Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 81 (9.10.1934)
- Date
- 1934-10-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Illegale Einwanderung Ihre Hintergründe und Lehren Die letzten beiden Jahre, die für Palästiii blühender Prosperität, für wichtige Länder des (ialutli da• gegen Jahre schwerster seelischer und materieller Judeniiot waren, haben eine starke ili egale I' i 11 w a 11 <1 e r u 11 g . gezeitigt. Doch obgleich jedem denkenden Menschen klar sein sollte, dal) diese Erscheinung vor allem ein bezeichnendes Symptom für die tragische Lage der Jndenheit in Mittel- und Osteuropa darstelit, außerdem aber auch eine Folge der Einwandmmgshcsclirünkung der Mandatsregicrung ist, kann man niaiichmal auch von antisemitischer Seite die Tatsache der illegalen. Einwanderung etwa dahin glossieren hören, dal! die Juden sich selbst ln ihre Nationale Heimstätte ״hinein• schwindeln“! Wahrhaftig, welch ein Volk! fliese illegalen Einwanderer, die sich in das Land ihrer Sehnsucht cinzu* schmuggeln suchen, — erinnern sie nicht an jenen Juden, der sich am Jom Kippur, da er kein Billett besaß, mit der Notlüge in den Tempel drängen wollte, er habe seinen Schirm vergessen, aber von dem Aufseher vernichtend abgefertigt wurde: ״Beten wollen Sie, Gancwl“? In Wahrheit ist die illegale Einwanderung alles andere als eine ״jüdische“ Erfindung; im Gegenteil, wie in Palästina selbst (neben der jüdischen auch eine vermutlich starke arabische illegale Einwanderung stattfindet, so ist dieses Phänomen längst den Behörden aller großen Ein• w a 11 d c r :111 g s I ä 11 d c r b e k a 11111, die gesetzliche Be• Schränkungen angeführt haben. Wenn wir im folgenden von der illegalen Einwanderung nach anderen Ländern sprechen, so geschieht es nicht, um uns zu verteidigen, sondern weil sich aus der Kenntnis ähnlicher Phänomene in anderen Ländern für uns gewisse Lehren ergeben. Vor dein Kriege spielte die illegale Einwanderung keine große Rolle. Denn für die etiroäpischcn Völker herrschte im wesentlichen Eiiiwandcrmigslrcihcit, wenn auch in abnelimendein Grade. Scharfe Beschränkungen und Verbote gab cs fast nur gegen asiatische Einwanderer (Chinesen, Japaner, Inder), vor allem in Ländern wie Australien und den Ver• einigten Staaten, mul hier machte sich denn auch schon da• nials illegale Einwanderung bemerkbar; denn genau wie Zoll• mauern und große Preisunterschiede unweigerlich den Waren• Schmuggel hervorruten, so tritt der M e 11 s c 11 ens c 11 m ug ■ gel überall auf, wo die Wanderung aus überfüllten, armen oder politisch bedrückten Gebieten in reichere und glückliebere Länder durch gesetzliche Sehranken verhindert werden soft. Dies geschah nun nach dem Kriege in nie dagewesenem Maße, und mm wurden auch große europäische Völker, wie vor allem die Italiener, von der vollen Härte der Einwnndrrungsbeschränkungcn betroffen. Als die Vereinigten Staaten, die in der letzten Zeit vor dem Kriege jährlich weit über eine Million Menschen aufgenomincn hatten, durch die Gesetze von 1021, 1024 und 1020 die Einwanderung immer mehr beschränkten, weil sic den hohen amerikanischen Lebensstandard nicht von «len Hungerleidern aus Europa licralxlriicken lassen wollten, da war ein ungeheurer Anreiz zur illegalen Einwanderung gegeben. Welchen kaum vorstell• baren Umfang und welche verblüffende Mannigfaltigkeit von Formen dieser Mcnschcnschmuggcl nach Amerika annahm, kann liier mir angcdcutct werden. Im Fiskaljahr 1926/27 wurde die Zahl der illegalen Einwanderer in die Ver• einigten Staaten von berufener Seite auf 175 000 ge• schätzt, also auf mehr als die gesamte legale Einwandcruug aus Europa! Später nahm die illegale Einwanderung, zum Teil infolge der verschärften Ucberwachttng, wohl ah, betrug aber wahrscheinlich bis 1030 immer noch über 100 000 Köpfe jährlich. Dabei waren die wichtigsten Menschen• Schmuggelwege die kanadisch-amerikanische Grenze, besonders zwischen Montreal mul Detroit, dann im Süden die lange mexikanische Grenze, und der Wasserweg von der Insel Kuba, auf der zeitweilig über 25 000 Maischen, neben Euronäern auch Chinesen, auf eine günstige Gelegenheit zur ueberfahrt gewartet haben sollen! Aber nicht nur zu Lande und zu Wasser, sondern selbst auf «fern Luftwege von Westiudicii 11er kamen'die illegalen Einwanderer ins Land. Uchcrhaupt entwickelte sich der Menschensehimiggcl zu einer Industrie größten Stils. So betrug z. B. die ״Gebühr“ der ״Wegweiser“ zeitweilig 35 Dollar pro Kopf; später drückte starke Konkurrenz den Preis bis auf 10 Dollar herab. Aber für Chinesen war die Gebühr viel höher, angeblich 100(1 bis 2000 Dollar. Ebenso wie der Alkobolschniiiggcl hat auch der Mcnschcnschmuggcl große Vcrbrcchcrorganisntioncn entstellen lassen, deren Opfer vor allem die Einwanderer selbst waren. Nicht nur, daß die Schmuggler sich bei drohender Gefahr eines Zusammenstoßes mit der Polizei ihrer Mcnscliciifracht nicht selten durch Mord entledigten, oder daß Flugzeugführer ihre illegalen Passagiere oft irgendwo in der ödesten Wildnis absetzten, — am schlimmsten war die häufige Erpressung an den schon Eingewanderten durch Drohung mit der Strafanzeige. Uchcrhaupt ist der illegale Einwanderer das prädestinierte Ob• Sekt für jede Art von Erpressung und Aus• י c u 11111 g, — sei cs durch Berufsverbrecher, sei cs durch Skrupellose Arbeitgeber, sei cs durch Personen, die irgendwelchen Grund zu privaten Rncluakteu haben, Ucbcr diese Schwäche und Hilflosigkeit des illegalen Einwanderers enthalten z. B. Berichte des gemeinnützigen Interna! ional Migra• tiou Service erschütterndes Materhl. Schon in wirtschaftlich günstigen Zeiten unterliegt der illegale Einwanderer besonders leicht der Ausbeutung, weil er, in dem Bewußtsein, daß seine Papiere nicht in Ordnung sind, Angst hat, nötigenfalls vor Gericht sein Recht zu fordern, oder auch nur seine Stellung zu wechseln. Aber seine eigentliche Tragödie beginnt erst, wenn die Krise kommt! In der länger ansässigen Bevölkerung wächst mit der Not auch eine fremdeufeindliclie Stimmung, die zu häufigen Denunziationen führt; vor allein aber ״ent• deckt“ die Regierung, die bis dahin vielleicht ein Auge zu• gedrückt hat, plötzlich die illegalen Einwanderer, um an ihnen aut billige Art ihre Energie zu beweisen und den Arbeit«• markt zu entlasten. Sie führt Razzien durch, drückt auf die Arbeitgeber, die Papiere ihrer Angestellten zu prüfen, und laßt die Ertappten rücksichtslos in Massen deportieren. Aber selbst, wenn cs dem illegalen Einwanderer gelingt, den ungleichen Kampf mit dem Staat zu bestehen und sich im Lande zu halten, ist seine Lage oft verzweifelt, da er im Fall der Krankheit usw. sehr schwer Unterstützung erhält. U11* zähligc menschliche Tragödien sind die Folge, Man mag fragen, was sich aus alledem für den Zionismus ergibt, da.doch die Dinge in Palästina in vieler Hinsicht von unserem Schema abwcicltcn. Aber wenn auch augenblicklich jn der jüdischen Bevölkerung viel hilfsbereite Sympathie für die illegalen Einwanderer vorbanden ist (und wenn wir gefülilsmäßig dem illegalen Palästina-Wanderer volles Verstand- Iiis entgegenbringen), so dürfen wir darum doch nicht die schweren Gefahren der f!legalen Einwandcr 11 n g verkennen. Es bestellt eine Gefahr vor allein für die illegalen Einwanderer selbst, gegen die bei einer Krise die Regierung rücksichtslos Vorgehen wird, und die dann auch in der Bevölkerung nicht mehr soviel Rückhalt finden werden. Außerdem liegt hier aber auch eine schwere moralische, wirtschaftliche und politische Gefahr für den Zionismus selbst. Denn zweicfllos kommen durch die illegale Einwanderung vielfach nicht die geeignetsten Ela mente ins Land, während bei der Auswahl der •erlaubten ja der lewislt ילוס , . . ׳ \...! \mJß Cfct Der Einfluß weltgeschichtlicher Wander - Bewegungen auf die jüdische Geschichte Von Dr. Willy Cohn, Breslau Segeltuch, welche erst von französischen Einwanderern ■ Ipswich begründet wurde, andererseits an das unter holli״ disch-jiidisclicm Einfluß entstandene Staatsfondssystcm, ,n 1 Gründung der .Bank von England, der Londoner Börse Töchter derjenigen von Amsterdam), des Kreditapparate» » * eher die Kräfte und den Unternehmungsgeist des Kaulm’äJl wie des Staates verzehnfachte.“ " Im 19. Jahrhundert setzte überall In den Schichten de westlichen Kulturkreises die Landflucht ein. J Stadt einmal verschluck^ hat, gibt sie fast nie wieder f!״! Wächst der wirtschaftliche Druck, so versucht man, Uim dwi! Geburtenbeschränkung auszuweichen. Der Jude alletfe wird in solchen Zeiten zur Fern Wanderung geiina״. So ging die Welle jüdischer Wanderung über das East-Lj von London nach Amerika.“ m Als die polnische Einwanderung Deutschland im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts!!«׳ einsetzte und in den Ostproviofen besonders in Posen «5; allmähliche Strukturwandlung eintrat, geschah ein Masse, ausnig der Juden Posen s ins innere Deutschland. |B de Jahren 1830 -1910 ging die Zahl der Juden in den Provinze Posen und Wcstprcußcn auf die Hallte zurück. Osteuropa geriet in Bewegung, Das alte j QdIsch« Handwerk kam in hoffnungslose Konkurrenz mit der Orot. Industrie und wich über den Ozean aus! Das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts brachte zeitw«! für die zcntralmsslschc Bevölkerung ein Stocken ihm km. brcltungsmöglichkeitcn; die Folge davon; Ausbruch von J1, den hetzen am Anfang der 80er Jahre. Der Weltkrieg stellt unter dein Gesichtspunkt der W«. derbewegung den letzten von Rußland nach West *cito, gehenden Bevölkerungsdruck dar. Das Ende des Weltkrieges hat eine gerechte Verteil«,- des Nahrungsmittclspielrauins auf der bewohnbaren Erde nickt gebracht. Eine Gleichgewichtslage ist nicht ein getreten! Solange 11! nicht cintritt, wird die Welt für längere Zeit und mit Ihm 41: In sie verstreute jüdische Volk nicht rar Ruhe kommen. Ni!, mnml will zugunsten anderer Völker unter den herrschend« Völkern der Erde Raum preisgeben. Inzwischen dreht sich die Achse weltgeschichtlichen Os schchcns! Der Atlantische Ozean tritt in seiner Bedeutung nmid Die großen Wamlerungswellcn über ihn sind zum Erlieg« gekommen, die Häfen, die einst Millionen von Auswanderer« ausspiccn und cinsaugtcn, veröden. Der Nahe Osten hat eine neue Bedeutung bekommen; wo ein Riesengcbict einst unter türkischer Herrschaft verrottete, sind junge werdende Staatsgebilde entstanden. An ihrem Drehpunkt liegt Ercz Israel, das Land der Juden, vielleicht ein neuer Einschnitt im Kreise der jüdischen und der allgemeinen Wanderbewegungen! In der Ungleichheit der wirtschaftlichen Bcvolkcrungsdichtigkeit als Ausgangspunkt weltgeschichtlicher Wandcrbcwcguiigc’n wird 111:111 letzten Endes die I fnuptursaclie der großen Ereignisse der Geschichte überhaupt zu sehen haben. — Wie etwa in der Physik die Tendenz zum Gleichgewichts• zustand zu streben waltet, so scheinen auch die Menschen unter keinem anderen Gesetz zu stehen. — Wenn ein Volk ohne Raum ist und ein anderer Raum ohne Volk, werden auf die Dauer auch die stärksten Bollwerke und Verträge 11. ä. einen Ausgleich nicht verhindern können. — Das jüdische Volk, seit 1900 Jahren von seinem eigenen Boden gelöst und unter den Völkern lebend, muß von der gleichen Gesetzlichkeit erfaßt und in diesen Stroin immer wieder aufs Neue hincingerisscn werden. — Die jüdische Geschichtsschreibung bat sich mit diesen Galankeiizusainmcnliäiigeii bisher recht wenig beschäftigt, und man war deswegen sehr oft geneigt, die Triebkräfte in Wohl• wollen und Mißwollcn, in Freundschaft und Feindschaft zu sehen und teilte dann Lob und Tadel aus, ohne die wirkliche Ursache zu erkennen oder erkennen zu wollen. In dem Ringen unserer Zeit um wirkliche Erkenntnis jüdischer Geschichte wird man sich aber mit diesen Dingen mehr zu beschäftigen haben, will man über die Orundtat- Sachen unseres Seins wirklich etwas wissen. Wladimir W. Knplun-Kogan hat in einer 1919 In Bonn a. Rhein erschienenen Studie: ״Die jüdische Wandcrbcwc• gimg in der neuesten Zeit (1880—1914)" die zu diesem Ocgensfand bis dahin erschienene Literatur geschickt zusammen• gestellt und die Orundtatsachcn einleitend richtig aufgczclgt. Das 1932 herausgekommene große Werk der Brüder Alexander und Eugen Kuli sch er: Kriegs- und Wander• ziige, Weltgeschichte als Völkerbewegung (Berlin und Lcipzig, Walter Gruyter 8t Go.) versucht erstmalig, den Wändertingsgeclankcn in der Weltgeschichte in den Vordergrund zu stellen und weist an verschiedenen Stellen auch auf das jüdische Schicksal hin. Die dort vorgetragenen Gedanken sind so bemerkenswert, daß auch das Interesse weiterer jüdischer Kreise auf sic ge• lenkt werden muß. Das 17. Jahrhundert brachte eine rasche Zunahme der französischen Bevölkerung, die dadurch in Bewegung kam. Starke Militärfasten erhöhten die Lust zur Auswanderung. Der Druck der Wandcrungswcllc ging nach Osten, nach Deutschland, Holland, weiter nach England. Wenn irgendwo in der Welt Massen in Bewegung kommen, stoßen sie andere an. Der Prinz Wilhelm von Oranien besteigt 168S den Thron von England: ״der Thronbesteigung des holländischen Prinzen folgte eine bedeutende holländische und holländisch-jüdische Einwanderung nach Eng-!and. Die französische wie die holländisch-jüdische Einwandcrung förderten ungemein die kommerzielle und maritime Expansion Englands. Man denke nur an die Fabrikation von Agency weitgehende Befugnisse clngcrätimt sfud. Auf die Dauer aber wird durch jeden illegalen Einwanderer mindestens ein legaler ausgeschlossen, da sowohl die Mandatsregierung wie natürlich erst recht die arabische Agitation ein Inter* esse daran haben, die Zahlen der illegalen Einwanderung zu übertreiben, um die gesetzliche möglichst hcrabutdritckcn. Wir dagegen haben das Interesse, die illegale Einwanderung zu unterbinden, um mit verstärktem Nachdruck eine angc* messene Zertifikatszuteilung zu fordern, Arthur Prinz, Direktor Hantke spricht in Paris (Von unserem Berichterstatter) F. O. Paris, Anfang Oktober. Vor einem ausgcwähltcn Publikum sprach Direktor Hantke in dein Festsaal des Cafe de 1a Rn ix über die deutschen Juden in Palästina. Die Versammlung, der Herr Najditsch präsidierte, war außerordentlich gut besucht, in sachlicher, von jeder Polemik sich geflissentlich {enthaltender Analyse führte der Referent die psychologischen Schwierigkeiten auf, die mit dieser über Nacht stärk einset/enden deutschen Immigration in Palästina und unter den Ein- Wanderern selbst hervorgerufen wurden. Es sind da verschiedene Momente, die sich zusammcngebailt haben: Da ist erst einmal Kultur und Sprache. Die Einwanderer, die noch nicht Hebräisch kennen, haben nicht die Möglichkeit, irgendeine Zeitung oder ein Buch zu lesen und fühlen sich dadurch kulturell stark eingeengt. Die Jugend, die schon Hebräisch kann, hat noch stark den Wunsch, das deutsche Kulturgut weiter zu pflegen, schon deshalb, weil die neue hehrniscli-palästlncnsischc Literatur noch nicht «0 nusgeweitet ist, daß man von einer, warn auch beschränkten Universalität sprechen könnte. Dann sind die Traditionen, die die deutschen Juden auch J11 Palästina fortgesetzt wissen wollen. Sie sind zwar zum Teil nicht religiös, aber die R e I i gi o n s g e b r ii uc h e sind für sie gleichbedeutend mit dem Nationalen, und so wünschen sic, daß ihre Kinder religiös aufwaclisen sollen, daß sie auch die geistige Hut eines Rabbiners nicht entbehren — die Rabbinerfrage ist besonders brennend — und vor allem wünschen sie tür ihre Kinder moderne Schulen, weil sie sich in die bestehenden, bisher wenigstens, nicht haben hiueinpassen können. Dr. 'Hantke führte dann in seinem Referat mit starker Objektivität die positiven Seiten auf. die die deutsche Einwanderung nach Palästina gebracht und dort eine starke Blüte hcrvorgertifen hat. Das ist die Entwicklung der industrielicn und kaufmännischen Unternehmungen, die stark und schnell aufgeblüht sind, da sind die fachlichen Kenntnisse, die Handwerker und Techniker ins Land gebracht haben, da sind die großen wissenschaftlichen Erfahrungen und Keimtnisse zu erwähnen, die mit den zahlreichen Aerzten und Naturforschem ins Land gekommen sind und dort schon reiche Früchte getragen haben, Besonders stärk sind die Schwierigkeiten psychofo* g i s c U c r Art, die naturgemäß mit einer solch starken Ein- Wanderung verknüpft sind. Selbstverständlich gibt es viele Juden, die für Erez Israel nicht passen und niemals passen werden. Der Referent glaubt, daß diese wieder das Land verlassen werden und sich eine andere Heimstätte werden suchen müssen. Seihst in Amerika sind zurzeit der Prosperity 10 0/0 aller Einwanderer, die an sich wirtschaftlich gut hatten fortkommen können, wieder zurückgewandert, weil sie sich dem Genius des Ortes nicht haften anpassen können. Der RrfcN sieht die Zukunft der deutschen Einwanderer in Pa&tisi durchaus optimistisch. Natürlich sei cs verfrüht, schonSchlti״: ziehen zu wollen, da nach einem Jahre Arbeit und (lauem*! Hiiicinflienens in das Land emigultigc Beobachtungen sich noch nicht haben machen lassen. Die Diskussion, die sich sehr lebhaft pcsfaHdr. wurde insbesondere bestritten von den Herren Effrovkin. N> difsch, Grzodcuski u. a. In besonders unfreundlicher Weis! beschäftigte sieh der Redakteur des ״Haiivt“, Herr 011»; de 11skl, mit den deutschen Einwanderern in Palästina. Eni jetzt von einer Reise nach Paläslina, das er vor 8 Jahren D sucht Hube, zurückgekelirt und habe die Verhältnisse, die * deutsche Immigration geschaffen habe, als unerfreulich'(»?■ ftindcn. Als besonderen Beleg für diese seine Ansicht äht* er den Brief eines deutschen Einwanderers, der im ״Haired veröffentlicht war. ln erfreulich sachlicher Weise trafen ite die Herren Effrovkin und Najditsch entgegen, die sich •* völliger Ucberrliistiiiimung auf denselben Standpunkt Dr. Hantke stellten. Es sei selbstverständlich, daß u«W 17 000 ciugcwamlcrtcn Juden sich auch unerfreuliche tkmente befinden, man körnte aber solche vereinzelten Acußcw• geil nicht einer ganzen Gemeiiiselift zur Last legen. Herr Najditsch erzählte aus slen ersten Zeiten Chowawe Zion, 111 denen es ja mich slarke Differw״׳ grundsätzlicher Art, sogar über das Hebräische, gegeben In• '׳ und die alle sich im l aufe der Zeit aligesehliffen haben. <ןיץי daß man deshalb die eine oder andere Ansicht (liffa״1״ hätte. Es gibt sogar Briefe von großen Zionisten aus di'" Zeit, die sich 1m starken Gegensatz zu der heutigen י’"״ fassting über die Sprache in Paläslina befinden. Die Wir«״■ keit in Paläslina bat bewiesen, daß das Leben über s*׳j Differenzen hinweggclit. Audi Dr. Hantke wies am seiner hiuiiorisfisch-scharfen Diskussionsrede die unberccMif׳ ten Vorwürfe des einen Diskussionsredners zurück. Rabbiner Felix Goldmann, Leipzig Wie aus Leipzig gemeldet wird, verschied dort' mclndcrnbhiucr Dr. Felix Gold mann im 53. Leben»)* ך Der Verstorbene gehörte zu den führenden und ״)״*•; ,j taiiven Persönlichkeiten des liberalen Judentums in Ikw• fand. Er spielte eine große Rolle im Ccntral-Vcrcin ® . | scher Staatsbürger jüdischen Glaubens und gehörte * ' | dem deutschen Initiativ-Komitcc der Jcwish 6./״Lj! an. Der Verstorbene hat eine größere Reihe von Scnn.י zur deutschen Judenfrage veröffentlicht, die in assmui* schein Geist gehalten waren, darunter ״Wesen, des semitismus“ und ״Juden im deutschen Kullurkreisc . * : nächst wird von ihm seine soeben vollendete Schrift ״1",'״,tj. jüdische Existenz beute“ erscheinen. Ooldmann vtr. zionist, aber er war in seiner Art bestrebt, dem M zu dienen und genoß auch die Achtung seiner Inner)״«■ Gegner. Ooldmann war persönlich hilfsbereit, und viele J aller Kreise bewahren ihm dankbare Erinnerung. ״ letzten Jahren Ist er dem Palästinawerk , immer näher gekommen. Sein frühes Ableben wird rt * Kreisen des deutschen Judentums bedauert weiden•