Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-12-21 · Heft 102-103 (21.12.1934) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 102-103 (21.12.1934)
Date
1934-12-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653547--26190-2683373
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

yy£i1fi< ,COISCWB RUNDSCHAU ÖER LINER RUNDSCHAU n«. m*«»».«* m9m,% r C1 1- ״׳'״ * % * m 1 :1 ־ hf,0(:ו ׳׳*t! /ך ןצד׳ ׳1 I >< ״**־^ ■אי"« 4/ ' A 4 ר^ד-ן^׳ יי- V. machen und Ähnliche Fragen, ließe sich noch manches sagen. Uns aber kam cs in diesem Zusammenhänge darauf an zu zeigen, daß Hebräisch im Leben der Berliner Juden heule wieder ein Wert geworden ist, d di wieder Bczichun« gen zur Vergangenheit angekniipft worden sind, die uns!"gleich eine Brücke in die Zukunft sein sollen. N. Elternhaus und Bund Dieses Problem, das In zahlreichen jüdischen Eltern* liäitsern heute akut ist, behandelte Dr. Prinz an seinem dritten, den Fragen der Erziehung gewidmeten Aussprache* abend. Zur Einleitung gab er eine begriffliche Definition vom Wesen der J u g e n d I) e w e ß u n g, zeigte ihre liisto* rische Entwicklung, und stellte dar, wie die jüdische Jugend« beveegung abhängig war von der allgemeinen, wie sie aber auch von Beginn an eigene Wege ging, Vertreter einzelner jugendbünde bemühten sich hierauf -- wenn auch nicht Immer in geschickter Art --״ den Eltern Einblick in die Arbeit ihres Bundes zu gehen, von ihrer speziellen Eigenart zu er« zahlen. — Die in der Aussprache von Eltern gestellten Fragen und die gegen die Bmnleserzieliung geäußerten Beilen- Ken gaben F)r, Prinz Cielegenheit, über die piidagogische Bedeutung der B u n tl c s c r z i c h ti n g zu sprechen. Der Hund ist eine Notwendigkeit, um die subjektive und individuelle Erziehung des Elternhauses zu erganzen, die Kinder zur Einfügung in ein großes Gefüge zu hefähigen. Durch den Bund, durch seine Er/iehuugsfurinen wird der junge Mensch in besonderem Maße geformt und Erlebnissc von dauernder seelischer und geistiger Wirkung werden ihm übermittelt; hier findet das Kim! ein jugendliches Eigenleben. Die ältere (iencration muH bereit sein, die von den Bunden vertretenen Ideologien zu prüfen, aiiznerkcnnen und nicht ihre Ansichten als die allein maßgebenden der Jugend au!zwingen wollen. Die beispielsweise vom Blau-Wein, dem ersten jüdischen Wamlerbund in Deutschland, seit lülft ausgegebene Parole der Berufsuinschichtung, deren Bcrechti- Rtitig erst heute allgemein Anerkennung findet, veranlage zahlreiche Konflikte in Jüdischen Elternhäusern, denn die Eltern vermochten aus ihren Anschauungen heraus damals die von der Jugend vertretenen Ansichten nicht zu billigen. Da* jüdische Leben wird durch das Jugcndlcben bereichert; hätten die jüdischen Jugendlichen, veranlaßt durch ihre Bünde, nicht seit 20 Jahren schon ihre Eltern gezwungen, jüdischer zu werden, so wäre heute in Deutschland nicht ein so starkes jüdisches Leben. Das jiddische und hebräische Lied sind in Deutschland erst durch die Bünde verbreitet, jüdische Literatur und jüdische Jugemllcktüre durch sie maßgcblich beeinflußt worden. Der Bund ist die Ergänzung zu Schule und Elternbaus. Diese drei Erzicliungsfaktoren müssen und können auf eine Linie gebracht werden, wenn auch alte Konflikte zwischen Litern um! Jugend noch nicht auszuschalten sind, da sie 1. T. durch den (ienerationsuntcrschied bedingt und zu allen Zeiten, wenn auch in verschicdeneo Formen, vorhanden sind. —m. Lidiobzn; Schulunterricht im Freien. — Rechts oben» Kumtunde in einem Sprachkurs der BZV. Rechts unten» Hebräischt Sicha in einem Jugendbund. Links unten: Hebräisches Spiel, JPhoN; Sonnen/eU 11 Hmndung zu den Quellen hl cs nicht etwas zuviel gesagt, daß das jüdische Berlin Hehaisch lernt? Gibt es nicht auch heute noch zahlreiche Juden in Berlin, wie überall in der Welt, die nicht Hebrät!ck oder doch nur wenig verstehen? In der Tat, die Zahl derer, die noch der heiligen Sprache des jüdischen Volkes lemstcheii, ist nicht gering, aber es ist doch auf der anderen Seite fest/ustcllen, daß gerade die jüngste Zeit Er die hebräische Sprache in der (jaluth einen ungeheuren Aufschwung gebracht hat, der vielleicht doch ernster מ bewerten ist als eine ״Konjunktur". In dieser Zeit des intensiveren jüdischen Erlebens haben die Juden zu einem rollen Teil, man kann vielleicht sagen in ihrer Mehrheit, 'erstanden, welche seelischen Kräfte aus dem Kul* tu r g u t der Vergangenheit zu schöpfen sind. In einer Zeit, in der alle Werte schwanken, ist uns in der Gallith Mi neuer Kulturwcrt erstanden, der seine Stabilität durch die jshrfausciidc hindurch bewiesen hat, und der auch heute *itäer in der Lage ist, uns einen Halt zu bieten. Ins• besondere die jüdische Jugend fühlt cs deutlich, daß von Jen europäischen Kulturgütern, die uns im Laufe der letzten hundert Jahre zugeflossen sind, viele ihren Glanz verloren bähen, und instinktiv kehrt sie darum in die Welt der Väter 2“rück, die uns heute wieder eine Welt unserer Kinder *'«den soll. &»׳aj Statistik . Auch Zahlen vermögen einen gewissen Einblick in das *c5tn einer Sache zu geben. Wir haben einige Stichproben Reinacht, nin ungefähr fcst/ustcllcn, wieviele Menschen *ך mit dem Hebräischen befassen mögen. Wem! wir auch ״«ht restlos ihre Zahl erfassen konnten, so gehen doch schon «15 Zufalis/iffcrn, die wir gewonnen haben, eine Ahnung von Umfang des heutigen hebräischen l.ernbetricbs in «rlin. Allein in den hebräischen Kursen der Berliner 4'onistischcn Vereinigung sind etwa 450 Menschen lcrcmiKt; hinzu kommt die große Zahl derer, die in de״ ״unden ״ml im Hechaluz. lernen. Einige Ziffern mögen als synipfoinatiscli für die Gesamtheit genannt werden. : , ,“Jäh!/. lernen SOO junge jüdische Menschen Hcbrä- M11 ^,1י dcn Werklcuten 280; im Bar Kochba 170; im ״«Kkabj Hazair 400; und bei der deutsch-jüdischen Jugend, ou.dcr wir leider keine Zahl bekommen konnten, werden ■ sichcilich auch nicht wenige sein, die an den Kursen dieses “11״des tcilnrliinm AK־; *;,״״ו, ,״* jjje Liste noch nicht Lehranstalt der '״״;Ics tcilneiimcn. scj'!>pft. ln der “dis! ״Schaft Aber damit ist Hebräischen h e n Gemeinde sind etwa 550 Menschen damit gt, sich die Kenntnisse des "d endlich'habe״ heute jüdische *eise a|s;״ Hebräischen anzueignen wir die große Zahl der jüdischen Kinder, . Schulen besuchen und in ganz anderer - in früherer Zeit in hebräischer Hinsicht erfaßt iurh 1 y°n dc״ Gwa (1000 Kindern Berlins, die heute wih■ Scl1ulcn besuchen, nehmen 500 an dem frei- *,',*ף" Unterricht in Hebräisch teil, der ihnen eine der u!>rm!crc Kenntnis der Sprache vermitteln soll, als es des u 11?,?״sunlerrichl vermag, fin übrigen sind die Methoden 1״ül״,״!lg,0l,.s״ntcr״chts heute andere als früher. Die Bchf.' J'Cu’, dcr kurzen zur Verfügung stehenden Zeit iuihrr«, *1?bfäisclie Kenntnisse zu vermitteln, sind gegenüber der 1z;L '®ktzehnten verstärkt worden, und die Bereitschaft ,»der ist auch gewachsen. *** den Sdiulen "'*,',י wir bereits mitten in der Problematik tmd l)nterrüuCrlhcil des Problems. Die Zahl der hebräischen schcn .*j״den 8« den jüdischen Schulen schwankt zwi- **hule F״nd,.^ *יי der Woche, je nach der Tradition der W' ״ liegt auf der Hand, daß bei einer geringen *ic (, d1c Kenntnisse nicht so vertieft werden können, *<U ist dnsehcn8wert wäre. Aus dieser Notwendigkeit her- ‘ VOn der Hebräischen Lehranstalt der FakulUüvuuter■ rieht für Schulkinder eingerichtet worden und man hofft, daß in der nächsten Zeit noch mehr Kinder von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden. Von dieser Seite wird iushcsoiulcrc eine Vereinheitlichung des hebräischen Unterriclits in Berlin gefordert; cs wurde uns gegenüber auch der Wunsch geäußert, daß die Jugcmlbündc ihre eigene hcbrä* ischc Arbeit atifgcbcn und im Interesse einer systcm a t i s c h e n Schulung an die Lehranstalt abgeben sollen. Das lehrcrproblcm Wenn man von den Problemen des hebräischen Unterriclits spricht, darf man auch nicht die Lehrerschwicrigk eiten übersehen. Es besteht ein gewisser Mangel an hebräischen Lehrkräften, und cs gibt auch mancherlei Schwierigkeiten bei der Einordnung der Lehrer, die meist aus anderen Verhältnissen und Orten kommen, in die Berliner Verhältnisse. Es sind ferner die Schwierigkeiten des Unterriclits hei den Jüngeren zu betonen; bei sechsjährigen Kindem kann man nicht mit Grammatik beginnen, und es ist auch beute noch eine schwierige Frage, wie hier der Unterrieht am zweckmäßigsten zu gestalten sein wird. Die bisherige Methode, durch gemeinsames Singen und Spielen in die hebräische Sprache hincinzuwachsen, ist sicher ein Anfang zur Ucbcrwindung dieser Schwierigkeiten und man wird noch einige Zeit warten müssen, bis man ihre Rcsultäte erkennen kann. Besonders schwer ist nicht minder das Eindringen in die hebräische Sprache bei älteren Menschen, insbesonderc, wenn sie nur Volksscliulbildung genossen haben, d. h, also grammatisch nicht geschult sind. Hier versucht man, durch Sprcchversuchc eine Uebcrbrückung der Hindernisse zu schaffen. Unlerrichtsergcbnissc Dennoch sind die Erfolge in einem hebräischen Kurs, bei dem sicli neben Jugendlichen auch immer eine große Zahl Erwachsener finden, nicht gering anz.uschlagen. Wie uns ein erfahrener Lehrer mitteilt, lernt im Durchschnitt während eines sechsmonatigen Kurses ein Hörer etwa I01X) Vokabeln, die immerhin einen Fundus darstcllcn, auf dent weiter gebaut werden kann. Bei einem Besuch eines solchen Kurses, der 19 Teilnehmer umfaßte, gewannen wir einen kleinen Einblick in die Arbeit. Unter den 19 Teilnehmern waren 14 Frauen, darunter nicht nur Jugendliche, sondern auch ältere Damen, Es wurden leichte hebräische Sprachübungen gemacht und jeder der Teilnehmer versuchte, zuin Teil in recht netter Form, mit seinem Vokabelschatz auszukommen und eigene Sätze zu formen. Der Besuch der Kurse, sowohl der BZV. als auch der Lehranstalt, ist gut, allerdings, wie uns mehrfach geklagt wurde, nicht immer regelmäßig, was freilich nicht auf einem schlechten Willen beruht, sondern in den Lebensumständen der int Beruf stehenden Hörer. Es kann aber mir von einem geringen Abbröckeln der Kurse die Rede sein; meist entsteht cs dadurch, daß ein Teilnehmer zur Hachscharah kommt oder aus ähnlichen Lebensverändcrungen. Interessant ist auch die Verteilung der Lerngruppen. So sind z. B. unter den 550 Schülern der Hebräischen Lehranstalt etwa 180 Anfänger, 220 Mittlere und 150 Fortgeschrittene. Man ersieht aus solchen Zahlen, die wohl nicht nur für die Lehranstalt gelten, daß 1. schon seit längerer Zeit und 2. mit Ernst gearbeitet wird und daß 3. das Interesse nicht nachläßt, wie sich aus der Zahl der Anfänger ergibt. Es ist nicht möglich, im Rahmen dieses Aufsatzes auf all die Probleme einzugehen, die noch im Zusammenhang mit unserem Thema stehen. Insbesondere über die Schwierigkeilen, in den Geist der hebräischen Sprache einzudringen, über die Lernmethoden, über das Lehrerproblem, über die Bestrebungen, schon Kinder mit der Sprache vertraut zu Atcllcrausstcltung bei Meta Cohn-Hcndcf. Schon die Ein* Ladung — Reprod. nach einer Lithographie: Via Anpia in Rom — zeigte auch dein Nichtkcmier, daß Meta Cohn- Hendel vor allem Landschaftsmalern! ist. Die Freunde ihrer Kunst schätzen seit vielen Jahren neben ihren Gebirgsbildcrn vor allem ihre Blumenstöcke, wunderschöne Aquarelle, locker, farbig, leuchtend, so schon, wie sic sonst nur Rohlffs malt. Neben Julie Wolithorn und der An not hingen Meta Cohn-Hendels Blumenstöcke viele Jahre in der großen Berliner Kunstausstellung, dort sah man auch ihre Alpenlandschaften. Die beiden Atelierräume zeigen an den Wänden die Großartigkeit des Hochgebirges. Im Bergschatten groß, ernst wie Burgruinen inmitten riesiger grüner Matten einer Bergpartie aus den Dolomiten. In klcinerein Format bunt, mit vielen roten Farben, Berge um den Silscr See im Engadin mit viel Gelb auf den Gipfeln in der Sonne. In mehrfacher Ausführung auch in Aquarell den Monte dcl Forno, dunkel von Wolken umgeben. Andere Landschaften zeigen den Piz Lagrewc und heiiaclibarte Glcfschcrbcrgc, Für Meta Cohn-Hendels Landschaftsauffassung der Bcrgwclt ist es charakteristisch, daß sic die Gipfel immer ganz aus der Nähe malt, und daher spürt inan die Gewalt der Höhe eher im Massiv, in der Breite, in der Betonung der starren Felswelt. Es ist nicht die populäre Auffassung der Hochgchirgswclt, bei der cs im allgemeinen viel dankbarer ist, die Berge vom Tal aus zu malen. Meta Cohn-Hendel ist gleichzeitig Alpinistin und malt sie so, wie der Hochtourist sie zu sehen bekommt. Sehr schön sind darum viele ihrer Berggipfel aus der Nähe von Maloja, besonders schön wieder Aquarelle. Ihre allerneuestcn: ״Blick ins Etschtal““ sind ganz hell und leuchtend smaragd* grün, gelb, helles Rot, weit geht der Blick ins Tal hinein. In Ocl in größerem Format ist die Landschaft dunkler, das Tal erinnert an das obere Rheintal bei Chur. Einige ihrer schönsten Radierungen finden sicli in der Mappe ״Melodieund Landschaft“, die aus einem persönlichen Anlaß entstand. Heute gehört ihre Arbeit vor allem den schönen Farhholzschnitten, deren mühevolles Entstellen — zu jedem gehören 5 bis 6 Platten — sie an Hand der Platten erklärte. Eine Wiese mit bunten Blumen und feinen Gräsern ist cina ihrer schönsten Arbeiten. Auch das Entstehen der farbipen Radierung, die 5 Kupferplattcn erfordert und ebenfalls sehr mühevoll ist — jede Farbe hat ihre Platte — war in den Phasen der Entstehung zu sehen. Ganz unbe* kannt und bisher nie ausgestellt sind leider ihre Portr äts. Leuchtend in den Farben und gut gemalt, sehr farbig cinOricntalc, eigenartig ein Fraucnporträt mit schräg geneigtem Kopf, sehr beachtenswert die Ante in einem so natürlichen Ton. Diese Oclgcmälde, zwei heile rosa und gelbe Obstgärtcnbildcr, lagen unbeachtet in einem Schubfach, seit Jahren nicht gezeigt und dabei waren die rosa Obstbäume die jüngere modernere Fort- Setzung der Impressionisten. R.M. Ueber ״nationale jüdische Strömungen In der Musik des 29. Jahrhunderts" sprach in der Lchrstätte Ch. N. Bialik Dr Hans Nathan. Nationale jüdische Kennzeichen in musi* kalischen Werken fest/ustellcn, sei schon deshalb nicht leicht, weil diese Kennzeichen als solche zumindest umstritten sind. — Der Vortragende besprach, nach Ländern gesondert, die hauptsächlichsten jüdischen Komponisten, ihre Eigenart und Stil merkmalp* und gab eine Anzahl Beispiele am Klavier. Dr. Artur Guttmann, Familien - Nachrichten Herr David G u m p e r t und Frau Ro*n, geh. 1,005׳er, Berlin, Fried- Hehslr. 105 c, begehen am ZS. Dezember die silberne Hochzeit. 1 lerr Max Heidingsfelder, Kilzingen, beging am 19. De*, den 80. Ueburütag. Frau Bert ha Herr man n, früher Schwet* s. W., jetzt Minna- Schwarz-Heim, Berlin, Brunnenstr. 41, begeht am 5. Januar den 70, Geburtstag.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.