Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 90 (9.11.1934)
- Date
- 1934-11-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90. 9. X11934 W v '*'SS S' ■- i , # '׳ '' י'־ / tif C׳׳״- ._\ ''׳ S^Js w* ך*/ ׳׳׳יייי lyy Von der Woche Der High Commissiomr Arthur Wauch0|te soll diese Wo c 11c nach seinen! Londoner Urlaub wieder in Palästina cintreffen. Bekanntlich nimmt man an, d:10 Waucliopc Vorschläge bezüglich der Verfassung Palästinas Uiitbringt. Am 25. Oktoher wurde in Haifa die erste Ladung von M o s s u I P c t r o I c u ni, das durch die Pipe Line hingoieitet wird, verschifft, und zwar auf einem französischen Schiff. Am 11. November findet in Jerusalem die Verhandlung über den W a h I e i 11 s n r u c 11 der N a s c h a s c 11 i b i - P a r tei gegen die letzten Jerusalemer Ocmeindewahlcn statt. Wie schon mehrfach berichtet, bestellen in der Frage der Verwaltung des Schulwesens gegenwärtig scharfc Konflikte, da die Stadtverwaltung-Tel-Avviw ihr Schuhvcrk einer zentralen Verwaltung nicht duftigen will. In der letzten Sitzung des Waad Leumi wurde mm eine Kommission aus drei Personen gewühlt, und zwar Ussischkin und je ein Vertreter des Wand Leumi einerseits und der Stadt• Verwaltung Tel-Avviw andererseits. Diese Dreier-Kommission soll versuchen, zu einem einstimmigen Resultat z.u kommen. Wenn dies nicht gelingt, wird eine neue Plenarversammlung des Waad Leumi cinberufcn werden. Zur schied I i c ii c n Lösung der zwischen dem Haifacr Arhciterrat 11ml der revisionistischen Arlickergruppe wegen des Baues Samuel David ausgebrochenen Streitigkeiten wurde ein Schiedsgericht eingesetzt. Der italienische Bauunternehmer hat sich inzwischen bereit erklärt, nur jüdische Arbeiter zu beschäftigen, Prof. J. H eine m a n 11 aus Breslau (bekannt als Heratisgcber der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums) hielt an der Hebräischen Universität Jerusalem am 30. Oktoher eine Gastvorlesung ״Die Allegorie in der Aggada und der hellenistischen Literatur“. Am 28. Oktober begann in Tcl-Awiw vor dem Unter• Sticliungsrtclifer die Verhandlung gegen Noomi S c 11 m i dt, »Ins 10jährige Mädchen, das im Juli d. J. die Frau des Schau* Spielers Meskin durch einen Messerstich in ihrer W011- 111mg verwundet hatte. Die Angeklagte erklärte, sie habe die ,Tat vollbracht, weil sic darüber entrüstet war, daß Meskin mit ,,Sima Sirius“, denn nur so wolle sie Frau Meskin nennen, zusainnicnwolinc. Sie erklärte, die Tat nicht zu bereuen. Nach Vernehmung verschiedener Zeugen verkündete der Richter den Beschluß, die Beschuldigte in A n k I a g c z11 s t a 1111 zu ver* setzen lind die Sache an das ordentliche Gericht zur Ver* handlung zu verweisen. Der Araber Abdul Medsciiid, der von der Vcftcidigur1g.ini Stavsky-Prozcß mehrmals als angeblicher Mörder Arlosoroffs namhaft gemacht worden %v,1r, wurde gemeinsam mit seinem Bruder wegen Ermordung eines Barbiers in Jaffa zum Tode verurteilt. Eine Gnaden* empfehlung lehnte das Gericht ab. Die beiden Brüder haben den Mord cingcstandeii. Die Beschuldigung Abdul Mcdschids im Arlosoroff-Prozeß ist bekanntlich in beiden Instanzen vom Gericht als unglaubwürdig zurückgcwicscn worden. Bei Ausgrabungen an der Oeburtskirclic in Bethlehem, die im Zusammenhang mit den Wicdcrhcrstellungsarbeitcn an den Fundamenten vorgeiionimen werden, wurde ein früh* byzantinisches Mosaik mit geographischen Motiven und Blumen- und Friiclitornaiiienteii, das in herrlichen Farben leuchtet, freigelegt. Ferner fand man den alten Eingang zur Geburtsgiottc. Jugcndtragödie in Jerusalem. Infolge eines Streites aus Eifersucht kam es zu einer Schießerei zwischen drei jungen 'Menschen von 23—21 Jahren in Jerusalem, wobei zwei namens Diskin und Abrahami getötet wurden, während der dritte, Lehmann, mit schweren Verletzungen davonkam. Zwei neue Publikationen. In Palästina erschien am!£>. Oktober die erste Nummer einer wöchentlich geplanten Bes u ch crl ist c (״Visitors List“), die in lateinischen Lettern die Namen der neu angckominencii Touristen und Ein- Wanderer nach den Hotels, in welchen sie abgestiegen sind, veröffentlicht. — An Dr. Alfred Berliner wurde die Kon- Zession zur Herausgabe einer Zeitung ״Bat Kol“ in liebrä* ischcr und deutscher Sprache erteilt, die Auszüge aus Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichen soll. Der französische Oberkommissar De Marte! hat das syrische Parlament ohne Angabe einer Frist ver* tagt und erklärt, daß nunmehr die Mandatarinacht wieder die volle Verantwortung für die Regierung des Landes übernehme. In der Begründung dieser Maßnahme erklärt der Oberkommissar, daß die Opposition systematisch die Grundlagen der Maudatsregierung untergraben und auch gegen alle diejenigen syrischen Kreise, die zu einer Kooperation mit Frankreich bereit sind, gearbeitet habe. Auf diese Weise sei die Notlage des Landes, insbesondere die Wirt- Schafts- und Finatizkrisc, nicht zu beheben. (De Märtel 11.1t große Projekte zur Wirtsrhaftsbclcbung Syriens vor, worüber wir bereits berichtet haben,) Zu gleicher Zeit wird aus Tran *Jordanien. gcmeldet, daß die Oppositionspartei an das Kolonialamt in London das Verlangen gerichtet hat, Ostjorilanland unmitt c I h a r der englischen Verwaltung zu unterstellen oder Palästina anzuglicdcrn, wobei die Ausschaltung der jetzigen Regierung des Emirs zur Bedingung gemacht wird. Die Oppositionspartei werde einen Kongreß cinberufcn, der die Auflösung des Gesetzgebenden Rates, die Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der jetzigen Regierung und eine Proklamation zugunsten einer unmittelbaren englischen Verwaltung beschließen solle. Vom palästinensischen Gesichtspunkt ist es intcrcssant, daß gerade zu einer Zeit, wo in Palästina Maßnahmen zur Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates, einer Art Pariament, erwogen werden, das völlige Versagen dieser Institutionen in den Nachbarländern Palästinas zutage tritt. Straßennamen in Tel -Awiw Die Stadtverwaltung Tcl-Awiw hat 1*10 neuen Straßen Namen gegeben. Dabei war man bestrebt, einzelne Stadtviertel mit Namen bestimmter Gruppen zu versehen, so z. B. wurde das nordöstliche Viertel meist nach Namen aus der alten Geschichte benannt, Josua, David. Salomon, Hasmoiiner» Fine andere Straßengruppc in demselben Viertel trägt die Namen von biblischen Orten zu beiden Seiten des Jordan. Die beiden Hauptstraßen, die zum Jarkon führen, heißen nach den Propheten Jesaja und jeremia; die umliegenden Straßen nach den anderen Propheten, Zum Messe-Gelände führt die ״Völkcrbumlstrafk״. Weiter südlich folgt dann das Viertel, das nach bekannten Zionisten benannt ist. Dort liegt auch die ״Basclstrnße“. Nicht nur die Stadt des I, Kongresses gibt einer Straße den Namen, sondern Städte, die als Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Wissenschaft in der Geschichte bedeutend sind: Cordova, Amsterdam, Prag, Frankfurt, Wilna. Auch bcdeutende Persönlichkeiten der jüdisch-spanischen Epoche geben Straßen den Namen. Eine ganze Reibe von Straßen ist nach nichtjiidischcn Persönlichkeiten benannt, so wie z. B. Lord Byron-, L cs sing-, Zola-, Jaurfcs-Straße. 111 J c r 11 s a 1 c 111 wurden mehrere Straßen in der Nähe der Kreuzung der King Oeorgc-Avcnuc mit dem Julian-Weg (nahe dem King David-Hotel) nach den bedeutendsten Prinzen der Haschimitcn-Dynastic benannt. Die Straßen heißen nach König Feisal, Emir Abdullah, König Ali und König tiazi (dein jetzigen König von Irak), Neuer Tourlstcn-Führer. Das Zionistische* Informatioiisbiiro in Jerusalem (P. O. B. 485) gibt soeben einen ausgezeichneten Führer d u r c 11 d a s n c 11 e Palästina herans. Das Informationsbüro ist von der levvish Agency genieinsam mit dem Keren Haicssod und Keren Kajcmctn eingerichtet, um Touristen insbesondere bei der Besichtigung jüdischer Siedlungen und sonstiger Sehenswürdigkeiten bcliiltliclt zu sein. Es empfiehlt sich daher, daß Touristen dieses Büro (Jerusalem, Julian-Weg) möglichst zu Beginn ihres Aufenthalte» aufsuchen. Der Führer gibt nicht nur eine gedrängte Palästinakundc, sondern auch einen kurzen Abriß der Geschichte des Zionismus und ist daher auch außerhalb Palästiuas verwendbar. Leider w׳ird ausschließlich das jüdische Palästina behandelt; auch bei den heigclegtcn, sonst sehr brauchbaren Karten, sind die arabischen Orte nicht einmal cingczcichnct, was die Orientierung erschwert. Die Publi- Kation, die nur 1 Sh (ca. 70 Pf.) kostet, ist sehr zu begrüßen. Universiiütskursc in Tcl-Awiw Die palästinensischen Zeitungen veröffentlichen die u, tcllung über den zweiten Jahrgang der von der (t״jv, in Tel-Awiw veranstalteten Univvrsitätskursc. Die Kurse ™ י den in diesem Jahre umfassen: Geschichte der Cbc!״j<* logische Grundlagen der Soziologie, Physikalische ('L'0 Soziologie und Geographie der Pflanzen,' Probleme der m derneii Physik, Klimatologie, Einleitung in die höhere matik, Mengenlehre, Philosophie von Lorke, l.eihniz Kant, die acht Kapitel des Maimonides, die Hauptprobe der Kabbalah, alte Geschichte, jüdische Kulturgeschichte <1^ Mittelalters, Geschichte der Baukunst in Palästina, hUtomck* Geographie Palästinas, hebräische Sprnclikundc,’ Einlcit״״' in dm Talmud, griechische Literaturgeschichte, neue t!«.(,,‘' Lsclic Literatur. י,זס Im ersten Jahrgang standen die Kurse unter der becn« deren Patronanz Bialiks, der diesen Kursen eine große Bedeutung für das kulturelle Leben Tcl-Awiws zuschrieb durch die bunte Zusammensetzung der ständig fluktuierend(״ Bevölkerung ernstlich bedroht ist. Im neuen Jahre — Sn schreibt ״Dawar" — müsse der Geist- Bialiks und die Erinnerung an ihn den Kursen jene Schwungkraft ersetzen die ihnen Bialiks Persönlichkeit und seine eigenen Vor.’ lesungen über die Aggadah im vergangenen Jahre gegeben haben. _ Aus der Zeitschrift der HOG Das von der ״I li t a c 11 d u t h O 1 c Ger m a n i a“ heraus, gegebene Mitteilungsblatt (Tel-Awiw, Lilienblumstr. 26) bringt seine erste Oktober-Nummer als Sondernummer über <p; Thema Industrie in Palästina heraus. Der Haupttül der Zeitschrift ist in deutscher Sprache. Es werden allgemeine und besondere Fragen der Industrie behandelt und auch ein« Reihe von Wirtscliaftsnachrichten. Möglichkeiten für eint Niederlassung usw. veröffentlicht. Das zweite Oktoberheft ig Kulturfragcn gewidmet. Insbesondere finden wir im ״Sprcchsa.nl“ dieser Nummer eine Reihe interessanter Einsen• düngen, die das Problem der Erlernung der hebra- Ischen Sprache zum Gegenstand haben. Es wird dann auf die vielen Schwierigkeiten hingewiesen, aber einheitlich zum Ausdruck gebracht, daß eine Erlernung der hebräisch« Sprache unerläßlich ist. Einer der Einsender beklagt, daß auch die Jugend nur wenig Gelegenheit zum Hcbräisclisprechen hat, weil auch bei niclitdcutsclien Einwanderern mehr jiddisch ec•' *prochcti werde. Andererseits dürfe man einen älteren Menscheu, der sein Kapital und seine Kinder nach Palästina זן■ bracht hat und diese dort in hebräische Schulen schickt, nicht wegen des Unvermögens, die Sprache zu erlernen, zum Burger zweiter Klasse degradieren. Deutsche Einwanderer in den Arbeitersiedlungen Jerusalem (Palcor). Die Abteilung für die Ansiedlung deutscher Juden in Jerusalem hat eine Enquete über die Zahl der neuen Einwanderer aus Deutschland, die in den landwirtschaftlichen Arbciterkwuzoth und den ״loschawe Owdim aufgcnomnicn worden sind, ver■ anstaltct. Ende September befanden sich in 31 Kwuzoth lind Moscliawc Owdim 1120 neue jüdische Einwan• derer aus Deutschland. Die höchste Zahl deutscher Einwanderer haben die folgenden Kwuzoth aufgcnomnien: Giwat Brenner 151, Naanc HO, Jagur 80, En Charod Ti, Gescher 71, Hakowcsch 71, Kwuzat Hachugim bei En Chi• rod 70, Rodges (HapocI Hamisrachi) (15, Kwuzat Hachugim in Raanana 63, Giwat Hnscheloscha 63, Tel Josef 45, Hätte nur den gesdirieben und sonst nichts — er wäre mit diesem herrlichen Roman allein schon in die Unsterblichkeit eingegangen. Gr fdjerific aber ber jubifdjen nod) eine iReifjc reiferer, un»erg(!ngtirf)er3crfe, noflSie'c unb Junior, Dort non dem* rau&enber 6pannung. Gr erfcfj'icfif in feinen :Romanen ba$ weite, mid)iige unb unerfdjöpflidje Oebief ofljübifdjen Xebenö unb ofijüb. Sulfur, ofjne beren S^ennintö baiMragifdje jübifefje 6<f)idfd etoig um>erfT0nMid> fcicibl. 60 i(13ron$o$ fyede in ebenem 6itwe affuefl; er i(i noftoenbig, er i(I uneni&efjrlid). * fl«&« Stflcllttiln »erlangen öle foftenfrei autffäfjrtidjtn profpeff! »eflellfdjein (0!״ aMr«nnen) 33el GOntutib 2He1?er, 33ud)f)<mb(un0, Berlin 9® 50, Sombcrgcr 6fr. 61 (335,0816), tvirb hiermit bejleHf: Slnjaljf _ ״ O. Sttattso# m Oer pojd).feinen 4. - Oie 5juben non Santo».feinen 3, - Jubiib 2rad)lcn6er<j...Xeinen 3. — -Cci6 2Bcf(?nad)ltfIud)en u. f. RinO . Xeinen 2.50 Wofcbfo non parma.Xeinen 2. -- (Sin «ampf um« :Re<&J.feinen 3.50 Oer präfibent.Xeinen 2,50 4>al6*9ffien, 25an& I, Xeinen 5. — zv ff Sanb II .......... Xeinen 5. — Jiiiufirierfe JtöMföe ®ef<§|<j)U. Xeinen 5.60 Oie (Sefcbfcfjten her Sfbef, iiluflrieri (3ugenb&u^).,. ftaiMeinen 3.50 35efrctg ifl nadjjunehmen roirb gicltfjseifig aufpoflfc&edonfo: »eriin 3lr. 81500 einge3ahif. (Porto 5°/« bes preifw). ßrf,0ftaieun&0audnummer Kamt unb ©tanh (®iß. t«0! btulll(*) Firdüsl-Fcicr an der Universität Jerusalem. Die orientalische Abteilung der Hebräischen Universität Jerusalem veranstaltete eine große Feier zu Ehren des tausendjährigen Jubiläums des großen persischen Dichters Firdta. M. Goitcin sprach über Firdüsi als Dichter und Prof. Meyer über Firdüsi und die persische Kunst. Prof. Meyer hat als Gast der persischen Regierung an den Feierlichkeiten in Teheran tcilgenommen und ergriff die Gelegenheit, am Abend dem Jerusalemer Auditorium auch den Fortschritt des modernen Persien darzustellen. Dabei wies er auf die Maßnahmen der persischen Regierung zum Schutze der historischen Denkmäler hin und auch auf die Erleichterungen, die fremden Professoren und Studenten in Persien gewährt werden. Schenken Sie zum Feste! JOACHIM PRINZ s Illustrierte JÜDISCHE GESCHICHTE 2., neu bearbeitete und erweiterte Auflage (9.—12.Tausend) mit 23 Tafeln in Kupfertiefdru& 8 Abbildungen im Text und 1 Karte. In Gcsclicnkband RM 5.80 Die Wahrung der Würde und des Stolzes aus der Kenntnis unserer Gesdiidite wachse®* Die jüdische Geschichte gehört in jedes jüdische Hau§ <SrtyM«4 In bm eintägigen