Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1934)
- Date
- 1934-05-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Palästinensischer Bilderbogen Von Dr. Albert B acr, I laifa*) Zwei Wellen Hadar Hakarmel, II.1if.1s größter jüdischer Wohnbezirk, mit seinen 1.5 ()IM) jüdischen Einwohnern, mutet durch■ aus europäisch an, nicht großstädtisch in allen seinen Teilen, Straßen, Läden, Gaststätten, aber doch in manchen, besonders in denen aus der letzten Zeit. Seine Wohnhäuser, soweit sie fertig sind — noch immer wird überall rege gebaut — können durchaus den Vergleich mit europäischen Wohnhäusern aufnehmen, es fehlt nichts von dem Komfort Europas, nichts von dem ״dernier eri1‘ der Zivilisation jeder europäischen Großstadt. 111 der Nord,־instralic stellt ein großes Hans, das sogar für die wenigen kalten Wochen des Inlircs Zentralhri/img mul für die vielen heißen Tage des Jahres eingebaute elektrische Kühlschränke hat; für eben diese warmen Tage ist noch jedes Bade/inmier mit einem besonderen niischraum ausgestattet. Im I Intisfltir befindet sich ein Telephon, von dem aus m.111 jeden Bewohner des Hauses sprechen kann. Auch in weniger ״modernen‘‘ Häusern finden sich überall eingebaute Schränke, Flurgarderoben, Kiielienschränkc, und in vielen wird auch der elektrische Herd mitgcliefert, Kraftström ist überall vorhanden, so dal] man elektrisch kochen und plätten kann. Wie die Häuser, bemühen sich die Läden, den letzten Anforderungen Europas zu entsprechen; die Wände der Lebensmittelgeschäfte sind gekachelt, elektrische Kühlschränke sind vorhanden, alles ist Mil/blank und sauber. Jeder Friseur bemüht sieh, seinen Kunden auf amerikanischen Drchstühlcit und durch Benutzung der elektrischen Haarschneidemaschinen die notwendigen Prozeduren so angenehm wie möglich zu gestalten, ganz zu schweigen davon, daß natürlich auch für die moderne Haarpflege der Frauen alle ■notwendigen Apparate vorhanden sind. Eine Flut elektrischen Lichts erhellt die Schaufenster bis in die späten Abendstunden (denn noch gibt es in Haifa für die Läden leider keinen 7-Uhr- Ladenschluß), sogar Lichtreklame auf der Leinwand auf dem Dach eines Hauses wurde schon versucht. Einige Cafes er* strahlen ebenfalls im hellsten Lirhtcrglanz, eine Modenschau steigt, Europas zivilisatorische Vorzüge haben aueli seine Nachteile mit sich gebracht. Aut der Her/Islralie, der Hauptstraße von lladar Hakarmcl, ist bis in die Nachtstunden ein lebhafter Verkehr, lim 5 Uhr abends fiilieii sich die Straßen, die Arbeiter kommen von der Arbeit heim, die Frauen beginnen ciiraiknufcn, die Vorgärten der Kaffeehäuser füllen sich mit Besuchern. Man nutzt diese späten Nachmittagsstuiiden aus, in denen" cs selbst an wannen Tagen — außer wenn der Chamssiii, der aus der Wüste kommende Ostwind, herrscht — sieh abkühlt und eine angenehme milde Luft zum Aufenthalt im Freien cinlädt. So trifft sich in der Hauptstraße dieser Stadt von 15 000 Einwohnern, diesem Städtchen innerhalb der' Stadt Haifa, die ganze Bevölkerung, man begrüßt seine Bekannten, und wenn man nur lange genug in der Hcr/.lstraßc spazieren geht, muß man schließlich jeden seiner gesuchten Bekannten treffen. Die Hauptstraße ist auch deshalb die Promenade, weil es ja keinen nahe der Sladt gelegenen Ausflugsort gibt. Der Karmel ist zu Fuß mir auf sehr schlechtem und beschwerliebem Weg zu erreichen mul cs gibt immer noch keine dirrlde Verbindung zwischen lladar Hakarmel, das an den Abhängen des Karmel liegt, und dem Kamm des Karmel. Wer aber mit dem Autobus den Karmcl erreichen will, muß erst in die Stadt gehen oder fahren, um dort den Wagen zu treffen. Die Haifa B a y, die später einmal ein Ausflugsort im ״ Grünen sein wird, ist jetzt für den Aiisflugsverkclir noch nicht erschlossen, und auch der Badestrand ist, wie in fast jeder Hafenstadt, nicht zu Fuß, sondern auch nur mit dem Autobus aut dem Umweg über die Innenstadt zu erreichen. So ist auch für die Kinder an den meisten Tagen mir die Hauptstraße ihr gewöhnliches Spazicrgangsz.iel. Die verschiedenen Milchhallen, besonders die Läden der ״Timwall“, der Verkaufsstelle der jüdischen Landwirtschaftsproduktc, stellen am Nachmittag Kindcrlisclie und Kinderstiilile vor die Tür, und 111.111 sicht jeden Nacliiniltag Scharen von Kindern mit ihren Müttern sich an den besonders guten Milcherzeugnissen des Landes lalien, Die Hauptstraße fuhrt in ihrem weiteren Verlauf durch den mit Hadar verbundenen Stadtteil Nachhall, in dem alles eine Nuance einfacher ist als in lladar, bescheidenere Häuser, bescheidenere Läden, bescheideneres Leben, und nach weiteren 5 Minuten Weges hören die größeren Häuser auf, man sieht kleine Einfamilienhäuser, noch übrig geblieben aus der Zeit der Gründung von Hadar Hakarmel vor zehn Jahren, die merkwürdigerweise noch nicht aufgestoekt, angebaut und erweitert sind, lind ihnen folgen große Holzbarackcn, noch von Juden bewohnt, schließlich übergehend in ein völlig arabisciics Viertel. Unförmliche, geflickte Steinliäuscr, überall notdürftig ausgebessert, mit hölzernen Anbauten, verfallene Hoizbarnrken mit Wellblech gedeckt, die im Sommer unerträglich heiß sein müssen, Hütten, lediglich errichtet aus den Blechen der Petroleumkannen, neben-, übereinander, aufeinander, gelehnt an die Wände einer Schlucht in den Ausläufern der Karmclbcrgc. Hier flutet kein clektrischcs Licht über die Straßen und Wege, die kleine Küchcnpctroleumlampc des Europa von 1901) ist schon ein großer Luxus, nur wenige brauchen nocli Licht, wenn die Sonne untergegangen ist; wer Helle und Wärme will, zündet vor dem Haus ein Lagerfeuer an. Hier gibt cs keine Läden nach dem Stil Europas, nicht einmal die kldnstädiisehen Läden wie im jüdischen Viertel, die docli immerhin, auch wo sie am unmodernsten sind, ein Schaufenster haben. Hier gibt es mir offene Räume mit wenigen Waren, den nötigsten Gcbrauchsgcgenstiindcn. Hier sitzt der Kunde des Friseurs auf einem alten Ciartenstuhi und wird mit primitiven; Instrumente!) .bearbeitet. Hier lockt keine; Modenschau ״Paris 1031“, denn die Mode der Kleider dieser Leute ändert sich nicht. Diese Kleider vererben sich wie die sonstigen Gebrauchsgcgenstäiidc durch viele Generationen, solange überhaupt noch von dem ganzen Kleid ein den Körper bedeckender Flecken vorhanden ist. Wer Palästina richtig sehen will, soll sich nicht mit den europäischen Enklaven begnügen. Er soll sieb bemühen, auch das diese Enklaven umgehende Asien kennen zu lernen. Wer Haita besucht und Hadar Hakarmel, soll nicht nur seine Hauptstraße, die Herz.lstraßc, in ihrem ersten Teil begehen, er soll weitergehen, nur 10 Minuten von den großstädtischen europäischen Läden und ihren Luxusgcgcnständen, durch Nachiah hindurch bis Zu den arabischen Elendshüttcn unten im Wadi, wo die große Straße über die Brücke auf die Höhe von Neve Sciiaanan führt. Von den am vorletzten Schabbat in Tel-Awivv wegen gewaltsamer Behinderung des Autoverkehrs verhafteten 17 Mitgliedern des Scho m re Schabbos-Vcrbandes wurden zwei zu je 10 Pfund Geldstrafe, im Nichteinfreibungsfall zu zwei Monaten Gefängnis, drei zu je 5 Pfund Geldstrafe oder einem Monat Gefängnis lind sieben zum Erlag einer Sicher- Stellung für ordentliches Verhalten für die Dauer von sechs Monaten verurteilt. Die übrigen fünf Fcstgcnommencn wurden freigesprochen, *) Siehe ״Jüd. Rundschau" Nr. 102/1933, 8 und 20/1934, JÜDISCHE RUNDSCHAU *יי' - 1 , : : ן! } ״ 1; r ץ־י־"-"✓ ***•' ״.*י 1 <! r ff ihtJtui} ßß Bemerkungen zu einer Premiere der Habfmah im ,,Cliug I lahimah", einem Kreis der. Freunde dieses hebräischen Theaters, der sich vor einiger Zeit in Palästina gebildet hat, gibt die Truppe zum Jubiläum des Dichters eine Darstellung nach einem Stück von Scholcm A I c i c h c m. Es ist die alte mul berühmte Geschichte von dem Schneider, der endlich erwirb(, wovon er sein Leben lang geträumt hat, nämlich eine Ziege. Und wie Ihm dann in einem Wirtshaus am Wege diese Ziege in einen Bock umgcwochsclt wird, man sich zu Hause vergeblich bemüht, ihn (nämlich den Bock) zti melken, wie der Schneider das Tier, das ihm natürlich milerwegs wieder in eine Ziege verwandelt wird, zun'irkbringcn will, er daun eine Bescheinigung des Rebben erhält, es sei wirklich eine Ziege, er dann bei seiner Frau wieder mit dem Bock erscheint und so weiter und s;> weiter, wenn man will, ad iufiiutum. Ls ist, wie gesagt, kein Scholcm Aleidiem, sondern eine Darstellung nacli Scholcm Alcichem. Aus dem Volkswitz wird eine sehr abgewogene Filigranarbeit. Um den Schluß vorwegztmehmen: dieses Mal ist der Habimah darstellerisch wieder etwas gut gelungen. Das Zu* snmuu'iispiel ist glatt und selbstverständlich, die oft so quälenden Uclicrtreiiumgcii sind vermieden, die Dekorationen sind zart, geschmackvoll und erfreulich, alles zusammen macht einen ,ibgetönfen behaglichen Eindruck. Ls gibt eine miautdringliche Musik dazu, beim Abschluß einen recht cimlrucksvollen Tanz (mit der geradezu phänomenal dargestellten Ziege!). Alles in allem ein gut gearbeitetes und gelungenes Klcinknnsiwcrk. Mau spürt wieder einmal, daß diese Welt des kleinen unglücklichen und dabei so fröhlichen Schneiders ans Kassrilowkc mit seiner zankenden Frau, dein Rebben und der Schänke, den Tahnudzifatcn und dem wiegenden Singsang, das eigentliche Feld der liabiin.ili ist. Hier fühlen sich die Leute ganz zu Hause, bewegen sich in ihrer Welt, jede Bewegung und jeder Ausdruck kommt ihnen wie selbstverständlich, es steht alles an seinem Platz, wirkt einfach uml nicht gemacht. Ob der Melmucd mit seinen ungezogenen Bengels im Glieder sitzt oder die drei Juden in der Schänke, ob der Schneider mit 'seiner Frau die sauer ersparten Groschen zählt, oder die streitenden Parteien vor dem Rebben erscheinen, cs sicht alles richtig und natürlich aus. Gerade weil aber diese Aufführung als solche — man möchte fast sagen abstrakt genommen — so gut ist, erhebt sieh die Frage, was fängt man nun mit diesem Stück an? Was fängt die Habimah damit an und was das Publikum? Wenn man nicht wüßte und immer wieder Beweise dafür erhielte, daß die Habimah beträchtliche Möglichkeiten in sich bat und daß ein im höchsten Sinne des Wortes aktuelies Theater im Lande: nottut, könnte man sich damit abfinden, daß man ein ,paar schöne Bilder gesehen, etwas gelacht und;einen Abend seinen Spaß gehabt hat. So wie die Dinge aber liegen, wird man nachdenklich. Hier wird eine vergangene oder vergehende Epoche auf die Bühne gebracht, eine Zeit, die viele der Besucher und Darsteller noch sehr gut gekannt haben (inan merkte den Eiiileitungs- Worten von Bialik sehr stark an, wie lebendig ihm diese Welt, ist), die aber so dargestcllt nicht hincingrcift in unsere Zeit und in unser Palästina. Man kann Geschichte spielen, und das kann — wie der ״Jud Süß“ «ler Habimah bewiesen hat — sehr aktuell sein. Und man kann Szenen wie die in diesem Scholcm Alcichem geben, und sie gleiten an dem Publikum ab wie Oel am Wasser. Um es anders herum zu formulieren, cs scheint, daß wir zu einer Filigranarbeit wie dieser keine Zeit haben sollten. Es geht heute in der Situation, in der sich Palästina befindet, nicht an, daß man diese Kunst und Kraft für ein paar Stunden des Gedcnkeiis und der Rückschau aufwendet. Das hat nichts mit Po I i t i k zu tun, sondern liier stößt man an das künstle■ rische Problem der Habimali, Man darf sich ihre Sachen flieht einfach anschcn und dann ein objektives Urteil abgehen: Schöne Arbeit. Man muß empfinden, daß cs hier um des Betrachters ureigenste Sache geht. Also, wird mm! sagen, schon wieder einmal die alte Geschieh(.: vom fehl enden Repertoire? Ja, und cs hilft nichts, denn dieser Punkt Ist und bleibt der entscheidende für die Entwicklung eines lebendigen hebräischen Theaters. Tcl-Awiw, 1, Mai. Gerda Ln ft. *־«׳׳> s f*׳־״׳/ ij ' : r Xää׳‘•‘׳ Neue Matat£~ Revue H Sdiii 1־Kc o’iihr.t: 'Tort f, uulKch wti 1 cl-Awiw, Anfang Mai (931 Die sonst bei der satirischen Buhne ,Mahn׳.« . Form der kleinen Revue, die in mir losem ziutimin״!!״, der aktuellen Inhaltes aneinander reiht, hat sich <]״., ' zu einem kleinen Theaterstück verdichtet, dessen'"'י schon System zeigt. Nicht umsonst beginnen die meisten jener ׳,*"ין , üdischen Anekdoten, dem! Philosophie mehr als (>י';זו!,'״ן! gcnstatul ernster, tust wissenschaftlicher Untcrsuchim« 11 dm Worten ״Zwei Juden...“. Die Zwei,.,1,1 i’t y׳’;״" Setzung für dm zimächst vorhandenen Widerstand t, “'׳: Komplizierung des Denkprozesses bis zur Siedehitze ' erst die überraschende Lösung — sprich: Pointe Diese Art des geistigen Se/icrens, die auch «1,11 Abwc reu kann, wird nicht zu Unrecht als ״tahmulisch“ he wobei freilich die abfällige Betonung, die dieses begleitet, nicht gerechtfertigt erscheint. Die Diskussionen warm es, die eine Rechtslelirc schulen den Gesetzgebern aller Zeiten als Fundament diente. ' Einer der berühmtesten Talmud-Traktate besehäfti ״ ,.׳ mit den Zweien, von denen jeder ein und denselben gefum!״, Gegenstand für sich reklamiert. Das wird N. Jizchaki ,!,/ Autor des neuen Matate - Spieles, zum Stichwort. ״Zwei l״?. ten . . .“ einen Paß in Händen, der das kostbare' Pai;!*,;:״,' Zertifikat birgt. Ls handelt sich aber nicht tun ein Llte״;nr ,T' auf einem gemeinsamen Paß reist, sondern um zwei ״,״ Männer, von denen der eine — der wirkliche ILützcr Ibisses — seinen Freund, als Frau verkleidet, ins lu Land hcrcingeschmuggelt hat. Wege, der bösen Polizei hei! man die Verkleidung bei, solange, bis das 1 *flictitliew 1!|!ן/. ruft, mit männlicher Arbeit Anteil am Aufbau Palästina; haben. Die bewährte Methode des Verklcidmigs-Sclnvinl״ gibt natürlich dein Autor Veranlassung, Situationen heratil/iili״ schwören, die der Komik nicht entbehren, 711111,11 | i /,c 11 a li es auch diesmal wieder versteht, die aktuellen palasfinenskh'n Ereignisse unter die Lupe zu nehmen. Die Mühcllifts «U־r duit. scheu Aliiah spielen ebenso seiir eine Rolle wie das plot/tir״ aufget,mellte Verlangen der eingeborenen jungen Mädchen, ihre arabischen Sprnchkemitnissc gegen deutsche zu vertauschen. Die Hausfraucnsorgm tim eine Oscrcth (Hausgehilfin) cs wecken unser Mitleid, wir sehen einem Palästina-Amt hinter die Kulissen und einem Tel-Awiwcr Hotel in die zu teuren Zimmer. Die liebreichen Helfer des ״Magen David Adom" (Krankentransport-Gesellschaft) erscheinen auf der Bühne 1u;| das jüdisch-arabische Arbeifsproh'em, das während der 0רגז• gcn-l(nchsaisnn von besonderer Aktualität war, wird autgernllt. Das, was an «ler Produktion dieses Matate-Autors gefällt,istdit ׳ Tatsache, daß ex scheinbar über jüdisches Wissen verfügt. Für die liübsrhcn Songs zeichnet N. Alt er mann verant• wörtlich, für die Musik W i I c n s k i. Der Regisseur I. Nosik hält die bewährte Truppe prt zusammen, mußte jedoch gelegentlich für das Dämpfen einiger Ucbcrtrcibungcn Sorge tragen. So /um Beispiel ist Jclniiiiih Pcrka( ein reizendes palästinensisches Hotelstubemnäücbcn, während sic in den ersten Bildern nicht den richtigen Tonn, treffen vermag. Gerade umgekehrt geht es mit der Schau• Spielerin Stranitzka. Rudcnski gibt einem alten Pardcsshesitzer, der am liebsten seine eigene Arbeiterorganisation gründen möchte, charakteristische Züge. Goland betreut! wieder, diesmal als palästinensischer Schutzmann, die Tenor• partie. Donath, Kadri und /^ba sind tapfere Heller. Mita Bat-DoT! macht ihre Sache als europasüchtige Fin• geborene ebenso gut wie als verbissene Revisionistin. Die Verklcidtingsrollc liegt in Händen von Bczaiel London. Er versagt in den Gefilden der Komik ebensowenig, wie er sieh bei früheren Gelegenheiten als Chnraktcrspielcr bewährte. IH1 Uehcrraschung des Abends ist die ausgezeichnete Leistung von T i m a n, dem Protcktionskind mit dem Zertifikat. Sah man ihn früher nur in Cliargcnrollen, so zeigt er bei dieser Aufführung, daß er ein temperamentvoller und nie über• treibender Darsteller ist. Das Bühnenbild besorgte wie immer E. Emanuell Er hat hübsche Einfälle, viel Farbensinn und weiß eine kleine Drehscheibe auf das praktischste auszunutzen. Manfred Oeis. A*, in Ausgegrabene Synagogen Bei der geringen Produktivität der Juden des Atter- (ums in architektonischer und plastisch-künstlerischer Hinsicht sind Ausgrabungen alter Gebäude für die Kenntnis des antiken jüdischen Lebens für uns von doppelter Bedeutung. Darum ist sehr zu begrüßen, daß der verdiente Jerusalemer Archäologe L. L. Sukeiiik suchen eine zusamtuciifassetulc Darstellung der wichtigsten bisher erfolgten Ausgrabungen (,, A!1 c i e 111 Synagogucs in P a i c s t i n e and G r e e cc“; bei: iltimplirey Milford, Oxford 1931; 7s. öd.) erschcineu läßt. Das knapp gehaltene Werk beschäftigt sielt in seinein ersten Teile mit der architektonischen Analyse der in Palästina und Griechenland ansgcgrnhciien Synagogen, um sieh dann im zweiten Teile der inneren Ausstattung der Gebäude zu/tiwciideii. Line kurze Ucbcrsicht iiiicr den Inhalt dürfte für jeden, der sich nicht eingehender mit diesen Dingen zu befassen vermag, instruktiv sein. Eine der bcstcrhaltcncn Synagogen ist die von Cape rnan in (am Oenezareth-Scc), die schon bei Joscphns erwähnt wird. Besonders eindrucksvoll •sind die korinthischen *Säulen, von denen eine Anzahl gut erhalten ist. Line Stunde entfernt, in Chorazin, wurde eine ans Basalt erbaute Synagoge ausgegraben, deren Innenraum mit zahlreichen Tierplastiken geschmückt ist. Von der in Kfar Bir’im gefundenen Synagoge ist noch ein großer Teil der Fassade und des Eingangs erhalten. Einen anderen Typ stellen die Synagogen von Naaran (bei Jericho) und B c 111 Alpha dar; liier finden wir eine reiche Mosaikornamentik, Tivrbilder, SteriikreisdarsteUiiiigcn und auch Episoden aus der jüdischen Geschichte. — Die in Griechenland gefundenen Gebäude unterscheiden sich von den bisher beschriebenen Typen kaum; zu erwähnen wäre mir, daß wir in Delos, Miict, Prienc und Aegina griechische Inschriften auf den Marmor- Säulen finden. Das Alter dieser Synagogen läßt sich nur durch Schätzung und Stilvcrgleichtnig erraten; sie dürften im allgemeinen aus dem 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung stammen. Alle in Palästina ansgegrabenen Synagogen sind in Form einer Basilika mit einem Schiff und zwei Scitcnchörcn gebaut. Selbstverständlich liegt hier ein starker hellenischer Einfluß vor. Der Rasiükastil wurde allmählich der Stil auch für die jüdische Weit, so daß fast alle öffentlichen Gebäude so gebaut wurden. — Was die Lage der Synagogen anbetrifft, so befanden sich die palästinensischen Synagogen entsprechend der talmudischcn Vorschrift auf dem höchsten Punkte der Stadt. In der Galuth war dies nicht mehr durchführbar. Die griechischen Synagogen sind auffallfcnderweise alle dicht am Wasser errichtet; ״es gibt“, so bemerkt SukenSt, ״keine hinreichende archäologische Evidenz für eine *:!ehe Tradition in Palästina". Die palästinensischen Synagogen sw? sämtlich nach Jerusalem orientiert; bei den anderen geben d1* Ausgrabungen hierüber nicht immer klaren Aufschluß. Sich« ist nur, daß in den Ländern westlicli von Palästina die Syaagogen östlich orientiert waren. — Auch über die inner* Ausstattung hat man manches in Erfahrung, gebracht, ln rabbinisehen Quellen wird von der Lade als einem tra?• baren Behältnis gesprochen. Die Archäologie bestätigt di™ (z. B. Caperuaum). Erst als die Synagoge mehr und nie;' zu einer zentralen Bedeutung 'im religiösen Leben gelang*, schuf man den Thorascitrein, dessen Vorhang nicht nur, ויי heute, über der Tür des Schreins hing, sondern die ganz Apsis überdeckte. ■— Und nun die Frage: Wie kommen <״ Ornamente in die Synagoge? Sukcnik ist J,cr . , das Gesetz verbiete nur die Wiedergabe des Göttliche״ gottesdienstlichen Zwecken, in normalen Zeiten setzten rabbinisehen Autoritäten der Ausschmückung keinen »lü ' stand entgegen; in Zeiten der Krisen und Verfolgungen 1 docfi herrschten die rigorosen Tendenzen der Gesetzen legiing. Allmählich jedoch haben sich die Kabbinen mit ( Ornamentik abgeftmden. Die hauptsächlich auftretenden * tivc sind biblischer, astronomischer, magischer Otter יוסזין - taktischer Art. — Die Vorgefundenen Inschriften sind in tiiiiisehcr oder griechischer Sprache gehalten und sind י1״ persönlicher Natur (Dank für den Erbauer der Synaf, h ׳ für Wohltäter u. ä.). Ein Wort der Anerkennung ist für die hervorragflu^ Bilder hinzuzufügen, die ja gerade bei einem Thema unerläßlich sind und dem Leser setzen müssen. . solch«״ die Anschauung **’ 1N. Erwachsenenbildung in Jerusalem. Wir erhallen f°U־ j() Mitteilung: Die von der Histadrutli vor einigen Jam ז״ן Jerusalem gegründete Volkshochschule stellt S1 , Aufgabe, die allgemeine und vor allem die jüdische! Erwachsener zu erweitern und zu vertiefen. Die KufS* 1 hl)!e in den Abendstunden statt. Die Leitung der Völksn0^ 0 י hat mit Rücksicht auf die große Alijah aus Mi׳u{ch die Zahl der Vorlesungen über jüdische Fächer e T J55f vergrößert. So ist cs der Leitung gelungen, u. a. י Torczyner von der Universität Jerusalem für Bibel, ' nsü Mayer für neue hebräische Literatur und Herrn j ־r, für hebräische Stilübungen als Dozenten für 0(5 8ג״ «emester zu gewinnen. Im «