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Jüdische Rundschau · 1934-11-13 · Heft 91 (13.11.1934) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 91 (13.11.1934)
Date
1934-11-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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'JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 vvJH, 13■ x!•1934___ 0 qedcdU uk dm Scka6&a&? Für Schabbat, 17. November ^0chtnnb»£hnM Waftze (I, Huch Moses, Kap. 28, Vers 10 bis Kap. 32, Vers 4.) pie < icschielitcii Jakobs“ bilden den Inhalt unseres «nrl1e11al«d1nit•*• I »cn jüdischen Weisen bedarf es einer Eilt- \.1lli1:1t11g für den breite״ Rain״, den die Thora, die ihnen lehre sein will und Gesetz. in erster Linie, diesem erihlciuien Teil einraiimt. ״Die (icschichte der Väter ist das <rhicks.1l 1 er Kinder“, — mit diesem Satz rechtfertigen sie j[( (Listen/ des Buches Üeresclnth. Rcc!1tf<rtiR"״K Reinig! Sind Jakobs Lehr- und Wandernicht die des jüdischen Volkes? Es wandert umher und &,1t aiideien: ״Ihr selber willt ja, daß ich eurem Vater mit!einer Kraft gedient habe, und er hat mich genarrt und!einen lohn zehnmal geändert, Gott aber hat nicht zu- Lehen, daII er mir Böses erweise,“ Dem jüdischen Volke hlcibt Kein anderer Weg, als der, den sein Ahne gegangen Ist, nachdem ihm diese Erkenntnis gekommen Ist: der Weg ■0 die Heimat. _ Die Sidrah setzt sich aus folgenden Teilen zusammen: I, Jakobs Traum. ||. Jakob vor Laban. a)!,ikoli und Raliel. b) Die Geburt der Kinder. c) Der Vertrag wegen der Schafe. Hl. Jakobs Flnclit. Zu I. E rs t c r V 0 rs c 111 a g. Es ist naheliegend, für die fifdallum: dieses Sehabbat ״J a A k o b 8 Traum“ von jjidiard B c c r-H o f m a 11 n zu verwerten. Sicht der Dichter die Aufgabe Jakobs richtig? Zweiter Vorschlag. In ״Sendung und Schicksal“, da Jüdisches Lesebuch (Schockenvcrlag), Seite 163- 167, ist der Kommentar von Raselti zu diesem Teil wiedergegeben. Ahgesi'hen vom Inhalt, den Raschi bringt, ist zu beachten, wclilics Gewicht jedem Worte des Textes beigemessen ist, mch weid en (iesichtspunklcn Raschi erklärt. Zu II. a) Eine außerordentlich eindrucksvolle Zusammen-!)?sutifl der Midraschim über Jakob und Raliel findet sich in Stefan Zweigs schöner Novelle ״Raliel rechtet mit Gott". (Im liiscl-Alinanach von 1029 und an anderen Stellend I lier ist die Gestalt Kabels in ihrem Weiterlehen im jüdischen Volke (vgl. Jinncjaliii Kap. 31, Vers 15/18) meisterhaft dargestellt. b) Die Namensgebung ist zu beachten. Der Name hat «inen Sinn, knüpft an an ein Ereignis. Diese Tatsache kommt in der Uebersctzung von Buber/Roscnzwcig besonders klar zum Ausdruck. Zu III. Siehe die Darstellung im ״Scphcr Hajascbar“, das Hcldeiiliiieli, Berlin, Verlag von Benjamin Harz 1923. Eine Gegenüberstellung des biblischen Stoffes und seine Gestaltung durch Thomas Mann in ״Die Geschichten Jakobs“ ist überaus reizvoll. Geicfiichfc 1. Gesamtdarstellung der Geschichte. Die Einteilung der Stämme. Nach den biblischen Berichten sollen die einzelnen Gebiete der Stämme autgezeigt werden. Macht euch die Miilie, die Stammeintciluiig genau Mchzulcscn. Ls ist für das Schicksal der Stämme und der «eiteren Geschichte wichtig. Die Zeit der Richter ist die Epoche der staatlichen Unorganisiertheit. Der Zusammenhang der Stämme ist sehr lose. Nur hin und wieder werden die Stämme geeint. Die sogenannten ״Richter“ sind oft Helden imd gelegentliche Fiihrergcstaltcii. Die Einheit schwindet sofort, wenn die Gefahr vorüber ist. Seht euch diese ״Richter“ an. Wer von ihnen verdient diesen abgeklärten Namen? Die Geschichte der Richter ist von einem frommen Mann geschrieben. Er ordnet die Geschehnisse in den Rhythmus von Abfall und Rückkehr ein. So ergibt sich also als Schema: Abfall — Strafe — Rückkehr — Errettung. In diese vier Phasen könnt ihr alle Ereignisse der Kichtcrzcit einordiicn: Dchorah-Farak, Gideon, Jcplita. In diese Kette gehört auch Saul. Auch er ist ein solcher ad hoc, zu einem bestimmten Zweck, für eine umgrenzte kriegerische Aufgabe berufener Held. Episodenhaft mitten in dieser Ricbterzcit: der Drang Meli endgültiger Zusammenfassung. Das Königtum Gideons. Das wird bei Darstellungen in unseren Jugendgruppeit sehr oft übergangen. Ihr müßt diesen Willen zur Zusammenfassung vwter den Gesichtspunkten der staatlichen und politischen Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit sehen, zunächst einmal ficht unter den religiösen Samuels. (Vgl. die vorige Schabhatgcstaltung.) ״ Als Literatur außer dem Ricliterbuch. den ersten «nd Dubiiow und was an Gesellichtswcrkcn da ist, auch 0״ einbändigen! 2• ״Geschichte der jüdischen Menschen“: . 3. Saul. Diese grolle Gestalt kann in einem Oncg Schabgroßartig dargcstcllt werden. Seine Jugend: einfach, merlich, ein kräftiger Bauernjunge, größer als alle anderen, 11t uiiiic nilidici! Kräften ausgestattet, ein Held, der die j. cht hei Jähes lenkt und gewinnt. Zeichnet ihn in icscr Jugendzeit, ganz aus seiner bäuerlichen Umgebung .״!«■ Aber schon damals gibt es einige weiche Ziigc. Pr 1 c * *1*“י* euch die Begegnung mit den sogenannten opliclen an, wie sie, die ״Söhne der Propheten“, von i!!״ ״Vater“ geführt werden und wie dann dieser Bauern-!1י'I Hort ekstatisch ergriffen werden kann. Das ist tj1 ״®M bäuerlich. Hier ist schon der ״Bruch“ in dieser ,')־nn die Königszcit. Verhältnis zu den beiden jungen Vaiäi1«׳• sc1״cr Umgebung: David und Jonathan. Saul als 11111,*•' "'lc 1,1׳sicher ist er! Zeigt eurer Gruppe eine Repro- Df.0!,״” v°״ Reinbraiults ״David spielt vor Saul“, (ln jedem ,״",!;•״"Ghuch.) Wie hier ein genialer Maler die zwic- ,':•1״KC Geslait erfaßt. Er verdeckt sein gutes Auge und «ürf •1111,. dem bösen. Dann die Unsicherheit seit dem Zer- «״ms mit Samuel. Er verbietet die Zauberei und gebt selbst , f Mexe von Endor. Lest viele Stellen vor. Es sind wunder- F 1“schichte״. Lest Gedichte über Saul dazu. (Rückert ״ ״״״' «1'"?סSani und David“.) Man kann einen ganzen «lloi ־ “',hat mit dieser einen Gestalt füllen und sic von rf..nC|ten her anlcuchten. Aber sehr gut vorbereitenI Mi* etwa 'l״ i'!,cr Saul gibt cs in großer Anzahl. Ihr findet sic lsrrri 4״ •j’"1 Oorions ״Sagen der Juden“ Bd. Juda und Judas‘■ •c *,l—101. In der einbändigen Ausgabe von ״Born ai **״« Geschichte Seite 26-29. ^alä»linulcunde Kt»״!? uns““er Anregungen ist die Vermittlung der mit?״fse i!.cs Landes, auf ein Jahr verteilt. Die Verbindung I arnJl',?,״ofaahschnitt ist oft rein assoziativ, wie ein den iS *י*״ ־““ dadurch fügt sich die Palästinakimde gut in tolchw,1'(? Sehabbat, in weichem Bibel gelesen wird. Unter die Rr1wVorau8s“t2ungen schlagen wir vor: Im Anschluß an ״«tnenszene ln der Iskonsgeschichte: Die Bewitsserungsfrago In Palästina. Am besten niis/ugclicn von einer rein geographischen Schilderung (immer mit guter Kartei). Welche Gewässer gibt es? Dazu lest: Itcrrniaiin, Paläslinaktindc Bd. I Seite 39 bis 42. Dort gibt es auch ein paar Notizen (Iber die Probleme der Bewässerung. Für Jüngere: Hermann, Palästina wie cs wir!.lieh ist, Kapitel: ״Wasserarm“ — Seile 37—44. — Lest auch dazu die wissenschaftliche Paliist inalit erat mr. (Ruppin, ״Der Aufbau des Landes Israel“ S, 75 ff. usw.) — Wenn ihr Palästina-Bilderbücher oder Amateurphotos habt: Jordan, Riitlieiibergwerk, Tihcriasscc usw. — Woher wird die kommende Wasserleitung von Jerusalem kommen? (Quelle ״Ras el Ajin“, bei Petaeli Tikwa, Eisenbahnstation, daneben die Ruine Antipatris). Praxis: Das Referat beginnt also etwa: ״Ihr keimt die Brunnen- Szenen der Bibel. Auch heute haben wir solche eine Brunnengcscliiclüc gelesen. Alles triflt sieh dort: Mensch und Tier. Das Wasser ist nämlich das kostbarste Gut des orientalischeu Lehens. Deshalb wollen wir über Gewässer und Be- Wässerung in Palästina voll heute sprechen." Jetzt muß also an Hand der obigen Literatur (wenn ihr sic nicht habt, seht in anderen Büchern nach. Die Palästinakundc von Herrmann solltet ihr euch für alle Fälle anschaffcii. Fiba-Vcrlag) eine Darstellung der vorhandenen Flüsse, Quellen, Seen usw׳. gegehen werden. Dann erst die künstlichen Bcwässerungsvcrsuche der Landwirtschaft, das Ruthenbergwerk usw. Fon den weiteren uns 21t diesem Thema xugegangenen Einsendungen veröffentlichen wir heute eine Kundgebung der Reichs Vertretung und einen Bericht von Rabbiner ür. E. Jiicii b. Die Rcichsvcrtrctunß der deutschen Juden richtet folgenden Appell an die jüdische Ocflentlichkcit: Unserer jüdischen Schuljugend Ist jetzt eine Möglichkeit gegeben, die Stunden des Schabbats zu eigen zu gewinnen. Die jüdischen Schiller können auf Antrag der Erziehung«• berechtigten nin Sonnabend vom Schulbesuch befreit werden. Der Unterricht am Sonnabend ist durch die Einführung des Slaalsjugemltages neu geregelt. An diesem Tage findet für das 5. bis 8. Schuljahr wissenschaftlicher Unterricht nicht mehr stall. Anregungen, die die Rclchsvertrctung den Gemeinden iibcrmitlelt, wollen aufzclgen, wie der Sehabbat für unsere Jugend gestaltet werden kann, damit sie c» wieder lerne, den Schahbat zu halten. Für ein Werk seelischen Aushaus, für die Innerliche Aufrichtung soll eine Grundlage bereitet werden. Ein feierlicher und festlicher Schabbat soll die Freude am Judentum und damit die Freude am!.eben stärken. Wir rechnen darauf, daß unsere jüdischen Eltern »Ich dieser großen Möglichkeit eröffnen und dieser bcdcutungsvollen Aufgabe Verständnis cnlgcgcnbringcn. Die Rcichsvertretung der deutschen Juden Bacck Hirsch Erfahrungen und Vorschläge Von Bczirk’srabbincr Dr, Ernst Jacob, Augsburg In meiner Gemeinde Augsburg veranstalte ich schon seit drei Jahren Schabbatstunden fiir die Jugend. Der übliche Jugcndgottcsilienst war unbefriedigend, weil er alle Schüler und Schülerinnen von 6 Jahren aufwärts bis zu 19 Jahren zusainmeiifasseu sollte. Es wurde in jedem Monat der Reihe nach ein Jugendgottesdienst für alle Kinder, eine Sehabbatstunde fiir die Kinder von ö bis 11 Jahren, eine Schnhbatstunde für die älteren Kinder gehalten. Ein sehr stimmungsvoller Raum, der Trausaal unserer Synagoge, stand zur Verfügung. Dort wurde ein Tisch weiß gedeckt, auf dem zwei Leuchter mit Kerzen brannten. Die Stunde selbst wurde mit Singen und Vorlesen verbracht. Gelegentlich führten kleinere Kinder eine biblische Geschichte auf und größere Kinder deklamierten. Gesungen wurde zu Beginn stets das ״Scliir hama’alos“ des Tischgebetes, ferner ״En keloliemi“, ״Schema jisrocl“ und ähnliche Stücke aus dein Gottesdienst. Vorgeicscn wurden ücdichte, Legenden, Jugemlcrzälilimgeii. gelegentlich etwas aus der Bibel, Meistens hielt ich eine kleine Ansprache, die auf die Bibelvorlcsung des Schabbats oder auf ein aktuelles Ereignis oder auf den Gegenstand der Vorlesung Bezug nahm. Hier sei gleich bemerkt, daß das Material, das sich zum Vorlesen eignet, höchst spärlich und dürftig ist und daß wir eigentlich so gut wie nichts wirklich für die Jug c 11 d Geeignetes und d a b c i doch Gehaltvolles besitzen, abgesehen von den Gleichnissen und Legenden der taliiiuilDclicn Literatur, von denen aber nur ein Teil (ür Kinder geeignet ist. Hier ist ein großes und wertvolles Arbeitsfeld, auf dem sich freilich nur wirkliche Dichter betätigen dürfen. Mit diesem Herbste haben meine Schabbatstunden durch die Einrichtung des Staatsjugendtages ein vollkommen anderes Gesicht bekommen. Ls ist mir gelungen, zu erreichen, daß alle Kinder der ersten bis vierten Klasse der höheren Schulen (hier in Bayern Mittelschulen genannt) und darüber hinaus eine ganze Anzahl Kinder anderer Klassen fiir den ganzen Samstag von ihren Ellern aus der Schule genommen wurden und restlos den Schabbathmorgengottcsdicnst besuchen. Dadurch dürfen wir das endlich zu erreichen hoffen, was durch das Surrogat des Jugcndgottcsdicnstcs vergeblich erstrebt wurde, nämlich daß unsere Jugend tatsächlich an den Gottesdienst der Gemeinde gewöhnt und mit ihm vertraut wird. Dieser umfaßt zwar alle Altersklassen aber als eine Einheit organischen Lebens und nicht bloß die isolierte ״Jugend“, die im Gottesdienst für sich zu nehmen imuatilrlieh ist. Jelzt kommen oft die Eltern mit Ihren Kindern in len Gottesdienst und diese wachsen an der Seite von Vater und Mutter in die Gemeinde hinein. Sic werden unbewußt mitgerissen von dem Gefühl der Gemeinschaft aller Geschlechter. Wir haben unseren Gottesdienst dem neuen Besuclicrkrcis angepaßt: einige Knaben werden aufgerufen und ich gebe regelmäßig eine Inhaltsangabe der Thoravorlcsung und eine ganz kurze Schrifterklärung, abgesehen von den Schabbaten, an denen eine Predigt gehalten wird. Der Jugendgottesdienst ist überflüssig geworden. Die Schabbatstunden habe ich aber beibehaltcn, Ja sic finden jetzt i c d c 11 Sehabbat im Anschluß an den Gottesdienst für die in diesem anwesenden Kinder statt, außerdem einmal im Monat für diejenigen Kinder, die auch jetzt noch am Schabhat die Schule besuchen, also vor allem die Kinder der ersten bis vierten VolhsschulKlas.se, Die Schahbatstunden, die sich nun an den Morgengoltesdlenst anschlicßcn, haben jetzt eine vollkommen andere Aufgabe, Sie sollen unseren Kindern zeigen, daß Sehabbat und Judentum keineswegs mir im Gottesdienst- und Synagogenbesuch bestehen, sie sollen eine Stunde des Frohsinns, der Unterhaltung, der dem Kinde unbewußten jüdischen Belehrung sein, vor allem aber unseren Kindern ein Gegengewicht zu geben versuchen gegenüber den mannigfachen Zurücksetzungen, die sic im Alltag und in der Schule hinnehmen müssen, ich erstrebe dabei auch, die Kinder mit den religiösen Brauchen des jüdischen Hauses vertraut zu machen. Die eigentliche Stunde verwende ich fast gar nicht mehr zu Vorlesungen. Ein gelegentlicher Einfall hat mich zunächst einmal für unabsehbare Zeit mit einem Stoff versehen, von dem von vornherein feitatcht, daß er die Kinder interessiert, ich habe nämlich die Kinder «ufgefor• \ dort, Fragen, und zwar schriftlich, aber anonym, kt meinen Briefkasten zu werfen und ich bin seitdem mit 1־ragen gerade* zu überschüttet worden. Diese Fragen sind durchweg ver-j ständig* Viele eignen sich zu längeren Ausführungen, so daßl höchstens zwei oder drei in einer Scliabbatstunde behandelt weiden können, leb führe eine Anzahl Fragen an, die bisher bch,1mk!t winden, und zwar mit den Worten, in die die Kinder selbst sie gekleidet haben: Was ist eine scpliartlKchc Jtidengemeinde? Hat es einen besonderen Grund, daß der erste jüdische Monat im Nissan ist und das jüdische Jahr im Tiachri angeht? Wieso kommt cs, daß so viel Juden Städtenamen oder Ticrnaruen haben? Warum wird dies Thora während des Kaddlsch nach der Vorlesung mit dem Mäntelchen bedeckt? Warum tragen die Juden bei gottesdienstlichen Handlun* gen eine Kopfbedeckung? Warum be/cirlinct man die Juden als eine fremde Rasse? Warum spricht man in Palästina nicht altltcbraisch, sondern neuhehräisch? usw, Zuweilen schmuggle ich selbst eine Frage ein, um die Kinder auf neue Fragegebiete hiu/uweisen. Gelegentlich bebandle ich ein aktuelles Thema von mir aus. So hielten wir am Sukkotli unsere .Scliabbatstunde in unserer schönen Geincindclauhliiittc. deren Schmuck ich dabei den Kindern erklärte, oder ich zeigte den Kindern, wie eine Rose von Jericho, die man mir aus Ercz Israel mitgebracht hatte, sich im Wasser entfaltete, oder ich erklärte ihnen die Rc'iefkarte von Palästina, die der Keren I lajcssod herausgegeben hat. Nächstens will ich ihnen einmal Sprichwörter und Redensarten deutsch-jüdischer Vorzeit nach Tcmllau erklären, ln der Scliabbatstunde soll Humor sein. Deshalb erzähle ich jedesmal 1—2 Schwänke und Witze, und zwar nach den ״Rosiiikcs und Mandeln“ von Olswangcr (״Jüdische Schwänke“ R, Lowit Verlag, Wien mul Leipzig). Einen großen Raum nimmt in unserer Scliabbatstunde das ״Singen'/ ein. Zurzeit singen wir aus dem Makkabi-Liederbuch z. B. ,.im eil ani li“ oder ״aschmiu 111a tow rhclkenu“. Aber iefi möchte auch die alten Schabhat- und Freitagabend- Heiler wieder neu beleben und die Scliabbatstunde dazu benutzen, Hauptsätze unserer Liturgie den Kindern einzuüben. Die Kinder haben auch mehrfach llorra getanzt. Zum Ab- Schluß wird stets wieder das ״Schir hama'alos“ gesungen und entweder mit auf einzelne Kinder verteilten Abschnitten das Tischgebet gesprochen oder mir der erste Satz: boruch seheoehalnu mischelo uwetuwo chojimi. So wird unseren Kindern eine Scliubbatfreude bereitet, vor allem aber das Judentum zu einem frohen Besitze gemacht. Nichts ist so wichtig, als unseren Kindern, von denen einigen in der Schule wörtlich gesagt wurde; ״Ihr scheint noch gar nicht zu wissen, was es heißt, ein Jude zu sein. Ihr müßt viel geduckter sein!“ — jüdisches Scibstbcwußtscin und Lebensfreude cinzuflüOcn. I Prager Brief (Von unserem Korrespondenten) h. 1. Prag, 9, November. Inntrzlonlsllscha Gruppiorung Innerhalb des Zionistischen Landesverbandes in de» Tschechoslowakei ist in letzter Zeit eine Neugruppiern!1g der Kräfte zu verzeichnen. Die Allgemeinen Zionisten, die zur Gruppe A des Allgemeinen Zionismus gehörten, haben sich auf der Krakauer Konferenz dem Weltverbände der Allgemeinen Zionisten angeschlossen und in den vergangenen Monaten eine sichtbare organisatorische Tätigkeit entfaltet. Auf seiner Rückreise narb Palästina hielt sich Kurt Blumcnfcld fiir kurze Zeit in Prag auf und hatte hier eine Beratung mit den Führern des Allgemeinen Zionismus. Dabei wurde von den tsch echoslowaki• sehen Allgemeinen Zionisten einmütig die i d e o logische Verbundenheit mit der neugcschaff e n en Gruppe ״Ki din ah“ in Palästina zum Ausdruck gebracht und deren Vorgehen gebilligt. — Am 28. Oktoher fand in Prag eine Tagung der ״Radikalen Zionisten“ statt, die die Auflösung dieser Gruppe be* schloß. Die Mitglieder der Radikalen Fraktion haben nach der Auflösung der Gruppe ihre Funktionen in den Gremien des Zionistischen Landesverbandes niedcrgelegt und es ist nicht ganz klar, ob sie sich überhaupt am diesjährigen tschcchoslo wakischen zionistischen DcIc gierten ta ge, der Ende Dezember in Mähr.*Ostrau stattfindet, bctäligen werden. Um ihren bisherigen Führer Dr. Margulies hat sich eine neue Gruppe ״politischer Zionisten“ gebildet, die, wie cs heißt, den Anschluß an die Gruppe der Allgemeinen Zionisten anstrebt. — Einige Jugendbünde, der Techelet Lnwan, Iierhaluz Hazair und Dror, haben einen Zusammenschltiß vollzogen. Der neue Bund, der zum Kibbuz Meucliad erzieht, hat den Namen ״Habonim“ angenommen. Dl« Juden in dar Volkszählung Kürzlich wurden die Ergebnisse der letzten tschechoslowakischen Volkszählung veröffentlicht. Die Zahl der jüdisehen Bevölkerung in der Tschechoslowakei beträgt 356830, d. s. 2,E2״b der Q c s a m t b e v öl k e• r 11 n g. Gegenüber der vorletzten Volkszähhing im Jahre 1920 hat die jüdische Bevölkerung zwar utn 2825 Personen zugenommen, d. s. 0,81 «/״, aber da der Zuwachs der nichtjiidisehen Bevölkerung im gleichen Zeitabschnitte 8,21 ״/o betrug, ist der Anteil der Juden an der Gesamtbevöfrung von 2,60 auf 2,42 •י gesunken. Interessant ist das Verhältnis auf nationalpolitiseliem Gebiete. Die Tschcchoslowakei gehört zu jenen Ländern, in denen die Juden die Mögiiclilvcit haben, sich hei Volkszählungen zur jü* disciicn Nationalität zu bekennen, ihre Zählung wird also in doppelter Form, nach Religion und Nation, vorgenommen. Alle assimilatorischen Gruppen, besonders die Tschcchojiulcn, die deutsch- und ungarisch-jüdischen Assimi* lauten, entfalten dementsprechend anläßlich der Volkszählung ihre Hmipttätigkcit, die darauf gerichtet ist, die Juden von einem Bekenntnis zum eigenen Volke abzubringen. Und das Ergebnis dieser Aktion? Von 356 830 ״Israeliten“ haben sich 204*127 als Nationaljuden bekannt, d. s. 57,3׳.״# gegen 53,9»״ im Jahre 1920. Von Interesse sind hier die Ergebnisse in den einzelnen Landcsteilcn. Böhmen 20,3 ״ 14,6 :1920) ס/״», Mähren und Schlesien 51,6°/» (47,8 °/0), Slowakei 53 ״ 54,3) #/״», Karpathorußland 92,6 «/• (86,8 ®/o). Hanilolsboziohungon mll Palästina Durch die Errichtung einer tschechoslowakisch• palästinensischen Handelskammer wurden die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern wesentlich ausgebaut. Der Export nach Palästina stieg von £P 179 788 1m Jahre 1932 auf 312 943 JCR 1933, also um 741/0. Diese Steigerung setzte sich in den ersten neun Monaten des Jahres 1934 fort, die einen zusätzlichen Export von 63 0/0 egen über demselben Zeitabschnitte im vergangenen Jahre rächten. Die Handelskammer hat nun die Propaganda für palästinensische Zitrusfrüchte zu einer ihrer wesentlichsten Aufgaben gemacht. Sie arrangiert einen Besuch des Generaldircktors des Verbandes der palästinensischen Zitrusexporteure in der Tschechoslowakei und bereitet auch eine offizielle Expositur Palästinas aut der kommenden Frühjahrsmesse ta! Prag vor.

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