Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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48, 15. VI. 1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 Jil lit m s ■י u ( * r» *» % U J. 11,n, I'l« 1,1 nt!,.ן ,.ו)« «» *II, I י.i h י'י 15 U ן, "'׳ י«,• An, «Un(|P in mit fP Km״!., 1U, '!׳י ־''mt ״■I 1י0חר;.מ'ז0*י 511 5 ׳, »O» ״״, ,-11׳•״ h"״!1 /'711 ״ן, 1n 10 nt. (!11,4’ hillt•, JU!h, »Her ■Ir. m״ y::1 '־ \'r l׳M׳h., ׳' •י יי v ,ז;י In זיו M . i'ut# «tHIun■», r!!Mia Wil'll, 3 h. ml< nt 1 n n.. Mcrml« ו., nv.;l,( *1M U!י{« icx.hKft. ) 1uni. die An/.« ekeMr. 10. «n Sie ift« ״! 4 יזין* ■? üllilt E6S!nnc 14 nin1!e׳ michikurse. cn.’crt• 4!iO" fisirn nt» r e• Juli g der j h #• וז יי 111 ״} ר׳. יי ויי «4,!er ,rs-Tor) rrr 1• keH iur»e , 921». I. 5»» d■׳. jn». -!1״iihn׳’ AH i»rf. 2 Kr• ך•׳* ך*» a \« 4 i* ■M WU i * '׳־*י *,X'ir יי *1 v "׳»יייעש %W ,<fa1fcw.fi i ׳! I. Hrbru'i.sfJtc Stunde im Freien. — 2. Unterrichtsstunde <ter Klemm. — 3• F.in /mar fröhliche Jum:em;c*ichtcr. — 4. Bet der Gnrfrnnrbr.it. — 5. Handwerklicher Unterricht. — ft. Bei der Hausarbeit. — 7• GcscJiickltdikril.nibunßen der Kleinen. — 8. Sport der Junten. — 9. Miidchen-Gymnastih. — 10. Die Kleinen spielen im Sande. — 11. Freistunde nn der Havel Foto: II. S. Sonnfnfrld Die Gestaltung jüdischer Feiern mit Kindern Von Rudi M i c 11 c 1, Landschulheim Caputh. , Der wesentliche Faktor jeder Erziehung ist das Erleb- J1s. Keine noch so geschickte Mahnung vermag auf Kinder!0 •׳u wirken wie das uiiinitteibare Geschehen. Daher ist auch j״h' jüdische 1: r z i e 111111 g von vornherein zur Erfolg- <r1s1^k1׳it venu teilt, die sieli nicht die Gestaltung des Lebens für eisten Aulgabe setzt. Die judisclie Schule vermag -- auch "יי günstigsten!•;,!סן _ diese Aufgabe nicht oder nur zu |1ח,״״ kleinen Teil zu erfuilen, da sie sich mit der Scltil- ״.Crung ries Stoffes begnügen muH und zu einer eigenen Dcstaitusif' nur in den seltensten Fallen (/. IL bei Schulleiern) ‘f'iuiiit. So hatte lias wirkliche Erlebe» in der F a in i 1 i e seinen H und als diese versagte, versuchten J u g e 11 d b ii n <1 e hsatz zu schaffen. Aber die Bünde haben das Lehen der Kinder ja seiner Totalität nicht erfassen können, da das Erleben der mHilyciiu’inschatt einerseits und 11er FamiliengcmeiusehnSt andererseits nicht in ihren!*lau eitibezogeu werden konnte. So gesellen scheint nur eine Verbindung von Lamilie, Miiule und tätlichem Erleben zum Ziele zu fuhren, und der *ffsiich jüdischer Erziehung in 1, a 11 d s c 1111 111 c 1 in c n ״t die Chance, im Idealfalle die genannten Faktoren in sich zu *׳deinen. Das jüdische I aiulschulhcim hat die Möglichkeit, Wcsent- 1'dies fur die Gestaltung jüdischer Inhalte zu leisten und so (lK. Judentum wieder zu verleb e n d i ge n. Da hier die Oe- Weiiiscliaft der Schulklasse nicht nur fin den Vormittag auf- 'lcj!t erhalten bleiht und sich den ganzen Tag, auch auf den 11"irk'ii, die sonst der Familie Vorbehalten sind, fortsetzt, ist ' Jc Uewähr für eine einheitliche Erziehung gegeben. Es muH ״.r beachtet werden, daß die Träger dieser Gemeinschaft Htder sind, und wenn auch der Wille der Erwachsenen 11.Lebe״ gestaltet, so müssen doch alle Mittel dazu von dem .,111'kpunkt der Kinder aus gesehen werden. Die Kontinuität der ,11jiiHinschalt und der Blickpunkt vom Kinde her sind die ‘'sonderlichen eines jeden Landschulheims; da wir »ms aber tm bestimmtes Beispiel halten wollen, seien noch die sonderen ׳Umstände des Caputhcr Heimes erwähnt. Sic . R‘‘n in der I lauptsnchc darin, daß es sich in diesem Fall ,^״Mehrzahl um Kinder handelt, die aus einem dem Juden- ׳n völlig entfremdeten Milieu kommen und weder wissens- .1״'׳S und noch viel weniger crlebnisinäüig in dieser Bo• Hing etwas mitbringen. «ns Ein,,fcI'on gebahnter Weg lag vor uns, auf dem wir Crc KiuOef da« Judentum hätte« nahcbringca komm•, det Weg der Orthodoxie. Sie hat als einzige Richtung im Judentum noch Formen für ihr religiöses Lehen, die stark und greithar genug sind, um auf Kinder zu wirken. So haben sie auch jedesmal, wem. unsere Kinder mit ihnen in Berührung gekommen sind, einen starken Eindruck aut sie gemacht. Und doch wußten wir, daß dies nicht unser Weg sei. Kinder hallen wohl Verständnis für Tradition, aber nur, wo sic sic lebendig scheu. Ls hätte eines Kreises von Erwachsenen bedurlt, um sie in dieser Richtung zu führen. Ein solcher Kreis war nicht vorhanden. In der I lauptsaehc aber schienen uns die Formen der Orthodoxie zu starr Und unwandelbar zu sein, um sie Kindern für die Dauer annehmbar zu machen. Wir hatten an Beispielen gesehen, wie mit der Zeit der Ursprungliehe Sinn durch Gewohnheit verdeckt wird, Verpflichtung in unerträgliche Last sich wandelt. Davor fürchteten wir uns besonders, da wir schon an einer Generation beobachtet hallen, wie eine solche Erziehung schließlich zur völligen Negierung alles Religiösen führte. So waren wir gezwungen, einen neuen Weg zu beschrcitcn. Da es sich sowieso um etwas bisher mir wenig Geübtes, nämlich um Gestaltung religiösen Lehens k i n d g e nt ä ß c r Art handelte, hatten wir dazu einige Berechtigung. Wir fragten jedoch hei jidem Schritt nach der Beziehung zu cicm uns überlieferten Kulturgut mul betrachteten es als unsere vornehmste Aulgabe, diese wiederherzustellen. Die Verpflichtung znr Gestaltung des religiösen Lebens empfanden wir zuerst, als wir daran gingen, die Festtage in einer angemessenen Weise z.u begehen. Nicht allzu viel Schwierigkeiten hatten wir bei all den Festen, die im Zusamuieuliang mit dem Leben der Natur stellen. Wir, die wir ja selbst aut dem Damio leben, konnten Dankfeiern für eine gelungene Ernte wohl verstehen, und noch mehr als das ahnten wir eine Gesetzmäßigkeit in dem Auf und Ab der Natur, die wir durchaus als überirdisch, als göttlich cnipfnnden und die dadurch tmserm religiösen Verlangen• Nahrung gelieit■ konnte. Wir konnten auf unserem eigenen Boden eine Sukkali bauen und unsere eigenen Früchte essen. Und wenn am 15. Sehwat unsere Bäume noch nicht zu blühen beginnen, so sind wir zu diesem Zeitpunkt auch schon des Winters überdriissig und können für Ercz Israel die Freude über den Beginn seines Frühlings verstehen. Auch wenn es sich um Feste haudelte, die an ein historisches Ereignis!anknüpfen, hatten wir es leicht mit einer entsprechenden Ausgestaltung. Schott wochenlag vor Chanukkah wurde in der Werkstatt nur noch für die gegenseitigen Geschenke gearbeitet, und fast der gesamte Schulunterricht Wurde in den Dienst der großen Aufführungen, die z.u diesem Zeitpunkt bei uns üblich sind, gestellt, Als dann am erste« Abend für Jedes unserer Hauset eine Menorah entzündet wurde, fühlten wir den Zusammenklang alten und neuen Brauches. Wir sind jedesmal überrascht über die Buntheit und Lebendigkeit der!Masken zu Purim. Obgleich das historische Ereignis uns schon genügend Anregung zur Gestaltung gibt, geschieht cs, daß auch unser eigenes Alltagsleben Stoff zur Karikieruug und zu lustiger Nachahmung geben muß. — Zweimal im Jahr essen wir alle au einem Tisch: an den beiden Sederaherideii. Ist ein so großer Betrieb wie der hier gemeinte sonst gezwungen, sich in mehrere Eaniilien aufzuteilen, so fühlen wir uns doch in den beiden Pellachnäcliten wie eine große Familie, da wir die Einheit im Raum einmal bewußt licrgestcllt haben. Bei diesen und ähnlichen Feiertagen zeigt es :,ich, daß eine solche Ge» nicinxchaft Kräfte, mannigfacher Art besitzt, utn einem Geschelten oder einer Erinnerung Ausdruck zu geben, da es sich immer um einen faßlichen Stoff handelt. Ganz aiulvrs ist die Situation bei dem Versuch, Rosch- Hase ha 11 ah und Jom-Kippur zu gestalten. Handelt es sielt doch hierbei um Feiern abstrakten Sinnes, die bei dem Versuch einer Konkretisierung ihren wahren Sinn verlieren würden. Ls sei noch einmal gesagt, daß der naturhaftc oder nationale Charakter nie der alleinige Inhalt der zuerst erwähnten Feste war, mul etwas Religiöses stets irgendwie mitschwang; aller mit diesen Taffen selten wir uns doch vor die Aufgabe gestellt, reinstem religiösen Sinn Gestalt zu geben und aut das Medium irgendeines wirklichen Geschehens ver* zidifeti zu müssen. So kann man wohl diese beiden Festtage als Prütxtein anschen und behaupten: Gelingt es, sie dem Empfinden der Kinder rtahe/ubringen, so ist damit die Gewähr fiir ein Gelingen der religiösen Erziehung gegeben. Unseres Wissens ist der Versuch dazu 'noch nie ernsthaft gemacht worden, und die verschiedenen Formen des ״Jugemigottcsdienstes“ entsprechen nach unserer Auffassung dieser Fordening nicht. Hat es sieh bisher nur um leiern verschiedener Art gehandelt, so müssen wir uns nun um einen Gottesdienst bemühen. Diese Aufgabe war zu schwer, um ,auf einmal gelöst zu werden, und wir wissen, daß wir auch heute noch nicht am Ziele sind. Da wir zu Anfang die Besonderheit eines Gottesdienstes auch für Kinder noch nicht klar sahen, begingen wir den Felder, zu ihnen innerhalb der Feier über die Bedeutung des Tages zu sprechen und seine geschiclillichc Entwicklung zu schildern, um so an irgend etwas Konkretem einen Halt zu haben. Aber das half uns nichts; im Gegenteil, diese Stunden schienen sich von anderen Schulstunden nur durch die besondere Weihe, die der Stoff ihnen gab, zu unterscheiden. Erst als wir dem Gebet einen Platz cinräumten und eine Predigt iti Form einer /sti rede im wirkliche«.Sinne tinführtcii, fühlten wir uns dem Ziele s I w i; | ff- 1' t 1 f ,1 1Sr:״ 1! r 1 ז ,, } *I pif. S1 s 1 i i! I ן i ו