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Jüdische Rundschau · 1934-05-04 · Heft 36 (4.5.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 36 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MAI 1934 "x /־:״/ . רי־־׳ \ \ i יי .י•* f 1 | ) 'x''\ t 1 \«J sLjz.!״^ lXxJ V“״ n r m ץ־/ f ' r~1 n V i 'd M \ \ \ .־ ~1 /r ־ \ , J—״£ iLfe äj Anzeigentarif t Dl• 12 gespalten# Mt!li«1*ter״ZMl• RM —,20, für Stellengesuch« RM —.10, lür Ftmilienntrhrichten RM —45־• Finrolsnreißen nur gegen Vortu■• Zahlung ■ui Po*t*cbeck־Konro Berlin 71618 oder in d*r An/eigen-Annuhmc Montag hi• Freitag 9-~l8 Uhr. Ann *hmedchluft lür di• Dienstag-Aufgabe Montag 10 Uhr Ulf di• Fr«itag-Autgab• Mittwoch 13 Uhr (Fatnilientnreigen bi■ Donner*!•« 10 Uhr) per Zionismus erstrebt lür das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich• rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm** tlflrma »ert« 40 C~*—4b i״iü- 7300. tllirleü Jcclmf. •trt di* tstr. 10 iCllt letl •he he•״ *unt •10. I),1s leben der deutschen Juden wird auf zahlreichen Gebieten durch einen merkwürdigen Gegensatz, zwischen Illusion und Wirklichkeit gekerntzeichne(. Vieles, was weiten Kreisen des deutschen Judentums als eine Wirklichkeit jüdischen Lebens erscheint, und was daher von ihnen als etwas Vollgültiges angesehen wird, ist objektiv nur der Schatten einer echten Wirklichkeit und schwebt mehr oder weniger in der Luft. Aus diesem Grunde sind auch die Erörte* ruiigcn, die über die Gestaltung des inncrjiidischen Lehens in Deutschland geführt werden,' sehr oft Dehalten, die etwas Unwirkliches an sich tragen, und die dem, der etwa als Beobachter von .nullen ihnen gegen- Übertritt und gewöhnt ist, daß um echte Interessen und um die Gestaltung voller l.cbcnswirklichkciten gerungen wird, einigermaßen blutleer erscheinen müssen. Line der Verfälschungen des echten Lebens, die sich im deutschen Judentum in den vergangenen Jahrzehnten durehgcsctz.t haben und die eine jüdische Lebens- Wirklichkeit ihrer Inhalte beraubten, war das Wort von der ״R e I i g i o n s g e m c i 11 d e“. Wenn das liberale deutsche Judentum die Zusammenfassung der Juden in der (iemeinde, dem ehemaligen Träger aller jüdischen Lcbciisfunktionen, in Anlehnung an das Vorbild der clnistliehcn Kirchen als Religionsgemeinde hezciclinete und sielt bemühte, ans dem Aufgahenkreis der Geminden all das aiiszusclilicßcu, w׳;ls diesen Begriff zu spiciigen drohte,, dann entstand ein ZwiUergcbikle, das in jeder Weise geeignet war, ein illusionäres Judentum in den Köpfen entstehen zu lassen. Diese Illusion stammte einmal daher, dall hier ein gesellschaftlicher Organisums, nämlich die Gemeinde, aus ihrem historischen Z u s a m m cnltang g c r i s s c n und all dessen entkleidet wurde, was ihr von jeher Inhalt und Form der Existenz gegeben hatte. Die Religionsgemeindc war eben historisch gesehen unjüdisch und konnte sich daher niemals als etwas Lebendiges im Bewußtsein der deutschen Juden verankern. Hinzu kam, daß in der gleichen Zeit, in der die Gemeinde in dieser Weise in ihrem Aufgabenkreis eingeschränkt wurde, das religiöse!.eben selbst in ihr immer schwächer wurde und die Verbiimlenheit der deutschen Juden gerade mit den relifiiüsen Werten des Judentums abnahm. So war das deutsche Judentum, das in weiten Teilen irreligiös war, in einer ״Religionsgemeindc“ organisiert — eine Fiktion, die mit aller Deutlichkcit ins Auge springt. Heute ist man unter dem Druck äußerer Tatsachen •ttich in weiten Kreiseji derer davon abgegangen, an! diesem Begriff der Gemeinde festzuhalten, die ihn bisher j mit besonderem Eifer verfochten haben. Man sieht, daß! die (iemeinde zwangsläufig Aufgaben zu erfüllen hat, die ׳ heim besten Willen nicht mehr als religiös zu he- : wclinen sind, und ist daher auch bereit, auf überholte; ^'griffe zu verzichten. Dabei nähert man sieh den Geehnkengäiigen an, die von uns seit jeher vertreten worden sind; wir sahen in der jüdischen Gemeinde stets eine Vo I k s g c m c i n d e, die alle jüdischen Funktionen zu er- Killen hat, die überhaupt für die in ihr vereinigten Juden von Bedeutung sind. Die Volksgcmeinde knüpft in konseiiuenter Entwicklung an das geschichtlich Gewordene a״• ^,enn auch heute noch in vielen jüdischen Gemeinden Deutschlands Hemmungen bestehen, die dem Ausbau der HenieiiHlen in dieser Richtung hinderlich sind, so nicht zulobt aus dem Grunde, weil die vielfach in der Gemeinde maßgebenden liberalen Kreise cs nur schwer akzeptieren können, aus der verdünnten Luft eines illusionären Juden- . Kims in die oft manche Schwierigkeiten mit sich briu- : ffoiule Wirklichkeit eines echten jüdischen Lebens ein• * *״treten. j Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse auf einem an- 1 ocren Gebiete, das nach dem Umschwung in Deutsch• > ■und in den Vordergrund des jüdischen Interesses ge- ז beten ist. Die kulturelle Betätigung der deut- I s״hcn Juden ist seit einem Jahre problematisch ge- : fordern Gerade für das deutsche Judentum ist dieses Gebiet von besonderer Wichtigkeit, weil ja die Zahl und 'le Geltung derjenigen, die in Literatur, Kunst und 'Gesellschaft tätig waren, seit Jahrzehnten bei uns sehr h׳ro(i war, und weil ohne Rücksicht darauf, ob ihnen ״'c wirtschaftliche Basis ihrer Arbeit entzogen wurde oder nicht, jeder einzelne von ihnen und die jüdische Gesamtheit vor der Frage stehen, nach welcher Riehtting diese kulturelle Arbeit sich unter den neuen Bedingmigcti orientieren muß. Last alle deulscheii Juden, die kulturell schaffend tätig waren, haben ohne besondere Problematik im deutschen Kulturkreis gewirkt. Sic waren mit einem deutschen Publikum verbunden, im Sprachlichen formte die deutsche Sprache ihre Leistungen, die geistigen Voraussetzungen ihrer Tätigkeit waren entscheidend durch die deutsche Wirklichkeit bestimmt. Heute nun, wo insbesondere die Wechselwirkung zwischen den schaffenden Juden und einem deutschen Publikum, die ja für den Fortgang der Produktivität nicht entbehrt werden kann, zum großen Teile genommen ist, sieht sich der Einzelne vor die Situation gestellt, daß ihm im wesentlichen die Wirkung im jüdischen Kreise übrig bleibt. Und damit taucht die Frage auf, ob eine Fort- Setzung dessen — insbesondere auch für die große Zahl jüdischer Künstler — möglich ist, was man bis vor einem Jahre getan hat. Wir glauben, daß an den Anfang jeder Diskussion hierüber der Satz gestellt werden muß, daß nichts gefährlicher wäre, als auf diesem Gebiete w i e d er ei 11 u 11 vv i־r k 1 i c 11 e s Leben zu züchten, dessen Zusammenbruch zwangsläufig erfolgen m u ß. Eine solche Unwirklichkeit aber wäre cs, wenn inan die Ansicht vertreten würde, dafUdeutschc Juden, die auf ihren eigenen Kreis angewiesen sind,• eine kulturelle Produktivität bewahren können, ohne einen für sie spezifischen Weg des Schaffens zu gehen. Ls ist nicht möglich,*' irgendeine kulturelle Arbeit, die den Stempel innerer Echtheit und damit auch der Wirkling ־׳ui sich trägt, durchzuführen, wenn sic sich nicht mit dem deckt, was tiefste Eigenart der sie tragenden Menschen ist. Darum muß auch die kulturelle Leistung des deutschen Judentums aus dem jüdischen herkommen, und cs muß eine ganz spezifische Leistung des deutschen Judentums sein und nicht etwa der mecluirtfscbc Versuch, der heute leider so oft gemacht wird, einfach das in Jüdischem Kreisefortzusetzen, was man bis vor einiger Zeit draußen getan hat. Genau so wie es die Aufgabe der jüdischen Gemeinde ist, dem Judentum ihrer Mitglieder zu dienen und es in ihnen zu stärken, ebenso ist es die Aufgabe der jiidisehen Instanzen, die sich mit kulturellen Dingen be- Die neue Palästina ־ Einwanderungsscliedule Jerusalem, 1. Mal. (J. T. A.) Wie die JTA. aus Rcgicrungskrcisen erfährt, hat High Conunisskincr Sir Arthur W a u c 11 o p e die neue Einwanderungsscliedule genehmigt, durch die der Jewish Agency für das kommende Halbjafir 5500 Zertifikate einschließlich 400 Zertifikaten für Frauen zugeteilt werden. Die Palästina-Exekutive der Jewish Agency teilt mit, dall sie bisher noch keine offizielle Verständigung über die Festsetzung der neuen Einwamlcrungsschcdule erhalten hat. Gleichzeitig gibt die Palästina-Exekutive bekannt, daß sie die ihr mul den Palästina-Aemteni zur Verfügung stehenden Zertifikate nicht zur Einwanderung von Angehörigen in Palästina ansässiger Personen verwenden darf, da diese Zertifikate von der Regierung ausschließlich für,die Einwanderting von Chaluzitn und Handwerkern bestimmt wurden. Au Angehörige von Palästina-Einwohnern gibt die Agency Empfehlungsschreiben aus, auf Grund derer die Bewerber von den Palästina-Aemteni Zertifikate erhalten sollen, sobald solche im Rahmen der neuen Schcdulc ausgegeben sein werdet], Beginn der Jubiläumsfelcrüchkcitcn in Tel-Awiw Tel-Awiw, 2. Mal. (J.T,A.) In dem großen Stadion auf dem Gelände der Levantc-Mcssc wurde am Abend des 1. Mai unter Beteiligung von vielen Tausenden von Fcstgästen und Abordnungen zahlreicher jüdischer Gemeinden die offi- *zivile Feier anläßlich des 25jährigen Bestehens der Stadt Tel- Awiw eröffnet. Die Jubiläuinsfeicrliclikcitcn werden fünf Tage dauern. Das Festprogramm sicht musikalische Tanz.- und Sporidarbictuiigen sowie Ffcilicht-Aufführungen vor, bei denen über 300 Schauspieler, Sänger und Tänzer beschäftigt sein werden. Bürgermeister D i z c n g 0 f f, der die Eröffnungsansprache hielt, wurde von der Festversammlung mit stürmischen Ovationen empfangen. Er schilderte eindrucksvoll die Ent- Wicklung der ersten jüdischen Stadt aus kleinsten Anfängen zu. ihrer heutigen bedeutungsvollen wirtschaftlichen und kulturellen Position. Nach diesen Worten sprachen Nahum Sokoiow, der seinerzeit den Namen Tel-Awiw für die neue Siedlung gewählt hatte, Oberrabbiner Kook im Namen des palästinensischen Rabbinats utifl für den Waad Leumi dessen Vorsitzender Uct! Zwi fassen, eine eigenartige Kulturleistung bcrvorztibringen, die schaffenden Juden in dieser Richtung zu lenken und damit eine der wesentlichsten Voraussetzungen eines wirklichen jüdischen Lebens zu schaffen. Wir haben an dieser Stelle mehrfach Kritik an dem kulturellen Betrieb geübt, der heute im deutschen Judentum vorhanden ist. Sowohl die Veranstaltungen zahlreicher einzelner Künstler wie auch die Tätigkeit etwa des Kulturbundes, insbesondere auf dem Gebiete des Theaters, haben bei all denen, die sich wirklich Bevölkerungsbewegung in Palästina — Erste Eindrücke von der Lcvantc-Mcssc (mit Bildern) — Die Rassenmischung — Umzugstag In Palästina — Die österreichische Verfassung Beilagen: Religion und Leben (mit Beiträgen von Leo Bacck, Max Grüncwald, Isak Unna und Oskar Wollsbcrg) — Sport-Rundschau (mit Bildern vom Eröffnungssportfest des Berliner Bar Kochba-Hakoah) — Berliner Rundschau (u. a.: Im Kampf um die Gemeinde) Gedanken über die kulturelle Zukunft der deutschen Juden machen, eine instinktive Ablehnung gefunden. In der Tat muß cs ja aussichtslos sein, über die erste fle- Iteration derer, die noch itn kulturellen Leben der deutscheu Umwelt aktiv tätig waren, hinaus das fortzusetzen, was heute vielerorts geboten wird Ein kultureller Betrieb, der rein auf allgemeine, nichtjüdische Werte gerichtet ist, muß verkümmern. Es ist ja nicht richtig, daß diese Werte aus einer abstrakten Sphäre genommen sind, sondern auch sie wurzeln durchaus in den nationalen Gegebenheiten der Umwelt, d. h. hier Deutschlands. Niemand wird nun behaupten wollen, daß die im deutschen Judentum durch die Kontaktwirkung mit der deutschen Kultur ausgelöstc Schaffenskraft plötzlich - versiegen wird. Es wäre auch falsch anzunehmen, daß dieser Kontakt durch die Umwälzung völlig aufgehoben wäre; Landschaft und Klima, Sprache und gesellschaftliche Bindung werden cs auch in Zukunft verhindern, daß diese Beeinflussung, die von der Umwelt auf die deutschen Juden ausgeht, zunichte gemacht wird. Aber man darf nicht verkennen, daß eine starke Lockerung des Kontaktes eingetreten ist und mit dem Fortschritt der in Deutschland heute vorhandenen geistigen Tendenzen, ihrer Befestigung im Gemiitslebcn fies deutschen Volkes noch zimehmen muß. Aus diesem Grunde wird der Kontakt nicht mehr stark genug sein, um 1m deutschen Judentum die Kräfte wach zu halten, die für seine kulturelle Schaffenskraft in den vergangenen Jahrzehnten bestimmend waren. Die Erkenntnis dieser Zusammenhänge dürfte wohl bei allen, die überhaupt Verständnis für die Bedingungen geistiger Produktivität haben, wach sein. Trotzdem hört man immer wieder — und nicht zuletzt von Persönlichkeiten, die an verantwortlicher Stelle der jüdischen Kulturarbeit in Deutschland stehen — die Meiinnig,•daß wir uns nicht allzu sehr beunruhigen sollten, sondern auf dem Wege fortfahren müßten, der uns seit Generationen vorgezeichnet sei, und daß wir in erster Linie unsere Hoffnungen darauf setzen müßten, daß die heutige Tendenz der geistigen Ab- Schließung wieder weichen und der Möglichkeit Platz geben werde, daß die deutschen Juden sich in irgendeiner Form aktiv am allgemeinen kulUircllen Leben beteiligen. Es scheint uns, daß diese Hoffnungen einigermaßen illusionär sind. Sic werden auch weniger aus der nüchternen Erkenntnis der Tatsachen geschöpft sein als aus der großen Schwierigkeit, die das Beschreiten eines neuen Weges mit sich bringt. Es war relativ leicht für zahlreiche kulturell schaffende deutsche Juden, sieh von dem großen Strom deutscher Kulturarbeit tragen zu lassen, gewiß ihr Teil zu ihrer Entfaltung beizutragen, aber letzten Endes doch nicht in dem Maße die letzte י Verantwortung für ein wenn auch enger begrenztes Gebiet zu tragen, wie cs nun der Fall sein soll. Vor dieser. Schwierigkeit scheut man zurück. . Viele von denen, die die kulturelle Arbeit der deutschen Juden führend beeinflussen, entstammen auch ein^r Generation, die bei dem Umbruch bereits über die Möglichkeit inherer Umstellung hinaus war. Es geht ihnen 1 1 t t i ׳ ' ' : ׳ ׳ } c e . I 1 : t >, . t i t ‘ v; »;! t L 1 j l

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