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Jüdische Rundschau · 1934-06-05 · Heft 45 (5.6.1934) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 45 (5.6.1934)
Date
1934-06-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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!?iE ms וו*! llllt iil ns o m ■ t I 1 Q. " X! O־ <־* נ: - rX ס: c C, 2 ב ב .ש c. H' r. s N .2 י׳ 3:ש .— ו־• n 3 ו 1 r aa JÜDISCHE RUNDSCHAU JUGEND - RUNDSCHAU NR. 45. 5. JUNI 1934 I j /ץ״ 1 >' -J (\ 1 j wJ V. Seminar und Führertaßunö des r*״ ־,n ר"/ 1~f יז ר״־ז ח ח! ex ץ"־׳ ן ד; /. /! 1!!!; : ■׳/ .!! ־ ו , ׳׳ /; י׳ ז j . j M j!! ן; \ ׳ j L״..״4mJ v ו»״•« ־. ,w*» ,x {,״x ׳ i 1 c.ע Per ״Habonim“ ist im letzten Jahr einen Weg innerer Vertiefung gegangen. lir empörte eich gegen einen Zionismus der Selbstverständlichkeit; es gab noch niemals eine Zeit, in <if׳ so viele Zweifel in ihm auftauehten wie gerade in der 2dt der Konjunktur. Man würde cs falsch verstehen, wollte n13n anncliiiicn, dal) der Hnbonim an seinem dialuzischen gczweifclt .hätte; dieser Weg ist im letzten Jahre (Hindertfach bestätigt worden. Es waren Zweifel, die bis in <jjf tiefsten Fragen des Lebens, in die Fragen der Geschichts- ,ullassung hineinreichten. Dieser Zweifel wurde fruchtbar ״macht; er führte dazu, daß man sieh intensiver als je mit ,11 unseren Grimdproblemen befaßte. Beweis für den Ernst und zugleich für die Kraft des Bundes war das Seminar des Habonitn, das vom 9. bis!0, Mai auf Gut Winkel stattfand. Pas Bild des Seminars Man möge allerdings keine Fehlschlüsse ziehen, indem man glaubt, diese Jugend sei überaltert und unjugemllich geworden. Keineswegs. Tiefer Frust und muntere jugendliche Frische sind keine Gegensätze. Sie ergänzen sich, durch• dringen sich sogar; jedes von beiden bat seine Zeit. Das Seminar des Habonim war zugleich Ausdruck Irls c 1t e r, I c b e 11 s f r ö 111 i c h c r Jugendlichkeit. Fs war ja kein Sclniliingssemiiiar, wo man morgens hinknm, sielt den Tag über mit einem offenen Hefte vor sielt Vorträge jnliorie und abends wieder nach Hause ging. Es war ein Lager, in dem die Teilnehmer von morgens bis abends ein gern ein sa mes!.eben verwirklichten. Gekommen waren 7*2 Chawcrini aus allen Teilen des Reiches. Frühmorgens um 6.30 Uhr Stand mau auf, um zunächst Gymnastik zu treiben und sieb den Schlaf aus den Augen zu schütteln. Nachdem man sielt sodann gewaschen und angeklcklet hatte, traten alle zu einem Morgenappell an, auf dem die notwendigen Ankündigungen jur den l ag vorgelcsen und der Dienst (Küchendienst, Tages• ratimtlicust) verteilt wurde. Nach dein gemeinsamen Frühstück verteilte sich das Lager dann auf ä hebräische Kurse, von (lenen die beiden obersten im Laufe der 10 Tage die ״Mass.-nlal!“ von Lnmdan bz.w. das Buch Ruth bis zum Ende lasen. Von 11 -1.30 Uhr fand die 1. Sichah (Vortrag mit Aussprache) statt. Nach dem gemeinsamen Mittag und einer längeren Mittagspause begann gegen 4.30 Uhr die 2. Sichah und dann «ach dem Abendessen um 8.30 Uhr die dritte. Wie war nun der Verlauf des Seminars? Bhimenfelds Referat In der Eröffnungsveranstaltung referierte B1 u m c 11 f c 1 d über ״Einige Fragen zionistischer E r z i c hung“. I'r betonte, daß die Erziehung in den letzten Jahren allzusehr aut das Wissen und allzuwenig auf die Lebenshaltung gcrichtet gewesen sei. Den hieraus entspringenden Mangel ver* spüre man deutlich in Palästina. Es herrsche ein Stilgcmcngc, dis vielfach keine rechten Beziehungen zwischen jüdischen Umsehen verschiedener Herkunft aufkommen lasse. Das a111׳ ge sowohl damit zusammen, daß die gemeinsame Basis jüdischer Kulttir, insbesondere der hebräischen Sprache, nicht vorhanden sei, als mich damit, daß die Menschen es vielfach an Takt und Rücksicht auf den Nehenmcnscheu fehlen ließen. Wenn man hiernach auf die Gestaltung menschlichen Zu• SMimcnseins in der Zukunft einen entscheidenden Wert unter (tan Gesamtaspekt zionistischer Erziehung legen müsse, so nuissc man mich den Mut haben, an die Frage der Füll• ning herniizugchen. Es sei eine falsche Demokratie, die den tiihrrrhegriff aussehaltcn wolle. In unserer heutigen Situation sei die mit freiwilliger Unterordnung aufgebaute Führung unentbehrlich für unsere Bewegung, Politisches Denken Linen großen Raunt nahm eine Aussprachcnfolge über 0״ rit 11 (I b e g ri f f e politischen Denkens“ ein, die von Georg Pape und Secw M e i n r a 111 geleitet wurde, js wurde zunächst der Versuch gemacht, den Begriff der Politik zu definieren und zu erkennen, worin die reale politische Macht besteht. Als Ausgangspunkt , und zur Ausdiiamlersctzimg dienten wesentlich die Schriften von Carl Schmitt, Möller van den Bruck, Spengler, .Mannheim und Max Weher. Ferner wurde die Frage, ob und wieweit Politik als Wissenschaft möglich sei, lebhaft diskutiert. Besonders wurde liicrhci auf die Bedeutung der Intuition in der jeweiligen politischen Entscheidung eingegangen. Dann wandte man sieh der Frage des politischen Menschen zu, der schon immer in Her Begriffswelt des Bundes eine große Rolle gespielt hatte und um dessen klarere Herausarbeitung mau sich >«f dem Seminar bemühen wollte. Es wurde gezeigt, wie sielt der Begriff von der Zeit der Griechen her bis heute vielfach gewandelt hat. Die Beziehung zwischen Politik und ■"oral wurde ausführlich besprochen: ist es möglich, sieh zur frrciVliiing eines moralischen Zweckes in der politischen Auseinandersetzung unmoralischer Mittel zu bedienen? Es Minie für diese Aussprache die Wchcrsclie Gegenüberstellung ihednnungspolitik — Verantwortungspolitik“ benutzt. Ist es 1״״glich, reine Gcsiimuiigspolitik zu treiben, d. h. sich von ^jü Grundsätzen einer reinen Ethik ohne jedes Kompromiß fite« zu lassen, - oder würde nicht dadurch die Verwirk• Mumg unseres Zieles utopisch werden? Andererseits: kann!״״" ein auf einer bestimmten Gesinnung beruhendes Ziel auf ״e1!cn erreichen, die den Einzelnen an seinen tagtäglichen , *a1en in einen Gegensatz zu seiner Gesinnung stellen? Es gab '’ersrliicdene Antworten darauf. Zum Schluß wandte man sich ״er L'raja׳ nach der Beziehung von Politik und Erziehung zu. Zwischen beiden bestellt kein Gegensatz. Genau so wie die , cr/iclumg des Menschen für uns eine politische Tat darstellt, j genau so birgt unsere Politik in sielt einen erzieherischen 111״alt und erzieherische Auswirkungen, Lj ta Däs Ziel der Erziehung In der Sichahrcihc über ״Grundfragen der Er־ ף eil u II g«, die vtm Pony Steinberg und Franz Schic• Gnger geleitet wurde, bemühte man sich zunächst, den ״ifaltyp des Menschen darzustcllcn, zu dem der Bund strebt. ״Ir formulierten ihn als freien, schöpferischen I‘‘״sehen, der zu einer größtmöglichen Entfaltung seines c" ßflangt und zugleich die Fähigkeit besitzt, sein Individuum ■?5»inmcn mit den anderen Individuen in die Gemeinschaft '",״'hauen. Der Begriff des Menschen, der in dieser Sichah?'111?'len wurde, zog sich von nun an durch alle Siehoth des ״'״imars hindurch. Es zeigte sich, daß in unserer Bewegung, Cn Ziel die Ganzheit und Einheit des Menschen ist, die “fsclticdcnen Problemkreise nicht völlig voneinander los- ן a Lj kM i"., . ‘ •mJt p ־׳*%, i ' j j , י \ i f ' I j 1 1 '• gelöst werden können, daß sic vielmehr alle durch das Ziel• Ul<1 des Menschen, der Ausgangspunkt und Endziel unserer Bewegung ist, miteinander verbunden werden. In diesem Zusarninenhang fand eine lebhafte Aussprache darüber statt, oh wir überhaupt die Wertung einer bestimmten Form rncnschlieher Gemeinschaft vornehmen dürfen oder ob uns nicht die I e s t s t e 11 e 11 (I e Erkenntnis vorhandener geschichtlicher Tendenzen ohne I lliieintraguug einer Wertung genügen muß. Nach der Klärung dos Zieltyps der Erziehung wandte man sich der Frage der Grenzen der Erziehung zu. Franz Schlesinger referierte über den freien Willen. Er zeigte auf, wie die verschiedenen philosophischen Anschauungen hierzu Stellung nehmen. Der Wille des Menschen ist durch viele Faktoren von außen her bestimmt; es gibt jedoch einen bcstimmten Raum, in dein er frei ist, - nicht in dein Sinne frei, daß er durch nichts determiniert ist, sondern in dem Sinne, daß er nur durch sieh, durch den Willen selbst, deter• «liniert ist. Dieser ״freie Wille“ ist es, den wir erziehen müssen, weil nur er die Möglichkeit der Wald zwischen verschiedenen Wegen hat. Man sprach noch weiter über die natürlichen (.irenzen der Erziehung mul ging dann zur Bcsprechung derjenigen Grenzen über, die durch die Gesellschaft gesetzt sind (Milieu, Elternhaus, Schule usw.). Mcthodcnfragen Im weiteren Verlauf des Seminars bemühte man sich dann, aus den grundsätzlichen Siehoth über Erziehung die Konsequen/en (ur die praktisch-pädagogische Arbeit auf den drei Gebiete» zu führen. Die Vertiefung des Gefühls läßt sich dureli Herstellung einer persönlichen Beziehung zur Natur, zur Kunst und zum Menschen erz.iclen. Es wurde gefragt, worin eigentlich für unsere Erziehung das erstrebenswerte Verhältnis zur Natur bestehe, ob cs die Beziehung eines prüfenden Fachmannes, der nur Nutzen oder Schade» sicht, sein solle oder die Beziehung eines mitcrkjiendcn Menschen, der die Schönheit, Wucht und i larmonic der Natur empfindet und der es verstellt, — was die meisten unserer Menschen nicht verstehen —, in der Natur zu schwcigen und schweigend aufztmehmen. im Zusammenhang mit der iiier erwähnten Erziehungsaufgabe muß uns dies letzte als Maßstab dienen. Ferner sprach man über die Schaffung einer B c /. i c h n 11 g zur K11 n s t. Erstrebt ist liier nicht ein reichhaltiges Wissen, sondern die Fähigkeit des Miterlcbcns von Kunstwerken. Man wandte sich dann der Frage nach der Beziehung von M e n s c 11 zu Mensch zu. Hier spielte die Klärung des Begriffs der Freundschaft eine große Rolle. Wenn auch ein großer Unterschied zwischen der Freundschaft von Führer und Geführten und der erst später möglichen Freundschaft von gleichaltrige» Menschen bestellt, so gibt es doch gemeinsame Kriterien, die für jede Art der Freundschaft gelten. Es wurde darüber gesprochen, w׳ie der Führer den Geführten von der rein persönlichen Bindung . an ihn loslösen und die Beziehung auf die Sache, auf die Idee, hinlenken könne. Sowohl bei der Frage der Bildung des Willens als auch hei der der B i 1 d 1111 g <1 c s Bewußtseins war es eindeutig klar, daß wir unsere Maischen nicht durch einen Zwang von außen 11er oder durch von außen her Vorgesetzte Schilder, auf denen die Lösungen fertig aufgcschrichcn stehen, erziehen wollen, sondern daß unsere Erziehung in jeder Altersstufe die Selbständigkeit des Mensche» als Richtlinie vor sieb haben muß. Wir wollen Menschen haben, die nicht uiiifor• miert gleich sind, sondern die — jeder auf seinem Weg — zur individuellen, verschiedenartige» Lnlfnltiing gelangen — im Rahmen einer einheitlichen Zicivorstcllung, Daher darf die F 0 r 111 für uns auch niemals selbständiges Erziehungsmittel sein; sie darf niemals an Stelle eines Inhaltes tictcn. Eine besondere Aussprache war der Trage ״Erziehung zur Arbeit“ gewidmet. Hierbei referierte Marduk Scliatt- 11er. Fs entstand die Frage, ob die Arbeit für uns Ausdruck eines unmittelbaren freudigen Bedürfnisses sei oder eine gesellselmfiliche Notwendigkeit, der man sich — wie auch anderen Notwendigkeiten — auf Grund einer Bewußtscinsiibcrlegiing unterwerfe, oh demnach die Erziehung in stärkerem Maße auf das Gefühl der Beziehung zur Arbeit oder auf die Erkenntnis der Verpflichtung zur Arbeit gerichtet sein müsse. Man kam zu der Ueberzcugtmg, daß keiner dieser beiden Wege in *einer extremen Form der richtige sei. Jüdische Kultur Nach der Klärung politischer lind erzieherischer Grundfragen wandte sicli das Seminar in einer von Screni gc• leiteten Sichahrcihc der Frage nach der Stellung unserer Chawerim zum Jüdischen 7. u. Screni wandte sich scharf gegen den Versuch, im jüdischen Volke eine besondere, von oben her gesetzte Sinngebung zu erblicken oder ewige Werte des Judentums zu suchen und als bindenden Maßstab für die ״Jiidischkeit“ eines Menschen zu erklären. Es sei die Aufgabe eines modernen Menschen, alle Inhalte der voll Menschen geschaffenen Kultur, insbesondere die Inhalte der europäischen Kultur, in sieii aiifzniielnnen mul sielt zu eigen zu «lachen. Goethe, I Ionier, Plato und Ten,׳ich müßten in gleicher Weise Kuliudnlialte eines jeden unserer Menschen und damit auch der Gesamtheit der jüdischen Gemeinschaft werden. Das Jüdische sei nicht durch besondere Inhalte gekennzeichnet; jüdisch sei vielmehr nur der Körper des jüdischen Volkes, der alle diese Inhalte aufnehnic. Genau so wie jeder ein- ■/eine Mensch eine Beziehung zu seinem Körper haben müsse, ohne ihn damit von einem Mittel zu einem Zweck zu erlieben, genau so müßten auch jüdische Menschen auf Grund der soziologischen Tatsache, daß sie Juden sind, besonderen Wert auf die Erkenntnis jüdischer ncscliiclitsziisammeiüiängc und besonders auf die Verbindung mit der hebräischen Sprache legen, die für uns Voraussetzung für die Aufnahme und Verarheiliing aller Kulttiriiilialle und damit für den Aufbau einer neuen jüdischen Kultur sei. Für viele Menschen bedeute das Jüdisch-Scin-Wollen eine Einengung ihres kulturellen Horizonts. Unsere Bestrebung müsse cs sein, als bewußte Juden ganze Menschen mit weitem kulturellem Blickfeld zu werden. 111 der Aussprache wurde vielfach betont, daß man etwa Teuacli und Plato deswegen nicht auf eine Ebene setzen könne, weil — bei der Uebcrnalinie des Bildes von Körper und Inhalt — der Teuaeh für uns nicht nur ein Inhalt wie alle anderen Inhalte, sondern zugleich Teil unseres nationalen Körpers sei und daher die Beziehung zu ihm einen doppelten, zweiteiligen Charakter tragen müsse. Daraus ergäben sich auch für die Erziehung Konsequenzen. Fast allgemein wurde die Vorstellung von dem klassischen oder — wie man auch sagte — humanistischen Menschen anerkannt, der unter Alilelumng jeder inhaltlichen Mission des jüdischen Volkes insbesondere das gesamte europäische Geistesgut der letzten Jahrhunderte zur inhaltlichen Grundlage seines Denkens machen wolle. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Erweiterung der kulturellen Inhaltswelt auch für Palästina von Bedeutung sein könne, allerdings nur dann, wenn die Basis der hebräischen Sprache vorhanden sei, ohne die die Inhalte sich im leeren Rau 111c bewegen würden, Die letzte Sichalirrilir, von Li eben st ei ח geleitet, bcschäftigte sich mit weltanschaulichen Grundlragen, u. a. mit der Frage der Geschichtsbetrachtung. Im Mittel- Punkt dieser Aussprache stand die!׳'rage, ob cs eine Zwairgsläufigkeit in der Geschichte gehe oder nicht und wie weit der Mensch durch seine Bedingungen bestimmt, wie weit er von ihnen unabhängig sei. Nachztitragcn ist noch, daß Licbenstein im Rahmen des Seminar» einen Soudervortrag über ״Die Hintergründe des arabischen Krieges“ hielt, in seiir intcrrcssantcr Weise zeigte er auf, wie der Sieg Ihn Sauds über Jemen von Bedeutung auch für die weltpolitische Gesamt- Konstellation ist. Ergebnisse des Seminars Mehr als einen bloß technischen Abschluß stellte die S c h I u ß s i c h a 11 des Seminars dar, die die Ergebnisse zusammciifnßtc, Mehrere Chawerim beklagten sich darüber, daß das Seminar zu schwer und zu fern von den praktischen Aufgaben des Bundes gewesen sei; es sei heute nicht an der Zeit, über grundlegende und philosophische Fragen zu sprechen, wo jeder Tag den Einzelnen vor aktuelle Probleme stelle, die nur auf Grund praktischer Erfahrung gelöst werden könnten. ׳Demgegenüber wurde von vielen Chawerim energisch darauf hingewiesen, daß eine Gefahr darin liege, wenn man die Tagesaufgaben aus der grundlegenden Problematik unserer Bewegung loslftsen wolle. Das Seminar habe die große Bedciitung darin gehabt, daß es gerade in der heutigen Zeit einen Kreis von Menschen mehrere Tage hindurch auf die allerersten Fragen unserer Bewegung konzentriert und ihnen dadurch die verschiedensten Aspekte zum selbständigen Weiterdenken und zur Erarbeitung von Ergebnissen auch für die praktischen Tagcscntschcidungcn gegeben habe. Es sei zu begrüßen, wenn sich Kreise bilden, die in diesen Fragen weiterarbeiten. Die Führertagung Anschließend an das Seminar fand dann in Leipzig vom 19. bis 22. Mai die diesjährige Führertagung des li a b o n i m statt, die vön 210 Führern aus ganz Deutschland besucht war. ihre Aufgabe bestand darin, die Ergebnisse der Arbeit des letzten Jahres zu überprüfen und Richtlinien für die nächste Zeit aufztistcllcn. Sonnabend, den 10. Mai, abends, wurde sie eröffnet. Nachdem alle Chawerim gemeinsam die ״Teclicsaknah“ gesungen hatten, leitete Georg Pape in kurzen Worten die Tagung ein, indem er auf die Verbindung unseres Bundes mit der chaluzischen Gcsaintbewegung liinwics. Sodann sprach Sereni über den ״Kampf des jüdischen Arbeiters um die jüdische Kolonie“. Er gab zunächst einen Uebcrblick über die wirtschaftlichcn Tendenzen des heutigen Palästina-Aufbaues und bewies, da“, es heute keine unmittelbar aus der Wirtschaft des Landes entspringende Krisengefahr gäbe. Die einzige Gefahr erwachse aus der künstlichen Einschränkung der Alijah. Hiermit seit jedoch eine entscheidende Gefahr für die Verwirkliclnmg des Zionismus überhaupt entstanden, die Gefahr der Entleerung der jüdischen Kolonie von jüdischen Arbeitern. Das neue Gesetz, das das Postcnstcheu vor den Pardcssim verboten liabc, habe die Situation noch mehr erschwert. Der Kampf um jüdische Arbeit sei der Lebenskampf des Zionismus. En müsse die Hauptaufgabe der chaluzlschen Jugend und auch des Habonim sein, die Menschen zu Trägern eines Idealismus zu erziehen, damit sie im Lande den Weg in die Kolonien gingen. Am Sonntag morgen wurden dann von Pony Steinb c r g und Georg P a p c zwei Kurzreferate gehalten, die die Generaldebatte cinlcitetcn. Pony Steinbcrg wies auf die Entwicklungstendenzen im gesamten Zionismus hin. Georg Pape beschäftigte sich mit der inneren Lage des Bundes, Aus den Berichten ging hervor, daß der Habonim heute in den Ortsbiimleii 3027 Mitglieder zählt, mit seinen 80(» Chawcrini auf Hachseliarah und den statistisch nicht Erfaßten zusammen ca. 5000 Chawerim. Die Vergrößerung im letzten Halbjahr hat 1872 Chawerim betragen. Hinzu kommen noch die zahlreichen Chawerim des Bundes, die sich bereits in Palästina befinden. In der Aussprache beschäftigte man sich im wesentliehen mit drei Fragenkomplexen: 1. mit der zionistischen Gesamtsituation, 2. mit der Auseinandersetzung mit anderen, insbesondere den liberalen, jüdischen Blinden (aus denen der Habonim tn letzter Zeit viele Mitglieder gewonnen hat), 3. mit der Frage: Vergrößerung des Bundes — Intensivierung der Erziehungsarbeit. Zum letzteren: Es zeigte sich, daß zwischen diesen beiden Forderungen kein Gegensatz bestellt. Intensive Erziehung ist im Gegenteil die einzige Vorbedingung für organisches Wachstum eines Bundes. Die letzte Frage wurde schon hier im Zusammenhang mit der Einordnung in Palästina besproehen. Naftaii U n g e r referierte über ״D er Weg unserer Cha wer in! im Lande“. Er schilderte zunächst die Eilt- Wicklung: Während man sich in der ersten Zeit auf einen einzigen Punkt, Giwath-Bremicr, konzentriert habe, und diesen Punkt mit dem Kibbuz, ja mit ganz. Palästina identifiziert habe, befände sieii jetzt die deutsche Aljjali, getragen von den Chawerim des Habonim, in 10 von 22 Punkten des Kibbuz Hamciicliad. Damit übernehme die deutsche Alijah timt auch der llabonim die Mitverantwortung für den Kibbuz. Besonders wies Naftaii Ungcr auf den immer wieder auftretenden Gegensatz von Interesse der Einzelwirtschaft und Interesse der Bewegung hin: so sei cs zum Beispiel vorgekommen, daß man einen Garten, der eine Arbcits-Tag-Einnähme von 20 Piaster brachte, habe veröden lassen, weil die Chawerim in die Kolonie gehen mußten, wo sie nur 17' (׳ Piastcr am Tage verdienten. Die Chawerim des Habonim müssen sich eben heute mehr denn je von den Interessen der kibbuzischen Gcsamtbewcgung leiten lassen. Heute gehe der Habonim daran, einen neuert Sicdlungspunkt — Schatta im Emck den 23. Punkt des Kibbuz Hameuehad, mit palästinensischer Jugend und nichtbündischer Alijah aus Deutschland zusammen neu atifzuhattcn. Es referierte dann Marduk Schattncr über ״D i e Lage des deutschen Hechaiu z“. Er gab einen lieber• blick über die Entwicklung und zeigte die Rolle des Habonim. Er führte nochmals vor Augen, wie der Hcchaluz im letzten Jahre die einzige dynamische Kraft gewesen sei, die eine tätige Antwort auf die Fragen der neuen Zeit habe geben können. Der Hechaluz zähle heute ca. 1400C Chawerim,

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