Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V! 48 31ף / JahtRiitip: S9 j /,^ נ׳״־ף ^ירד־־־־־ף רףווד־־יין; i I I > 1 j ן j V n j : : ־׳ i 1 Ut j '->y '!, r\ ,.. 1 \ v ת ' V.-. «-׳#ן* IL׳-־ — I*׳*• - . '׳Pr©!• EM-.25 y׳:t : .V t_—4 L.4 11 r ו־ך־ו \־1 n r־r ץ"־ j \ \ l | 'י J׳ 4 V״. ~L / I r\ 1 f“1 r .J fLJ 11 gl ra י.; nl ftU ־ ״** || »»I, |.' r:n 11־ <)ll,| v<־׳ ו:, ' 1 ׳, ־nl.,!>t f. fi. M׳״,,, ׳ ,G u| ■Suniiiirl'Nr. J1 Rinm«rck 31HI/82, /165/70, 7240/4Z, *■ pro Monet rf0 *>»75• *״“ * Knnion der Ahann#m«־nt•* Ahtfilirngs 573 ^"r - Rrrlin), R#rtit1 17 392 (für <U« {ihrig# R#i, h). AtisUnrl»- jew6lls׳«r L«ml<}»whhn1n«. — Erscheint Jeden Dlonstag und Freitag. ם e z l 1 r j חמוץ תרצ״ד a FREITAG, 15. JUNI 1934 Amel(«Bt«rUו Dl• 12c#«p«1t#n• MiHirn«f#r״».,7״rt# RM —,20, Iflr 6ו1*>נ#1יואמ»ת*י• RM 10,״״־־, Nif F«mi1i*nnachrich(#n RM —,15. Ein?* l»nr#r*#n mir *«**»*n Vor»«** xehluni «td ro»n»ch#rk-Komo R«rtin 7161^ odr-r In d#r Ann־le<*n-Annihm• Mont•( hl» Pr#i!»g Uhr Ann«hm»*<rh1uft Mir dl# Dl*n«<«R‘ Aimgah• Moni** 10 Uhf Mir di« Fr©ltag< Autgahe Mittwoch 13 Uhr (f־»mlll«nanr»lR©n hi» Donnern«! 10 Uhr) p0r Zionismus erstrebt fOr tia& |Qdische Volk die Schaffung einer Öffentlich•>rechtlich gesicherten Helmstitte In V*allsttna. «!Baseler Proirsm #■13 Im״*,,.. ך־■* " ״ r! >0 i ’ ח ץ~׳€ ץ״־ י ,"״׳׳ f I \\ u Im \r..ןj i v.3 u U;.,״ ,4 W i;■ 1 1 ri •1 für Ikoiier רז r\ 1 W 1& '&■* j in;30; «'10 95, : fK•: o s s 1 Ein Todesopfer i frst jet/t wird bekannt, daß die vorwöchentliclicn anti- ■ lr1|jiC|u'11 AnsM'lireitiiiipcii in Warschau, über die wir hc-; j'^,s ^!!7; beiicliteteii, ein Todesopfer gekostet haben, j |)11׳1׳״<| .״li;:n״g des ersehlageiu'it Jecheskel Dal mann I ׳nl innntK’hr in aller Stille in Anwesenheit eines starken Poli- J(11״f n |m׳-, unter Fiiliriiiig des Poli/eikoininissars stattge-;.,,(cii'. Die ludiselie (iemeimle hat dem so tragisch ums [eben 1 ii'k י an menen ein T.hrengrab gewidmet. AiinI'mIii lu lie Schilderungen der lireignisse vom 8. und 0 jiini, die ein wirkliches Bild über ihren Umfang batten ver- ״(ttdn’ können, sind zuerst nicht zur Veröflcntlichung /uge- ׳ wordui. Die jüdische Presse nmlSte sich mit der Wieder• .,In• vincs km7en C o 111 m 1111 i (ן u es begnügen, während;0 nnlniH lie Presse die Bei ichterstattimg über dii'se Vorfälle •berii.iupt uiileilicll. last jet/t werden nähere lün/ellieiten ' f״״j1 einen m der ״(ia/etta l’olska“ venil'leiitliebteu ,׳,-!!eilt bekannt. I liescnt Berieht zufolge haben sieh die l'.reig- ■.,!׳ in der Weise abgespielt, dall in dem Viertel l'ow.iii/ek '1 Aiisebl 111i an eine kireblielie Prozession eine Bande von!hu dmliig mit Stucken, (iiuuniikniippelii. I'iseiislangeii und j .ijuiiclu 11 ' (icgetistamlcn bewal'tiicten I:\zedc11ten einen j Irlui fall auf die J. i.. P e r e / B i b I i o t 11 e k ver- | ,:Me. Drei I eiisli r wurden mit den Rahmen herausgerissen, j ,:ile f'ciish'1 scheiben mit Steinen und Ziegeln eingeworfeii. | Nachdem dieses /eistörinigswerk vollbracht war, neidete die j Terror-II.iiiili׳ ihm! Angriff gegen die im selben Hause bc- *mdliilu• Bäckerei des Leib Sal/manit. Auch dort wurden samt- (:che i'eii'.lersclieibni zertriimniert und die Limiditung des l.idens di mutiert. Wähl end dieser Ausschreitungen kam der , i'igeutmm r de. Hauses, der Tijiibrige Jecheskel I )almann an. \ Die Id iw dies w andten sich sofort gegen ihn und schlugen ihn ::u der. D.dm um w urde im Rettungswagen ins Krankenhaus iiherfuhri, wo er im Laufe der Nacht seinen Vcrlctzun- ] g c 11 e r I ,ו g. tm Ir. f •ז L « 75 1,10 -.15 1 bei Unterhausmitglicder in Palästina I Drei ,Mitglieder des englischen Unterhauses, und zwar der |;dklie Abgeordnete Jauner und ferner Capt. Strickkml net Major l'i'odor liabeti saeben eine P a 1 ä s t i n a ־ R e i s e ] beendet. Die drei Herren haben die meisten Punkte besucht und : ■aurden von der jüdischen Bevölkerung herzlich empfangen. •י h Haifa hatis Mr. Jauner einen Atitomilall, der aber keine ernsten Böigen hafte. Bei einem von der jüdischen Gemeinde nt Haifa veranstalteten Lmpfang hielt auch der arabische Bit r g e r in e i s t c r von Haifa, Hassan bey Schukri, eine Bc- «,,y \ Das britische Oberhaus bereitet ankizionistischcn Vorstof} vor 1-ondon, II. Juni. (J. T. A ) Im Londoner llauplbüro der Zioiiictisrlicn ()rgaiiisation gab der politische Referent der Lxe- Hitive der Jewish Agency» Prof. Brodetsky, Lrkhi- IUl!gc!1 idu׳r die Politik tl e r L x e k 111 i v e, insheson- ,Vc im Znsammeiibaiig mit der Lmwaiidertmgsfrngc, ah. Die Exekutive beabsichtige, die Liiiwanderuiigsfr,age sowohl in London als auch in Palästina weiter zu behandeln. Dr. Uro- ‘Ict.kv kündigte die Herausgabe eines Buches über die Liinvan• öi'riiiigsfrage für die nächste Zukunft an. Zu der Lrklärung, die der Vertreter der M.unlatarmacht, (Dhcfsekretär John Hat- 10rtl II all, vor der Mandatskommission des Völkerbundes '11•‘irdfeml d,:s־ Milivcrliältnis /wischen der Zalil der von der _Jewish Agincy angcforderlen und 11er der bewilligten Zertili- ,,י,de geiiuilit balien soll, bemerkte Prof. Brodetsky, die Be- 1!111i'bnig des Chcfsekretärs, die Antorderuugeii de: Jewish V'cncy liätten sich auf nur vorübergehend vor- 11;1> יי. י ene Arbeitsgelegenheiten bezogen, müsse H11arfst1ns zuriickgevvieseii werden. Diese Behauptung werte 1,ne frage wieder auf, die vor drei Jahren behandelt und '1115Rekämplt wurde. Was die Orangenpfiaii/tingen betreffe, u> sei ,ן!,. Schätzung des neuen Arhcitsbcdarfes durch die V’1'1hv ן|,ן׳,!ן Heriicksichtigimg des neuen grollen Gebietes, (־w fur die Anlage von Pflanzungen in Aussicht genommen ''1׳b 'cm der Annahme ausgegaiigeu, dall ein dauernd beschäl- Wer Arbeiter auf je 10 Duiiam euttalle, eine gewill vorsich* Dv ^diiit/img, die.auf <«rund der tirlaliruugen gereehtlertigt '3'׳ "! der Industrie gründe sich die Nachfrage nacii Arbeitern y'' die grölte Zahl neuer Fabriken und Werkstätten, die in 3' di׳!׳ Z.eit gegründet wurden und auf den Ausbau alter Unter- Huiiiiiij,,•״ .;,|le diese Unternehmungen sind von ausged’uw'licncin n,mereharakter. Was das Baugewerbe betrifft, so ,1'de Narlifrage nach Bauarbeitern bestellen, so lange die ^1waiuleruiig andaiicrt, und man könne wohl aiinclnm'u, dall <KI1 eine lange Reihe von Jahren hindurch die starke Einwan* |funK anhaltcn wird. Ls sei nicht vorauszusehen, dall die romiktji,״ (|es Baugewerbes die Nachfrage nach Wohnungen 0 ,:1emlieh lange Zeit hinaus übersteigen wird, daher sei die ei /c,lcl""|״g ״vorühcrgciicnd“ für diese Arbeitsgelegenheiten I Dliaiis falsch. Die angebliche Antwort Chefsekretär Halls K fueksichtige auch durchaus nicht die aus der allgemeinen '3l'imcit jüdischer Arbeitskräfte sich ergebende erhebliche l '.1'11״rbescliäftigung jüdischer Arbeiter bei öftciitiichen Arbcitci n. Das l’nli/eikommissariat entsandte ein Llebcrfallloniinaudo au ilie Statte der Ausschreitungen, aiillcrdcm wurde eine Reserve-Polizei,■ihteilung in das Puwon/.ek-Viertcl abkomman- <liert. II Teilnehmer an den Ausschreitungen wurden verhaftet. Die anger,ielilden Verwüstungen wurden photographisch fcslgehalteu. Die Polizeiwachen im Viertel wurden verstärkt. Diesem Bericht der ״(ia/elta Polska“ ist noch hinziizufiigen, dall eine Anzahl der Verhafteten mangels Beweisen bereits wieder freigelassen wurden ist. Zahlreiche Juden sind aus dem überfallenen Viertel in das Stadtinncre geflüchtet. Nach einer im lokal der n a t i o 11 a I r a d 1 k n I c n Partei (Nara) im Powou/ek-Viertel durchgeführteii I laiissucliinig wurde das lokal behördlich geschlossen. Vier Parfeimilglirder wurden im Zusammenhang mit den jüngsten Ausschrei tu ״gen verhaftet. Auch von den nächsten Tagen werden nntisem!• tische U e b e r f ä 11 c aut jüdische Passanten berichtet. Das amtliche (ommumqnc der Rettungswache enthält eine grolle Anzahl von Namen jüdischer Verletzter, denen Hilfe geleistet werden imilSle, Ls wird feiner berichtet, dall die öffentlichen Lokale in Warschau stark verminderten Verkehr aiifiveisen, weil die J u 11 e 11 a 111 Abend die S t r a II e 11 u ml Lokale meiden. Aus Wilna wird berichtet, dall in verschiedenen Teilen der Stadt Ucberf.üllo auf Juden verübt wurden. 5 Personen, unter ihnen ein 7ljährigcr Greis, muhten, erheblich verletzt, die Hilfe des städtischen Ambulatoriums in Anspruch nehmen. Um <) Uhr abends wurde bei den Volkswolinhäuscrn eine Gruppe von (; 11 a 111 z i in überfallen. Jüdische Einwohner des Wohnblocks vertrieben die Angreifer. Der Verband der polnischen Juden Amcr i k a s hat auf seiner in Asbur Park, New Jersey, abgeh,iltcnen Jahres-Konfercuz, eine Entschließung gefallt, in der die polnisclie Regierung dringend aufgefordert wird, die Ausschreitun* gen der n;1tioualratlikaleii Banden, die die Juden im Kampf gegen die Regierung als Prügelknaben benutzen, mit eiserner Laust zu unterdrücken. grüllungsaiisprache. Mr. Proctor malmte In seiner Rede dazu, daß Pal,istina britische Waren kaufen müsse und wies darauf hin, daß er außerordentlich viel japanische Waren in Palästina gesehen hat. England aber kaufe ״ 3א/# der palästinensischen Orangen, während Japan so gut wie nichts von Palästina kaufe. — Vor ihrer Abreise äußerten sich die Abgeordneten sehr befriedigt über das Gesehene. Das vom Unterhaus bereits verabschiedete Lrmächtigungsgesetz zur Garantie der Palästina-Anleihe wurde am 12. Juni vom englischen Oberhaus in erster Lesung angenommen, Chefs Zu der vor kurzem von der Paliistiiinrcgicrung gegen das P o s t e n s t e h e 11 zum Schutz jüdischer Arbeit er* lassend! Verordnung bemerkte Dr. Brodetsky, daß die Re* giorung im Irrtum sei, wenn sie glaube, durch diese Ver* Ordnung zur Bmiliiguug der Lage beitragen zu können. Die Verordnung werde im Gegenteil nur noch mehr Verbitterung erzeugen. Her Post e n d i e 11 st, in den sich eine Reihe der besten Kräfte des Jischuw gestellt habe, sei zu begrüßen. Eine Aktion der Indischen Mohammedaner Es Ligen Mitteilungen vor, erklärte Brodetsky weiter, daß in Indien die anti zionistische Propaganda wieder aufgenoinmcn wurde. Die Führung der Bewegung Italic Schaukat Ali übernommen, der dem Vizckftnlg ein M c nt o r a n d 11 in überreicht habe, ln dem gegen die ganze Politik des Jüdischen Natlonalbeims Protest erhoben und die Regierung aufgefordert wird, die jüdische Einwanderung eiu/ustellen und den Bodenkauf durch Juden zu verbieten. Die Exekutive werde die notwendigen Schritte in dieser Sache tun. Ls verlaute, daß der Vizekönig, der sich gegenwärtig in England aufliält und auf seiner Reise kurze Zeit in Genf gewesen sein soll, das Memorandum durch das Indien-Amt der Regierung vorlegen will. In diesem Zusammenhang bemerkte Brodetsky, daß es In letzter Zeit gelungen ist, in clcr indischen Presse auch den zionistischen Standpunkt darzulcgen. Am 27. Juni werde Viscount Templctowii dein Oberhaus vier Anfragen vorlcgcn, die sich mit der Inkraftsetzung von Bestimmungen des Passfielilsclieu Weißbuches befassen. Eine ähnliche Anfrage sei von Lord Templetowit vor einigen Monaten clngcbracht worden, der Gegenstand sei jedoch vertagt worden. Anläßlich dieser Anfragen seien heftige Angriffe der Freunde der antizionistfschen Araber und eine Wiederholung des afarmiercmlen Zustandes von vor vier Jalren zu erwarten. Aiies sei vorbereitet, diesem Angriff zu begegnen. Was den Legislative Council betrifft, so halte die Regierung keine Vorschläge ausgearbeitet, und er erwarte nicht, daß in den nächsten Wochen oder Monaten sDielte Vorschläge erörtert werden würden. Doch müsse die jüdische Ocffentlichkeit wissen, daß cs hier um eine Sache geht, die nacii Ansicht 11er Palästinaregicrung behandelt werden muß. Die Exekutive sei in dieser Angelegenheit wachsam. Ihr oppositioneller Standpunkt zu der Frage bleibt unverändert. Zum Schluß kam Dr. Brodetsky noch kurz auf die Gerüchte im Zusammenhang mit dem Besuch Emir Ab• dull a 11 s in London zu sprechen. Es sei ein milder Aus* druck, wem! man diese Gerüchte als Uebcrtreibungeit kennzeichnet. Während in den sorglosen Tagen des Liberalismus die meisten Juden auch den Antisemitismus nicht ernst nahmen und überzeugt waren, daß durch den stetigen Fortschritt der /Aufklärung der Menschheit auch der Antisemitismus verschwinden werde, haben die Jahre nach dem Weltkrieg die Auffassung merklich gewan׳• delt. Line neue Epoche, in der die Leidenschaften der' Völker sich wieder stärker regten, in der man den Schrecken der Zerstörung ins Auge gesehen hatte, und in der tiefgreifende Veränderungen der Gcsellschafts- Struktur sich ankündiglen, hat auch die Judenfrage von neuem auf die Tagesordnung gesetzt. Man hat erkannt, daß die Judenfrage mit der Existenz der Juden verbttn« den ist. Als solche wäre sie nichls Schlimmes; bedeutet sie doch nichts anderes als die Gesamtheit der Probleme! die sich aus der historisch gewordenen Lage, den Lebensbediirfnissen und dem geistigen Wesen der Juden ergeben. Aclittliche Probleme gibt cs ja bei allen Völkern, und die Judenfragc ist nur darum so komplex und einzigartig, weil die Juden in alle Länder clcr Welt zerstreut sind, so daß die Judenfragc in verschiedenen Variationen allerorts auftritt, und weil ferner nicht nur die Juden seihst, sondern auch die anderen Völker mit ihr zu tun haben- Die Reaktion der Völker nimmt meist —׳ wenn auch nicht ausschließlich — die Form des ״Anti« semitismus“ an. Vielleicht wird man nicht fchlgchcn, wenn man sagt, daß die Völker darum so stark auf die Judenfrage reagieren, weil die Juden selbst gegenüber der Problematik ihres Seins blind und taub waren und cs unterließen, in ihrem Dasein Ordnung zu schaffen. Der Mangel geordneter Lebensform hat es auch mit Sich gebracht, daß einzelne Juden, die für das Judentum nichts bedeuteten, nach außen hin eine verhältnismäßig so große Rolle für die Beurteilung des Judentums spielen konnten. Andere Völker beurteilt man nach ihren edelsten Repräsentanten und nach den von ihnen selbst gewählten Führern. Wir mußten cs uns gefallen lassen, daß man uns unsere Repräsentanten von außen ernannte und gerade die asozialen Elemente, Schicber oder geistig Wurzellose, als Träger des Judentums bezciclmcte. Unsere Weisen und Gelehrten, unsere schöpfcrischcn und charaktervollen Elemente werden uns nur selten angcrechnet, wenn es um eine Gesamtbeurteilung geht. Und am allcrscltcnsten tut man das Natürliche, nämlich erkennen, daß die jüdische Gemeinschaft so wie jede andere aus guten und schlechten Menschen, aus ehrbaren und treulosen Elementen, aus großen und kleinen Geistern zusammengesetzt ist. Und darüber hinaus sind die Juden, die in der europäischen Geschichte mir Objekt der Entwicklung waren und die stets dankbar dem Land und Volk, in dein sie leben durften, zu nützen und sich hinzugeben bestrebt waren, ein Produkt der äußeren und historischen Bedingungen. So ist z. B. die eigentümliche Berufsgliederung der westeuropäischen Juden darauf zurückzuführen, daß die Judencmaiizipation in clcr Zeit des werdenden Kapitalismus erfolgte und die Juden, denen der Zugang zur Urproduktion versperrt war, größtenteils im Handel und in städtischen Intelli-• genzberufeu ihren Erwerb suchen mußten. Der Kapitalistnus selbst ist aber nicht von den Juden geschaffen worden, sondern war eine Begleiterscheinung der dank der modernen Erfindungen vor sich gehenden Industrialisicrung. Wir Juden wissen, daß unsere Lage anormal ist und in Ordnung gebracht werden muß. Wir erwarten auch nicht, daß jeder, der dies bemerkt, umfangreiche historische Betrachtungen austeilt. Wir sind überzeugt, — und zwar nicht erst seit heute oder gestern —, daß etwas geändert werden muß, sowohl in bezug auf unsere berufliche Struktur, als auch in be/ug auf unser Verhältnis zu den Kulturgütern und der Gefühlswelt der Umwelt. Wir haben leider in der vergangenen Epoche der Schlaffheit nicht genügend daran gearbeitet, diese drängenden Probleme zu lösen. Heute sind die äußeren Bedingungen dazu ungünstiger, aber die inneren Bedingungen besser, weil der Großteil der Juden zur Besinmmg gekommen ist und mitarbeiten will. Die Judenfrage kann nur von den Juden selbst gelöst werden. Wir glauben, daß wir, einem immensen internationalen Problem gegenüberstehend, auch die verstiiudnisvollc Hilfe der Völker brauchen, und zwar der uns feindlich gesinnten ebenso wie der uns freundlieh gesinnten, denn die ״Feindschaft“, wenn wir sie recht