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Jüdische Rundschau · 1934-09-21 · Heft 76-77 (21.9.1934) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 76-77 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JÜDISCH; E RUNDSCHAU SCHULE NR., 76/77, 31. SEPTEMBER 1934־; 0^.y & »®י ך ין ב^ו־ r*! r;z5 mm Ti f! fi . nn m •ך־יו יי־ f | j; ף״י*״ץ .‘ | ץיי״׳י^ ך* יי ף*-יייי£ ן [ W« •—» V-#•' «441 f**äl li, ÄWI ^h»1L» D,<4 5° ־־n!H, (>ff ״ " >r sHxm na'h*ic1'm 11 1/׳'«• Aussprache jüdischer Lehrer über ihre Bejahungen, Erlebnisse und Anschau■ urigen bei dem Uebergang in die jüdische Schuk! fort (siehe Jüdische Rundschau" Nr. 65 vom 14. August ml), wobei auch einige Stimmen aus der Lehrerschaft zu Gehör kommen, mit denen wir uns in xvescntUchcn Punkten ihrer Auffassung von den Aufgaben der heutigen jüdischen Schule nicht identifizieren können. (Red.) ן־ ich»! : י »k1r׳fv. | H'rtrr't, 1 knWv״ ־■ L * יי 1 uMUm ו I, An?•״ ־ nßn W 14! blV. ן n g י ntmnäh»! 003, ׳yiuu 4׳ trflM j 11 **ritU 'י 141m Erstes Emleben in der neuen Schule Bekenntnisse .sind (Ins Vorrecht eines ganz juRendlidien 1!(״s, Die neuen »md Jüngeren Lehrer der jüdischen Schule; t|1.|,e״ jet/t in einer l.ntxvicklimg, die ihrem physiologischen sBer nicht mehr entspricht. Sie befinden sich tatsächlich in; s,fnl weltanschaulichen neuen Aufbau und Aushau ihres IflHiis. Darum ist es vielleicht wichtig, zu versuchen, ein :ückenntnis über eine solche Entwicklungszeit auszuspre- 1 (t|f1״ mit denen zu helfen, die, wie wir, diese Krisen erleben i ן״'״ 'denen, die uns leiten wollen, zu zeigen, wie cs etwa in l (5( ain-icht. ן ((!Here Zeit hat scheinbar; abgeschlossene Begriffe wieder 1 »:!)gelockert, so 11.111 jeder Einz.dne bereit sein muß, seine j [.Stellung zu revidieren. Je nach der Natur und dem Lebens-!;1,7 der ein/elncii Persönlichkeit wird der Uinxvamllungsprozeß!l(|rr (idcr mehr periplicr, krisenartig oder äußerlich kaum *ilirni'linihar verlaufen. Am leichtesten wird die Zeit der Umwandlung für diejt3i״e11 neuen jüdischen Lehrer sein, die sofort nach ihrer jishiWiing ihre Lehrtätigkeit in der jüdischen Schule he- -1111f(1 konnten. Schwerer ist der Uehorgang bei den Acljffi n. die, teilweise seelisch belastet durch den schmerzlichen Aiihrnch der bisherigen Berufsarbeit, in den jüdischen Schuljifiist ginge״. Für die letzteren kann auch noch die gesell-!tlialilii'he thnsehiebtung vom Lehrer höherer Lehranstalten 1;n11 Vobsscliullchrer eine Rolle spielen. Diese Schwierigkeit (,(;teilt für 1ms Jüngeren nicht. Die Umstellung im geistigen jincaii erfolgte hei uns hauptsächlich beim Ucbcrgniig von der Universität zur Schule überhaupt, während uns der Unter* schied in der geistigen Haltung;zwischen der höheren Scimle und der jüdischen Volksschule unwesentlich erscheint. Die Didcllmtg vom Fachlehrer?,tun allgemeinen Volksschullchrcr lut zwar Schwierigkeiten, doch sind diese nur methadi* scher Art. Zwei B c w e g g r ü 11 d e haben uns in die jüdische Schule fcfiihrt. lieber den einen aullcrlicheit braucht wenig gesagt «״erden. Ls war die Notwendigkeit, sich eine wirtschaftliche Existenz zu suchen, und zwar eine (;Aisten?., die möglidxst dm früher erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten entsprach. Der zweite Beweggrund xvar das (J c f ü h I der großen inneren Leere, Die alten Hernts/.ielc uml Berxifsidcale narrn uns genoumien. Die allen menschlichen Bczichungen *anleri /Hin grollen Teil vernichtet. Was blieb uns noch, um das Lehen wert zu machen? So wurde (kr Axisbau der!yilischeii Schule unser Schicksal. Der Anfang der neuen bilh,11111 xvar nicht leicht und ist auch noch nicht leicht. Ob- *41!!um uns gut und herzlich aufgenommen hat, gibt cs (iflrgi'iiliciten, wo man die Umgebung als fremd in An-!:Innungen und Lebcnsgcxvohnheiten empfindet. Doch diese Eindrücke werden bei weitem Überwegen durch die Ent- (Ifiiiing, eine neue geistige Heimat gefunden zu iiibfii. Wir beginnen uns wohl / 1 fühlen in der starken Atmosphäre der jüdischen Schule. Fs bedeutet für uns die tdiicks.illi.ifte Klick kehr in die Weit unserer Vorväter. Wir entdecken mit neu aufgeschlossenem Herzen die Werte Sc 5 Judentums. Wir jungen Lehrer erfahren dabei in dieser Zeit ein besonderes Ciliiek, das beinahe bedrückend ist. Wahrend viele jüdische Menschen um den Erfolg ihrer BerakirlH'it gebracht sind, und mutlos und entwurzelt neue; ü’ege und Ziele suchen, stehen wir vor neuen wertvollen I Aufgaben. ko ist der Umschwung in unseren Reihen nicht äußerlich jehliebeii. Wir stehen heute positiv zum Judentum!ad zur jüdischen Schule, wobei es gleichgültig ist, m weicher Form xvir cs tun. Wir fühlen dabei die Verpflichüng, an uns zu arbeiten, um in die neuen Aufgaben hinein-!wachsen, Jede Möglichkeit aktiver Mitarbeit am jüdischen xludxvcrk beglückt uns. Nicht nur das Maß des täglichen Dienstes füllt uns aus, sondern alles, xvas Gelegenheit gibt, T'sen und Arbeitskraft in Zusammenarbeit mit erfahrenen Wiegen einseizin zu können. Darum wünschen wir uns und te! anderen, die noch nicht so weit sind wie xvir, daß tuan einfugt in den alten Stamm der jüdischen Lehrer zu Mlbiingcndcr Arbeit. Atta. »acht dnrhtni«- •n« יו• »513 »(er St׳■ I, ״«יו• Hl. A״« hunS״׳• 1»ll. י״״• II, -AM- . ■יו! •ז Ui! ml.-Zi"■ 1(. Po*'; rlb s• * tflO 41. Lf־״ ioml1'״* ... 011. (!0 A־׳•״ mir. Xü; mer י>״י.1וו, wh«. i Fl. ,.«!׳> י׳י״י.!1 •יי«!ן Von West nach Ost? ln dem, was der Titel andcutct, liegt für mich die ™״erste, letzte Frage des Uebcrgangs von der öffentlichen Wsclun Schule an eine jüdische׳. Drüben waren xvir ganz ״,lisch, also ganz europäisch, ganz w e s 11 i c h ge- Wlüet. Mit Monier, Shakespeare, Corneille oder Goethe üitinttcltcn xvir den Schillern nicht nur die Bekanntschaft te! grollen Dichtem, sondern wir stellten sie hinein in tincii geschichtlich pexxordenen Kultumisammailring, der ״™tdinqlc Gültigkeif nicht nur für Deutschland, sondern , fast g;mr Europa hatte. Und wir selbst standen — lelicn! unlöslich in ihm. Wir fügten die verehrten Namen Hölderlin, Nietzsche und George hinzu, und eine Welt, Inscrc Welt, war abgegren/t. , xiexvjß, das Jüdische hafte immer in unser privates, fjr hündisches Leben hiueingeragt. Man nahm sich seiner an, ‘'m.iftigU׳ sich mit ihm, liebte manches. Doch cs blieb an der Jüp li cr i e. Vor Jahren schon empfanden xvir die Spanr״p' »'l'e c*wa zwischen Eichendorff und Bialik, F Meyer und Seholem Alcehem, zwischen deut- ״c.,c r M v s t i k und den I )ispuf ationen des Talmud bc- I, ^ie dies alles vereinen im eigene n, persönlichen Den- ״mul Erichen? Welche Atmosphäre mm in der jüdisch« 11 '.kl ,11J c schaffen aus solchen Ingredienzen? Abgesehen vom lull!0,1י Tatbestand erwachsen von seiten der Kinder ,! besondere Schwierigkeiten. Ein Teil von Ihnen hat sich t 'l״gftHllie|,c1• Unerbittlichkeit für den Zionismus entschieden. 1.1 1,״.gen, das Hirn und vor allem das Herz, sind Palästina ",ו, SCl|u׳r Sprache?.!!gewandt. Und auf der anderen Seite t(tJn״ lc unerbittlich ausschließlich auf Deutsches Ausgcrich* d "׳,lhr Ganzes — Leih und Seele — ist ergriffen vom Bilde Jur ,,f utsc''cn jungen Menschen. Da muß alles jüdische nicht ils fremdes, ja als störend Belastendes empfunden werden. 1lifV-t1 Scl,c״ uns Lehrer mit enttäuscht fragenden Augen i'elt cn a״| Hie wunden Herzens dem Ausschluß aus einer nicht ^c*Kc,h«hcrstcheuי die ihnen doch so vertraut war, die sie I (״״ס. sst^n Ixöuncn, weil sie nicht von ihren Eltern lassen J lr1״!lf' sie mit jenem nun ferner Gerückten seit ihren ,!} Tagen einhüllten. Ihnen ist meist auch ein gewisses indischer Tradition und Religiosität vermittelt worden. ■ ־ Es hatte VänUtV1־1״ s0 ku״t gemengten Schar stehen wir. Es hätte •1 11 *1.׳יי itü j,_lnn1 den ganzen Unterricht auf ein Niveau zu senken, daher mit alles den Jungen Wesentliche drückt. Also heißt cs, sich liiiicinwagcn ins Meer der Meinungen» ja des Glaubcus. Daher; Lasse alle in gleicher Weise zu Wort, zu ihrem Recht kommen. Ueherwiinle die anderen, daß sie dich nicht als (iegner betrachten, sondern selbst einem Mann, der anders denkt als das eigene kleine I lirn, ohne stillen oder lauten Vcirxvurf zu hören, in der ganzen Bedeutung dieses Wortes. 1 mmer noch sind xvir damit bei den V o r b c d i n g 11 n - gen. Nun kommt die eigentliche Arbeit. Und da möchte ich eindringlich beton cn: Wir wollen nicht von West nach Ost gehe״! Die Frage beißt bei weitem nicht nur; xvie machen wir uns tmd unsere nem׳ jüdische Schule jüdisch? Wir stehen vor dem nicht minder ernsten Problem; Wie bringen wir jü- (tischet! Kindern in Deutschland auch jetzt das reiche deutsche Kulturgut iimcrlkh nahe und setzen sie so in Verbindung mit der Welt ihrer Väler, mit dem Geistesleben unseres Erdteils? Man ist oft auf bestem Wege, das Kind mit dem Bade aus/uschutten. Die von den Bünden mul auch sonst ohne jede Notxyemligkeit betriebene Durchsetzung des Deutschen mit hebräischen Brocken verletzt jeden, der sicli ein Gefühl für die ikutschc Sprache bewahrt hat Wir sehen, wie unsere Schil-!er vielfach ostjüdische Literatur, — die auch wir mit innerster Anteilnahme gelesen haben — als schlechthin richtunggehend ansehen möchte». Gexviß, wie sollten wir nicht Jetzt mit btolz auf die sehen, die so heldenhaft gelitten haben! Unsere Well kann das aber nicht werden. Darum; In die jüdische Schule lassen wir jüdischen Lehrer unsere ganze Liebe zu einer Generation einströmen, die allen Schwierigkeiten zuin Trotz zu ihrem vollen Anteil am überlieferten Kulturgut kommen soll, —y. Aus der Sicht der Schulleitung Pie an dieser Stelle veröffentlichten Erfahrungen der neu in die jüdische Schule gekommenen Lehrer stimmen nachdenklich. Berge von Schwierigkeiten türmen sich vor diesen Kollegen auf, ernsthafte Schxvicrigkcitcn, die über* wunden werden sollen. Können sie überwunden werden? Diese Frage kann nicht durch ein einfaches Ja oder Nein beantwortet worden. Von den Umsl nden, unter (lenen sich die Umstellung vollzieht, und von den Persönlichkeiten, die sich um sic mühen, hängt der Erfolg ab. Für sehr wesentlich halte ich, daß diese Lehrer in eine Schule kommen, die schon ein ausgeprägtes iiidi* sc 11 es Gesicht hat, in der sic von einer jüdischen Atmosphäre umgehen sind. Die Umgebung, Schüler und Mitarheiter, wirken auf sie ein; Lehrplan und Tradition der Schule stellen ihre Forderungen. Die neuen Kollegen fühlen uml erkennen, wo die Lücken sind, die sic ausfüllcn müssen, xx enn sie das Leben ihrer Schiller versieben und mitlchcn, wenn sie —.darüber hinaus — als Gebende *und* Führende ihren Platz in diesem Kreise Mishillcn wollen. Sic erkennen das Ziel, dem sie /»streben müssen; und wenn sic es nur ernsthaft ins Auge fassen, so liegt darin schon die Gewähr dafür, daß sic die richtige Einstellung zu ihrer neuen Aufgabe haben. Wir alle — mich die, die längst in der jüdischen Arbeit stehen — .sind ja noch unterwegs, sind auf dem Weg zu dem gleichen Ziel. Wir helfen einander, ihm näher zu kommen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Dabei fallen natiirlieh den Einzelnen, ihrem Können entsprechend, untersclii cdlichc Aufgaben zu. Den neu zu uns Gekominenen darf nicht gleich zu Beginn ihrer Arbeit zuviel zugeinutet werden. Man stelle sic, wenn irgendmöglich, vor Aufgaben, die ihre Fähigkeiten und ihre Ausbildung zur Geltung kommen lassen, die ihnen die Befriedigung gewähren, gute Arbeit zu leisten, mul die nicht allzu große Anforderungen an ihr jüdisches Wissen stellen, (Freilich gibt es in der jüdischen Schule kein Gebiet, das ganz ohne Beziehung zu jüdischen Inhalten xviire, oder auf dem sich nicht gclegentücli Kollisionen mit jüdischer Weltanschauung ergeben kann• ten. i licr liegen eben Sclixxierigkcitcn, die allmählich überwunden xxcrdeu müssen.) Aber diese wichtigsten jüdisch bildenden Facher, Religionsunterricht und 11 c b r ä iscli, können und sollen den neuen Lehrkräften nicht übertragen werden, che sic durch jahrelange Arbeit fällig geworden sind und sich sicher genug fühlen, sic zu erteilen. Von ihren Spezialfächern her — es handelt sicli bet den neuen Lehrern oft um Studienräte und -rcfcrendarc — werden sic noch am leichtesten den Zugang zu ihrem jü- (tischen Aufgabengebiet finden. Ohne allzu große Schwierigkciteii wird der G c s c h i c 111 s I c h r c r sich in die jüdische Geschichte der von ihm gerade behandelten Epoche vertiefen, der Dcutse 11 Ichrer Stoffe aus dem jüdischen Kulturkreis zu Lektüre und Besprechung heran/icheri können. Und ähnlich kann in E r d k u 11 el c, Rechnen, R a u m 1 c h r e, ja sogar in der Naturkunde durch gelegentliche Behandlung von Stoffen, die dem jüdischen Intcrcsscnkrcis entstammen, das neue Aufgabengebiet erschlossen werden. Und noch eine andere Gelegenheit bietet sich dem neuen Lehrer, den Kontakt zu den Sondcraufgaben der jüdischen Schule zu finden und an ihrer Lösung mitzuarbeiten. Es sind die F es t e, (i c d c 11 k t a g c und Schulfeiern, die eine so große Rolle in unserem Sehnlichen spielen. Anregungen und Vorschläge zur Ausgestaltung einer solchen Feier werden wohl in der Hauptsache von den Kollegen ausgehen müssen, die mit ihrem Sinn und ihrer Bedeutung vertraut sind. Doch au der Durchführung des Planes können alle, auch die neuen Lehrer, soweit sic künstlerisch oder technisch bcgabt sind, erfolgreich mit arbeiten. Hier, wie in der gesamten Schularbeit, kommt cs auf gute Zusammenarbeit des Kollegiums wesentlich an. Ueber manche schwierige Situation kann der Rat eines erfahrenen Mitarbeiters hinweghclfen. Sehr wichtig ist es auch, den ״Neuen“ geeignete Lektüre zum Selbststuditim oder zur Benutzung im Unterricht zu empfehlen und wenn möglich zu leihen. Dies ist besonders bei der Vorbereitung für die Feiertage notwendig. Und schließlich kann der erfahrene jüdische Lehrer manche Anregung und Hilfe gewähren, wenn er dem Anfänger von Zeit zu Zeit gestattet, in einer charakteristischen Unterrichtsstunde zuzuhören. Selbstverständlich muß zu alt den Bemühungen, die der Bewältigung einzelner Aufgaben gelten, eine ernsthafte, systematische Fortbildung durch Lektüre und Kurse kommen, um dem neuen Lehrer die Wissenschaft- In drei Gruppen zerfallen die jüdischen Lehrer in Deutschland, wenn inan ihr Betätigungsfeld vor dem poli* ■tischen Umbruch sieht. Im Vordergrund steht der jüdisch« Lehrer der K I c i n g c m e i n d c, der als Lehrer der ein- Massige» Volksschule und gleichzeitig als Kulhisbeamter den jüdischen Mittelpunkt bildet. Von dem Maße seiner Aktivität!längt das geistige Lehen der Gemeinde ab. Daneben steht die j ü d i s c h e 1. e h r c r s c h a f t der O r o ß g e m e i n - den, die an jüdischen Schulen oder als Religi- 011 sieh rer an allgemeinen Schulen wirken. Oft sind diese jüdischen Schulen traditionsgebunden — was in der Zeit ihrer Entstehung xvie in der I;iitxvicklung des deutsch-jüdisehen Burgers seine LrMarmig findet. Die liier xvirkende Lehrerschaft — einerlei ob Volksschuilehrer oder Akademiker ein schließlich doch mir qiiaiititativer Unterschied, aber niemals qualitativer» wie es auch von jüdischer Seite manchmal anklingt — diese Lehrerschaft war weltanschaulich gcbtinden, lebte im Grunde weiter in einem unsichtbaren Ghetto, das in der Enge auch die Sicherheit der Wellsdiau gewahrte. Ebenso gefestigt in seiner Welt — aber in ein«! pädagogisch höchst problematischen Situation versuchte der R e I i g i o n s - Ichrer am Ramie des Sehullebcns zu xvirken. Beide Gruppen waren in ihrer Arbeit so verankert, daß für sie de!' jüdische Wert — je nach der Entscheidung, die sie getroffeU — feststand. Für die dritte Gruppe aber, diejenigen, die in den letzten Jahrzehnten in den Großstädten in steigender Zahl im Sch uldienst an allgemeinen, öffentlichen Schulen standen, war zumeist das Verhältnis zur» Judentum ein ganz anderes, Sehen xvir ab von den xvenigen — meist Naturwissen* Schaft und Mathematik unterrichtenden orthodoxen Kollegen, die in sich Unterrichtsarbeit und Privatleben trennten, selten wir auch ab von einzelnen zionistisch eingestellten, deren Sehnsucht im Stillen doch immer die jüdische Schule sein mußte, so scheint mir die* Mehrzahl der jüdischen Lehrer an deutschen Schulen das Wertvollste der Assimilationsepoche zu sein, Sic wußten xvohl, daß sie Juden xvaren — fühlten sich aber durch und durch als deutsche Menschen. Ja, ihre tiefe Liebe zum Deutschen ließ sic vorzugsweise Deutsch und Geschichte studieren. Ebenso weit von einem religiös gebundenen wie das Bhitinäßigc betonenden Judentum entfernt, lebten sic im deutschen Geist, tn der seelischen Aufgcschlosscnhcit, in dem sozialen Gefühl zeigte sich ihre jüdische Seele. Aus jüdischer Seele? hör ich staunend fragen, Als sei es Hochmut, der dies Wort sich wähle. Und ist nur eines wunden Flerzens Klagen, Ein Schrei um Recht aus einer Menschenseele. (Jakob Loewenberg) So fragten auch sie. Die meisten fühlten sich an freien, schulrcformcrischcn Schulen wohtcr als an autoritätsbetonten. Deshalb bleiben Schwierigkeiten, wie sie der Aufsatz: ״Produktive Schwierigkeiten“ (״J.R.“ Nr. 65) crxvähnt, nach dieser Richtung wohl eine Au>11abmc. — Wenige deutsche Juden hat darum 1<H3 so getroffen, wie diese Menschen — deren Assimilation tatsächlich einen Schritt weitergegangen als die der meisten im Berufsleben stehenden Juden. Manche — unter ihnen sehr wertvolle Menschen — machte erst das Bcriifsheamfcngcsrtz zu ihres Judentums xvirklich bewußter! Menschen. Uml nun standen sie vor der Aufgabe, neu an zu* langen — den Versuch zu machen, neue Wurzeln zu schlagen in einem Boden, den sic nie betreten hatten- Da?« kamen die quälenden Sorgen der Existenz, der Verlust einer Lobcnssichcrhcit, die den tüchtigen Beamten uni gerade den tüchtigen Lehrern die innere Freiheit des Wirkens gab — und schließlich die Fidle von Sdixvierigkciten, die der Aufsatz von — c—dt (J. R. Nr. 65) so anschaulich als produktive Schwierigkeiten schildert. Sicherlich ist es kein Zufall, daß bei den sich täglich neu türmenden Hemmnissen, bei der Not, de» nächsten Schritt zu tun, die Frage, wohin der Weg gehen soll, nicht gestellt xxird. Ist nicht dem Verirrten, dem vom Weg Gedrängten jeder Weg recht, der aus dem Dickicht in die Freie führt? So sind xvir noch im Vorfeld, wenn wir die Schwierig- Reiten des Einzelnen schon, wenn die Hemmungen im mangclnden Lehrmaterial betrachtet werden. Wollen xvir uns aber über die Unterrichtsbcilürfnisse des Augenblicks hinaus bilden, so müssen wir uns klar werden» wo w׳ i r als Juden stehen. Kann aus dem jüdischen Erleben heraus eine neue Schule Richtung und Ziel bekommen? Auch xvctm wir wissen, daß die moderne europäische Schule der Nachkriegszeit sich oft in einem relativierenden Skeptizismus zerlief, gerade — weil xvir das wissen — müssen wir weiter. Können wir aber heute für die jüdische Schule ein einheitliches Bit-, dungsziel anfstellen? Haben wir das Recht» aus der Erregung des Augenblicks unsere Stellung zur deutschen K11I-' tur, die für große Teile der abendländischen Juden den Weg ins Freie bahnte, fcstztilcgen? Können xvir den Mut haben, unsere Kinder allein auf 1' a I ä s t i n a hin zu erziehen — gibt cs überhaupt eine Erziehung ohne tägliche Leibhaftigkeit. Können xvir aus einem Boden, dessen Landschaft dem Kinde fremd, nur xvenigen unter uns vertraut ist, formende Kräfte ziehen? Müssen wir unsere Kinder nicht zu wirklichkeitsnahen, realharten Menschen formen, von denen keiner von uns weiß, wohin sie das Leben stellt. Damit soll nichts gesagt sein gegen die Einbeziehung Palästinas und des Ne 11 hebräischen in die Arbeit der Schule — aber xvir sollten uns klar sein, daß dieser Unterricht im letzten intcllcktnalistisch — und damit fragwürdig bleibt. Formende Wirklichkeit, wachsend in jedem Augenblick, sich erneuernd in jeder Stunde, ist auch für uns noch heute die Sprache, in der wir denken, fühlen, träumen — bleibt für die überwiegende Mehrzahl der deutschen Juden; das Deutsche, Warum also die Antithese: von der deutschen in die jüdische Schule? Hat uns auch 103i noch nicht in die Wirklichkeit gestellt, daß xvir xvictler im luftleeren Raum bauen? Kann es Wirklichkcitserziehung geben, wenn — wie ein tief zu denken gebender Lapsus linguae einem Lchnitzer Redner entschlüpfte — wir nicht vergessen dürfen, daß wir Palästinakunde treibend ״nicht nur hier, sondern auch in Deutschland1‘ sind. Darf erzieherische Haltung so gerichtet sein? Die zweite Wirklichkeit ist die Gestaltung jüdischen Lebens. Wie weit cs gegenwärtige jüdische Kulturwerte schon gibt, ist problematisch. Ansätze zeigen sich überall,. wie alle Anfänge tief verhaftet den Lehrmeistern. Ist die Ha-•: bimah ohne das moderne russische Theater zu denken? Steht nicht die palästinensische Agrarentxvicklung in der Technisicriing des 20, Jahrhunderts? Sind nicht Palästinas soziale Probleme die der abendländischen Menschheit? Atlcs wertvolle Anfänge, die — weil sic von jüdischen Menschen gestaltet sind — zu jüdischen Werten werden können, wofern sie jiidischer Geist formt. Hüten wir uns aber, in den allgemeinen Zivilisationserscheinungen, die auch im jüdischen Aufbauwerk •tr. »*; dem , ganzen .״״...״ . 81*n beiderseits doch nichts ernst lummt und sich liehe und sprachliche Grundlage (Hebräisch!) für die jüdische; sichtbar werden, spezifisch Jüdisches zu sehen. Sonst er- Arbeit zu geben, S. J. A, ‘ leichtern wir tuu den ,Weg zum Judentum und verlieren in

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