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Jüdische Rundschau · 1934-08-17 · Heft 66 (17.8.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 66 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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7'׳ / ־d ( ׳< U,i!,;ס¬ ׳׳ 66 )f| ייד״־־ו ר—) Jahrgang 39 -jifjflloltonÄ.Ve11׳»» u. An*«lg«mv#rw*U1m״»iWrlln W15, Melnake.tr. 10 v>rflU1l1 ^חיייי«'! Nr. M Rißmarck 3181/82,7165^70, 7240/42. «. RfzugAprcU pro Monat _.״ <')h*h«1 RM 5.75׳ — Po.tHcheck• Korund r!«n AU.״,.,״״״,״,., au.״״..!,״. 1 i > 1 1 M1 ׳ \ iM t ..T ■.«3 fflTUN.׳. ~׳ ׳ ־ ־ ־ ' ..ת, ...׳ן •״■ ,™, UM l~, P1•"•«0 ״׳ KM 5•75״,• ~ י*'»chocW-Konlco dor Aliornirrmim»־ Abl'iliing: ׳'!•) 71571»!״״ Gr״Ä tl.rll״), Dorlir, 17 392 (lür d«. (lhrlK, Reith), A«l,nd,. u 1״ jew.iti 1;.׳ Un<l»«v.l11״nB. — Erachalnt Jaden Dlvn.t.u and Fr.it... ו׳ אלו< תרצ״ד Eradtalnt Jeden Dienetag und Freitag. FREITAG, 17, AUGUST 1934 Der Zionismus erstrabt für das Jüdische Volk die Schäftung einer öffentlich - rechtlich gesicherten _ ■rMnir■■—WlWMBBlliii llll iff'iirriii'mwmrT1 יו■וווווו^■^וווn!—- ■ ■■ —.-— _,___... Preis RM —.25 ן■»..!■«ן %ויי^ 1 \ M . \ i 5, Ante!2*nUrlft Dl« fZ^repelfen• mm-Trit* UM 0,20, Iflr $tr!t*ng<Mmrf)0 RM 0,10י lllr Psmllinnnsthrlchipn RM 045. EinfeUnr«lR«n mir gre«n Voreusrahlunf um ScHsNwr oder auf I,o*1srh«ck-Konio Berlin 7161H Mnnf«ß bh Dcmherttaß 9—18 Ubr, 1*!׳•!*»K 9—16 Uh». AnnshmeschhiÄ lür di« Pi«n*f*e Atisgsb© Monitjg 10 Uhr, für dl• Frvit•(-Auagah• Mittwoch 13 Ult» (Familtaftanreigen bi* Donner*!•* 10 Uhr) Heimstätte In Palästina. ,,Baseler Programm'* 13?:' m י®11 ח ™ Tf n ^tTI ךן fj rjי~"־־ t‘ |l | ייי/״י״^ךי״^ץ 1 ן ד•־^ ו^-־י־^ן ךיי| ךין|*«׳ין ץי~־״^ ן■. ,*säL Ü■'. & I1U6j| WiaäMd fc.ä 1 Igyj |m .1ה 1c hra. 1'b'f• *J und bnk 1777 dc9 neu Kuratorium berät über neue Verfassung In Z ii r i c 11!;uf.1l o r i 11 in s •»״Ini! Mjhft fTlN •Ami ׳־׳,׳kr?• terln,!K!r,dffg. 'י ig.-Vtr, #.gfS», b. dt«,;!ns. Auf. 1111 Ha!!. Iitslr 10 Sacher, Ratn 0 f I flMIIIld Ksrpf 15733 E in Its ( .,a 'icrsat d y 10 1s, s IJ wurde am 13, August die Sitzung des der l׳l c h r ü i s c h c n Universität jcriisaleni eröffnet. Den Vorsitz, führte Dr. Cliaini Wcizman ח■ Aniter dem Vorsitzenden «ml dem Kanzler der Univcrsi- ן,! De. J. I , Magncs, itnhiiien;111 den Beratungen noch fnl'ccnilo Mitglieder teil: Dr. Cvrus Adler, Präsident des Än.erie.iit Jewij.11 Committee; Etiuard M. War bürg in Vcrtielunig seines Vaters Felix M. Warburg, USA.; Dr. Stephen S. W i s c, Ehrenpräsident des American Jexvish CoiiCre^s; M. M. U s s i s c 11 k i 11, Vorsitzender des Keren jjjjcmctli l.ejisrael, Jerusalem; Prof. S. B r o d e t s k y, Leiter dc< politischen Departments der Jewish /Agency for Palestine; [wanucl IL Hext er, Vertreter der amerikanischen Nicht• Zionisten in der Exekutive der Jewish Agency; Obcrrahbincr von London Dr. J. 11. Hertz; Prof. Charles Rasen- I1I00111, USA.; Max S e 11 I ö s s i n g e r, Jerusalem;. H.irry London; Dr. 1). Eder, London; Prof. Nathan USA.; Prof. J. Hadamard, Straßburg; Dr. . i hm an, USA.; U, C. Ci o 111 b, Jerusalem; M. erusalem; Richter Lea G r c c n b c r g, Südafrika; Ohcrridiier (i. 1' r 11 in k i 11, Jerusalem; Prof. L. S. O r 11 - stein, Utrecht (Holland) und l’rof. A. B ii c 111 c r, Leiter des Jens College in London. Als Vertreter der vor einiger Zeit eingesetzten Uiitersucliuiigskoiiimission, deren vertrau-!■;11er Bericht den Hniiptgegensland der Beratungen des I. iratoriimis bildet, nehmen an der Tagung die Herren Sir flulip llar tog, London, und Rcdeliffe N. S a I 111 a!1 teil, [las dritte Milglied der Kommission, Prof, liinsberg, ISA., hat sein Fernbleiben sehrittlieh entschuldigt. Ucker die Sitzung wird berichtet; In der Eröffnungssitzung widmete der Vorsitzende, Dr. 01,11:11 W e i z m a 11 n, dein verstorbenen Mitglied des Univcr- <1!ab-k'11rat01i!m1s, Cliaini Nachm,111 B i a I i k, einen warmen Nachruf. 111 demselben Sinne sprach Universitätskanzlcr f)r. J. L. Magncs, worauf die Sitzung zum Zeichen der Trauer for einige Minuten unterbrochen wurde. Nachher begann die Debatte über den Bericht der U 111 c r s u c h u n g s k וווס * m 1 ssi011. Be/üglicli einiger wichtiger (hinkte dieses Benditcs wurde eine einmütige Stellungnahme der Kuratoriumsmitglicdcr erzielt. Zur Ausarbeitung der künftigen Statuten der Universität wurde eine besondere Kommission eingesetzt. Der Tagung liegt auch das ausführliche Schreiben eines' der bedeutendsten zeitgenössischen Wissenschaftler vor, der »ne dauernde Mitarbeit an den Forschungen dcr_ Hebräischen Uwcrsität von einer durchgreifenden Reform ihrer Ver- »altniig und der Ausweitung der an ihr gegebenen; h-raiissctzuMgen zu w i s s c!1 s c 11 a Ft I i c 11 c r Forschung! ‘teigig gemacht hat. Dieses Schreiben wird vorläufig, eben- ''!wie der Bericht der Untersuchungs-Kommission, streng 'frt ra 111 i c 11 behandelt. Allem Anschein nach wird in diemi Bericht ziemlich scharfe Kritik au der bisherigen Art der!'fwallimgsiiiäliigen und wissenschaftlichen Leitung der Uni- 'Hsilat geübt, i)as Kuratorium wird sich außer mit den in c!c<er Beziehung durch/.uführcmlcn Reformen auch mit der Aufstellung des künftigen Arbeitsplans und des Etats «r Universität (i'ir das kommende Jahr zu befassen haben. . Universitätskanzlcr J. L. Magncs wird in einem Bc* ״At der Universitäts-Verwaltung zu dem Bericht der Rcvi- .‘»nsKoimiiission Stellung nehmen. Zürich, 15. August. (J. T. A.) Im Mittelpunkt der BejJtiingeii steht der neue Verfasst! 11 gsentwurt für die Uivcrsiiät, mit dessen Ausarbeitung ein Ausschuß J11 der ffden Sitzung des Kuratoriums betraut wurde. Die bisherige Erfassung beruhte darauf, daß die Universität ״von einem ti:1s prominenten jüdischen Persönlichkeiten in verschiede- | "‘,ו Teilen der Welt zusammengesetzten Kuratorium (Board w (iou'Niors) geleitet wird‘1 und daß ״die Verwaltung der } j*'üf*itlit dem Universitätskanzlcr (Rektor) und dem Pro- ‘ '''oren-Kollegium aiivertrant ist“. Die ersten Mitglieder des UiMturiuins der Universität waren ihre geistigen und matc- Men ürü!uter, weitere Mitglieder — bis zur jetzigen Zahl von ״Personen — wurden nach und nach kooptiert. Zum Kanzler ',Kektor der Universität) wurde bei ihrer Eröffnung _I)r. Magncs ernannt, ohne daß jedoch die Dauer seines nie Modalitäten der evtl, in gewissen Zeitabstäiulen 0imiielimeiiden Neuwahl des Rektors usw. festgesetzt wor- ®'i wären. Einer der wichtigsten Punkte des Verfassungsentwurfs sieht 1eScliaffunj.» eines neuen Organs der Universität vor, nämlich hics v i e r g I i e d r i g c 11 Senats, der für eine bestimmte slil von Jahren vom Kuratorium zu wählen wäre. Dieser hätte, ebenfalls für eine bestimmte Zahl von Jahren, “s seiner Mitte den Rektor der Universität zu wählen, 4 ist noch nicht sicher, ob die neue Verfassung Amtes, bes. Hieraus ergehen sielt Differenzen, die schon vor Jahren zu Kontroversen führten. Die andere Unklarheit rührt daher, daß die Uitivcrsität ursprünglich in der Hauptsache als ein Forsch u 11 gs- Di s 1 i tut, nicht aber zur Ausbildung und Graduierung von Studierenden gedacht war. Man war der Meinung, daß Palästina zu klein ist, um die Absolventen der hebräischen Universität später in den freien Berufen absolvieren zu können, zumal da infolge der jüdischen Einwanderung immer wieder bereits ausgebiidete Akademiker ins Land kommen. Der Forschling aber sollte eine Stätte bereitet werden, ohne das Studium darum ganz auszuschlicßcii. Lediglich das J11 - dais tische Institut sollte in weiterem Umfang auch Studenten hcranhikleu, wobei u. a. daran gedacht wurde, daß Plenum des Kuratoriums bestätigt werden wird. jüdische Lehrer, Rabbiner 11. a, aus dem Ausland ifir Studium in jüdischen Fächern ganz oder zum Teil in Jerusalem durchführen können. Infolge der für Juden immer schwieriger werdcmlcn Verhältnisse an den Universitäten verschiedener curopiiischcr Länder wurde jedoch ein zunehmender Druck auf die Universitätsleilung ausgeübt, tun die Aufnahme eines nor* malen wissenschaftlichen Lehrbetriebs wenig* stens auf einigen Hauptgehietcii ilurchzusetzen. Teilweise hat die Universität auch tatsächlich bereits diesem Gesichtspunkt' Rechmmg getragen. Es ist nodi zu berücksichtigen, daß in* folge persönlicher Verhältnisse und der Willkür der Stifter von Lehrstühlen in mancher Hinsicht eine Disproportion zwiselten Vorhanden ein und Erforderlichem bestellt. Im letzten Jahre sind bekanntlich in der Universität eine Reihe neuer Lehrstühle errichtet und mit früher in Deutschland wirkenden jüdischen Professoren besetzt worden. Der Züricher Tagung wendet sich ein erhebliches lntercsse der jüdischen Ocffcntlichkcit zu, weil man erwartet, daß die Kontroversen, die die beteiligten Kreise seit langer Zeit beschäftigen, hier ihre sachliche Austragung finden werden. vom Ehe sachlichen Meinungsverschiedenheiten über den Ausder Universität Jerusalem haben ihren Ursprung vor altem /1zwei Eigentümlichkeiten ihrer Gründung. Der eine Punkt die Verschiedenheit zwischen den amerikanischen ״u de» europäischen Auffassungen von Univcr- ^‘״erwahung. Die Gelder für die Erhaltung der Univcrj *' kommen /.um größten Teil aus Amerika, und als Ver-!1׳«iismani! der um das Institut bemühten amerikanischen r!lsc führt Dr. Magncs, selbst ein Amerikaner, die Veran U״K (U'"' Amte eines ״Kanzlers“, das in dieser Form ( .c'lr°päischen Universitäten nicht üblich ist. Lehrkörper I Stu(jcnte״ ebenso wie die meisten sich für die Universität ״״gierenden Wissenschaftler verschiedener Länder haben 1 ״och die europäischen Vorstellungen des Universitätsbetric- Echte und leere Deklarationen Der Auflösungsprozeß der liberalen Welt und das Ende dieser Epoche der europäischen Entwicklung hat dazu geführt, daß die Sphäre des privaten Lebens, die in der Vergangenheit sehr groß war, heute bei der überwiegenden Mehrzahl der Menschen stark eingeschränkt worden ist. Man lebt mit einem viel größeren Teil seiner Persönlichkeit in Gemeinschnfts/iisaminciih,äugen als frühere Generationen. So ist cs auch zu verstehen, daß in der heutigen Welt das Bekenntnis viel mehr bedeutet als in früheren Zeltern und daß der Einzelne — nicht nur von außen genötigt, sondern ans seiner eigenen Anlage heraus — dazu veranlaßt wird, über seine Gefühle und seine Einstellung zum Loben Deklarationen abziigeben. In dieser Zeit, in der die Massen der Völker in nie geahntem Umfange aus ihrer Ruhe heraus aufgcbrochen sind und Anteil an der Gestaltung ihres Lebens nghnicn, ist auch festzusteilen, daß dieses Bekemitnisabiegen weitgehend in dem Wirken einzelner Persönlich-, k ei ten gipfelt, die gleichsam als Protagonisten, als Sprecher der wahren Meinung der Völker vor sich selbst und der Welt das aussagen, was in den Herzen der Massen lebendig ist. Für uns Jude 11 ist diese Situation 11eu und eigenartig. Wir sind vielfach aus dem Rhythmus des Völkerlebens ausgeschaltet, mag dies mm kraft Gesetzes und durch den Wi!- len der organisierten Volksinehrhcit vor sieh gehen wie in Deutschland oder mag es dadurch zustande kommen, daß der Rhythmus der Völker anders schlägt, als Herz und Seele der Juden es zu empfinden vermögen. Infolge dieser Distan* zicrung gegenüber den heute so stark in den Vordergrund tretenden üemcinscliaftsbekcrintiiissen der großen Völker besteht nun für die Juden der Anreiz, daß auch sie in ihrem Kreise den Weg des Bckenticiis gewisser Gefühle und Hoffnungc‘11 bcsclireiten. Es ist schwer, in einer solchen Zeit abseits zu stehen und nicht auch als Glied einer fest in sich gefügten Gemeinschaft vor der Welt zu sagen, was man ist, fühlt, hofft und plant. Diese Verlockung hat im jüdischen Lager zu merkwürdigen Konsequenzen geführt. Wir sehen z. B. immer wieder, wie einzelne Sprecher des deutschen Judentums und auch ganze Gruppen ihren Glauben an ihr eigenes Deutschtum und ihre Verbundenheit mit Deutschland deklarieren. Dabei zeigt sich, daß man sich auf ein Gebiet begibt, das eigentlich nicht für derartige Erklärungen geeignet ist. Die Liebe zum Vaterlandc ist für den, der seit Ocschlcchtern in einem Lande wohnt, ein selbstverständliches Gcfühl, das wie alle eingeborenen Empfindungen zutiefst im Menschen wurzelt. Es ist ein echtes Gefühl — und wie über alle echten Gefühle des Menschen läßt sieh nur schwer darüber sprechen. Was in der Tiefe unseres Herzens wurzelt, strebt nach schamhaftem Verschweigen, und der reife Mensch trägt es nicht auf den Lippen. Wohl ringt das Heimatgdüiil in jedem Menschen nach Ausdruck — aber nicht in Deklarationen, sondern im Lied und in mancher anderen Form des künstlerischen Ausdrucks wird cs geprägt. Eine Distanzierung ihm gegenüber ist gar nicht möglich. Gewiß ist der Patriotismus der einzelnen Menschen verschieden stark entwickelt; die Erlebnisfähigkeit ist nicht gleichmäßig ausgcbildct, weder ihrer Stärke noch ihrer Riehttmg nach, und so schwankt unter den Menschen auch die Beziehung zur Heimat. Aber diese Unterschiede sind nicht zwischen den gesimiungsmäßig verschiedenen Gruppen zu konstatieren, sondern in allen Lagern gibt es Menschen der einen und der anderen Art. So mancher Zionist und auch mancher, der Deutschland im letzten Jahre verlassen mußte, mag mit dem Lande seiner Geburt viel stärker verbunden sein als andere, die das Bekenntnis dazu auf den Lippen tragen und den Verdacht erwecken, daß diese von ihnen so stark betonten Gefühle mehr äußerlicher Natur sind. So führen derartige Deklarationen nicht dazu, den Juden einen Ersatz für ihre Distanzierung von der Willcnsbildung der Umwelt zu bieten, sondern sie bedeuten nur eine Selbsttäuscliung, ohne echten Wert für die Gestaltung der eigenen Gemeinschaft. Der Wille zum Bekennen, der in den Juden erwacht ist und das Gesicht des deutschen Judentums heute mitbestimmt, hat aber auch die Gefahr eines rein deklaratorischen Zionismus heraufbeschworen. Man hat die Erkenntnis vom nationalen Charakter der Jtidcnfrage dazu erweitert, daß man das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum als eine wesentliche Leistung betrachtet, und daß man dieses Volkstum in seiner Art etwa so konstruiert, wie heute die Nationen Europas sich seihst empfinden. Es entstellt dabei eine Art von innerer Gleichrichtung, die es den Juden erleichtert, sich itt dieser Welt zurcchtzufimlen, weil sie nunmehr in ähnlichen Begriffen denken und sprechen wie die Umwelt. Diese Erschci- 111111g, die wir iin deutschen Judentum antreffen, muß aber gleichfalls früher oder später als ein Irrweg aufgedeckt werden. Sic erklärt sich aus der Losgelöst heit weiter Kreise des deutschen Judentums von der jüdischen Geschichte undaus der Plötzlichkeit, mit der manche den Weg zum Zionismus fanden, ohne Zeit zum Nachdenken und zu genauerem Stilliium. Diesen, die die halbe Wahrheit besitzen, die aber wie alle halben Wahrheiten gefährlich werden kann, sollte immer wieder gesagt werden: Zionismus und Zionistscin muß sinnvoll bedeuten, daß der Einzelne wirklich Jude ist und versucht, es immer stärker zu werden. Ein Frontwechsel im inncrjiidischcn Parteigetriebe und die Ablegung eines Bekenntnisses ist noch bei weitem nicht der wirkliche Weg zum Zionismus. Das Bekenntnis ist gewiß gut und notwendig; daran muß sich aber die Erkenntnis an* schließen, daß der Zionismus an den einzelnen Juden eine Summe sittlicher Forderungen stellt, da er als echtes Kind der jüdischen Gesninlgescliiehtc mit der Ethik verbunden ist, die das Produkt des jüdischen Volkslebens der Vergangenheit ist. Darum kann es nicht genügen, das nationale Bekenntnis als eine Formel aiis/tisprecbcn, sondern in dieser Zeit, in der sich das jüdische Volk noch in einem Zu׳s tarnt der Zerstreuung, ja der inneren Auflösung befindet, ist der sich als Zionist Bekennende nur dann vollgültig, wem! er seihst ein Kristallisationspunkt erneuerten jüdischen Lebens ist. Das gilt für Palästina ebenso wie für die Länder der Diaspora. Es ist datier ein groteskes Mißverständnis, wenn heute von manchen jiidiselten Kreisen in Deutschland der Versuch gern,acht wird, den Zionismus mit technischer Palästina-Arbeit zu identifizieren und ihn darauf zu beschränken. Wir Zionisten tragen vielmehr die Verantwortung Ihr das jüdische Gcsamtschicksal, und darum ist der Weg zum Zionismus ein so schwerer. Auch die anderen Gruppen des deutschen Judentums wollen Juden sein und cs stärker werden als bisher. Der Unterschied zwischen Ihnen und den Zionisten besteht darin, daß jene cs wohl guten Glaubens wollen, die Zionisten aber einen konkreten Weg zeigen, wie man damit Ernst machen kann. Viele, die sich Zionisten nennen, sind gewiß noch nicht fähig, diesen mühseligen und mit Opfern für unsere Generation beladenen Weg zu gehen. Die Besten der jungen jüdischen Generation aber empfinden die innere Notwendigkeit, diese Konsequenzen aus ihrem zionistischen Bekenntnis zu ziehen;sie sind die lebendigsten Repräsentanten des Judentums unserer Tage, sie werden die jüdische Geschichte weitertragen und auch im Gedächtnis der Menschheit als Juden eigener Prägung fortlcben. K. L,

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