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Jüdische Rundschau · 1934-04-24 · Heft 33 (24.4.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 33 (24.4.1934)
Date
1934-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Freltag-Auagab« Mmwoch 13 Uhr (F.tnflI«.nrefB™ bl. Donner».., 10 Uhr» Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm•« <Tf» f״~, I } \j \J w I*.., ך־״י*^ ץ-""✓ /' ״, J1 Aus der Berliner Gemeinde Wir linbeii vor einiger Zeit an dieser Stelle darauf hingediesen, «lall in zahlreichen jüdischen Gemeinden Deutschlands tinc N e 11 <י r d 1111 ״ g der i 11 ״ c r c 11 V c r 11 a 11 n i s s c he• ן Vorsicht■ (ileieli/cilig haben wir betont, dali es notwendig sein; ״Ird, iihcrall dort, wo die (icmeindckdrpcrsclinftcn in der ^,,•listen Zeit abgelöst werden müssen, darauf zu achten, daß; ,,ן!׳ | k ü r I i c h e Maßnahmen hierbei vermieden werden. So : unhvcmlig es ist, innerjüdische Auseinandersetzungen in dieser 1 lcit auf ein Mindestmaß z,u beschränken, so wichtig ist cs ) andererseits, die jugendlichen Kräfte des deutschen Judentums | juch zu «len Aufgaben der Gemeinden hcranzuzichcn und die | proßen Veränderungen, die im vergangenen Jahre sowohl in der gesellschaftlichen Struktur wie auch in der geistigen Haitung «Icr. «knitschen Judentums vor sich gegangen sind ׳und die | juf eine Intensivierung des jüdischen Lebens hinziclcn, zu? ihrem Recht kommen zu lassen. Diese (iruinlsätze Italien nicht zuletzt für die Berliner ,1 Ifidische Gemeinde Geltung, ilie einen wesentlichen; Teil des «leiitsihen Judentums umfaßt. Im Herbst 1911 steht Iltimiisgcmidf eine Neuwahl der G e m c i 11 d e k ö r p c r - schaffen bevor. Wenn der jetzt amtierende Gemeinde- Vorstand sieh bemüht, «len Berliner Juden innere Kämpfe zu ersparen, so werden alle Gruppen des deutschen Judentums dies gewiß begrüßen. Es geht aber nicht an, aus diesem get-.mdcu!’:in/ip heraus Ansichten zu entwickeln — wie cs in (;!1er Stellungnahme des Gcmcindcvorstandcs vor einigen Tagen der Fall war—, die in keiner Weise geeignet sind, den wirklichen Frieden in der Gemeinde zu kw,ihren, sondern die geradezu dazu herausfordern, diü die Bemühungen um die Vermeidung innerjüdischer teeinaiulvisctzungcn erfolglos bleiben. Gewiß wird, niemand ltguen, «laß die vorhandenen erfahrenen Kräfte auch in Zu- ין« (Mit für «lie Arbeit der Gemeinde ausgewertet werden sollen; f| 1M man den Fintritt junger Elemente in die verantwortlichen tl Das Wachstum der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina Imisalcirf, 19. April. (J.T. A.) Während 1932 die jüi «fische Arbeiterschaft Palästinas erst 40000 Mann stark war, i »erden jetzt über 60 000 jüdische Arbeiter in Palästina gezählt. jlnTcl-Awiw allein leben jetzt über 20 000 jüdische Ar- | kitcr. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in Jerusalem beträgt l linsrhließlieh derjenigen, die in den Werken am Toten j 'teer beschäftigt sind, rund 10 000. Ebenso groß ist die Zahl I <W jüdischen Arbeiter in Haifa bei Umrechnung der Ar- I hitersehaft der Zementfabrik ״Nesclier“. Im allgemeinen | rechnet inan, daß 00״/״ der Arbeiterschaft in den Städten I techäftigt sind. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in den I Kolonien wird auf über 20 000 geschätzt. Das Budget von Tel-Awiw I Jerusalem, 22. April. (J.T. A.) Die Palästina-Regie- 1 hat «len ihr vorgclcgten Haus 11 alts plan der Stadt Tc I• A w i w für das Verwaltungsjahr 1931/35 genehmigt, | ,,״r städtische Einnahmen in der Gesamthöhe von 200000 Vorsicht. Die Hälfte dieses Betrages soll aus Steuern 1 ■■■ -izen/gebühren eingehen, ein weiteres Viertel betrifft die | 'iiinahmcn aus der Wasserabgabe, der Rest soll aus verj vhicciciien kleineren Ei11nahmc1|t!elkm stammen. Hierbei wird 1' ein Beitrag der Palästina-Regierung iii der Höbe von Ml Pfund 11׳ Anrechnung gebracht. Die Einnahmen im neuen Verwaltuugsjahr sind um 50000 1 'Ul״t höher geschätzt als die Einnahmen des letzten Jahres.;חי Ausgaben sind für das neue Verwaltuugsjahr über 90(XX) -,!lum1 vorgesehen, ln diesem Betrag sind 27000 Pfund ■’1begriffen, die die Stadt zur Rückzahlung alter Anleihen | Hrwentien will, sowie die Ausgaben für das städtische * iäiiiläts- und Schulwesen. Dtr Jischaw übernimmt das Gesnndhdtsvvescn Jerusalem, 20. April. (J. T. A.) Wie mitgeteilt wird, 5011 in diesem Jahre die Sorge für die Erhaltung des ge- ■fnten Gesundheitswesens in Palästina vom Jischuw selbst 1'0«nominell werden. Die bisherigen Zuschüsse aus dein '181,nnd zur Erhaltung der verschiedenen jüdischen Ge- ^(Ihcitscinriclitungcn sollen in Zukunft entfallen. Bie Beiträge ausländischer Organisationen und des Keren sjessoel für Kraiikcnfiirsorge und Gesundheitswesen in Pa- «tina betrugen in den letzten fünf Jahren insgesamt etwa . Pfund. Die amerikanische Fraucnorgaiiisation ״Hasssab** hat zu dieser Summe etwa 80(KM) Pfund beigetragen. ,1;״'«cm Jahre wird sieh die ״I ladassah“ nur mit 25000 /״w an der Erhaltung ihrer eigenen Anstalten in Palästina?״'"Ren, Der Keren Hnjessod stellt die Subventionierung ,er Krankenkasse vollständig ein. Es soll jetzt ein bey*** Undesgesundheitsrat geschaffen werden, ז S|ch mit allen Fragen, die den Gesundheitszustand «1er ״**liicdencn Kreise des Jischuw betreffen, befassen soll. JPoit besteht ein elfgliedrigcr ״Waad Habrijuth“, in dent kL״aad Lcum‘ d^ch acht Delegierte, die Hadassah die Wh Cholim und die Histadruth durch je cm Mitglied "״den sind. Gemeindeämter jedoch gleichzeitig nblehnf, wird von der übergroßen Mehrzahl der Gcmeiiideinitglicdcr nicht verstanden werden. Wenn heute von neuen Kräften gesprochen wird, die in die Gomciiulcnrbeit ciutreten sollen, so bandelt es sich dabei nicht mir um eine Verjüngung, die gewiß in vieler Hinsicht notwendig ist, sondern zugleich um eine Vcrstärkling «I c r Kräfte, die die Ausweitung der Gcmeindcaufgabcn von jeher verlangt haben, und «lie nun unter den neuen Verhälinissen auch allein «lazu imstande sind, den Zeiterfordernisscit voll zu entsprechen und die Gemcimlc zum wirkliehen Mittelpunkt des jüdischen Lebens zu machen. Das kann niemals durch noch so aufopferungsvolle Arbeit einzelner Organisationen außerhalb der Gemeinde geschchcn, sondern es muß von der Stelle aus erfolgen, die in der jüdischen Geschichte seit Jahrhunderten stets der Träger unseres Gemeinschaftslebens war. . Wir glauben tlalier nicht, daß durch eine mechanische Verlängerung der Amtsdauer von Körperschaften, «lie unter ganz anderen Voraussetzungen gewählt worden sind, «lie Interessen der jüdischen Bevölkerung gewahrt wcrtlen können. Es wird darauf nnkonunen, daß alle mit der jüilisehen Arbeit in Berlin verbundenen Kreise sich ernsthaft darum bemühen, einen Weg zu finden, der ohne Rücksicht auf veraltete Schablonen der Gemeinde neue Kräfte zuführt lind so zugleich innerjüdischc Differenzen vermeidet. Wir glauben, daß bei gutem Willen aller ein solcher Versuch aussichtsvoll ist. Die erwähnte Erklärung des Berliner Gcmcindevorstandes allerdings hat in dieser Hinsicht keine glückliche Sprache geredet; wir hoffen, daß auch der jetzige Gemcindevorstand als eine für die weitere Gestaltung des Berliner Gemeindelebens mitverantwortliche Instanz diese AcuOcrungen nicht als sein letztes Wort betrachten wird, sondern den Weg zu einer Basis gesunder Zukunftsarbeit findet und sich nicht mit dem Vorwurf belastet, neue Differenzen in der Gemeinde hervorgerufen zu haben. Zionisten und (xememdefragen Wie die Zionistische Vereinigung für Deutschland mitteilt, hat sich Ihr Geschältstührcnclcr Ausschuß in seiner letzten Sitzung mit den Fragen der Umbüdung in den jüdischen Gemeindevertretungen befaßt. Im Hinblick auf die Vorgänge in der Frankfurter Gemeinde und auf die bevorstehende Entscheidung In der Berliner Jüdischen Gemeinde hat der Gcschäftsführcndo Ausschuß eine straffe Zusammenfassung der erforderlichen Verhandlungen und Aktionen verlangt und die Herren Dr. Franz Meyer und Landgerichtsrat Rau mit der Bcarbcltung dieser Aufgabe betraut. Probleme der Ansiedlung deutscher Juden in Palästina Dr. Siegfried Moses ist vor kurzem aus Palästina zurückgekchrt, wo er sich vier Wochen aufgchaltcn hat. Während dieser Zeit hat er sich naturgemäß in besonderem Maße mit den Fragen beschäftigt, die mit der Ansiedlung der deutschen Juden und namentlich der deutschen Zionisten Zusammenhängen. Die Vorschläge, die Dr. Moses auf Grund der aus vielfachen Gesprächen und Vorhandhingen gewonnenen Eindrücke der Exekutive unterbreitet hat, gipfeln in zwei Anregungen: In der Forderung nach Bereit- Stellung eines kleinen Fonds zur Ankurbelung för« der ungs würdiger Anslcd.ungsprojcktc und In der weiteren Anregung, den organisatorischen Apparat, der der Ansledltmg der deutschen Juden dient, durch die Einschnltung einer Stelle zu ergänzen, die cs sich zur besonderen Aufgabe macht, Initiativ die verschiedenen Möglichkeiten für Gruppcnsledlungcn durchz 11 p r U f c n und ausfiihrungsrclf zu machen und so im besonderen die Selbsthilfe der Ansiedler zu organlsiercn — In ständiger Fühlungnahme mit den ansicdlungswilligen Kreisen. _________ Die Beisetzung Motzkins Jerusalem, 20. April. (J. T. A.) Zur Ankunft des Dampfers, der mit den sterblichen Uebcrresten des früheren Vorsitzenden des Zionistischen Aktions-Comitccs am 19. April in Palästina cintraf, hatten sich im Hafen von Jaffa samtliehe Mitglieder der Palästina-Exekutive der Jcivish Agency ciiigefunden. Dem Traucrztig, der sich um 10 Uhr vormittags von Tel-Awiw aus in Bewegung setzte, schloß sich eine ungeheure Menschenmenge au. 111 Tel-Awiw wurden von Rabbi LJ ziel, Rabbi Aronsoltn, Bürgermeister Meir Dizcngoff, Suprasky und Dr. Bcn/ion Mossinsolm Gedenkreden gehalten. Der Träuer/ug machte sodann in Kirjath Anawim Halt, wo der Vorsitzende des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussisch* kin, eine Ansprache hielt, und traf am Nachmittag in Je- Tusalem ein. Auf dem Platze vor dem Agency-Gebäude sprachen der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewisli Agency, Nahum Sokolow und David Yellin. Die Beisetzung erfolgte auf dem jüdischen Friedhof auf dem Oelberg. Tel-Awiw20 ,׳. April. (J.T.A.) Bürgermeister Dizcn« goff gab bekannt, daß die Stadtverwaltung von Tel-Awiw bcschlossen hat, eine Straße hach Leo Motzkin zu benennen. Tm n /ף |. _ •J f\ pn ps ||יי ׳־.•י— Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. T c 1 - A w iw, 12. April 1934. Die Lcvantc-Mcsse^־die am 26. April in Tel-Awiw eröffnet. wird, ist vor rund einem Jahrzehnt aus den kleinsten Anfängen her,ausgewachsen. Damals, als eine erste Zusammenstellung der Produkte der jüdischen Wirtschaft in Palästina versucht wurde, man nicht von einer ״Messe“ sprach, sondern von einer ״Ausstellung“, waren cs die rein geographischen und gcopolitischen Bedingungen des Landes, die die Idee einer großen Messennternehmung in Tel-Awiw aufkommen ließen. Ein Blick auf die Landkarte ließ schon damals erkennen, Der Konflikt ln Arabien — Eine Programmrcdc Sokolows — Zum 70. Geburtstag Nathan Birnbaums — Jüdisches Film• schaffen (״La Bataille") — Auswanderung und Rclchsflucht- Steuer — Geschichte als Lehrmeister (von Dr. Oskar Wolfs• borg und Dr. Ernst Cohn-Wiener). Beilagen: Literatur-Blatt (u. a.: Zum 75. Geburtstag von Scholcm Alcjchcm — Literatur zur Zeit- und Geistes• geschickte) — Berliner Rundschau. Hebräischer Fernunterricht daß I .ilästina als die Brücke zwischen drei Kontinenten handelspolitisch seine im Laufe der Geschichte so oft bewiesene Bedeutung wieder erlangen könne. Aber •Palästina u׳ar in seiner Entwicklung noch so wenig vorgeschritten, daß die handelspolitischen und touristischen Pläne, die sich von Beginn an die Messe banden, eher als phantastisch als real angesprochen werden mußten. Dann begann im Laufe des vergangenen Jahrzehnts ein immer rascher sich gestaltender Aufstieg. Die ״Brücke zwischen den Kontinenten“ kam in immer stärkere Benutzung. Parallel mit der Aufschiicßung lind Modernisierung der palästinensischen Wirt- Schaft ging die Schaffung des Haifa er Hafens, der die Aufmerksamkeit der Hnndclswclt auf sich lenkte und bisher ungeahnte Möglichkeiten öffnete. Das internationale Kapital bezeugte sein Interesse an dem palästincnsischen Knotenpunkt durch den Bau der Petroleum-Röhrcn-Lcitung Mossul—Haifa. Palästina wurde eine Stütze des internationalen Flugverkehrs und mehr und mehr zum Ausgangspunkt eines neuen Wirtschafts- und Handelsblocks, der einen beträchtlichen Teil dc3 Nahen Ostens cinbezog. Diese Territorien waren nach dem Kriege in eine progressive ökonomische Entwicklung eingetreten. Aus dem Ruhestand einer vorwiegend agrarischen, feudal aufgebauten Wirtschaft wurden sic nach und nach in einen Prozeß der Modernisierung hinciugczogen, der die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erhöhen begann. Sie wurden damit, da sie selbst als Industrieproduzenten noch kaum in Betracht kommen, in stärkerem Grade Importländer. Die Industrie des Westens, die sich immer stärker auf Export angewiesen sah, mußte naturgemäß diesen Gebieten ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden mul sich nach einem Zentrum umschcn, von dem aus sie ihre Fühler in diese weitverzweigten Gebiete ausstrcckcn konnte. Als dieses Zentrum empfahl sich die Messe in Tel - Aw i w. Daß Palästina und Tel-Awiw für eine solche Funktion prädisponiert waren, hing mit der Entwicklung der zwei letzten Jahrzehnte zusammen, die dem Lande in dem Modernisierungsprozeß des Nahen Ostens eine ganz spezielle Stellung gaben. Hier wurde eine Umwälzung der Wirtschaft nicht nur durch die im Lande einheimischen Kräfte verursacht, und nicht nur durch internationales Kapital, sondern durch dcii Sicdlungs- Vormarsch der zionistischen Bewegung. Moderne und intensive Landwirtschaft, Aufschwung des Handels, Grundlagen einer Industrie, bczcichnctcn den Weg dieser Sicdlungsbcwcgung, die in den letzten Jahren durch die große Immigration und den gewaltigen Kapitalimport eine ungewöhnliche Beschleunigung und einen neuen Impetus erhielt. Nur hier in Palästina waren die internationalen Beziehungen, die erforderliche moderne Entwicklung der Wirtschaft, das nötige Kapital und die nötige Initiative aufzufinden, um einen Umschlagplatz des Nahen Ostens zu organisieren und den vielen an einer Entwicklung dieser Gebiete interessierten Kräften einen Anhaltspunkt zu geben. Aus der kleinen Ausstellung von vor zehn Jahren wurde eine inter* nationale Messe, die von Mal zu Mal sich erweiterte.

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