Wir haben eine recht bedeutende Zahl jüdischer Gelehrter, aber wir haben kaum eine bedeutende Tradition gelehrter Anstalten höchsten Ranges. Die Schwierigkeiten der Realisierung sind ungewöhnlich groß. Es gibt doch grundsätzlich zwei Wege. Entweder erstrebt man eine Akademie, die iür das gesamte jüdische Volk repräsentativ ist und seine höchste geistige Körperschaft darstelit, oder man läßt sie in Palästina wachsen. Auch in diesem Falle könnte sie Gelehrte anderer Länder zu den ihren zählen. Aber es ist klar, daß sie im crstcren eine jüdische, im letzteren eine hebräische Akademie wäre. So sehr ich der zweiten Eventualität den Vorzug geben möchte — ich halte zunächst nur die erste für realisierbar. Das ist hei mir gewiß nicht aus Abneigung gegen die hebräische Sprache und Palästina zu erklären; man wird mich einer solchen Aversion nicht verdächtigen. Aber die große jüdische Welt birgt Menschen und Aufgaben, die den Versuch rechtfertigen könnten. Es ist mir klar, daß auch in diesem Falle Erez Israel der Sitz der Akademie sein müßte. Aber es kann nicht die Initiative und Entscheidung in einer Frage von so weittragender Bedeutung in den Händen einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Männern liegen. Denn über das Schicksal einer solchen Institution entscheiden doch diejenigen, weiche sie ins Werk setzen. Nun bin ich der Meinung, daß die Professoren der Hebräischen Universität mit dem Ausbau der Hochschule noch allzu beschäftigt sind, als daß ihnen eine noch kompliziertere Aufgabe zusätzlich auferlegt werden könnte. Es fragt sich auch, ob der Kreis der Männer, die in Jerusalem lehren, bereits so lückenlos ist, daß er die tragfähige Basis darstellen würde. Es hat sich doch gezeigt, daß die Universität manchem der ganz großen Forscher und Denker auf dem eigentlichen Gebiet der jüdischen Wissenschaft ihre Pforten nicht geöffnet hat. Das ist hier ohne kritische Absicht gesagt, aber es illustriert die Situation. Man darf auf der anderen Seite nicht die Schwierigkeiten verkennen, die mit der auf breiter Basis errichteten Akademie verbunden sind. Sie sind zunächst technischer Natur: die Zerstreuung über die Welt richtet große Hindernisse auf: es werden nur in großem Abstand Sitzungen stattfinden können. Die Redeutung relativ h'änSiger Sitzungen, besonders der Klassen, und des persönlichen Kontaktes ist gerade in der Akademie groß. — Das Sprachenproblem ist ein außerordentlicher Hemmschuh. Es ist unmöglich, die hebräische Sprache in ihrer besonderen Rolle zu vernachlässigen. Aber nicht viele sind ihrer mächtig. Die Akademie müßte eine weitere, schon durchaus keine technische, Aufgabe lösen. Sie muß Männer großen wissenschaftlichen Formats berufen, kann aber nicht darauf verziehten, gewisse Mindestforderungen jüdischer Art an ihre Mitglieder zu richten, Das hat nichts mit Gesinnungs- Schnüffelei zu tun und bedeutet keinen Eingriff in die persönliche Sphäre der Entscheidungen. Parteimäßige Forderungen haben hier keinen Platz. Aber es genügt nicht, seinen Anspruch auf einen Sitz damit zu begründen, daß man als Jude irgendwo verdrängt worden ist. Eine positive Be- Ziehung zum Schicksal unserer Gemeinschaft und zur Zukunft unserer Nation und den Bemühungen, die auf ihre Sicherung hinzielen, ist unerläßlich. s bei der Eröffnung des neuen Semesters der Hebräischen äis ehen Akademie Stellung genommen. Der nach- Thema und erörtert eine Reihe von Problemen, die bei der Es erhebt sich die Frage: Wer soll die ersten ״Akademiker“ ernennen? Viel hängt für das Schicksal der Akademie von diesem ersten Schritt ab. Das Problem der Ernennungen und Wahlen ist stets eine Crux. Bei uns, die wir noch mancherlei Institutionen entbehren, und denen noch viele Organe der Kritik und der Regulation fehlen, liegt noch alles schwieriger als anderwärts. Ich sehe nur einen Wegf die Berufung der ersten Männer in die Akademie müßte einem ganz kleinen Kreis überantwortet werden, der in den Augen der ganzen jüdischen Welt uneingeschränkte Autorität genießt. Männer, deren geistiges, moralisches und jüdisches Niveau nicht anzuzweifeln ist. Wer soll berufen werden? Damit nähern wir uns schon dem Aufgabengebiet der Akademie. Das Problem ist, ob die Hebräische Akademie mehr oder weniger dem Beispiel der gelehrten Gesellschaften folgen soll oder eigene Wege zu gehen hat. Sicherlich muß der Wissenschaft ihr Rang gewahrt werden im Rahmen einer Hebräischen Akademie. Und ob die Stunde für eine Akademie der Künste bereits gekommen ist, oder ob die Künstler Sitz in der einheitlichen Akademie haben sollen, bedarf einer sehr sorgfältigen Erwägung. Ich bin der Meinung, daß in der Akademie in jedem Falle auch Männer der jüdischen Weiaheit Platz finden müssen, Repräsentanten der traditionellen Gelehrsamkeit, die wir nicht unter die üblichen Wissenschaften rechnen. Der besondere Typ des großen Talmudisten, der zugleich eine große fromme und weise Persönlichkeit ist, darf keinesfalls fehlen. Ebenso muß ein Dichter, der Denker ist, der als Erzieher und Wegweiser des Volkes wirkt, gewürdigt werden, in einer solchen Versammlung zu sitzen. Als Beispiele wähle ich absichtlich zwei Heimgegangene: Kuk und Bialik. Die besonderen Aufgaben und Disziplinen, denen die Akademie sich widmen muß, können hier nicht im einzelnen erwogen werden. Alle Zweige der jüdischen Wissenschaft, mit besonderer Akzentuierung der hebräischen Sprache, ihrer Geschichte, ihrer Literatur usw., müssen ihre eindrucksvolle Vertretung finden. Gerade in diesem Sektor dürfen wir nicht allzu sehr der Schablone folgen. Nicht nur und nicht in erster Linie müssen Männer einziehen in die Akademie, die ohne Originalität ausgetretene Pfade wandeln, und die von der Wissenschaft des Judentums und den theologischen und verwandten Anstalten gebahnten Wege fortsetzen. Es gibt Männer ohne jeden akademischen Rang, die freilich wenig publiziert haben im Verhältnis zu den Offiziösen der Forschung (die Jahr für Jahr mit unfehlbarer Sicherheit der Welt die Ergebnisse ihrer Arbeit vorlegen), sogar sehr wenig an Quantität aufzuweisen haben, und dennoch diese Forscher so gewaltig überragen, an Fachwissen, an Umfang und Tiefe jhrer Gelehrsamkeit, daß angesichts eines Problems, wie es die Akademie ist, kein Zweifel an ihrer größeren Eignung besteht. Ich erkenne völlig die Berechtigung schöpferischer Menschen modernen Typs an, in die Akademie einzutreten. Aber ich kämpfe fiir die Wahrung des Anteils jener Wenigen, in denen noch das große Erbe lebendig ist, das unsere Ahnen uns hinterlassen haben; dieses Erbe aber nicht als amorphe Masse, als toter Stoff, sondern als Substrat,_ dessen uestaltung ihnen kraft ihres Geistes gegeben ist. — So hat nicht nur die jüdische Philosophie als Gegenstand historischer Forschung einen Anspruch auf Würdigung, sondern auch d i e Philosophie, die vorwärts strebt und die Erneuerung des jüdischen Gedankens, besonders in systematischer Ansicht, sich zum Ziel setzt. Und ähnliches gilt für die Halachah. Die Fülle der persönlichen und sachlichen Schwierigkeiten ist groß. Vielleicht sind sie überwindbar. Aber das muß vor der Gründung geprüft werden. Eine ungenügende Grundlegung kann den großartigen Gedanken fiir lange lähmen. Demgegenüber kann eine Gründung dieser Art einen Aufschuh vertragen. Die Akademie ist notwendig, aber nicht dringend. Die Gesamtheit hat ein fnteresse an allem, was ihrer Schaffung gilt. Es müßte von der Gesamtheit aus eine kleine Gruppe hervorragender Männer beauftragt werden, alle Vorfragen und Fragen eingehend zu studieren, aber nichts zu präjudizieren. Lebenskosten in den Kibbuzim In der wirtschaftlichen Halbmonatsschrift ״Hameichek Iiaschittufi“ schreibt I. Rosenblatt zum Thema ,;Lebens- Standard in den genossenschaftlichen Siedlungen“ u. a, folgendes: Das Niveau der Lebenshaltung zeigt sich hier nicht nur in Ausgaben für Kleidung und Essen, sondern auch in der Zahl der Arbeitstage, die man unproduktiven Gebieten der Wirtschaft widmet. Dazu kommen Steuern und Abgaben, die auf den Wirtschaften lasten und nicht zuletzt die Ausgaben in Geld und Arbeitstagen für die Pflege und Erziehung der Kinder. Nach der Statistik erfordert jedes Kind im Kibbuz durchschnittlich eine Ausgabe von 24 £ Jährlich und außerdem noch hundert Arbeitstage eines Erwachsenen. Wenn die Ansprüche auf diesem Gebiet nicht verringert werden können, so muß eine Vermehrung der Kinderzah! auf 1—2 Kinder für jeden Arbeitenden zu einem notwendigen Defizit führen. Rechnet man auf jeden Arbeitenden ein Kind, das hundert Arbeitstage erfordert, so ergibt sich folgende Rechnung: für das Kind 100 Tage, fiir die eigene Versorgung und Bedienung des Erwachsenen 50 Tage, für Schabbatc- und Feste 60 Tage, für Krankheit, Geburt usw. 30 Tage, Ferien 10 Tage, Beanspruchung durch öffentliche Angelegenheiten und sonstiger Ausfall 5 Tage, zusammen 255 Tage. Für die produktive Arbeit des Erwachsenen blieben also in diesem Falle nur HO Tage. Es ist evident, daß eine so geringe Anzahl produktiver Arbeitstage für die Ernährung des Erwachsend! und die Erhaltung der Wirtschaft nicht ausreichen kann. Es müßte also von der Regierung und den nationalen Institutionen verlangt werden, daß sie sich an den Ausgaben für die Erziehung der Kinder mehr als bisher bc- {eiligen. Gleichzeitig muß man aber für Verbilligung dieser Ausgaben Sorge tragen, durch Ausbildung von Mitgliidern der Kibbuzim zu l ehrerti, durch Zusammenlegung der Schulen benachbarter Kibbuzim usw. Um die Zahl der produktiven Arbeitstage zu vermehren, wäre es wichtig, die Administration soweit wie nur irgend möglich zu vereinfachen. Auch Ferien n:1t! Erholung dürfen nicht mechaniscli geregelt werden. Arbeit und Reisen in öffentlichen Angelegenheiten sollten auf ein Minimum beschränkt werden. Die Wirtschaft von Tel Jossef Fm internen Organ des ״Kibbuz meuchad“ ״Zror Michtawim“ veröffentlicht der Kibbuz Tel Jossef, einer der ältesten und größten Kibbuzim, einen Bericht über das abgelnutene Wirtschaftsjahr, dem wir folgendes entnehmen: Wir zählt!1 jetzt 50 Menschen mehr, im ganzen 600 Menschen. Tun״ habe״ wir in diesem Jahre in verschiedenen Zweigen der Wirtschaft investiert, wir haben uns beim Ausbau neuer Ansiedlungspunkte aktiv beteiligt. Unter den neu aufgenomniencit Mitgliedern stammen 20 aus Deutschland. Unsere Wirtschaft ist so aufgebaut, daß sic von der Prosperity kt men großen Nutzen hatte, aber auch unter der Krise nicht allzu sehr leidet. Wir haben keine übergroßen Investitionen für Zitms-Anbau gemacht und auch die Milchwirtschaft nicht allzu sehr ausgebaut. Jeder Wirtschaftszweig hat seine ständigen Arbeiter, denen sein Oedeihen am Herzen liegt. Unsere Produktion ist für unseren eigenen Bedarf und für den Bedarf des Landes bestimmt (mit der einzigen Ausnahme der Grapefruit). Unsere Bemühttngen, den Eigenverbrauch mehr aus der eigenen Produktion zu decken und uns von eingeführten Produkten unabhängiger zu machen, waren freilich nicht erfolgreich. Auch gelang es uns nicht, die unproduktiven Arbeiten Im Betrieb einzuschränkett und den Vertrieb unserer Erzeugni-sse zu verbilligen. Trotzdem wäre unsere Lage gut 7.11 nennen, wenn wir unsere Ausgaben für Steuern, Abgaben und Zinsleistungen verringern könnten. Der Ertrag des vergangenen Inhres war g u t und unsere Einkünfte betrugen £ 30 000. Aber wir zahlen allein an Zinsen £ 1500 im Jahr, denn die Summen, die wir von den zionistischen Institutionen für die Konsolidierung unserer Wirtschaft erhielten, reichten nicht aus, und wir waren genötigt, wettere Anleihen aufzunehmen. Große Ausgaben für Wohnungsbau, Errichtung von Wirtschaftsgebäuden und landwirtschaftliche Maschinen stehen uns noch bevor. Unsere Finanzlage ist also schwierig, aller wir konnten bisher pünktlich allen unserer! Verpflichtungen nach komme 11 und gedenken es auch In^ Zukunft weiter so zu halten. Unser Kredit ist gut■ Wir Futterbaus weiter entwickeln. Wir wollen auch unseren Eigenverbrauch mehr unserer Produktion anpassen. Besuch bei Arabern Von Victor Fried (Tel Aviv) Wir leben in einem kleinen, haß tunkämpften Land, wo die Leidenschaften heiß sind wie die Sonne, die das ganze Jahr ihre sengend! n Strahlen auf uns herabwirft. Trotzdem haben viele Juden ara.baclie gute Freunde. Auch ich habe einen. Und er kam eines Tages /״ mir und lud mich ein, mit ihm hinatiszttfahreu, in die Dörfer, die noch kein jüdischer Fuß betrat. Ich war anfangs etwas unsicher, doch dann riskierte ich mein Lehen für meimn Wissensdurst und sagte zu. Fs war ein regneri־,! her Herbsttag, als ich mit ihm in dem mit Beduinen überfüllten Autobus atts Jerusalem hinausfuhr, über Bethlehem nach Hebron und ans Endziel, nach Beer Scheba. Ls war sehr lehrreich und interessant, was ich dort sah und keiuienkrnte. Denn ich war nicht in Jaffa oder in einer anderen größeren Stadt, in die die Kultur bereits ihren Linzug gehalten hat, nein, ich war in den kleinen arabischen Dörfern ’inmitten der gelben Anfänge der Wüste. Man hat mich empfangen und behandelt wie einen lieben Suten Freund. Und alle wußten, daß ich Jude bin. Ich war!ast einer Stadt mit 3500 Einwohnern. Ich habe mich wie zu Hause gefühlt und mein Herz schwelgte im größten urtermeßlichen Glück, als ich sah, es gibt noch einen Ausweg, wir werden doch friedlich nebeneinander siedeln, denn die arabische Seele ist gut und weich. Lachen Sie nicht' Ich bin nicht Enthusiast. Aber ich kenne die Araber, und möchte, daß Sie, verehrte Leser, eines verstehen sollen, daß ein Gebot der Stunde vor uns liegt: Wenn wir mit den Arabern zu einer Lösung kommen wollen, so müssen wir vor allem diese Menschen kennen und achten. Wir müssen als Freunde zu ihnen kommen. Denn sie, vielleicht nicht ihre Führer, aber das Volk will und sucht den Frieden, es will nichts anderes als leben und wissen, daß sein Brot und seine Existenz nicht gefährdet wird. Und wir sind dazu berufen, wir, die jungen aufbamvilligen Juden, die den Frieden wollen. Eine Woche war ich dort. Ich war in den Bergen bei den Beduinen und in den Tälern bei den Fellachen. Durch die nach dem Regen grünliche Wüste ritt ich auf Kamelen, und dort, wo keine Zeitung, keine jungen fanatischen Oesiebter, auf denen der Haß eingegraben ist, und kein Chauvinismus sieb auf mein Herz mit seinem schmerzlichen, lastenden Druck legte, überkam mich eine Ahnung von dem großen unvorstellbaren Glück, daß wir vergängücne Menschen für unsere paar Lebensjahre herbeisehnen: Frieden lind N8chstenliebe! Dafür, so glaube ich, sollten wir alle cintretcn. Musik in Palästina Alice Ehlers spielt in Jerusalem. In einem Kammerorchesterkonzert mit dem Palcstine Orchester gab Michael Taube ein Programm, das durch die Cembalistin Alice Ehlers zu besonderer Bedeutung gelangte. Wir hörten die B-Dur-Symphonic von Johann Christian Bach, des jüngsten Sohnes des großen Sebastian, die Serenata Notturna von Mozart, die Dämon-Suite von Hindemith und das D-Dur Rondo für Cembalo und Orchester von Mozart, sowie das D-Dur-Konzert für Cembalo und Orchester von Haydn, in denen Alice Ehlers mit ihrem zarten und präzisem Cembaloton glänzte. Es ist erfreulich, daß Michael Taube zu seinem eigentlichsten Gebiet, dem Knmmcrorchester, zttriiekgefunden hat. Die Dämon-Suite, die wir schon einmal hier hörten, als es noch kein Palästina-Orchester gab, wurde wieder von dem Dirigenten traditionsgemäß vorzüglich vom Flügel aus dirigiert. Lehrer-Konzert Im ״Institute of Music“ (Leitung: Prof. N. Zadri). Das Zentrum des Abends, an dem ausgezeichnet musiziert wurde, bildete Bachs Doppelkonzert, gespielt von Philip Scharf und N. Zadri. Der Schlußsatz besonders hatte viel Verve, während im 2. Satz das Tempo etwas zu heftig gegriffen war und die zwar interessante, aber keineswegs stilgerechte Kadenz von Hellmesberger störend wirkte. — Das mehr katnmermusikalische Spiel Philip Scharfs vertrug sich auszeichnet mit Zadris brillantem Ton. Ganz besondere« Lob verdient Mrs. E. Kaplan als vorzügliche Begleiterin. Mrs. Zadri trug hebräisch übersetzte klassische Oesänge mit viel Empfindung und Formgefühl vor. E. Fleeschhauer spielte Variationen von Mozart. ״Die Nürnberger Puppe“. Die ״Palcstine Chamber Opera“ (Leitung: Benno Fraenke!) machte den Versuch, mit einem Minimum von Mitteln die bekannte komische Oper von Adolphe Adam auf künstlerisch zu rechtfertigende Art und Weise zur Aufführung zu bringen. Das Experiment, das im Wesentliehen darin bestand, die Orchesterbegleitung durch das Spielen des Klavierauszugs auf zwei Flügeln zu ersetzen, kann in vielen Teilen der amüsanten, lebendigen, espritgdadenen kleinen Operettenpartitur als gelungen bezeichnet werden, zumal die beiden Pianisten — Verdina Schlonsky und Abraham Daus — ihr Bestes taten, ihr Spiel so instrumental za gestalten, daß die Hörer vielfach die Illusion eines Miniatur-Orchester hatten. Adolf Daus dirigierte vom Flügel aus, er sorgte für sauber durchgearbeitete Gestaltung, _ das Musikensemble der vier Stimmen und der zwei Flügel wirkte reizvoll und echt theatermäßig. Allerdings sind die Sänger und Sängerinnen — Siegfried Gärtner (Alfred; Bariton), Mordechai Schulsinger (Cornelius; Baß), Hans Sobersky (Benjami'n; Buffo-Tenor) und Hede Schack (Bertha; Soubretten- Sopran) — im Vortrag, insbesondere im Parlando, wesentlich stärker und talentierter als in der stimmlichen Kapazität. — Einige Tage vorher wurde das Stück als Hörstück im Radio Jerusalem, mit Instrumenten, sonst aber in gleicher Besetzung gespielt, wodurch einige musikalisch sehr charmante Partien normaler hervortrafen — wenn auch die Klavierbesetzung gestalterisch sauberer und wertvoller war. — Zusammen mit diesem Stück wurde Offenbachs ״Verlobung unter der Laterne“ gegeben, dessen dichtere, musikalische Substanz die Orchesterbesetzung noch weniger vermissen ließ. The Musiclans Association of Tel Aviv. Die Musiker- und Musiklehrer-Gesellschaft in Tel Aviv hat es unternommen, im Laufe eines zweijährigen Zyklus sämtliche Beethoven- Sonaten durch verschiedene Interpreten des Landes zur Aufführttng zu bringen. Am ersten Abend wurden die Klavier- Sonatinen von Prof. Scltorr und Prof. Abilea zum Vortrag gebracht. Radio Jerusalem Rachellieder. Die Gedichte der Rachel haben die meisten Komponisten Palästinas zu Kompositionen angeregt: Riwka Levinsohn-Kaplan sang Vertonungen von Gedichten aer Rachel, die die Komponisten Schertok, Grienspohn und Schwadron zu Verfassern haben. Diese Lieder sind melodisch stärker als formal. Frau Levinsohn-Kaplan hat für derlei Musik ein nicht ungeeignetes Organ: selbst das starke Vibrato wirkt hier nicht störend, sondern eher expressiv. Zum Schluß sang die Interpretin dann noch zwei Lieder von Raehmaninoif und Beethoven deren Texte die Rachel ins Hebräische übersetzt hatte. — Englische Violinsonaten. Dela G 0 m - brich, Mitglied des ״Palestine Orchester“, spielte eine alte und eine neue englische Sonate, begleitet von Erich Sachs. Die zweisitzige Sonate von Ptirccll litt unter der Begleitung — das Klavier eignet sich stilistisch grundsätzlich nicht zur Verbindung mit Geigenwerken des 17, Jahrhunderts. —- Die Sonate von Eigar wirkte recht konventionell. Dela Gombrich konnte ihre prächtige Knntilene im Radio akustisch nicht ganz zum Ausdruck bringen. Erich Sachs war ein anpassungsfähiger Begleiter. Alice Jacob-Loewenson (Schluß des Palästinateils)

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