Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-09-18 · Heft 75 (18.9.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 75 (18.9.1934)
Date
1934-09-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653522--25768-2682926
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-1 ׳C f לי, Jf< 39 75 / Jahrgang , x;־״־r-, r r1~־ r~1 r P—, י* ״ ׳« ff****^ i 1 11 I \ 11; ■ ,*׳*׳''• ״״•■**" '**• 1*».»ו 1*1■״"•«"»»,״״* •■■w * B«u» wu, m«1b»i«,m10.־ 1 ( •ז^־1זי1ז״ו*5י)^,״ז! Bl.m»rck 3181/82,7165/70,7240/41 - Bt1u|aprei* pro Monat ' ״Ul-.-,סס«•«*! KM5,75.-Powadwdt.KontB» dar Abonn.mama-Ah.atlun״ ■udla7• 5׳**>> גד Gros• Barlin), Berlin 17392 (liir daa tthriga Reich). Aualanda• (.*««(״ Landeaarührun*. - Kr.ch»lol jaad.B DI....U, •14 Fr«lt«g. c .1 a. , Frei• KM-.25 ץייי'^ / [\ tuu«. ״ 3'׳ Sh»■■ CaataaatJ^ C-« 1113" ״i ט׳ ח<טרי חרצ״ה DIENSTAG, 18. SEPTEMBER 1934 »1 Zlonl»mt|a erstrebt tflr da» JOdltche Volk die Schaffung einer öffentlichrechtlich gealcherfen Helmetitte In Palästina. ״Baseler Programm" ABiftSfBntarlf t Dia 12!*״pellen• RM 0,20» Iflr Bf#U«n1P»wrh• RM 0,10, lüf P«millatm«k Hrichtan RM 045• E.in*«Um*ij»n nur g*!«0 Vmauetehlun! am Schalter edler •ul Pnetach *<k• Konto Berlin 7161$ Monte! bU Donnern■! 9—1B Ubr, Freitag 9—16 Uhr. AfimhnaecKluI Hir die Di#«*»?«g-Au*fah• Montag 10 Uhr, Htr dU« Frtlta! Au«!ab« Mittwoch 1} Uhr CFamÜlanaiuaigatt bi« Doniiaratag 10 Uhr) k i | I ln dieser Zeit — und im Grunde bereits seit Jahren und Jahi/elmtcii — konzentriert sich das öffentliche lnlfrcssc der Weit auf Aeulicres, Wir leben in einer Periode, in der der Kampf ums Dasein des Einzelnen und der großen Gemeinschaften, der Nationen und Staatcn, ein Tempo und Ausmaß angenommen hat, wie cs früheren (ienerationen unmöglich erschienen wäre; so;;j cs nicht erstaunlich, daß diese Vorgänge, die mit Plan Aeulieren, dem Grollen wie dein Banalen der Ifilisdikeit behaftet sind, die gespannte Aufmerksamkeit ciics jeden von uns erfordern. Erst in den letzten Tagen sind Ereignisse eingetreten, die eine Illustration dieses 511/cs bedeuten: die Vorgänge im Völkerbund, der Vorstoß Polens in der Minoritätcnfragc, der bevor- ■׳Chemie Eintritt Rußlands in die Liga — all dies lind Teilcrsclieiniingcii des großen Machtkampfes, «r im europäischen Raum heute geführt wird. Auch die Blicke des jüdische n Volkes und nicht mletzt der deutschen Juden sind in dieser Zeit nthr denn je nach außen gerichtet. Nach einer gewissen ftriode der Ruhe und der stetigen Entwicklung, die das autsche Judentum diirclunaelicn konnte, stellt es heute Wiler mitten im Existenzkampf, und all seine Kräfte!ad oufs stärkste angespannt, um sowohl in der geisfi-;«1 Auseinandersetzung mit der ihm höchst kritisch ,egenüberstehenden Umwelt zu bestehen, wie auch um eine auf vielen Gebieten neue rechtliche Position zu erfassen 11ml 11111 schließlich all die Lebcusmöglichkeiten luszuwerten, die für die Zukunft Aussichten versprechen. Es ist klar, daß eine solche Zeit vom einzelnen Juh den vollen Einsatz, seiner Kräfte verlangt, nd daß er sich bemühen wird, sie so citizusetzen, wie י ihm von Natur und Erziehung zur Verfügung stehen. נ diesem Zusammenhänge taucht immer wieder ר der Vorwurf auf, daß ״die Juden“ oder ״das Judentum“ das Leben allein mit dem Intellekt bewältige, ■1>י daß ein mehr oder weniger von den Grundlagen na- Glichen Lebens losgelöster Intellekt auch für die Völ- T in deren Mitte die Juden leben, Gefahren mit sich I fm״e. Nun ist es gewiß richtig, daß in dem Jahrtaupdc langen schweren Kampfe ums Dasein, den das s -dischc Volk in den Ländern der Zerstreuung führen; öllte, seine intellektuellen Fälligkeiten verfeinert worden N• Wir selbst kennen gut genug die Bccinträchtigun* ,tu unseres eigenen Volkskörpcrs, die diese iiberdurehpTnittliehe einseitige Entwicklung auf Kosten anderer geij!!Tfr Funktionen mit sieh gebracht hat. Aber wir kennen :jzglcich die Grenzen, die diesem Vorwurf, der uns!‘Me von außen ciitgegcngelialtcn wird, gesetzt sind. ' «trade die Tage, die wir jetzt erleben, die heiligen 11JCc des jüdischen Jahres, sind ein überzeugender Be- |5יץ dafür, wie stark und lebendig selbst im westlichen | .udcntuin, das durch Emanzipation und Assimilation 1 ■ndurchgcgangcn ist, die ursprünglichen Kräfte 1 ®£r j ii d i s c 11 c n Seele noch sind. J %ir stehen am Vorabend des Jom Kippur. Auch!•ädere Völker kennen Ereignisse, die einen Aufbruch des Gefühls ^fbcifülucn, und wir selbst sind in jüngster Zeit Zeuge ״;WCSC״* vv'c st;״'k das Gefühl der Massen eines Volkes L!״ kann, wenn Parole und Führung seinem innersten «c״ entspricht. Das jüdische Volk ist nicht ärmer an augkeit zur Gemeinsamkeit des Fuhlens und an Ausru<aisfähigkcit auf diesem Gebiete als andere Völker j.l's1rcr Zeit. Auch Juden, deren Wissen um das Juden- L"1 RCri״g und deren Verbundenheit mit der jüdischen |_^esa|uthcit nur eine lose war, haben an allen Orten und I n lc“cr Zeit aus innerstem Bedürfnis heraus sich in die jltC'hc dcrcr gestellt, die an diesem Tage des Gcrich-! »1*״»״der fanden und gemeinsam bekannten, daß es j 1 / U|R1 Hinter der äußeren Fassade des Geschehens im i tiK|C1״ ^CS ^',™'nen und der Völker wirkende Mächte , . > e«e11 Erfassung dem menschlichen Verstände allein Igelingt. | öas Bild der aa allen Orten der Erde, in Europa j 1־ >n fernen Weltteilen zur gleichen Zeit und j "1י‘ dem gleichen inneren Rhythmus diese Tat- 1 act|e bekennenden Juden entbehrt gewiß nicht J *r Großartigkeit, die auch in den gemeinmtn Aktionen anderer Völker zu spüren ist. traa (SäZ&GE‘ UClit Diese Handlung hat allerdings einen besonderen Sinn: gewiß wird am Tage der Versöhnung das ganze äußere Leben des Menschen gleichsam von innen her aufgerollt, aber das, was Juden an diesem Tage gemeinsam tun, weist über das Zeitliche und Irdische hinaus in ein Gebiet, in dem sich das Judentum in all den Jahrtausenden seiner Geschichte stets als fest verankert empfand. So findet die jüdische Gemeinschaft den Weg von der irdischen Gebundenheit des täglichen Lebens mit all seinen Kämpfen und Sorgen hinüber zu den letzten Gründen, auf denen dieses Geschehen beruht. Noch ein Zweites bringen diese Stunden uns Juden: die Gemeinsamkeit des jüdischen Erlebens, die Einordnung in ein Gesetz, das für alle Juden gilt, gleichgültig welcher Auffassung sie sonst folgen mögen. Die zersprengten Glieder des jüdischen Volkes, die nicht nur über die ganze Welt zerstreut sind, sondern auch vielen Idealen nachjagen, die nicht von ihnen und für sie geprägt sind, und die so dem jüdischen Volke verloren zu gehen drohen —, sic werden an diesem Tage in einem Maße zusammengefaßt, wie es sonst kein Er« ciguis des täglichen Lebens zu bewirken vermag. Diese Zusammenfassung von Juden kann, wenn sie in diesen Stunden, die an sich einen Aufbruch des Gefühls bedeuten, richtig empfunden wird, einen wertvollen Baustein für die Uebcrwindung der Parteizerrissen heit bedeuten, unter der wir Juden, auch wir deutschen Juden noch immer leiden. Die innerjüdische Versöhnung, nicht die Verwischung der Meinungen, aber die Anerkennung des anderen und das Aufgeben von Versuchen, ihn vor der Welt zu diffamieren, weil er eine bestimmte innerjüdische Anschauung hat, sollte hieraus resultieren. Zugleich empfinden wir aufs neue, daß unsere Beziehung zur nichtjüdischen Umwelt von uns aus jedenfalls nicht auf einem Ressentiment aufgebaut sein kann, das psychologisch wohl verständlich, den wahren Interessen der jüdischen Gemeinschaft aber abträglich wäre. Das jüdische Volk hat in seiner ganzen Geschichte Schweres erlebt, und auch die letzte Tu) q Hum seihe V©e״sHo ' Um den Minderheitenschutz Die Wendung, die in dem Verlauf der Völkerbunds* ' Versammlung in Genf durch den Vorstoß des pol■» ni sehen Außenministers in der Minderheitenfrage eingetreten ist, stellt mit einem Schlage prinzipielle Fragen, die längst zur Erörterung reif waren, in den Mittelpunkt der weltpolitischen Diskussion. Das Aufsehen, das durch dieses Ereignis erregt wurde, bezog sich zunächst auf die Tat- Sache, daß der Vertreter eines großen Landes sich für berechtigt hält, eine Klausel des Versailler Vertrags einseitig für nichtig z.u erklären. Dieser Präzcdcn/.fall ruft daher die Gegnerschaft der Mächte, die keine Revision wünschen oder noch nicht wünschen, hervor. Aber es geht dabei eigentlich um viel tieferes, nämlich 11m Pr in« zipien, die sich im Völkcrlcbcn bisher noch nicht durchgesetzt haben, obwohl man vor 15 Jahren viel darüber gcredet hat. Die Minoritätenpolitik des Völkerbunds war keine erfolgreiche. Die Neuordnung nach dem Krieg ist mißlungen, da sic von vornherein mit zu viel Empfindlichkeilen belastet war. Man hat sieh zu einer allgemeinen, übergeordneten Gemeinschaft bekannt, und doch ist die Souveränität das höchste Ideal geblichen und kein Staat will zugunsten einer höheren Instanz, auch nur auf einen Teil davon verzichten. Die Minderhcitcnvcrträ’gc waren in den Augen derjenigen Staaten, die sie annchmcn mußten, eine Art Degradation, da sie dadurch von den Großmächten geschieden waren. Aus solchen Prestigc-Qründcn wurden die Mindcrhcitcnvcrträgc ahgekimt. Aber das wahre Problem bestellt unabhängig von solchen Erwägungen. Vielleicht wird der polnische Vorstoß und andere Vorgänge der letzten Zeit zum Anlaß werden, einmal das ganze Problem zu untersuchen nml eine Lösung anzubahnen. Wer könnte dazu besser gceignet sein als der Völkerbund? Er könnte sein erschüttertes Ansehen wiederherstellen, wenn er 111 dieser für Europa lebenswichtigen Sache nicht wieder eine formelle Ausflucht suchte, sondern den Dingen auf den Grund ginge. Der polnische Außenminister hat erklärt, Polen wolle seine Minderheiten auch in Zukunft im Geist der Schutzbestimmungen behandeln, jedoch cs läßt keine andere Macht mehr in diese innere Frage eiligreife״. Das Wichtigste ist dabei gar nicht die Frage der Prozedur, etwa vor dem Völkerblind, sondern das Prinzip. Wenn erst allgemein ״hereingekommen wird, daß Personen, die von der den Staat bilelenden Nation verschieden sind, darum doch als vollgültige Menschen und Bürger zu behandeln sind, dann läßt sich wohl auch eine Prozedur finden, die auf alle Empfindlichkeiten Rücksicht nimmt. Gerade der Vertreter der deutschen Minderheit in Polen hat kürzlich darauf hingewiesen, daß man sich außer der Völkerbunds-Aufsicht noch andere Arien des Schutzes denken könnte, z. B. auch innerstaatliche Qesetze und Verfassmigsbcstimniungen, Die Frage muH erkann t und in Angriff genommen werden. Und am nachhaltigsteii versteht man die Sache, wenn man an den Fall der Juden denkt, die ü b c r a i 1 Minorität sind und daher preisgegeben wären, wenn nicht das Vorgehen gegen■ Minderheiten auf gerechten Prinzipien beruhte. Die Völkerbundver« Sammlung wird, wenn sie den, durch Polen aufgeworfenen sachlichen• Fragen nachgeht, unvermeidlich auch auf die J udenlragc stoßen. Es muß klar werden, daß es bei ihrer Regelung um ein Prinzip des Völkerlebens ' geht und daß alle Völker an der Ordnung dieser Frage mitarbeiten müssen. Von hier aus wird vielleicht auch Licht auf die Behandlung der übrigen Minderheitenfragen fallen. Stellungnahme des Abg. Thon Warschau, M. September. (JTA.) In Zusammenhang mit dem Vorstoß Polens gegen die gegenwärtige Regelung der Minderheitenfrage wurde an den Vorsitzenden des judisehen Paria tu c n t s k 11t b s in Polen, Abg. Dr. Osias TI1 0 11, das Ersuchen gerichtet, sieh über die Rückwirkung des polnischen Schrittes auf die Stellung der jüdischen Minderheit in Polen zu äußern. Abg. Thon hat folgende Erklärung abgegeben: ״Ich möchte keineswegs aus diesem Fall eine jüdische Angelegenheit machen. Für uns bedeutet dieser Schritt insofern k e i u c Benachteiligung, als wir auch bisher . von den in da» Minderheit cu-Verträgcn vorgesehenen Mögliehkeiten keinen Gebrauch gemacht haben. Deswegen bedeutet das Vorgehen des Außenministers in Genf keine wesentliche ■ Erschwerung unserer Stellung. Obwohl die Bestimmungen der Mindcrhciten-Vcrtriige uns gegenüber nicht erfüllt wurden, haben wir niemals Schutz auf Grund des Völkerbund-Abkommens gesucht und niemals einen Bcschwcrdcschritt aut Grund der Mindcrhcitcn-Vcrträgc in Erwägung gezogen. Dennoch halte ich den Schritt des Außenministers Beck für einen Fehler; besonders unangebracht erscheint er im gegenwärtigen Augenblick, und er könnte zu unerwarteten Folgen führen; vom polnischen Standpunkt aus sehe ich in diesem Schritt weder für jetzt noch für die weitere Zukunft einen Vorteil.“ Eine Erklärung von Außenminister Beck Genf, 16. September. (JTA.) In einem Gespräch mit dem Genfer JTA.•Korrespondenten erklärte der polnische Außenminister Beek, die gegenwärtige polnische Regierung stelle sich mit aller Fncrgie Bestrebungen zur Ver* brei hing von Rassenhaß entgegen und werde cs niemals zulasscii, daß die Rechte der polnischen Staatsbürger ohne Unterschied ihrer rassischen, sprachlichen oder religiösen Zugchörigkrit beeinträchtigt werden. Die Rechte der Minderheilen, wie sie in den Mindcrheilciiverträgcn fcstgelcgt wurden, seien der polnischen Verfassung als integrierender Bestandteil cinverlciht. Der wirkliche Inhalt der Mimlcrheitenvcrträge bleibe daher auch in Zukunft in Polen unangetastet und seine Durchführung gesichert. Doch könne Polen eine Situation nicht weiter ertragen, die es im Vergleich zu anderen großen curopäisclicn Staaten unter Ausiialmicrccht stellt; das sei der einzige Grund für die von ihm am Donnerstag abgegebene Erklärung. Polen werde in der sechsten Kommission die Frage der Verallgemeinerung der Mindcrhcitcnver* träge gemäß dem von der polnischen Regierung der Völker« bunelsversammlung unterbreiteten Vorschlag erörtern, ’ Die Meinsftig des M inderheiten-Kongresses Genf, 1(1. September. (JTA.) Der Generalsekretär des Mhulcrheiten-Kongresses, Dr. A m m c n d e, hat der Presse eine Erklärung überreicht, in der er an die letzten, die VeraHgemeinerung der Minderhciten-Schutzbcstimmungen in Europa befürwortenden Beschlüsse des Kongresses erinnert, gleichzeitig aber sein Bedauern über die Erklärungen des polnischen Außenministers ausspricht. Er gibt der Ucbcrzcugung Ausdruck, daß diese Erklärungen die bestehenden vertraglich festgelcgten Rechte der Minderheiten in keiner Weise schmälern können. > I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.