Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 96 (30.11.1934)
- Date
- 1934-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i u i y(/0^ J|f 96 V ätihts&ns 39 frn r1״iiC* K Frei• RM-.25 g1""«'«.WJ!i n t \n E^-in-^^'d -1 £״,,.״ 1v' t rttSiW־^״-Wf׳J* Di«m»rck 31B 1/82,7165/70,7240/42. —־ iWugnpreit pro Monat ■ül-.l״״Qu*r״l NM 5־־־־־ •75י Po»f*Klmk- Konten der Abanfipmenta-Abiflilungt!•-71573 (Id» CroS־fi*rlln), Berlin 17 392 (lür da• Obrif« Rtlch). Ausland•- LandcawÄhmug. - Er.cWnt Jud.a DU״»Ug aad Froltag. כ״ג כסלו תרצ״ה FREITAG, 30, NOVEMBER 1934 p1r zionl*m״s erstrebt fOr das JDdlsclte Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina^ Das Programm der deutschen Juden ן«—»■» ||anflü11—»5| ivt f HM 04C* VWt0M*Uutkt •M| 9-18 UW « 10 Ubr, Mr •mu 10 Uba ognm m*• für FtmlUmiUv St tnl1»r od«f «ul FnlMf 9—15 Ulur. A״ dl« Fr«lM|׳Aut(>b« Miciv! ■*׳.י*^ ץ'יי־-■ r t Zum nvtilen M;11c in der neuen Judeii-Acra feierrt jjr jet/t (diaimkkah. Vor einem Jahre wird vielen deut-!•kn Juden das Fest neu gewesen sein, dieses Jahr *erden auch diese schon darauf gefallt sein wie auf r.1en Brauch, der sieh allmählich cinbiirgert. Jahr um j)r vergeht, und wir mitten darin!,ebenden bemerken -1 Alltag gar nicht mehr, wie sich ein neuer Stil unseres diens bildet, Feste, hei denen das Gemeinschaftsgefühl 1 Haus, Gesellschaft und Synagoge besonders stark hlbar wird — und die deutschen Juden füllen ja jetzt;Mr mehr die Synagogen, die, wenn wir schon die -chtigen Hilircr der Gemeinde hatten, auch in höhe- 41 Malle zu wirklichen Volkshäusern und -statten der :rKnmng weiden könnten —, sind ein Anreiz, sich dies :nullt zu machen. Viele volkstümliche Lieder, so man- •St Dichtungen, bis zu dein unvergeßlichen Aufsatz icrzls, sprechen davon, daß bei dem Schein der Lieh- :r besinnliche Gedanken auftatichcn, herauf- ,«imicn aus dunkler Tiefe; die Erinnerung schweift ״״rück, die jüdische Geschichte wird lebendig, Vcrgan* :ciics wird Gegenwart. Viele Betrachtungen sind —1 :;omlers in den letzten vierzig Jahren — von Mal zu Mal über den Sinn des Cliniuikknh-Festcs angestcllt wor-;cn. Die Makkabäer-Geschichte, früher nur wenig beachtet, .:t uns und unseren Kindern vertraut geworden. Wie-;;de Kinder wirken bei Cluinukkah-Fcicrn aller Art mit, kjüdische Schule und der Jugendbund tragen jüdisches Leben auch in die Häuser, die früher weit entfernt -.»cn, und — die Alten, sie hören es gerne, der Wider- und von einst schmilzt daliin. Wir leben in einer Zeit, vo in vielfacher Hinsicht die Kinder — oft unbewußt —! hmieistcr der Alten werden. Es wäre ein leichtes — und in früheren Jahren war allgemein üblich —, anläßlich des Makkabäer-Festes י etwas wie eine innerjüdische Abrechnung '■halten. Man könnte die Frage aufwerfen, wieso assi- ־?atorischc luden, die mit einer Hartnäckigkeit, die w ihrer Konsequenz Ehre macht, aber mit dem Gefühl -benso in Widerspruch steht wie mit der besseren Einr-cht, an den ihnen mm einmal geläufigen Theorien cf Assimilation fcsfhalten, dieses Fest überhaupt feiern nnen, Denn es gilt doch der Verherrlichung von Taten, t eine radikale Absage an die Assimilation falten. Keine Umdeutung kann hier helfen. Wir er* ben ja die sonderbarsten Versuche, das Makkabäertuin, 5 ein fanatischer Kampf für die Erhaltung des von per iniiehtipen Kultur bedrohten eigenen Volkstums in diesem oder jenem Sinne umzudeutcii, oder aber hamikkah einfach als äußerlichen Ersatz für das Weihchtsiest hiimmchmcn. Die Unmöglichkeit solchen Vcr- '״tns wird mit der Zeit auch Widerstrebenden klar loden. Wir wollen heute nicht Abrechnung halten. |«nn wer, sei es auch mit einer Ausrede vor sich selbst, Fest leiert, ist schon auf dem rechten Wege, dp wenn wir früher, als eine kleine Gruppe einsam f der Menornh stand und beschämt zusah, wie andere |fn Wcilinaehtshnum anzündeten, angreifen mußten, füh- If wir heute durch alle Unterschiede der Worte und j|JCbarden die brüderliche Gemeinsamkeit, und!ll!r heuen uns, daß die Gemeinde derer, die jüdische mit Bewußtsein begehen, so groß geworden ist ^'r sind nun, wie Herz! einmal sagte, | ^*****™*^ ץ— k» N..... ״״a LmJ cste nach Hause «•״,gen". Aber dies bringt Vcrpflichtungenund l'rantwortu 11g mit sich, von denen wir vor kurzem A;? ''.aUm *t'vas ahnten. Denn in diesem Hause ist!!«!1י Unordnung. Vieles ist so, wie cs nicht sein 4ß sind wir von Sorgen erfüllt, und wer heute r °^er ic״cr ^0וז״ eine Verantwortung für unser 4״״״״ Vor der ()Öffentlichkeit zu tragen hat, kann es Ion rht machen, denn er wird schier erdrückt |v Jjescr Last. Aber das Gefühl, daß viele mit offe- *»Weht *r^n ':u uns kommen und mittun wollen, daß sie thoii״ s*rc|lcn und reden, sondern jüdische Arbeit tun ly"; daß Jas deutsche Judentum sich immer mehr '11זוי dc.r Irrtümer seiner Vergangenheit bewußt Itali v ° lne 1*‘05^י S^ht es leider nicht —, die Tatsache, % Sc!5'^en1'wir zum Mittun, r.u einem Sichaufrichte«, ',trrfirsu r *'cst'Sheit aufrufen, in Tausenden von früher ׳4׳'!iji(, ®ar scheinenden Herzen Resonanz finden, ist l'ccli״ . j Ermutigung. Wir können es heute aus- Vit kdeutsche Judentum in seiner großen Mehr- 05 ״a,s 'hm — für es selbst etwas überraschend —־ Mfiklrt K’r ^er Stempel Jude weithin kenntlich aufi "wde, nicht gejammert und geklagt! sich nicht in Scham verkrochen, sondern aufrecht diesen Namen auf sich genommen, sich dazu bekannt und Schritt für Schritt auch erkannt, daß dies nicht ein äußeres Zeichen, sondern eine tiefe Verpflichtung ist. Wären die Juden so, wie manche Judengegner sic sehen, wären sic bar jeder inneren Würde und nur auf ihr Geschäft bedacht, dann hätte das Jahr 1033 ein klägliches Schauspiel bringen können, dem mit Recht der Spott der Weltgeschichte gegolten hätte. Aber trotzdem in der abgclaufencn Epoche viele Zeichen auf das Gegenteil hindeuteten, hatte auch das deutsche Judentum unmerklich und unbewußt unter dem Einfluß der jüdisch-nationalen Renaissance sich innerlich gewandelt. Und in den Friihlingswochen des Jahres 1933 verstand cs, daß es mehr und Größeres zu wahren gilt als materielle Güter oder soziale Positionen. Wir können heute noch nicht übersehen, wie unser Leben in Deutschland sich weiter gestalten wird. Noch hat sich nicht hei jedem Einzelnen in seinem Privatleben die Neuordnung voll ausgewirkt. Aber Tag für Tag bringt für diesen oder jenen eine Veränderung. Die abnormale B c r u f s str u k t u r des jüdischen Bürgertums, die aus historisch erklärbaren Gründen entstanden ist, hat nun ihre bedauerlichen Rückwirkungen. Juden aus Berufen des Kulturlebens haben, um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen, ein besonders schweres Los, da ihnen vielfach eine Betätigung auf ihrem Schaffcnsgebict nicht mehr möglich ist. Unter den ehemaligen Rechtsanwälten und Studenten — ein anderes Beispiel — sind viele, die eine Einordnung noch nicht finden konnten. Und für die her angewachsene Jugend ist die Berufswahl ein besonders schwieriges Problem geworden. Bei anderen wieder sind die eine Zeitlang gehegten Befurchtun gen für ihr Privatleben nicht oder nicht in diesem Maße ciugctroffen. Leider können wir beobachten, daß unter dieser letzten Kategorie Menschen sind, die sich leichthin über das Geschehene hinwegsetzen und für die Not der anderen und das Schicksal der Allgemeinheit wenig übrig haben. Die Mehrzahl, so hoffen wir, denkt anders. Aus der Notgeincinschaft entstand auch ein neuer Inhalt des jüdischen Lebens. Man fragt oft, was wir nun denn eigentlich Positives hätten. Aber außer dem, was das jüdische Geisteserbe und das jüdische Ringen der Gegenwart uns zuträgt, ist, das fühlen wir, ein Positives da, das erst im Werden ist. Unser jüdisches Leben ist, auch wenn wir keine jüdischen Theaterstücke besitzen, nicht so arm an lnhalten, wie cs manchem scheinen mag. Wollen wir uns klarmachen, was nun eigentlich der Inhalt unseres jüdischen Lebens und unserer jüdischen Bestrebungen ist, so soll dabei von der Gem c i n s a m k e i t ausgegangen werden, die sich aus unscrem Schicksal ergibt. In der letzten Zeit wurde von verschiedenen Seiten die Differenzierung im dcut* sehen Judentum wieder stärker unterstrichen, insbesondere die fraglos auch heute bestehende Scheidung zwisehen Zionisten und Nichtzionisten, wobei wir freilich nicht anerkennen können, daß die Nichtzionisten für sich die Bezeichnung ״deutsche Juden“ monopolisieren und damit gewissermaßen auf terminologischem Wege uns Zionisten aus der Gemeinschaft hcrauscskamoticren wollen. Der Unterschied besteht, und viele tausende deutscher Juden haben ihn dadurch quittiert, daß sic ihn überschritten haben und ins zionistische Lager herüberkamen. Aber, mag es für manche Parteigrößen Ketzerei sein, wir wagen die Behauptung, daß diese Unterscheidungen, die durch den tatsächlichen Uebergang vieler ins zionistische Lager ohnedies fließend sind, heute zweiten Ranges sind gegenüber der zwangsläufigen Gemeinsamkeit des ,Weges, die sich für alle deutschen Juden ergibt Hier muß freilich noch eine Einschaltung gemacht werden. Voraussetzung aller Gemeinsamkeit ist die Bejah ungunsererjüdischen Exist c nz. Es ist entweder eine Unbesonnenheit oder' eine Unaufrichtigkeit, wenn versucht wird, die Bejahung des Ju* dentums mit dem Zusatz zu verbinden, wir anerkennten dies nur, weil es uns ״au f gezwungen“ wird, nicht aber aus innerer Entscheidung. Eine solche Bejahung ist keine Bejahung, und wer so denkt, schaltet sich selbst vom Neuaufbau des Judentums aus. Denn dieser Neuaufbau verlangt ein ganzes Herz, einen vollen Einsatz, eine glühende Begeisterung für die jüdische Sache. Er ist. nicht zu bewerkstelligen mit einem ״Juden• (3 es. 57,14) tum auf Kündigung“, das in dem Moment, wo der äußere Zwang nachlicßc, erleichtert wieder in der Versenkung verschwände. Auch wir sind der Meinung, daß unsere heutige äußere Stellung im Deutschen Reich nicht freiwillig, sondern von außen geformt ist; auch wir glauben, daß alle legalen Bemühungen darauf gerichtet NHiiuimiiiiiiHiiiiiHuiiiiHNniiuflniiHiiinMiiiiiiiiHiiiiiiiiniimmMiMiwiinninimmiiiinimnmiininniUHiiiwmM Alfred Rosenberg über den Berner Prozefj Der ״Völkische Beobachter“ vom 29. d. M. vcrölfentllcht an leitender Stelle einen Artikel Alfred Rosenberßs über den Berner Prozeß um die ״Protokolle der Welsen von Zion“, wobei er sich auch mit der Acußcrung Wclzmanns ln der ״Jüdischen Rundschau“ beschäftigt. Wir nehmen auf Seite 2 der heutigen Nummer zu dem Artikel Stellung. sein sollen, unsere bürgerliche Stellung zu verbessern. Aber wie immer dies werden möge, unser inneres Verhältnis zu unserem Judentum wird hierdurch nicht berührt Für viele mag das äußere Geschchcn des Jahres 1933 erst der äußere Anstoß zur Entdeckung ihres eigenen Judentums gewesen sein; aber diese Erweckung ist kein ״Zwang“; sie hat eine innerliehe Wandlung und Wendung herbeigeführt, eine Erkenntnis, die viel weiter reicht als 1933 und selbst 1812, eine Erkenntnis, die jeden einzelnen Juden wieder bis in die Zeiten der Makkabäer zurücklührt; und wir empfinden cs als unangemessen, als der Größe der Stunde nicht entsprechend, wenn man von dieser Wandhing als etwas Zufälligem und Vorübergehendem spricht Der gemeinsame Weg der deutschen Juden, die wirklich Juden sein und als solche leben wollen, die in guten und schlechten Tagen im Bewußtsein ihrer Herkunft und ihrer Zukunft ohne Ueberhcbung, aber doch hocherhobenen Hauptes durch die Welt gehen, läßt sich unseres Erachtens in einem Programm ausdrückcn, das für unser jüdisches Leben — wenn auch grob schematisierend — aufgcstellt werden kann. Dabei ist eins vorauszuschicken; Die Frage der bürgerliehen Gleichberechtigung ist keine innerjüdische Angelegenheit, ja sie ist überhaupt keine rein jüdirchc Angelegenheit. Wir haben in Europa stets verschiedene Staalsformen gehabt, die die Frage der bürgerlichen Rechte in verschiedener Weise regeln. Nach dem Weltkrieg sehen wir wieder neue Staatsformen entstehen. Neben dem liberalen Staat der westlichen Demokratien, in dem prinzipiell die individuelle Gleich- Berechtigung aller Bürger gilt, haben wir eine Form, wie z. B. die Sowjetunion, in der die Gleichheit der bürgerliehen Rechte zugunsten einer privilegierten Schicht aufgehoben wurde. Wir sehen anderswo die Bestrebungen der Erneuerung des auf dem Ständewesen aufgebauten ״organischen“ Staates, und wir haben schließlich in Deutschland den auf dem Rasseprinzip konstituierten völkischen Staat. Wir haben nicht die Absicht, in diesen Zeilen uns mit Problemen des allgemeinen Staatsrechts zu befassen. Wir untersuchen vielmehr die Frage, wie sich in diesem deutschen Staat, in dem wir leben, iin Rahmen der gegebenen Gesetze und Prinzipien unser jüdisches Leben gestalten kann. Unser jüdisches Programm läßt sich, wie uns scheint, in vier Punkten zusammenfassen: Das erste ist die Wahrung der Ehre des jüdischen Namens. Wir wollen, daß der Grundsatz, eine Scheidung der Rassen beinhalte nicht Geringschätzung des Rassefremden, sondern lediglich Feststellung seiner Anders, artigkeit, auch auf uns Anwendung finde. Wir selbst haben dazu beigetragen, daß der Name Jude nicht geachtet wird, denn in der vorigen Generation waren viele, die sich nicht gern Jude nennen hörten und die erröteten, warn irgendwo das Wort Jude fiel. Wer sich selbst nicht achtet, wira auch von anderen nicht geachtet. Nun vollzieht sich bei uns eine Umwertung der Werte. Hunderttausende sind es, die den Namen Jude wieder mit Stolz tragen. Wir sinn als Juden andersartig, aber im Zusammenleben mit anderen Völkern und Menschen beanspruchen wir die. selbe Achtung, die wir anderen entgegenbringen und die allenthalben Menschen und Völker einander entgegenbringen müssen. Wir verweisen auf die Erklärungen maßgebender Stellen, wonach die Rassengesetze dem Schutz des deutschen Volkstums dienen sollten, nicht dem Haß gegen Fremdrassige. Daß wir für unsere Ehre, wo sie angegriffen wird, einstehen, kann uns in den Augen der Umwelt nur heben. Wir wollen in unserem eigenen Kreise die Uebcrzcugung unserer menschliehen Gleichwertigkeit wahren, wir wünschen aber, daß 81« auch außerhalb unseres Kreises Anerkennung linde. , t■ ■ l< ■t׳' r!' r ■;'׳ y ׳ 1r M i. UH , 1 If 4