Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 41-42 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V(Baseler Programm" Ancalf•nlarlf 1 DU 11 (**palten• Millimeter•/.*()• JIM —,20, fifr St«llenr,ra11<-h• RM —JO, |«r Pemlllenneehrtchian RM —45, Ein»al.nr״lt׳-n nur c.(fn Vnr.n,• r*h!un, •ul r0i1.ch«ck-K0n1n Berlin 716W oder In d>r Amelten-Anmhm• Mnmi, bl» Fred*® 9—W Uhr AnnahmracWtiR für die Dienet*,-A!1«s*h• Montag 10 Uhr Ult di* Freitag.Anagah* Mmworh 13 Uhr (Famfllananrefgen hl. Donnaratag 10 Uhr) ייך» «י***! r das ingon Irio, ,f.D. —,15 ■n bat. CS Ce 4״׳• ■ v"\ «*. jC.e.'/ ( '"■/ רז יי־־ \ 1 v י, י 1! O ה"/ ך ף 1 } vN ' 131*.«»..•£ 3»״ ■ rf*l ״״־.u ott> «״, i« , 1■״״•a n 1-7 9 111 den letzten Tn gen ist den deutschen Juden die [i״cnarli!;e Problem,׳itik ihrer geschichtlichen Situation nieder in verstärktem Maile zum Bewußtsein gekommen, jeder von uns weiß aus persönlicher Erfahrung, daß von Mund zu Mund die Fülle ungelöster Fragen, die vor uns stehen, diskutiert werden und eine gewisse innere Beunruhigung der Fragenden fühlbar wird. Wie konnte auch das Fragen verstummen; stehen wir doch vor etwas Neuem, vor etwas in unserer ganzen Geschichte noch nicht Dagewesenem, dem gegenüber eine endpilligc innerliche Orientierung noch nicht gefunden zu iahen keine Schande ist. Und wir bemühen uns auch, nicht ungerecht zu sei«: nicht wir allein stehen in einem seelischen und geschichtlichem Umbruch, die W c 11 um uns ist in Bewegung und voll von Spannungen, 311c Volker — die einen mehr, die anderen minder — iulilen sieh an einem Wendepunkt der Zeiten und inmitten einer überaus verworrenen Situation, die sich innerlich in einer Erschütterung der Glaubcnsgrundlagcu um! in einem Zweifel an alten, bisher als uuerschiitterlieh liiiigenommenen Wahrheiten ausdrückt, ,äußerlich ,ihr am krassesten in den Schwierigkeiten der Welt- Wirtschaft zum Ausdruck kommt. Unter all den vielen heute immer brennender werdenden Problemen ist die jmiciifragc nur ein kleiner Ausschnitt; freilich, ״wem cs just passieret“, wer selbst davon betroffen ist, von dem kann man nicht erwarten, daß er nicht vor allem dieses zentrale Problem seiner eigenen Existenz zu bereinigen versucht. Dies ist im Falle der Jiidcnfrage sogar uner- Välliich, weil der Jude, der ebenso wie irgend ein »derer Mensch die großen Zusammenhänge und Welt- Probleme sieht, nicht handelnd und wirkend eingreifen kann, solange nicht seine Stellung als Jude in seinem eigenen Bewußtsein und im Bewußtsein der Umwelt geklärt ist. Bisher, d. h. bis vor der großen Krise, war 1־n ganzen großen die Lage so, daß nur die Nichtjuden & Judenfragc aufwarfen, die Juden aber von ihr nicht b<>ren wollten; vielleicht ist durch diese falsche Rollen- Verteilung erst die Verschärfung der Lage entstanden. Denn in Wahrheit ist es nach unserer Meinung so, daß;״r die Niciitjudcn, die in einem großen und reichen j Volksleben stehen, die Judenfrage nur von geringer Bedeutung ist, während sie für die Juden an erster ptcile stehen müßte. Nun hat die Zeit mitgewirkt, um I ®h die meisten Juden zu dieser Einsicht kommen zu i»sen. Bevor nicht ihr Judeschi ihnen selbst und der Umwelt selbstverständlich und dadurch des Unheimlichen entkleidet worden ist, werden die Juden nicht als innerlich freie Menschen atmen und leben können. 1» dem Prozeß der Entwicklung der Krise des dcut-!c^n Judentums gibt es ein Auf und Nieder, Zeiten 'filmischerer innerer Bewegtheit und Zeiten des inneren , “schlaffeus. Aeußere Ereignisse, die oft blitzartig die erleuchten, verhindern einen Rückfall in den Zujtand der Trägheit, der häufig Erleichterung schafft. X Wir beschäftigen uns stets von neuem mit der Pfage, wie sich unser Leben in Deutschland gestalten soll. :Vnn ״״s gesagt wird, wir seien hier Gäste und ®!fiten uns als Gäste benehmen, so ist dies für uns zwar i'® Aufklärung darüber, wie man an maßgebender 'fille unsere Lage auffaßt, aber von uns aus gesehen, är die konkreten Fragen der jüdischen Wirklichkeit, ist dieser Konstellation zu entscheiden, wie wir selbst .“'»unser Leben im einzelnen gestalten sollen. Die "ו0י\\!ווו(liehen Organe der jüdischen Gemeinschaft neue Wege, und wenn wir auch in unserer inner- *"111sdicii Auseinandersetzung so manches an dem aushalvcn, was innerhalb der jüdischen Gemeint 1,11 ״°cl> heute geschieht oder nicht geschieht, so ver- ‘e״ne!1 wir doch nicht, daß die Erkenntnis von der Notöidigkeit, ein der veränderten Lage angepaßtes jiidiy« Lehen aufzubauen, sich in weiten Kreisen, auch solchen verantwortlichen Funktionären, die früher ijts davon wissen wollten und durch ihre alten Ricoycn Behindert sind, durchzusetzen beginnt. Aber auch Jäci"zcIne Juden, die aus ihrer Bahn geschleudert t!*J*1!: .1'aben sich die Frage vorzulegen, wie sie ihr; 111•0״es Leben cinrichtcn sollen.‘ Viele sind ■aus* daraus ergaben, daß Recht nbspricht, als Kultur aufzufreten, diese Konflikte zur 17 Aul cito erste Nachricht von der furchtbaren V/ettorkatastrophe la Tibetlas haben wir unsern palästinensischen Korrespondenten an dl© Stätte des Unglücks entsandt, um den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“ einen unmittelbaren Bericht über die Folgen der Verwüstungen zu geben. Wir veröffentlichen diesen mit Luftpost übermittelten Bericht in der heutigen Nummer. g c \v a 11 d c r t, viele werden vermutlich noch auswandern, aber wenn auch infolge der Altersschichtung der deutsehen Juden und des statistisch nachweisbaren Sterbe- Überschusses ihre Zahl abnimmt, so wird doch eine genug grolle Zahl Juden in Deutschland bleiben, sie muß bleiben, aus äußeren und inneren Gründen. Es widerstrebt uns, in diesem Zusammenhänge von der Verbundenheit der deutschen Juden mit Deutschland zu reden, die man uns abspricht; die Juden haben in Deutschland als jüdische Gemeinschaft eine weit zurückgreifende Geschichte, und wenn in der nächsten Woche in Worms das OOÖjährige Jubiläum der alten Synagoge, in der ein von der gesamten Judcnhcit der Welt als einer seiner größten Lehrer und Weisen verehrter Mann wie Rasclii gewirkt hat, gefeiert wird, so zeigt sich hier, daß innerhalb der Diaspora gerade in gewissen Teilen Deutschlands jüdisches Leben auf deutschem Boden weit zurück nachweisbar ist. Freilich haben diese Juden als Juden gelebt, und die modernen Konflikte, die sich das deutsche Volk den Juden das Repräsentanten deutscher Art und konnten nicht entstehen. Wcpn Auflösung der deutsch-jüdischen Symbiose, die in ihrer Form das Produkt höchstens eines Jahrhunderts war, geführt haben, so ist doch damit die andere Frage noch nicht berührt, daß Juden tatsächlich seit vielen Jahrhunderten in Deutschland ihren Wohnsitz hatten. Die Mehrzahl der deutschen Juden fühlt sich an den deutschen Boden gekettet, und eine Auswanderung in großem Stil ist ein so gewaltiges organisatorisches Problem, daß cs gar nicht mit einem Schlage lösbar wäre. Abgesehen von Palästina, das besondere. Anfordmmgen stellen muß, gibt cs auch י gar kein nennenswertes Fimvamienmgslami. Die Mehrzahl der deutschen Juden muß und will also in Deutschland bleiben, und muß sich d,111er überdenken, wie sic — als Ganzes und als eine Stimme von Einzelnen — hier leben soll. In seiner Rede auf der Pfingstfagung des V.D.A, in Mainz sagte (laut Zeitungsberichten) Reichsminister Frick: ״Aus der Bindung Im eigenen Volkstum gewinnen wir Sinn für die Hoheit und Würde des Volkstums auch der anderen.“ Liebe zum eigenen Volk und Ach* tuug anderer Völker bedingen einander. Minister Frick kennt sicher viele Juden und hat ein bestimmtes Urteil über das Judentum, aber er kennt wohl nicht — auch dies ist unsere Schuld — die Grundlagen der nationaljüdischen Bewegung. In der vor dreißig und mehr Jahren erschienenen Lite* ratur der nationaljüdischcn Bewegung ist ein Bekenntnis zu den Gedanken enthalten, die der Minister in allgemeiner Fassung ausgesprochen' hat. Und wenn wir Juden heute unsere Stellung in der Weit betrachten und die nötig gewordene Neuordnung unserer Be- Ziehungen zu den anderen Völkern überlegen, dann können wir uns kein besseres Motiv für diese Neuordnung denken, als die in dem zitierten . Satz ausgesprochenen Gedanken. " Wenn wir hier die Frage, die alle deutschen Juden heute bewegt, behandeln, so müssen wir, die wir in dieser Zeit leben und ihre schweren inneren Nöte mitempfinden, ein Wort vorausschickcn: wir sprechen hier nicht von den großen p 01 i t i s c 11 e n Auseinander* Setzungen. . . Wir sind nicht so blind, nicht'zu verstehen^ daß rings um uns ein politischer Kampf vor sich geht, und wie immer der Einzelne zu geschichtlichen Manifcstationcn dieser Art stehen mag, das eine müssen wir fcsthaltcn: es handelt sich hierbei nicht um eine spezifisch ״jüdische“ Angelegenheit. Auseinandersetzungen spielen sich ab innerhalb der nichtjüdischen Welt zwischen den Trägern von Ideen und den Repräsentanten verschiedener Schichten und Anschauungen, und wir selbst wehren uns dagegen, solche Auseinandersetzungen mit ״jüdischen“ Gesichtspunkten in Verbindung zu bringen, wie es zuweilen geschieht. Juden einer bestimmten politischen Richtung Der Proteststreik in Palästina Die Flut In Tiberias Masnryk — ein Kämpfer gegen Ritualmordbeschul• digung Die Umwälzung in Lettland Nordische und semitische Religion Der Firmenzusatz ״deutsch“ Zu Max Brods 50. Geburtstag Jüdische Schule Kniscrdainm (mit Bildern) Der Mord-Prozeß Arlosoroff Aktuelle jüdische Wirtschaftspolitik Ferner: Berichte aus Palästina, Polen, Bulgarien, ' Norwegen u, a. Jugend-Rundschau, Sport, Berliner Rundschau teilen das Los von Nichtjuden derselben Richtung. Es mag ein Charakteristikum der Zeit sein, daß bei einem gewaltigen Umsturz, dem Zusammenbruch einer Kultur, derartige scharfe politische Auseinandersetzungen, die auch persönliche Tragödien nach sich ziehen, unver* mcidlich sind. Unsere spezifische Angelegenheit beginnt erst im wirklichen Leben, jenseits aller Politik. Wir sprechen von den Nöten und Sorgen des unpolitischen Juden, der ehrlich seiner Arbeit nachgehen will. Die neue Ordnung des deutschen Lebens, die auf dem Rassegedanken aufgebaut ist, hat die Folge, daß auf verschiedenen Gebieten, die mit der Kultur des Volkes zu tun haben, Juden sich nicht mehr betätigen können. Das deutsche Volk, das zwanzig Jahre schwerer Erlebnisse hinter sich hat, empfindet diesen Augenblick als eine Erneuerung aus den Quellen des Volkstums, als ein tiefes Atemholen, und in einem solchen empfindlichen Moment der Volksgcschichte werden die Juden als störend ausgeschieden, als ein Element von anderer Art und anderem Rhythmus. Wir Juden haben dies zu respektieren. Wir haben anzuerkennen, daß das deutsche Volk berechtigt ist zu cntscheiden, was deutsch sei. Die naive, von uns stets mißbilligte Art, wie in einer vergangenen Epoche Juden ihr eigenes Wesen als das ״wahre“ Deutschtum verherrlichen wollten, wie cs auch heute noch besonders in einigen Emigrantenkreisen vorkommt, hat in der heutigen Welt keinen Platz mehr, wirkt wie eine gespenstische Ironie. Wenn wir dies verurteilen, dürfen wir aber doch nicht vorübersehen an dem Phänomen der — auch noch in den widerwärtigen Entartungen des Assimilantentums mit enthaltenen — aus den Annalen der Geschichte nicht auszustreichenden Liebe der Juden zum Deutschtum. In einem in einer großen Anzahl wichtiger deutscher Provinzzeitungen erscheinenden Artikel schreibt Wilhelm Kubc, Gauleiter der Kurmark, ein hoher Funktionär der Verwaltung und der Partei, folgendes: ״Solange cs Juden gibt, so lange hassen sie den nordischen, den germanischen, den deutschen Menschen und seine Gestaltungskraft. Der Jude ist die personifizierte Verncinung, der Deutsche ist die gottgewollte und gottbedingte Schöpfungskraft.“ Das deutsche Volk liebt den Juden nicht; aber Gene« rationen von Juden haben den deutschen Menschen verehrt, bewundert und geliebt. Deutsche Schöpferkraft hat nirgends begeistertere Verkünder gefunden als bei Juden. Wenn viele Juden dabei den Sinn für die Grenzen verloren haben und als Frucht einer haltlos gewordenen Assimilation ein bestimmter jüdischer Typus sich be« mühte, an dem Deutschtum herumzukorrigieren, so war 1