Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1938)
- Date
- 1938-01-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU AUS DEM REICH Nr. 1, 4. JANUAR 1938 Breslauer Chronik Von unseren Berichterstattern Qemelndeleben. Der Provinzialverband der niederschlesischen Synagogengemeinden führte gemeinsam mit der Breslauer Gemeinde und dem oberschlcsischen Provinzialverband eine Lehrerfortbild ungstagung durch, an der außer den Breslauer jüdischen Lehrerkollegien viele Lehrer der nieder- und oberschlesischen Bezirke teilnahmen. Rektor Dr. H. Stern (Berlin) eröffnetc die Tagung mit einer Arbeite- Gemeinschaft über die Fragen des Deutschunterrichts an der jüdischen Schule. Dr. Fritz Barn berge!■ gab einen Durchblick durch seine Behandlungsweise eines speziellen Themas über Juden im Mittelalter, und Seminardirektor J. Stell (Würzhurg) behandelte biblische Stoffgebiete. An den drei jüdischen Schulen fanden Lelirprohcn statt, an die sich längere Besprechungen anschlossen. — Seminardirektor Stoll (Würzburg) hielt einen öffentlichen Vortrag über ״Das Bildungsideal der jüdischen Schule“. Zionistisches Leben. Die Breslauer Zionistische Vereinigung brachte in Gemeinschaft mit dem Misrachi und dem Bachad den Palästinafilm ״Weg in die Wirklichkeit“ zur Aufführung. Nach einer Begrüßung durch Reg,-Rat i. R. M a n d o w s k v für den Vorstand der Gemeinde hielt Rahbiner Dr. A f t m a n 11 (Berlin) eine Ansprache über die Formen der sichtbaren, geistigen und göttlichen Wirklichkeit. Bei einem bunten Abend unter dem Motto ,.jüdischer Humor" brachte Max Kon ins ki viele Proben aiis dem jüdischen Volksleben des Ostens, die er mit schauspielerischer Vollendung darbot. Mit feiner Pointirrimg sang Kantor A. Rosbasch jiddische Lieder (am I lügrlOrgan ist F rieh Schafist eine Feier liervor/uheben, bei der neben künstlerischen Darbietungen Rabbiner Dr. Geld eine Ansprache hielt. ~ In der Generalversammlung des Bar Koch ha wurde ein neuer Vorstand unter der Leitung von Dr, Herbert Rotter gewählt. Kulturelles Leben. Im 3. Abo״nen1cntskon/ert des Jüdischen Musikvereins sang Paula Safomori (Lindberg) Lieder und Arien, Erna K I e 1 11 am Llugel trug zu den! großen Erfolge hei. — Linen Kaninicnnusihabend gaben die Breslauerintien Elise S/epha/y (Violine), Mirjam Lew in (Cello) und Lotte Schoeps (Klavier). Die gefeilte Dar- Dietung des Tschaikowskvschen Trios Nr. 30 erwies die künstlerische Reife dieses Trios. .- Hertha P i n c z o w e r stellte in einem Liederabend von neuem ihre Gesangskultur unter Beweis. Besonderen Beifall erhielten die Moussorgskysehen und fremdsprachigen Lieder (am Flügel Egmont P o 1 I a k). Ferner war der Pianist Erich Länderer an diesem Konzert beteiligt, der begeisterten Beifall erntete. — Max Ehrlich und sein Ensemble gastierte mit ״Bitte einsteigen“. Die ausverkauften Aufführungen wurden ein voller Erfolg. — Bei einer Veranstaltung des Reichsverbandes der polnischen Juden sangen Kate Borovvicz und Kantor Alfred Ros ha sch fremdsprachige Lieder und Arien mit großem Erfolge; einen Sonderbeifall errang Hersch Friedmann, der mit drei stimmbegabten ״Bnehtirim“ die Gestalt des ״Rebben“ in einigen Liedern zeichnete. Fritz Günter Nathan Der Kulturbund vermittelte durch die beiden ״Amcha“-Aufführungen des Hamburger Ensembles einen Einblick in die Welt Schalem Alcjchetns. Daß die traurigheitere Handlung den nachhaltigsten Eindruck hinterließ, ist der stärkste Beweis für ihre Wirklichkeitsnahe. Die Wiedergäbe unter der Regie Dr. Hans Buxbaums war technisch und künstlerisch gut ausgefeilt. Von den Darstellern seien vor allem Max K o 11 i!1 s k i (in der Hauptrolle), Julius K o b 1 e r, Erna Colin und Edith I I e r I!! 1 k genannt. Für die Jugend hatten die Hamburger Schauspieler an einem Sonntagvorniittag ihr ״Theater der Holzköpfe“ aufgebaut, in dessen Guckkasten ein an Abenteuern reiches Puppenspiel zu sehen war. Der Titel war: ״Kaspar wandert aus“. Die Aufführung, zu der man auch ein paar hübsche Bühnenbilder beigesteuert hatte, war gut. Das lustige Mit- und Nebeneinander von Wort und Geste, Musik und Tanz verfehlte nicht einen Augenblick seine Wirkung auf die Kinder. Der Kulturbund brachte ferner einen Rezitationsabend von Edith H e r r 11 s t a d t - () e 11 i n g e 11. I)as Programm, das sie mitbrachte, wurde im Ernsten wie im Heiteren, in Poesie und Prosa durch ihre meisterliche Darstellung un- Versehens zu einem jüdischen Programm. Mn rtin Hausdorff Zionistisches und Gemeindeleben Bielefeld. Am 16. Dezember fand eine Mitgliederversammlung der ZOG. statt, in der Erich Lieber zum 1. Vorsitzenden, Robert Eichengrün zum 2. Vorsitzenden, Fr). S o u h a rni zur Schrill־ führerin und David Grüne bäum zum Kassierer gewählt wurden. Erfurt. Die Gemeinde zahlt, heute noch etwa Mangel an geeigneten Raumen für gröbere Veiam lange fühlbar. — Ende Dezctn!>er sprach der Freund auf einem Gemcindeabend ül>er A Redeuuing. -■ Der Kulturbund brachte \ or (übe? .seine PahUt inareDenh Dr. Willy Voh n zerte. * ™ In 'der ' ZOG.* führte der Vorsitzende einige Lichthildcr-ireifcn vor und sprach zuletzt! Staaten“. Dr. Freund schilderte Eindrücke von seiner Palästina* reise und sprach an einem der Abende über die Bedeutung der Makkabäer und ihre Geschichte. Familien-Nachrichten Herr Georg Besser, Liegnitz, begeht um 6. Januar den 70. Geburbtag. Frau Malwina Jacob y, Koriin a. d. Persante, begeht am 4. Januar den 80. Geburtstag. Barmizwah-Tcrmine! Am 8. Januar (6. Srhwat): Hans I-oewen- I h a I, Sohn vor! Ludwig Loeweiilhal, Bamberg. Brahmsallee 25. — Lnvin Zahler, Sohn von Jakob Zahler. Köln, Eifelstr. 13. — Am 15. Januar (13. Sehwall: Josef Oppenheimer, Sohn von Leopold Oppenheimer, Kitzingen a. M, Rosengasse 13. Einkauf in jüdischem Geschäft Zu den Dienstpflichten eines B c a in t e n gehört cs grundsätzlich — abgesehen von AusnahtnefäUcn —, sich mit Juden nicht fn geschäftliche Beziehungen einzulassen, wie die Ausführungen des in der Veröffentlichung in der ״Jüdischen Rundschau“ vom I. Oktober 1937 erwähnten Disziplinär- Urteils betonen. Zu demselben Ergebnis gelangt ein Urteil des Reichsarbeitsgerichts auch hinsichtlich eines D auerangcstellten einer Stadtgemeinde. Dessen Dienstverhältnis, das mir aus wichtigem Grunde, und zwar unter Einlia'tung einer bestimmten Kündigungsfrist gelöst werden konnte, wurde von der betreffenden Stadtgenieinde fristlos aufgehoben, weil die Familie des Angestellten, der der Partei und der SA. angehörte, in der Zeit vom Oktober 1911 bis Oktober 1936 aus einem jüdischen ßekleidungsliause für etwa 300 RM. Waren auf Teilzahlung bezogen hatte. Die Firma pflegte zur Entgegennähme der Bestellungen, die in der Regel'die Ehefrau machte, ein Lehrmädchen ins Haus zu schicken und die Waren dann ins Haus zu senden. Die von dem Dauerangestellten gegen die fristlose Kiindigütig erhobene Klage, der das Arbeitsgericht stattgab, wurde vom Landcsarbeitsgcricht abgewiesen. In den Gründen des über die hiergegen eingelegte R e v i s i o n entscheidenden Urteils des Reichsarbeitsgcrichts vom 22. Septauber 1937 wird ausgeführt, daß ebenso wie die Beamten auch die Angestellten einer Stadtgemeinde sich bei ihrer dienstlichen und außerdienstlichen Führung an die Grundsätze der NSDAP, zu halten haben, und daß diese Grundsätze verbieten, aus jüdischen Geschäften Waren zu beziehen. Der Kläger hat dadurch, daß er die Einkäufe seiner Frau in dem jüdischen Geschäft geduldet und auch selbst dort Waren bestellt hat, das in ihn gesetzte Vertrauen getäuscht. Ein solches Verhalten eines Dauerangestellten kann einen wichtigen Grund zu einer fristlosen Entlassung im Sinne des § 626 BGB. abgeben. Ob die Entlassung gerechtfertigt ist, hängt von der Würdigung der Umstände des einzelnen Falles ab. Im vorliegenden Falle wurde in Betracht gezogen, daß der Kläger behauptete, infolge einer Notlage zu den Einkäufen in dem üeschäftshause genötigt gewesen zu sein. Bei den Feststellungen zu diesem Punkte mußte nach dem Urteil des Reichsarbeitsgericlits geprüft werden, ob der Kläger verpflichtet war, seine Geschäftsbeziehungen zu der jüdischen Firma seiner Behörde zu offenbaren, eventuell im Hinblick darauf, daß ihm dann zur Ablösung dieser Beziehungen geholfen worden wäre. Zwecks näherer tatsächlicher Feststellungen hierüber wies das Reichsarbcitsgericht die Sache an das Landesarbeitsgericht zurück. Ungarns Juden In der Statistik. Laut Daten des Ende 1936 abgeschlossenen Ungarischen Statistischen Jahrbuches hat sich im Laufe der letzten sechs Jahre die Scelenzahl samtlieber Konfessionen im Lande erheblich erhöht, nur die der Juden hat abgenommen. Ihre Mortalität ist zwar auffallend gering (13,8%״). Da aber ihre Geburtszunahme bloß II %״, nicht einmal die Hälfte der christlichen Bevölkerung ausmacht, ist ein jährlicher Rückgang der Seelenzahl von ca. 3 %0 zu konstatieren. Im Verhältnis zur Landcsseelenzahl haben sich die Katholiken seit 1930 von 64,8 י aut 63,2 vermehrt. Die Reformierten blieben unverändert 20,8 0״, die Evangelischen 6 fl0 der Bevölkerung, die Verhältniszahl der Juden ist von 5 To au! 4,8 °0׳ gesunken. Die Rubrik ״Gestalten jüdischer Vergangenheit“ muß ln der heutigen Nummer Infolge Raummangel ausfallen. (Red.) Postschlüsse nach Uebersee Vorn 4. bis 12. Januar (ohne Gewähr) Die angegebenen Zeiten sind die Abgangs Zeiten der Züge bzw. Flugzeuge aus Berlin. Die Sendungen müssen 1—1ן/י Stunden vor Abgang bei der zuständigen Bahnhofspostanstalt (Flugpost beim Post,mit SW 11) vorliegen oder unmittelbar zu den angegebenen Zügen oder Flugzeugen gebracht werden. Anschluß im Reich entweder bei Dur׳'!!gang der Ziige bzw. Flugzeuge oder durch Sendung nach Berlin oder direkt an die Zwisrheristatinnen. Bei der Aufschrift empfiehlt sich die Anbringung von Leitvermerken. Palästina (ab Anh. Bhf.. Abgang München ca. 12 Std. später): 4. (22.12) via Brindi-i mit ״Gertisalemmo"; 10. Haifa. — 5. (22.12) via Brindi-i mit ״Tonte Rosso"; 10. Haifa. — 7. (21.58) via Belgrad; 12. Haifa. — 8. (21.29) via Piräus; 14. Haifa. — 0• (21.29) via Belgrad; 14. Haifa. — 11. (22.12) via Brindisi mit ״Galilea“; 17. Haifa. -- 12. (21.58) via Belgrad; 18. Haifa. I u f t p o s t: Jeden Sotg״ Di.. Do. Flug 8.30. 11.25 München, an Haifa nach 2Tagen (Linie Brindisi—Haifa über Rom). — Jeden Fr. Flug 0.30, Sobd. Lvdda (Linie Amsterdam—Bandocng II über Athen). — Jeden Sobd. Flug 8.30. 11.25 München, Mo. Lydda (Linie Amsterdam—Bandocng III über Neapel). USA. (ab Bhf. Charlbg. 11.20): 5. via Cherbourg mit ״Europa“; 11. New York. — 6. via Cherbourg mit ״Deutschland“; 14. New York. — 11. via Cherbourg mit ״Bercngaria“; 18. New York. Südamerika: 4. (23.42 Potsd. Bhf.) via Genua mit ״Conte Grande“; 18. Rio; 22. B. A. — 8. (11.20 Bhf. Charlbg.) via Lissabon mit ״Almeda Star"; 23. Rio; 28. B. A. Luftpost (auch nach Mittel-Amerika und West-Indien): Jeden Mi. (deutsche Luftpost) Postschluß 21.00; Do. 5.00 Frankfurt-M.; Sobd. Rio; Sotg. B. A. — Jeden Solid, (französische Luftpost) Postschi. 9.30. 14.55 Köln; Di. Rio; Mi. B.A. (nicht nach Bolivien). Südafrika: 7. (23.58 Bhf. Charlbg.) via Southampton mit ״Pretoria“: 24. Kapstadt. Luftpost: Jeden Di. und Sobd. Flug 8.30, 11.25 München, an Kapstadt nach 7 Tagen (Linie London—Kapstadt über Brindisi). Verbilligte Fernsprechgebühren nach Brasilien. Zu den in Nr. 103 aufgeführten Ländern, nach denen ab 5. Januar billigere Luftpostgebühren in Kraft treten, tritt' nunmehr auch Brasilien. Ein Ferngespräch von 3 Minuten Dauer kostet 82 RM., Sonnabends 61,50 RM. i** deik/ett Die Jüdische Rundschau hilft Adressen suchen Nr. 72. Ehemalige Chawerim des Vereins ״Zion“ und der jüdischen Volksbibliothek ״Zion“, Wien II, früher Glockengasse 30, sowie des Jugendvereins ״Erez Israel“, Wien II, Cirkusg. 33, die sich in Deutschland aufhalten, möchten sich in Verbindung setzen mit Juda Weinberger, Magdeburg, Große Marktstr. 9. Nr. 73. Johanna und Louis Schendel, geboren in Kietzkow vT. Wreschen fr. Prov. Posen, letzte Adresse 1894 New York, 228 East Str. 74, sowie Leo, Sally Leipziger, geboren in Thorn, und Hugo Leipziger, geboren in Liegnitz (letzte Adresse 1920 New York, 202 East 13 Str.), werden gesucht von Karl Schendel, Berlin NW 7, Friedrichstr. 116. Adolf Imbach fr Co. BRESLAU 1 SPEDITION LAGERUNG Transporte von Haus zu Haus und nach allen LSndern Uhren Juwelen t«1. 27670 Silbergeschenke ^cie1tiUU1£ Restaurant Gtogouiski 9. Breslau S Schweidmtier Stadtgrab. 9,1.Ft. Fritz Tischler Breslau GabitzstraBe 71 T.I.: 85 757 Jaques Chaimoff BRESLAU I ReuachestraBe 81 Damenu. madchenmantei-FabriK ( Georg fricdlacndcr Breslau 1, Reufd&eHraBe 37/38 netraiKleldcr-falmK Adolf Pinkus PELZWAREN-FABRIK Breslau I, Karlstraße 27 Anzeigsn-Annahme-Schluß für die Dienstag-Ausgabe: Montag 10 Uhr Qualität g eit 1861 JciusJsxty}* Damen-Mäntel - und Kleider-Fabrik Rin* 39-40 Breslau I Albrechtatr. 3 /ZMermaim Vres/öu l ßeu sehestr 55/56 HAMBURG Der JUdlsche Kulturbund, Hamburg erwartet die Mitgliedschaft aller Juden! Im Januar 1938 Eröffnung des Jüdischen Gemeinschaftshauses, Hartungstraße 9/11 -Heiimann’s Baststatten—ץ Im Jüdischen Gemeinschaftahaus Hartungstraße 9/11 ARZ.-Ana. Hamburg: Manfred Engtcs Eppenderfer linditriBa 38 / Ruf 6101 >0 Neu eröffnet! MÜNCHEN Maiersche Papierhandlung MÜNCHEN Karlstrol)• 8, Ecke Barerstrae INDOR j VERSCHIEDENE ORTE | Eppenaomr Lsnustrine au / nur o# u• |J||| I MotU L. Hirschfeld Kaufhaue Allenstein i. Ostpr. Schahwaren Berthold Wollt SchwertfegerelraBa )<-,״■ Magdeburg |S. ALSBERG & C0. irnaa Spezialheu» י Bielefeld ■׳—״■ FRANKFURT a. M. Kaffee — Tee — Kakao Weine — Lebensmittel ln bekannter QOta WIttwe Hassan speziaigescMft für wasche und woliwaran ^Slunu