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Jüdische Rundschau · 1934-05-15 · Heft 39 (15.5.1934) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 39 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Zu Beginn der am nii’iiMaff v״r dem Jerusalemer Geschworenengericht durch- ,fiihrten Verhandlung zog zunächst der Staatsanwalt Musa fficndi el Alami den Zeugen Abdul Medschid ins Kreuzverhör. Auf «eine Fragen erklärte Abdul Medschid, er aiis der I lafizclle zu I lauptmami Rice, dem Leiter der i'ntersucliiingsabtcihiiig, gebracht worden und habe auf dessen Fragen?unüchst geantwortet, da» er nichts über den Mord ׳ |)f. Ariosoruff wisse. Daraufhin sei Subhi Zablawi zu tljiiptina״״ Riee geholt worden, um Medschid mit Zablnwi zu Lifroiiticren. Subhi Zablawi habe ihm zugezwinkert und Heicli zu erzählen begonnen, wie Abdul Medschid tmd hsa hcrwisfl! Arlosoroff ermordet hatten; Zablawi habe auch die FiigcIlK’ilen geschildert, wie sie ihm seitens Stavskya und Roscnhlalts berichtet worden waren. Der Staatsanwalt fragte: ״Verstanden auch die anderen Zdlcuinsassen, was Stavsky und Roscnblatt Ihnen sagten?“ tbilui Medschid erwiderte: ״Die Gefangenen in der Zeile y(rst,unlcn nicht hebräisch, aller einer von ihnen hat genau beobachtet, wie Stavsky und Roscnblatt mit mir sprachen“. Auf Ersuchen des Verteidigers, lloracc Samuel, wurde nun das erste Geständnis Abdul M e d s c 11 i d s vor Hatiptmaim Kicc verlesen, in dem Medschid erklärte, Arlojoroff ermardet zu haben. R.-A. Samuel fragte: ״Mat llitien Hjuptmann Rice die Projektile gezeigt?“ Medschid erwiderte: 1 ja | lauptmami Rice zeigte mir vier Kugeln, von denen ich eine nussonderio, die »ler Kugel ähnelte, die mir vorher im (icl.ingiiis Roscnblatt gezeigt hatte. Auf ilauptmnnn Rices Piflgc. was für eine Kugel zur Tötung Arlosoroffs benutzt wurde, erwiderte ich, »lall es die Marke Nickel-Roß war". Auf lloracc Samuels Ersuchen wurde auch das zweite fies t ä n d 11 i s Abdul Mcdschids, das dieser vor Inspektor Sliiireet abgelegt hatte, verlesen. Darin gibt Medschid weitere Einzelheiten über die Tötung Arlosoroffs. Auf die Frage des Verteidigers, oh er, Medschid, das Protokoll über sein GcstämJiiis unterzeichnet habe, erwiderte Medschid: ״Was dar- 'unter steht, ist mein Name; jeder kann meinen Namen zeich- ״cn. Was in dem Protokoll drin steht, ist nur das, was Subhi Zablawi mir zu sagen auftrug“. Verlesen wurde nun ein Protokoll über das Gcspriieli zwischen Medschid und Issa cl Derwisch während der Konfrontierung im Büro des Hauptmann Rice. Danach hat Issa el Derwisch hartnäckig Mcdschids Aussage bestriticn, daß er. Issa, zusammen mit AbiluI Medschid den Mord an Arlosoroff begangen hätte. Vor Gericht fügte Medschid noch hinzu, daß Subhi Zablawi ihn unterrichtet habe, wie er die Fragen an Issa stellen solle. ״Subhi“, sagte Medschid, weil! alles; er war immer mit Stavsky und Rosenblatt zusammelt und erhielt 5U0 Pfund“. Medschid wurde nun über seine seinerzeitige Kontron• timing mit Frau Arlosoroff ins Kreuzverhör genommen. Er erklärte, daß er damals Frau Arlosoroff zum ersten Male gesellen habe. Ich sagte ihr, fuhr er fort, was Subhi Zablawi mich zu sagen gelehrt hatte. ״Was zum Beispiel sagten Sie ihr“, fragte Richter Corrle. Medschid antwortete nicht auf diese Frage und wich auch mehreren vom Verteidiger Samuel an ihn gestellten Fragen ms. Hierauf fragte der Verteidiger: ״Haben Sie Ihre Schuhe einen Monat nach Arlosoroffs Ermordung weggeworfen?“ .Merlschiil erwiderte nicht. Auf weitere Fragen erklärte er, d,1l) er die Wege in Tel-Awiw und besonders den Weg!um moslemischen Friedhof, wo sein Bruder begraben liegt, kennt. Fr habe einmal eine neuntiigige Gefängnisstrafe verbüßt unu kenne seither polizeiliche Geheimdienstagenten. Er habe auch schon von der Polizei Belohnungen für ihr geleistete Dienste erhalten. ln der Nachmitt,igssitzimp kam es zu einer Auscm* indersetzung zwischen dem Vorsitzenden Richter Corrie und dem Verteidiger Horacc Samuel über die Technik des Kreuzverhörs. Corrie wollte Fragen des Verteidigers nicht ™lassen, die Medschid bereits beantwortet hatte und fügte, ni R.-A. Samuel gewandt, hinzu: ״Jetzt verstehe Ich, warum Sie im Vorverfahren Medschid fünf Tage lang unter Kreuzvcrlmr hielten". R.-A. Samuel fragte Medschid: ״Sie gehen zu, für die Polizei gegen Belohnung gearbeitet zu haben?“ Medschid: ״Ja“. Verteidiger: ״Wie wurden Sie bezahlt?1‘ Medschid: ״Mir wurde für jede Information eine Belohnung ge- «kn“. Verteidiger: ״Wie oft waren Sie in Tel-Awiw?‘ Medschid: ״Ich ging immer nach Tel-Awiw, wenn ich Fmkaufe machen oder das Kino besuchen wollte. Meist ging ich an den Freitag-Abenden dorthin“. R.-A. Sainucl fragte weiter: ״Warum sagten Sie dem Polizeirichter, daß Sie an Freitagen nicht nach Tel-Awiw gehen?" Mcdsclud: ״Das konnte ich nicht gesagt haben, weil ich doch an Freitagen dorthin ging“. Verteidiger: ״Sic sagten, daß Sie an Freitagen nicht nach Tel-Awiw gingen; Sie hatten Furcht!“ Medschid: «Warum sollte ich Furcht haben?“ Verteidiger: ,,weil Ar* losoroff an einem Freitag ermordet wurde“. Medschid: ״Heute stehe ich vor einem höheren Gericht, darum kann Ich zugehen, »laß ich an Freitagen nach Tel-Awiw ging". Auf wci* kre Fragen erklärte Medschid, daß sein Freund Issa Projektiie der Marke Nickel-Roß besaß, wie sie auch bei der Erschießung■ Arlosoroffs verwendet wurden. Er erzählte wci- *cr! er mul Issa seien an dem Freitag, an dem der Mord an Arlosoroff begangen wurde, in Jaffa gewesen und hallen «n Ringkäinpfen beigewohnt; sie hätten sich aber nach der Vorführung nicht nach Hause begeben. Auf die Frage, warum er und Issa den Barbier Lufti töteten und ihm den Kopf abschnittcn, erklärte Mcdscliul: «Das war Familieiirachc“. R.-A. Samuel: ״Vor Inspektor S111haben Sie aus£csagtf Sic hailcii Ihrem Gewinnen Issa *gerufen: ״Sn(je nicht, <Iaß ich Lufti tötete, tmd ich werde ״:d't sagen, daß du Arlosoroff getöiet hast, dann werden wir ״tidc freigesprochen“. Medschid: ״Wir töteten L u i 11, Abcr wir töteten nicht Arlosoroff“. Der Verti'iferr: ״Hat Ihnen Shitreet gesagt, wer Arlosoroff war? Mcdsciiid: ״Shitreet sagte mir, Arlosoroff sei der Leiter ״Rcndciner jüdischen Institution gewesen, aber Stavsky und Roscnblatt sagten mir, Arlosoroff wäre eine wichtige I erson kewesen“. R.-A. Samuel: ״Haben Sie Ihr ursprüngliches Gc- Ewidnis aus politischen Erwägungen zurückgezogen? ״Nein . Samuel: ״Sagte Ihnen Shitreet, Sic würden gehenkt werden? Medschid: ״Nein, ich habe das nicht gesagt, Sie bilden sich fecndwclchc Dinge ein". Medschid schloß: ״Als ich 1m 1ffo von Hauptmann Rice gesagt habe, ich hätte mit Issa Adosoroft erschossen, hat die zur Identifizierung anwesende Sima Arlosoroff gerufen: Nein, er ist nicht der Mörder! . י,״ ich später merkt»', daß der Fall politische Hintergrund(: 7*1 beschloß jr|, das Mordgeständnis ziirückziiziehen und ״״ Wahrheit gemäß zu erklären, daß ich nicht der Mז״י• kr bin“. h ,*׳ ״*er Verhandlung vom 9. Mai schloß der AZcrtciclißcr , :p■ Horace Samuel das Kreuzverhör mit Abdul Med- ‘cll|d ab. Der Verteidiger suchte durch seine Fragcstcllunff", nachzuweisen, daß die verschiedenen Aussagen Abdul Mcdschids vor der Polizei Im Vorverfahren und jetzt 1m **äiiptverfahren einander widersprechen. Auch bemühte sich סr Verteidiger zu zeigen daß weder Subhi Zablawi noch febhä«en<״h Stavsky *hm beigebraeht habe, w« er zu R.-A. Samuel wollte wissen, ob Abdul Medschid sich an alles »־nimm*, was angeblich Subhi Zablawi, Stavsky und Roscnblatt ihm zu sagen atifgeiragen hätten. ״Wir hatten keineu anderen Gesprächsstoff“, erklärte Abdul Medschid. ״Stavsky und Roscnblatt sprachen und Subhi Zablawi gab Erklärungen“. —• ״Sagicn Sie nicht vor dem die Untersuchung führenden Polizcibeamtcn“, fragte der Verteidiger, ״daß der Mord an Lufti nicht Ihr e i 11 /1 g c s V er b r c c h e n war?" Abdtu ׳Mcilschiil antwortete: ״Alles, was Sie sagen, ist Lüge“. R.-A. Samuel: ״Sagten Sie nicht zu Stavsky, daß Ihre Hosen blutbefleckt waren?“ — ״Alles Lügen“, antwortete Abdul Meilsclüd. Verteidiger: ״Wann erklärten Sie sich bereit, das Geld nitzunehmen?'“ Medschid: ״Nachdem Subhi Zablawi »״ich unterrichtet hatte; ich sagte von allem Anfang an, daß ich erst?mUmmcn würde, sobald Subhi mir die Sache erklärt lialien würde“. — ״Wann glaubten Sic, daß Sic 11.1s Gelu bekommen würden?“ fragte R.-A. Samuel. ״ -־Wir kamen ii herein, daß ich das Geld nach Ab- I c g u 11 g des Geständnisses b e k o m 111 cn soll te." — 111״ bar?“ — ״Gewiß“. — ״Haben Sie einen Vorschuß vcrlangt?" - - ״Nein; wir vereinbarten, daß Ich bezahlt werden solle, sobald alles geregelt sein würde.“ — ״Wie kamen Sie dazu“, fragte der Verteidiger weiter, ״diesen Leuten zu traue״?“ Abdul Medschid erwiderte, er habe angenommen, daß ilun das Geld in der Zelle aushezahlt werden würde, unu er hätte beabsichtigt, es 111 seinen Kleidern mit hinauszuneluncn. ״Haben Sie nicht gesagt, daß Sie und Issa cl Derwisch .111 dein Abend, an dem Dr. Arlosoroff ermordet wurde, am Strand waren?“ fragte R.-A. Samuel. Abdul Medschid antwoitete: ״Das ist eine Lüge“. In »ler Verhandlung am 10. Mai begann Staatsanwalt Musa e 1 Al a m i ein Verhör mit Abdul Medschid. Er fraglc »len Zeugen, ob sein Bruder Abdul Hamid, der sich in »lersclbcti Zelle befand, gewußt habe, was Stavsky und Roscnblatt jedesmal mit ilun besprachen. Abdul Medschid erwiderte, sein Bruder habe ihn einmal darum befragt, und er habe ihm gesagt, daß es sich bei diesen Gesprächen um den Arlosoraff-Fall handle, daß ihm Geld angeboten werde, und daß 111,111 ihn über Details unterrichte. Hier griff zum ersten Male das jüdische Mitglied des Gerichtshofs, Richter Valero, ein und fragte Abdul Med* schid: ״Ist Ihnen Geld angeboten worden?“ Der Zeuge hejahte die Frage. ״Und Subhi auch?“ — ,,Jawohl“. — ״Sollten Sie dieses Gehl mit Issa cl Derwisch teilen?“ — ״Jawohl". Der Staatsanwalt kündigte daraufhin au, daß er sich gcnötigt sehe, Abdul Hamid als Zeugen vorlailen zu lassen. Gegen den Einspruch des Verteidigers hcschloß das Gericht, Abiiul 'Hamid im Verlauf der nächsten Woche zu vcrnehmen. Der nächste Zeuge, Scliamin Sulc im an, ein Zeilengenösse Abdul Mcdschids, sagte aus, er sei zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er einen Araber durch einen Dolchstich verletzt hatte. Frst sei er allein in »1er Zelle gewesen, dann seien auch Abdul Mcdsciiid und dessen Bruder in die Zelle gebracht worden. Er habe gesehen, daß Stavsky und Roscnblatt acht• oder neunmal mit A h »I t! 1 Medschid sprachen. Einige Male sei das Gespräch durch das Fenster, sonst durch die Tür geführt worden. Auch Aclii-Mcir habe einmal gesprochen. Alle hätten hebräisch gesprochen, sich jedoch nie lange aufgehalten. Vom Verteidiger befragt, erklärte Schanun St!• leininn, er sei von der Polizei niemals mit Abdul Medschid konfrontiert worden, doch sei er einmal allein zum Assistenten des I lauptmmms Rice, Schawki Bev, gerufen worden, der ihm nicht gesagt habe, »laß seine Vernehmung mit dein Arlosoraff-Mord in Zusammenhang stehe, sondern ihm einfach Tragen über Abdul Medschid und seine mit Stavsky und Roscnblatt in der Zelle geführten Gespräche gestellt habe. Fr habe Schawki Bcy mitgctcllt, daß Stavsky und Roscnblatt zum ersten Male’im Dezember zu Abdul Medscliids Zelle gekommen seien. Nach dieser Vernehmung!iahe man ihn daran gehindert, Abdul Medschid und dessen Bruder, sowie die angcklagtcn Juden zu sehen. Auf wcitere Fragen R.-A. Samuels erklärte der Zeuge, daß Rosenblatt und Stavsky nur zweimal gekommen seien, und daß Roscnblatt nur wenige Worte mit Stavsky, der das Gc• sprach zum größten Teil bestritten habe, wechselte, Achi- Meir sei nur ein einziges Mal erschienen. Richter Corrie bc* merkte: ״Vorhin Italien Sic gesagt, Roscnblatt und Stavsky seien acht- oder neunmal gekommen“. Auf diese Bemerkung des Vorsitzenden erwiderte der Zeuge nichts. Die Frage des Staatsanwalts Musa cl Alami, ob ihm von Schawki Bey für seine Aussage etwas versprochen worden sei, wurde von Schanun Suleiman verneint. Subhf Zablawi im Verhör In der Naciimitiagsverliandlung am 10. Mai wurde Subhi Zablawi vernommen, jener arabische Sträfling, der nach Abdul Mcdschids Behauptung den VermittU'r zwischen diesem und Stavsky-Roscnblatt gemacht hat. Zablawi sagte aus, er habe Stavsky. Roscnblatt und Achi- Meir int Jaffaer Gefängnis gelroffen. Später, fm Jerusalemer Gefängnis, habe er mit Abdul Medschid über den Arlosoroff- Mord gesprochen und ilun 1000 Pfund für den Fall ango boten, »lall er die Schuld auf sieb nehme. Der Regierungs,inwalt Musa el Alami fragte liier Zablawi: ״Wer trug Ihnen auf, Abdul Medschid dieses Angebot zu machen?“ Zablawi erwiderte: ״Hin jüdischer Sträfling Itamcn9 Urphali, der im Zusammenhang mit den Unruhen im Herbst 1020 wegen Tötung von zwei Arabern bei Tel-Awiw verurteilt worden war, versprach, daß Abdul Medschid 1000 Pfund erhalten werde, falls er die Schuld am Arlosoroff- Mord auf sich nähme, und daß ich aus der Haft kommen werde.“ Zablawi wurde nunmehr gefragt: ״Was veranlaßte Sie, Abdul Mcdsciiid nt bewegen, daß er die Schuld auf sich nehmen solle?“ Zablawi erwiilcrtc: ״Daß mir versprochen wurde, man werde, falls Abdul Medschid ein Geständnis abiegt, ihm 1000 Pfund und mir 500 Pfund geben; die 500 Pfund brauchte ich als Entschädigungssumme in der Sache, um derentwillen ich verurteilt worden war.“ R e g i er u n gs a n w al t: ״Weswegen wurden Sie ver• urteilt?“ Zablawi: ״Wegen Betruges, die Schadenssumme betrug 500 Pfund.“ Regicrur. gsanwalt: ״Wann wurde Ihnen das 500* Pfund-Angebot gemacht?“ Zabjawi: ״Nach meiner ersten Unterhaltung mit Abdul Medschid." . Subhi Zablawi erzählte weiter, die ersten Verhandlungen?.wischen ihm und Medschid in Jerusalem seien flüchtig gc* führt, im Gefängnis zu Jaffa aber fest abgeschlossen worden. Das Verhör Zahlawis nahm noch geraume Zeit in An* Spruch. Am 11. Mai wurde Adbul Mcdschids Bruder Abdul Hamid vernommen, der im wesentlichen die Angaben der anderen Zeugen bestätigte. Die Arbeiter der Palästinensischen K ali-Oe• Seilschaft, welche bisher in Jerusalem wohnten, bekom* men nunmehr Wohnungen in der Nähe ihrer Arbeitsstätte am Ufer des Toten Meeres. Das ist die erste jüdische Siedlung in dieser Gegend nach 1850 Jahren. Zurzeit sind von der Gesellschaft vier Häuser erbaut, die 27 Wohnungen umfassen. Syrien und die Juden B ei r u t, P. Mai. (J, T. A.) Auf einem ihm zu Ehren vom H!1,di Commissioncr Graf de Märtel in Beirut vcraustalteteu Bankett hielt der ehemalige französische Minister Senator Justin G o d .1 r t eine Ansprache über das Verhältnis Syriens zu den Juden und die Möglichkeiten einer Kooperation zwischen Syrien und Palästina. Senator Godart erklärte: . , ״Zwischen der internationalen Stellnnr׳ Palästinas und der• je״U!1m Syriens besteht ein großer Unterschied. Der Status I alastmas ist tinduich geregelt, »laß alle Machte »len Grundsalz »ler Errichtung des J 11 »I i s c 11 e n National 11 e i in s anerkannt haben. Die I iiiwainkTimi: von luden nach Palästina ist völkerrechtlich garantiert. 111 Syrien ist »lie Lage durchaus andere. Ls ist ein Mniiilatsgcliict, das schon morgen seine völlige Unabhängigkeit erhalten kann. Demnach stellt es ihm frei, Ausl,unter auf/iinc'nincn oder nicht; cs kann Juilen Gastfreiimlschaft gewahren oder sic ihnen verweigern. Was mich betrifft, so sehe ich kein ernstes Hindernis, das einer Kooperation zwischen Syrien und »len Juden im Wege stände, — Die Juden haben in »len letzten Jahren Palästina vollkommen uingcwaiulelt. Das Land, dem die Energie und »1.18 Kapital der Juden zugute gekommen ist, hat• schließlich erkannt, daß seine arabische Bevölkerung aus dieser Prosperität hohen Nutzen gezogen hat. Eine Kooperation zwischen Syrien und Palästina schließt eine Kooperation der arabischen Länder nicht aus; wir wissen aus der Geschichte, daß die Juden im Mittelalter mit den Mohammedanern eng befreundet waren. Ich habe die Lage in Palästina seit 1920 studiert und bin der Ucbcrzciigung, daß eine Verständigung zwischen Arabern und Juden leicht herzustelleu ist. In dem Lande ist Raum für beide Brudervölker.“ Jahresbericht der Jewish Apncy an die Mandatskommission . Jerusalem, 11. Mai. (J.T. A.) Die Palästina-Excku• tive der Jewish Agency hat dem High Commissioncr Sir Arthur W auchopc ihren jährlichen Tätigkeitsbericht samt einem von Nahum Sokolow Unterzeichneten Mantclschreiben mit der Bitte um Weiterleitiing an die Mniiilatskomm i s s i o n des Völkerbundes überreicht. Wie die Jü* dische Telegraphen-Agentur erfährt, befaßt sich das Mantelschreiben vor allem mit der Ei 11 w a 11 d e r u n gs f r a g e und dem Problem des Mangels an jüdischen Arbcitskräften in Palästina. * Die Mandatskommission des Völkcrbtin« des wird sich auf ihrer nächsten Tagung mit einer Petition zu beschäftigen haben, die dem Volkcrbunibsekretnriat in dieser ׳Woche zugestellt wurde, und in der gefordert wird, daß die Tclcgraphenätuter Palästinas in hebräischer Sprache und Schrift n b g e f a fl t e Telegramme entgegennehmen und hebräische Telegramme in hebräischen Lettern ziistellcn. Fine ähnliche Petition wurde der Mandats• kommission bereits im Jahre W3I vorgclegt. Die Kommission hat die Forderung als berechtigt anerkannt. Oie Pa- Listinn-Regicriing erhob jedoch »len Umwand, daß die Auf- Stellung von Apparaten, die Telegramme in hebräischen Lettern niederschreiben, mit großen Kosten verbunden wäre, und daß sich außerdem die Notwendigkeit ergeben würde, daß von allen Telegraphen beamten die Kenntnis der hebrä• Ischen Sprache gefordert werden müßte. Tel-Awiwer Protestversammlung aufgelöst Tel-Awiw, 11. Mai. (J.T. A.) Ein vorn Tel-Awiwer Stadtrat cinbcrufencs Protest-Meeting gegen die Einschränkunjz der jüdischen Linwaiulcrmig durch die Regierung wurde unmittelbar vor seiner Eröffnung behördlich auf gelöst. In der letzten Minute kam eine Polizeiabteilung in das Betli Am, in dem etwa 2000 Personen auf die Eröffnung der Versammlung warteten, und gab bekannt, daß die Versammlung verboten wurde. Der Bodenbesitz des Heren Kajcmelh Jerusalem, 8. Mai. (J, T. A.) Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds hat statistisches Material veröffent• licht, aus dem zu ersehen ist, daß der Bodenbesitz des Keren Kajcmcth derzeit 33101X1 Dun am umfaßt. Die Hälfte hier* von ist Ackerland, auf dem rund 7000 Juden arbeiten. 65 000 Dunam umfassen die auf Nationalfonds-Boden errichteten Orangen-Pflanzungcn. Auf ihnen arbeiten über 0000 Juden. Der Rest des item Nationalfomls gehörigen Bodens entfällt auf Arbeitslager und eine Reihe städtischer und Lindlieber Wohnsiedlungen. Insgesamt sind über 20 000 Juden in Palästina auf Nationalfondsboden beschäftigt o d c r a 118 ä s s i g. Dr. Hugo Emmerich 50 Jahre. Am 16. Mal begeht Dr. Hugo Emmerich, früher Frankfurt a. M., jetzt Amsterdam, seinen 50. Geburtstag. Dr. Emmerich, der von 1011—1033 als Rechtsanwalt in Frankfurt a. M. tätig war, hat seit seiner Studentenzeit aktiv zionistisch gearbeitet unil war jahrelang im Vorstande der Frankfurter Zionistischen Vereinigung tätig. Die Arbeit des Keren Hajcssod in Frankfurt a. M. führte er in den ersten Jahren nach Gründung des Fonds mit aller Energie durch. Später widmete sich Dr. Emmcrich in der Hauptsache »kr Gemeindepolitik und gehörte zu den Gründern der Jüdischen Volkspartei in Frankfurt. Er gehörte der Gemeindevertretung und dem Vorstand der Geincinde an und war bis 1033 Mitglied des Preußischen Landesverbatulcs. Audi als Jurist hat Dr. Emmerich sich einen bekannten Namen hervorragender wissenschaftlicher Arbeiten gemacht. Wir wünschen dem Jubilar auch in seinem neuen Wirkungskreis die gleiche ungebrochene Tatkraft wie in den vergangenen Jahrzehnten. Dr. Raymond Kllbansky, ehemals Privatdozent an der Universität Heidelberg, wurde zum Honorary Lecturer am Kings College, University of London, ernannt. Vor einiger Zeit wurde er bereits zum Mitglied vom Oriel College, Ox« ford, gewählt. Frankfurter Zionistische Vereinigung Mittwoch, «len 16. Mni 1931, 20,15 Uhr pünktlich spricht in der Frankfurt-Loge, Eschcrgh. Landitr.27 (Gr. Stal) Dr. Michael Traub, Berlin über: -Berufsumscfticiitung - uni ünn? lüianticruiaa - uieifn?“ Eröffnungsansprache: Rabbiner Dr. Jakob Hoffmann, Frankfurt-M.

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