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Jüdische Rundschau · 1934-10-05 · Heft 80 (5.10.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 80 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Annahm®*chhtl1 lür di# Di#mrt**-Au«i•!»• Mont•« IO Uhr, Klr <U• PrtNftt-Antgah® Mittwoch 13 Uhr (F«miU«nanr®lc*n b<« Donn®r»u* » Uhr) Schaffung ׳dnar ötr.'ntllcli - roc.h;llch fi6״lcl10rt«n Heimstatt« In Palästina. ״Basalar rrogramm׳ & ש * s r •foni 8161 D 9• 1• d ב"׳/ ךח ך! ח M י ו ן |l/; ס י! י ־ז ח ח 10) n ו,!" Wenn wir uns immer wieder die Frage vorlegen,! ,ic die deutschen Juden auf die gewaltige Veränderung ' jhrcr Lage in den letzten achtzehn Monaten innerlich j pgiert haben, dann denken wir dabei nicht ausschliell- I jjCh an ״jüdische“ Dinge, Denn wohl ist die Art und j fcisc, wie deutsche Juden das für viele zum ersten \ Male in ihren Gesichtskreis getretene Judentum auf- '■ üchincn und nun auch — nicht unter äußerlichem Zwang-, 1 «®!וחס mit bewußtem Willen — in sich bejahen, von; (ntschcidender Bedeutung, zugleich aber ist für jeden ] d&n ItäUcdt: 1 ] Die Paliistinn-Artikel des ״Angriff“ i fvpcrii!11« Ki1nvi111derun«׳.sl;1ml I Dir ..Temps“ über Palästina — Italien und die ' Heiligen Stätten * Vom iiitcrnationalen Musikfest in Venedig j Max Heinliardts Pläne — Palästinensische Witze 1 Neuregelung des jüdischen Sports | Einzelnen der Zusammenstoß mit solchem Schicksal auch I eine Prüfung der menschlichen und seelischen 1 Kräfte überhaupt. Manche Menschen können Ent- I tjusclumgeu, Aus-der-Bahn-gcworfai-sein, Not, nicht verwinden und versinken in Verzweiflung, manche auch werden dadurch innerlich völlig haltlos und neigen 7.u einer nihilistischen Verbitterung. Not kann aber auch ungeahnte, vorher nicht vorhanden gewesene Kräfte wecken und den Menschen, der mit einem Male Gelegen• kit hat, diese Kräfte in sich zu empfinden und zu ent- Wien, zu einem besonderen Gliicksempfinden erheben. '; Trotz allem, was verloren wurde, steht nun vor ihm ein fröBcrcs: die Freiheit zu einer neuen schöpferischen! Leistung, 1 Man kann wohl sagen, daß ein großer Teil des | deutschen Judentums dieses Glück einer früher nie ge- | Limiten menschlichen Kraftentlaltung empfunden hat. חזי stärksten zeigt sich das bei seiner J u g c n d. Mit j Ausnahme von ganz kleinen Splittergruppen, die wie ein j Kuriosum anmuten, stellt die ganze jüdische Jugend;;Deutschlands heute auf positiv-jüdischem Boden. Aber , kr junge Menschen noch mehr als für ältere spielt nicht *r das Gemeinschaftsgefühl und die Beschäftigung mit } jcistijrcn Gütern eine Rolle, sondern vor jedem Jugend-! Wien stellt die Frage der Gestaltung seines persönlichen Lebens, die Frage des Berufs, der künftigen Arbeit und; j *r Einordnung in die menschliche Gesellschaft. Für & heutige Jugend sind die Aussichten in dieser Hin- Sicht viel schlechtere als für die frühere Generation. ן Äbcr diese Jugend will leben. Und ihr Anschluß an 1 große jüdische Volksbewegung eröffnet ihr neue 1 Perspektiven mich für ihr persönliches Sein. Mit großer I küsclilossenlieit sucht sie einen neuen Weg, der aber ״1 ןdit ein individueller Ausweg für den Einzelnen ist, J sondern zugleich der Gesamtheit neue Ziele gibt, j der jüdischen Jungmannschaft muß ein neues •j *°'k von arbeitenden Menschen entstehen, die sich I »ch nicht vorwerfen lassen wollen, daß sie nur dank *r Arbeit anderer ihren Platz, in der Gesellschaft finden 1 wniicn, sondern die selbst arbeiten und verantwortlich I st|n wollen. Jüdische und menschliche Rej Generation fallen für diese Jugend zu 1'iner unteilbaren Einheit zusammen. ן Wer Gelegenheit hatte, die letzte Tagung des dcut- 1 p"Cn ״H e c 11 a 1 u 7“ zu besuchen, der konnte wohl den Lj ™^ick empfangen, daß die Jugend diesen Weg mit 1"׳ußtheit geht. Man braucht nicht auf die Reden *״ hören, an denen sich ohnedies meist nur die Führer; yiligen, aber man muß die Menschen, die von der r»eit hier Zusammenkommen, an sehen, um zu er- Jn״cn> daß hier ein neuer Typus des Juden heran- \ e-ac*'s*• Die Hcchaluz-Bcwcgung hat in Deutschland 1 |X £r°ßcn äußeren Umfang angenommen, in a׳jen § JClsCn des deutschen Judentums kennt man heute den . ruf 'U;;' Seine Mitglieder stehen zugleich in der Be- ) p ®Ausbildung und in der geistigen Vorbereitung au! r teil *!na־ ^enn durch diesen Prozeß indirekt eine 1 ]urt'C*Se »Liquidation“ des Bestandes des deutschen j; bf־In*Urns vor sich geht, so muß man es dankbar als 1 lim”fefs ghickliche Fügung anerkennen, daß diese I J'dati0n nicht in Panik und Verzweiflung ausartet, f ^r״ im Zeichen einer großen Idee, die die Menschen | Ut|d glücklich macht, eine Bahn für die Zukunft ebnet. Es ist, wie ein Redner auf der Hechaluz-Tagung mit Recht sagte, eine ״Liquidation durch Aufbau“. Und das deutsche Judentum, an dessen Wcitcrcxistenz und geistige Erstarkung wir glauben, wird aus dieser teilweisen Abwanderung seiner Jugend eine Befruchtung und Stärkung erfahren. Gewiß werden nicht alle diesen Weg gehen können, wahrscheinlich nur ein kleiner Teil, aber dieser Teil wird für viele richtunggebend sein, und wir wünschen, daß es nicht ein Abreißen bedeutet, sondern daß enge Beziehungen zwischen den Teilen hier und dort erhalten bleiben. Die Palästina-Idee hat nirgends ihre regenerierendc Kraft so mächtig erwiesen wie durch die Ent- Stellung des Hechaluz. Das Wort Chaluz ist heute in Niederlage Nashashibis Die am 2f1. September, zum erstenmal wieder seit acht Jahren, in Jerusalem ilurchgeführtcii Wahlen zur Stadtverordnetcnvcrsammlung haben mit der Niederlage des bisherigen Bürgermeisters Raghcb Bcy Nashaslilbi und der von ihm geführten arabischen Gruppe geendet Ragheb Bey wurde in seinem Wahlkreis von seinem Gegenkandidaten l)r. Hussein Fnkri e 1 Chaldi, geschlagen, der vor kurzem sein Amt im Regierungsdepartment für Gesundheitswesen niedergelegt hat, um am Wahlkampf tciliiclunen zu können. Auch das /weite für einen Mohammedaner reservierte Mandat,, das bei diesem Waldgang zur Vergehung kam, ist nicht an den Vertreter der Nashasldbi-Ciruppe, sondern an einen Anbänger der Husseini-Familic gefallen. Von der jüdischen Einheitsliste wurden die Kandidaten Samuel Ende, Hvam Solomon und Joseph Hachinasdnvili gewählt. Als Vertreter der Juden kommen noch hinzu der Vorsitzende des Waad leumi, Isnac Ben Z w i, Rechtsanwalt Daniel Auster und der Scphardc Abr. Elina lieh, die schon zu Beginn des Monats als gewählt erklärt worden• waren, da ihnen keine Gegenkandidaten gegeniibersfanden. Die jüdische Fraktion« im neuen Stadtrat wird also sechs Mann stark «sein. Der arabische Teil der Stadtvertreümg zählt gleichfalls sechs Mandate (vier Muslim und zwei Christen). Außerdem werden zwei weitere Mitglieder von der Regierung ernannt. Außer der siegreichen Einheitsliste waren noch drei weitere Listen aufgestcllt worden, ■und zwar von den Revisionisten, der Vereinigung ״I latoschaw" (Der Bürger) und einer scphardischcn Opnositionsgruppe. Keine dieser Gruppen konnte einen wahlcrfolg erringen. Der Wahltag ist in vollkommener Ruhe verlaufen. Der Sicherheitsdienst in den Straßen Jerusalems war am Wahltag und am folgenden Tage bis zu der spät abends erfolgten Feststellung des Wahlrcsnftats durch schwer bcwaffnete und mit Stahlhelmen ausgerüstete Polizeipatmuillen verstärkt, die indessen nirgends Anlaß zum Eingreifen fanden. Auf Grund des Wahlergebnisses ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß der an Stelle des früheren Bürgermeisters Ragheb Bcy N'ashashibi gewählte l>r. Hussein Fakri cl Chaldi nach dem Zusammentreten der neuen Stadtverordneten ver- Sammlung zum Bürgermeister von Jerusalem ernannt werden wird. Nach der Durchführung der Wahl in Icrusalem stellt von den Stadtratswahlen in Palästina nur noch die für Tihcrias aus, die auf Mittwoch, den .3, Oktober, festgesetzt ist. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, soll demnächst durch die Palästinaregierimg eine neue Instanz, zur Kontrolle aller Stadtverwaltungen Palästinas geschaffen werden. Ein E 11 g 1 ä n d c r ist für die Stelle eines Magistrats* direktors von Jerusalem in Aussicht genommen. Ihm soll nicht mir die IJcberpriifung der Gebarung der Jerusalcmer Gemeindeverwaltung, sondern auch die Aufsicht über die übrigen Stadtgemcinden des Landes übertragen werden. Der neue Magistratsdirektor wird »in Sekretariat der Palästinaregicrung amtieren. Jüdischer Bürgermeister gefordert Die ncugcwähltcn Jüdischen Mitglieder des S t a d t r a t s von Jerusalem haben Ihre konstituierende Fraktlonssitzung abgchalten, an der auch Vertreter der jüdischen Spitzenverbände Palästinas teilnahmcn. ln der Sitzung wurde beschlossen, die Forderung nach Ein Setzung eines Jüdlschcn Bürgermeisters für Jerusalem zu erheben. Bel diesem Beschluß ging die Fraktion von der Tatsache aus, daß die jüdischen Stimmen bei der letzten Wahl die Hälfte aller abgegebenen Stimmen ausmachten und daß die Partclvcrhältnissc bei den Arabern sich so gestaltet haben, daß viele von ihnen für die Ernennung eines Juden zum Bürgermeister cintrctcn würden. * lieber die Bedeutung der Wähl schreibt unser palästincnsischer h-Bcrichterstatter: Die jüdische Bevölkerung Jerusalems wurde vor «ln äußeres und ein Inneres Problem gestellt. Auf der äußeren Front sollten •Ich jüdische Wähler für eine der beiden Alternativen entscheiden: eine Unterstützung den allgemeinen Sprachschatz cingedrungen, wir finden es in deutschen Zeitungen und Palästina-Schilderungen, cs ist das Kennwort für «inen neuen Typus Jude. Das deutsche Judentum ist lange von den Entwicklungen, die im jüdischen Volk seit Jahrzehnten vor sich gingen, fast unberührt geblichen. Heute ist auch in ihm das Ringen um den Typ eines neuen Juden in vollem Gang. Es ist Sache des ganzen deutschen Judentums, die Arbeit des Hechaluz zu unterstützen. Niemand soll die materiellen und seelischen Schwierigkeiten dieses Weges unterschätzen. Er ist für viele ein gewaltiges Experiment. Das künftige Schicksal des Judentums hängt von seinem Gelingen ab. Gelingen kann cs aber nur, wenn es im Zeichen einer großen Idee steht. des bisherigen Bürgermeisters von Jerusalem, Ragheb Bcy Nashashibi, des Führers der arabischen Partei, die in Opposition zur nationalistischen I iusscini-Gruppc stellt, oder Hilfe für Dr. Chaldi, den arabischen unabhängigen Kandidaten, der sich im letzten Augenblick N’ashashibi entgegenstellte. Diese Frage kann nur im Lichte der Entwicklung der Munizipalvcrwaltung Jerusalems in den letzten Jahren bctrachtet werden. Als im Jahre 1927 die jetzige Munizipalverwaltung Jerus.tlcuts gewählt wurde, waren die Juden in Jerusalem eine Minderheit, die jedoch dank 41cm Kurialsystcn» die Möglich- keit halte, der einen der beiden arabischen Gruppen, ilen regierungstreuen Nashashibi oder den nationalistischen Husscini, zum Siege zu verhelfen. Da die Husseinigruppc als extrem-nationalistisch bekannt war, entschloß man sich zu Verhandlungen mit der Nashashibigrtippc. Diese Verbandlungen haben zu einem Abkommen geführt, demgemäß die jüdischen Wälder die Nashasldbigruppe unterstützen sollten, ־wofür der künftige Bürgermeister eine Reihe von Versprechen gegeben hat, die jüdischen Interessen in der Mtmi/ipalverwalhing weitgehend zu berücksichtigen. Fs wurden bestimmte Zusagen in Fragen des Anteils jüdischer Arbeiter an öffent* liehen Arbeiten der Stadt und in anderen wesentlichen Fragen gegeben. Keine einzige dieser Zusagen wurde erfüllt. Die jüdischen Interessen wurden unter der Nash*• sliihivcrwaltung systematisch beeinträchtigt, und am Ende blieb den jüdischen Vertretern nichts übrig, als von der Munizipalvcrwaltung zurückzutreten. Außer dem rein jüdischen "Intcrcssenstandpunkt nudStc die Nashashibivcrwaltimg auch vorn allgemeinen Standpunkt der Interessen der Stadt der schärfsten Kritik unterzogen werden. Unfähigkeit und Korruption waren die charakteristischen Merkmale dieser Verwaltung. Demgegenüber ist cs auch nicht klar, wie die Verwaltung ausschen wird, die durch die Wahl des Dr. Chaldi und Zurückdrängung der Nashashibigruppc entstehen wird. Dr. Chaldi ist im politischen Lehen eine neue Persönlichkeit und stand bis jetzt als Regierungsarzt außer dem Rahmen des politischen Lehens, da die palästinensische Verwaltung von ihren Beamten politische Abstinenz fordert. Im jüdischen Lager konnte man sich daher nicht entscheiden, den Ein(luß jüdischer Wälder in einer der Riehhingen offiziell ins Gewicht zu werfen, und die Entscheidung, welcher von beiden arabischen Kandidaten unterstützt werden soll, wurde den einzelnen Gruppen und Wäldern anheimgestellt. Die Wald des Dr. Chaldi scheint darauf hinzuweisen, daß diese Unterstützung dem unabhängigen Kandidaten gewährt wurde. Dr. Chaldi wurde auch von allen Gegnern der Nashashibigruppc im arabischen Lager unterstützt, darunter auch der Husseinigrtippe mit dem Multi von Jerusalem an der Spitze. Dies bedeutet keinesfalls, daß Dr. Chaldi ein Exponent der extrem-nationalistischen Gruppe ist, von der er nur unterstützt wurde, um Nashashibi zu stürzen. Die Entscheidung in der i n n e r j ii d i s c h e n Front sollte nach Meinung der überwiegenden Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem eine Prüfung in politischer Reife bedeuten. Es wurden die größten Anstrengungen gemacht, lim eine einheitliche jüdische Liste aufzustellen und dem Wahlkampf vorzubeugen. Man wollte vermeiden, daß die Entscheidung, wer die jüdischen Vertreter in der Munizipalität sein sollen, durch zufällige Kombinationen und Kompensationsabkommen mit arabischen Gruppen gefällt wird. Nach vielen Bemühungen ist es gelungen, zu einer Einigung zu gelangen und eine gemeinsame Liste aufzustellen, die fast alle jüdischen Parteien außer den Revisionisten umfaßte, nämlich die Agudas Jisroel, den Misrachi, die Allgemeinen Zionisten, die Arbeiterpartei, die Sefardim usw. Die Revisionisten nahmen an diesen Verhandlungen nicht teil und erklärten vom ersten Augenblick an, daß sie die Wahl boykottieren werden, da sie in der Teilnahme an den Munizipalwahlen seltsamerweise eine Unterstützung des Planes eines Gesetzgebenden Rates sahen. ׳ס uC 1u,!b

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