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Jüdische Rundschau · 1934-08-31 · Heft 70 (31.8.1934) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 70 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Sr> 70, 31■ VHt. 1934 :JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 ft־) 11 7־״✓ ר׳7י י רזי ךוייוו Öai^ »,״>» t. €**•—•-*B 4■״“ -Jt fk»- .i» V,£# tfc.. ,nM 0 ה־ רךע> <T *״־־׳״#! [ v■״־־־־- 1 I ך■'■״־־׳* י ־«!r י 1 י ■ ־ י! ר ו # II••« l׳־:r, pH ן I I» . I:■' n I״ J| 77)1 ך! ׳ I 4 i .('» חיו 11.1), f •ך x I 1 ,״i $? Ho. i »u. Eine wachsende Bibliothek Von Prof. Dr. Otto Warbiug jm ״;iclisfcn Jahre feiert ilie Hebräische Universität Jcru-!cm jlir lOjähriges, das Daviil-Wolffsohn-l laus rler aufs engste V_.lt verbundenen Jüdischen National- und Universitiitsbiblio* Z sein bj.itiri^es Jubiläum. Wer, wie kli, die Freude hat, alljährlich sich von den Fort* schritten tniiler Institute überzeugen zu können, muß nohvendi-erweise ein begeisterter Anhänger dieser beiden wissenschädlichen Statten werden. Ls ist geradezu erstaunlich, was j״ dieser kurzen Zeit sieh aus wirklich bescheidenen Anfängen dort entwickelt hat. So sehr auch de״ dort arbeitenden (ie* lehrten n״d Beamten das 1 laiiptvcrdienst an diesem gewaltigen Fortschritt zu/uerteilen ist, so wäre cs ihnen doch nicht tnög-, iicli gewesen, ein solches Resultat zu erreichen, wenn sic nicht in dcr ganzen Welt hilfsbereite Freunde gefunden hätten• Immerhin stehen wir erst am Anfang der Fnfwicklung; «der ist die Universität schon eine richtige Universität mit Ultrknrscn in sämtlichen Fächern, noch ist die Bibliothek!•Ifichiiiuliig in allen Wissenszweigen mit Büchern ausgestattet; mir wenige l ädier sind soweit auf der I lölie, daß sie den An* *jiriicbcn der Professoren timl Studenten und außerdem dem jllgcnu’im’r» Publikuni einigermaßen genügen; auf Vollständigj,f1j kann natürlich keine einzige Abteilung Anspruch machen, nenn auch manche, wie z. B. die judaistiselic, die hebräische, die orientalische, die mathematische Abteilung, sowie einzelne Facher der Medizin, schon recht beachtlich sind und schon (inicermallen den Bedürfnissen genügen. Ls erübrigt sich wohl, auf die Notwendigkeit einer guten Bibliot h ek für den Betrieb einer Universität hinzu- *eisen. Nicht nur die theoretischen Fächer und überhaupt die Geistes«issensehaften sind auf einigermaßen vollständige Fach- Bibliotheken angewiesen, sondern auch die Naturwissenschaften und die technischen Fächer können Bücher und Zeitschriften durchaus nicht entbehren,•selbst wenn sic sich hauptsächlich der Experimente bedienen oder die Natur selbst befragen mul ju erforschen suchen. Die der Bibliothek zur Verfügung stehenden Mittel sind minimal und reichen kaum aus, den Büuicrschatz zu katalofixieren, ciiiznbindeii und das Publikum zu bedienen, so daß für ßüclicraiikauf, Komplettierung der Zeitschriftenscricn und Abonnement auf die neuen Jahrgänge kaum etwas übrig Weiht. Die Bibliothek ist daher auf Spenden von auswärts uifcwieseii, sei es in Form von Geld, sei cs in Gestalt von Büchern. Da cs gerade in Deutschland zahlreiche Leute gibt, die fmvungen sind, kleinere Wohnungen zu beziehen, und auch xick aus Deutschland auswaiulcrn, so erscheint der Zeitpunkt besonders günstig, die Bücherbestände durchzuschcn umi das, ws für die National- und Universitätsbibliothek passend er- Kkint, ihr anzubicte». Gerade in den letzten Monaten hat die Bibliothek schöne Bereicherungen aus Deutschland erhalten, wd ich bin überzeugt, daß zahlreiche in Deutschland jetzt überflüssig gewordene Bücher mul Zeitschriften iri Jerusalem ein würdiges und nützliches Auf erstehen feiern werden. um mir einige wenige Beispiele zu nennen — die Botaniker deMlebr,tischen Universität mit einem großen Stab von der Regierung des Königreichs Irak (unter Faisal) cingclatlcn wer* den, um die Fragen der Bewaldung, der Aufforstung des iiördliehen Mesopotamiens wissenschaftlich zu untersuchen, W'enu die zoologischen, geologischen und parasitobRischen Stu* dien tler Gelehrten der I tebräisehen Universität weit über die Grenzen |>״lästü1as hinaus 111 das Herz des mittleren Orient führen oder wenn der Fachmann für rabbiniselics Recht ,ווו der Hebräischen Universität nach Bombay gcruten wird, so sehen wir hier, wie Brücken *wischen zwei Wetten gcschlagen werden im Dienste eines höheren Zieles, Und welche neuen Perspektive» auf naturwissenschaftlichem Gebiet werden sich erst ergehen, wenn das mmmclir beschlossene medical center mit Tropeninstitut, Krcbsforschuiigsinstitut usw. errichtet sein wird! ( Wie sehr der Raum, in dem sich diese neue Kulturstätte befindet, auch den jüdische« Aufgabenkreis der Wissenschaft erweitern hilft, läßt sieh mit am deutlichsten an den Arbeiten lies O r i c 111 a I i s c I! c n Instituts der Hebräischen Universität erkennen. Obwohl im Mittelpunkt der Forschung dieses Instituts die i s I a m i s c 11 - a r a b 1 $ c h c Welt in all ihren Verästelungen wie Poesie, Religion, Sprache, Kunst, Archäologie, l.iteralur, Geschichte, Philosophie' usw. steht, tritt hinzu die wissenschaftliche Verknüpfung mit der j 11 d i s c h - o r i e n ta lischt'n Welt, mit den Juden innerhalb des Islamischen Orients, mit ihrer Geschichte und den Problemen ihres l.ebens, ihrer Sprache, Literatur usw. Die Studien über den arabischen Dialekt der jemenitischen luden'), die Bcmühimgen um die Vcrschrifhiitg der nur mündlich in der sogenartnten Targiinispraelie aufhewatirtcii BifirfVersion der k 11 r d i - sehen Juden•'), die Bearbeitung und llehimg der so viclscitigen Schlitze der persischen Juden1), die Untersuchung der Beziehungen ■zwischen jüdischer und islamischer Philo* sopliie, die Behandlung des Problems des ״I iofjudcn״*) im islamischen Staats- und Wirtschaftsleben des Mittelalters — all dies sind nur einige der Probleme* mit denen sich die Orientalisten der Hebräischen Universität beschäftigen. Durcli die Hinwendung vor allein zu den drei Hmiptgruppcit der orientalischen Jiidcnhcit: den arabisch sprechenden (Jemen, Irak usw.), den aramäisch sprechenden (Kurdistan) und den persisch sprechenden Juden (Persien, Buchara, Afghanistan usw.) beginnt die Hebräische Universität auch den jüdischen Orient zu erschließen und zur Erkenntnis unserer eigenen Geschichte und Gegenwart Wesentliches betzutragen. Die orientalische Sendung der Universität Von Walter Fischet Die Hebräische Universität befindet sich an der Wegt c h c i d c asiatischer und europäischer Kultur; ist daher die Forschung vor eine historische Sendung be- I!ondercr Art gestellt. Inwiefern sie erfüllt werden wird, wird H!s Enhvickhmg erweisen. Aber schon jetzt zeigt cs sich, wie |Ur geographische Standort der Hebräischen Uni- ן versität auch ihre geistige Physiognomie bedingt. Wenn — Augenblicklich obliegen der Nationalhibliothek auch die Auf* gaben einer S t a d tu i b I i 0111 e k, die sie sogar ziemlich in Anspruch nehmen. Der Bestimmung der Bibliothek als Nationalbibliottfek dient vor allem die judaistiselic Abteilung. Diese ־umfaßt, ob* wohl sie einstweilen weder die grüßte noch die wertvollste Bibliothek in ihrer Art ist, immerhin schon 81 000 Bände. Dennoch kann sie durch Spenden aus den Kreisen de* großen Publikums wesentlich erweitert werden. Erfahrung»• gemäß findet sich sogar unter den 4—5 Büchern, die in manchem Bücherschrank die ״judaistiselic Abteilung“ re* präsentieren, des öfteren in Jerusalem noch nicht Vorhändencs. 87 000 Bände sind eben nur ein Teil, wenn auch der Anleitung für Spender und Sammler Von Ernst Hoff mann Für alle, die mitnrbeiten wollen, soll diese Anleitung über (ins Was und Wie Aufschluß geben. Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek hat eine vierfache Aufgabe zu erfüllen. Im Sinne ihres Gründers, des Arztes Jose( Chasanowitz. aus Rialystok, soll »ie vor allem als National b i b 1 i o 111 c k atlc Druckxmkc in sieh vereinigen, die in Beziehung zu Juden und Judentum, zu hebräischer und jüdischer Philologie, zu Erez Israel und dem Vorderen Orient stehen, ohne Rücksicht auf die Sprache, in der sie verfaßt sind, und selbstverständlich alle hebräisclien Bücher und Handschriften ohne Rücksicht auf den Gegenstand. Durch ihre orientalische Abteilung wird die Bibliothek zum träger einer überaus wichtigen kulturpolitischen Aufgabe, zu einem Stützpunkt des jüdischen V erstand igun gsw illeus. Als Universitätsbibliothek muh die Bibliothek allmählich so ausgebaut werden, daß sie allen Anforderungen, die etwa eine europäische Universität an eine solche Anstalt zu stellen pflegt, Genüg« leistet. er «« r *״?« ,r 03 I o ,״**״י*' ' o i v “ li ודווז ותוו וח־יו % ורות ווווו ווווו ז זווח ווווו וווור »yifon 13*1-1 PS י) Siehe F. Goitein Jcmcnica, Sprichwörtcrsammlung. Lcipzig B) 11. -) Siehe Encycl. Jtnlnica Vol. X, s, v. Kurdistan. ■י) Siehe Encycl. judaica Vol. IX, s. v. Jüdisch-Persisch; MGWJ 1033,1031. ‘)Siehe W. Fischcl: The Origin of Banking in Media cval Islam; a conlribiitiou to 111c economic liistory ot the Jcws in Baglulad in tlic lütl» Century. London 1933. Wa{|er q Sj1־•••’ ^”lür^Thrusalcmcr Nalumat-BibliolKA gtsammeUm Bücher werden auf einem Korridor in Berlin M«i״ek.straJ5i 10, für *" ^«rufcorl ״״י•), H.itn ״AYhnrhe — R»cKts unten! Eint Berliner Bücherkiste wird nach ihrem Eintreffen in Jerusalem aus- ״“X bS,1״» Ä Ä * ״*״ BIM«*״־ ״‘•״»״( S» S״״ ״*״ i•“ י״״» *“» *״• Bibliothek au/gestellt worden ist , ,, « 278000 BÜCHER IN DER JÜDISCHEN NATIONAL- UND UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK JERUSALEM ZEUGEN VON JÜDISCHEM KULTURWIllEN UND VON JÜDISCHER OPFERBEREITSCHAFT ZENTRALSAMMELSTEILE FÜR DEUTSCHLAND! BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG BERLIN W 15 MEINEKESTR. 10 TELEFON! BISMARCK J l 7165 ANNAHME AUCH IN DER BIBLIOTHEK DER JÜDISCHEN GEMEINDE BERLIN N 24 ORANIENBURGER STRASSE 29 SPENDET BÜCHER! wichtigste, des gesamten jüdischen bzw. judaistischcn Schrift* tiinis. Der Ruf nach Sammlung und restloser Erfassung aller Druckwerke ist noch zu neu, sein Widerhall noch zu gering; die Erfolge können noch nicht an dem Ziele gemessen werden. Es gilt ja, das Versäumnis von Jahrhunderten, so* weit cs gellt, gutzumachcti. Nicht nur äußerst kostspielige ältere Werke, sondern aueff viel minder Wichtiges oder mehr oder weniger Veraltetes konnten noch nicht beschafft werden. Sehr er* gänzungsbedürftig ist der Zeitscliriftcnbestaml. Von dem ״Israelilisdicn Familicnblatt“ feilten etwa 25 Jahrgänge voll* ständig, vom Berliner ״Gemeindchlatt1‘ etwa Kt Jahrgänge. Es läßt 5k,1 aus diesen Einzelheiten folgern, wie viel ältere, seltene Zeitschriften ganz oder zum Teil fehlen. — Vor kurzem hat die Bibliothek der Berliner Jüdischen Gemeinde der Nationalbibliotlick 161 UcbctbucI1-D0ublettcn angeboten; HO von den 104 Bunden waren in Jerusalem nictit vorhanden. Der Gedanke des ״Pflichtexemplar!;‘1 ist in jüdischen Ver* leger- und Autorenkreisen noch lange nicht durchgedrungen und von der jüdischen Oeffciitlichkeit noch nicht ganz erfaßt worden. Sogar 1 Icbraica, die von kleineren orthodoxen Ver* legen! licrausgcgcben werden, gelangen oft nur auf Umwegen, verspätet oder überhaupt nicht nach Jerusalem. Abgesehen von ideellen Momenten sollie die Erwähnung in dein einzig* artigen bibliographischen Werke der Nationalbibliotiick, in der Zeitschrift Kirjath Scfer (in dem jedes jüdische oder das Judentum betreffende Druckwerk in der jeweiligen Sprache des Werkes angeführt wird), ein hinreichender An* sporn zur Erfüllung dieser Pflicht sein. — Nicht nur viele jüdisclic Gemeinden und allgemein-jüdische Körperschaften, son* dem sogar zionistische Vereine und offizielle Stellen unterlassen es oft, ihre Berichte, Broschüren, Pcriodica der Nationalbibliotlick zu übersenden; diese hat aber in Er* ntangrhinp von Mitteln keinen Apparat, um alle diese Ver* öffcntlichuiigen nufzusmiren. Manches Versäumte auf diesem Gebiete ließe sich noch leicht nachhokn. Sehr lückenhaft ist der Bestand der Nationalbibliothek an älterer nichtjüdisclicr Palästinaliteratur und auch heute ist man in Jerusalem außerstande, alle Neu* ctschciiuingen anz.ukaufen. Von der nahezu uferlosen nichtjüdischen Literatur zur Judenfrage, einschließlich belletristi* scher Behandlungen dieses Gegenstandes, von den zahlreichen theologischen Auseinandersetzungen mit dem Judentum ist nur ein geringer Bruchteil vorhanden. Gerade deutsche Juden könnten natürlich' auch *ur Er* Weiterung der der Bibliothek angegliedcrten Autogra* p 11 eil- und Porträtsammlung berühmter jüdischer Persönlichkeiten (Dr. Abraham-Schwadron-Sammlung) wesent* lieh beitragen. Die oricntalistischc Abteilung, deren Grund« stock die einzigartige Bibliothek von Ignaz üold/.ihcr bildet, und die durch systematischen Ankauf auf der Höbe gehalten und dank einiger großer Spenden (Dr. Chamizer, Dawud usw.) namhaft erweitert wurde, kann natürlich nur mit den Spenden von wenigen Fachleuten und Spczialsammlcrn rechnen. Aut die weitestgehende Vergrößerung mittelst Sehenklingen dürfen die allgemein-wissenschaftlichen Fächer rechnen. Alles noch Fehlende ist erwünscht, und auch manches schon Vorhandene für verschiedene wissenschaftliche Institute, für das Technikum in Haifa, für Tcl-Awiw. Natürlich nicht Bücher von rein lokaler Bedeutung, veraltete medizinische, naturwissenschaftliche und juristische Werke und alte Auflagen von Konversationslexika! hingegen sind auch gane alte

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