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Jüdische Rundschau · 1934-11-13 · Heft 91 (13.11.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 91 (13.11.1934)
Date
1934-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wir geben nachstehend den Inhalt dieses Gespräches wieder. ר־ Richiiggestellies Zitat gl, an Bord der ״Gerusalemmc“, 2. November. Kurz vor seiner Einschiffung in Triest war Dr. Wciz- Bann bekanntlich (s. ״J. R.“ Nr. 88) als Zeuge in einem Prozeß aufgetreten, der in Bern vom Israelitischen Ge• mcimlcbund der Schweiz zusammen mit der Gemeinde Bern gegen einige Personen wegen Verbreitung der ge-!״..sciitcn ״Protokolle der Weisen von Zion“ angestrengt worden war. Das üesprach wandte sich daher zuerst dieser in der ganzen Weit 1r.it Aufmerksamkeit verfolgtcn Angelegenheit zu. Ich fragte Dr, Wcizmann nach den näheren Umstünden seines Auttretens. J &. W'tu* «Irr ,.(׳*tttsaUmma" 1r/1t an tknd ״Den Anlaß zu meinem Auftreten, so erzählt Dr. Welzmann, gal) eine von Rosenberg veranstaltete Ausgabe der ,Protokolle der Weisen von Zion‘, die auf dem Titelblatt einen Satz uns einer Rede trug, die ich im Jahre 1920 in Jerusalem gehalten habe (sie war übrigens nach der ,Jüfischen Rundschau‘ zitiert) und in der ich mich ungefähr lolgcndermaßen äußerte: ,Ich habe meinen Freunden immer gesagt, daß wir Palästina aufbaucn wollen, damit dieser Aufkau den Juden und der Wett gleichermaßen zugute komme. Wenn wir dies nicht tun, so werden Kräfte, die bei uns konstruktiven Aufgaben zugeführt werden, auf der Welt eine tersetzende Wirkung ausüben'. Dieser letzte Teil des Satzes *utde nun nicht als das lungestellt, als was er gemeint *ar, sondern als eine ,Drohung‘ aufgefaßt. Ich habe in dem Prozeß in Eiern diese Dinge richtiggcstcllt. Der Zioflismus, so nagte ich, ist seinem innersten Wesen nach eine konstruktive Bewegung. Wir haben aus Menschen, ws Männern und Frauen, die sonst am Wege liegen gebiiekoo wären, Arbeiter in der Landwirtschaft und in der Industrie gemacht und sie zu Faktoren des Aufbaus uingeschaflen. Die Frage, die mir vor Gericht gestellt wurde, ob in der zionistischen Bewegung die Methoden benutzt werden, die fn «1 ,Protokollen der Weisen von Zion‘ geschildert werden, konnte ich nur als absurd bezeichnen. Der Zionismus 'teincBewcgung, die sich ln vollster Ocffcnt- •ich k e 11 ab wickelt, unter der Kontrolle Englands und ** Völkerbundes steht. Was ihr ihre Kraft und Bedeutung gegeben hat, ist ihre große moralische Stärke, ihre konstruk- "* Arl>eit und ihre autbauende Tendenz. Mein Verhör dauerte anderthalb Stunden und war das 5״<e die sem Prozeß, der drei bis vier Tage dauern sollte. Was er weiter für einen Verlauf genommen hat, kann ich ® , saSon, da ich sofort abreisen mußte, um das Schiff zu “reichen.“ Damit war dieser Teil des Gesprächs beendet. Weizmann ohlte dann ausführlich über seine Pläne im Lande. Wissenschaft im Dienste de* Landes ,.״'ch habe die Absicht, dieses Mal den ganzen Winter ln Vi 11״ ג,ןl verbringen und bis nach Pcßach dort zu bleiben. c eicht wird sich im Januar eine kurze Unterbrechung 11 R 8 ^u!en(ha״cs nicht vermeiden lassen. Ich werde mich "ן, ec"0Woth niedcrlassen und mich im chemischen In- . meinen wissenschaftlichen Arbeiten widmen. Ich habe großes Programm vor mir. Es handelt sich teils »ent 6,*®י״ bereits vollendet sind und nur abgerundet V cn müssen, zuin Teil um neue Arbeiten. Sic betreffen die ,״״“־>״״״* clcf Palästina-Orange, die Baktckm» a dcr Palästinensischen Milch und sonstige Verwcr- IkhLht *‘׳1,0״mischen landwirtschaftlichen Produkte. Es iw, , m'f außerdem eine Ausdehnung des neugegründeten c״en Institutes vor und die Sache liegt mir um so 4(a״1״”mcn» well Ich glaube, daß damit dem Lande Btt״. ^“‘,Ionisation ein neuer und sehr großer Beitrag ge- *1 s«״ו'™* W•* ״,R vorschwebt, Ist ein Institut für B0,*1׳״ar,||fc Chemie und eine» für technische ,״lei mit , Zwischen diesen beiden wlsscnschaltllchen Instl- | hdiisi.u״ "ann dl® praktische landwirtschaftliche und auch 18 ן Anleitung liegen. Hier in Rcchowotb kann ייייי die landwirtschaftliche Versuchsstation und das Institut ein wichtiger wissenschaftlicher Kern entstehen. Um die Projckte, die mir am Herzen liegen, zu verwirklichen, werden wir viel Geld und viel Arbeit brauchen, aber Ich glaube und hoffe, daß das Werk gelingen wird. Palästina ist für ein solches Institut besonders geeignet und es stehen uns ausgezeichnete Kräfte zur Verfügung, die wir gut verwenden können, während sic sonst brachliegen. Hoffentlich wird cs möglich sein, in nächster Zeit noch 25—30 Gelehrte zu bcschäftigcn. Weil mir diese Pläne so am Herzen liegen, will ich mich darauf konzentrieren und, wenn möglich, nicht durch andere Aufgaben ablcnkcn lassen.“ Politische Fragen Auf die Frage, ob er sich politischen Dingen in dieser Zeit überhaupt nicht widmen wolle, gab Dr. Wcizmann die Antwort, daß cs sein Wunsch sei, wissensciiaftlicii zu arbeiten, daß er sich jedoch bei dringenden Fällen politischen Verpflichtungen nicht unbedingt entziehen würde. Das Gespräch wandte sich weiter den aktuellen politischen Fragen zu. ״Was den Legislative Council betrlift, sagte Dr. Wcizmann, der heute in Palästina und der zionistischen Welt so heftig diskutiert wird, so glaube ich nach meinen besten Informationen sagen zu können, daß der Plan bis zum Oktober IMS nicht durchgcführt werden wird. Man wird nicht etwa die ganze Angelegenheit von der Tages- Ordnung absetzen, sondern sie im Laufe dieses Jahres diskutieren. Es wird daher nötig sein, zu dem Problem Stellung zu nehmen. Meine persönliche Stellung zunt Legi*• Iatlvc Council Ist die, daß das Projekt auf der Bail* einer paritätischen Vertretung von Juden und Arabern behandelt werden sollte. Auf dieser Grundlage wird man den Plan von neuem diskutieren und beurteilen müssen.“ Lob der Exekutive ״Ei Ist vielleicht einmal angezcigt, fuhr Dr. Weizmann fort, ein paar Worte Uber die Arbeit der Exekutiv« zu sagen. Die Exekutive schließt meiner Ansicht nach da• erste Jahr Ihrer Tätigkeit mit bedeutenden Fort« schritten ab. Die finanzielle Lage hat sich außer4 ordentlich gebessert, die Entlastung von den Schulden lat• weitgehend erreicht worden und man kann einer Zelt ent• gegenschcn, wo die Finanzen auf eine rationelle Basis gestellt sein werden. Der Keren Hajcssod ist weit entfernt davon, erschöpft zu sein und man darf darauf hoffen, daß er bl diesem und im nächsten Jahre eine bedeutende Stärkung er■ fahren wird. Durch die Entlastung von den Schulden werden große Beträge für konstruktive Zwecke frei werden. Es ist der Exekutive gelungen, die Immigration trotz aller Schwierigkeiten auf einer guten Stufe zu halten. Ich bin freilieh etwas beunruhigt über die Disproportion von Chaluzim zu NIcht-ChaluzIm, aber daß sich die Zahl der chaluzischcn Elemente im Verhältnis zu den anderen verringert hat, ist nicht die Schuld der Exekutive, sondern eine notwendige Folge der Lage und Schichtung des ge* samten Judentums. Es Ist zu hoffen, daß es der Exekutive bald möglich sein wird, ein gro* ßes kolonisatorisches Projekt in Angriff za י p■" 4f * ו ןי**'•""יו ngf QiimiTr #^mJ1 SkjS ■Mal fe'.al!»■*i ifcwsi Rcichscrzicluingsmlnlstcr Rust hat In seiner Eigenschaft als preußischer U n t c r r I c h t s m I n I s t e r ein Verzeichnis der Lehrmittel bekanntgegeben, die Im Schulunterrieht über Erb künde, Erbpflege, Rassenkunde und BevölkcrungspoIItlk als Grundlagen verwendet werden können. An der Spitze der Werke stehen die weitar chaulichen und bei ihnen wird an erster Stelle Adolf Hitlers ״Mein Kampi“ erwähnt. Weiter kann bei Erörterung der weltanschaulichen Grundlagen u.a. das Werk von Alfred Rosenberg ״DerMythosdes 20. Jahr- 11 u n d c r t s“ verwandt werden. Unter den Werken, die für die Rassenk linde gestattet sind, befindet sich H. St. Chambcrlains ״R assc und Persönllchkel t“. In der Judenfrage werden In der neuen Liste folgende drei Schriften als Untcrrlchtsgrundlage aufgeführti ״Handbuch der Judenfrage" von Th. Fritsch, ״Rasscnku ndc des jüdischen Volkes“ von Hana F. K. Günther und ״Die Protokolle der Welsen von Zion und die jüdische W 011 p 01111 k“ von Alfred Rosenberg. ׳ * Es gibt eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur über das jüdische Volk, seine Geschichte, seine Soziologie, sein Geistesleben und sein Schrifttum. Wir Juden, die wir das Bestehen einer Judenfrage anerkennen und auch das Bedürfnis ihrer Behandlung in den Schulen begreifen, hätten gewünscht, daß hierzu aus den vorhandenen Hilfsmitteln eine Auswahl herangezogen wird, die geeignet ist, den ganzen Komplex der mit der Existenz des jüdischen Volkes verbundenen Tatsachen und Probleme von allen Seiten z.u beleuchten. Um so schmerzlicher müssen wir feststellen, daß die für den Schulunterricht in den preufli- י sehen Schulen empfohlenen Qiicllcnwerke nach unserer Meinuug kein objektives Bild der Judenfrage geben können. Wir fürchten, daß ln der Heranwachsenden Jugend des deutschen Volkes, die wahrscheinlich immer weniger direkte Berührung mit Juden und daher wenig Gelegenheit persönlieber Erfahrungen haben wird, eine Vorstellung vom Wesen des Judentums und des jüdischen Menschen entstehen wird, die der Wirklichkeit nicht entspricht. Wenn durch den Gang der Ereignisse und des Schicksals die Juden aus der deutschen Oefülilsgcmclnscbaft ausgeschieden worden sind, so wäre unseres Erachtens eine Basis zu suchen, wfo das Zusammenleben der. in Deutschland verbleibenden,judep mit ihren Mitbürgern auf Grundlage der menschlichen! Achtung, die auch den» Fremdrassigen nicht versagt wird, aufgebaut werden kann. Dazu gehört in erster Reihe Kennt* n is des anderen, und darum hoffen wir, daß gerade im Schulunterricht die Möglichkeit, Kenntnisse auch über die Juden als eine andersartige Gruppe zu verbreiten, noch mit anderen als den angegebenen Hilfsmitteln erstrebt werdet! wird. Ein Beispiel aus der Praxi* ln der Zeitschrift ״Pädagogische Warte“ (״Halbmonats*, Schrift für lebendige Volksschularbcit und volkhafte Er* Ziehung“; vom 1. November 1934 (A. W. Zickfcldt Verlaß Osterwicck (Harz) wird in einer Abhandlung ״Ein Unter*{ richtsblock-rasscnkundlichcr Belehrung und rassischer Wille nsbiidung“ von Friedrich Hayn über einen Versuch berichtet, Schüler von 12 bis 14 Jahren mit der Rassenlehre bekanntzumachen. Zu dem Thema ״W ij und die Juden (Geschichtsunterricht)“ heißt cs in dem Artikel: ״Ausgangspunkt war ,Das Gesetz rur Wiederherstellung de* Berufsbeamtentums‘. Die Schüler finden, daß es sich gegen di« Bornen, d. 11. Leute ohne berufliche Vorbildung und Charakter, liehe Zuverlässigkeit und gegen die Juden, d. h. tremdea Blut, richtet. Die (letbmkrnginige sind jedem Schüler aus Zeitung», notiien, elterlichen Gesprächen, oft auch aus dem Fragebogen des Vaters bekannt.“ Es werden sodann Antworten angeführt, die die Schüler auf Fragen wie: ״Warum sind die Juden fremdes Blut?" ״Was fällt euch bei den Juden auf?“ gegeben haben. Im Anschlüsse hieran sagt der Verfasser: ״Aus diesen bunten Acußcrungcn, die von feiner Beobachtung zeugen, entwickelten wir den Durchschnittswert des Juden: B«״ •weglich und rührig, wirtschaftlich eingestellt und damit auf de«' eigenen Vorteil bedacht, Ablehnung des Soldatischen und de*' Führergedankens. Auf ihre kulturelle Rolle genauer cinzugehen,' erwies sich als verfrüht, doch erkannten einige Zöglinge klar die Ziele des ,Kampfbundc.s für deutsche Kultur‘ (Theatervorstellungen in Anklam) und daß die Juden Berufe bevorzugen, in denen man mit angenehmer Arbeit viel Geld verdient, daß sie Waren nur kaufmännisch verteilen anstatt sie selbst zu erzeugen: einer erzählte auch von der schönen, geschmackvollen Einrichtung einer jiidi» sehen Familie.“ Diese Darstellung zeigt interessante Züge einer ernst* haften Bemühung um die Erfassung wesentlicher Züge da1 t.

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