Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 102-103 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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4 102/103. 21■ XU 1934 SCHE RUNDSCHAU Seite 13 111 dem Kriege, ich war noch Oymnasiast, schenkte ein hellgclnimlenes Buch: cs waren I tmrn tfiit?!1,11 II gviii ■ '•' ,'h*• *■׳'•• י™ ־־■־vi י .. jenaml ein hellgelnimlencs Buch: cs waren Iluge fr, ernUn"s ״ttl'dllc; *'״ ni!chste" Tage - an einen lm\ e, wir waren auf fahrt - fragte ich einen Blauwciß. W״ war Hugo Zuckerinann?« Dieser Junge war ׳, hstc Singer unserer Cmippc, und statt einer Antwort i(f ״1 ז״ir Zuckcrmanns ״Oestcrrciclmchcs Rcitcrlied“: ** Priil.cn :1111 Wicwiiraml ’1'lorUn zwei i)״Illen — ן,:ן[' i!h um l)״n,1n>trand? Jjicrl'' ich in 1’״'*!״? lic^t d.inin V J V'!1' eine Seele holen, )-'!ו' ei(־ II* 1’״ K.1111|’t’ )<11 «B Kellersm.mn v'un kannte ich dieses Lied, das während des Krieges ,! noch lange hermeli überall gesungen wurde, als Volks- ״ ohnc daß ich bisher gewullt hatte, wer sein Verfasser [in Aederer von 1ms sagte mir damals, als das Lied zu!׳I, war: ,.Dieser Zuckermann ist Zionist gewesen.“ “%|,cmls nahm »eh das heu« Buch zur Hand. Es ist ..wer zu schildern, wie es auf eine junfjc, nach Begastehungernde Seele wirkte: ich Irs die Verse wie ge- Ich gewahrte damals zu meinem Staunen, daß der Üichtcr des ״Rcitcrlicdes“ auch diese Verse geschrieben hatte: ״l'n< filurl, srlnniilit und lietn von Hau» w><] Heimaterde 11 11.16 ,!"■,׳ץml •'ייי״ןי• |jh,1\1(• Zion wilder! Gill (leinein Volk Iwrnihcrxig nur ein Stückchen Erde, o >1,liker <1011! Erbaue Zion wieder!“ dirrdas Bild, das ich in jener Nacht von Zuckermann erhielt, ״udele sich erst ganz, da ich auf sein Gedicht ״Verlorene lugend“ stiel!: ״Hi glnub’, ich war wohl nie ein Kind, Hin Kind, wie nndre Kinder sind, |1,1s ke m■ Sorgen kmintc. |,!! freit' mich nie «m Snnne115rhcin, Mi Iren' inirh nie um blumigen Kain, teil .'|1i.’llc nie im Sande. penn wenn ich 1111( den Spielplatz ging, . Gr-ilitti und Lärmen niieh unifiiig: ,11(11' weg. du .'(׳hmiHz'grr Judet‘ Mi git g und w t'inle olj der Schmach, 11,1 w.i leti sie mir Kleine nach: ,Shain' dich, du feiger Jude!‘ SU f.ißic mich ein wilder Zorn — Mi hIiiiIu ’neu Sterken mir von Dom (1111 w rl 11 's den Kerlen zeigen. fU riei die Müller: ,(!oll bewahr’I Pu bring'-t uns «Ile in (iefalir! Mein Kind, der Jmi’ nuilS schweigen!..“ Dieses Oedieht ״Verlorene Jugend“ — sicher der Form nach «ich! das beste (ieiticht Zuckerniamis — erschüttert uns in dt: Erinnerung: daran, wie freudlos ״jüdische" Jugend früher jween sein mag, ohne Hoffnung, ohne Sehnsucht, und wenn eiaml jüdisches Selhstbewußtsein durchbracli, dann erstickte den träten Funken die hemmende Aengstlichkcit der Erwachttaa Das war die Kindheit Hugo Zuckcrmanns, und er tat aes ihr: Er erwachte zum Stolz, er stählte sich, er m'e zum Dichter, glühende Ziotislicbc beseelte, seine 5!r0[fa, so dal! er singen konnte: ״Erbaue Zion wieder!“ & «achte sich frei von der Ohettoenge, er dehnte sich in der Freude am Lehen. In dem ״Gliettolicdchcn“» vielleicht den schönsten Gedieht Zuckcrmanns, heißt es: . . # ״Riiibi'l, o Kachel, die Welt Kt so schön; - R.tt'Vl, sag', Mm du die Welt schon gcsrh’n? Kol bliiht der Rosenstrauch, grün ist der Klee, Uhu sind die Vcilcbcn auf tilumiger Höh', 'Hiß :111-11 den Heck, wo die piär 111 igslcn steh'n; Kachel, o Kachel, die Welt ist so schön." Gefallen am 23. Dozember 1914 Von Manfred Sturmann Vor zwanzig Jahren, am 23. Dezember 1014, Ist Hugo z.uckcmiaiiii im VC'eiikricg gciallcn. Es geht hier nicht darum, seinen literarischen Nachlaß zum Gegenstand eines Erinncrtiiigsaufs.it/es zu machen. Wir wollen ihn nur als Menschen ms Gedächtnis, rufen, als den Repräsentanten des Vorkr ן e g s z i o n j s t e n edelsten Typs. Zuekcrniann hat die zionistische Wirklichkeit nicht erleben dürfen. Sein Zionismus war Idee, die selbstverständliche und hinreißende Sehnsucht eines gütigen Menschen, der die Not seines Volkes als seine persönliche Not empfand, für den Zionismus noch keine politische Angelegenheit, sondern eine Charakterbrage war. Die Judenfrage war ihm eine Frage der Menschenwürde. Sclio״ j|! jungen Jahren schloß er sich Hcrz.l an. Im ״Verein zionistischer I lochsehiiler Theodor Hcrzl“ in Wien leistete er praktische zionistische Arbeit. Der Zionist Hugo Zuckerin,inn war gleichzeitig das Vorhild des jungen österreichischen Patrioten. Otto Ahclcs, der Herausgeber der nachgelassenen Dichtungen Zuckerinamis, schreibt in seiner Einführung: ״Seine Vaterlandslicbe, geboren aus der den Juden der Monarchie inkarliierten sprichwörtlichen Anhänglichkeit an diesen Staat, geweitet durch die fruchtbare Schönheit seiner böhmischen Heimat mul durch Reisen in die herrliche Bcrgwclt der Alpen und ins Küstenland, geläutert durch das reifende Verstanduis für die historische Notwendigkeit dieses Nationalitätenstautes, fuhrtv ihn jener jimgüstcrrcichlschcn Strömung zu, die sich in der Monarchie gerade vor dem Weltkrieg immer kraftvoller Bahn zu brechen begann. Ein großes, freies Oesterreich, einen Hort seinen zahlreichen Völkern .. . wollte er hauen helfen. So sali er sein Oesterreich und so zog er auch in den Kampf.“ Diese Sätze machen uns, die wir einer anderen Generation angchörcn, erst sein ״Rcitcrlied“ restlos verständlich. Die ehrliche Gesinnung, die Schlichtheit, die aus diesem Liede spricht, die Menschlichkeit und das Fehlen jeglichen Haßgcfühls verhaltet» dem Liede, und gerade diesem Liede, zu einer besonderen Popularität. ״Unbekannt ging er durchs Lehen“, schreibt Abeies anno 1015, ״mul just als man ihn todwund aus den! Schützengraben heimtrug, begann er berühmt zu werden, Ucbcrall klang sein ״Oesterreich ischcs Rcitcrlied“, und jetzt, da er für immer verstummt ist, wird er ein hoffnungsvolles Talent, dessen sich die berufene Kritik liebevoll annimint,“ Dichter- Schicksal! In eben jenem Exemplar Zuckerinaiiuscher Gedichte, das vor mir liegt, da ich dieses nicdcrsclircibe, fand ich ein vergilbtes Zeitimgshlatt —- ich weil! nicht, wie cs hinein* geriet. Es ist das Titelblatt der ״Jüdischen Rundschau“ vom 9. Juli 1913. In einem den ״Deutsch-Evangelischen Monatsblättern“ nachgcdruckten Aufsatz (der cs verdiente, an dieser Stelle, nach fast zwanzig Jahren, nochmals gebracht zu werden) wird ein Brief des preußischen Generals von 1) i c k 11111 h -11 a rr ac h an Zuckcrunann zitiert. Es ist ein Dankschreiben für das ״Rcitcrlied“. ״Ich kann gar nicht sagen“, heißt cs dort, ״wie Ihre Worte mich gepackt haben. Wie wundervoll haben Sic Ton und Klang der alten Landskncclitgcsängc getroffen. Der Krieg läßt die Soldatenlieder hervorsprießen wie wilde Blumen. Die meisten wird der Wind bald verweilen. Aber Ihr Lied wird bleiben und wird Ihnen zu dem Siegeskranze auch den Lorbeer des Dichten um die Schläfe winden. Gott sei mit Ihnen und führe Sic gnädig wieder heim. In treuer Waffenbrüderschaft Ihr auf-, richtig ergebener Dr. jur. v. Dickluith-Harrach, üencralleutnat, Gouverneur von Thorn.“ * 1 Zwei Jahrzehnte sind seit ׳Zuckcrmanns Tod verstrichen. Sie haben die Weit um und um geknetet. Manches, was der Dichter in seinen Liedern voraussetzte, besteht nicht mehr, aber der jüdische Traum, den er träumte, ist Wirklichkeit geworden. Dies und jenes seiner Dichtungen mag indessen an Gültigkeit cingcbiiftt haben, lebendig aber erhält sicli darin ein edles gütiges Menschenherz, dessen wir uns erinnern sollten, auf daß der Name Hugo Zuckermann, zumal in unseren Reihen, niemals vergessen werde. iiiitcrung bleiben, wert genug, sich daran zu halten und eine Hoffnung werden, stark genug, darauf zu vertrauen, so müssen von ihn» andere Bilder in der jüdischen Seele wurzeln und andere Fruchte des Geistes reifen als die aus dein ״Josef“ zurückgebliebenen. So wird die ״Heimkehr“, die Julius Wolffsohn vor etwa drei Monaten vollendet hat, zur Ergänzung, und mehr noch zur Grundlage seines ״Josel“; und wie der Grund stärker und sicherer sein muß, als der darauf errichtete Bau, so ist auch, nach meiner Meinung, die ״Heimkehr" in ihrer Liiiieiifiilirimg und Zielsetzung noch straffer, einheitlicher und ursprünglicher als der ״Josef“. In sieben Bildern rollt das Geselle 11 en ab, das, mit der Erohermig Babylons durch Cvrtis, die Heimkehr der 40 000 unter Scrub,־!bei in das vor fünfzig Jahren verlassene judäische Land begreift; das innerlich die Entstehung des Judentums darstcllt, jenes rätselhafte Wiede-ra 111 leben des versunkenen Thorawissens und Gottcsglnubcns gerade auf fremdem bahy- Ionischen Boden und seine sichtbar-glorreiche Manifestation Im Hau des zweiten Tempels. Einer solcher» ״Heimkehr“ Im tiefsten, eigentlichsten Sinne verwandelt sich die steinige Wildnis, auf die die Heimkehrer in der altem Heimat zunächst erschrocken und verzweifelt die müden Füße setzen, zu einer paradiesischen Schau kommenden Glückes und Glanzes: Julius Wolffsohns ״Josef״ und «Heimkehr״ Von Rabbiner Dr. Roscnthal, Köln. Im Januar wird in Berlin ein Gastspiel des Kölner Kulturbundthcaters mit Julius Wolffsohns ״Josef bei! Matthias“ stattfinden. , Ein junger Kölner Dichter hat seit dem 19. November, an :יד sein Schauspiel ״Josef bei» Matthias״ die Ur* 1״jiilirung im Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr erlebte, die G.merksamkeit jüdischer Kreise auf sich gezogen. Ich darf ,:r Uber Julius Wolffsohn ein Urteil erlauben, da bei den ■<1at11 Werken, von denen liier die Rede sein soll, sowohl f1״ Erdenken wie beim Entstehen Unterhaltungen mit mir;1״Sclmidcn haben: Unterhaltungen des Sohnes eines seit;™«״mir befreundeten Nachbarhauses, des Großneffen von Wolffsolm, dem ich mich über den Tod hinaus irmigst;1“״,‘kn fühle, mit dem Rabbiner, zu «lein man Vertrauen , ־ .,c" habe, als im Frühjahr die Niederschrift des ״Josef j Matthias׳• i״ meinen Hiiuden war, den Verfasser ermuntert ״־ c״m1tigt, sein Werk der jüdischen Oeffcntlichkcit an zu- ״׳traue!,; der bisherige Erfolg hat diesem ersten Eindruck Mit gegeben. Julius Wolffsohn hat, aus dem Zeit erleben '״*ns, den Blick rückwärts gewandt in die jüdische Geschichte •» «ו״יי«ידיןן*' -ו״יי״ויי־־״״-וי״י ■!ןן־יד*• V J «״*. 1 V i \.k ״ , .״ riן״״״״, ״• deutscher Chalux und Chaluzah aus dem Kihbux Nina. z. ״;״7 ״,.״׳׳.״• ״Es grünen die Felder lind blühen die Garten. Schon!ragen die Bäume, Schon tragen die Reben. Rinderherden zieht! über die Weiden Und Menschen erfüllen die Straßen der Städte. Sie drängen und eilen und hasten nach oben. Die Wege zum Tempel sind von ihnen voll. — Seht ihr denn nicht Wie die wogende Menge Auf freier Erde stolz aufrecht geht? Wie eure Jugend unbeschwert heiter Und fröhlich auf jüdischem Boden lebt? Verschließt nicht die Seelen Und schenkt euer Wollen Restlos und kargt nicht Mit eurer Geduld. Denn unser Wollen ist heiliges Wollen. Das lebt, das nicht Anfang noch Ende kennt. Juda ein Märchen? Und Zion ein Traum nur? Nein, cs sind glühende Wirklichkeiten. Ihr seid jetzt die Bürgen» Ihr schafft jetzt das Leben. An euerem Willen alleine hängt es Die tote Erde lebendig zu machen — — Wenn ihr nur wollt, wird das Märchen wahr.“ und nach Stoffen Ausschau gehalten, die dem jüdischen Gefühl, dem jüdischen Bewußtsein und nicht zuletzt dem jüdisehen Stolz, die Nahrung geben, nach denen sie in der Gegenwart verlangen, um sich aufzurichtcn. Das Stuck mag ״dichterische״, theatralische Mängel haben; auch mag die Regie zu seinem Gelingen ihr voiigcrüttclt Maß bcisleuern: die innere Befeuerung, der furor pathcticus,^ bricht aus ihm selber aus, auf Spieler und Teilnehmer des Spiels, aus seiner rückwärts gewandten Zeit sch au, aus seinem Wollen für die Gegenwart, ans seiner Weisung Jn die Zukunft. Gibt mm ״Josef bei! Matthias“ für das von der Heimat atifbrcchcnde, für Jahrtausende nunmehr zur Oaluth bestimmte Israel die Losung: ״Jerusalem ist gefallen! leb will das Jerusalem des Geistes bauen Und das Unsichtbar-Ewige an die Stelle des Sichtbaren setzen!“ — die Losung, die, in Immer ־wechselnder Form, das Geheimnis der Erhaltung Israels in der Zerstreuung enthüllt —. so fehlt gewissermaßen aus dem Stück selber für diese Wendung mul Wandlung das anschauliche Vorbild: eben das ״Sichtbar• Fwige“ selber. Was uns da als gelobtes Land, als Väter- Heimat, als 1 lochburg des üottcsgcistcs entgegentritt, ist eine von Leidenschaft und Bruderzwist zerrissene, dem Elend und der Knechtung prcisgcgcbcnc Oede. Soll Jcrusalcnf eine Er* Zu Sonnenihals 100. Geburistag Das Geburtsdatum von Adolph Sonnenthal wird In manchen Quellen» so z. B. im Jüdischen Lexikon und auch in einem Artikel des Jüdischen Jugendkalendcrs (3. Jahrg. 5691), mit 21. Dezember 1832 angegeben. Daß Soimcnthal im Jahre 1904 seinen 70. Geburtstag leierte, erklärten manche damit, daß er sich ״jünger“ gemacht habe. In dem soeben crschieneuen Buch ״Juden und "ך Judentum in deutschen j Briefen aus drei Jahrhunderten“, herausgegeben von Franz Ko bl er : (Saturn-Verlag, Wien), ist י der Brief abgedruckt,! den der Direktor des ־ j Wiener Burgtheaters, I Paul Schlenther, am .. 20. Dezember 190t an Sonncnthal zu seinem 70. Geburtstag gelichtet hat. Dies kann ungcach- (et des Zweifels an der historischen Präzision des I )atums übernommen wer« den, wenn es Gelegenheit gibt, an den wahr« schcinlich größten jüdi• sehen Schauspieler, den cs bis zu unseren Tagen je gegeben hat, zu erinnern. Adolph Sonncnthal, im Budapester Ghetto geboren und zunächst zum Schneider bestimmt, , kam mit 27 Jahren ans Burgtheater und blieb daselbst bis zu seinem Lebensende im Jahre 1909. Was Sonncnthal für das Burgtheater, für die Schauspielkunst und darüber hinaus für das Wien des fratizisko-josefini* sehen Zeitalters last em halbes Jahrhundert lang bedeutet bat, das stellt in der Geschichte des Theaters wahrscheinlich beispiellos und einzig da. Er wurde in schnellem Aufstieg neben seiner Schauspiclertätig* keit Regisseur, dann Oberregisseur, wurde vom Kaiser in den kitterstand erhoben, hat aber klugerweise die ihm mehrmals angebotene Direktion des Burgtheaters nicht angenommen. Vielleicht ahnte dieser Mann, Ger in der liberalen Acra in Geste und Kleidung das Vorbild der guten Gesellschaft geworden war, daß ihm als Juden bestimmte Grenzen gesetzt sind. Und ein treuer Jude ist Sonncnthal zeitlebens geblieben. Es würde zu weit führen und wäre nur mehr von historischem Interesse, die Rollen anzuführen, als deren maßgebender Interpret Sonncnthal galt; erst waren cs feurige Jünglings- und Hcldcnrollen, später die Väter. Nur eines muß erwähnt werden: er war — neben seinen klassischen Glanzrollen als Wallcnstcin und König Lear — die Verkörperung von Lcssings ״Nathan dem Weisen“. Nathan der Weise war gewissermaßen mit ihm identisch. Seine Väterlichkeit, die aus dem Herzen strömende Güte, der Add seines Wesens und die Meisterschaft der Sprache gaben dieser Rolle eine schlechtliinigc Vollkommenheit, erhoben sic weit über die Sphäre des Theaters zu einem Sinnbild. Kein Wunder, daß vor allem die fudcnschaft in diesem Künstler ihren Sprecher, ihren Nathan, sah. Sonncnthals jüdische Noblesse und sein jüdisches Wesen, die im Nathan sich so deutlich darboten, durchtränkten aber auch seine anderen Gestalten. In seinem letzten Lebensjnhrc, also im Alter von 75 Jahren, beschäftigte er sich mit den» Studium der Rolle des Shvloek, der er eine ganz neue Interpretation geben wollte. Wahrscheinlich wäre bei ihm das Menschliche dieser Judengestalt in einzigartiger Weise duichgcbrochen. Es ist nicht mehr dazu gekommen. Mitten in seiner Arbeit ereilte ihn zu Pcßach 1909, während einer Gastspielreise in Prag, der Tod. Er wurde nach jüdisclicm Ritus bestattet. — Die älteren Generationen werden sich noch an Sonncnthal und an die glückliche Zeit, die er verkörperte, erinnern, in einer Welt, in der für eine Gestalt wie die seine kein Platz mehr ist, mag ihm, der über den Tod hinaus wirkte, ein Wort des Gedenkens gewidmet sein, Sonncnthal als ״Nathan" 1 1. 1־ ו 1!•;! z־! '!-־ I J l ii l! ׳»M: 1.1 '׳*״ I \, 1 ' ־] . 1!; K1 ' Y ז ״:!; ׳ \ 1‘ \ i י, י! , ו 1 ח \?/1. * 1 I י ’ ו