Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1934)
- Date
- 1934-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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19tj f* * nur . 49 / Jafcrg*«»« W וי״-ן ויזווד^ן ך* y I <fcjfll#M«i1»,V»rl«* »> A»*»lf •nv«n»alt«n* 1 Berlin WH, Malnekailr.1• I 1| *יfl.״m1'l Nr. )11'Ummk 3IÄI/B2,7lftV70,7240/41 - Il.«11t.prt(« pro Mon« II prn Q״,M,1 I\M 5,75. — l'ointhnk ■ Kon(•« der Ahonnimrn'•■ Al1t»llm1*t W ^71575״ (I״r r.rol-llorlln), IWrlln 17 392 (Mir <(» (ihrig» R»lch). At״l»ntl•. ״* י ,ln Umlnwkhning. — Er»«h»lnl joden Dlenela! and Ereile». ׳)««( Preis RM-.29 y,!. ■■ןךן.ו |en»a-e-«^ t» .« ~Jk Lw.i» in—l ו׳ חטוו חרצ״ר DIENSTAG, 19. JUNI 1934 Aacetgenterlfi Dl• 121r»p»l1«ne M1llim«1«r7,»fl• RM —,20, Illr 81»n».1g**u<h• RM -40, Itlr Famlll«nn>chrlrh1»n RM —45• Elnt.Unr»l«»n nur!»1» Vor•״» («Mutt« •ul Po«.1h*ck R«mo R.rUn 71 «16 «״)•» In *1« Anr»lt«n.Ann.h1»• Mooie« hl• Fr•!(•* 9—IS Uhr Annihnuarhliit Mir dl• D!«n*f»*-Au»|ih• Mont•! 10 Uhr Mir die Fr«!»|-Au«cah• Mmwoth 13 Uhr a׳•<nill•י^•■»•l««ו hl. Donnanu« W Uhr) Zionismus erstrebt tar das!Qdlscbe Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ׳<• aaeler Programm*« IIqu '*Jx i י ►o\! Ml ^feärS‘» c.y “U־X» 4334 6190 .1911 11er dfaden «,Sir.1091 II um• OHJ r׳;:־j;i Iten u. »eilt, ICH sca trana 13 n!!־׳r;raii» )US scu, .mJu' »rhl wir׳! ici in ff ücr,1 Löwin* I* 4009. ibmrf 2554 Minen• , wso, 62 07 iieü s» (ibtiri! 4* irck .‘)633 Die curopjiisclic Ocffcntlichkcit hat in den letzten Monaten außenpolitischen Problemen wieder größere Aufmerksamkeit zugewandt als in der vorangegangenen fctimlc, wo die internen Angelegenheiten jedes Landes dic Außenpolitik iibcrsclintteteii. Jede Außenpolitik stößt jn der modernen Welt starker als in früheren Zeitaltern 1Uf psychologische Schwierigkeiten, denn seitdem die Massen einen Faktor der Politik bilden und die meisten Länder die Politisierung ihrer Massen sich zum Ziele gesetzt haben, besteht die delikate Aufgabe, auch Verständnis für die Vorgänge in anderen Ländern, mit denen das eigene Land verknüpft ist, in breitere Kreise;11 tragen. Es ist aber eine Eigentümlichkeit des ein- Ischen Bürgers aller Volker, daß er, cingesponnen in;eine tägliche Arbeit und ohne viel Berührungspunkte mit einer fernen Außenwelt, nur einen relativ engen Kreis überschaut und es ihm nicht ohne weiteres ein• geht, daß anderswo Menschen aus anderen Voraus- , Setzungen und anderen Gedanken heraus leben. Finden wir lokale Gegensätze schon zwischen den Bewohnern tiii/clncr Städte desselben Landes, weil der eine die [igeiitümlielikeiten des anderen nicht genügend schätzt, so vergrößert sieh diese Schwierigkeit naturgemäß dort, «ו es sich um andere!.ander mit indercr Kultur und Sprache handelt. Der Irrtum über die tatsächliche Stirn« iming in einem nmlcrcn Land hat oft im Lauf der Oeichichie zu Enttäuschungen und zu verhängnisvollen!eigen für das eigene Volk geführt. Nicht beabsichtigt, sondern mehr aus einem naiven Empfinden entsteht manchmal in weiten Kreisen eines Volkes eine Haltung, die man als ״geistigen Impcrialis« nus“ bezeichnen konnte, nämlich die Meinung, daß nur rat selbst das Richtige denkt und tut. Im Zeitalter der Wasscnslaaten kann unter Umständen diese Haltung bc* drohlich werden, weil die Massen mit ״religiösem“ Fanatismus für ihre Glaubenslehre auch gegenüber an• deren cintrcten. in der heutigen Epoche der Politik, w׳o Märker als früher allgemeine Ideen staatsbiidend sind, st diese Gefahr auch erkannt worden. Der Schöpfer des neuen Italien erklärte frühzeitig, der Faschismus sei kein ״Exportartikel“, und die maßgebenden Sprecher des deutschen Nationalsozialismus haben von ihrer Idee das• selbe ausgesagt. Eine Ausnahme machte der in Rußland staatsbildcndc Kommunismus, der aber praktisch auch bereits dazu übergegangen scheint, die russische Weltanschauung nicht anderen aufzudrängen. Erst da• durch wird Außenpolitik heute möglich. Die Friedens• Politik der deutschen Regierung beruht, wie der Reichs« Kanzler in seiner letzten Rede am 17. Juni wieder erklärt hat, auf dem Geiste der Selbstachtung und dem Geiste der A e 1111111 g der Rechte der anderen. Für den finzclncn Bürger ist es jedoch nicht immer leicht, diesen Grundsatz nnzuwenden. Es bedarf dazu der Erziehung 'md auch der Kenntnis der Mentalität, die jenseits der Grenze herrscht. Wir Juden haben keine eigene Außenpolitik, Wir s׳nd kein staatlich organisiertes Volk, sondern jeder Jude tfilt in dem Land, dessen Bürger er ist, die außenpolitischen Interessen und Schicksale. Die Juden haben über• all ihre vaterländischen Pflichten erfüllt, und es gibt 'icic Beispiele großer außenpolitischer Leistungen ein• *einer Juden für ihr Vaterland. Die Judcnhcit als Ge• 5amUieit hat ein gemeinsames ״außenpolitisches“ Inter- «sc lediglich in bezug auf de.n völkerrechtlich zugestan* «cnen Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina; ׳cs ist eine von allen Völkern anerkannte und kon- ן jollierte Aktion, bei der keine Kollisionsmöglichkcit mit rn Pflichten der Juden in bezug auf die Außenpolitik ,״res eigenen Landes vorhanden ist. (Umgekehrt jedoch ^rß1bt sich hier auch für die anderen Länder, in denen Juden leben, die Möglichkeit mannigfacher, z. B. handcls• I 1*isclicr, Anknüpfungen.) Im übrigen aber sind die Juden selbstverständlich kein Faktor der Außen• Politik. Aber wir sind in der merkwürdigen Lage, «5 unsere bloße Existenz und das, was mit uns Wschieht, manchmal auch in der Außenpolitik, d. h. im Vkf 1׳”'? verschiedener Völker zueinander, sich aus• l ■ זי^י sind demnach zwar kein aktiver Faktor, aber Erklärungen. Im letzten Jahre ist die Judenfrage stärker als bisher in die Diskussion getreten und auch dort, wo man — entsprechend einer liberalen Auffassung — sie mehr in die private Sphäre verweisen wollte, ist sic zu einem Politikum geworden. Für die deutschen Juden, die sich außenpolitisch und wirtschaftspolitisch mit Deutschland solidarisch wissen, war cs besonders pcinlieh, daß durch die nationalsozialistische Judenpolitik eine Lage entstand, die sich auch außenpolitisch fühlbar machte. Wir hätte« gewiß eine andere Situation gewünscht. Der Nationalsozialismus ist in Europa etwas völlig Neuartiges. Er hat, wie jedes Neue, um das Verständnis der Welt zu ringen. Unter diesem Gesichtspunkt gibt eine Biicberscric ״Deutschland von draußen gesehen“ (Alfred Metzncr-Vcrlng, Berlin) interessante Aufschlüsse. Bisher sind drei Bände erschienen ״Paris“ (von Dr. Eugen Fcihl), ״London“ (von Wilhelm von Kries), ״Rom“ (von Prof. Maximilian Claar). Ein Band ״New York“ ist nicht in Aussicht genommen, aber schon die drei vorliegenden Bände zeigen die Erfahrungen, die im Auslände ansässige deutsche Schriftsteller in bezug auf die Haltung der drei großen europäischen Völker gewonnen haben. Die Bücher sind mit der Ab• sicht geschrieben, Brücken des Verständnisses hcrzustcllcn. Ein genaues Eingehen auf ihren gesamt• politischen Aspekt gehört nicht in diese Blätter; aber in allen drei Büchern wird fcstgestcllt, daß bei der Bc• urteiluag des neuen Deutschland draußen auch die Jude 11 frage eine Rolle spielt. ן Es wäre irrig, hier mir an die Judenfragc hn engeren Sinne zu denken. Der Nationalsozialismus hat zum ersten Male die Rassenidee zur Grundlage eines Staats• wesens gemacht. Dies hat sich praktisch nur gegen• über den Juden hzw. ״Nichtariern“ nusgewirkt, daß aber auch unabhängig von der Judenfrage andere Völkcf passi dieses Prinzip zunächst mißdeuteten, wissen wir aus der bekannten Stellungnahme des Reichsinnenministers Frick, der in seinem Artikel in der ״Deutschen Ju« ristcnzcitung" am 1. Januar 1934 und später in einem öffentlichen Vortrag im Februar sich gegen die ״in einigen Ländern, namentlich im Fernen Osten, auf• getretenen Befürchtungen, daß Deutschland die Ange* hörigen fremder Rassen deklassiere“, gewandt hat und Die Palästina - Einwanderung im Marx Jerusalem, 14. Juni. (J.T.A.) Wie amtlich mltge* feilt wird, sind im März 3480 Einwanderer, unter Ihnen 3367 Juden, nach Palästina gekommen. In der Zahl der Einwanderer sind 213 Juden inbegriffen, die auf Grund von Touristcn-Vlscn ins Land gekommen sind und nachträglich die Erlaubnis zu dauernder Niederlassung erhalten haben. Unter den Einwanderern befinden sich 408 Angehörige der Kapitallstcn-Kategoric, fllr die ein Mindcst-Kapifal von 1000 Piund vorgcschrleben ist. Es sind demnach durch die jüdische Einwanderung im März mindestens 408 000 Pfund an neuem jüdischen Kapital ins Land gekommen•;1״Ves Objekt, das wir für die Innenpolitik meisten Staaten immer schon mehr oder weniger ״ ren' auch für die Außenpolitik. Dieser Vorgang ist Un f,״nabhängig von unserem WJUen, ganz ״ang1g auch von unseren eigenen Handlungen oder Ein jüdischer Box-Weltmeister In der Nacht vom 14. z.um 15. Juni wurde in New York die Weltmeister schaff i in Box-Schwergewicht zwischen dem Titelhalter PrimoCarnera und seinem Her• ausforderer Max Bacr vor mehr als 60000 Zuschauern ausgetragen, Max Bacr hat Camera in der elften Runde durch technischen k. o. besiegt. Bacr ist damit Weltmeister im Schwergewicht und Champion aller Kategorien geworden. Max Bacr wurde am 11. Februar 1909 in Omaha (Ncbraska) als Sohn eines aus Deutschland eingewanderten j ü d i sehen Farmers geboren. Er schlug zunächst den Beruf seines Vaters ein und wurde Viehzüchter, später ging er nach Oakland, wurde dort Auto-Mcchanikcr und Ingenieur, um sich bald darauf dem Boxsport zu widmen. Sein großer Aufstieg begann 1932, als er King Lewinsky, ebenfalls einen Juden, Tom Heency, Cobb und Swiderski schlug. Später erlag ihm Tuffy Oriffith. Berühmt wurde er erst nach seinem Sieg über Schmeling, seither stand er nicht mehr im Kampfring. Die Berichte über den Sieg Max Baers über den Weit• master Camera in der deutschen Presse sprechen, soweit wir gesehen haben, durchwegs von dem ״K all• formet• Max Bacr“. Wir erinnern uns, daß vor einiger Zeit bei einer anderen Gelegenheit von dem Juden Max Bacr die Rede war. Ohne die Bedeutung der jüdischen Abstammung des Boxmeisters überschätzen zu wollen — unseres Wissens ist Max Bacr Halbjudc — ist cs doch für. uns betrüblich, daß man in den Zeitungsberichten, wo von den Ucbcrtrctiingcn irgendeines kleinen Schiebers die Rede ist, falls dieser Delinquent jüdischer Abstammung ist, nirgends hinzuziisctzcn vergißt: ״jüdische Gauner", bei einer Leistung aber, die in dieser oder jener Hinsicht (z. B. im vorliegenden Falle m sportlicher Hinsicht) positiv bewertet wird, die Feststellung der jüdischen Abstammung unterläßt. Die ״Berliner Nachtausgabe" vom 15. Juni z.B?, die einen großen Bericht über den Boxkampf veröffentlicht, spricht von dem ״jungen kalifornischen Schwergewichtler Max Bacr“ Är5״d ״3ו!• der« n.äcJ?stf" Seit* eine große Ueberschrift lautet. ״Jagd auf jüdische Brillantendiebe״. Warum wird uns Jude« gegenübe( mit so ungleichem Maß gemessen? feststem, daß die deutsche Rassengesetzgebung ״kein Urteil über die Güte und den Wert anderer Völker und Rassen fällen will“. Die allgemeine Frage der rassi• sehen Bewertung hat z. B. auch die italienische Presse sehr stark beschäftigt. Prof. Claar hebt in seinem ge• nannten Buche hervor, daß die italienische Wcltanschau• ung stark erfüllt sei von der Lehre der Ucbcrlcgcnhcit der latcinisch-inittelmecrländisclien Zivilisation über alle anderen. Die italienische Denkweise könne daher einer Rassenlehre, die wertmäßige Abstufungen macht, ebenso wenig zustimmen, wie z. B. die germanischen Völker jenem kuiüirschöpfcrisclieii Supcrioritätsanspruch der mit• tclmccrländischcn Rasse. Auf der anderen Seite ist z.B. in England die Beurteilung der Judenfrage eng ver• blinden mit der allgemein englischen Weltanschauung, Sir Arthur Saite r, der ehemalige Vorsitzende der Finanzkommission des Völkerbundes, hat kürzlich im ״Observer“ anläßlich des ״Wiedersehens mit England“ nach sechsmonatlicher Abwesenheit in China und an* deren Ländern, Betrachtungen über die Beurteilung des Engländcrtunis ijn Ausland angestellt, und ist, obwohl keineswegs unkritisch gegenüber den englischen Pro• blemcn, zu der Erkenntnis gekommen, erst im Auslände ׳ erkenne man, wie sehr bei allen Anschauungs-Differen* zicrungen doch der englische ״Herr Jedermann“ ein Einheitstyp ist, und zwar vor allein durch den Glauben an persönliche und politische Freiheit bei Toleranz gegenüber jeder Rasse und Religion. Diese Grund• anschauung verbinde alle vom rechten bis zum linken Flügel. Es ist bekannt, daß in England, besonders in der ersten Zeit nach der deutschen Revolution, die Judcnpolitik häufig diskutiert wurde, und auch in den letzten Tagen hat im Zusammenhang mit dem deutschen Transfer-Moratorium die ״Times“ wieder auf diese Pro• bleinc hingewiesen. Im Oberhaus und im Unterhaus ist seinerzeit darüber gesprochen worden, und der Außenminister Sir John Simon (selbst ein Arier) hat, wie deutsche Zeitungen berichteten, damals erklärt, daß in dieser Frage die englische öffentliche Meinung nicht von Juden beeinflußt sei, sondern Grundsätze alter eng• lischcr Tradition vertrete. Angestrebt wird, daß — ebenso wie die anderen Völker das echte Deutschland verstehen lernen sollen — auch in Deutschland die Haltung anderer Völ• ker verstanden wird. Darum bemühen sich die er• wähnten Bücher, Es ist hierbei bemerkenswert, daß — •m Gegensatz zu der sonst landläufigen Anschauung — sowohl der Pariser, als auch der Londoner Gewährsmann beobachtet hat, daß im französischen und englischen Volk gerade die Judenpolitik der deutschen Regicrung am meisten Verständnis finde. Was zunächst Frankreich betrifft, so haben wir den auf das Judentum bezüglichen Teil der Darstellung Dr. Feihls bereits in Nr. 45 der ״Jüdischen Rundschau“ im Anschluß an einen Vorabdruck der Zeitschrift ״Das Deutsche Wort“ zitiert. Dr. Fcihl spricht von den ״Sympathien der französischcn Bevölkerung für das in Deutschland begonnene Vorgehen gegen die Juden“. Er spricht von den Neu- Sozialisten, die auf George Sorcl zurückgreifen und die ״Abkehr von der hcbräisch-mcssianischen Ideologie“ predigen, er berichtet, daß in den Arbeitervierteln Wände mit Hakenkreuzen bemalt sind und zu lesen sei• Es lebe Hitler! Nieder mit den Juden!“ Wilhelm von Krüs ist der Ansicht, eine Darstellung des jüdischen Einflusses in England wäre eine ״Reklame für das Judentum“, selbst im Falle scharfer Kritik. Die Engländer haben!