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Jüdische Rundschau · 1934-09-14 · Heft 74 (14.9.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 74 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lebensjahre nach längerem Leiden verstorben. < Vt'ifdcf ist der Kreis derer, die uns durch ihre Wirksam- {nt für den Aufbau Palästinas besonders eng verbunden «r«, um einen wichtigen Träger der Arbeit gelichtet worden. Oscar Wassermann, die markanteste Persönlichkeit des niclit/ionistischen Teils des deutschen Judentums, der |j der Jewish Agency und in der Arbeit für den Ke» im Ha je sso d mit dem werdenden Gemeinwesen in Pa• Isiins aufs engste verknüpft war, ist von uns gegangen. _ Für die Welt war Wassermann in erster linie ein R c p r ä s cn tant deutschen K a u f m a 1111 s g c i s t c s, IIcrvorgcgangcn aus der alten B.mkicrfamilic Wassermann in B a m borg, gelangte er zu einer der führendsten Stellungen Innerhalb der deutschen Volkswirt- Schaft und beeinflußte als führendes Vorstands* niitglied der Deutschen Bank und Disconto- Gesellschaft bis zum Beginn des Jahres 19)3 maßgebend die deutsche Finanz» und Wirtschafts» Politik. Oscar Wasser» mann war ein deutscher Patriot, der seine ganze Kraft dem Wolde des Vaterlandes nutzbar machte und in so man- : ׳ eiten entscheidenden S1» «iioiicn, inshcsondcrc-auch als Mitglied des Gcncralrats der Xiclisbank seine Stimme in die Wagschalc geworfen hat. t Es ist jedoch nicht unsere ,spezielle Aufgabe, diese Be* ׳,atan[; Wassermanns, der als Führer einer GroBbank zugleich wr der letzten Vertreter des Gedankens eines selbständigen Xieriunis gewesen ist, darzustcllen. Seine geschwächte Gc- 'Xieit und die Umwälzung in Deutschland haben ihr! dem '■■entliehen Wirken entzogen und ihn veranlaßt, das Lehen '־« Privatmannes zu fuhren, allerdings immer noch vcrbuii- י mit einer Reihe der grollen Lebensaufgaben, die י (fieser Sproß einer in deutscher Kultur ebenso vcrwurzel* ’ ,X in jüdischer Tradition beheimateten Familie gestellt ׳״ Bas Bi kl Oscar Wassermanns wird in erster Linie in f* Geschichte des deutscher» Judentums und der •״(f e n 11 e i t überhaupt fortlcbcn. Fr war nicht allein ein u9fter Kaufmann, sondern nicht minder ein Mensch voll ua«tasie und Gestaltungskraft, verbunden mit *ad, Wissenschaft und den Hoffnungen, die das Judentum ';!crff Zeit sich für die Neugestaltung seiner Zukunft macht. 1 JUfrmanns Sehnen ging schon immer darauf hin, an jü* Xm Aufgaben teilznhaben — aber an solchen, die die!,firizerrissenheit des Judentums überwinden und etwas wirk- י:", י Grolles, insbesondere für unsere Jugend, der seine ganze : ל kalt, bedeuten konnten. Die Arbeit in den jüdischen!1*Wein den mit ihrem Streit der Meinungen konnte X solchen Persönlichkeit nicht Zusagen. Fr ergriff ||;fr sogleich die ihm gebotene Aufgabe, als nach dem X® des Weltkrieges aucli an das deutsche Juden* vw der R״f Palästinas hcrantrat und zunächst in der JXdes Keren Hajessod die Möglichkeit gegeben war, - ״,e große Aufgabe vor alle luden zu stellen, sic an ihr ״kalt rä r ' | tu*. «fr ־י׳ A■ l.sO >"־״ nmro*,#* b. 11W״ t׳X X * 119 & «׳11 Iß» }vK®* rPI»״ Aufgabe vor alle Juden zu steilen, sic an ,'heu zu lassen und so durch praktische Arbeit die Einig- 11,11 deutschen Judentum zu fordern. Dieser einmal gc-! Aufgabe ist Oscar Wassermann bis zum Ende seines :.nn trnrgebliebcn. Cr wurde später einer der Träger des Xnkons der jewish Agency, war der hervorragendste •o״»/1־ der nichtzionislischcn Agcncy-Partncr in Deutschi,״ und gehörte früher auch dem Administrative ,j^niittee der Jewish Agency an. Die Jewish Ar dal in ihm nach den schweren Verlusten, die der Tod .י Louis M a r s h a 11, Lord M c I c 11 c t f und Lee K. F r a n - "de״ vergangenen Jahren bedeutete, wieder einen ihrer . ״ Vt'1 iorcn, die in den Augiisttagen des Jahres 1929 '״״mit den zloiiisüschcn Partnern dieses Instrument •;.< »lastina-Aufbaus geschaffen haben. י *m!1־ f w‘c Oscar Wassermann für Palästina wirkte, ילל ן' Käuze Eigenart seines geistigen Wesens zum AusijcU*rkanntc gewiß die Bedeutung der Wirtschaft־; n«, 1l "1*(gaben, die den Juden in Palästina gestellt sind -־ 't >,s ",dt,cl' einer der Experten, die die Möglichkeiten Palastr- I »dilfB <Cr Xmulmig der erweiterten Jewish Agency unter»; *eben 7 ״’ auel1 "׳ußte er um die Bedeutung des Ökonom!• | ״(r sozialen Aufbaus für weite Teile der in Not leben* < zf מי r 9• t! ך iciifer Vom Die Genfer Völkerbundstagmig wird durch das Pro■ hlcm des Eintritts Rußlands in den Völkerbund überschattet. Es ist für uns Juden von großem Interesse, ob dieser Eintritt zustande kommt b/,w. unter welchen Bedingungen Rußland sich dem Bunde anscldicßt. Im heutigen Rußland lebt ja eine Milliohenmasse von Juden, die eine der wichtigsten Minoritäten des Sowjetstaates davstellen und deren nationale Interessen daher aufs stärkste davon tangiert werden, ob Rußland die Verpflichtungen auf sich nimmt, die mit der Mitgliedsclmft zum Völkerbund in hezng auf die Reelltsstcl- 1 u n g der nationalen Minderheiten verbunden sind. Die l.age des russischen Judentums ist ja in der Tat eine besonders schwierige. Grolle Teile der jtidi* sehen Bevölkerung Rußlands sind außerordentlich schwer von der .111־ g c ui e i 11 e n Wirtschaftspolitik des Sowjetstaates betroffen worden, da gerade sie zu Volks» schichten gehörten, deren weitere Existenz untergraben wurde. Dazu kommt, daß das russische Judentum in gleicher Weise wie die christlichen Kirchen von dein Kampf gegen die Religion berührt worden ist und daß sieh auf diesem Gebiete besonders die Kreise der assimilatorisch gesinnten jüdischen Kommunisten aus» zeichneten, die wohl wußten, daß man in der jüdischen Gasse unter dem Deckmantel des Kampfes gegen die Religion das Judentum selbst als nationale Gemeinschaff treffen könne. Eine der Erscheinungen dieses von den assimilatorisch-jüdischen Kreisen getragenen Kampfes gegen alle lebendigen jüdischen Regungen ist auch die Verfolgung, die der Zionismus als nationale Bcweginig des jüdischen Volkes in Sowjetrußland zu erleiden hat und die viele Tausende von Zionisten in Gefängnisse und Vcibaniumgsorte führte. Wenn nunmehr Sowjetrußland den Weg in den Völkerbund finden sollte, dann wird, so hoffen wir, im Zusammenhang mit der bereits aufgeworfenen Frage der Behandlung sowohl der Nationalitüten wie auch der religiösen Gemeinschaften, die Stellung des russischen Judentums und damit des Zionismus auf eine andere Basis gestellt werden. Noch Unter einem anderen Gesichtspunkte hätte der Eintritt Sowjctrußlamls in den Völkerbund erhebliches Interesse, weil damit Rußland in die Lage versetzt wird, das P a 1 ii s t i n a ־ M a n d a t a n z. u e r k c n n e n. Es wäre nur eine logische Folge aus dieser Anerkennung, daß in Rußland seihst die Beziehungen zu den Zionisten überprüft worden und daß man sich dazu entschließt, die Verfolgungen wegen zionistischer Gesinnung und Betätigung einzustellen. Aber auch für die Arbeit der Mand a t s k ont m i s s i o n seihst dürfte der Eintritt und die Mitarbeit Rußlands bedeutungsvoll werden. — Das Thema der nationalen Minoritäten hält die Vülkcrbundskrcisc überhaupt in Atem. Wie wir an dieser Stelle bereits berichteten, steht der Antrag Polens auf Einberufung einer Konferenz zur Debatte, die sich mit seinem bekannten Vorschläge auf ein allgemeines Abkommen über den Schutz der Minderheiten beschäftigen soll. Inzwischen geht die Diskussion über die Prinzipien des M*i nderhcitcnschutzes weiter. Insbesondere spielt die Frage des Abschlusses sogenannter zweiseitiger Mindcrheitcn-Ver•« träge zwischen benachbarten Staaten, die Minderheiten des anderen Volkstums in ihren Grenzen wohnen haben, hierbei eine erhebliche Rolle. Für uns Juden hat dieser Weg des Minderheitenschutzes naturgemäß nur ein theorctisclies Interesse, da wir uns im Gegensatz ru den anderen Minderheiten nicht auf einen bestimmten St aa 1 sverband stützen können und in allen europäischen Ländern in der Rolle der Minorität sind. Aus diesem Grunde verdienen jene Bestrebungen große Aufmerk* samkeit, die den Schutz der Minderheiten aller Art als ein allgemeines Prinzip des Volk erlebe ns zu sanktionieren bestrebt sind. Obwohl die Wirksamkeit des Völkerbundes auf diesem Gebiete in der Vergangenheit nur äußerst beschränkte Resultate gehabt hat, zeigt die Tatsache, daß die Diskussion des Problems selbst nicht zur Ruhe kommt, als wie brennend die Lösung der Frage allenthalben empfunden wird. lHlndcrhc/Jcnkongrcß für Verallgemeinerung Ics UllndcrlicUcnschulzcs ■ ■ - .... Genf, 12. September. (JTA.) Der 10. Europäische Na« (ion.ilitätenkongrf II, der zum Wochenende abgeschlossen wurde, hat in einer Entschließung zu dem Antrag der polnischen Regierung Stellung genommen, den Min» dcrhcitciischutz durch eine Konvention aller Staaten zu v«rallgemeinem. Der Kongreß beruft sich auf die von anderen internationalen Verbänden, wie der Interparlamentarischen Union und dem Weltvcrhmul der Völkcrbundligcn, zu diesem Gegenstand früher gefaßten Entschließungen, sowie auf seine eigene Resolution vom Jahre 1032. In der Entschließung des Kongresses wird die Einschränkung der Verall* gerne in crung auf Europa als notwendig bezeichnet, ״weit die Probleme auf unserem Kontinent völlig anders gelagert sind als in den übrigen Weltteilen, und weil sic int europäischen Raum ein verhältnismäßig gleich,artiges Gepräge haben". Fenier wurde eine Resolution gefaßt, in der der Kongreß ״in den bilateralen Staatsverträgen lind sonstigen Uchcrcinkomnicn dieser Art über Minderheitenrechte einen wichtigen Fortschritt gegenüber den materiellen Rechtsnormen der Mimlcrheiicnvcrträgc‘' sieht. In der gleichen Entschlie- Rung wird gefordert, daß ״eine solche Regelung zu keiner* lei Diskrimiuation in der Behandlung verschiedener natio* nalcr Minderheiten im gleichen Staate führen darf“. Das Exekutivkomitee des Kongresses wurde in seiner alten Zusammensetzung mit Dr. Wilfan als Präsidenten und Dr. Ammende als Generalsekretär wicdcrgewählt. den Jmlcnheit, aber das zentrale Problem, das ihn beschäftigte und das ihm immer wieder die Energien zur Mitarbeit zuführtc, war die Möglichkeit einer geistigen Regeneration des J 11 d c n t u m s, die er von Palästina erhoffte um! von der er glaubte, daß sic ihre entscheidenden Auswirkungen auch aut die Länder der Zerstreuung haben werde. So gliederte sieh ihm Palästina in sein jüdisches Weltbild ein, das von einer tiefen Anhänglichkeit an die großen geistigen Werte des Judentums und seine ethische Tradition bestimmt war. Diese Seite seines Lebens kam nicht zuletzt auch in der Förderung zum Aus» druck, die er der jüdischen wissenschaftlichen Arbeit in Deutschland, in der Akademie und in der ׳Lc.hransta It für die Wissenschaft des Judentums angedeihen ließ. d6M> %käi:: ׳: , .׳; ' Zum 100. Geburtstag Heinrich van Treltachke■ Der l'rager Philosoplicnkongrctt Wanderer aus Polen , Ein Ausflug ins ,Tordantal Die Basse Verbundenheit der Kunst Zwangs Organisation für Handelsvertreter Das ״IMcnschcnscliiichlgcsctz“ Zwei Juhilnrc! Karl VVolfskchl und Arnold Sc?1Jfnbcrg Sport-Bundschnu / . Berliner Rundschau / Hebräischer Fernunterricht Mit Oscar Wassermann ist eine Persönlichkeit eigenartiger geistiger Struktur von uns gegangen. Seine Wurzeln reichen gewiß in eine Periode hinein, die längst versunken ist und in der Gestaltung der E i n r e 1 p c r s ö n li c h k e i t, in der Aus» prägung ihrer besonderen Fälligkeiten und ihrer Durchsetzung das Ideal sah. Zugleich aber fühlte Wassermann die Bescliranktheit dieser Grundlagen dem heutigen Leben gegenüber, und er wußte, daß cs die vielleicht tragische, in jedem Falle aber große Aufgabe seiner Generation war, den Kin» dern, einer neuen Jugend äußere und innere Lebensmöglich• keilen vorzuberciten. So blieb zwar Oscar Wassermann sei» nem geistigen Wesen nach der, der er von Tradition und Er» Ziehung her war, und erkannte doch Palästina und den Zio» nismus als das wesentlichste Element einer erneuerten jiklisehen Zukunft. Oscar Wassermann war in seiner Arbeit für Palästina ein Pionier, ela er saion vor über einem Jahr» zehnt in einer Zeit der verhältnismäßigen Geborgenheit er« kannte, welche Aufgaben vordringlich zu lösen sind; er ha• damit für die vorgesorgt, die in einer späteren Zeit in Paliistina Zuflucht fanden, obwohl sie im Gegensatz zu ihm damals, als die äußeren Umstände für sie noch günstiger waren, jene grundlegenden Erkenntnisse nicht hatten. So wird der Name Oscar Wassermanns als eines Mannes lebendig bleiben, der es verstanden hat, eine Brücke zwischen den Geschlechtern zu schlagen, der die Zeichen der Zeit verstanden und sich mit ganzer Kraft für die Verwirklichung des Notwendigen eingesetzt hat. Oscar Wassermann hat damit nicht nur für den Aufbau Palästinas, sondern zugleich auch für die Zukunft des deutschen Judentum« Entscheidendes vollbracht und 80 auch sein Ideal der Uebcrbriickung der innerjüdischeit Gegensätze um ein gutes Stück, gefördert

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