Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 80 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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RUNDSCHAU BERLINER RUNDSCHAU Nr. •0. S. OKTOBER 193* •ft. »u s« / h! it>׳ י(,-, Litt 8•) H *11 '•« »ui, »Hg Ml «« 4> זו tiä V״״ 2:1 1*,׳rat, *l'iruf, » Uh« ף0י י׳י Jur»,{ 1* יH, «'H.D lisdi Bl tim• A<nw, Cltf.iil hnar!!, 6.2SI n uniff מ will, AfltWti .וז^י־ויז ,öl 1s ׳•ö*!0 ßinn V.. 2tb. Grmutl. isn'lfft. ,titr.lO ft C3״׳, abnk, idtsch.) 30 000, 2u£ß».1 tnir. 10 Uu lul 1( M. 56 זחסוזו hnuDsJ. In• « Sif in iralm. E IN ,32« jchid-* udtl• «reu-, 16 rast liest- , fing• ־ •AbU JÜDISCHE c Emil Levy Abschied und Willkomm Wir las«'״ ihr. ungern zielte״. Einer der treuesten um! 7,״:״ mit dein wir menschlich verbunden sind seit über ir.iHilT J׳''ltrc״• l);l״l;,ls tibernahm der junge Rnbbinatskandidat L Amt in der Synagoge Passaucr Strallc, die von dem alten ״uten, religiös konservativ gestimmten Judentum des Berliner Ostens In sucht wurde I 1 predigte ihnen von Zion. \|,m verstand das. nicht lind billigte es gewiß nicht, aber Lin schätzte den jungen Mann um seiner reinen Gesinnung ״illni zu sehr, als daß man ihm Schwierigkeiten gemacht hittr, ich erinnere mich gut, wie warm mein verstorbener 01;Ul Jitü'is David, 11er r C') ■ך ׳ 1ii. JM 18 Afit 3«! Rin tain יי; tl, Vorsteher der (io!nl1׳mlc, von ihm sprach, muu verloren wir ihn aus Jeu Augen, aber nicht aus (klן ״ ler/eii. Er folgte ,|tm Itnt auf das ehrt•״׳ ״,Ilde Amt, das seine el» ,,«iselie Heimat zu ver• ״heil hatte, das Straßfurger OberrnbbD jut. thul er predigte sei- ן,{■! tivineiude von Zinn. Pj<i waren neue, dem (inndaiidjiiilentilm fremde (icilaiikeiigäiigc. Er lockerte ,)di Hoden mul manches fjniciikorn, das er aus• slrcutc, ging auf und trug rolilcite Inicht.. Was Wimder, (lall sich in der viel größeren und bei . aller i.ifciwrt des clsiissischcn Jiideiitvps viel assimilier- Icrcn Gemeinde die Widerflantle regten. Aus dem jungen Rabbiiiafskandidaten war ein Mann mit fester Lebensführung geworden; er ibcw.u1(! die Schwierigkeiten und schuf 111 weiten Kreisen da, wo der zionistische Gedanke seihst sich nicht durchsetzen konnte, die Atmosphäre sachlichen Wohlwollens, die « ihm ermöglichte, ohne Konzession und bei aller Klarheit der Linie die zentrale Persönlichkeit des clsässischcn Judentums U Weihen, Fildrabhiner in der deutschen Armee und 1:1 allem Chanklcrlichen bis zum l.el/fen konseuuent, kehrte er nach dem kriege in sein Amt nicht zurück. Er ging nach Deutschland. Der Versuch, »las damals freie Kasseler Rabbiuat zu erhalten, scheiterte au einer anti/.iouistischcn Aktion, In Berlin erreichten wir seine Wahl zum Gcmcimlcrahbincr. Und er predigte seiner Gemeinde von Zion. Sie wurden stolz auf ihn, auch die, die anderer Ansicht waren, ja mehr, sie fiatten. ihn lieh. 11! 15),ihrigem Wirken schuf er in Charlottenbürg in rastloser Arbeit an jung und Alt eine Muster* g c m e i n d e. Seiner Gemeinde wird der Abschied schwer. Sie gibt mit ihm Bestes nach Ercz Israel. Freilich warten dort auf ilm viele ,aus der ״Pestaloz/istralle“. Er wird dort Gemeinde schatten. Er wird deutschen Juden in Palästina von Zion predigen. Das wird gut sein und nötig. Für ilm aber bedeutet cs die Krönung eines Lebens, das immer seinem Volke und dessen Heimat gewidmet war. Unsere Dankbarkeit wünscht ihm, daß er in erfolgreichem Wirken in Erez Israel sich die liehe erwerben möge, die ihm von hier folgt. Alfred Klee. Der Abschied von der Gemeinde Am Schcmini A/creth hielt Dr. Emil Lev ץ seine Ab- »rlmdspmligt. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gcfullt.. und man fühlte gerade bei diesem Gottesdienst, wie stark die Verbundenheit zwischen diesem Rabbiner und seiner 'ifimimle war. In seiner meisterhaft aufgehauten und vorertragenen Rede betonte Dr. Levy, daß ja Verweilen (״A71׳rcth“) nicht jüdisches Los sei, darum hätten alle anderen fnr.igungen für ihn ziiriickstehcn müssen, als er den Ruf Palästinas erhielt. In Palästina warte dort seiner nicht ein bequemes Leben, sondern viel Arbeit und Mühe. Ls gehe F1״' darum, in Palästina besonders die aus Deutschland und insbesondere die aus seiner engeren Gemeinde Hinübcrgckom- *ncii religiös ziisamincii/nfasscn. Der Abschied von Berlin Mc ihm sehr schwer und er werde nie die Werte verleugnen, « er von der deutschen Kultur und von den geistigen «impfungeii (|cs deutschen Judentums empfangen habe. Aber «' Aufgabe, in Palästina zu wirken, bedeute für ilm die Krön n n g sei 11 e s L e b e 11 s. Für die Berliner G e 111 c i 11 d e sprach Direktor Heinü״־׳ Stahl, der betonte, daß die Gemeinde Dr. Levy mir schweren Herzens ziehen lasse, sieh aber zu diesem Schritt entschlossen habe, weil sie sieh gesagt habe, daß nur die ״rsten für Palästina gerade gut genug seien. Ahcr jederzeit stünden Dr. Levy die Tore der Berliner Jüdi- Gien Gemeinde offen, falls er wieder zuriiekkehren wolle. — 1״J den Landesverband Preußischer Gemeinden sprach besonderer Herzlichkeit Dr. Alfred Klee, der an die *™!schollen Schicksale erinnerte, die Dr. Levy während «einer Amtstätigkeit erfahren hat. BW» ׳ Veranstaltungen . Hauskonzert. Lin Hauskon/.crt in den Räumen des llcrri 1 Salomon, das von der Musizierfreudigkeit der Aus .,wenden und dem Interesse des Publikums zeugte, vcrric ,יי "ö l'rogramnifolge stilsichercu Geschmack und vcrspraci ״csoiHtrrc musikalische Anregung. Bekannte Streichquartett 1; « Mendelssohn, Schumann und Verdi füllten den Abend ״'״ die Routine des Ensembles und eine gewählte Inter iJ״״:״ß der einzelnen Werke erkennen. Der letzte Sat . s Mendelssohn-Quartetts gelang mit hinreißendem Schwun, li,״« Vielheit seiner melodischen Einfälle. Verdi als Aus ,.״Ki von unbekümmerter Musizicrlaune, dem nur Melocli ן.'"" h!'l,!igend, fand in der Wiedergabe des Fugatos seine führ» ’PUar,c״s charakteristische Ausdeutung. Für die Aus ,1'»״,den Max Roscnthal (1. Geige), Josef Lange Giut8')’ Leon Szabo (Bratsche) und Oscar Manszy gab es wohlverdienten Beifall. Dr. Jakob Schönberg. häcUsta*׳ DUfätofy: •y! U** fett/ I I f t i I ׳ / .• /, * U»■* fett/ n ^״■*׳-׳» •״״8י m*j Uf y * -'sLw i Als vor etlichen Wochen pünktlich mit dem Herbstbeginn die Regengüsse losbrachen, da schien es iiiisj als scj die Tefillatli Geschein, die Bitte um Regen, die wir alljährlich am Selilußfestc sprechen, schon erhört worden, noch ehe sie ausgesprochen wurde.... und wir «luchten der Bedeutung, die Erührcgcii und Spätregen nicht fiir uns Stadtbewohner, die wir ins Haus davor flüchten und den Regenschirm aufsp,innen - - wohl alter für den Bauer im Laude Israel besitzen, dessen Brot und Frucht, dessen Wohl und Wehe vom Regen ahhängt. Seitdem aber ist es wieder bell draußen geworden, und dem sonnigen Spätsommer hat sich ein heiterer Herbst an geschlossen: folglich hat der Tiergarten die Anziehungskraft, die er für uns alle, die wir in seinem Bannkreis wohnen, in diesen Sominerwoclicn lies,111, völlig uml erfreulich wiedergewonnen. Kein Mensch aus einem anderen Stadtviertel kann diese Anziehungskraft vielleicht ermessen. Aber uns ist dieser weite Park mit den h׳rime11 Rasenflächen und den alten Bäumen Erde, Luft und .Wasser fiir den Großstadt -Sklaven; mehr noch: Trost und Beruhigung, wenn die Gedanken stürmten. . Jetzt _ aber führen die (j.irtcngiistc vielfach ein seltsam zwiespältiges Leben. ״Eins und doppelt“ fühlen sic sich — atier anders, als cs einst Goethes Glngo Biloba meinte. Da gibt es Bänke unter den alte״ Bäumen, da sitzen die alten Herren und betagten Weiblcin aus den benachbarten jülöschen Altersheimen, die sich allmählich in diesem Stadtviertel zusammengcfundeii haben. Die alten Frauen haben wie von eh und je ihr Handarbeifszciig nicht vergessen. Aber sie stricken keine dicken wollenen Strümpfe mehr wie einst in der Kricgszcit für den Sohn im Felde, auch keine Knieschützer und Pulswärmer fiir die Kriegsfreiwilligen im Osten. Nein, die lange Häkelnadel klappert um färbenfreudige Wolle. Was gibt das? — Ja, das wird eine Wolliaekc für die Tochter oder Enkelin, die fern im Lande Israel in der Kwtizah arbeitet, ״das können sic dort gut brauchen, glauben Sic mir das! Wenn die Regenzeit kommt wie jetzt ballt“ -- und sie schütteln die lange Nadel und schieben die Maschen zusaniinen. Aber auch die alten Herren sind nicht müßig: wenn sic ihre Zeitung gelesen haben, dann ziehen sie wohl einen Brief aus der Tasche, dessen Uehcrsecpapier mit vielen Knittern und Falten schon verrät, wie oft zitternde Hände ihn gelesen und wieder weggosfeckt haben. ״Da schreibt mir mein Sohn aus Ein Cliarod..." Und du kannst dich nicht wehren — willst cs auch wohl nicht , er liest den Brief noch einmal -- zum wievielten Mate, das kannst du nicht beurteilen dir vor. Von sauren Wochen hörst du und von fröhlichen Festen: kann sein, daß die Werkt,■igswuclien und ihre Beschwer im Bericht an die Litern sich ein wenig milder nusnehmen als in der Wirklichkeit — aber die Luft uni dich herum weht fiir ein paar Augenblicke anders, die blasse Herbstsonne wird heißer, und die ferne Landschaft taucht vor dir aut, die du nie sahst und die du doch besser zu keimen meinst als manche, die dir von Jugend auf vertraut war. Aber dann triffst du auch ab und zu einmal Jugend aut diesen Bänken am Wasser unter den Weiden, die iiirc Zweige lang lierimtcrliängcn lassen und mit grünen Schleien! die Ferne verhülle״. Früher hätten sie wollt hier geträumt mul geflirtet auf den Tiergarten-Bänken, die, wie man dam.11$ sagte und sogar schrieb, ״eine Zuflucht für Liebende“ waren. Jetzt aber haben sie alle dicke Bücher vor sich auf• geschlagen. Auf meiner Ek*blmg5b:mk am Wasser sitzt ein pmger Mann mit einer großen Mappe — er ist vielleicht gar nicht mehr so jung, wie das scliwarzweiße Bändchen in seinem Knopfloch verrat nimmt ein Buch heraus, versenkt sich in mathematische Formeln. Und am anderen Ende der Bank sitzt eine junge Frau auch sie ist vielleicht nicht mehr so jung wie sie ausschaut uml hat ein Buch vor sich, das ich unschwer als eine hebräische Grammatik er• kenne, ist's nicht der viclbclicbtc, jetzt zu unrecht etwa* verachtete Rath, ans dem wir lernten, so sind's doch P a r a d i gm c n in (.11,1 י d r a t s c 11 r i f t und die Leserin liest es nicht wie einen Roman, sondern sie bewegt die Lippen wie einst ihre Ahntrau II,imiah im Tempel zu Scliiloli, ,,ahrr ilire Worte werden nicht lautbar". .. Nur daß sie «Heilbar nicht betet - zum mindesten nicht 11m einen Solm bittet! , sondern Formen lernt, mit heißem Bemühen, denn manchmal schüttelt sic unwillig den Kopf, daß die Haare fliegen. - Dem Manne nebenan ergeht cs aber offenbar wie einst dem 1 lohenpricslcr Eli: er weiß nicht, was er aus der stnmm-rcdemlcn Nachbarin machen soll. — Endlich hat er es verstanden. Mit einem halb erlösten, halb verlegenen Aufatmen rückt er näher heran und stottert ein wenig: ,.Sclich,ih-Hagwcrcth lomedeth Iwrith?!“ Und dann beginnt ein eifriger Austausch von I w r i t h - E r f a h r 11 n g c n: Sie kann nicht viel,, er kann noch weniger: beide haben sic zehnmal zu lernen atigcfangen -- noch beim Blauwciß! — und zehnmal zu lernen wieder aufgehört, da die Berufsarbeit die Stunden schlang. Diesmal aber sind beide entschlossen, nicht wieder auf zuhören, bis sie die Schwierigkeiten gemeistert haben. Denn jeder von ihnen hat ״den besten Lehrer, den es in Berlin augenblicklich gibt".., ״Aber die Grammatik! aber die Binjanim!“ sagt der Mann. ״Das ist doch äußerst schwierig, sich solch einen N'iphal oder Hithpacl zu merken. Ich hafte mal eine Freundin, die hat sich selbst Eide ge« schworen: wenn ihr das Glück zuteil werden sollte, ihre Alijalt glücklich aus/ufuhren ... selbst dann würde sie nie im Leben eine andere als eine Kai-Form zu gebrauchen imstande sein. — Und manchmal kann man den Sinn der Formen bei der Uebersct/ung ins Deutsche beim besten Willen nicht einsehen: da geh kli der Kai-Freundin recht. Da ist zum Beispiel das Futurum im Niplial: ״Ich werde gehütet werden" wer soll das je einmal sagen?! — Höchstens eine Kuh kann in die Lage kommen, das von sich zu behaupten — finden Sie das nicht auch?!“ Sic ist anderer Meinung. Jom Kippur ist noch nicht lange vorbei; und ein seltsames Lied mit einer citischmcicliCliiden Melodie klingt ihr noch in den Ohren: ״Wir sind die Herde - Du!)ist unser Hüter,.,“ hieß es nicht so? ״Oder ... ein Volk“, sagt sie leise und halb verlegen. ״Wir werden behütet werden ... in alle Ewigkeit, sagt Israel zu seinem Hirten.“ * Vom Dikduk zum Drusch — von der Grammatik zur jüdischen Geschichtsmetaphysik - das ist heute nur ein Schritt. Und die Weiden am Ufer nicken dazu, als wären sie Urenkel jener Weiden in Babylon, an denen einst die Verbannten ihre Harfen aufgctiängt' hatten, ehe sie das Lied sangen ״Wenn ich Dein vergesse, Jerusalem...“ B a t h - A m J. Jüdische Kunst ln Deutschland. Das Vorurteil, daß Juden in künstlerischer Beziehung steril seien, ist heute sehr verbreitet. Dr, Max Os hör u suchte in einem Vortrag im Kulturbund über ״Anfänge jüdischer Kunst in Deutschland“ zu zeigen, daß die Juden, seitdem sie in Deutschland wobneu, künstlerisch schöpferisch waren. Die alte• sten Denkmäler jüdischer Kunst sind die bekannten rheinischen Synagogen in Worms, Speyer, Regcusluirg, an denen auf• fallend ist, daß sie im Stil der jeweils herrschenden Kunstrichltmg gebaut sind, so Worms in romanischem Stil, Re• gensburg in gotischer Manier. Einer der Gipfelpunkte jii• bischer Baukunst haben wir in der gotischen Altneuschul in Prag: das ihr gegenüberliegende jüdische Rathaus, das von dein Architekten Schlesinger erbaut worden ist, stellt ebenfalls eines der hervorragendsten Zeugnisse jüdischen Kunstsinns dar. Aus dem späteren Mittelalter sind uns vor allem Haiidscliriftcu-Illiistratimieu und Kultgeräte erhalten, die in ihrer Form durchaus im allgemeinen Stil der Zeit ge* halten sind. Je mehr sich die mittelalterlichen Gebundenheilen lösen, um so reichhaltiger wird die Beteiligung der Juden am allgemeinen Kunstlcben. Jüdische Malcrfamilien entstehen, z. B. Marquardt Treu, die Familie J'i n h a 9 oder Raffael Mcngs, die zum Teil bedeutende Künstler waren, aber fast restlos aus dem Judentum atisgeschicdcn sind. Audi das lö. Jahrhundert ist reich an jüdischen Talenteil, die allerdings ebenfalls den Assimilationshestrehungen unterlegen sind. Es ist liier nur zu erinnern an die im alte״ Berlin sehr bekannten Gebrüder 11 e n 5s c 11 el oder an Philipp V e i t, dessen Bedeutung in der Kunstgeschichte unuinstritten ist. Künstler wie Moriz Oppenheim, die bewallte Juden bleiben und aus der jüdischen Atmosphäre 11er,ms fiir Jmlett schaffen, sind nur selten anzutreffen. Das Fazit, das ans diesem Vortrag zu ziehen wäre, ist die•«, daß den Juden die kunstschöplerischcn Qualitäten aller« diugs nicht ahgeiien, daß aber mit der zunehmenden Verfeinerung der künstlerischen Leistung eine wachsende Entfernung vom jüdischen Mutterboden wahrnehmbar war. Diese Folgerung hat Dr, Oshorn leider nicht gezogen, sondern er glaubte vielmehr tcststellcn zu können, daß die Fntwiekliingsreihc, die cf in Wort und Bild vorgeführt hatte, nur der Auftakt sei für den Gipfelpunkt jü- Bischer Kunst in Deutschland: Max_ Lieber in an n. Man wird nicht bestreiten können, daß Licbcrmann ein jüdischer Künstler ist; aber es ist doch problematisch, inwieweit leine Kunst jüdisch ist. N. Simchath Thora-Feier der Bezirksgruppe Zentrum. Am Dienstag feierte die Bczirksgruppe Zentrum der B. Z. V. mit einem Bunten Abend Simchath Thora. Nach einer Anspräche von Adolf Locker sang Mascha Benjakonskl in ihrer feinen Art jiddische Lieder. Josef Glowinsky rezitierte unter schmunzelndem Beifall Scholcm Alejchem, Suse S wo ho da tanzte durchdacht und technisch diszipliniert jüdische Charakterstücke, Rita Hirschbcrg, musizierte prachtvoll Lieder von Engel. Kantor Bestirnt sang mit angenehmem Tenor hebräische und jiddische Weisen und Dr. Korodianski gab eine humorvolle Lektion in Iwrith. In die glänzende Stimmung des diclitgctülttcn Saales hinein sang ein Chor von Makkabini unter Leitung von Fredy Hirsch palästinensische Volkslieder. Nachmittags fand ein Kinderfest statt, das die Kleinen mit allerlei Uebermchungcn köstlich unterhielt Neue Vorstandsmitglieder der Gemeinde In der letzten Sitzung der Rcpräscntanten-Vcrsarnmlung der Berliner Jüdischen Gemeinde sind Amtsgerlchtsrat a. D, Dr. Kurt Tuchler und Dr. Salli Hirsch zu Mitgliedern des Gcmclndcvorstandcs gewählt worden. Diese Neuwahl war dadurch erforderlich geworden, daß zu Beginn des Sommers die Zahl der Gemeindevorsteher von II auf 12 erhöht worden Ist ״nd ein anderer Vorsteher, Dr. Aron Sandler, seinen Wohnsitz, nach Palästina verlegt hat. Die beiden neußewlihltcn Herren treten als zionistische Vertreter In den Vorstand ein. Kleinkunst-Abend des Kulturbundes. Am Ausgang von Simchath Thora veranstaltete der Kulturbund unter der Devise ״Ernste und heitere Eamilicnhilder“ einen Kleinkunst-Abend. Die eigenartige Situation der. deutschen Juden hätte eigentlieh auch auf dem Gebiete der Kleinkunst schon genügend Anregungen zu ernsten und heiteren Kabarett-Nummern bieten können, zumal man ja sonst glaubte, daß cs auf diesem Gebict nicht an indischen Talenten mangelt. Bisher aber ist die Ausbeute anscheinend sehr gering. Und so begnügt sich denn das Kulturbund-Publikum damit, daß man ihm Reminiszenzen an eine frühere, längst versunkene Zeit vorsetzt, Couplets, die vor 5 — oder waren es 50? — Jahren in Berliner Kabaretts gesungen wurden. Das Publikum amüsiert sich anscheinend ausgezeichnet bei den ihm liebgewordenen oder liebgcblicbcncn Stücken, und so wollen auch wir darüber mit Schweigen hiuwcggehen. Von einer ״neuen Zeit“ ist da freilich nichts zu spuren und iiichts zu merken. — Der Versuch einer jüdischen Familicnszenc von Willy Prager scheint uns mißglückt. Hervorzuheben sind aus dem Programm: der stilvolle Tanz ״Jüdisches Lied" von Ruth Anselm und der gleichfalls von Ruth Anselm gemeinsam mit Nelly tlirth vorgeführte Tanz ״Klatschweiber“. Einen besonderen und verdienten Erfolg holte sich die charmante Diseuse Eva Bochm. Im übrigen wirkten die bekannten Kabarettisten Willy Prager und Willi Rosen mit. Parodistische Tänze führte Else Jeanette Dublan vor. Bei manchen Nummern war es fast unbegreiflich, warum sie ins Programm aufgenommen worden waren. — 1. t ' ... 0' ׳*.' ' f ' , 1 v 1 י | $tmchath‘Tftora-Feier dm ginderheim Ahawah. . ' ifata: Srntmt/tU