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Jüdische Rundschau · 1938-01-11 · Heft 3 (11.1.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 3 (11.1.1938)
Date
1938-01-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 ׳ Jahrgang 43 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU ItadaktloB, Varlag und A nzelgenvarwaltanji BwllnW 11, Haüulnitr.l( Farnruf 919031 ו, Tilegramm •Adr«■•• ו Orghlp. — Batugipraia einachliaSÜdi Baat.lls.ld j« Monat RM 2,-, ja Vi.rt.li.hr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 btw. RM 539. - Poat.ch.de - Kont.o der Vertrieb■ .Abteilungt Berlin 71573 (für Groß ־ BerlinX Berlin 17392 (für du übrig. Reich), ln Flllan höherer Gewalt besteht kein Anapruch •ul Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gesahltar Beiugag.bfihren. — Erscheint Jeden Dlaantag ■ad Fraitag. BERLIN ט׳ $בט תרצ״ח DIENSTAG, 11. JANUAR 1938 GBltlgi AnzelganpralalUte Nr. 5. Die 12 gespalten, mm - Zeilo 20 Rpf״ für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheita״ ■neigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder Dienstag - Ausgabe Montag? 10 Uhr, für die F r e i t a g - A u s g aba Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das (Odlsche Volk die Schäftung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Jüdische Delegation bei Goga Beruhigende Versicherungen Der Ministerpräsident Octavian Goga empfing eine jüdische Delegation unter der Führung von Theodor Fischer, dem Präsidenten der Jüdischen Partei, und Dr. Samuel Singer, dein Vizepräsidenten, in einer längeren Audienz. Goga versicherte der Delegation, daß antiiiidische E x - zesse nicht geduldet würden. Er bat die Delegation, der jüdischen Bevölkerung zu versichern, daß sie keinen Grund zur Beunruhigung hätte. Er erklärte weiter, daß die Regierung keine Maßnahmen gegen die jüdischen Zeitungen, die sich mit jüdischen Angelegenheiten befassen, treffen wolle und daß solche Publikationen weiter erscheinen dürften. Wie verlautet, soll die Delegation die Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten auf die Gerüchte über angebliche antijüdische Exzesse in Bacau und anderen Orten gelenkt haben. Goga erklärte, daß ihm keinerlei Berichte hierüber zugekommen seien. Die Vorgänge in Bacau sollen, wie weiter berichtet wird, nur geringfügige Straßenzwischenfälle gewesen sein. Goga dementierte, wie es heißt, auch die Mitteilung über ein neues Gesetz, durch das es Juden verboten!sei, christliche Hausangestellte unter 40 Jahren zu beschäftigen. Ein solches Gesetz müßte die Bewilligung des Ministerrates haben (die offenbar bisher nicht erfolgt ist. - A.d.R.) Der Ministerpräsident informierte schließlich die Delegation, daß alle Fragen, die die jüdische Minorität betreffen, mit Prof. Silviit D r a g o m i r, dem Minister ohne Portefeuille, dem die Angelegenheiten der Minoritäten unterstehen, behandelt werden sollen. .Wie mitgeteilt wird, fand die Unterhaltung zwischen dem Ministerpräsidenten und der Delegation in freundschaftlichen Formen statt. Demarche des USA-Gesandten Der amerikanische Gesandte in Bukarest, Franklin Mott Günther, hat entsprechend den Anweisungen der Regierung in Washington Ministerpräsident Goga aufgesucht und Das neue Weißbuch Kundgebung der Zionistischen Vereinigung und des Beirats der Jewish Agency in Deutschland Die nachstehende Kundgebung wurde van der Z. F. f. D. und dem Beirat der Jewish Agrncp in Deutschland der Exekutive der Jewish Agencv in London zugeleitet: ״Das Weißbuch zur Palästina-Politik, das die britische Regierung am 23. Dezember 1937 erlassen hat, erfüllt die Judenheit in Deutschland mit ernster Sorge und Befürchtung. Viele Monate soll die Tätigkeit der neuen technischen Untersuchungs-Kommission währen. Ein höchst langwieriges Verfahren für die Behandlung ihrer Ergebnisse steht in Aussicht. So wird die bereits hart auf dem Lande lastende Ungewißheit seines politischen Schicksals auf unabsehbare Zeit verlängert, die Wirtschaft Palästinas aufs schwerste gelähmt und die ersehnte Befriedung schwieriger gestaltet. Für unsere eigene Gemeinschaft und darüber hinaus für die Judenheit Mittel- und Osteuropas ist ein solches Hinauszögern endgültiger Regelungen unerträglich. Angesichts der fortschreitenden Einengung ihrer Existenzgrundlagen, einer zunehmenden Verarmung und einer sich von Tag zu Tag verschärfenden Auswanderungsnotwendigkeit blicken Hunderttausende aufbruchsbereiter Juden dieser Gebiete auf Palästina als auf ihre Rettung. Die Fortdauer des augenblicklichen Zu- Standes der Ungewißheit In diesem Lande bedeutet für sie ein Versinken in Hoffnungslosigkeit, für Millionen das Verzweifeln an nationaler Zukunft. Das Weißbuch hält an dem Vorschlag der Peel-Kommission auf Schaffung eines jüdischen Staates als Erfüllung der Politik der Balfour-Deklaration fest. Solche Erfüllung kann nur ein Staat sein, der durch den Umfang seines Gebietes Imstande ist, der furchtbaren Wanderungsnot der mittel- und osteuropäischen Judenheit wirksam zu begegnen. Bis zur abschließenden Regelung des gesamten Palästina- Problems besteht das Mandat in unanzweifelbarer Gültigkeit fort; es muß die Tätigkeit der Palästina-Regierung bestimmen. Wir erwarten, daß die vorübergehende Einführung einer politischen Höchstgrenze für die Altjah am 1. April 1938 außer Kraft tritt und daß alsdann der gesetzlich festgelegte Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes als alleiniger Maßstab für den Umfang der Einwanderung wieder zur Geltung gelangt. Wir Juden in Deutschland erwarten, daß die Tätigkeit der Untersuchungs - Kommission mit äußerster Beschleunigung durchgeführt wird. Ihr Ergebnis muß unserer Lage angemessen sein.“ * Die Resolution der Zionfetischen Vereinigung und der Jewish Agency in Deutschland gibt in eindrucksvoller Form den Gefühlen Ausdruck, die die Judenheit Deutschlands — und wir können wohl sagen: ganz Mittel- und Osteuropas — angesichts des neuen Weißbuches erfüllen. Hunderttausende von Juden warten hier mit Ungeduld, daß die Tore Palästinas sich wieder für Einwanderer öffnen. Die neuerliche Ver- Schiebung der Entscheidung, die im Weißbuch besonders hervorgehoben wird, läßt nicht nur befürchten, daß die normale Fortsetzung der Einwanderung einen Aufschub erleiden könnte, sondern diese Verschiebung ist auch eine Belastung und Gefährdung der wirtschaftlichen Entwickhcig, eine Verzögerung jener wirtschaftlichen Erholung, die im Namen seiner Regierung eine Demarche wegen der antijüdischen Maßnahmen in Rumänien gemacht. Mr. Günther fragte insbesondere, ob die beabsichtigten antijüdischen Maßnahmen die Interessen von 'Juden amerikanischer Staatsbürgerschaff in Rumänien oder ihren Besitz berühren. Goga erklärte dem Gesandten, daß letzteres nicht der Fall sei. Der rumänische Außenminister M i c e s c u , der Bukarest zu einer Reise durch mehrere europäische Hauptstädte verlassen hat, wird die Gesichtspunkte der rumänischen Regierung vor dem Völkerbundsrat vertreten, der am 17. Januar Zusammentritt. Der Verbandderrumänischen Juden in Arnerika bat an König Carol telegraphiert und an ihn appelliert, die Stellung der rumänischen Juden zu schützen. Eine Konferenz zur Diskussion der gegenwärtigen Lage der Juden in Rumänien wurde zum 16. Januar in New York einberufen. Die jüdischen Advokaten Die Bukarester Advokatenkammer wird sich mit einem Vorschlag beschäftigen, die Revision der Erlaubnisse zur Ausübung des Advokatenberufes, die an Juden nach dem Kriegsende erteilt worden sind, zu beschleunigen. Würde die Regelung in gesetzlichen Formen vorgenommen werden, so würden hierfür sechs Jahre notwendig sein. Daher solle — so besage dieser Vorschlag — die Advokatenkammer zur Beschleunigung des Verfahrens provisorisch 150 Advokaten die Erlaubnis zur Berufsausübung entziehen; sollten formale Bedenken bestehen, so solle eine Verordnung erwirkt werden, durch die diese Maßnahme legalisiert würde. In der Vorgangenheit wurde bereits 600 jüdischen Advokaten, die von 1932 bis 1935 eingetreten waren, die Erlaubnis zur Berufsausiibung entzogen, weil sie zumeist keine genügenden I)0I<umente über die rumänische Staatsangehörigkeit besaßen. In den letzten zwei Jahren wurden überhaupt keine Juden mehr zum Advokatenberuf zu ge lassen. Die Fahne der christlich-nationalen Partei des rumänisehen Ministerpräsidenten Goga führt auf rotem Tuch ein blaues Hakenkreuz 1'n gelbem Felde. die wichtigste Vorbedingung der reibungslosen Absorption neuer Einwanderer ist. Auf der anderen Seite wird in der Resolution hervorgehoben, daß das Weißbuch an dem Vorschlag der Peel-Kommission zur Schaffung eines jüdischen und eines arabischen Staates festhält; es wird betont, daß das Gebiet des jüdischen Staates genügend groß sein muß, um ausreichende Möglichkeiten für die Aufnähme jüdischer Einwanderer zu bieten. Es ist anzunehmen, daß gerade die Stimme der Juden aus Deutschland in dieser Hinsicht bei der englischen Oeffentlichkeit Verständnis und Entgegenkommen finden wird. fm übrigen ist die Aufnahme des Weißbuches sowohl in der jüdischen als auch in der englischen Oeffentlichkeit ziemlieh ungünstig. Die Erklärung, die die Londoner Zionistische Exekutive abgegeben hat, ist zunächst vorsichtig formuliert und wendet sich vor allem gegen die weitere Verzögerung der Entscheidung. Die Kritik aus Palästina, insbesondere der jüdischen Zeitungen, lautet erhöhlieh schärfer. Auch die amerikanischen Zionisten haben, wie die Londoner ״Times“ in auffallender Form berichtet, nach Erscheinen des Weißbuches ein Protesttelegramm an das Kolonialamt gesandt. Auf der anderen Seite gibt es aber bei den zionistischen Teilungsgegnern auch Stimmen, die das Weißbuch als eine Abkehr vom Teilungsplan begrüßen. So z. B. wird berichtet, daß die Zionistische Frauenorganisation Hadassah in Amerika, die bei ihrer letzten Tagung im Oktober eine scharfe Resolution gegen den Tcilungsplan gefaßt hat, das Weißbuch aus diesem Grunde mit Sympathie aufnimmt. (Der genaue Wortlaut dieser Erklärung liegt uns noch nicht vor.) Eine solche Haltung der jüdischen Teilungsgegner übersieht u. E. die aus dem Wortlaut des Weißbuches ziemlich deutlich hervorgehende Tatsache, daß dieses in wichtigen Punkten als Konzession an den arabischen Standpunkt anzusehen ist, so daß bei Verzicht auf die Teilung kaum zu erwarten ist, daß eine Lösung gefunden wird, die für die jüdischen Forderungen günstiger ist als die Teilung. Die gemeinsame Anschauung aller j ü d i - sehen Richtungen kann wohl dahin zusammengefaßt werden, daß bis zur definitiven Schaffung eines neuen rechtsgültigen Zustandes das .Mandat als geltendes Recht betrachtet werden muß. Demgemäß bleiben auch alle Verpflichtungen Englands aus dem Mandat bestehen, einschließlich der Verpflichtung der Erleichterung jüdischer Einwanderung und selbstverständlich der Aufrechterhaltung der Ruhe und Sicherheit im Lande. (Weitere Nachrichten siehe Seife 2) Zur III. Makkabiah Das Berliner Büro des ״Makkabi“ teilt uns mit: Die endgültige Entscheidung, ob die III. Makkabiah bestimmt zum festgesetzten Termin stattfindet, ist noch nicht gefallen. Es ist verständlich, daß die Verhandlungen in der augenblicklichen politisch-zionistischem Situation besonders subtiler Art sind. Ein Beschluß liegt bisher nicht vor, so daß die in dem Inserat eines Reisebüros in der Freitagnummer der Jüdischen Rundschau vom 7. Januar enthaltene Mitteilung über die Verlegung der Makkabiah in dieser Form nicht den Tat- Sachen entsoricht. | Otto Warburg Unmittelbar bevor diese Nummer zum Druck geht, erreicht uns die traurige und schmerzliche Kunde, daß Professor Otto Warburg Montag abend in Berlin im 79. Lebensjahr gestorben ist. Schon in den letzten Tagen hatte sich sein Zustand plötzlich verschlechtert, und man mußte auf Schlimmes gefaßt sein. Und doch trifft uns diese Nachricht mit aller Schwere. Wer Warburg noch' vor kurzem an seinem Krankenbett besuchte und sah, mit welcher Frische und geistigen Regsamkeit er alle Vorgänge verfolgte, für alle Einzelheiten — vor allem des Geschehens in Palästina — sich interessierte, wie wenig er über körperliehe Beschwerden klagte, der kann kaum begreifen, daß dieser vornehme und liebenswürdige Mensch, dieser immer sprühende, an Einfällen und Interessen so reiche und mit allem Lebendigen innig verbundene Mann nicht mehr sein soll. Noch im Krankenbett ias er viele Bücher, vor allem Reisebeschreibungen und Werke über Pflanzen und Tiere, Da lag ein Buch ״Das Leben der Vögel“, das empfahl er mit besonderer Wärme und lächelte dabei wie ein Kind, so herzlich, wie nur er zu lachen vermochte. Er liebte Gespräche und weite Ausblicke, seine Weltbetrachtung umfaßte ganze Erdperioden, mit überlegener Heiterkeit maß er die menschlichen Dinge. Er war einer von dm! Naturwissenschaftlern, die in der Beschäftigung mit dem Wesen und Werden der Natur selbst wie vom Ew, ,,,1;׳ berührt sind. Der scheinbar so nüchterne Mann war in Wahrheit ein Phantast, der sich mit Vorliebe in großen Zukimftsvisionen er« ging, in der Ausmalung von Zuständen, die durch Entdeckertaten des menschlichen Geistes das Glück und den Frieden der Menschheit bringen. Was Otto Warburg für die jüdische Gemeinschaft, und insbesondere für die zionistische Bewegung, bedeutet, wird noch ausführlicher zu würdigen sein. Schon frühzeitig war er durch seinen Schwiegervater Gustav G. Cohen in Ham« bürg, einen der ersten Zionisten in Deutschland, mit dem Zionismus verbunden, und später wurde er, der als Kolonialfachmann und besonders als Kenner der kolonialen Pflanzen« zucht bekannt war, von Hcrzl zur Mitarbeit aufgefordert. Seitdem hat er bei allen Unternehmungen der praktischen Pa« lästina-Arbcit eine führende Rolie gespielt. Als im Zionismus die auf praktische Siedlungsarbeit eingestellte Richtung gegen die Nur-Politiker siegte, wurde Otto Warburg 1911 Vorsitzender der Zionistischen Exekutive (die damals Engeres Aktions-Comitc hieß), der er schon seit 1905 (nach Herzl$ &siet■ UetetMicU ln Oesterreich wird ein besonderer jüdischer Jugendoerhand geschaffen, der korporativ dem österreichischen Jungvolk angegliedert ist. Dement sprechend sollen jüdische Jugendliche in Zukunft im all gemeinen österreichischen Jungvolk nicht aufgenommen werden. Zwei Jude n, ein Polizist und ein Arbeiter, wurden bai V eher fällen in Palästina getötet. Ein dritter Araber, der vom Militärgericht zum Tode verurteilt worden war, wurde in Akko hinger ichtet.

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