Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 50 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653498--25388-2682522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
,;r> 50 / Jalirgang 39 ד—ן ו! j , ן titefesil I*äm*43־ L:׳*.־.; Preis RM —.25' 1 I 4 t \ I 1 1 *-.«J |i>;■rj;1 tr*2 ✓~\ r~1 ra v_/7 j!.! Iw»*»;; י | ,« ׳“־״־'■ 1 / -f 1 V ..A j i SimfüMirtl jw1ii1׳]Hr־l3l??ז riftltltungiVarlag ■. ADxaluenvtrwaUang 1 Barlln WH, Malnaka*tr»10 f״״r״l:> *"'m׳'l Nr■ י!n1»m»rrk 3I81/B2,7165^70,7240/4X - B«״Wrel» pro Monat rM 1—. pro Quart•! I'M 5.7S — Pcumcheck Komm dar Abann«m«n(•» Abteilung 573 1ן"1ן (für GroB-BrrllnX Barlln 17392 (Klr da» Ubri!a BolchX Au»1»nd»• |,i»u« ln (awalli»ar Landrawahrun!!. — Eratliclnt Jadan OUnatag and Frattag. D E R L 1 N ט׳ תמה תרצ״ד FREITAG, 22. JUNI 1934 Anzeigentarif t Di• I2g*ap«lten« MillJm»1«r*Z«fU RM —,20, für 81*I1«nj»««t1ci1• RM —,IO, Hlr F«mÜi«f1n»chricht#n RM —45* Eln1*!«n*«is*t» nur 8«*#מ Vortua* Zahlung «,»I Poat*v Heck-Konto Berlin 716IB oder in d«r Anreigen-Annahm• Montag bi• Freitag *>—18 Uhr AnnahmeacHliiA Itir di« DienMig-Aungah« Montag 10 Uhr für dl• Fr#itag'Au*g«H• Mittwoch 13 Uhr (FatniH#nanr#igm1 bi• Donneratag 10 Uhr) por Zionismus erstrebt für <tas Jüdlscho Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm•* t. «ד*!** nds. Oller )SS mp bauten evard rsla| mologlo «8 \/| loseph l r das ingen Iris, .1.0. —,13 KO kr. t # | 0 0 1 54 1 ar j «tiitnnrtd^ Eine Chance für unsere Kinder j Von Joachim Prinz I Eines der Kennzeichen des neuen deutschen Staats- Jkhcns ist die besondere Stellung, die die Jugend im j j>csa111tcu Staatsgefüge inneiiat. I)ic Jugendbünde haben I ein neues, vom ,Staate her bestimmtes Leben erhalten. י Fahrten, Schulungskurse, Jugendliteratur, Lied, Volks• | t(1l״ _ Dinge, die in den klassischen Zeiten der Jugend- I Iicwcgung zu den Kampfposten des jugendlichen Le- | bens gehörten, sind Gebiete einer ungewöhnlichen Füri derung durch den Staat. Der deutsche Jugendliche hat heute den Eindruck, daß sein Leben, sein besonderes Jugcndlebcn, anerkannt ist, daß sein Kampf gegen Einengung des Jugcndlebcns von Staats wegen gestützt wird — und daß so die Sache dieses Staates auch seine Sache ist. Bei der weitgehenden Identifizierung von Staat und Partei ergab sich, daß in der Hitlerjugend die repräsentative, vom Staat und seineu Organen besonders geförderte Jugendorganisation gesehen wurde. Jugend aber steht in mehreren Lebenskreisen: Schule, Elternhaus, Jugendbund, Kirche — sie alle stellen ihre Anforderungen, und daher z.eigte sich das Bedürfnis, die Kompetenzen gegeneinander ab- /»grenzen. In einem wichtigen Erlaß des Reichsministers fiir Erziehung ist das nunmehr geschehen. Damit wird die von den Ansprüchen der Jugendbewegung freizuhaltende Unterrichtszeit abgegrenzt, zugleich aber auch der Jugendbewegung (der Hitler-Jugend) ihr Raum zugewiesen. Klarer als irgendwo sonst kommt hier die Vorstellung deutlich zum Ausdruck, daß gemeinsam mit Schule und Haus, neben der geistigen und fachlichen Umbildung, die nationalsozialistische Erziehung der J11*;end in den Begriff der Bildung ein/.ubcziehen ist. Venn schon die Behandlung der Gesinnungsfächer im Unterricht von solchen Gesichtspunkten ausgeht, wenn schon Deutsch, Geschichte und Biologie weitgehend die herrschende Weltanschauung zum Ausdruck bringen sollen, so soll zusätzlich noch eine von allen rein intcl- Icktucllcn und zweckfreien Bildungselementen absehende staatspolitische, nationalsozialistische Erziehung der gesamten Hitler-Jugend erfolgen. Als der diesen Zwecken gewidmete Tag ist vom Erz.ichungsminister in Zusammenarbeit mit dem Reichsjugcndführcr der Sonnabend j c d c r W o c 11 c nuscrschcn worden. Am Sonnabend soll die Hitler-Jugend Gelegenheit haben, ihre Mitglieder systematisch in ihrem Geiste zu beein- Hussen und demgemäß zu beschäftigen. So würde — nach dem Willen des Ministers — eine Fünf tagewochc für die reinen Bildungsaufgaben der Schule zur Verfügung stehen. Wie steht cs nun um die jüdische Jugend? In Hem neu erwachten Jugendlichen der deutschen Umwelt nimmt die jüdische Jugend eine besondere Stellung ein. hie Jugend der jüdischen Schulen führt ein cigcne•» Jugendlichen. Es wird — je nach der Zusammen- Setzung der Schule — von diesem oder jenem Bunde be- ״mflußt sein, ln den allgemeinen Schulen aber fl|!rt die jüdische Jugend — wenigstens in bezug auf |dieses neue staats-offeile Leben — ein insulares j hase in. Wer einmal in einer öffentlichen Schule gc- |'vescn ist, sei es als Lehrer oder als Besucher, der |"üd diese Isolierung in allen Augenblicken spüren, in Hfnen die Schule sich zu Feiern versammelt, zum gc- 1״einsamen Lied, zum Hissen der Fahne, zum täglichen Guße, Das hat wahrhaftig nichts mit der oft sehr loyalen und pädagogisch einsichtigen Haltung vieler Ulinr zu tun. Ob sic cs wollen oder nicht — . Isolierung ergibt sich notwendig. Sie ist nämlich ein Spiegelbild der Isolierung des Juden innerhalb des deutschen Staatslcbens. In nuce spielt sich hier das eben der jüdischen Kinder in einer nichtjüdischen ־.Gesellschaft“ ab, wie sich das Leben der Erwachsenen!n *1er Gesellschaft der Erwachsenen draußen gestalten 'onntc. Unabhängig von dem guten Willen der Betci-, 'Rten, entsteht hier im jugendkreise, in der jugendlichen die objektive Judenfrage, und als ihre Wir* ung entsteht — mit besonderer Schärfe — die sub« J. tivc Judenfrage, das Gefühl des als Jude Iso- ן ' u״d Ausgeschlossenseins, nach dessen Grund ge- I p ^’■rd. Da die Judenfrage hier zusammengedrängter zi h S'C^ au* öek'e*e der Bildung und der Ernn!k ”*י• beschränkt und wirtschaftlich-politische Fragen nicht berührt, ist ihre Lösung einfacher. Aber w*rd sie nicht weniger dringend. ,. . noch ^ruin Die Frage der Stellung des jüdischen Schülers in der nichtjüdischen Schule ist keine rein organisatorische. Sie kann nur beantwortet werden von Vorstellungen her, die die jüdische und die nichtjüdischc Erziehcrwclt von dem Erzichungsidcal haben, das in dem jüdischen jungen Menschen verwirklicht werden soll. Wir können nach allem, was in bezug auf die Ausnahmestellung des jüdischen Schülers in den Schulen angeordnet ist, als gewiß aunchmcn, daß er von der staatspolitischen Er- Ziehung der Hitler-Jugend nicht erfaßt werden soll. Es muß deshalb ganz klar und deutlich an die Erzieher die Frage gestellt werden, welche Art von Mensehe 11 hier erzogen werden soll. Stellt man diese Frage — übrigens sollte man sie ohne Scheu auch nichtjüdischeu Erziehern stellen — dann kann es keine andere Antwort geben als die, daß man einen jüdischen Menschen erziehen will, der im Bewußtsein und in Kenntnis seiner eigenen jüdischen Werte von jeder Gefahr der Anbiederung aber auch von jeder Gefahr der Unterlegenheit glcichweit entfernt ist. Der neue Staat legt Wert auf aufrechte und Volksbewußte Menschen. Er kann nicht wünschen, daß die in den Schulen befindlichen jüdischen Schüler wurziellos und seelisch zerrissen sind. Eine Bindung an die Gegebenheiten von Blut, Tradition, Religion und Gcschichte kann aber dem jüdischen Schüler nur durch j ii d i sc 11 c Anknüpfung und jüdische Verbundenheit gegeben werden. Dieses Gefühl aber kann ihm die nichtjüdischc Schule nicht geben. Befinden sich trotzdem eine sehr große Anzahl jüdischer Kinder noch in nichtjüdischen, öffentlichen Schulen, so muß eben alles getan werden, um dieser jüdischen Jugend die jüdische Welt zu öffnen und ihr von dort aus die jüdischen Werte zu vermitteln. Der jüdische Religionsunterricht wird versuchen, was er kann. Die Bünde erfassen ihre Menschen. Es muß aber erkannt werden, daß nicmandem damit gedient ist, wenn jüdische Jugendliche der sie umgebenden, täglich auf sic cinstürmcndcn Atmo- Sphäre unterliegen, wenn cs schon heute Erscheinungen 21 Monate Gefängnis für Adii-Mcir Jerusalem, 19. Juni. (J.T.A.) Am 19. Juni wurde da* Urteil im ״Brith Habirjonim“•Prozeß verkündet. Der Hnuptangcklagtc, Abba Achl-Mclr, wurde zu 21 Monaten Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt. Der Richter bemerkte, daß cs *Ich hier um die gesetzliche Mindcsistrafc handelt, und daß bei der Bemessung des Strafausinaßes die Untersuchungshaft berücksichtigt wurde. Von den übrigen Angeklagten wurden Chaim Dwlrl zu 15 Monaten Gefängnis und Zwangsarbeit, Jacob Orenstein zu 9 Monaten einfachem Gefängnis und Josua Liehtcr zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Mosche Sv oral wurde freigesprochcn. Das Urteil gegen Dr. J c v i 11 wird mit Rücksicht darauf, daß dieser durch Krankheit vcrhandkingsunfähig ist, erst In der nächsten Woche verkündet werden. Das Verfahren gegen einen der sieben Angeklagten, Josct K a t z 11 e I s o 11, wurde am 17. Juni wegen Mangels an Bcweisen e i ״ g e s t c 111. Aclü-Meir führte seine Verteidigung seihst. Er erklärte, eine besondere Birjonim-Qrganisation habe nicht bestanden, sondern nur eine Gruppe von maximalistischcn Revisionisten. l;r sei gegen die Anwendung von Terror, doch bekannte er sieh dazu, die Kundgebungen gegen den Unter- Staatssekretär im Kolonicnmiiiistcriuni Dr. Drumniond S h i c I s anläßlich seines Besuches in Palästina und gegen Professor Norman B c 111 w i c h bei seiner Antrittsvorlesung an der Hebräischen Universität organisiert zu haben. Der am Montag vernommene Dr. J e v i n leugnete das Bestehen eines revisionistischen Geheimbundes. Auch seien sie nicht für die Anwendung von Terrormethoden eingetreten. Die Schwester Jabo'tmskys sagte aus, sie habe die von Achi-Meir in Haifa vor Studenten gehaltene Rede gehört. Die Ausführungen Achi-Meirs hätten keinen aufrührerischen Charakter getragen. Wie der ״Völkische Beobachter" vom 20. 6. meid hat die Athener Akademie ain 2. 6, in einer feierlich Sitzung Prof. Dr. Alfred Philip pson, der zurzeit landeskundlichen Arbeiten in Griechenland weilt, als JV glied au (genommen. Der ״Völkische Beobachter" bemc hierzu, daß diese Ehrung des deutschen Gelehrten um bedeutsamer ist, als eine derartige Aufnahmcfeicr zum ers1 Male seit Begründung der Akademie einem Ausländer I reitet wurde. ... Prot. Dr. Alfred Philippsoii ist der Sohn des bekannt Hab bi ners Ludwig Philippson, des Begründers 1 ״Allgemeinen Zeitung des Judentums", Verfassers der Ueb Setzung zur Doreschen Bibel und zahlreicher Werke auf d Gebiete der jüdischen Wissenschaft, gibt, die uns fürchten lassen, daß das psychische Gleichgewicht unserer Jugend keineswegs in gutem Zustand ist, daß tausend Unicrlcgcnheitsgcfühlc, Sehnsüchte nach dem jugendlich schönen Lehen und nach der Beieiligung an den Festen innere Zustände schaffen, die kei* nen Pädagogen unberührt lassen dürfen. Diese Erkennt• nis aber führt zur Notwendigkeit, den vom Erzichunßsministcrium geförderten Gedanken aufzugreifen, ihn neu zu gestalten und zu einem wesentlichen Instrument der jüdischen Jugenderziehung zu machen. Hierbei kommt uns noch eine andere Verordnung der Regierung entgegen. Bereits im März d. J. hat der 0 Der antisemitische Terror in Polen — Kundgebungen gegen das Stavsky-Urteil — Neustadt Sodom- Gomora — Judenfragc und Psychoanalyse — Erncst Bloch, ein jüd. Musiker unserer Zeit Feuilleton: Der abgewcndetc Fluch. (Von Oskar Baum.) »Sport-Rundschau / Palästina-Wirtschaft / Berliner Rundschau / Aus dem Reich Reichs minister des Innern an die Unterrichts- Verwaltungen der Länder einen Erlaß über den Schulbesuch jüdischer und advcntistischcr Kinder gerichtet, worin es heißt: ״Unter Bezugnahme auf die Verhandlungen des Aus« Schusses für das Unterrichtswesen am 17. November v. J. ersuche ich, für den Schulbesuch jüdischer und adventistischer Kinder an den Feiertagen und am Sonnabend folgende einheitliche Regelung durchzuführen: Die jüdischen Schüler können am Neujahr 2 Tage, am Versühnungsfest 1 Tag, am Laublüittcnfcst 2 Tage, •am Beschlußfest 2 Tage, am Passahfest die 2 ersten und die 2 letzten Tage und am Pfingstfest 2 Tage dem Unterricht fcrnblcibcn. An den gewöhnlichen Sonnabenden können die jüdischen und advcntistischen Schüler auf Ansuchen der Erziehungsberechtigten ganz oder für die Stunde des Gottcsdlcnstcs vom Schulunterricht befreit werden. Wer hiervon keinen Gebrauch macht, muß am gesamten lehrplanmäßigen Unterricht, auch im Zeichnen, Schreiben, Handarbeit und Werkunterricht tcllnchrticn. Für die aus derartigen Versäumnissen entstehenden Folgen kann die Schule keine Verantwortung übernehmen.“ Von der hierdurch gebotenen Möglichkeit, die jü* dischen Kinder am Sonnabend vom Unterrieht zu befreien und einer dem Sabbath entsprechenden jüdischen Beschäftigung zuzuführen, haben die deutschen Juden bisher verhältnismäßig wenig Gebrauch gemacht. Vermutlich haben sich die Eltern gescheut, ihre Kinder durch ständige Befreiung vom Sonn* abcnd-Untcrricht einer allzu großen Versäumnis des Unterrichtsstoffes auszusetzen. Diese Lage ist nun durch den letzten Erlaß des Erzichungsministcrs grundlegend־ gelindert worden. Denn da der Sonnabend auch für die gesamte Hitler-Jugend freigegeben wird, werden die jüdischen Schüler, wenn sic an diesem Tage fehlen, bezüglich des Unterrichtsstoffes keineswegs benachteiligt sein, Das deutsche Judentum hat fern von seinen eigenen Werten gelebt. Diese Ucbcrzeugung ist in weite Kreise gedrungen. Der Wille, zum Judentum zurückzukehren, wird überall lebendig. Die Zeit hat das geschaffen, worum andere Kräfte sich vergeblich mühten. Nun aber beginnt die Arbeit. Wie aus der ״Rückkehr zum Juden* tum“ die Konsequenz der Erkenntnis der Judenfragc entstellen muß, wie man dort jede bloße Acsthetisierung und jeden nur mechanischen Einrcihungsvorgang bekämpfen muß, müssen für die Jugend umfassende Maßnahmen getroffen werden, um ihnen Kräfte für eine neue jüdische Zukunft zu geben. Der freie Sonn« abend bietet dazu Chancen von so unge* wohnlicher. Art,' daß man darüber nicht hinweggehen kann. Werden die jüdischen Kinder insgesamt vom Unterricht am Sabbath befreit, dann sollten Eltern und Institutionen diesen Tag dazu benutzen, um im ganzen Reich einen allwöchentlichen jüdischen Jugendtag aus ihm zu machen. Ich will . in diesem Zusammenhang davon absehen, was die Wiedereroberung des Sabbaths für alle religiösen Juden bedeutet.־ Seit hundert