Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 87 (30.10.1934)
- Date
- 1934-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Annahmeechltift für dii Dl*f1*Uß־Au»t1b• Montag 1(9 Uhr, Ittf dl« Prelts|.Au*(ebe Mittwoch 15 Uhr 0-1mllUnenr«t|!en hie Donneretm 10 Uhr7 Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm** Johann Kremenetzky iU»H1hrn't n Prr-*׳‘׳( E 1 H *tr4 <׳8״i| C׳7 'י יי ־ lEKlC. 1-SlriB• 4* B400;0i.׳C; Röhren ke V.G. »rik für oltz (!•dotier |ףי Al Ul Ol rer Üna 1aft incy 1934 »li 1M• h•* «he׳n• Im 85. Lebensjahr ist In Wien Ing. Johann Kremenetzky, einer der fünf Männer, die mit Theodor HerzI die Zionistische Organisation schufen, gestorben. Mit Kremenetzky ist ein hoch angesehener und verdienter Zionist dahinpc^anjien, ein Mann, der ein Stück jionistischer (ieschichtc in sich verkörpert. Krcnicnct/ky hat iitli insbesondere um die von ihm im Auftrag llcrr.ls nach den Pi.inen von Prof. Hermann Schapira, Heidelberg:,• durchjditsrte Organisation des Jüdischen N a t i 011 a I f o n d s und seines über die «an7c Welt verbreiteten Sammelnctzes verdient gemacht. Die ~־fj ersten Sammelmittcl des i Nationalfonds, Marken, י Telegrammformulare, 1 Sammelbüchsen, dasOol- 1 dene Buch und die ’ Sclbstbesteuerung wurj den von ihm erdacht; und eingeführt. 4 Als Techniker und j Industrieller hatte! Kremenetzky, der am i 15. Februar 1850 in i Odessa geboren wurde j und seine Studien an j eter _ Charlottenburger; Technischen Hochschule! absolvierte, Weltruf. Nachdem er in den achtziger Jahren in Paris mit dem Erfinder der Bogenlampe, Jablochkoff, rMiiminigearheitet hafte, (iilirte er in Wien die llogcii- Imipe ein und gründete Bafel darauf eine grolle Fabrik uf Fr/ciigtnig elektrischer Apparate, Bogen- und Glühtapcit, die ■später von den Siemenswerken angekauft wur* dm. Krenicnct/ky, der tcclinischcr Direktor der Siemenskhuckertwerke wurde, arbeitete intensiv an der Verbesserung der elektrischen Beleuchtung und gründete später die erste österreichische Ciliihlampenfahrik. Von diesem Unternehmen «rden aiith im Ausland grolle Zweigstellen errichtet. Kre* *cnet/ky war Inhaber zahlreicher Patente. Seine Erfindung des Lucnhalimibcrsctzim'gssiguals ohne Bahnschranken hat skh in der ganzen Welt durrhgesetzt. Johann Kremenetzky hat letztwillig große Beträge für den Keren Kajemeth, den Keren Hajessod, die' Hebräische laivcrsität ' Jerusalem!unterlassen. Außerdem wurden von!מ die Wohlfahrts- und Kultureinrichtungen der Gemeinde י»וי und der Wiener Israelitischen Kultusgcmcindc testa* "'״torisch reich bedacht. Die Nac.triebt vom Tode Krcmcnetzkys hatte sieh in Ten wie ein Lauffeuer verbreitet und wurde in jüdischen;'tf ttK'litjmlischen Kreisen mit tiefer Trauer aufgenommen. Wiener Tagespresse würdigt in spattenlangen Artikeln י־ l'ersonlichkeit des Dahingcscbicdcncn. Es wird darauf;X׳c« ii'scii, daß Johann Krem cnet/ky Ehrenbürger der didt Wien und seit einem Jahre auch Ehrenbürger der 4'׳c1t jüdischen Stadt Tel-Awiw war. Kremenetzky ist J41t mir als Organisator und erster Direktor des Jüdischen ■'fiion.dlonds in die (ieschichtc des Zionismus cingcgangcn, 1',ndern hat sich auch in vielfacher Weise, u. a. durch die '™11,htiig dts palästinensischen Kunstziegel* und Kunststein*;״■׳ilik.ils, uni den Aufbau der Palästinawirtschaft verdient '“!iiachl. Alu einer der engsten Freunde und Mitarbeiter ,[1frds wurde er dessen Testamentsvollstrecker. Ihm ist die iv'jtchiing und der Ausbau des Hcrrl-Archivs in erster V״!c verdanken. Man nimmt an, daß sich in seinem;,,wil.isse noch zahlreiche I ler/l-Briefe und andere wichtige;:■«mente nir (ieschichte des Zionismus und der jüdischen | '1,tifcrinigsbcwcguiig im allgemeinen befinden. 1:!*'c Beisetzung fand .תור Sonntag, dem 28. Oktober, j 1 der KremenefzkYschen Familiengruft auf dem Wiener : ‘'"ralfricdhof statt'. Im Sinne der ictztwilligcn Verfügung 3•י* leielicnbegängnis in aller Stille ohne Heden abeil. Alle jüdischen Organisationen waren vertreten. Unter crgiistcu war u. a. der Rektor der ן" nichtjiidischcii Trauei (t ומיי si'lien Hochschule. , Der Familie Kremenetzky kommen aus dem in- und ,.r'a1|dc zanlrciehc Trauerkundgebungen zu. Das Zionisti* .; \ •־«uideskoinitce für Oesterreich Bat der Familie des Ver- ״Denen eine Beilcidskundgcbung übermittelt, die die un- '^nglichen Verdienste Johann Krcmcnetzkys würdigt und ׳rauer des Landcskomitees Ausdruck gibt. (tnw Z.i0 "is tische Exekutive in London sandte ™ Zionistischen Landeskoinitec folgende Depesche: Hie zionistische Gesamtwelt steht trauernd am Grabe rnet/kya, dessen ehrwürdige Gestalt wie eine leuchtende Tagen Herzls in die heutige Generation hin- Sein arbeitsreiches Leben treuester Pflichterfüllung '.tagte״': L ־4י €4 &«c ^cs Volkes sichert ihm einen Ehrenplatz in der 311» 1'<c <lcs Zionismus. Uebermittelt Freunden und Fa* den Aisdruck unserer tiefsten Anteilnahme,“ tJie. Zion. Vereinigung für Deutsch- (is 1 ßeileidsdepcschen an die Hinterbliebenen und an *tideskomitee der österreichischen Zionisten abgesandt. | *5 Juden im September 1 nach Palästina eingewandert Wlru**lem• 26• Oktober. (JTA.) Im September sind ״ach pS,״°?cn» ״״tcr ihnen 4SJ5 Juden, xur Einwanderung ,'”tina zugelassen worden. Von den jüdischen Einwan- "1י| zur Kategorie der ״Kapital l*tcn״ lihnm ,״ן! kigenmmößen von mindestens 1000 Piuttd. Mit 27* "1*, ן Angehörige cingcwandcrU Die Umwertung der Werte Ein Freund unseres Blattes stellt uns einen Brief zur Verfügung, den er von einem palästinensischen Siedler erhalten hat. Per Briefschreiber ist bis vor kurzem Rechtsanwalt in Köln gewesen, ein — wie uns mitgcteilt wird — überaus begabter Jurist, der auch nach dem Umsturz als Anwalt «!gelassen war, aber aus psychischen Gründen sich zur Auswanderung entschloß und nun in Palästina die Landwirtschaft betreibt. Es handelt sich um einen persönlichen Brief, der nicht zum Zwecke der Veröffentlichung geschrieben ist. Gerade darum scheint er uns ein wichtiges Dokument dieser Zeit und der im jüdischen Volk vor sich gehenden Entwicklung zu sein. Die Idee der Errichtung eines Jüdischen Nation,illicims in Palästina war von je verbunden mit der Idee einer ״Umwertung der Werte“ im Judentum. Unsägliche Opfer sind für dieses Ideal gebracht worden; so entstanden die Anfänge der palästinciisischcn Siedlung, die dank der Gesamtanstrengung des jüdischen Volkes (am deutlichsten durch die nationalcn Fonds, Keren Kajemeth und Keren Hajessod) einen beachtlichen Um fang erreicht hatte, als sic plötzlich berufen war, infolge äußerer Erschütterungen Massen unvorbereiteter Juden aufzunehmen. So war es bei der polnischen Wirtschaftskrise 1924, so war es nach der deutschen Revolution 1933. Tausende von Menschen, die früher von der Palästina-Bewegung־ und def mit ihr, zusammenhängenden Idee der Umwertung der Werte nichts‘ wußten oder gar sic bewußt' ablchittcnj ' kamen nun ins Land. Es ist selbstverständlich, daß hierdurch eine neue Situation entsteht. Durch die Masstncinwanderung wird das politische und wirtschaftliche Gewicht der jüdischen Siedlung verstärkt und die Grundlagen der jüdischen Heimstätte befestigt. Aber es wäre unrichtig und auch dem Geist der ursprünglichen Träger der Palästina-Idee nicht entsprechend, sich mit diesem Einström zu begnügen; das Jüdische Nationalhcim war nie nur eine Frage der Quantität, sondern eine Frage der Qualität. Darum ist cs falsch, wenn man zuweilen hört, man könne die Entwicklung Palästinas bereits sich selbst überlassen. Ohne eine normende Idee kann das Gemeinwesen nicht fest gegründet werden. Die zionistische Bewegtmg ist sich dessen bewußt, daß insbesondere die jüdische Jugend, die in den Oaluth-Ländcrn keine Zukunft hat und ihre Lebenshoffnung auf Palästina setzen muß, in den Prozeß der ״Umwertung der Werte“ einbezogen werden muß; denn alles hängt davon ab, wie diese neue Generation ihr Leben und damit das der Gesamtheit gestalten wird. Darum erfährt auch der Hcchaltiz und alle anderen auf körperliche und seelische Vorbereitung zu einem Arbcitslcben in Palästina gerichteten Bestrebungen alle Förderung seitens der zionistisehen Bewegung und der mit ihr für Palästina wirkenden Steilen. Der uns zur Verfügung gestellte Brief zeigt deutlich, wie in einem Manne, der früher ganz andere Wege ging, sich die Umstellung vollzieht. Wir scheuen auch die harte Kritik nicht, die der Briefschrcibcr an einem Teil der Einwanderung übt. Jeder begreift, wie diese Ucbcl entstanden sind und wie groß die Verführung ist, den Weg des geringeren Widerstandes zu gehen. Um so wesentlicher ist es, daß Menschen, wie der Schreiber dieses Briefes, — und er ist nicht der Gegen Gewalttaten Abkommen zwischen Exekutive und Revisionisten London, 28. Oktober. (JTA.) Die von der Zionistisehen Exekutive In London cingclcltctcn zwlschcnpartcilichcn Beratungen z,ur Befriedung der zionistischen Bewegung haben «in Ergebnis gezeitigt, dem in allen zionistischen Kreisen weittragende Bedeutung beigemessen wird. In einer Tag- - und Nacht* Sitzung wurde der Wortlaut eines umfangreichen Ab* Kommens fcstgclcgt und im Namen der Zionistischen Exekutive von David Ben G u r i o n, dem Führer der AHgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas und Mitarbeiter des politischen Dezernats der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, im Namen der Revisionisten von Wladimir Jabotlnsky, dem Vorsitzenden, der. Weltualön der Zionisten-Revisionlsten, .unterzeichnet. r Den Wortlaut des Abkommens bringen wir •auf Seite 2 der.heutigen Nummer, , . , einzige —< mit Zähigkeit und Unbcirrbarkeit das für richtig Erkannte tun. Daß die Palästina-Idee die Kraft hat, Menschen zu dieser Tat zu befähigen, zeigt die gewaltige Wende, in der das jüdische Volk heute lebt. Der Zufall will cs, daß wir z.u gleicher Zeit eine Zuschrift erhalten, die vor der Ucbertreibung des Gedankens der Umschichtung und der Chaluziuth warnt. Auch der Autor dieser Zuschrift will die Grundhaltung der Chaluziuth nicht anfechtcn, aber es gilt, alle Er* fahrungen zu bedenken; denn in einer so schweren und verantwortungsvollen Sache wäre uns wenig geholfen, wenn wir eine Idee verföchten, ohne der Praxis eingedenk zu sein. Alles ist im Flusse; in den Schicksalen der Einzelnen mit ihrem Sorgen, Werken, ja auch Versagen, vollzieht sich das Neuwerden des Volkes. Nur die Gleichgültigen, die, solange es ihnen persönlich gut geht, an den Fragen teilnahmslos vorübergehen, sind verworfen, nicht die Sorgenden. Brief aus einem Judendorf ...Ich knüpfe an Ihre Frage an, ״ob der Aufbau Palästinas ■auch beute noch die körperliche Arbeit selbst dcrjenißcn verlangt, die nach Begabung und Gewöhnung der geistigen Arbeit ungleich nähcrstchcn". Ich möchte die Frage bejähen. Für das Kernproblem des Aufbaus halte ich die alte, meines Wissens zuerst von den Zionisten aufgcstclltc For* . .derung, in Palästina eine sozial vernünftig gegliederte Be• völkerung zu schaffen, d. h. einen breiten, fest mit dem ländliehen Bodeh verwachsenen* Stand von Siedlern, Bauern und Landarbeitern, daneben eine für die städtische Kolonisation erforderliche Arbeiter- und Handwerkerschicht, und erst auf diesem weit ausgreifenden, allumfassenden Unterbau soll sich dann eine naturgemäß kleine Schicht von geistigen und Vermittlungsbcrufen bilden. Leider verfügt man über gar zu wenig Mittel, um diesen Gedanken planvoll zu verwirkliehen. Die jüdische Not in den verschiedenen Galuth-Ländcrn wirft eben alles über den Haufen. Vor etwa 8—9 Jahren kamen die Leute in hellen Haufen aus Polen, größtenteils kleine Händler und Ftandwcrker, viele mit hochstaplcrischer oder wucherischer Schiebertendenz, Nur wenige waren gewillt, die angestammte Haltung zugunsten der Bcdürfnise des Lan* des zu wandeln. Das Ergebnis ist jene Unzahl kleiner Läden in den Städten, besonders in Tel-Awiw, die schon rein äußer* lieh ein völlig getreues Abbild des Judcnvicrtels polnischer Städte zeigen, volkswirtschaftlich überflüssig, ja schädlich. Voriges Jahr mm kamen die deutschen Juden, auch lauter Kaußcute — wenn auch etwas besserer Marke! —, oder Acrztc, Rechtsanwälte, Schriftsteller, Assistenten, Makler, Bank• mcnschcn usw., und auch hier bemüht sitih nun jeder nach Leibeskräften, in seinem Galuth-Bcruf oder einem diesem möglichst ähnlichen zu verharren und das Nationalhcim zu einem Heim für Acrztc, Anwälte, Treuhänder, Makler usw. zu machen. Wir bauen also etwas an der Spitze der Pyramide herum, nebenbei auch ziemlich planlos und viel zu breit, und vergessen ganz, daß der Unterbau ja nocti gar nicht richtig steht. Viele Juden der Galuthländcr sind eben für den Palästina-Aufbau verdorben, verstädtert, im Handelsmilieu oder akademischen Geiste befangen, ohne jede Opferbcrcitschaft, egozentrisch und asozial, rein darauf bedacht, ein möglichst bequemes Privatleben zu führen und ihre Galuth- Existenz, deren Anormalität ihnen auch jetzt noch nicht zum Bewußtsein gelangt ist, unter — womöglich angenehmeren Begleitumständen als früher fortzusetzen. Diese Leute leben alle voneinander. Die ganz dünne, naturgewachsene palästinensische Oberschicht hat gar keinen Bedarf nach all diesen Artikeln, die hier angeboten werden. Die höchst unerfreulichen, ja verheerenden Begleiterscheinungen erwähne ich nur nebenbei: Teuerung in den Städten, Auftreten verführezischen Luxus, Nachdrängen der alten Landbevölkerung in die Städte, Eindringen arabischer Arbeit in bisher jüdische Arbeitspositionen, letzteres noch gefördert durch die Einwan• derungspolitik der Regierung, ein aufreizender Gegensatz zwischen den Städten und ihren Bequemlichkeiten und der zurückgebliebenen Primitivität auf dem Lande, eine ganz einseifige Anhäufung der Kultur- und Zivitisationsmittel in den Städten zuungunsten des Landes usw. Ucbcr jeden einzelnen dieser Punkte ließen sich Bogen schreiben. Demgegenüber wäre natürlich der einzig richtige Weg, der Gott sei Dank auch begangen wird, nur speziell für die Palästina* bedürlnissc vorbereitete Jugend oder solche Leute, die sonst die Gewähr für restlose Eingliederung geben, hierher zu befördern. Mit anderen Worten: statt ungeregelter Einwanderung dürfte nur eine streng geregelte Einwan* derung (in allen Einwanderungsklassen) stattfinden. Man wende nicht ein, daß die Zahl der mit bestimmtem Kapital -— ungeregelt — Einströmenden relativ gering sei: Erstens ist sie gar nicht so •gering; es sind 'allmonatlich mehrere hundert Leute nebst ihren Angehörigen. Und zweitens ist das Gewicht dieser, Leute eben viel schwerer, ihre Zahl um ein Vielfaches