Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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jClDltl Ht NUNDSCHM N < J3. 3 JULI 1934 B E R LI N E UNDSCHAU i & ' י,י״׳*י*'י#יי*ןו4ו / "jUt ( «־#£ ן - ( -*-,׳.*.»י ׳יי .*.,yfc. ~V׳-X ****** ־f ‘־*־* ■׳־"''*י"' V«.ä״ » ..־»־׳ * יי^ן \ •MV•״«* yp'+S^ r ־ ״# ׳/' ־׳ / % 1־■ r/2br \X (*«י« "יץס.• \6 r«־׳ ״■׳ ■■ \ .{7 4! ix \ff^wn/14inulii1n1i1h Aus ilcii Vitsrlften der Ausstellung £11 ׳!• FasaailienSorschung Urkunden und Jitkor-Bücher \,י.^ \י ייפוך* '1 Festsitzung und Ausstellung der Ceseilschalt für jüdische Familienforschunj». In der Ausstellung der Gesellschaft für jüdische Faniilienforschung haben viele jüdische Familien, die hier ausgestellt haben, von den kulturgeschichtliehen Leistungen der Juden Zeugnis abgelegt. Die großen Vereine und Verbünde dokumentierten durch ihre Dclc• gierten ihre rege Anteilnahme an den Bestrebungen der Gesellschaft. Außer Ministerialrat a. D. Hirsch, der für die Reichsvertretung sprach, erklärten u. a. Dr. Kramer für die Z.V.f.D. und Dr. Klee für die Jüdische Gemeinde ihre Sympathien für die Gesellschaft. Das Hauptreferat ,,Aus den! ersten Jahrtausend deutscher Judensiedlung“ hielt Prof. Ismar El bogen klar, prägnant und historisch begründet. Dr. R c i ß n c r sprach vom Standpunkt der Jugend mit großer Wärme und klarem Bekenntnis über den ״Sinn der Rückkehr zur Familie“. Dr. C z c 11 i t z e r gab einen fesselnden Rückblick über die ״Zehn Jahre jüdischer Familienforschung“. Die Ausstellung war mustergültig, mit viel Liebe und cindringcndcm Verständnis für die Materie aufgebaut. Aut Einzelheiten kann hier nicht cingegangen werden. Zu erwähnen wären die Bilder von Grabstätten aus Prag, Eger, Lychcn. der Chali/ali-Schuh aus dem jüdischen Museum, der Passierschein für einen Schut/juden, unterschrieben v, Tilh 1630; ferner eine Schuldentitguii;surkundc aus dem Jahre 1307, in Reproduktion aus München gesandt. Geburts-, Besrhneidungs-, Heirats- und Totenbiklier aus dem 17. und 18. Jahrhundert; Bürgerbriefe, S hi :.;»:itrakte, Zulassung«• und Promotionsurkundcn jüdischer Aer/tc, Familienporträts, Familiengeschichten und Stammbaume, die bis ins Mittelalter reichen, vervollständigen das Bild. Dr. T. Simon. Veranstaltungen Jüdische Chöre Im Kulturbund. Es muß hervorgehoben werden, daß das letzte Chorkonzert besonders viel jüdische Musik brachte. Mir schien, daß an dem Tage, an dem ich zuhörte (am 10. 6.), gerade dieser Teil des Programms mit besonderer Begeisterung aufgrnommen wurde. Das lag nicht nur an der Urwüchsigkeit und dem feinen Klangsinn des Diri- Renten Bcrtliold Sander, sondern mehr daran, daß alle fühlten: das hat etwas mit unserem heutigen Leben zu tun, das ist irgendein Teil von uns, etwas Heimatliches. Wir hörten entzückende Bearbeitungen palästinensischer Hirtenweisen von Israel Brandmann, darunter ״Hinne achalela", eines der bezauberndsten Lieder aus Ercz Israel — auch schon von Paul Dessau und Bcrtliold Goldschmidt bearbeitet. Dann folgten sehr geschmackvolle Chöre von Aron M. Rathmüllcr, Engel und Ci lädst ein. Der 137. Psalm von James S i m o n, eine Berliner Uraufführung, ist eine ehrlich empfundene, gut geformte Musik. Der Opemchor sang wieder mit Farbe, Prägnanz und kammcrmusikalischer Gelöstheit. Für die außerordentlich echte, charakteristische Ausführung eines Tenorsolos im ״Saigrai mene“ von Ciladstcin hotte sich Edgar Alexander einen Sondcrbcifall. Den ersten Teil des Programms bildeten italienische Madrigale des 16. Jahrhunderts und dcutschromantische Chorlieder; Sander stattete sie mit virtuosen Klangwirkungen und freiwechselndcn Tempi aus — oft zu kompliziert, über das Ziel, das näher liegt und auf einem einfachen Wege zu erreichen ist (wie etwa bei Brahms) hinausdrängend. Der Pianist Hans Margolinsky war ein diskreter Begleiter. Orchester der Jüdischen Kiinstlcrhilfc. — Liederabend. Las neugegründete Orchesterder JiidischenKünsti c r h i 11 e trat vor kurzem öffentlich mit dem dritten Brandenburgischen Konzert und einer instrumentierten Orgelphantasie von Bach auf. Es war eine ansehnliche Leistung, im Verhältnis zu der nur Htägigcn Probenzeit. Es wurde frisch, exakt, wach musiziert dank der klaren Führung des Dirigenten Bcrtliold Gold Schmidt. Man muß nun abwarten, wie sich das Orchester weiterhin entwickelt. Es hat jetzt viel an klanglicher und rhythmischer Zucht anzunehmen. — Der Alt Else Scligmanns bedarf noch einer intensiven Schulung. Er besitzt wohl eine gewisse L i e - benswürdigkeit und Leichtheit, aber weder genügenden Umfang, noch genügend klang- JicheSchatticrungcn. Die Lieder von Walter Hirschberg, die sic neben denen von Mahler, Brahms, Schubert, Schumann sang, zeichnen sich durch geschickte und knappe Form ■aus. Der Komponist saß am Flügel; seine Begleitung hätte kammermusikalischer sein können. Dr. Hans Nathan. Abschiedsabend von Alexander Kipnls. Nach dem Konzert Alexander K i p n i s ’ zugunsten der jüdischen Altcrshilfe Ber- Im hatte ich das Gefühl eines völligen Ausgefülltscins und war bestrickt von der glutvollen Gestaltung seiner Lieder und Arien mit Dr. Ernst Wolff als einem Begleiter von vollendetem Feingefühl für die letzten Schwingungen des Klanges und bewunderungswürdigem Einfühlungsvermögen. Auf Einzelhciten der großen Kunst Kipnis’ einzugi hen, hieße die reiche Skala seines Temperaments durchleben, alle Register seiner Stimme vom verflüchtigten Pianissimo bis zur wuchtenden Kraft des Fortissimo zu durchlaufen. Beifallsstürme erzielten «ne große Reihe Zugaben, die letzte eine Arie aus ״Boris Godunow“, von einer Intensität der dramatischen Darstellung, die einmalig ist. * Hauskonzert mit Vortrag über jüdische Musik. Das Hauskonzert der Frauen-Arbeitsgemein- Schaft für Pa 1 astina erhielt durch den Vortrag von Frau Margarete M o s c s über ״Europäische und jüdische Musik seine Bedeutung. Frau Moses schwebt eine Synthese dieser beiden Musikkulturen vor. Dazu ist die Entwicklung einer jüdischen Kunstinusik noch zu sehr in ihren Anfängen, um an ihr Merkmale selbständiger eigener Wesenszüge zu er- Kennen. Sie geht aus von der Immanenz des künstleriki.2. nj0e£״au *י kommt s׳e konsequent zum Problem des Ethos ln der Musik und zur Förderung der Rückkehr zur Religiosität als Voraussetzung jeder Kunst. Diese Lösung scheint mir nur bedingt richtig. Musik ist Emanation eines Ueberschusses an Kraft, also substantiell an den Organismus des Menschen gebunden und mit ihm an die Gemeinschaft. Fehlt die Vorbedingung der eigenen Gemeinschaft, so ist die Folge: Anlehnung und schlicßlichcs Atifgchen in das Wirfsvolk. Der schöpferische Genius geht seinen Weg unbeeinflußt von der Assimilation. Das Talent kommt oft zu innerem Zwiespalt und verliert die einheitliche Linie der Koiucnticm. — Interessante Beispiele hebräischer und jiddischer Musik boten die Lieder, die Rahcl Kaufmann, im Charakter treffend nuanciert, zum Vortrag brachte. Nicht unerwähnt sei die klavieristisch wirkungsvolle Aufführung von Werken für zwei Klaviere von Schumann, Brahms durch Margarete Moses und Josef Schwarz Dr. JakobSchönberg. Das neue Programm des Kabaretts jüdischer Künstler ״Bühne und Brettl“ verdient in mancher Beziehung die Bcachtung des jüdischen Publikums, w׳eil hier ehrlich versucht wird, Q11 a 111 ä t s I c is t u n g en darzubieten. Ein Meister der Kleinkunst ist Walter Steiner, der mit Couplets und humoristischen Rezitationen sein Publikum so zu erschüttern weiß, daß die Tränen des Lachens in die Augen steigen. Seine Parodie aut einen Kulturfilm oder seine Verulkung des einstmals bekannten ״Sonny boy“-Songs waren Perlen kabarcttisfischcr Kleinkunst und machten einen außerordentlichen Eindruck. Nicht minder eindrucksvoll waren die Darbietungen von Marion Kögel, die über eine erstaunliche Gcstaltungskraft sowohl hei ernsteren wie bei heiteren Vorträgen verfügt. Sie trug übrigens als einzige eine jüdische Note in das Programm mit ihrem Vortrag des Liedes ״Ghetto“ von Ralph Bcnatzkv. Martin Kettner trug humoristische Texte über alte und aktuelle Themen vor und errang sich einen großen Erfolg. Ilse Bergen sang mit angenehmer Stimme ein ״Blumenlied". Charlie Brock brachte in (allerdings etwas zu beweglicher) Art einige Schlager. Der Kammersänger Erich Suckmann sang einige Lieder aus der ״Rose von Stambul“. Wally Winter trug in sehr lebendiger und frechanmutiger Form Chansons und Parodien vor. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die beiden Ansager Heinz Oanther und Arthur Zander, die sich ihrer Aufgabe in humorvoller una witziger Weise erledigten, N. Eitcrnhilfswcrk für die jüdische Jugend. In der Mitgliedcrvcrsammlung vom 28. Juni wurde ein Geschäftsbericht erteilt, in dem u. a. gesagt wird: Das bisherige Wirken des Traum und Wirklichkeit anläßlich seines 30. Todestages ar Donnerstag, den 1a. Juli 1034 20K Uhr in der Philharmonie, Bernburger Straß Orchester des Kulturbundes deutscher Juden untor Leitung von Michael Taube Ei molö rachamlm. . . Oberkantor Leo Goltanln Gedenkrede.Rabbiner Dr. Joachim Prinz Aue dem ״Judenstaat‘1.Ludwig Hardt ״Ein Volk — Ein Land“ Sprechchor, Leitung Dr. Hans Nathan Eintritt»!,.,*״, »um Pr«(«, von RM -,50, 1,-, 1,50, 2,-, 3,- In d.n Halm«״ d.r 8ZV., Kanlsirsß. 54, BrOck.nilraO. 6», Im Atlantic E*nr»s«, Frlsdnchstr. 100, b*t Find»«, Alt. SchfinhiUMr Slr»9« 54, Im Rtli.bOro Iravtnum, Kurfömlend.mm 224, In dir Kondllor.1 ״Hin••״, Flin.buro.r 5tr«8» 19, Im Böro d.r BZV., M«ln.k.»lr.6i 10 und «n dir Abindktt•• EHW. erstreckte sich auf praktische Hilfeleistung durch Gewährung von Schulgcldbcihilfen für Schüler, die an öffentliehen Schulen die Freischulstellen verloren haften und für solche, die an jüdische Schulen iibergegangen sind. Außerdem wurde materielle flilfe zum Bcrufsiibcrganß geleistet. Die Beratungen mehrerer )Hindert Eltern wurden im Sinne des Programms erteilt in Sclitilfragcn, sowie in Fragen der jüdischcn und allgemeinen Erziehung. Rechtsanwalt Dr. Sc häfer berichtete über den durchgeführten Ausbau des Schul- Werkes der Jüdischen Gemeinde unter Hinweis auf den,. Rückgang der Stcuereingänge und Veränderungen in den Richtlinien des allgemeinen Schulwesens, die der Gemeinde eine gewisse Zurückhaltung aufcrlcgen. Eine tatkräftige Hilfe der im EHW. zusamtncngcschlosscncn Elternschaft ist deshalb notwendig. Bundestrctfcn des Brith Hanoar. Am 24, Juni fand im Gruncwald ein Bundestreffen des Berliner Brith Hanoar statt, aut dem sich die Führer von der bisher geleisteten Arbeit überzeugten. Am 26. Juni hielt Herr Rabb, Dr. Alt• mann auf einem Elternabend das Hauptreferat über religiöse [ugenderzichung. Die Führer des Bundes sprachen über Organisation und Aufgaben der Thora waAwoda-Bcwegung. Zionistische Veranstaltungen Am Dienstag, dem 3. Juli, werden die Büro! Im Hause Melnekestraßc 10 aus AnlaS einer Feier au Herilt 30. Todestage mittags um I Uhr geschlossen. An alle Junggruppen! Nächste Gcsaiiitprobcn des Sprechchors am Mittwoch, 4. Juli, im Heim K;1ntstr, 54 (Nähe Hahnhof Charlottenbürg): am Donnerstag, 5. Juli, im Heim, Oranienstr. 170 (Morittplatr). Beginn pünktlich 8.30 Uhr abends. Hebräische Kurse. In der nächsten Zeit beginnen neu• Anfängerkurse am Bayerischen Platz und am Alcxanderplatr. Anmeldungen an die KuUurabtcilung der BZV., Meinckcstr. 10, IV. St. (Tel. Bismarck 7185, App. 44). Hcbräischlcrncnde, die bereit■ Vorkenntnisse besitzen, können sich unseren verschieden weit fortgeschrittenen, in fielen Stadtteilen stattfindcnrlen Kursen anschließen. — Wir sind in der Lage, crlahrcne Prir.1t Ichrer für hebräischen Unterricht nachzuweisen. Jüdische Schule Kstserdamm. Im Mond Juli finden keine Speechstunden statt. Audi das Büro ist geschlossen. Evtl. Anfragen sind nur schriftlich nach Kaiscrdamm 78 ru richten. Vom Stellen - Mark! Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise. (Kaufmännische Abteilung, Hauspcrsonal und freie Berufe, Berlin SW 10, I.indensttaße 48-50, Telephon: A 7 Dönhoff 307-308. Abteilung für gewerbliches Personal, Berufsberatung, Lchrstellenvcrmittlung, Berlin C 2, Roscnstr. 2-4, Telephon: Norden D 1 6711.) Gesucht werden für Berlin (nur fiir Berliner Bewerber)! Erfahrene Direktrice für Blusenkonfekt io״, geübte DamcnkonfcUtions• näherinnen für Kleider, Modcllkonfcktion, Kuttermacherinnen und erste llamlnähcrinncn für Herrenkonfektion, I losenstepperinnen. Zu- Schneiderin für Schürzen, perf. Zuschneiderin für kunstseidene Damenwüsche, für Herrenwäsche, Näherinnen für Damenwäsche, für Büstenhalter, für Ober, und Sporthemden, Mützenstepperin für Betrieb, Kurbelstirkerin für Betrieb: für außerhalb: Traucrhut-Dircktriee, ׳ /iKchneiiknn für Berufskleidung. Korsctldircklrice, Direktrice für Gartcnklcider, Zuschneiderin für Kleider und Schiirr.cn, Direk* triee für Stapcllconfcktkm (Kleider, Blusen, Rücke), staatlich gcprüfte Geflügclrüehlcrin. — Wir suchen dringend Arbeit fiir tüchtige^ Wäschcausbesserinncn, llausschncidcrinncn, für gcwerbliche Fachkräfte aller Art, sowie für ungelernte Arbeiterinnen. — Zuschneider für Lcdcrbcklcidung, lediger Gärtner- Potticr. — Wir suchen dringend Stellen für Handelshilfsar beiter, Packer, Hausdiener. —׳ Berufsberatung und Lehr- Stellenvermittlung: Wir suchen dringend Handwerkliehe Lehrstellen für Knaben und Mädchen für sofort. Außerdem suchen wir Paten, die bereit sind, die Jugendlichen durch Zuzählung von Lehrbeihilfen zu unterstützen. Sprechstunden der Berufsberatung finden statt: Montag bis Freitag, außer Mittwoch, Rosenstr. 2/4, ״ j *"*3°■8 "** '"*״ bis »•30 Uhr, ausnahmsweise finden die Sprechstunden für Mädchen vorläufig Montag, Dienstag, MitNmch nachm, von 3 bis 4 Uhr statt. — WcstemSprechstunde: für Knaben und Mädchen: Donnerstag nachm. 4—7 Uhr, Bleibtreuatr. 2.