Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 97 (4.12.1934)
- Date
- 1934-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DEZEMBER 1934 ך־״ (lil* G,o»-B*rlln), B*tlln 17 392 (lür .1•• übric« R«lchV Au.llndt- 1 Zl0B|.mu» «rstrei»! für das jOdlscha VoHt die Schaffung «In«״ «ffenfllch - rechtlich gealterten Ansaljrantarlfi Dl* BM0.20, für S1«!]*ng*aucb• RMOJrfl tfir F*mlH*rm*chrkhl*t» RM 045■ Elnralanralg#!* nur g0f«n Voran*!•hlttnf •sa 8<K*11«r od*r ■uf Pe«1*ch#cl1־K0nf0 Berlin 71 6W Mont■! bl* Donn*rat«f 9*18 Uhf^ Fr«lt*n 9—15 Uhr, Aum*hm««ehtu& für di« Mocta! 10 Uhr! fftr <41• Fr«lt*g-Au»|«b• Mittwoch 13 Uhr (F«aafli»n*11««lg<*1> bla Donnamtf 10 Uh*) Baseler Programm11 י: ־, ך * ״w " . *543» Icstfltj tlifsolt i.iU.Ü'1 X itt) Im Anschluß an seinen Artikel ״Der Judenprozeß in ' ra“ (״Völkischer Beobachter“ vom 29. Nov.), den wir . der ״Jüdischen Rundschau“ vom 30. Nov. kurz bcrochen haben, veröffentlicht Alfred Rosenberg im ״Völ- ,dien Beobachter“ vom 1. Dez. einen zweiten Artikel, r gegen d >s Judentum und die Zionisten schwere Bc*;huidigttuKCu enthält. Der ״Völkische Beobachter“ bringt n Artikel mit einer ganzseitigen großen Ucbcrschrift Pas Eingeständnis einer planmäßigen j i't ־ ischen W c 11 p 01 i t i k“. Das Kernstück der Ausfüh- -,[gen bildet die Behauptung, aus jüdischen Aeiilicrun- :;n gehe hervor, daß es eine jüdische Wcltpolitik im r,nc der ״Protokolle der Weisen von Zion“ gebe. Als;;weiswird 11. a. ein Artikel der ״Jüdischen Rundschau“ dem Jahre 1919 zitiert, worin gesagt war, daß die;ilfour-Dckl iration ״nicht ri!1 wiimlcrharcr Zufall, sondern das Ergebnis einer danniiilSie durchgefiihrtcn 25jährigen Arbeit am jüdischen Volk und für das jüdische Volk“!ei, und ferner ״daß sie das jüdische Volk für seine nationale Sicherheit zu neuen Verantwortlichkeiten, Umstellungen und zu einer in unserer Geschichte unerhörten zielstrebigen Leistung auf• fordert“. Wenn liier von 25״jährigcr Arbeit“ die Rede ist, so t die Bemühung gemeint, die nichtjüdischen Völker tbcnso wie die widerstrebenden Juden mit den bitte- :nt Tatsachen der Judenfrage und der J u- Net!not bckannt/umachcn. Seit Theodor Herz! das |lcscn der Judenfrage erkannt hat, galt seine und der :ionisten Arbeit einer unermüdlichen Aufklärung; denn :e Mehrzahl der Juden wollte damals, in den ״guten Zci* n", nicht erkennen, daß die Lage der Juden abnormal t und eine andersartige Lösung als die durch das Vcr- ״men auf ״Aufklärung und Fortschritt“ vorbereitet werftn müsse. Der Hcrzlschc Zionismus hat sich aber auch u die Außenwelt gewandt. Schon bei dem ersten bngreß 1897 richtete Herzl einen Appell an alle Völer legte den größten Wert darauf, die ganze Welt- ,fentlichkeit Zeuge der Verhandlungen der Kongresse nn zu lassen, und er unternahm auch politische Schritte xi verschiedenen Machthabern, um die Idee des Zionis- ,us zu erläutern. Seine erste politische Begegnung war kanntlicli die mit dem Großherzog von Baden, :tr ilm dann bei der deutschen Regierung und dem Putschen Kaiser einfiihrte. Herzls Ziel, vom Suleinen Charter zur Besiedlung des damals völlig 1'״den und als Provinz wertlosen Palästina zu erhalten, 'ar auch in der Folge maßgebend, und Herzl bemühte Y durch Fühlungnahme mit einer großen Zahl von daatsin.inncrn aller Nationen diesem Ziel;*l'crzukommcn. Alle diese Bemühungen sind bekannt, äRn1 aber nicht das geringste mit einer ״Weltpolitik“ ™ tun, sondern ausschließlich mit dem Wunsche, eine trlaubnis zur Besiedlung Palästinas durch die Juden zu galten, Nach der Balfour-Dcklaration haben viele Ju- ״״ sich den Palästina-Bestrebungen angeschlosscn. Di c- Sfn Juden gegenüber, die sich die Sache so leicht ״,achten, sollte nun in jenem Artikel von 1919 darauf hin-?״wiesen werden, daß die Zustimmung zur Besiedlung ,״ästinas ״durch 25jäl1rigc, planmäßige Arbeit“, die viele , Pier und Menschenkraft gekostet hat, erreicht worden T Der ersten Kolonisten Palästinas, die unter schwersten C(lingungen das Land urbar machten, ward hier gedacht. H Palästina-Werk stellt, das sollte gesagt werden, ״ch weiter große Anforderungen, denn wenn aus He״ Juden, die in der Diaspora häufig ein ״Volk von ■mdlern" genannt wurden, Kolonisatoren, Landarbeiter, 3״arbeite!• usw. werden sollen, so verlangt das in der at״Urnste 11 ungen“, und cs ist unerfindlich, warum fr Verfasser des Artikels im ״Völkischen Beobachter“ 1״kr das Wort Umstellungen ein Ausrufzeichen (!) setzt. שיל*..,ין Erlangung einer Bewilligung für die Besiedlung , astmas war das c i n 7. i g c Ziel des Zionismus (״Baserograinm“). Der Zionismus ging von der VorausjZiing aus, daß die meisten Länder es begrüßen werdi ’ "cnn ein Teil ihrer Juden auswandert. Insbesondere |) ,f|Uss*sche Judenfrage bildete ein ungeheures dar; kCm* Pcr russische Minister Plehwe verhandelte nen ז-r rt,'t Herzl. Die zionistische Arbeit in den einzel- Ke ,pdern ging stets in voller Oeffcntlichkcit und mit ן" n,ls der Landesregierungen vor sich.; Insbesondere dies während des Krieges in Deutsch* land der Fall. Rosenberg zitiert die nach dem Kriege erfolgte Zustimmung der deutschen Zionisten zur Politik der Balfour-Dcklaration und meint, darin ein Hinarbeiten auf eine ״Zerschlagung der Türkei“ während des Kricges zu sehen, das heißt ״auf die Vernichtung eines Staates, mit dein Deutschland in militärischem Bündnisvertrag stand“. ״Diese Arbeit, fährt Rosenberg fort, war also ein* gestandenermaßen eine lanclcsvcrräterischc Tätigkeit, und über alle staatsrechtlichen Pflichten und Bcteucrimgen hinweg ist der Landesverrat an Deutschland die politische Richtlinie der Zionistenbewegung gewesen.“ Die deutschen Zionisten, eingedenk Ihrer von allen maßgebenden Faktoren anerkannten Pflichterfüllung Im Kriege, müssen den Vorwurf landcsvcrräterlschcr Haitung mit Entschiedenheit zuriiekweisen. Die deutschen Zionisten, ja in der Tat die damals in Berlin stationierte, 1913 gewählte, legale Leitung der Weltorganisation, haben während des Krieges ein enges und loyales Einvernehmen mit den deutsehen Behörden beobachtet. Auch die Politik bcziiglieh Palästinas, die in der Türkei, als dein Souverän Palästinas, geführt wurde, war der deutschen Regierung bekannt und erfolgte im E in vernchmen mit ihr. Die deutschen Zionisten versuchten auch, durch Vermittlung der deutschen Regierung Zusicherungen von der Türkei zu erhalten, in dem Bewußtsein, daß eine solche Erklärung von größter Wirkung auf die Juden der ganzen Welt, Insbesondere aber in den neutralen Staaten, von denen die Vereinigten Staaten von Amerika am weitaus wichtigsten waren, gewesen wäre. Im Weltkriege spielten zugegebenermaßen Imponderabilien eine große Rolle. Im Jahre 1917 war Palästina noch im Besitz der Türkei. Die englische Offensive an der Aegypten-Front war zurückgcschlagcn «3 1Si!r» iel Die Huleh-Konzession übernommen Unmittelbar vor Redaktionsschluß erhalten wir folgende Nachricht: Im Namen der Palästina-Exekutive der Jewlsh Agency hat der Leiter des politischen Departements, Mosche Schert o k, die Konzession für die Besiedlung des H ti I c h - Gebietes in Nordpalästina offiziell übernommen. Damit ist eine bedeutsame neue Etappe jüdischer Großkolonlsatlon in Palästina erreicht. Das Gebiet umfaßt 57 000 Dun,1m, davon entfallen 17 000 Dunam auf den Mcromsec. Für die Ansiedlung von Juden sind 34000 bis 37 000 Dunam bcstimmt. Der Rest ist für die Ansledlung der Araber des Gebietes reserviert. Die Juden haben die Verpflichtung Ubernommen, die Ent- und Bcwässcrungsarbcltcn auf dem ganzen Komplex, einschließlich des arabischen Teils, durchzuführen. Mit der Ucbcrnaluno der Konzession hat die gegenwärtige Exekutive der Jewlsh Agency die Verhandlungen Uber dieses Gebiet abgeschlossen, die seinerzeit von Dr. WcIzmann mit Unterstützung Dr. Arlosoroffs cingclcitet worden waren. Mit den Draiiiagcarbcltcn Im Huleh-Geblct wird bcrclts in allernächster Zeit begonnen. Jerusalem, 2. Dezember. (JTA.) High CommisSioncr Sir Arthur Wnucliopc empfing eine arabische Delega• tion, die Beschwerden über die von Juden getätigten Bodenkäufe, sowie gegen die jüdische Einwanderung vor• brachte, von der sie behauptete, sie werde im kommenden Jahr dazu führen, daß die Juden die Bevölkerungsmehrheit in Palästina erlangen. Der High Coinmissioner antwortete mit einer umfangreichen Erklärung, ln der er eine Reihe wichtiger Palastinaproblcmc, darunter auch die Uebcrtragung der Hui ch- Konzession an die Juden, berührte. In bezug auf den Legislative Council erklärte Sir Arthur! die Regierung halte an ihrem 1930 in Genf zum Ausdruck gebrachten Standpunkt fest, leb glaube, sagte er, daß ein Gesetzgebender Rat unter entsprechenden Vorkehrungen zur Sicherung des Friedens und unter der Gewähr ungehinderter Durchführung des Mandats auf Grund der 1n letzter Zeit eingerichteten lokalen Selbstverwaltung eingesetzt werden kann. Ich bedauere es, daß die Verwirklichung des Plans längere Zelt erfordert; sobald ich jedoch nach Ablauf eines entsprechen* den Zeitraums in der Lage sein werde zu beurteilen, wie sich die neuen Stadtverwaltungen bewähren, dann werde ich die Besprechungen über die Einsetzung des Legislative .Council aufnehmen. worden, die Entente war in großer Not und bemühte sich um die Unterstützung Amerikas, wo die Juden ein wichtiges Bevölkerungsclement sind, ln England arbeiteten die englischen Zionisten auf eine Stellungnahme zugunsten eines künftigen Jüdischen Nationalheims in Pa- Listina hin, und cs kam am 2. November 1917 zur ״Balfour-Dcklaration“. In der Balfour-Dcklaration ist mit keinem Wort die Rede von der ״Zerschlagung der Türkci“. England verpflichtet sich nur, bei der künftigen Friedenskonferenz, bei welcher England doch auf alle Fälle eine mächtige Stimme haben mußte, dafür einru« treten, daß die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina ermöglicht wird. England war die erste Macht, die ein solches Versprechen aussprach, und die Wirkung insbesondere bei den russischen und amerikanischen Juden war außerordentlich. Es ist das Gegenteil von ״Landesverrat“, es ist ein Zeichen der höchsten Besorgtheit um die deutsche Position, wenn die deutschen Zionisten alles ein setzten, um die Mittelmächte zu einem entsprechenden Schritt zu veranlassen. So hat denn auch kurz nach der Balfour-Deklafation der türkische Großwesir Talaat Pascha einem deutschen Zionisten, der sich auf Einladung der türkischen Regierung nach Konstantinopel begeben hat, Erklärungen abgegeben, die (laut ״Vossische Zeitung“ vom 31. 12. 1917) bezüglich des Zionismus folgendes sagten: ״Diese Bewegung besitzt da* Wohlwollen der Regierung bereits, denn sonst wäre ja die ׳ Entstehung und das Gedeihen der heute blühenden jU* dlschcn Kolonien In Palästina bisher schon unmöglich . gewesen. Freilich stehen wir auf dem Standpunkt, daß wir den Juden keine Vorrechte vor unseren anderen Bür* gern cinrüumen können." Der zionistische Vertreter kam sodann auf die Bai* four-Dcklaration zu sprechen, die der Großwesir als einen Bluff bczcichnctc, und sagte: ״Darf ich Eure Hoheit darauf aufmerksam machen, daß in dem Brief Balfours kein Wort gegen.die türkische Regierung enthalten ist? Ich habe Grund anzunchmcn, daß dieser auffällige Umstand auf den Einfluß der englischen Zionisten zuriiekzutühren ist, die also, obwohl gute Engländer, sich doch als Zionisten durchaus loyal gegenüber der ottomanischcn Regierung verhalten.״ Worauf der Großwesir antwortete: ״Gewiß, das habe ich bemerkt, und ich habe es auch der Loyalität der Zionisten zugeschrieben. Uebri* gens ist cs nur klug von den Zionisten, wenn sie sich nicht von der Entente ins Schlepptau nehmen lassen.“ Ifn weiteren Verlauf des Gespräches hat dann de! Großwesir für die Zukunft eine wohlwollende Förderung des Zionismus zugesagt unter der — selbstverständlichen — Bedingung, daß die cingewanderten Juden nicht ihre frühere Staatsbürgerschaft behalten und dadurch die Türkci unter den Einfluß fremder Konsularmächte bringen, wie es früher zum Teil mit Rußland der Fall war. Der Großwesir hat dann die freie jüdische Einwan* d e r u n g in den Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Landes, sowie eine entsprechende örtliche Selbstverwaltung zugesagt und unter Hinweis auf bevorstehende Gesetzes׳ entwürfe über eine neue Kreiseinteilung erklärt: ״In diesem Rahmen werden meines Erachtens auch alle berechtigten Wünsche der Juden in Palästina ihre Erfüllung *inden können.“ Einige Tage später hat die deutsche Regierung zum Zionismus offiziell Stellung genommen» nachdem •schon kurz vorher auch der Außenminister der verbündeten Österreich-ungarischen Monarchie, Graf Czcrnin, sich zionistenfreundlich geäußert hatte. Ueber die Erklärung der deutschen Regierung wurde am 5. Januar 1918 folgendes Communiqud ausgegeben: Berlin, 5. Januar. Der Stellvertretende Staats- Sekretär des Auswärtigen Amts, Freiherr von dem Busche- Haddenhausen, hat die Herren Prof. Dr. Warburg und Dr. HatUkc vom ״Zionistischen Aktions-Komitee״, sowie die Herren Prof. Oppenheimer, Dr. Friedemann und Prof. Dr. Sobernhcim vom ״Komitee tür den Osten“ empfangen und ihnen folgendes erklärt! ״Wir würdigen die auf Entwicklung Ihrer Kultur und ,Eigenart gerichteten Wünsche der Jüdischen Minderheit ln den Ländern, in denen die Juden ein stark entwickelte• , I n .׳ ir;M <:i ־! I ׳ L■׳ ׳'I! ׳• ' ‘ i .. v ׳'n '<11 I r •j •Üf■ <' if f1'Y׳ ' i1' Y Y1 I ■ , J l! 4 i . :! 1 I 1 ' ih'h i! TY; Y'< Y:« ., i Y 1 V1; Y'i ־ 11, Y; ■׳' T ׳1, IL #!> z I läi (' ,f-.11 |>‘f; j / v V ,1 Hr: f ,v ll;,ן ו% '[ 1 £1 1 ul r i