Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-07-31 · Heft 61 (31.7.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 61 (31.7.1934)
Date
1934-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653509--25557-2682702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

יי I ן Nr, 61 / Ja^rganp: 39 i יי7ייז יי׳ק Preis RM-.25 r ור־־־י־״ו! ׳ -J t. 1 \.I1 V. ״.t 3 L,,,J tJ td,,|ftI*U״n*-v«,"1r «■• An«d11«״v«n״llunj. BorllnWlS.M.tn.kHlr. 10 F׳m״,US.״m,rl■•Nf. )1 m.m.nk 081/«, 7161^0,7240/^ . |W״E»P,״|, prn Monat RHU״«»0 י"י1.־״«> HM5.7S. I'twinchrrk - Komm cW AWim-mont•- Abu-Ilun*: Mi" 7«'2« ל1 ״‘1״י• •י״״י״יי4-1,״־’׳‘ ז״|> יל (für .1.» iihrlc«• Kelch). A״״l״n<(״. t,,״It in 1•"•%״ L*11()e«w«hrun1t. - Enchelnt Jed.n Dl<mstaK and Fr.lt»,, BERUH י״ם אב תרצ״ד DIENSTAG, 31. JULI 1934 ז»ס Z>0n»8MM8 erstrebt Ulr da» jttdlscho Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ,,Baseler Programm** Ansetgentarif 1 Pi• 12gr#pa!um• MtUim*!*r-Zr־i1« HM 40—־, (Ur St«U«Bge»uch• HM —40, tür FamillennichHchtan HM —45־ EinrnUnreigen nur gt*ß#»n Vorsu•״־ cahlung •ul Poitschetk-Krtnio Berlin 71018 ©der in der Anreiten-Annahm• Montag Ms Freitag lfi Uhr AnnaHmea־:hluft für dla Dienst•!-Ausgabe Montag 10 Uh* Wf di# Freitag.Auagab# Mittwoch 13 Dhr (Familiansn/algan bia Donner•(•! 10 Uhr) |rcnJ i ^Und- »11 א ץד״־י i Ltal Grenzen der Aiieröcseiz^ebung und Hemmungen der Praxis Die ־!,י' r « 11 k f 11 r t e r Zeit u n veröffentlichte am 26. d. M. einen Leitartikel ״Zur Situation der Nichtaricr'S worin sie an die auch von der ,,JtitL Rundschau״ In ihrer vorigen Nummer Isiita wieder^e^ehene tlntschcidtim: des Berliner Arbeitsberichts über die T a r 1 f p f 1 i e h t nü־hUrisriu*r Linnen anknüpft. Das Berliner Arbeitsbericht li^t sich auf den Standpunkt gestellt, Haß nichtarische Firmen, da sie nicht der Deutschen Arbeitsfront angeboren, auch nicht an die nach dem 30. April 1033 abgeschlossenen Tarifvertraue ^ehumlen sind. Dieser Fntschcklnnt' widersprach, wie von uns schon gemeldet, der ״Nationalsozialistische Wirtschaitsdienst'S und auch die Zeitschrift ״Deutsche Volks* wirtsdiaft“ polemisiert daneben. I>ie ״Frankfurter Zcitunc;״ erklärt in ihrem Artikel diese I־m\ve111lnn^cn für hcrcchtiirt. Ls handle si 11 heute nicht mehr um Tarif-״Vertra^e(<, sondern tun autoritativ j^csct/tc Tarifordnungen, die also für die Wirtschaftomlcn (ieltunu haben müssen. Auch die Nnhhrier, so sa׳;t die ,,Frank!. Zti:.“ mit Recht, werden nullt den Wunsch haben, von den Verpflichtungen der Tarif* Ordnung eximiert zu sein. Aber die Sache zciy:c wieder, zu welchen Unklarheiten die heutierc Laijc fuhrt. Dazu macht die ״Krank(. Zti׳.“ folgende AtisfFihrtm^cti: ..IV ü• (!cm .in 1» st־i, dit־<p und n11d1־rc Srliwi1*r1|jkrifrn hnhen oi!cnb!r!״ ׳.יחד!m in ■imo 011,'llr. niimÜrh die. <l,1ß die (üeieh'*U׳lhmg חי׳י Arinit und Nichi.*1iem i 111 Bcmclu’ des \Y irt st'linitdrhcns v.׳lud!;tut i) v 1 r n v 11 f 1 i c 11 e II c in m u n £ <' 1וחוו יו Widerstünde ',״id. I>׳ r ^nmd־iO/d1e!1e Aij-*־rhlu l!> jiüer Niehlarier von der Deutd!< n Ailu. iMicnf 1ml 1.. B. in dein oben b׳'"'hd<le11r!t Urteil y»1 c•0/ iinuumm-ien Knfi'.crjm n/rn ׳»eliihu, Daß er auch Itir d<e N;׳lt!.׳ru׳r m!ha in so man!!ur ilm-iehf beiliiiekei u! und .־uiih m.i'rnri! fnl^nnrirh sein kann, hiauclit kaum Ix'^wifleio hervar* cdiobm?u werden. Y,< ist doch so, dal* d׳c Deul־t־be Aibeitsfront. '1׳'׳h 10s /׳c! ״cm'I/.I hat. alle selialh1uiun Ihu!m 11<1ii1nmim׳n in dir‘n Rrihsii /!ן oi'baiiideren, wnbei t|er s0׳ia!e und ökonomisch** vdmn. wrhln'r;111solcher Milי״iv־(l׳.cbail envarh-J, keine'-\vc;*s yoing werden da!f. Von <k'n SidiaMemien in 1 V1tU<ld;m׳l bleibt 1 ״ו/חיז die (inippe der N i c!1 t;1 r i 4־ r von der M »lj»!if fkrhuU ״nl״'b , ‘i’duii .ui■-;;* o ido-- en. Wie aber kimnle es dio-en A)1>b1"'cldo-.-enen 1:1 ז' I).hn1׳' mnjdirh sein, }^leiidi d!'n aieleren zu wirf ־-ehullen, d,:1c daß i 1 ״ r 11 d eine Stelle ge^ haiicn würde, die sich nun . itic h i h 1־ e r a n n ii b me?! hiev!יי mir ein Bci'picl, und vielleicht nicht einmal eines der " cMnno, {|ie ,un dnn^i'iuklen neuer autoritativer Ordnung heilürien. b׳na immer wieder h‘U־v«ngeholr.'U wiuk daß die tlrnucn rief ׳Bor־ (I e s e 1 z g e!1 u n g von der K c i r h s r c g i c r u n g 4rlbs! gezogen worden seien, wenn ־sieh ci־•׳! kürzlieh mich Keirlxgcvie ht au! jene-s bekannte Kmids-ducitHU des ^hBmiiiMrrdes Innern bemlVii hat, in wiehern vor der Aus- '׳l|'׳nng der!ic|.r,rv־t/g!dunig nuf (iehiete gewand wird, für die ''r fl|d1! ite-t!1n!n1 m - - so tmd.» mau dabei heule weniger an den h'l von t e'-ct/ii) nU an t' nt er ^r| 1 it< 11* denken, die im prakt! ■eiten L!,rn g.'iuaelii werden. | )01 nielitanv'he jdi 1 uuiinliaher hat heule ,‘'■1״'',vOeu di,־ gl,•!ehe Auigabe wie der a־׳is( l»c: seinen Teil zum A׳!Mnd! dr.. Wiiivhalt-lehcii" und 7M111 Kampf gegen die Aibriu* י י A׳i! Ih i/u! 1 tg(*n. Um p!o 111/1 <׳t411. um AngeOelbe um! A1in׳iu־r 11 11,111 ,gen /!ן können, muß er ven-muleu. Wohin soll es nk<) »um von so manchen Niellen lokal immer erneut Auhulc ״,'i Aulmrdnungen an ade ergiditu, flie ai i^'üier Alnt .ur.nning .sind, '־|f^' Le Kiusirn 11ml jüdiseh־׳ (b'-eliiipe 7M meiden? Die können, ,Bdr gthtnden werden, dmehlaulrn alle tlrade der |)eudiehkeit, ',־n 'h'r lf ״'׳iiinii a Hosen Veröltet itl irhung langer ,,Juden! ist eil“ an, n d1'־׳fe11;d|r nicht;‘irischen K'iniH'1) der (legem! anlgeiührt werden, ' ’1er Diohung, d.it.1 die N.niU’iv all derer, die bei Juden k.mlten 1 r Ni ihnen kamen ließen, kimllig verdllentüeht wiinleu. Soeben . '’'י 'A wie Itei i! 1)!H, hei einer!pußrrt 'Lagung die!*'onnnlierimg f ׳״!N! SMndni, wer bt'i einem luden kaute,׳ einen jüdischen .ס einen jiidiv-iicn Amvali m Rate ziehe, hesoll» 11, sondern daß ihnen wie allen anderen Menschen die Aufgabe hieiht: zu leben un<! zu arl«־itcn. Da* wird lokal, wie ci schein!, Naehflem man nun die deutschen Nicht« der au-geschlosscn hat, denen der Staat besondere politischen und wadtümelmuliehen Aufbau hei• die Zeit kommen, in der den N i r h t h r i e r n c reich gesichert wird, in welchem sie in sind und in dem sic mich nach der Ansih.ui• aU ,.l'Yindc“ hingcstellf werden. Dien dürfte Rei׳ Imregicning em 1•prn hen, dum es i*t nicht mir an eine ,,gfuctrlichc“ Krlauhni?! ohne!>ei Aer/ten und für Nif!!tarier zuteilweise veikannl. von allen Bemlcn Bedeutung jiir dei legt, müßt(־ einmal c i 11 \Y j r k u n g s h c ihrer Bchtdgung frei ling de-. N'olk<'•> nicht am h dem Willen der an/tmrlimen. daß si,- praktische Möglichkeiten gedacht halte, als sie und Rech!־־!!!walten eine Reihe von Ausnahmen ließ und als sie durch das bekannte Schreiben de« Rciehsinrmi• mitiislers Pr. I1'׳iek einer Ausdehnung Her Arier•(icsrtzgrhting nuf die Ircie W’irlv■halt widersprach. Man wird sieh ferner erinnern, daß vor nicht langer Zeit, nämlich hei Uidegenlieit der ,.FrühjahrsoBcn* sive de> Deutschen 11andwerks, (iewerhes und F.inzeljiandcls“, jede a n t i j ü d i s e h e B o v k n l t p r o p a g n n d a 1» u * d r ü r k 1 i c h untersag! wurde. Allein die gleichen Stimmungen und mit ihnen dir gleuhm Schwierigkeiten tarn hen liier und dort immer erneu! aut. Diesen Snönningen Ivgegurn konnte nur c־t1e. autori• t a t i v e G r e u /? i e h u w g. eine Grenuivhtmg, weMte die (i«. wohniieiien des praktischen Lehens niisdriieklich mit den Schranken der Arier-Gesetzgebung in Uchereinst immutig brächte.‘1 Dehcr Hie Unklarheiten, die in der Stellung des 1 א clt tarier s in der Wirtschaft entstanden sind, äußert sieh auch ein Artikcl-dcr-iiRheitu^NSZ,.. Front“, Neustadt a. d. LL, vom Ti. d. M.t worin in Bezug auf die Behandlung: dieser Frage in der ersten Zeit der nationalsozialistischen Revolution ausgeführt wird: j ,,Vei •Ja ndiieh cr-dicint cs dem wahren Kenner nattonalsnzhlt« Mischen Denkens, rlaß man nach der Machtübernahme nicht g I 0 i 11 ־ו d a /, u ii h e r g i n g, den Juden a u 1 dem Wirt* s e 11 a t t s I c h 0 n zu beseitigen, wie viele es erwartet l»ytl>en mochten, Man kannte an verantwortlicher Stelle die Schwierigkeiten grw ,111 Mi'ncu 1 diigreitens. ICinc radikale Bereinigung W are־ glcieli* hedeulend mit eiiur Jbiteignung aller jildbelien (Jtitrrnclimrti gr* wr-ui. I rmeopnlii is( 11 gesehen halle das nichts Anderen!**dctiiet» denn das Lnisirhen eines un'gchcurrn D 11 r e h c i n a n rl e r, dessen 1 i ,111] וי leid! 1 agende die Arbeiter tmd Angestellten (Irr jüdis!dien l men ich nier gewesen wären. Außenpolitisch hatte ein derart igps \*oi gehen das gewaltsame .schlagartige Zerreißen *amtlicher Wirtschallsverhindmsgen mit jenen Völkern, hei denen jüdisches Kapital und jüdische Denkungsart ztnn großen Teil immer noch herrschend sind, /ur Folge gehahf.“> Der N.'iUonalso/IaTismus, so heißt cs weiter, habe daher tinlcr Zurückstellung der wirtschaftlichen Frage sieh zunächst der völkischen Durchdringung des geistigen Lebens zugewandt. Dehcr die weitere Haltung wird dann gesagt, daß leider noch heute viele deutsche Volksgenossen mit Juden Ciesehäfte ninchcn, was der Verfasser des Artikels mit EntschiedenlH'it׳ mißbilligt. In der vorigen Weihnachtszeit wären ״ungezählte Tausende ohne zwingenden Grund weiter zürn Juden gegangen“, um Einkäufe zu machen. Dazu fragt der Verfasser: ,,Ist das nicht schmachvollster Verrat, der cigcntlieh jedem die Schamröte ins Gesicht treiben müßte, der solches tat?“ Wir glauben nicht, daß solche Vorhaltungen der vom Reiehfcnnuister getroffenen Regelung gerecht werden. A v/t chmulzc* die deiitm 110 1( S|'Lt man g;m/. d.tvon ab, daß die. Folgen solcher Einstellung T f''(> ütiifvhe Wirt '1׳h;t!! selnvrHieh günstig sein können. so r,bt auch noch das Problem, d;!|j die Nicht.mer m Deutschland s nad! dun Willen der Reich^iegieiung nicht vernichtet werden Von der Deutschen Arbeitsfront in Franken Hie ״F r ii n k i s c 11 c T a p c s 7. c i 111 n g“ veröffentlicht eine vom stellvcrlrctcmlcn Gauwaltcr der Dcufschcn Arbcits• front in Franken, Stromsdorfor, Unterzeichnete Bekanntmachung iiher den Aufbau der Deutschen Arbeitsfront, in der cs zum Schluß heißt: ״Das kasseuprobleiii ist somit auch für <lic l<iesc׳nov1>anisation der D. A. F. das A und O. Nur die gernianische Rasse ist hcfalii^t zur höchsten Disziplin und damit zur höchsten Leistung. Audcrsrassigc, vor allem Juden, haben in der l). A.F. nichts zu suchen. Im Qau-Rercich des Frankenführers Julius Streicher wird auch die I). A. F., bis in die letzte Finheit hinein, nur nach dem einen Grundsatz geführt: ״Die Juden sind unser Unglück.״ Ion j״y Ueberschwemmungs - Katastrophe in Polen . Von der Uelicrselnvcmniuiigs-Katastrophc ln Polen, die 1',5»esondee Wcstgali/icn. aber auch Teile von Ost-Galizien , v״l> Kongrel)־l*olen hcim^esueiit hat, ist auch die j ii ־ :1 g!1 c B c v ö 11< c r u 11 g schwer betroffen worden. Am :״״ministen wurden Tarnow, Szczucin, Gorlica, Rabka, Neu-!;tiuiec, Snndomiei'z, Zawychost und die Warschauer Vorstadt dcowi/ita mitgenommen. Der Schaden wird auf etwa eine "":1"י« Zloty geschätzt. Davon entfällt etwa ein Fünftel auf «mditetci jüdischen Besilz, Die Zahl der indischen 011esopfer wird auf über 50 geschätzt, b 1 Mcrschweminten Städtchen Rabka ist de!* Dbrigc jüdische Reserveoffizier Josef Ncugasscr, nachdem ״clirere Fimvohiicr aus den Fluten gerettet hatte, bei einem .״erlichen Rettungsversuch erlrmikeu. Er wurde in einem ׳ Jüdischen' Gemeinde beigestclltcn Ehrengrab beiasetzt, 1.,י" Wcstgalizien sind tausende jüdische Familien im? l 08 Rc"'0rdc11. ln Ncusaiidec ist das von der ärmsten . ISchen Bevölkerung bewohnte Viertel Piekla durch die hochgclicndcn Fluten des Dunajcc vollständig fortgespidt worden. Das Städtchen Szczucin bei Tarnow ist ,von der Weichsel überschwemmt. Die fast durchwegs jüdischen Einwolincr rnuflien das Städtchen unter Zurücklassung ihrer Habe räumen und befinden sieh in schrecklicher Lage. An den R e 1111 n g s a r b c i t e 11 haben sieh die jüdischen Jugendorganisationen durch Zusammenstellung eigener Rcttungsnbtcilungcn hervorragend beteiligt. Zu den Rcttungs- und Sclmtzarheitcn werden in atlcn bedrohten Oertlichkdtcn sämtliche hierzu körperlich geeigneten Männer herangezogen. Ein jüdischer Diplomat. Seit einigen Tagen weilt in der litauischen Hauptstadt Kaunas der Erste Botschaftsrat der polnischen Botschaft in Paris, Minister Mühlstein, der einer frommen polnisch-jüdischen Familie entstammt und vor einiger Zeit eine Tochter des Barons Maurice de Rothschild geheiratet hat. Während zuerst die offizielle Version galt,; daii Mühlstein nach Litauen gekommen sei, um sich über jüdische kolonisatorische Ziele zu informieren, gibt jetzt die litauische Presse bereits offiziell zu, ,daß Mühlsteins Mission der Beilegung des polniich-litru•‘ ischcn Konflikts gilt. 1s Von unserem Berichterstatter Tel-Awiw, 18. Juli Die ״Italia“ läuft im Hafen von Jaffa ein. Sie hat Halbmast geflaggt, denn sie fuhrt die sterblichen Reste Bialiks nach Pa־ lästina. Noch geht die Arbeit in der stark pulsenden Stadt Tel- Awiw ihren gewohnten Gang, aber über den Menschen, die auf dem Bau, in den Fabriken und Werkstätten beschäftigt sind, liegt ein dunkler Schleier der Trauer. Eine Ehrenwache geleitet den Sarg ins ״O h c I Schein“, jenen der hebräischen Sprache und Kultur geweihten Saal, wo Bialik unzählige Male am Samstag-Nachmittag bei den von ihm initierten und geleite* ten Veranstaltungen des ״Oncg Schabbatli“ über Wissenschaft und jüdische Geschichte, über hebräische Literatur und Tra* dition gesprochen hat, jenen Saat, wo der Dichter erst vor wenigen Wochen vor seiner Reise nach Wien von den palästi* nensisdien Juden Abschied nahm und mit der groliartigen, ihm eigenen Offenheit harte und ernste Mahnungen an die Ver* sammelten richtete. Die Hinterbliebenen und die nächsten Freunde nehmen hier Abschied von dem Toten. Und dann öffnen sich die Tore des Hauses für die Massen von Tel* Awiw׳, die in drückendem Schweigen in der glühenden Hitze des Sommertages an dem Sarge vorbcidefilicrcn, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen und sich des Bialiks zu erinnern, den alle kannten. Bialik war für die palästinensische Judenhcit ein Symbol und ein nationaler Dichter. Er war der Mann der hebräischen Renaissance, aber darüber hinaus einer der wichtigen Mittel* punkte des öffentlichen Lebens. Jeder kannte ihn im Land, den Tcl-Awiwcrn war seine gedrungene Gestalt und das holz« schnittähnlichc. Gesicht eine vertraute Erscheinung. Man be* schifiigte sich nicht nur mit seinen Werken, sondern seine tagliehe Arbeit, seine Ansicht üher schwebende Fragen der Politik \ und insbesondere der Kultur hatten entscheidendes Gewicht. An Ulen Festtagen ging man in Massen zu Bialiks I laus, um mit Jilim zu feiern, seinen Sprüchen und Erzählungen zu lauschen, jdic immer aktuell waren und dabei getränkt mit jüdischer Tra* klition lind Assoziationen aus der Folklore und der Legende. Und jetzt, in diesem Moment des Abschiednehmens denkt wohl jeder dieser Tausende an die Momente zurück, wo ihn ein Wort des Toten nachdenklich machte, ein Witz aus seinem Munde ganz Tel-Awiw erheiterte, sich in einer Festnacht die Menge in seinem Garten drängte. Um Mittag schrillen die Sirenen der Feuerwehr und der Fabriken durch die Stadt. Die Arbeiter verlassen ihre Arbeits« platze:'Läden, Fabriken, Lokale schlichen. Der Verkehr stoppt und die Straßen füllen sich mit einer dichten Menge aus allen Kreisen und Schichten. Kein lautes Wort, Stille üher den heißen dichtgedrängten Straßen der Stadt. Und langsam, unendlich langsam beginnt sich der endlose Zug durch die Gassen zu bcwegen. Eine Ehrenwache der Tel-Awiwer Polizei, die Vertreter der Palästina-Regierung,, die der auswärtigen Konsulate haben sich im Ohcl Schein versammelt. Am Haus Acliad Haams, an der grollen Synagoge, an dem Hause des Dichters, in der Straße gelegen, die seinen Namen trägt, bleibt der Zug stehen. Keine Reden, nur der Gesang des El Mole rachamim erhebt sich üher die dunkle Menge, die ihren stillen Weg zum Fried* hof weiter aufnimmt. Und der alte enge Friedhof von Tel* Awiw׳ erhält eine neue frische Gruft. Nach einigen Stunden beginnt von neuem der Verkehr, aber die Stadt findet nicht zu ihrer gewohnten lauten Froh* lichkeit zurück. Sie kennt Massenansammlungcn auf ihren Straften, aber früher waren es meist die Feste, die die Men* sehen vor die Türen, auf die Dächer und die Terrassen brachten, um in der hellen Sonne ein fröhliches Schauspiel zu genießen. Im letzten Jahre brachte nicht nur die Freude, sondem die Trauer die Menschen zusammen. Durch dieselben Straßen bewegte sich der Zug mit der Bahre Arlosoroffs, ging vor kurzem die trauernde Menge hinter dem Sarge Pinskers her. Zeiten der Trauer und der nachdenklichen Besinnung. , Die palästinensische Presse war in diesen Tagen vor allem Bialik gewidmet. Bialiks Dichtungen, Essays, Sammlungen, sind kostbarster Nationalbesitz. Die Arbeiterzeitung ״Da wa r“,die jeden Tag etwas Wichtiges von Bialik brachte und auch Die Reichs Vertretung zuxn 2. August lm Angesicht« des 2. August, an dem vot zwanzig Jahren ungeheures Geschehen unser Vaterland und die Welt erfaßte, sind wir dessen gewiß, daß alle deutschen Juden in ernster Andacht und Einkehr diese• Tage• gedenken werden. Die Reichsvertretung der deutschen Juden BAECK

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.