Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 102-103 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis RM 40.<־!02/103 / Jahrgang: 39 ,g ךיי.•g ןך«״י•׳•«"־־! i fj ו! | ן ך ן V L-J \j 0; »■ ,J *״•*••»״»*rw.Jhii.,, B.rlln Wtl, M«tMk«at.. 1• ^,1! S«w״"I N'[■ 1י Dl,m*rck 7240 .°ל/5*,ד ינ81/8*ב/«. - B..u*«pr»l« Pr® Monat :ul_1ProC'l*r5,75 '״-~P'»«IK:h*lI־Kom«n d« Ahoanomanu.Ahirilu:*״ ״V 73ן'ך (HI1 GroS * BerlinX B.rlln 17 392 (lür d», ttbri*® Reich). jeweiliger Uiwl««־ ־" —*־־* *־•—*—־■ ־־ ■«"™1*«׳ ״״ ■— — -- ־ ■י■■«• ■•«icn^ Auelend•■ ־ *”*•!»t Jeden Dlun.t.g and Fr-lUg, BERLIN■ ט״ו טבת תרצ״ה FREITAG, 21. DEZEMBER 1934 AaiotfonlArlli Di* 22g»«p*lt4>n• mm'ZHl* IIM 0,20, für Bf«D«ng*mch• RM040^ für P*mili*nB»chHcht«n HM OJS• EinteUnz«iget> mir ןון*« Veratttxakltmg mm SrhiUtr 04*r •ul P»*tachael1-K ernte B«rlin7J&l8 Montag hia Dcnaarttag 9►—־IÄ Dbr* Freitag 9—1$ Uhr. Anftahataechiuft lür dl* Dienitag Atitgah• Moatag K> Uhr, für <U« Fr*It*|.At1agah• Mittwoch 13 Uhr <Famili*nan««ic*n bi* Donnaratag 10 Uhr) B(> zionlswu» erstrebt tOf fiat IQdUcha Volk dlo Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״ Basaler Programm•• Das Fest, das unsere cliristliche Umwelt in diesen |J׳־cn fein lieh begeht, ist verbunden mit einer erhabcr;n Botschaft: Frieden auf Erden. Es ist ein ,!insliiclics Wort, zugleich aber auch ein jüdisches Url0rt; Friede, Friede dem Fernen und Nahen, sagt 3!cr Prophet, und das Wort Friede — Schalom — ist jr unter Juden übliche Gruß. Oft genug sind darüber fctraclmmgcn angestcllt worden, wie sehr in der irdi-;;110n Weil die religiöse Hoffnung und die gegebene Wirklichkeit auscinandcrklaffcn. Ja, diese Diskrepanz :,;;[<st ist Inhalt der Religion. Generationen kommen und Alterationen gelten, aber in der Folge der Zeiten ver-;{tscn die Kinder die Erfahrungen der Eltern, das ruhe* >c Mciisciienlierz vermag das Leben nicht zu meistern, Völker stoßen kämpfend aufeinander, und der Friede wird m messiani sches Ideal, das vollkommene Reich a Ende der Zeiten. Die Jahre unserer Lebensspanne sind so recht aus*;!fiillt mit Kampf und Ringen. Als nach dem großen Krieg 1()1S ein Staatsmann die Worte sprach, datf nunmehr eine endgültige Ordnung geschaffen werden muß, 10 künftige Kriege aussc!(ließt, da begrüßten viele diese Verheißung einer neuen Zeit. Die Probleme des Krieges, so sagte Präsident Wilson am 27. September 1915,... ״müssen endgültig ein für alle Mal durch volle unrradeutige Annahme des Grundsatzes, 'daß-^pc In* tetewn des Schwächsten ebenso heilig sind wie die to’sscn 1!cs Stärksten, ihre Losung finden“. Aber schon »eilige Wochen später, als die Sieger sich uneinig und eifersüchtig: an den Beratungstisch setzten, waren diese Hoffnungen verflogen. Seitdem sind viele Jahre ver- 'tosen. Und in den soeben abgelattfencn Monaten haben ür erlebt, wie öffentlich der Glaube an die Daucrhaftigeit der Friedensordnung aufgegeben wurde und die Volker ihre Kriegsrüstungen rechtfertigen. (Man denke זי, tim von anderem zu schweigen, an das Scheitern der flolten-Konfercnz.) In den letzten Tagen, seit der fried* kthen Austragung der mit detn Attentat von Marseille wanimenliängcndcn Konflikte, ist die internationale Stint- 'lang etwas ruhiger geworden. Aber deutlich ist, wie ״t Menschen aller Völker sieh nach einem Wort seltnen, hs aus der Atmosphäre des gegenseitigen Mißtrauens »ausführt. ' " ' Dies zeigte sich an detn Echo, das die Rede des ädafrikani sehen Generals Smuts im Londoner?oval Institute of International Affairs gefunden hat. Die londoner ״Times“ teilt mit, daß die Sonderausgabe, die von dem vollen Text dieser Rede veranstaltet hat, ״w schon zum dritten Male vergriffen ist. Offenbar ist 5 Zahl derer, die dieses Heftchen besitzen wollen, sehr Hier hat ein Staatsmann, der nicht unmittelbar 5 den europäischen Wirren steht, einen groß angeleg- Ueberhlick über die heutige Weltpolitik und ihre Ge-;!wn gegeben; und was das Wesentliche ist, er hatte Mut, diese Probleme nicht mit Ausflüchten und vor- *Mjßcn Formeln, auch nicht mit der üblichen politischen bktik, sondern mit geistigen Mitteln zu erfassen. freier Geist strömt aus den Worten, ein Geist der 'enscbüclikeit, der über alle Verzerrungen hinweg t!n- ’«tclbar zu den Herzen dringt und darum ein solches ™!atmen weckte. Auch in Deutschland hat die Rede Smuts einen freundlichen Widerhall gefunden. Hat °י1ז ein Mann, der selbst Partner von Versailles war, un- ‘״wunden erklärt, daß der ״Friede“ von Versailles kein /lcde, sondern ein Fchlschlag war. Er trat offen ein, daß die völlige Gleichberechtigung Jeutsc h I an d s in der Reihe der Nationen anerkannt '. c* Und aus eigener Erfahrung, auf Südafrika ver- ^CÜsPtlfl t * r1 1־'jtl. A /""*« »•rvfl *39 11 * In Montreux trat am 17. 12. der erste Intcrnatlo• nalc faschistische Kongreß zusammen, an dem 16 faschistische Organisationen aus 14 Ländern tciliialuncn. Der Kongreß wurde nach dem Bericht des ״Berliner Tageblatts“ vom 17. 12. durch den Delegierten der rumänischen ״Eisernen Garde“, Jan Mot za, mit der Erklärung eröffnet, daß die Juden eine ungeheure Gefahr für die f a - s c h i s t i s e h c Einheit bilden. Dieses Problem sei ein internationales, und inan müsse ihm außerordentlich große Bedeutung ztimcsscn. ״Solange dies Problem nicht gelöst ist, ist ein wahres Lehen in Europa nicht möglich.“ In einigen Ländern, so äußerte sich der ()elegierte der Eisernen Garde, ist die JuiJciifraßc äußerst ernst, besonders in Rumänieii. Man müsse versuchen, auch eine nationale Lösung für tliescs Problem zu finden, auf die Dauer jedoch ginge es nicht ohne die internationale Lösung. Der Präsident des Kongresses, der Delegierte der italienischen Faschisten, Signor Coselsi, unterbrach Motza und schlug vor, die Besprechung der, Judcnproblems zu verschieben. (Der italienische Faschismus lehnt bekaiintlich den Antisemitismus und die Rassen-Diskrimination ab.) Ueher den Kongreß berichtet die ״Berliner Börsctt-Zcitung“ vom 18. 12, weiter, daß die Veranstaltung als privater Meinungsaustausch der Teilnehmer betrachtet wurde. Der italienische Leiter des Kongresses, Abg. Colselsi, habe nicht als amtlicher Vertreter der faschistischen Partei Italiens fungiert. Nur solche Länder seien berücksichtigt worden, in denen der Faschismus nicht zur Herrschaft gekommen sei. Es wurde eilte einstimmig angenommene und von den französischen, belgischen und norwegischen Vertretcrn unterbreitete Entschließung über die Juden• frage zur Aussprache gestellt, die zu ziemlich heftigen Erörterungen Anlaß gab. Die Entschließung besagte, ״daß jedes Land souverän sei, um über Fragen der Rasse und Moral zu urteilen, daß die jüdische Frage je• doch nicht zu einem allgemeinen Feldzug de* Hasses und der Verfolgung Anlaß geben könne, daß sich aber zahlreiche Juden und gewisse Grup• nen von Juden in erobertem Lande wähnen und den mora• lisclicn und materiellen Interessen ihres Landes Schaden zu• fügen. Sic bildeten eine Art von Staat im Staate und benutz• ten die wohltätigen Einrichtungen, ohne an den Pflichten tcilnmehnien. Auch hätten diese Elemente die Weltrevolution unterstützt. Daher wende sich der Kongreß gegen die vernichtende Tätigkeit dieser Elemente und verpflichte sich, sie zu bekämpfen.“ Es ist unseres Wissens eine bisher uns Juden gegenüber noch nicht erhobene Behauptung, daß wir die wohltatigen Einrichtungen benutzten, ohne an den Pflichten tcilztinchmcn. Bisher wurde auch von Judengegnern aner* kannt, daß der Anteil der Juden an der aktiven Wohltätigkeit außerordentlich hoch ist. Die übrigen antäjüdischen Behauptuugen der erwähnten Entschließung sind weder neu noch zutreffend, was die große Mehrheit der Juden aller Länder anhclangt, die sich als treue Bürger ihres Heimat- Staates fühlen und betätigen. Immerhin spricht aus dem ersten Satze der Entschließung, daß die in Montreux versammelten Gruppen sich gegen noch weitergehende antisemitische Forderungen abgrenzen wollten. C|scnd, betonte er, daß nur eine ,,Politik der Großmut‘' le Sicger und Besiegte wieder zusammenführt und aus en Feinden von einst Genossen und Zusamtncnarbeii., £ an einem gemeinsamen Werk macht, den Weg iJS F״ie führe״ könne. Smuts sprach in seiner Rede von den psycholol). e״ Folgen, die die Verweigerung der GleichtitntC . f־u*'K fi*r die Betroffenen haben muß. Er be* träum SIC^ ^abei einer (nebenbei gesagt, von Juden Terminologie: die Entziehung des natürlichen *mit•• au^ Gleich Wertung erzeuge einen ״Minder- 'BWitdcompfex« Wir Juden kennen diese Erscheiberecht־ r Wohl“ Durch Jahrhunderte, ist uns die Gleichunj «8״״ versagt worden, unsere Umwelt betrachtete Menschen einer niedrigeren Stufe, und das be* wirkte, daß wir iin Verkehr mit der Umwelt nicht mehr innerlich frei und unbefangen waren. Unser Minder* wertigkeitskomplex ließ uns entweder das Judentum selbst gcringschützcn, uns den anderen an den Hals werfen, oder aber er artete manchmal in einen unbegründeten Hochmut aus, der das uns durch die Ver- Achtung der Umwelt entstandene Unrecht ״kompensieren“ sollte. Die Erkenntnis dieses Zustandes ist schon der Anfang der Gesundung. Wenn wir häufig von der durch den Zionismus bewirkten ״Normalisierung“ unserer Beziehungen zur Uimvclt sprechen, so denken wir dabei im Grunde an nichts anderes als an die Be- ■scitigung dieses Minderwertigkeitskomplexes. General Smuts selbst hat für das jüdische Schick* snl ein tiefes Verständnis. Wenige Tage vor der großen, die Aufmerksamkeit ganz Europas auf sich lenkenden Rede im Savoy-Hotcl hielt er in einem jüdischen Kreise eine von der Ocffcntlichkcit weit weniger beachtete Rede über sein Verhältnis zum Judentum. Er gab darin seiner Bewunderung für die Schöpfungen des jüdischen Volkes, seiner Verehrung für das Alte Testament und seinen innigen Wünschen für das zionistische Aufbau* werk in Palästina Ausdruck. Es ist nicht zum ersten Male, daß Smuts über das jüdische Problem spricht. Am berühmtesten ist die Rede, die er am 3. November 1919 bei einem ihm von den südafrikanischen Juden veranstnltctcn Empfang gehalten hat. Vielleicht ist es am Platze, für viele, die diese Rede nicht kennen (eine deutsche Uebcrsetzung ist in der Zeitschrift ״Der Jude“, Februar 1920, abgedruckt), einige Stellen anzuführen, in denen der Mann, der heute für eine Heilung der kranken Welt durch eine ״Politik der Großmut“ sich einsetzt, seine Meinung über die Juden ausspricht. Nach einem Hinweis auf die Bibelfestigkeit der Hol* ]ander und Buren fuhr er fort: ״Fiir mich selbst kann ich sagen, daß immer, wenn ich etwas Großes oder etwas wahrhaft Erschütterndes sehe, mir die Sprache des Alten Tcstainc/itcs in den Sinn kommt, die die erhabenste Sprache ist, welche die menschliche Zunge je gesprochen hat. Ich meine nicht die hebräische;■ Sprache, so großartig diese auch klingt, sondern ich meine die gemeinsame Sprache des menschlichen Herzens, die Sprache des menschlichen Geistes und der menschlichen Seele, welche rein menschliche Gefühle und menschliche Gemütsbewegungen so allgemein verständlich ausdruckt, daß sic zu allen Völkern und zu allen Zeitaltern spricht. Das ist die Sprache der Psalmen und der Propheten.“ Und dann über die Ziele seines eigenen Staates: ״Unser Streben ist es, ln Südafrika ein Land von Männern und Frauen zu haben, wo der arme Mann nicht Wegen der Weihnachtstage kann am Dienstag, dem 25. Dezember• keine Ausgäbe erscheinen. Wir bringen daher heute eine stärker ausgestattete Doppelnummer geringer ist als der reiche Mann, wo die großen Ideale der Propheten des Alten Testaments ihre Verwirklichung finden, wo erkannt wird, daß das Höchste auf Erden die menschliche Seele ist, nicht die menschliche Tasche, sondem die menschliche Seele. Ja, das ist das große Ideal, für das wir einstehcn, das ist der grundlegende Gesichtspunkt der jüdischen Re- - Ilßion, des Alten Testaments, alles dessen, was wir aus dieser großen Kultur der Vergangenheit in uns aufgenom• 1 men haben. Dafür steht ihr cm und dafür stehen wir ein. Und ich hoffe, daß ihr in den kommenden Jahren auch weiterhin zeigen werdet, wie cs uns eure Propheten verkündet haben, daß die großen Dinge des Lebens die geistigen Werte sind, daß das Größte die menschliche Seele ist, daß die großen Dinge Liebe und Rein* heit, Kraft und Wahrheit sind — die großen Ideale des geistigen Lehens. Wenn ihr das tun werdet, dann werden die Juden Südafrika den größten Dienst erwiesen haben, den sic unserem jungen Lande zu leisten imstande sind. Auch für Sie, meine Damen und Herren, auch für . Ihr Volk hat eine große, endlos lange, historische Todesquäl ihr Ende gefunden. Ihr habt in der Geschichte eine große Rolle gespielt. Ich sehe die Tage kommen, wo ihr diese große Rolle wieder spielen werdet, dann rtämlich, wenn ihr zu der alten Grundlage, der Grundlage der Psalmen und der Propheten zurückgekchrt sein werdet. Wenn dieser Tag gekommen sein wird, dann werden wir hier in Südafrika, wir Christen, wir von teutonischem Blut, erkennen, daß eines der mächtigsten, eines der wertvollsten Elemente unserer Bevölkerung die Juden waren, die unter uns gelebt und geholfen haben, uns die geistige . Anschauung des Lebens zu lehren.“ Und in bezug auf den Zionismus, den zu fördern er auch praktisch so viel getan hat: ״Ihr Volk, Ihr kleines Volk, hat eine Mission gehabt, eine kulturelle Mission in der Welt, die vielleicht nicht ihresgleichen hat unter den Nationen der Erde. Ihr habt in der Geschichte eine Rolle gespielt, wie keine andere Nation, und das hattet Ihr in nicht geringem Maße den natürlichen Verhältnissen eures Landes zu verdanken. Und ich sehe nicht ein, meine Damen und Herren, warum es unter besseren Verhältnissen nicht möglich sein sollte, daß dieses kleine Volk, wenn cs wieder in seinem eigenen Lande lebt und den Einflüssen dieses Landes unterworfen ist, wieder an der Geschichte der Welt einen großen Anteil gewinnt.“ Es ist gewiß für alle Juden interessant zu hören, welche Auffassung ein Staatsmann ״teutonischen Blutes“, wie er selbst sich nennt, von der Rolle hat, die die jüdische Bevölkerung des von ihm geführten Landes, der südafrikanischen Republik, in diesem Lande spielen soll. Wir Juden, ungewohnt solcher Ansprachen, glauben fast, daß er uns etwas zu viel des Lobes zollt. Denn während andere Beurteiler oft nur die Entartungserscheinungen bei Juden sehen, spricht Smuts von dem idealen Judentum, das die Propheten verkündet haben und das jeder Jude zwar als Aufgabe in sich trägt, aber nicht immer im Leben verwirklicht. Wenn wir als ein ״Volk des Geistes“ zum Kampf gegen einen niedrigen Materialismus alsBundesgenossen aufgerufen werden, so wissen wir, daß auch Avi!“ noch viel zu tun haben, um diese Ideen in unserem eigenen Volke durchzusetzen. General Smuts feiert (an-