Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 60 (27.7.1934)
- Date
- 1934-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I. IUÜ1 mit י¬ ין* (2 Gl t;ia;נ -.;1 ׳׳;» 1׳»־s r Io 39 60 / Jahrgang --f ן־י־זןןן—ן ן«^ gMI 111»WWj| t-• *—*•Ä .. J I t t ץ" %"■־*—"*"ן ^**י-״ון \!׳ 11 1L.j V,״j JJ ^p-*«**>*sw ך-,*—־^״| Freia EM —.25 M,ri«leltn11*.V<»r«1>!r ■• 1 B.rttn WlS,M«tn.k##tT. 10 1S»m״fI-Nr, 11 Blom.rck 3181/82,7165׳TO, 7240/42 - Bejuppreto pro Mob« rM 2—, r־ •75.* '*״•»0 ״* Portiilirrk * Ko.iion der Abonnrment•* Abteilung: *1» tl “1 P5 VflA ^׳16) 71573 110״ CmS-lUrlin), B.rlln 17 392 (lür d•• üMc« Rolch). Au.lmd,. ' * '* 1 י* *־ ' U *,״» L.nd..w*hn1״«. - Encholnt ]•d•« Dl.n.U, «D4 r,.ltag, FREITAG, 27, JULI 1934 pgr Zionismus orstrobt für da« )Odlscho Volk die Schaffung olner Otfontllch - rochtllch oosichoilan l J L I f J An1»lg«nt«rif 1 pl• I2ß«»p«rlt#n# Mitlimafer-Zeil• HM —,20, für 8f*1l«URMuch• RM —40, für F*ml!i«1m*chrtcht«n RM —45• Elnztlanrelgm mir geg«« Vorauftahlung ■ul PerticfocJi'Koato Berlin 716W oder In d«r Anrelgen-Annahm• Montag bl* Fraltcg 9—18 Uhr Ann«hre«*d1!u& lür di« Dlooxag-AuigaH« Montag 10 Uh» füg di• Fr«it1|<Au*!1b• Mittwoch 13 Uhf (FinilicDtaitigtn hi* Donn«r*t*g 10 Uhr) Heimstätte In Pal&stlna« |יBasalar Programm19 (ך*4 —י jpMM, J׳״״*״**fc 1 ׳ ן ' 1 ־ 4 י >—f&1״J wj ויין Jn diesen I ״’« ,״>:!״ wieder einmal die internationale Im? Europas idteraiis verworren und trübe erscheint, srbweij* die Gedanken zurück zu jener Zeit, deren zwanzigsten Jthrrslag 11'־״ frl: 1 begehen. Seil den letzten Juli lugen des Jahres 191-1 ist eine neue Epoche ungebrochen, eine Epoche jfr l'nruhe, lies schweren Bingens neuer Kräfte um ihre (;,-stall, der Explosionen und Wandlungen. Es ist bereits fine Saiizc Generation atifgewaehsvn, die sieh von der Zeit der 0f,-ren ltnhe und Sicherheit, in der man bis zu jenen Juli• 1ד)־־ן des Jahres 1911 lebte, keine Vorstellung mehr machen ionn. Di!' Menschen von damals gl,iahten, ihr ganzes Lehen im voraus berechnen und planmäßig gestalten zu können; kulr lühll sieh jeder mehr als je alsein machtloses Glied eines imerhntiTn Geschehens, das die Wünsche des Einzelnen ״ichl berücksichtigt, das schon viele Opfer gefordert hat und immer neue fordert, wahrscheinlich noch eich> Opfer fordern wird, bevor ein neuer Zustand der Stabilität erreicht ist. Die lange Periode der Sicherheit hatte so ernüchternd fcwirkt, daß vor zwanzig Jahren die Ereignisse ungekannte Mächte der Seele weckten, ein Gefühl der Erhoben• heil und Begeisterung ergriff die Völker; die Schrecken des vier Jahre dauernden Krieges haben dann das menschliche Erlebnis des einzelnen Frontsoldaten geformt, so daß kürz• lieh einer der maßgebenden Männer Deutschlands — gewiß unter der Zustimmung der Frontkämpfer aller Nationen —■ in einer Bede sagen konnte, daß, wer dies mffgriuar/t( hat, seine ganze Kraft für die Erhaltung des Friedens einsetzen teird. Wir Juden haben damals in allen Eündern, U’o wir als Bürger zu den Fahnen gerufen wurden, unsere Pflicht gegenüber dein Vaterlande erfüllt; eine unübersehbare 7,ahl von Anerkennungen und .Auszeichnungen liegt vor. Aber als Volk mit einem langen Gedächtnis ist in ans das Wissen um die Grauen feiles Krieges besonders lebendig. Alle he- Iciliglcn Völker haben im Weltkrieg Unsägliches gelitten, und es wäre unpassend, unsere jüdischen Leiden besonders zu betonen; und doch ist es eine Tatsache, daß in den meisten 1,ändern wir als Jaden nach ein spezielles Fas zu erdulden halten, weil wir ziear an dein Schicksal und den Opfern der kriegführenden Nation teilhalten, zudem aber unser Ans• gcschlussensvin erfahren mußten. Wcmi man uns Juden oft Bei der (jrt'nzlaiKl-Kumlgdninij «der Hitler •Jugend in Aachen am 22. d. M. hielt Gauleiter Staatsrat droht eine An'praclic, die von den Zeitungen folgendermaßen wieder• jcjrhcn wird: ,J’ie Ju״x־n«l sri die Zukunft l>111׳lM־l1lan1k. Sic mii'.-e sich immer Ir1161 #־ Mnlirn, auf welcher Gru11<lla”1: die geschalfern־ Hinheil de־ Volkes siehe. J'ls sei die Rasse und die Bluts- זן me i n seli ,1 f I. Wenn das deulsehc Volk den RhsscusI ,mtlpunkt Vlirttc,!Lim 11 cd«• ule das n i c 111, daß es andere Rassen ■ 11 m i n 11 e r w r r 1 i g hc Ir achte. Wohl aber bei rächte cs uinderwerli״. H.is sei die jüdische. I>1־1׳ Jude ganzen Welt, vom Profit, immer nnr Rii'-e .1.. .... ,. , ״ ־‘I der i'ciinl jeder iiiMiiiidigeii 1 ienieiiiseliiill in der Jude s!i der Feind der Arbeit; er lebe ״M, :uniere \ brr ■strrl .!1(11 ׳m!־l 1.1111111־, •! 's.ii.ui sei!Irr Y.iier 1 1'111'H־ alles '! eulelsiierk. "11 ׳heu ll.ilt 11-1111011־ wo >At. De >־ und dei 11 der Well ‘s Incdferti; dker zugrunde zu riehlen. So v tr cs schfm vor w.ir es sclom seil t'hristus, der ja 11111־ tiäpl01 hat, ■s jüdischen Volkes. Von den Juden Ir habe dem tlenl sehen Volk jeden 111־, und d,!s sei ihm mt> 11 Icibeeisc Irr lode sei der IJ11111־ m־i* ilcs Klit-si'iihasses, des Murxisder I» inketlialtigkeit. Ho habe er Ih'HtsehlaiwI zum Spiel* ,Tmiiiil. Vor dem Kriege liiibe er die AVelt gegen Iti iilsi bland aufgebelzt. 1111 Kriege lialtc er (Iretielßeg! 11 das dnilseliR Volk verbrcilel. Xnelt dem Kriege Im Vn'k :iilsgebeitlet, Wi1lsrb.il• und Kultur vernichtet. Bis der di 11 K.impf gegen das Judentum iiufgenomnion bube, tze er die Weit wiedrr gegen!Ins friedlielic Deutschland, ■e die deiitselie jiigend wissen, daß ihr die Reinheit und ilie leigen,irf des Volkstums über alles zu gehen ־ml müsst־ wissen, daß sie ihr Blut sauber zu ballen ml sei veninlwortli׳ b tiii das Weiivilcben der Nation, hinge und jedes deutsche Müdehen, sc* erklärte uu!at tliol^L Jiiler grollem Beifall, müsse sich 8 c 11 a in c 11, 11 11 11 *י! 1׳ e. 11 n 11 r f r e 1111 d I i c 11 a 11 1 u s 011 e n. " er oiirm Judtu kaufe, (־inen jüdischen Atzt od 11"'■!dt zu Rate ziehe, bc'siliumlze die den! I n rre Anständigkeit 111111 unsere M e 11 se 11 1 i e 11 k e i t r־tn um,, so fuhr flatihüler tiiidse fort,!len Juden als einen 11'I nt 11t b.indi ln. Wenn die Volker in teilt' ec ht leben wollen, dei Jude sterben. Wir beliuden uns da in einer (.ct tdiiisiiis, der eikliiito, «1.1 Ü der Satan der Valor des em/iiMis sei; ui! bclindcn uns in (leselisebaft aller großen Männer ז Utlt, mdiramdcre der deutsdien; wir betinilcn uns in Geselld<׳r christlichen Kirchen, "dan, Bas tniiss־׳ die ׳' ׳'iUmlt des Volkes •li ' fntis 1 יU u t r I'i!■ jn •־?* Dh Jn; de j1*,t \!nrn Kr. h! •r einn» jinJibchcji ,1-hc Klirc. 'חח muß '1'■'Im(( it! 1,׳uwt (Irr kaiiioüsclicfi und der cvundeulHche Jugend wi־#sc(1, dünn .sitlicre sic cs und erwetve der Menschheit den grötiten •dii ^ir haben in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rund- (Nr, 5' (־ .״־־־4:" ' ״״,׳ י "־ ‘ ־ ' vom 21 , ״»י /׳״! ii. Juli) auf einen Artikel des Leiters Massenpolitischen Amtes der NSDAP, Dr. Walter Groß, ■־KasscnstoiA und Politik“, der iui ״Völkiseiirn Beobachter“;rs'niencti war, hingewiesen. Darin wurde mit allem Nachdruck ״daß der Nationalsozialismus gar nicht daran denkt, ';1״c Rassen herahzusetzen oder als minderwertig zu bc* 1־c.incn“, l)r. <,roß forderte seine Leser auf, ״im Inund_Aus* ין־ e dieser richtigen Auffassung in unserer Haltung zum Siege ‘ 'erhelfcn“. Wir haben der Ansicht Ausdruck gegeben, daß ] K.c Anschauung■ sich auch auf uns Juden beziehen soll, j, lJ die einzige größere frettnirassige Gruppe, mit der der : Mottalsozialismus im Inland zu tun hat, die Juden sind. Wir t)|"nc״ ״icht entscheiden, ob Herr G r o 11 d die offizielle Auf- ^'111g richtig interpretiert, wenn er sagt, daß das deutsche ך *war andere Rassen nicht als minderwertig he- ■achte י k - _ t .. . « j. ».1״ . . . 1׳her eine betrachte cs als minderwertig, nnmlicl» i" Jüdisch! ־ ־ ... rr Atdfassumr. cs sei minderwertig, nicht kann sich natürlich a n s c h li e * 11 ti 5הס Das jüdische Volk 3 ■■■־■•־־'suug, cs sei minderwertig, . j ״• Aber cs ist für uns deutsche Juden von größter Bcdeukr, zu erfahren, in welcher Weise vor einer Versammlung j״ v,cReicItt hunderttausend jugendlichen Menschen [^deutschen Volkes das Judentum beschrieben wird düt, wird sicherlich auch einen Blick in die Ge• c und in das Leben ringsum tun und vielleicht HlQ p-- 1 manc!• einen Blick in die Ge- - in das Leben rings״.- ן,. -Rer nachdenkliche junge Mensch dann ein anderes u 'V0m Judentum und seiner geschichtlichen Leistung bc- C« Und auch erkennen, daß seine jüdischen Nachbarn, W0״I »andersartig“, so gute oder schlechte Menschen sind "׳/ר׳ j ü wie andere auch. Es entspricht unserer Hochachtung vor dem deutschen Volke, wenn wir glauben, daß die deutsche Jugend, auf die ein .unermeßliches Feld geistiger und pltysischer Arbeit harrt, andere Ideale hat und andere Ziele sieht als die Bek.'impfttng des Judentums. Wir können nicht glauben, daß das deutsche Volk und seine maßgebenden Männer der Ansicht sind, daß man sich schämen müsse, einen Juden ״auch nur freundlich anzuscltcn“. Nach unserer Auffassung mul nach Auffassung zahlloser Christen ist Freundlich-anschcn sogar des Geringsten niemals eine Schande, Und wenn die Rcicbsregicruug in ihrer Arier-Gesetzgebung Juden eine Be• tätigung als Arzt oder Rechtsanwalt, insbesondere aber im Handel belassen hat, dann war sie doch offenbar nicht der Ansicht, daß jeder die ,,deutsche Fhre beschmutzt", der mit diesen Juden zu tun hat. litt Gegenteil, von maßgebender Stelle wurde immer betont, daß die Juden, die ihrer Profession ruhig ttacligcheii, vollen Schutz genießen. Gerade bei der Jugend, die selbst noch so gut wie gar nicht im Wirtschafts• leben steht, könnte diese Warnung vor einer auch nur außer* Iicl1-gcscl1äf(lichen Berührung mit Juden als eine Steigerung des A f f c k t e s wirken. Wir Juden werden dttrcli solche Reden In chic!!heraus schwierige Situation gebracht. Denn wir wissen, daß uns weder ein Linfluß zusteht, noch daß eine Apologetik sinnreich wäre! zugleich aher glauben wir, daß gerade die Besten des deut• sehen Volkes nicht begreifen würden, wenn wir nicht wenig• stens unsere Stimme für unsere Ehre erhöben. Wir verstehen, daß unsere Lage im heutigen Deutschland eine besondere und delikate ist: Wir wurden als rassische Sondcrgruppc aus dem Volksleben ausgcscliicden und leben in einer Sonderstellung. Gerade darum aber glauben wir An• sprttch zu Italien, daß die Grundsätze, die oftmals, zu• letzt von Dr. Groß, über die Achtung fremder Rassen aus• gesprochen wurden, auch auf uns Anwendung finden. Der 15. Aw (27. Juli) Es dürfte nur wenigen bekannt sein, daß der 15. Aw, also knapp eine Woche nach dem 9, Aw, als Tag der Freude begangen wird. Fr galt in Palästina, ähnlich wie der tim sechs Monate zurückliegende 15, Scltwat, als großes Volks• fest. Verschiedene freudige Anlässe, so daß das Sterben des Geschlechts der Wüste sein Ende fand, daß die bei der Ein• nähme Bcthars nach dem Bar Kochba-Aufstand Gefallenen bestattet werden durften, wurden attf diesen Tag gelegt. Vor allem galt dieser Tag als Tag der Holzspcndc, da die Lieferung des Holzes zur Unterhaltung des Feuers auf dem Opferaltar beendet war. Er hatte auch die Bedeutung einer Sonnenwende, da nach dein Talmud die Kraft der Sott• umstrahlen mit diesem Tage abzuitehmcit beginnt. (Tannith 31.) Die Mischna (Taauith 4, S) erzählt, daß keine Tage in Jisrael so gefeiert wurden wie der 15. Aw und der Jomkipptir, denn an ihnen zogen die Töchter Israels in gelicheneu weißen Gewändern in die Weinberge hinaus, und führ• fett dort Reigentänze auf lind forderten singend die junglinge auf, ihre Wahl sorgfältig• zu treffen, nicht auf äußere Schönheit oder Reize, sondern auf die Gottesfurcht der Frauen zu blicken. Dieses schöne Fest zeugt von dem einfachen, na• türlichcit, sittlich hochstehenden Volksleben unserer Vorfall• ren in ihrem Lande. An diesem Tage bei dem Reigen fanden viele Mädchen ihre Lcbcnskatncradcn. Sic sollten aber auf jeden äußeren Schmuck, auf prunkvolle Kleider verzichten, damit allein die persönlichen Eigenschaften wirken konnten und aile Mädchen, gleichgültig welchen Standes, gleiche Chancen hatten. Aber auch die Vorschrift einfacher Gewänder ge•• niigte nicht; auch für die Acrmstcn, die sich nicht oinmal diese beschaffen konnten, mußte gesorgt werden. Daher soll• ten alle Gewänder geliehen sein, um die Armen nicht zu beschämen, und damit kein Mädchen hinter dem andern zu• rückzustehen brauchte, ,Erich Rosenbiiith., ״Pazifisten" genannt und dieses Wort als Vorwurf gemeint hat, dann können wir nur erwidern, daß wir in der Tat in der Erhaltung des Friedens ein gewaltiges sittliches Gut sehen und die ]'rrnichtungcn des Krieges, die unermeßliche Qual der menschlichen Kreatur, als Unglück betrachten; aber 1911 ist rifi Beweis dafür, daß wir in Zeiten der Not auch unsere Pflicht ebenso erfüllen wie jeder andere Mitbürger. VP1V Juden haben keinen Einfluß auf die Entschließungen der Völker, Die in letzter Z.eit manchmal au/gctauchle Vor• Stellung, daß das Judentum zum Kriege hetze, ist völlig absurd. Die Menschheit, so glauben wir, sehnt sich nach Frieden, lind gewiß wir Juden mehr als alle. Denn wir, die eine große Aufgabe des Aufbaues haben, wünschen eine Zeit der äußeren und inneren Beruhigung, in der auch die seelischen Voraussetzungen zu einer ruhigen und sachlichen Behandlung unserer Lebensfrage, der Judenfrage, gegeben sein werden. Viele Juden bewegt heule die Erinnerung an jene Zelt, Einer unserer Mitarbeiter schildert hier die seelische Situ• atlon vieler aus seiner Generation. Von Dr. .Willy Cohn, Breslau Wenn heute überall in der Welt die Menschheit zwanzig Jahre zurückdenkt, an jenen Tag, an dem der große Krieg ausbrach, so hat auch der Jude ein Recht, seine Gedanken rückwärts schweifen zu lassen. Zwanzig Jahre sind eine lange Frist, und es ist viel• leicht nicht ganz, leicht, noch einmal jene Gefühle wach• zurufen, die uns bewegten, als wir damals ins Feld zogen. Mat3 greift zu vergilbten . Kriegstagebüchern, zu alten Briefen, und man kommt allmählich wieder in jene Stimmung hinein, die einen erfüllte, als man Anfang August ldH die Heimat verließ. Hier soll nicht die Rede davon sein, was deutsche Juden im Felde geleistet haben. Wir halten es nicht für richtig, immer wieder auf die Opfer der 12000 Toten hinzuweisen und auf all das, was in sclbstvcrständ« lieber Pflichterfüllung geschehen ist und geschehen mußte. Eine wirkliche Leistung wird dadurch nicht größer, d;!ß man sie im. Munde führt, und die Haupt• sachc bleibt, daß jeder einzelne der alten Kriegsteil• ncluncr, die heute noch leben, vor seinem Gewissen rein dastcht. Wovon hier die Rede sein soll, ist etwas anderes, Es dürfte für die inzwischen herangcwaclisene junge jüdische Generation, die von all diesen Dingen nichts weiß, von Interesse sein, nachlebcnd mitzufühlen, wie ein jüdisches Erlebnis im Weltkriege neben dem deutschen sich hcrausbildcfc und wie so der Weltkrieg zu einer Schicksalsstunde seelischer jüdi» scher Wiedergeburt in so manchem der Mit« kämpfer von damals wurde. Als die deutschen Juden ins Feld zogen, kamen sehr viele von ihnen aus einem Milieu gesicherter Bürger« lichkcit und aus einer völligen Verankerung im deutschen Erleben. Das Jüdische in ihrer Seele war bei den meisten von ihnen, wenn auch nicht gerade abgetötet, so doch von anderen Schichten überlagert worden. Der Anfang des Weltkrieges brachte den Burg« frieden und bei sehr vielen zunächst die absolute Ucbcrzcugung, daß es mm für alle Zeiten mit juden« gegnerischen Vorurteilen in Deutschland zu Ende wäre. Waren wir doch alle damals sehr jung, und die ge« sclüchtliclicn Parallelen der Vergangenheit waren uns noch nicht recht zum Bewußtsein gekommen. Der feldgraue Rock verdeckte auch zunächst alle Ungleichheit der Herkunft, der Rasse, der Religion, und solange der Bewegungskrieg int Westen im Gange war, so schien es so zu sein, als ob alle, die die deutsche Sprache als Muttersprache sprächen, von einem unlöslichen, nicht mehr zu trennenden Bande umschlossen wären. Allmählich aber wurde uns mit der Dauer des Krieges klar und besonders mit dem Uebergang vom Bcwegungskrieg zuin Stellungskrieg, daß dem doch nicht so wäre, und daß dieser Traum der alles verwischenden Gleich« heit eben nur ein Traum war und sein konnte. Das Erlebnis kam von zwei Seiten her. . Es regte sich hier und da, •zunächst schüchtern, dann stärker, Judcngcgncrischcs. Es sei nur er« innert an die Tatsache der ״Judcnzählung“ im Felde, die für den jüdischen Kriegsteilnehmer der Front eine un« geheuer schwere seelische Belastung darstellte. Es ist nicht an der Zeit, und heute eigentlich auch sinnlos,