Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 88 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 88, 2. XI.!934 Der Hachscharah - Kibbuz des Brith Chcluzim Dathiim in Italien Ein Arbeitsbericht In einer Entfernung von •12 km südlich von Floren * befindet sich ein Hachscharah-Kibbuz. des Dach ad, der 35 Chawerim umfaßt. Er kam unter Mitwirkung des Zentral״ ausschussrs der Deutschen Juden für Hilfe und Aufhau zu״ stände. Die Gelder, die für Einrichtung und Pacht des Gutes, aut dem der Kibbuz arbeitet nötig waren, wurden von der zionistischen Organisation Italiens zur Verfügung gestellt. Es «:!!!spricht nicht nur der Einstellung des Hachad, sondern auch der ideologischen Grundhaltung der itaiieni״ sehen Zionisten, wenn die dortige Hachscharah gesetzestreu geführt wird. Denn der italienische Zionismus unterscheidet sich dadurch merklich von dem Zionismus in anderen Landern, dalf sich seine maßgeblichen Vertreter für die Verwirklichung der Thora im Aufbau Erez Israels ei״• setzen. Zionismus und Rückkehr zum traditionellen Judentum sind ihnen beinahe identische Begriffe, Scheinbare Mangel 11!aehcn unser Hachscharah-Zentrum zur idealen Ausbildungsstiittc. Wir müssen nämlich unser Wasser täglich 1' ״• km weit hcrholcn, was uns alle zur Sparsamkeit erzieht. Dazu kommt die primitive Bodenbearbeitung «lurch Handpfiug und durch ein Instrument, das dem ״Turijc“ der I’ardcssiin sehr ähnelt. Und schließlich — so merkwürdig es klingen mag — die Hitze, Dies alles läßt uns recht eindringlich palästinensische Wirklichkeit ahnen. Aber nicht nur das unterscheidet unseren Kibbuz von anderen Gruppen. Er ist lebendiger Ausdruck unseres Gestaltungswillcns. Wir alle wollen wieder echte jüdische Mensehen werden und wir wissen, daß es nur einen Weg zum Judentum gibt, nämlich den Weg des Lernens. Selbst sommerliche Hitze konnte unsere tägliche Lernstunde nicht verhindern. Was uns aber im Sommer nicht im erforderlichen Maße möglich ist, versuchen wir im Winter nachzuliolcn. Leider wird in «len landwirtschaftlichen Hachscharah-Zentrcn der Fehler gemacht, die Belegschaft um diese Zeit auf ein Minimum licrabznsctzcn, weil im Betrieb wenig zu tun ist. Aber gerade dann sollte man möglichst vielen Chawerim die Gelegenheit geben, sich in gemeinsamer Anstrengung auch rein wissensiniiUig für Erez Israel ,׳orzubcrcitcn. Unser Hachscharah-Kibbtiz in Italien befindet sich nun in der glückliehen Lage, daß er über mehrere Chawerim verfügt, die eine abgeschlossene akademische und jüdische Bildung besitzen. Es handelt sich um Chawerim, die ihre Hachscharah zusaimucn mit den anderen durchmachen. Diese personelle Zusainntensctzting erfolgte seitens des Brith Chaluzim Dathiim mit der bestimmten Absicht, in einem größeren Kibbuz während des Winterhalbjahres eine besonders intensive Tarbuth-Arbelt zu leisten. Fürs erste legen wir besonderen Wert auf die Erlernung der hebräischen Sprache. Es bestehen vier Sprachkurse, je dreimal wöchentlich zu l'/2 Stunden. Da mehrere Chawerim vorhanden sind, die das Hebräische beherrschen, finden alle Kurse zu gleicher Zeit statt. Man beschäftigt sich mit Chawerim, die in den Kursen nicht initkommcn können, individuell. Jedoch betrachten wir die hebräische Sprache nur als Voraussetzung zur Beschäftigung mit ai lg cm einjüdischen und religiösen Fragen, nicht aber als Bildungszicl. So ergibt sich von selbst unsere Lektüre, die eben hebräische Sprache mit jüdischen Inhalten verbinden muß. Eine Sicha führt wöchentlich diejenigen Chawerim zusamtnen, die schon über ein größeres Mali hebräischen Wissens verfügen. Hier werden Tagesfragen des palästin e!1 s i s c h e n Lebens ausschließlich in hebräischer Sprache diskutiert. Selbstverständlich wird auch Palästina-Kunde getrieben. Darüber hinaus bestehen freiwillige Arheitsgcmcinschuften, in denen man sicli mit T e n a c h, Mi sch 11a, Talmud und Ra mb am beschäftigt. Dieses Programm steht nicht nur aut dem Papier, sondern wird auch durchgeführt. Natürlich haben wir oft mit technischen und persönlichen, Schwierigkeiten zu kämpfen. Vieles hangt von der Art ab, wie man siel« mit Chawerim, die sich bisher weniger mit jiidisehen Werten abgegeben haben, beschäftigt. So sind wir bestrebt, möglichst alle Chawerim an der Gestaltung des geistigen Lehens teilnchmen zu lassen. Es werden z. B. insbesondere von Jüngeren an Hand der einschlägigen Literatur regelmäßig Referate über das gesellschaftliche und wirtsciiaftlicbc!.eben Erez Israels gehalten. Kein Mittagessen vergellt, ohne daß jemand etwas allgemein Interessierendes vorliest. Auch wird jetzt ein Tag in der Woche festgesetzt, an dem nur Hebräisch gesprochen werden darf. Aber jede Beschäftigung mit jüdischem Wissen, mag sie Hoch sc» intensiv sein, wird bei jungen Menschen naturnotwendig wirkungslos bkihen müssen, wenn das Milieu fehlt, das diese Werte jedem Einzelnen gefühlsmäßig näher bringt. Will inan also den Zugang zum jüdischen Wissen finden, so muß man sich die Welt, der dieses Wissen entstammt, wieder zurückerobern. Diesen Versuch unternehmen wir gemeinsam. Wir versuchen, das jüdisch •religiöse Bewußtsein wieder lebendige Gestalt werden zu lassen. Am stärksten tritt dieses im gemeinsamen Erleben des S c 11 a b b a t h in Erscheinung. Der körperlich schwer arbeitende Mensch erlebt die Schahhatlmihc, das absolute Werkverbot, mit einem ganz anderen Bewußtsein als derjenige, der durch die körperliche Arbeit nicht ermüdet ist, Im Mittelpunkt des Schabbath stellt die Sidrah in ihrer lebendigen Aktualität für die Gegenwart. Nicht selten entwickelt sich hieraus eine Aus- Sprache über weltanschauliche Fragen, Gedichte und Auf- Sätze, die von dem Sinn des betreffenden Schabbath handeln, und insbesondere die entsprechenden Stücke aus der Agadoth-Sammlung von Bialik-Rawnitzki sollen dem Oncg Schabbath Form und Inhalt geben. Wir sind natürlich erst am Anfang dieser Arbeit. Erst langsam wird sich das Echte durchsetzen. Dr. Benno Offenburg. HelraUlcrung von Familiennamen. Die palästinensische Regierung kommt dem Wunsche vieler Einwanderer, ihre Fa- Jniliciunnicn zu hebraisieren, entgegen und die Acndcrung des Familiennamens ist in Palästina eine relativ einfache und billige Angelegenheit. Die fetzte Nummer des Amtsblattcs der Regierung enthält ein Verzeichnis von 200 Familiennamen, die verändert worden sind, und die ״Pa- ״ c veröffentlicht einige Beispiele von neuen Namen. Meistens werden hebräische Ucbcrsetzungen des alten Namens gewählt, 80 wenn sich Landsmann jetzt Ben Arzi, Medwcd (.slawisch Bär) jetzt llen Dow, Adler jetzt Nischri nennt, oder ein Herr ()leiser seinen Namen, den er offenbar von ,,Oiaser'• obleitct, in Saggagi liebraisiert. Manchmal sind freiucli die nebraisierungen weit hergeholt, 80 verändert eine Familie Ferfilfayn ihren Namen in Eden, und ein Herr Lern- «ovitz seinen Namen in Bar Kochba. Unter den neuangenom• dienen Namen findet sich auch der Name Kohen. Auch einige Araber figurieren in der Liste. Stefan Zweigs ״Jeremias" wurde, wie uns aus Leser, kreisen zu unseren diesbezüglichen Veröffentlichungen mitgeteilt wird, auch im Jahre 1918 in Zürich und etwa 1922 ui Mannheim aufgeführt. ... g*•"' * 1 ׳! V. 1 s . •41 Schulungslmrsus für Jte£cndb«;adc Aula(»licli des von der Mittclstcllc für Erwnchscncnblldüng vorn 21. bis 31. Oktober in Lehnitz durchgeführten Schulungskurs us für die Führer dtr bündisehen Jugend hatten wir Gelegenheit, einem Tag dieser Arbeit beiwohnen zu können und einen Einblick in sic zu tun. Etwa ()0 junge Menschen aus allen Orten des Reiches waren versammelt: «Ins erste, was dmt Besucher aufflcl, war der kameradschaftliche Ton und das freundschaftliche Bciciiiamlcrscin der Vertreter der verschiedenen Richtungen. Schon in diesem äußeren, aber gewiß nicht unwichtigen Punkte des Zusammenlebens schien eine Gemeinschaft her* gestellt zu sein. , . Vielleicht noch viel kräftiger offenbarte sich diese Oeniciiischaftstcnclenz im gemeinsamen Lernen, das den größten Teil jener Woche ausinachte. E» war eine Freude, die verschiedenen Menschen mit gespanntester Aufmerksamkeit dasitzen zu sehen, jeder von ihnen bestrebt, ein Maximum von Wissen und Klarheit mltzunehmcn, weil ca ja für jeden gilt, das hier in Lehnitz Gelernte in die eigene Oruppe hiiicinziitragen und den Willen, der sich hier zum Lernen kiindgab, auch in den breiteren Schichten der jüdischen Jugend zu erwecken. Martin B über lernt mit diesen jungen Menschen Bibel. Er steht nicht als Dozent vor ihnen, sondern alle sind mit ihm zu einer Lerngcnieinschaft zusammengewachsen. Er lebt mit ihnen und spricht mit ihnen wie zu seinesgleichen. In dieser Lerngenirinsamkcit, iu1 sorgfältigen Abwägen jedes einzelnen Wortes in seiner letzten Bedeutung, in diesem Versuch, auch in die urgcschichtlichcn Geheimnisse cinzudringcn, wird ein großes Erlebnis lebendig: daß ein Mann vor aufgeschlossenen jungen Menschen als Vorbild steht und sie durch die Kraft seiner Persönlichkeit zu Leistungen anspornt. — Nicht minder durch seine Persönlichkeit wirkte Ernst Simon, der in lebendigster Form und zugleich geistig straft in l*/1 Stunden cs möglich machte, das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum seit den Anfängen darzustellcn, die Entwicklung aufzuzeigen, die immer mehr zur Trennung vom Judentum führte, und die Entstehung des Calvinismus darzustcllcn bis zu seiner Bedeutung für England. Da diese Schulungswochc alle Fragen des hündischen Lehens umfassen sollte, so konnte sie auch an der musik a 1 i s c h e n Ausgestaltung von Heimabenden und Fahrten nicht vorübergehen. Direktor Adler aus Mannheim unterzog sich der Aufgabe, die Grundbegriffe von Takt, Rhythmus und Musik seinen Hörern beizubringen. Fiir den musikalischen Laien war cs erstaunlich zu sehen, wie er mit den einfachsten Methoden auch die Unmusikalischen milriß und cs ihnen ermöglichte, im Rhythmus zu bleiben und Melodien zu erfassen. Der Höhepunkt dieses Tages war die Ausgestaltung des Freitagabend. Buber trug Psalmen ln seiner Ueber- In memoriam: Walter C016 (6.12.1881 - 3.11.1904) Es gibt ein kleines Bild von Hans Baidung Orlen, das vergißt Niemand, der cs einmal wirklich anschautc: da sicht eine junge, blühende Frau vor uns, und der Tod steht dicht hinter ihr, rührt sie schon an der Schulter... Aber das Seitsamstc und Erschütternde dabei ist, daß sie es weiß, wer sie packt... Annette Kolb hat kürzlich in ihrem früiiliehen und traurigen Buche auf dies Bild wieder hingewiesen. — Dies Bild, so scheint mir, stand — ob er cs nun kannte oder nicht -- wie ein Leitstern über dem kurzen, überreichen Lehen des jungen Juden Walter Cal(, das noch nicht dreiundzwanzig Jahre währte und um diese Zeit vor dreißig Jahren zu Ende ging. Wer war dieser junge Mensch, der sich von dem reich, ja überreich gedeckten Tische des Lebens damals so schnell und heimlich fortstahl? — Er wollte cs dem Urteil der Lebcmlen nicht leicht machen, ihn kcmienzulcrncn — ob er dies Urteil verachtete? ob er seinen eigenen Leistungen mißtraute? —, denn er hat alles, was er von seinen zahlreichen dichterischen mul wissenschaftlichen Plänen noch erreichen konnte, mit sich genommen in jenes Land, von dessen Bezirk kein Wanderer wiederkehrt. Er verbrannte einen umfangreichen Roman, ein dreiaktiges Drama, eine große philosophische Arbeit, eine große Anzahl Gedichte, che er Abschied nahm. Nur ein einziger Band von Ocdichtcn, Fragmenten und Tngcbuchblättcrn wurde damals gerettet — zum Teil nur deshalb, well die einzelnen Werke zur Zeit seines Todes nicht in seinem Besitz waren. Dieses Buch ist seitdem einer kleinen Schar von Menschen zu einer Kostbarkeit geworden, zu der man immer wieder zurückkehrt in den stillsten Stunden. — Als Fritz Mauthner nach dem Tode des jungen Dichters seine Gedichte kenncnlerntc, da schien cs ihm, als oh er die Morgenglockcn einer neuen Lyrik hörte. Mauthner nannte damals seinen Tod einen ״Freitod"; kein anderer als Friedrich Nietzsche hatte nicht lange vorher dies Wort in seinem Zarathustra für seinen Helden geprägt; und es scheint mir, als ob man erst vom Tode her — wie auf dem Bilde von Hans Baidung — dies Leben eines jungen Dichters und sein Schaffen begreifen könne. Walter Cal(־, der einer geachteten Berliner jüdischen Kaufniannsfnmilic entstammte, war, wie ihn uns alle seine Freunde schildern, ein froher Mensch; er hatte viele Freunde, die er durch seine überragende Geistigkeit, ohne cs zu wollen, derart beherrscht«, daß er fast einen Mittelpunkt eines Kreises von Menschen bildete. Er lichte das Leben, und Erichen galt ihm mehr als Erdenken; er lichte die Menschen, und Menschen galten ihm mehr als Bücherweisheit. Und dennoch wußte er um das Geheimnis der Einsamkeit: ״Und keine Brücke ist von Mensch zu Mensch“ schreibt er als Lcitwort über einen Abschnitt seiner Gedichte, In seinem Drama ״Franciscus" scheint er ein aus seiner eigenen Seele geschöpftes Schicksal gestaltet zu haben: der Jüngling, dem die Freunde zufliegen, der sie alle beherrscht und der doch Im innersten einsain bleibt und auf Erlösung seines heißen Herzens wartet... ״aber keiner sah, und also sprachen sie von anderen Dingen“, wie cs in einem Gedichte aus seiner letzten Lebenszeit heißt. Da ist der Tod letzte Vereinigung mit dem Alis ״laß mich »ergehen «II in dio«c Glut iih bin nur Wolke, bin ein Rauch und Hauch in feuchtem Atem selig nuig mich ein nichts bin ich, denn ein Trank, o *chlürfe mich!“ Ob es wirklich tiefes Ungenügen an der eigenen Leistung war, Verzweiflung an den eigenen Fähigkeiten, die das Ende herbeiführten, wie der Freund und Biograph meint? Ob. wie damals Eloesscr schrieb, vielleicht eine Innere Angst vor dem Schicksal eines Oswald ihm die Hand geführt haben mag? — Keiner weiß es; aber der, der ihn nicht kannte und der von diesem geheimnisvollen Leben nur die Ernte kennt, die fast zufällig aufgelesenen Aehrenbüschel, der könnte meinen: der Tod stand hinter Ihm wie Witter de* Setzung vor und ließ uns die ganze Wuruicrwclt dieser Dich. 1 tungen durch die Gewalt seines Vortrags und die Tre״.! *einer Ucbcrsctzung zuin Bewußtsein kommen. Daneben sor«! I Iferr Adler für die musikalische Ausfüllung des Abenck i Es wurden nicht etwa viele Lieder gesungen, sondern 1 ein einziges hebräisches, das Immer wieder geübt und bi!! ln letzte Feinheiten ausgefeiit wurde. Aber man empfind diese Arbeit nicht als Arbeit und nicht als Pedanterie, solide«,! als einen selbstverständlichen Ausdruck der notwendigen Treue ' und Sorgfalt gegenüber dem Wort und der Melodie. '; Vorbild und Leistung — das Vorbild wird bleiben; 1 die Leistung wird — so holten wir — wachsen. 'א Der Verlauf der Schulungiwodie Das Schulungslager, das von etwa 60 Jugendführern besucht war, wurde als Arbeitslager durchgeführt und wir fut ausschließlich von intensivem Lernen ausgcfüllt. Alle Kurie hatten die Form von Arbeitsgemeinschaften, «yr einige wenige waren Referate, an die sich Aussprachen »*. schlossen, Durch diese Art der Arbeit war die Beteiligung aller Teilnehmer immer außerordentlich lebendig und die Arbcitsgeincinschaftcn konnten zu den Fragen und Schwierigkeiten vorstoßen, die für diesen Kreis von Bedeutung!!!4 Es ist unmöglich, hier einen Bericht von dem reichhaltigen Inhalt der Arbeitsgemeinschaften zu geben; es kann nur durch Nennung der einzelnen Themen ein Einblick gegeben wer• den: der Bibelkurs unter der Leitung von Martin Buber behandelte ״Abraham in Kanaan“; Themen aus der Geschichte besprachen Ernst Simon und Dr. B a m b c r g e r In Arbeit», gcmcinschaftcn über den ״Einfluß der Bibel auf das Cromwcllsche England“ und über ״Fragen verschiedener Ertunönationen“. (Mit Ernst Simon zusammen wurde in Hebräisch• Kursen ein Gedicht von Bialik gelesen.) Prof. Kantoro• wicz leitete Arbeitsgemeinschaften über soziale Ocgcnwirtv künde; über pädagogische Fragen unterhielt man sich unter der Leitung von Prof, Kurt Bond ץ (in Zusammenhang hier, mit fand eine instruktive Unterhaltung mit Emst Simon über ״Hciingcstaltung“ statt); im Rahmen der gcgcnwariskundlkh« Arbeit fanden Referate von Friedrich Brodnitz, Adler• Rudel, E. Li eben stein und Alfred Hirsehbergüber den ״Zentralausschuß für Hille und Aufbau“, ״Ostjudentum", ״Historische Voraussetzungen des Palästina Aufbaus״ und ״Grundfragen einer jüdischen Einordnung in Deutschland“ statt. Besonders zu erwähnen sind die Sirigkune von Karl Adler, die in einer außerordentlich lebendigen und freudig« Weise ausgcstaltct wurden. Stand so die sachliche Arbeit ganz fm Mittelpunkt des Lagers, so konnten doch auch grundsätzliche Aussprachen über Fragen der einzelnen Richtungen geführt werden. Dabei wurde, wie sonst selten, in einer offenen und unvoreingenommenen Art gesprochen. E.B. jOPlf: Le n kfi ח"” M k k: mh•׳ teti *w, ipannc׳' griffen Durch v doch ׳ Schwa I mehr een **, {richte *urde,'! *•eicht! mtn: Cur I ihren . Berlin« H»gi t*i i p8<” Bc Di' Schi für *יו Resutt' nur K > M; reich, legen!* die Sc die N H»n«1!einer־; in di wicht In {dlicN entspr hin«! Führt ein 1», Bring«; des יי mann־ Elt h' ten FJ einenv! fiel C RJF.., gute r, läge. /; Ihren f! tat ן!, Tabef! d 0 r •' koah l schaff über י Leute* Bisch * I i< «Inen, i1״' Hin f)er ‘ •fine * p i ■ nee».? Eher |*wi sti Lind tan! doch mit 1 132 , der hart, rend 7:0 jungen blühenden Frau auf Baidung Orlens Bild und hinter seinem Franciscus und hinter seiner Prinzessin, der ״Re• ein■ dei Lago", die dem gespenstischen Bräutigam Balthasar in den Tod folgt — im vicrundzwan/igsten Lebensjahre, wie es in nur dem Dichter damals verständlichem Doppelsinn( von ihr heißt. Nicht anders kann man das Oedicnt verstehen, das vielleicht zu den wenigen Gedichten _ von Walter Gilt 5' ' ' ״Fs rinnen rote Quellen um mein gocynrl Haus, es tränkt ein »ehwnrii-r Reiter *ein jichwarK■* Roß durau«. Er lehnt schon hundert Jahre vor meinem runden Tor, die Zeit wird ihm nicht lange, ich komme nie hervor. Es braucht nur dreier Schritte, ao kann ich hei ihm »trhn, ao kann ich mit ihm reiten wie meine Wünsche gclm Seit Walter Cald vor dreißig Jahren sein junges Leb« endete — ״ca ging streng in ihm her, er war wahrhaft um litt viel“ sagte Rand levin nach Heinrich von Kleists Tod; unu das mag auch von diesem jungen Menschen gelten haben wir Tausende aus seiner Generation ihr jung« Ltbei opfern sehen. Es ist, als ob dies Geschlecht früh ״die strengt Schrift gelesen“ habe und dem Tod früh vertraut word» wäre. Wenn man heut die Tagcbuch-Aufzcichnungen Walt« Cal(* durchblättert, so tritt einem neben wenig Schul«• haftem eine erstaunliche, fast unheimliche Reife des Urtei» entgegen; dazu eine unerbittliche Selbstkritik: ״ich bin rt intellektuell", sagt er einmal; und ein andermal beklagt ״ ca, daß er allzu musikalisch sei, ohne doch produktiv begabt zu sein. Hier wird einem manche Wurzel sein« frillten Endes klar. Erb« einer überreifen Kultur, die wt' alles Reife Ihr Haupt zum Tode neigte. Aber unvergängM« klingend und Jung bleiben in aller Schönheit und m Schwermut die Verse seiner letzten Lebenszeit. B. B. St Vergessene Brüder Unter diesem Titel veröffentlicht der Jerusalemer Geograf Dr. Abraham Bra w er im ״Hahcd“ einen Artikel, in wefchtw er die Aufmerksamkeit der Oeffenllichkcit auf das Schtcks« der kurdischen Juden lenkt. Im Gegensatz zu p™ jcnrinitischcn Juden, mit denen sich die jüdische Oeffcntlic״• seit seit Jahren sehr intensiv beschäftigt, sind die kurdiwi« Juden bisher überhaupt nicht beachtet worden, obwohl * manche sehr interessante Zuge aufweisen, insbesondere «e׳ wegen, weil sie bis heute die aramäische Umgang* spräche bewahrt haben. Brawer meint, daß die kurdiscjjjj sic leben, sind ein wilder Volksstamm, und das Leben, sie unter ihnen führen, ist so unsicher, daß cs für sie י besser ist, als Sklaven unter kurdischem Herrn zu leben, sie difnn an Leib und Leben schützt, denn als freie Mens״ «in äußerst gefährdete* Dasein zu fristen. Die kurdu«> Juden, die bisher nach Palästina cingewandert sind, leben י ausschließlich als Lastträger, cs sind sehr kräftige aber* primitive Menschen, die Zahl der Analphabeten unter ן ״ ist groß. Brawer fordert die kompetenten Autoritäten »׳ sich um die kurdischen Juden in Palästina und die 1!»״., Kurdestan zu kümmern. — Im Aufträge der hebräischen v versität ist Dr. Josef Riwiin in Jerusalem damit 1יף»י' L das Aramäisch der kurdischen Juden zu studieren, doen die Entsendung einer wissenschaftlichen Expedition nacn deitan notwendig, für welche es bisher an Mitteln «״״•