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Jüdische Rundschau · 1934-09-21 · Heft 76-77 (21.9.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 76-77 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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SEPTEMBER 1934 p«r Zlonl*mu* oratrebt iflr das Jddische Volk dl« Schaffung olnor Öffentlich - rochtllch gesicherten HelmstStte In Palästina. ״Baseler Programm*•) .——MBwmernmm.יי■—זח.,. . ■■ .....- - . _ - — -___ I An1*lff«ntarlf 1 Die 12 (*•palten• l\M 0,20, für 84f!l#nte«uche RM Ö.lü, Itlr Famlli*m)adhrfcht»r1 RM 0,15. £1וי׳ן01ןוןי1»זוי» nur grern Voratttfehiung am Schalter od*r •t!| Poatacheck-Konto Berlin 71618 Montag bi« Donneriieg ^*18״־־ \Jb1% FmUat <>—16 U״hf. AnnaHitieathluft für die Diem)ef>Au«gabe Montag 10 Uhr, War *dl• Freitag-Aufgabe Mittwoch 13 Uhr (J'amllJ0nemel|*n bl» Donntrata! 10 Uhr) Der Monat der jiidiselicn Feste, der am Beginn des finlcrlwllijahres steht und im alten Palästina den Auflikt /u der nun beginnenden Zeit intensiver ländlicher jrt)cit bildete, besitzt einen eigentümlichen inneren j),ytbmus. Am Beginn des Monats stehen die Tage (;er inneren Einkehr, der Hinwendung des Menstlien 711 sich selbst und zu den in ihm liegenden Kräften jes Gewissens und des Geistes; das Ende des Monats kfingt dann das große Fest des irdischen Le- (jens und der Arbeit, Suk koth, das im echten Sinne des Wortes ein Fest der Ernte ist, an dem man für die Früchte, die das vergangene Jahr gebracht hat, dankt and zugleich den Segen für die nun beginnende neue Arbeit lierbciwiinscht. So sind diese Tage ein Zeichen der tiefen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit dem Boden und allem natürlichen Leben, durch die Jahrtausende bewahrt als ein einzigartiges Denkmal des Volksgeistes, der selbst unter äußeren Umständen, die ein Dasein lern von der Natur verlangten, im Bewußtsein und in den geübten Bräuchen die alte Basis des ursprünglichen Lebens nicht verleugnet. Diese Tage sind aber nicht nur nn Fest der Freude und des Stol/cs über den durch die eigene Arbeit erzielten Erfolg, sondern sic erinnern rugtcich diiicli die Sitte des Wohnens in Hütten daran, daß in der Geschichte des Volkes Perioden notwendig waren, die eine Zeit der Vorbereitung darstclltcn, in der mm ein Leben der Einfachheit und der Entbehrung auf dein Wege in das Gelobte Land führen mußte. Wenn sich der das Erntefest feiernde Jude in dieser Zeit in eine primitive Hütte zurückzog, so bekundete er damit seine Bereitschaft, auch jetzt ein Leben der Ein* iichhcit wieder nufz.unchmcn, Bas heutige Palästina mit dem raschen Tempo des Aufbaus, das in den letzten Jahren eingesetzt W, befindet sich in einer Situation, die in vieler Hin■ Klit gebietet, an den Sinn dieses alten Volksbrauches »erinnern. Der Aufschwung des Lebens im Lande hat » manche Bequemlichkeit ermöglicht, die noch vor wenigen Jahren in weiter Ferne zu liegen schien, und Idie Physiognomie des jüdischen Lebens hat 1 dadurch Züge angenommen, die viel stärker an das kben der Juden in den Ländern Europas erinnern als j!l«׳a an die Lebensformen, die die Pioniere des Aufpaus bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit besessen haben 1ז״ין zum Teil auch heute noch wahren. Nun soll gewiß ,nichts dagegen gesagt werden, daß mit dem Aufschwung te jüdischen Werkes in Palästina auch die Formen des kbens sich wandeln und der zivilisatorische Fortschritt iiCh im Dasein jedes Einzelnen auswirkt. Es ist aber ein Irrtum, wollte man den gegenwärtigen Status des Aufbaus bereits als einen so hoch geschraubten anschen, daß man von dem Geiste des Pionierturm sich weit entfernt dünkt. in unserer heutigen Nummer veröffentlichter Bericht “"jercs Tcl-Awiwer Korrespondenten zeigt deutlich,!!k ^;,hrcn sich aus einer solchen Einstellung erjpn könnten. Auch jetzt noch ist Palästina erst am nfang seiner Entwicklung, die von jedem den vollen lns:lt׳ seiner menschlichen Kräfte fordert und die Bc- ’51'schaft, in Zeiten der äußeren Schwierigkeiten, die j׳n Aufbauwerk in der Zukunft gewiß nicht erspart ״1'1״cn werde«, ״״eh Opfer auf sich zu nehmen. Es 3fe eine gefährliche Entwicklung, wenn die Physiosn°mie des Landes völlig von denen bestimmt würde, J er5t verhältnismäßig kurze Zeit in ihm wohnen und dem Glauben hingekommen sind, die in Europa Jom r0c*'c,K’ Existenz mehr oder weniger unverändert, dsetzen zu können. Gewiß erlebt das Land heute in r Zeit der Prosperity eine Art von ״Ernte“, und man- U '״ diesen Tagen des relativ erleichterten bcfC|״S n!c^ daran, daß die Ergebnisse, an denen er I Zeh 1 'st’ durch die Hingabe von Tausenden und I Krafl*aU1SCndc״ crre<cht worden sind, die mit der ganzen «ס!"! rcr ^crson sich für den Aufbau des Landes i* schw *tcn u״d auch heute noch vielfach unter den l!r jX^V} Bedingungen in Positionen ausharren, die Lui, Jüdische Gesamtheit im Lande von großer Be- ח. "!•ק£ sind. Sie haben einst das Bild des jüdischen, 1n* entscheidend bestimmt Es ist heute die Auf- Cu1 »■ A gäbe all der vielen, die inzwischen ins Land gekommen sind und dauernd neu cinwandern, durch ihre eigene Haltung dazu beizutragen, daß der Geist des Pioniertums, der Chaluziuth im Lande nicht ausstirbt, und daß das Bild des von uns geschaffenen jüdischen Lebens durch ihn entscheidend geprägt bleibt. Die Tage des Hüttenfestes mit ihren Worten des Dankes für die Ernte und zugleich der Erinnerung an die Zeit der Vorbereitung, die große Opfer vom Volke forderte, sihd der rechte Augenblick, um diese aktuelle Frage des zionistischen Aufbaus erneut zu durchdenken. Das jüdische Volk als ganzes mit seiner Mehrheit, die in den Ländern der Galuth lebt, ist ein Volk ohne Boden. Die geschichtliche Entwicklung hat diesen Zustand herbeigeführt. Nicht nur im alten Palästina, auch in vielen Ländern der Diaspora waren die Juden ur* sprünglich mit Landbau und einem Leben auf der Die Zahl der Juden in Preußen Rückgang um 10,5 Prozent Auf der Internationalen Büro-Ausstellung ו n Berlin (0.—16. Sept.) führte das Statistische Reichs amt die technische Durchführung und Auswertung der Volkszählung vom 16. Juni 1933 vor. Als Beispiel war die Tabelle ״Die Religionszugehörigkeit der Bevölkerung׳‘ für das Land Preußen ausgestellt. Aus dieser Tabelle haben wir die folgenden Zahlen über die jüdische Bevölkerung entnommen und sie ׳denen vom 16. Juni 1925 (Statist. Jahrb, 1933 Seite IS) gcgcnübergcstcllt: ' Z*M der Juden 10. O. 1009 10.0.1090 Abiuhm• 1■ PreiMi Ostpreußen 8 838 tl 337 22 Brandenburg . 7 616 8 442 9,8 Berlin 160 564 172672 7 Pommern 6317 7 761 18,6 Grenz mark P.-Wpr. 2 775 3 437 19,2 Nicdcrschlcsicn 25 115 29953 16 Obcrschlcsicn 9 228 10069 8,4 Sachsen 7 146 8 341 14,3 Schleswig-Holstein 3 117 4 152 25 Hannover 12 611 14 895 15,3 Westfalen 18 819 21595 12,8 Hessen-Nassau 46 923 53 234 11,9 Rheinprovinz 52 426 58 223 10 Hohcn/.ollcrn 301 335 10,1 Preußen insgesamt 361 820 401 446 10,5 Wie inan sieht, ist die prozentuale Abnahme In den ein• zclnen Provinzen verschieden gewesen; die verhältnismäßig geringe Abnahme in Berlin erklärt sich aus der Zuwanderung aus anderen Landcstcilcn, durch die der Abgang zum Teil ausgeglichen wurde. Die Zahl der Juden in ganz Preußen hat um 42 620, also um 10,5 0״ abgenotnmen; in der Provinz (Preußen ohne Berlin) beträgt die Abnahme 30 512 «״ 13,2 =־/o. Für das übrige Reich liegen die Zahlen noch nicht vor. 1925 hat die Gesamtzahl der Juden in Deutschland 561 379 betragen; in den nichtpreußischen. Ländern lebten damals also 159 933 Juden. Wenn man annimmt, daß diese Zahl in demselben Verhältnis abgenommen hat, •wie in Preußen ohne Berlin, also um 13,2 ",0 *=> 21 111 Personen, so ergibt sich für das ganze Reich, daß die jüdische Bcvölke. rung in den acht Jahren von Juni 1925 bis ,Juni 1933 um etwa 63 700 Seelen auf 500 700 durch Sterbeüberschuß und Auswanderung zurückgegaiigcn ist. In den seit der Volkszählung vergangenen 15 Monaten dürfte sich diese Entwicklung weiter fortgesetzt haben. 3—ך Scholle verbunden. Es waren im wesentlichen die Maß-, nahmen der Umwelt, die seit dem frühen Mittelalter dazu geführt haben, daß die Juden vom Lande und aus der Landwirtschaft verdrängt und allmählich Vorläufig kein Numerus clausus für Acrztc in Palästina Jerusalem, 17. September, (JTA.) Es Ist unwahrscheinlieh, daß die! Absicht der Palästina-Regierung, die *Zahl der Lizenzen für die Ausübung der ärztlichen Praxis zu beschränken, gesetzlichen Ausdruck finden wird. 1111 August haben 200 Personen Gesuche um Zulassung zur ärztlichen Praxis ein* gebracht und in einer Woche allein wurden 106 Lizenzen ausgegeben. Diese Zunahme d c f Etablierungen ist auf die Meldungen zurückz.ufüliren, daß die Regierung bcabsichtige, vom 1. September an Einschränkungen in Kraft zu setzen, in der Zwischenzeit hat sich jedoch die Regierung entschlossen, ihren ursprünglichen •Plan ,nicht auszuführen. Es wird aber damit gerechnet, daß das Quoten-System für. Acrzt e zu einem späteren Zeitpun kt ein«, geführt werden wird. . Jewlsh Agency und Alnndntarmaeht Die Gesichter Israels (von Herbert Frirdcnthal) Die Struktur des •TUchuw Fllmrcklnmc jüdischer Firmen Musik auf dem Oelberg Sukkoili - Beilage! Da■ Fest der Hütten (von Dr. Erich ItonenbÜHh) — Voikshriiiichc zu Sukkoth — Da■ Be* kenntnla (von Manfred Sturmunn) — Sukkoth-Erlcbnlsse — Erinnerungen eines Berliner Juden (von Arthur Elocsser) — Hebräisch im Alltagsleben Pa• ISatinas (mit Bildern) — Wanderungen In Polen Kiiidcr-Riimlachnu / Die־ jüdische Schule / Palästina- Wirtschaft / Sport-Rundschau / Berliner Rundschau/ 1 Iebriii sch er Fernu 11 terr 1 ch t zu einem Volke von Städtern und Handeltreibenden ge* macht wurden. Nicht mit unserem Willen ist diese Entwicklung vor sich gegangen, und die besten Geister des Judentums haben in allen Zeiten der tiefen Schnsucht der Juden noch Verbindung mit Böden und Natur Ausdruck gegeben, die zugleich eine Sehnsucht nach Zion, dem verlorenen Heimatlande war.!Wenn cs heute vielfach in der Welt den Juden zum Vorwurf gemacht wird, daß sie ein Volk von ״Mitt* lern“ im wirtschaftlichen und im geistigen Sinne seien, ja daß sie als ״Parasiten" im Volkskörper anderer Nationen leben und sich gleichsam von den Früchten miternähren, die jene geerntet haben, so können wir entgegnen, daß es nicht unsere Schuld und unser ,Wiilc gewesen ist, der dazu geführt hat, daß die Entfernung der Juden von der ursprünglichen Produktion eintrat, sondern der Wille der Völker Europas. Die Chance, die die Völker der Welt der Judcnheit gegeben haben, den Weg nach Palästina und damit zu einem normalen Volksleben zuriiekzufinden, stellt so unter weitgeschichtlichen Perspektiven einen Akt der Wiederg u t m a c 11 u n g dar. Heute mühen sich die besten Kräfte des jüdischen Volkes darum, den Weg zu einem natür* liehen Leben wieder zu bahnen, die landwirtschaftliche und gewerbliche Produktion zu ausschlaggebenden Arbeitsgebieten der Juden zu machen und in Palästina ein normal geschichtetes Volksleben aufzubaucn. Die Erkenntnis, daß die Verbindung mit dem Boden und die Arbeit auf ihm Fundamente des Aufbaus sein müssen, war von den ersten Tagen ihres Bestehens in der zionistischcn Bewegung wach und kam in der Tätigkeit ihrer zionistischen Fonds zum Ausdruck. Damit gewann die alte Sehnsucht des jüdischen Volkes reale Gestalt. Wenn die Völker um uns in dieser Jahreszeit gleichfalls das Fest ihrer Ernte feiern, so können wir darauf hinweisen, daß der Kern der jüdisehen Jugend auf den Feldern Palästinas nicht nur ein imaginäres Danktest begehen kann, wie cs bei früheren jüdischen Generationen der Fall war, sondern daß dort auf dem Boden, den diese Menschen selbst gepflügt und bearbeitet haben, die Sukkoth-Tagc ihren vollen Sinn zurückerlangt haben. Auch das •Judentum der Galuth und nicht zuletzt die Juden der westlichen Länder können so wieder viel stärker die Bedeutung des Festes empfinden, da es für jeden von ihnen möglich ist, daß er oder seine Kinder in Zukunft unter denen sein werden, die ein volles Fest der Ernte in Erez. Israel begehen. So strahlt' eine Kraft des Lebens von Palästina zu uns hinüber und stellt das Fest und seine Gebräuche in Beziehung zu all dem, was wir .als Juden in unserer Zeit erleben, und. tun.. . K. L.;

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