Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-11-09 · Heft 90 (9.11.1934) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 90 (9.11.1934)
Date
1934-11-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653535--25989-2683160
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 2 י 1 ן4* Mitteleuropa floß, war kein allzuwlchtigcs Problem gegeben; erst als die jiddischsprcchcmlc und lesende, vorwiegend äußerst ürnie, zum primitiven Leben gezwungene Masscnimniigratiou Bus dein Osten cinsctzte, da wurde jene Abweiiraktion vorwiegend gesellschaftlicher Art ausgelöst. Zahllose Klubs verschlossen Juden ihre Mitgliedschaft, der gesellschaftliche Verkehr hörte aut (die Herren nehmen zusammen Lunch, aber die Familien laden sich nicht zum Abendessen ein). Und viele Motels vermeiden jüdische Oiste. Diese vielleicht verblüffcmlstc, weil stärkste Form des Antisemitismus findet verschiedene Auslegungen: Ein Hotclrnanager, der, frregelührt von einem neutralen Namen, Voranmeldung von jüdischen Reisenden angenommen hatte und sie dann bat, auf seine Kosten in einem anderen Gasthof zu nächtigen, erklärte bei dieser Gelegenheit seine Haltung wie folgt: Die Juden wollten immer das schönste und neueste Motel, sie monopolisierten auf diese Weise die Plätze (infolge ihrer grollen Zahl und ihrer Reiselust); das sei zunächst für den Hotelier sehr angenehm; wurde aber nach einigen Jahren ein noch moderneres Motel am gleichen Platze eröffnet, so wanderten sie dahin ab und das völlig auf die jüdische Kundschaft eingestellte ältere stehe leer. Von einem berühmten englischen Schauspieler mit fälschlieh als jüdisch geltenden Namen wird berichte(, daß er hei der Vorbereitung einer Amerikatoumec von einem Hotelmanagcr abgewiesen worden war mit dem Hinweis, er nehme keine jüdischen Gäste, worauf er wie folgt antwortete: ״Mein Herr! Sie haben mich für einen Juden gehalten; ich habe Sie für einen Gentleman gehalten — wir haben uns beide geirrt." Eine besonders aktuelle und amüsante Spielart von Juden- Aversion habe ich kürzlich beim Besuch eines agrarischen Vetters nicht weit von Albanv erlebt. Ein Nachbar, der offenbar mehr Land als Geld hatte — eins ist dort die Regel — brachte cs wie folgt unter Mißbrauch der Juden fertig, an einen wohlhabenden, au ihn angrenzenden Deutschamerikaner zu Ucborprciscn einige 100 Morgen zu verkaufen. Er hälfe nämlich das falsche Gerücht, in Umlauf gesetzt, auf diesem Land solle eine jüdische Siedlung entstehen; fingierende Unterhändlcr waren bereits zur Stelle usw. Und da griff der Verängpstigte rasch zu — ohne viel nach dem Preis zu fragen. Er ist jetzt glücklicher Besitzer von 1200 statt bisher lausend Morgen unbestelltem Boden. * Von dieser as cm i 1i sc 11 e 11 Bewegung merken natürlich die Juden in New York oder Chikago wenig; sic bilden durch ihre gewaltigen Mengen in sich ein so abgeschlossenes Ganze, daß die Berührungspunkte mit der Außenwelt ganz gering sind. Schon aus diesem Grunde zählt beispielsweise eine Mischche zwischen Juden und Nichijuden, gemessen an den mittel• und westeuropäischen Gewohnheiten, zu den allergrößten Ausnahmen. Damit fehlt für die etwa in dem vor-nalionalsozialistisclien Deutschland unverkennbar vorhandene jüdische Auflösungstemienz einstweilen die wichtigste Voraussetzung. Wie sehr manche Lamlcsteile und namentlich manche Städte einen ausgesprochen jüdischen Charakter tragen, sicht man an der gegenwärtigen Qoiivcrncurwahl im Staate New York. Hier haben die Demokraten den bewährten und beliebten bisherigen Amtsinhaber, den Juden Lehman, aufgcstcllt; die Republikaner wußten keinen besseren Gegenkandidaten als den ebenfalls seiir populären Parkkoinrnissar Moses. Und die hier nicht sehr gewichtigen Sozialisten nominierten Herrn S 01 o in o 11. Es gibt nun sehr viele nervöse und ängstliche Juden — und nervös und ängstlich sind liier seit 1929 gar viele Leute — die diesem Hervortic!en zu vieler Juden unbehaglich gegenüberstellen. Das gilt namentlich von jenen konservativen Kreisen, die mit Skepsis der Rooscvcltschen Politik gegenüberstellen und befürchten, daß ein Versagen den jüdischen Beratern des Präsidenten in die Schuhe geschoben werden könne, vor allem dem Fjnanzministcr im Kabinett, Herrn Mor geilt hau. Mein persönlicher Eindruck nach meiner Reise, die mich mit ungewöhnlich vielen Menschen aus allen Schichten und den meisten Lamlestcilen zusammenfiilirie, deckt sicli nicht mit diesem Pessimismus. Das jüdische Problem ist für die meisten Amerikaner keineswegs von solcher Wichtigkeit. Selbst• verständlich sind für ihn die Juden ein besonderer Volk steil. Sie halten es mit dem ehemaligen britischen Pre• micr Lloyd George, der einmal gesagt hat: ״Verächtlich finde ich nur jene Juden, die sich als Engländer ausgeben wollen — das wäre gerade so, als wenn i c h, der Walliser David Lloyd Ocorge — mich als Engländer abstcinpclte.“ Und der vernünftige Amerikaner verlangt in seinem Lande von den Juden, wie von den Italienern oder Deutschen anständige Lebensführung und verurteilt cs, wenn die große Mehrzahl der guten Bürger eines Volkstcilcs Fehler einer Minderheit verteidigt statt bekämpft. (Weitere Teile folgen.) Dr. Weizmann In Palästina Haifa, 5. November. (JTA.) Am 5. November, nachmittags, smd Dr. Chaim und Frau Vera Weizmann in Haifa cingctroffcn. Dr. Weizmann und seine Gattin begeben sich am 8. November nach Rechowoth, wo Dr. Wcizmann seine Tätigkeit als Leiter des Sicw-Forschungsinstituts für Agrikulturchcinie aufnimmt. Die Eimvandernngsforderangen der Jewlsh Agency Pic Exekutive der Jcwish Agency hat in dieser iwoene der Palaslma-Rc^icrung ihre Forderungen hin* sichthch der neuen Z e r t i f 1 k ats S c h c d u i c für das nächste Halbjahr überreicht. Die Forderungen werden durch die Exekutive in einem 25 Seiten umfassenden Memorandum begründet. . Pf-, Kastcllansky gestorben. Dr. Kastelian-Kastcliansky, der frühere Wirtschaftsberater der Zionistischen Organisation, •ci m T e*- Awiw an den Folgen einer Vcronal-Vcr« gutung im Alter von 54 Jahren gestorben. Man nimmt an, 5 ׳■*״r, z,״r, Benihi'gung seiner Nerven Veronal genommen und dabei die Dosis zu groß bemessen hat. Nach Nieder• legimg seines Amtes als Wirtschaftsberater der Zionistischen Organisation war Dr. Kastcliansky eine Zcitiang Vorsitzender und geschäftsführender Direktor der ״Palcstine Plantations". Bei der Neuwahl des amerikanischen Kongresses und der Staatsgouvcrncure äst im Staate New York der bisherige Gouverneuf Herbert H. L c h m a n, der Jude ist, mit großer Mchjv hat wiedergewähtt worden. ׳JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 9. XI 1934 0 ין I '־׳־א ך-» ־; ך ך ץ"'־/ 1J V, i 00 fl Paris, 5. November. (JTA.) Obwohl der Plan, für Edmond de Rothschild ein offizielles Natiounlbegrnbnis durch- Zufuhren, von seiner. ’ Familie, die ausschlicÜlicli eine stille Totenfeier wünschte, abgclehnt worden war, hatten sich zu der Beisetzung, die am 5. November auf dem Pariser f riedhof Pi׳re Lachaise stattfand, über 10000 Menschen cingcfundcn. Unter den Anwesenden befanden sich Vertreter der französisehen Regierung und der französischen Akademie, ferner zahlreiche Senatoren, Deputierte mul führende Persönlichkeiten der Ein.wwelt, Von der Entsendung besonderer Delegationen seitens der verschiedenen Verbünde ebenso wie von Blumenspenden war auf Wunsch der Angehörigen des Verstorbenen abgesehen worden. Die Beisetzungsfeier ging in den denkbar einfachsten Formen vor sieh. Außer den Gedenkworteu des Pariser Oberrabhincrs Julian Wcill wurden keinerlei Ansprachen gehalten. Die Exekutive der Jcwish Agency war durch ihr Mitglied David Ben Ci urion vertreten. Der Präsident der Jcwish Agency, Nahmt! S o k o I o w, hotte seinen Sohn und seine Tochter beauftragt, in seiner Vertretung aus London zur Beisetzungsfeier nach Paris zu fahren. Trauer in Palästina Jerusalem, 5. November. (JTA.) Die Nachricht vom Tode Baron Edmond de Rothschilds hat den Jischuw von Palästina in tiefe Trauer versetzt. Ihr geben Hunderte von Trauerkundgebungen aus allen Kreisen der Bevölkerung Ausdruck, die telephonisch nach Paris wclicrgclcltct wurden und in denen von dem tiefen Schmerz der palästinensischen Judcnheit Uber diesen unersetzlichen Verlust gesprochen wird. Alle öffentlichen Versammlungen, Thcatervorslcllungen und künstlerischen Veranstaltungen wurden zum Zeichen der Trauer abgesagt. Die Palästina-Exekutive der Jcwish Agency veranstaltete eine Tratierkundgebung, bei der Präsident Nahum Sokoiow bekannt gab, daß die Agency beschlossen habe, eine Kampagne zur Erwerbung eines neuen großen Kolonisations- ד: gebiete» dnnileitcn, das den Namen Baron Edmond de ״״פ, Schilds tragen soll. Weitere Ansprachen bei dieser Kumtächt hielten Oberrabbiner K u k, der Vorsitzende des |״ןן״ן^ Nationalfond», M. M. U s s i s c h k i n, und der Präsiden* h Jüdischen Nntion.1lr.1ts Palästinas (Waid Lcumi) ן■®n Zwi. Dns Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds hat ,״n Sammclstcllcn aufgefordert, eine Sammlung zur Eintrat״׳ Baron Rothschilds in das Goldene Blich des Jüdischen Nation fomis dnnileitcn. "8,י Das Jerusalemer Hauptbüro des Keren Haies! teilt mit, daß tlas gesamte Ergebnis der Keren lbj«Jy Campagne des Jahre* 5(195 in Palästina mit Ztixtiimmim׳ T Jcwish Agency für die Durchführung de» neuen Siedl1!!,,״ werk», das den Namen Baron Edmond de Rothschilds t״״ soll, bestimmt ist. ^'״ London, 5. November. (JTA.) Während der Beisein»״ Baron Edmond Rothschilds in Paris blieben die Londoner Bur* der Zionistischen Weltorganisation und der Jcwish Arm״ zwei Stunden lang geschlossen. — ln! Laufe der Woche Imu in London zum Andenken an den Verstorbenen eine Traucrvcrsammhmg statt. K Am Abend des 7. November hielt die Exekuti ve '*Uh der Zionistischen Organisation der J, Agency eine dem Andenken Baron Edmond de Roth” Schilds und Johann Kremenctzkys gewidmete Trauer- Sitzung ab. . In dem ausführlichen Nachruf, den die Londoner dem verstorbenen Baron Rothschild widmet, wird daran) (,־«. gewiesen, daß drei Dinge cs waren, die das Interesse für Palästina in Baron Rothschild geweckt haben: Erstens du furchtbare Lage der Juden in Rußland zu jener Zeit zweitens die Ucherzcugiingskrnft des ehrwürdigen Robbiners Samuel Mobile wer, der als Haupt der Delegation du Cliowewc Zion zu ihm gekommen war mit der Bitte, dit bestellenden jüdischen Kolonien in Palästina zu retten, uni drittens Graetz״ ׳Geschichte der Juden“, die er als junger Mann gelesen hat und die einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht habe. Juden lernen Die Eröffnung des Jüdischen Lehrhauses in Berlin, bei der Dr. Baeck einen Vorfrag ״Geschichte und Gegenwart“ hielt, ist ein wichtiges Ereignis in der Entwicklung der Berliner Judenschaft. Die Jüdische Volkshochschule, aus der das Lehrhaus hervorgegangen ist, führte noch vor kurzem du verhältnismäßig bescheidenes Dasein; bei der Er- Öffnung des Lvhrhnuscs waren zwei große Sale überfüllt. Darin drückt sich der Wandel der Zeiten aus. Judentum bcstand stets zu einem guten Teil in Lehren und Lernen. Die vergangenen Generationen, in denen der jüdische Libcralismtis herrschte, glaubten, nur der äußeren Welt zugewandt leben zu können und haben das jüdische Lernen vernachlässigt, in dem Augenblick, wo die Menschen wieder auf ihr Judentum zurückgeworfen werden und nach einer geistigen Orientierung suchen, müssen sie das Wissensgut des Judentums wieder erwerben. Das ist keine leichte* Aufgäbe, aber sie steht vor jedem von uns. Das Jüdische Lchrhatis hat neben der Reihe von wichtigen, den Gesamtüberblick schaffenden ״Donnerstag-Vorlesungen" seine Haupttätigkeit in die Arbeitsgemeinschaften verlegt, in denen Gclcgcnhcit ist, sich systematisch in den einzelnen Gebieten auszubildcn. Die jüdische Lehrhaus-Bewegung hat ihren Ausgangsptmkt in Frankfurt genommen. Dort gründete Franz. Rosenzweig und eine kleine Gruppe von 'ihm nahestehenden Mensehen schon 1920 ein Jüdisches Lchrliaus, das freilich später seine Tätigkeit nicht fortführen konnte und erst im vorigen Jahr unter der Leitung Martin Bubcrs seine Auferstehung feierte. Rosenzweigs Eröffnungsrede vom 17. Oktober 1920 ist in dein Alinanach des Schocken-Verlngs auf das Jahr 5695 veröffentlicht; sie verkündet das Ziel der Lchrliaus- Bewegung: Von der Peripherie ins Zentrum zurück, das nur ein jüdisches Zentrum sein kann. Im Sinne ihres Schöpfers kann man die Lchrhäuscr als Etappen dieses Weges betrachten. Nach dem Frankfurter Vorbild gründete man auch in anderen Städten Deutschlands Jüdische Lchrhäuscr. Nun ist mit einiger Verspätung Berlin gefolgt. Es ist zu wünschen, daS die neue Orüiniiing zu einer populären Institution der Berliner Juden wird. Gewiß ist es nicht leicht, in einer Zeit, wo jeder materiell schwer zu kämpfen und auch sonst genügend Sorgen hat, die Energie für eine ernste Bildungsarbeit lutzubringen. Dennoch glauben wir, daß in dieser Arbeit «ine unersetzliche Kraftquelle des Judentums liegen kann . Es wurde bereits früher mitgetcilt, daß in Berlin neben dem jüdischen Lchrliaus noch eine ähnliche Institution der Berliner Zionistischen Vereinigung bestellt, die den Namen ״Jüdische Lehrstoffe Ch. N. Bialik“ trägt. Der Zionismus als die einzige umfassende moderne Bewegung der jüdischen Gegenwart stellt an seine Menschen besonders hohe An• forderungen; über das allgemeine jüdische Wissen hinaus, muß der Zionist noch eine große Zald Materien beherrschen, un den an Ihn gestellten Anforderungen gewachsen zu sein. Der Zionismus hat ein geselllossencs Bild jüdischen 0«• schehcns, und er muß -— neben der gelockerten, innerlich nicht so geschlossenen ״allgemeinen“ jüdischen Bildimgsarbcit diesen Aspekt der jüdischen Weit den Menschen, die zu ihm kommen, klar darbieten. Es ist daher unnötig und grundlos, wenn von manchen Seiten, insbesondere der gegenwärtigen Leitung der Berliner Gemeinde, gegen die Institution der B. Z.V. polemisiert wird. Es ist bekannt, daß die beiden Bildungsstätten sich über ein harmonisches Zusammenarbeiten geeinigt haben. Wir betrachten es als ein erfreuliches Sy®• ptom, daß die Forderung nach Verbreitung jüdischer Bildung sich auch in den Kreisen durcligcsclzt hat, die früher wenig dafür übrig hatten. Die Berliner Judenschaft wird ItolfentüA die Gelegenheit, sich jüdisch auszubildcn, ergreifen. Die neuen Institutionen können eine wichtige und zentrale Pom Hon im jüdischen Leben werden, wie es einst in vergangenen Zeiten das jüdische Lchrliaus, das immer auch ein Volks14« war, gewesen ist. In memoriam van Rees Als feil die Nachricht vom Tode von van Rees erhielt, nahm ich mir einen seiner Briefe und betrachtete die ungemein nackende Handschrift, deren seltsames Bild mich nie verlassen hatte, seit ich sie dns erste Mal sali. Die winzigen Lettern, mit minutiöser Genauigkeit und Regelmäßigkeit aneinander gefügt, wirken wie ein Filigrauornainent. Formensinn und uncrhört zähe Beharrlichkeit. Bescheidenheit im Sein und Größe im Wollen, Klarheit und Neigung zu Ordnung und Gerechtigkeit offenbaren sich in ihr. So war der Mann, so fügt sieh zu diesem Eindruck die Erinnerung an seine hoho gedrungene Gestalt, seine Kunstfertigkeit zu sprechen, die ihn das geschmeidige Französisch oft seiner harten Muttersprache vorzichcn ließ. Als im.Februar 1921 der Völkerbundsrat die Mitglieder der Permanenten Mandatskommissionen des Völkerbundes, welche zu einem kleineren Teil Staatsangehörige von Mandatartnächten sein, überwiegend aber aus Ländern kommen sollten, die ein Mandat nicht erhalten hatten, ernennt, befindet sich darunter der Holländer M, D. F. W. van Rees, früher Vizepräsident der Regierung von Nicdcrländisch-Iudicn. Van Rees wird bald darauf Vizepräsident der Kommission, zu deren Präsideuten der Italiener Thcodoü gewählt wird. — und er nimmt seine Aufgabe ernst. In der Diskussion juristischer und prak* tisclier Fragen, die die Verwaltung der Mamlatsliindcr bctrafen, wuchs er zur zentralen Figur der Kommission, zum wahrhaften Verteidiger der Im M.imlatssystem verankerten In« stitulion internationaler Kontrolle über die Verwaltungen kolonialcr Gebiete und Jn Entwicklung zur Selbständigkeit befindüclicr Länder. Die Wissenschaft allein galt 111m nichts, obwohl oder vielleicht weil er ein großer Jurist war, der mit Leidenschaft die wissenschaftlichen Probleme seines Fachs, des Völkerrechts, diskutierte und niemals aufhörte, Gelehrter und Dozent zu sein. Aber auch das Regieren allein galt ihm nichts, denn er war eben nicht nur Diplomat und Administrator wie mancher seiner Kollegen. Ihm Jag die Verwirklichung der R e c 111 si d e e n am Herzen, als deren Träger er sich fühlte und von denen er wußte, daß sie des Armes der Regierungen, der Staatsmänner bedürfen, um sich durchzusetzen. So schul er in sich eine glückliche Synthese zwischen Gelehrtem und Poli« tiker, zwischen Rcchtsthcoretikcr und Staatsmann, und seine Tätigkeit in Genf bedeutete für ihn einen Aufstieg aus der nationalen Verwaltung der Kolonien seines Landes in Bereich, in dein eine neue Weltordnung geschahen wem« sollte. , Kein Wunder, daß ihn unsere Sache packte, als er ף? Zionismus und seinen realen Problemen begegnete• tr empfand, daß der Zionismus ein wertvolles Stuck der neu״ Ordnung war, er empfand den Freiheilswillen und den ״ccm gedanken in den Vertretern des Zionismus als seelische >־״ wamltsclinft. Seihst einem festgefügten Kulturkrcb ent-taf״״ mend, selbst einem Volke angehörend, das um die Hem der Nation und 11m die Freiheit des Geistes bittere Kamp geführt hatte, aber auch aus der Enge seiner Grenzen auf u Kontinent zu imperialer Weite gewachsen war, verstand er Juden. Fün (zehn Jahre hindurch war er uns ein treuer rrcu . ein Verteidiger unserer statuierten Rechte. Wenige Tagt der außerordentlichen 18. Session der Mandatskommi« im Jahre 1931 schrieb er mir mit Bitterkeit von der steigernden Tendenz Englands, sich über die BestimniunK des Mandats hinweg/tisctzcn. In der Sitzung führte er « ‘ eine meisterhafte Diskussion mit dem Vertreter Englands die Interpretation des Palästinamandats, eieren l'rotokoi ׳ ~>olitischcs Dokuincnt unverlierbaren Wert besitzt, um*. iir diesen Meister des politischen Dialoges ein Meisten war. - Victor Van Rees ist unmittelbar nach seinem Freund י Jacobson dahingcschieden. Er!unterläßt als hohem Wert sein zweibändiges Werk ״Los Mandats 1 nntionaux" (Paris 1927/1928), seine Leydener Vorlesung (Leyden 1930) lind insbesondere auch seine bedeutenden, י Protokollen der Mandatskommission enthaltenen Kecn v achten, wie z. B. das über Beendigung des Irak-Manila Jahre 1932. . Mit der internationalen Welt in Genf, mit Holland un Völkcrrcchtswisscnschaft steht an seiner Bahre trau״" jüdische Volk, dessen Freund er wurde, als er die K״.cn J0|j. erkennen lernte und die jüdische Leistung in Palästina achtete. Dr. Ernst Mar'^. Hsuptschnüleitcrt Dt. Robert Weitieh. B«UtvCI<arI0Uenb<״{ * Stellvertreter 1 Kurt Loewcn.tein, Berlin VV 15. Vera״**«^,. Schriftleiter für den gesamten redaktionellen Teil: Kurt Stein, Berlin W 15. Arueigcnleiterin und verantwort•*' Anielgcntellt Helene Chsnciner, Berlin N 54. Verl« u seigcnvcrwsUung! Jüdische Rundschau. Berlin W 15. f*1" 5״״er{. D.-A, Oktober 35 05a Druck» Sicgiricd Scholcm, Bln.-sco» R

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.