Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1934)
- Date
- 1934-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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100531 Kt, 38 / Jahrgang 39 ץ^קו 1קו1ודךח ך—ן I i -,p ך- '1 L. ,,fl ־r נ־ t—1 r <־־ wvnra^|־«<g ןייי',י i ׳1 / V Preis RM ןך ׳••ין ןך ׳■■״«״■'"gl \ \ gc11Hm®ü11n8׳»V«r!«fr ■• *"*••«®»*»rwullnns ‘ Berlin WlS.Metnekeetr.l« f,n.n1l:S«mmrI-Nr. 11 Bl.m.rck 31RI/fU, 7Ift5Z70.7240/^1 - n.»r>.r,r!, pro Mon.1 PM 5-75 י»'״״0 °״ז •־־ג. — ToiOchrrk Komm Her AWnemenu• AhtHliine "iVlVi ■ךי»ך I)״ll7״H7J (l«r GroH-lWln), Berlin 17 W2 (für de. übrige Krkh); An.l.nd.. t»Ui ׳- 1 1 י* י ״״,!« m ffweilijrer Ut1d*,w»h״,nR. - Erschein) )•den Dl.n.t«, und Frei»«*. DONNERSTAG, 10, MAT 1934 0« Zlonlsmu» erstrebt tar dan jddlftch* Volk dl* Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten »Jf C-nNflkMij Ans*l^«nt«rlf 1 Di* ß|1**p111t»*n* JiM -20«־, lür Si#Ii*n«MM*cjh• , RM —,10, für F*mili*nnachrirht*n HM —45* F.inrrUnrrfcfn nur gegftn Voraus• | rshlung •ttf Po«t«chrck-Komo Herlln 7161* orler in rinr Artrrfg »«*Annahme Montag hie Freitag 9—1* Uhr Annahme«(: h!״fi iiir rll* Dien*-fa!*.Aimgahs Montag IO Uhr! lür dl, Frelug-Auegahe Mitiwoch U Uhr <l'»r1lll,n,nr,l|«1 bl• Donner.!•* 10 Uhr) 1 Heimstätte ln Palästina. ״Basaler Programm*« גל׳/ ר 1 ) \% \! P?A 1 1 ך׳ו! ) I H k»'w.s/ W-41 W#1 Das Zcntr.1!-Exekutivkomitee der Sowjet• union und der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion haben, wie milgctcilt wird, beschlossen, in einem Dekret, das von dem Presidenten der Sowjetunion Kali 11 In, von Stalin und Moto low unterzeichnet ist, das jüdische Kolonisalionstfebiet in Biro Bidschan mit soforligcr Wirkung zur autonomen unabhängigen jüdischen Sowjet- Republik mit eigener Regierung auszurufen. In dem Dekret heißt cs, daß die neu|<0(<riindetc jüdische Sowjet-Republik ah gleichwertiges Mitglied in den Bund der Sowjct-Rcpubliken cintritt. Sie erhält eine eigene Regier 11 ng und bildet eine eigene Armee unter Leitung des Generals der Roten Armee Kappaport. Die Stärke der Armee wird auf vorläufig 75r0 Mann festgesetzt. Gleichzeitig vcriiftentlicht die ncngcbildcle jüdische Regierung von Biro Bidschan einen Erlaß, der sich gegen die zionistischen Elemente in Biro Bidschan wendet und dazu auffordert, in der neuen Sowjet-Republik Biro Bidschan gegen den Zionismus tu kämpfen. Die Rcgierungssprachc ist jiddisch. Biro Bid- Khan erhält eigene Briefmarken und Währung. Diese Nachricht kommt im gegenwärtigen Augenblick' fitii!:( rmalU'11 überraschend. Zwar war bereits bei Beginn der Knloiikiliniisvcrsuelie in Biro-Bidsehan von der sowjetrussieii.n Regierung erklärt worden, daß dieses Unternehmen das Ziel der Lrnditnng einer autonomen jüdischen Sowjetrepublik bahr. Um diese Pläne war es aber mit der Zeit recht still ge- "orden, nachdem es sich gezeigt hatte, dali die Siodliuigspro• jdtr im fernen Osten auf gewaltige technische Schwierigkeiten Sficllni, mul dali insbesondere die breiten Massen vier jüdischen Bnolkeruug Smvjetrulilamls nicht geneigt waren, in das Land am Amur aus/uwandern. Die Zahl der in Biro-Bi dschau a 11 g e s i e d e 11 e 11 Juden betrug daher trotz der j.ilird,tilgen Bemühungen nur, wenige Tausend, und die Quote dir Rückwanderer, die den Bedingungen des Landes’ nicht shndhirlten, war stets abnorm hoch. Wenn trotz diesen Fehl- Schlägen die russische Zenlralregierung sich nunmehr dazu mlschln-scn lud, dem Lande ilie staatliche Autonomie zu Reben, so dürften hierfür zwei Gründe maßgebend gewesen Min, die auch deutlich aus der von 1ms wicdergcgebcncn Meldung ersichtlich sind. Der eine dieser Gesichtspunkte dürfte rs! f "7 '; ו u . J u.4 141 *ך/•—v 1 u!J וידךחןז" . k«£ WmI» I״:,״.w4 butt ui der »1 i I i t ä r isc h-st r a t c g i s c 11 c n Lage des l.a n des zu suchen sein, da Biro-Ilidschaii ein wichtiges (iehiet in der fernöstlichen Verteidiguiigszonc Sowjctrufllands darstellt,die naeli dem Vordringen Japans auf dem Mamlsrhüfischen Festland bei 11er bedrohlichen Zuspitzting des Konflikts in. Ostasien grüßte Wichtigkeit gewonnen hat. Wenn eine militärische Einheit in Biro-Bidsclian errichtet wird, so kann sie mir im iiinhlirk auf diese politischen Fragen von Bedeutung sein. Aus den Ansiedlern seihst eine derartige Truppe zu bilden, ist natürlich ganz ausgeschlossen, da ihre Gesamtzahl wohl nicht nusrcichcn dürfte, um die erwähnte i letresstärke zu erreichen. Das zweite Motiv, d.-m die Sowjetkreise zur Ausrufung der jüdischen Sowjetrepublik veranlaßt haben dürfte, ist ein i 1111 e r j iid i s c 11 e s. Die assimilatorischen kommunistischen Elemente, die der russischen Zcntralrrgicrung nahe stehen, emplimleii deutlich, wie der große Aufschwung der jüdischen Arbeit in Palästina trotz, der hermetischen Ahschließung, in der das russische Judentum von ihnen gehalten wird, auf die in schwerer Notlage befindlichen russisch-jüdischen Massen cinwirkt. Selbst bei den Siedlern in Biro-Bidsclian sind die Palästina-! loffiiuugen und die innere Verbindung mit Erez.- Israel nicht erloschen, wie aus dem Erlaß dieser neuen Sowjetregienmg liervorgeht, der sieh gegen den Zionismus wendet. Die Konstituierung der autonomen Sowjetrepublik soll als Gegen g 1■ w i c 111 gegen die z i o!1 i s t i s e 11 c 11 T e 11 * d e 11 z e n i m russischen Judentum wirksam werden und der Bir״-Bulscl1nn־Sk'dluug durch eine neue Fassade zu stärkerer Wirkung im russischen Judentum verhelfen. So sehr wir es begruben, wenn Teilen des jüdischen Volkes die1 Müg• liehkeit zu neuer ökonomischer Fundierung und insbesondere zum Uebcrgaug zu einem produktiven Lehen gegeben wird, so bedauern wir es auf der alitieren Seite, wenn derartige Unierm-liinungen mit einer politischen Tendenz diueltgeführt werden, die sieh gegen den Zionismus richlct. Bei der Siedlung in Biro-Bidsclian wird diese Tendenz um so absurder, als in der Wirklichkeit im Fernen Osten bisher nur sehr wenig geschehen ■ist׳ und ׳wohl auch in absehbarer Zeit keine effektive Hilfe für das notleidende russische Judentum, geschweige denn für Juden anderer Länder,■ von dort kommen kann. Der dem Zionismus feindliche Kommunismus bedient sieh aber dieser Bestrebungen. als , einer Waffe in seinem Kampfe gegen das nationale Judentum und gegen Palästina und versucht mit den größten Anstrengungen, seine Position' zu behaupten. Protestbewegung im Jisdiuw Die Zuteilung von nur 5600 Zertifikaten entspricht, wie "ir im f.eilartikel der vorigen Nummer dargclcgt haben, keineswegs dem Arbeiterbedarf Palästinas. Die niedrige Ziffer hat aber auch in den Chat uzjGoiscn der ganzen Welt tiefe Enttäuschung und ייי der jüdischen ()Öffentlichkeit Protest hervorgerufen, "eil jeder weiß, wie groß und elementar das Bedürfnis nach Auswanderung ist. Die Eiuumidertingspolitik der Palästina-Regierung hat zur Mrc, daß insbesondere die landwirtschaftlichen A rhe i t s p o s i t i o n e 11 der Juden in Frage gestellt werden, "dl die Arbeiter in die Stadt ahwandern. Es scheint einem Wunsch der Reglern,1g z.11 entsprechen, die Juden dort zu vermiiHUru, um [ür arabische Arbeiter Platz in den jüdischen dcillniigni zu schaffen. Dieser allgemeinen Tendenz entspricht äl|d1 eine neue Verfügung, über die jetzt berichtet wird. M'ie JTA meldet, hat die Palästina-Regierung angeordnet, "■1A den Juden verboten wird, Posten vor denjenigen jtidi- 5dien f’flanzuiigsbeti'ieben aufzustellen, die in letzter Zeit dazu Bhf1g,,g,1n״t,״ simj, an Stelle jüdischer Arbeiter billige ara- 1״'die Arbeitskräfte zu verwenden. Damit ist die legale Durch- DJmmg des Kampfes um die Durchsetzung des Prinzips jtidi- 5™er Arbeit unmöglich geworden. JTA berichtet weiter: Die neue Verfügung der Palästina-Regierung hat dazu ״™getragen, die Erregung über die Drosselung der Arbeiter- '1״Wanderung zu steigern. Ein Sturm des Protestes geht durch d™ Jisdiuw. Die Tageszeitung ״Dawar“ hat eine Sondcraus- Gin׳. ״ ..־־” - ' veranstaltet, in der die beiden Maßnahmen der Pa- '.1׳"״;׳■lö'gicrung unter der iit Riesenlettern gedruckten Geber- ‘dirilt ״Regierung legt der Einwanderung Fesseln an", mitkddlt wurden. Viele tausende Exemplare dieser Sonderausgabe "«1den in den Straßen Jerusalems und Tei-Awiws unejitgclt- «dl verteilt. ..״ic Exekutive der Histadruth Haowdim, des pa- ■mmc11siscl׳,cn Arbeiterverbandes, ist zu einer außerordentcn Sitzung zusammengctreten, nach der eine Proklama- 10 ״ erlassen wurde, durch die beiden Maßnahmen der Regie* "״ff entschlossener Kampt angesagt wird. Die Rcr, Dngsverfügungen werden in dieser Proklamation als eine 'uauflagc des Weißbuchs vom Oktober 1930 bezeichnet, das n 81«mischen Protest der Judenheit aller Länder hervorgerufen hatte. Gleichzeitig wurden Maßnahmen zur Einbcrulung von ז Protcstinasscnversnmmlungen in allen Städten und Kolonien Palästinas getroffen. Der gesamte Jisdiuw soll zum Kampt für sein Recht auf Einwanderung und Arbeit mobilisiert werden. Die Histadruth gibt in ihrem Aufruf bekannt, daß die Jcwish Agency 20 100 Zertifikate angefordert hatte, «laß demnach ihre auf genaue Berechnungen sich stützende Forderung durch die Bewilligung von 5600 Zertifikaten nur zu einem Viertel erfüllt worden ist. ' . Die Jcwish Agency bereitet ein offizielles Coniniunicpie über Stellungnahme angesichts des Verhaltens der Regicrung vor. Jerusalem, S. Mai (J.T.A.). Gegen die Maßnahmen der Regierung zur Einschränkung jüdischer Einwanderung wurde in Jerusalem eine Mnssenprotestvcrsammlung nbgchnlten. Für morgen sind weitere Protestversammluiigcn der ■ I lisladrulh nach Jerusalem, Tel Awiw, Haifa und die größeren landwirtschädlichen Siedlungen cinbrrufcn. Der Stadtrat von Tel Awiw hat׳ für den 10. Mai eine außerordentliche Sitzung einberufen, in der über die Fassuug einer formellen Protestresolution beraten werden soll. Der Landwirtschaftsausschuß der Histadruth Haowdim fordort in einer Resolution die Jcwish Agency auf, von allen auf Einwanderungs-Zertifikate nach Palästina kommenden neuen Einwanderern zu verlangen, daß sie zunächst eine Zcitlang in den Kolonien arbeiten. Amisdauer der Berliner Gemeinde• Repräsentanz verlängert Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, hat die Repriiscntantenversaminlunji der Berliner Jüdischen Gemeinde am 8. Mai dem Anträge des Gcmeindevor- Standes zu gestimmt, der dahin ging, die Amtsdaucr von Repräsentanz und Vorstand der Gemeinde um zwei Jahre zu verlängern. Wir werden auf die Einzelheiten dieses Beschlusses und die sich daran knüpfenden Folgerungen für die zukünftige Gemeindearbeit in unserer nächsten Ausgabe zurückkommen. Zum zweiten Male im Verlaufe von wenigen Jahren hat die Regierung Palästinas jetzt eine Anleihe aufzunehmen beschlossen. Es handelt sich um die Durchführung eines Planes, der bereits am Dt. Juli 1933 im Anschluß an die Veröffentlichung des Frcncli-Berichtes vom Kolonicnministcr Ctinlif fc-Listcr hekanntgegeben wurde, Palästina kann seine langfristigen Investitionen durch Anleihen finanzieren, denn das Land ist kreditwürdig. Es ist eines der ganz wenigen Länder der Die Sprachenfrage und die Einwanderung deutscher Juden —- Der Arfosoroff-Monlprozeß — Die Auflösung einer Mischche — Jüdischer Kongreß ln Chile — Die Judenfrage vor 50 Jahren — Palästinensischer Bilderbogen — Theater in Palästina — Bilder vom Tcl-Awiwcr Sladtjuhiläum — Spaziergang auf der Levante-,Messe — Apotheken in Palästina — Die jüdischen Frontkämpfer der Freiheitskriege. Beilagen Sport-Rundschau — Berliner Rundschau — Berichte vom Reich. Erdoberfläche, deren Staatshaushalt aktiv ist. Die Ucberschiissc der Staatseinnahmen über die Ausgaben sind beträchtlich. Sic betragen fast eine Million Pfund im Jahre, und es ist daher keine Frage, daß eine Anleihe von insgesamt 2 Millionen Pfund verzinst in <1 amortisiert werden kann. Die Ciaranlic des englischen Schatzamtes ist unler solchen Umständen nicht mehr a|s eine Formalität, und wenn trotzdem eines der unter Leitung von Lord Rothermcre stehenden• englischen Boulevardblätter die Ankündigung der Garantie dieser Anleihe zum Anlaß nahm, dem englischen Leser cinzureden, daß England für Palästina zu zahlen habe, so beweist das nur die U n i!1 f o r 111 i c r 111 c i t über die wirkliche Sachlage. Der Vorschlag des Blattes, England möge Palästina aufgeben, und das Mandat Italien anbictcn, wird wohl von verantwortlicher englischer Stelle nicht akzeptiert werden; denn das englische Kolonialamt weiß genau, daß Palästina nichts kostet und erhebliche Vorteile bringt. Die vor drei Jahren aufgenommene Anleihe wurde in erster Reihe für den Bau des Hafens von Haifa verwendet. Dieser Hafen ist gewiß ein großes Aktivuin für das ganze Land, erleichtert die wirtschaftliche Lutwieklung und den Handel, macht Palästina zu einem Vcrkchrszcntrum und zum Linfallstor der großen vorderorientalischen Länder. Haifa wird der Endpunkt des Landweges nach Irak, Persien und Indien. Dies hat gewaltige handelspolitische, aber auch strategische Bedcutung. Der Haifrier Hafen ist jetzt fcrtiggcstcllt und der Beschauer ist eigentlich etwas überrascht von seiner •Kleinheit. Man hört in Palästina Beschwerden, daß die Anlagen für die Bedürfnisse des Verkehrs nicht ausreichen. Die Engländer haben diesen Hafen für palästincnsischcs Geld gebaut, ohne daß die Bevölkerung Palästinas etwas dreinzureden hatte. Man kann oft die Meinung hören, daß der Hafen so angelegt wurde, um vor allem als Kriegs hafen dienen zu können. Ob diese Vermutung begründet ist, müssen Sachvcrständige entscheiden. Daß aber diese Anschauung, die Interessen Palästinas seien zugunsten von Interessen des britischen Vt'cltreichcs zurückgesetzt worden, sich verbreiten kann, bezeichnet bereits die psychologische Lage, die gleichfalls ein ernster Faktor ist. Nun wird das Programm der zweiten Anleihe veröffcntlicht. Ls heißt darin, daß 933 000 Pfund für Wasscrversorgiiifg verschiedener Städte sowie für Kanalisation Jerusalems und Haifas verwendet werden sollen,, ferner 210 009 Pfund für Erdöl-Vcrladungsanlagen in Haifa, 407 (WO Pfund für Öffentliche Gebäude, 200000 Pfund für Agrarkredite und schließlich 250 000 Pfund für die Ansicdlung der sogenannten ״dislozierten Araber“, über die seit Jahren debattiert wird. Sämtliche angeführten Zwecke betreffen Arbeiten, die zweifellos für das ganze Land wesentlich sind. Die Wasserversorgung und Kanalisation der in den letzten Jahren sprunghaft gewachsenen Städte entspricht einem eminenten Bedürfnis. Die Aufwendung für Erdöl-Verladeanlagen entspricht dem Bestreben der Palästina-Regierung,־ das *rak-Oel in erster Reihe nach!1' f, r■ ׳ 1 r : 1 ' h'׳ 3! 0 i ־: 1 c ׳: ll: 1 . 1: h\ י I l