Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 32 (20.4.1934)
- Date
- 1934-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ <1 y l ' x ( jjf( 32 / Jahrgang 39 ^וךז181ך r—.־: M/1 k^—11 .*ייי־י״׳'-ז<"יי״״1»1ז* "• An*»lf»n»«rw«Han* 1 Barlln Wli, Matnakaatr. 10 ^r״rul Nr. 11 Bismarck 3181/82, /165Z70, 72-10/42 ״ Bf.juR.prei« pro Monat pM 2.—, pro Onari«' HM 5,75• — Poaiacheck ■Konlrm der Ahrmne ment■- Alrtrlliinp P״|jn7l573 (lilr Gruß-Berlin), Berlin 17192 (lür daa lihrig« Reich), Aoalandal«ut I׳״׳^ ״<''rזן,", I "״deawehtnnR. — Fr.cb.lnt Jaden Dlcnita! und Freitag. '«ן g■•!— ..*>»ןף g.,,1■«—.,,^ן p״. tr'iiWiH i) 13 L 1 r1־ r־A r1״ V. LJ Preis KM-.25 «*""׳"*ן ה׳ אייר תרצ״ד FREITAG, 20. APRIL 1934 "ד״לזל r־’‘~l ןי—"׳-ן / "W;!1: '3״״ {LmmI ״«alg.ntarW, Dl« 12Re.palt.ne Mlllim.t.r-Z.11. RM -,20, lür Stell.nR.auche M -,10, lür F.mllieim.chrichl.n HM -,15. Elnr.lanre(«en nur «ejen Vor.ua- י״, ״"'' *׳ f’oi.check.Komo Berlin 71 אW oder ln de, Anrelgen• Annahme Montag t.itag 9-18 Uhr, Ann.hme.cMuR I«, dl. Dlen.l.R-Au.R.h. Mont.! 10 Uhr r I e reltag-Au-rahe Mittwoch 13 Uhr (F.mlll.nanrelcen hla Donner.1.1!0 Uhr) per Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Pal&stlna. ״Baseler Programm*1 li h&i —י ־——-- Es ist eine Eigenschaft der meisten Menschen und auch menschlicher Gruppen, sich selbst als den Mitlelpunkt des Geschehens zu empfinden. Bcson- (jfrs dann, wenn das tägliche Leben nicht im üblichen Olciclmiab abläuft, sondern wenn sich große Ereignisse Spielen oder tiefgehende seelische Wandlungen im inneren des Menschen vor sich gehen, behält man sehr rlt nicht genug Zeit und Spannkraft, um auch nach juden zu!)licken, und ״die Zeit steht für einen still“. Wem! dam! allerdings wieder etwas mehr Ruhe in (len Ablauf der inneren oder äußeren Geschehnisse hinflnkommt, geht cs wie ein Aufwachen durch manchen Menschen hindurch, und er merkt, daß auch draußen n״ch ein Leben ist, ja daß er, ohne es zu bemerken, diesem Leben stets ganz und gar verhaftet war. In einer ähnlichen Situation befinden sich heute;rolle Teile des deutschen Judentums. Das Judentrhirks.il hat sich an ihnen mit großer Eindringlichkeit rriiillt. Sic empfinden materiell und ideell die Besonder* jifit ihrer Lage. AH ihre Kräfte sind darauf konzentriert, reue We;:e zu bahnen, die in die Zukunft führen. So st cs vielleicht verständlich, daß man den Blick für manches verloren hat, dessen Erkenntnis wichtig und nützlich für einen selbst wäre. Die deutschen Juden betrachten sich heute in gewissem Sinne als Mittelpunkt aller Juden. |?1c glauben, einen Anspruch auf Unterstützung zu haben, rnl meinen, daß ihr Geschick ein außerordentliches sei. Nun kann es gewiß nicht geleugnet werden, daß die Ige dir deutschen Juden überall dort, wo cs Juden .׳!i't, auf großes Interesse gestoßen ist. Es war für; Ne Teile des jüdischen Volkes besonders eindrucksvoll, N;i die deutschen Juden» als eine emanzipierte und 1«l:11ilie1Te westjüdische Gruppe das Schicksal erfahren nilirn, dessen Möglichkeit von der Mehrzahl der deutschen jaden selbst immer wieder geleugnet worden ist. Aber i!las Interesse hieran ist letzten Endes nicht so sehr in;befohlen begründet als in der Erkenntnis, daß auch [her wieder ein neues Beispiel für das Bestehen ler Jude iifragG gegeben ist, und daß damit die )footmn, in der sich die Juden aller Länder befinden, Schwere unter Beweis gestellt wurde, was die deutschen Juden heute sehen gefährlich für sie, in einer Zeit, als es bst gut ging und die Jndenfragc in Deutschland /י einem Teil wenigstens nur latenter Natur war, [ihs Bestehen dieser Frage mehr oder weniger zu ■cui: n e 11, Es ist nicht weniger abwegig, wenn die dcutsehen Juden heute übersehen, daß auch ihre gegenwärtige Situation nur einen Sonder fall I aus einem allgemeinen geschichtlichen Vorgang I tiarsteilt, der durch die Zeiten hindurch und ן über die Länder hinweg das Schicksal der Juden 4 kennzeichnet.!!, . ץ ן iJ1c deutschen Juden müssen, so bedeutsam es für sic j'N sich mit ihren eigenen Angelegenheiten zu be* M'׳iflige11'‘"י,‘ ,״ wieder einen Blick dafür bekommen, |;fo cs eine J u d e 11 f r a g c a n d c r s w o gibt, und daß j / Sorgen, die sie selbst bedrücken, in abgcwandcltcr ׳״׳!;'."r״l auch auf anderen Teilen der Judcnhcit lasten. '!|r wenn diese Erkenntnis bei ihnen vorhanden ist, .j Nlll״c11 sie diejenigen Maßnahmen ergreifen, die für Ni / Zukunft erforderlich sind, und kann man insbeson* i|urc Illusionen vermeiden, die dann entstehen müssen, 'c״n man mir auf den eigenen engen Bezirk blickt, f ün Zusammenhang hiermit tritt immer wieder die l,raSc auf. welche Bewertung wir der heutigen Le*! 11'sforni der Juden geben. Es sind zwei Begriffe, die ■|;/ liicrhci gegenüberstehen: die einen sprechen von Nf, UsP ״ r a der Juden, ihrer Zerstreuung, und bczeich* M'Gkumt einfach die Tatsache ihrer heutigen territoriar '1111'ilmmg, und die anderen geben dieser Tatsache l|;״irclt ihre Benennung mit dem Worte Galuth, Ver* }v״fu״U einen Sinn, der an das Gefühl appelliert und MM!, an das ihm vorangegangene Leben im eigenen |MC> in Palästina, anknüpft. Nun handelt cs sich!ץ'/« gewiß nicht um leere Begriffe, sondern in der!1Mm verschiedene Wertungen des gleichen Zustandes, {M fobten Endes aus der gefühlsmäßigen Beziehung | '״tspriIZCl״Cn ^Ul5en ZU seincr ge8e״wärt‘8cn Lebensform Dabei geht es nicht so sehr um einen Streit über Uis rcl'cn־ Jetlcr» der beobachten kann und Verstand* uJ'j ßcscbichtüchc Vorgänge hat, weiß, daß die »urt i Judcn in ihrer heutigen Form materiell "Kulturell gefährdet ist. Niemand kann vorganzen ץ 1 I * a t s ך־־י״יץ ך״ייין r | jpitseae. -!\ jüill I!•M»*! ^V,S ׳"**"ן ך~ץךי״ן ן ץי״־ייי iji| i n n n M1 ■'■M 2»..«« ■•*•*י Ll«J Lwj mn.d»k 1.. ח נ fl מבי n UM־. .:׳.M? 3 L! «mJ Mi« | Lo'iiml trrnj «l| Staat Die Ereignisse in Kfar Saba Von unserem palästinensischen Korrespondenten, gl. Tel-Awiw, 11. April P)3t. K f ,1 r Saba, eine Kolonie im Scharon, das zum neuen Pflaimmgsgcbict zählt, ist seit einiger Zeit der Mittelpunkt .schwerer A r b e i t s k ä m p f c, die die Aufmerksamkeit der gesamten (])Öffentlichkeit auf sich ziehen und auch das Aktions-Comile bei seiner Tagung in Jerusalem mehrfach beschäftigt haben, ln Klar Saba herrschte bis vor kurzer Zeit wie im ganzen neuen Pflan/.ungsgcbict durchweg jüdische Arbeit. Als sich jetzt als Resultat der anschwcllcndcn Konjiinktiir und der nicht entsprechenden Einwanderung Arbeitermnngel einstellle, hat die Arbeiterorganisation diesem Gebiet ihre besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Sic fürchtete, daß sich, durch die Umstände begünstigt, Pflanzer finden würden, die arabische Arbeiter beschäftigten, und daß später, wenn der Arbeiterin,mgcl beseitigt sei, diese Lücken in der jüdischen Arbeit sich nicht mehr würden ausfüllen lassen. Es wurde deshalb gerade mit Hinweis* auf die Lage im Scharon ein Appell au die Arbeiter gerichtet, sich für die landwirtschaftliche Arbeit überhaupt und besonders ln diesen gefährdeten Bezirken zur Verfügung zu stellen. Dieser Appell tat eine gewisse Wirkung, genügte jedoch nicht. Die Arbeiter in der Stadt, die alle beschäftigt sind, zumeist mit dringenden Aufträgen, zudem durch die Konjunktur an hohe Löhne ge* wohnt wurden, konnten sich nicht leicht entschließen, ihre guten und festen Arbeitsplätze für einige Zeit zu verlassen und in die Kolonien zu gehen. Wenn sich trotzdem Freiwillige meldeten, so lag das an der mit viel Kraft und Verve durchgeführten Propaganda der Arbeiterorganisation. Es dauerte jedoch trotz alten Anstrengungen nicht lange, bis sich arabische Arbeiter in K f a r Saba zeigten. Sofort stellte der Arheitcrr.it der Kolonie vor den betreffenden Plantagen Wachen auf und versuchte, den Arabern das Recht der Juden auf diese Arbeitsplätze zt« beweisen. Es kam ftn Verlauf der Ereignisse zu schweren Konflikten. Polizei wurde in die Kolonie gelegt, es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Versuche, mit den Pflanzern zu verhandeln, scheiterten. Das Aktions-Comitö, das gerade zur Zeit der Konflikte in Jerusalem tagte, entsandte eine Kommission, um die Lage zu untersuchen und, wenn möglich, zu vermitteln. Die Kommission besuchte Kfar Saba, richtete wenig aus, er* stattete in Jerusalem Bericht, und das A.*C. faßte einen Be* Schluß für jüdische Arbeit. Damit war aber natürlich die An* gclegcnhcit keineswegs bereinigt, und die Schwierigkeiten in Kfar Saba häuften sich. Die Pflanzer betonen vor allem zweierlei: Sie erklären, daß die Produktion der Arbeiter in der letzten Zeit 90 stark gesunken sei, daß die Anlagen dadurch geschädigt würden, um! daß zuerst einmal hier Ordnung geschaffen werden müsse, ehe man über andere Dinge verhandeln könne. Und sic er* kkucri zweitens, daß sie zwar die Verpflichtung anerkennen, Juden zu beschädigen, daß sie sich aber zu nichts von de• Arbeitern zwingen ließen, auch nicht zur Erfüllung dieser von ihnen anerkannten Pflicht. In der Frage der Produktion des Arbeiters, srincr Arbeitsleistung, hat man unter den Arbeitern und den Pflanzern bereits seit langem beraten. Jede große Einwande* rung bringt cs mit sich, daß ungeübte Elemente das Arbeit»* nivciuj drücken, und damit ein allgemeiner Niedergang der Arbeitsleistung cinsetzt. Es wird vielfach auch unter den Arbeitern zugegeben, daß hier eine gewisse Normierung (in irgendeiner Form, über die man sich noch nicht einig ist) erreicht werden und damit die Frage der Leistung ein für allemal geregelt werden müsse. Im übrigen haben die Er* A!&$ dem Itikcdi: Das palästinensische Mietsgesetz — Bilder von der Eröffnung des Sfcff-Instltufes In Rcchowoth — Das Leben Ibn Sauds — Sephardlschc Hochzeit — Die Juden an den höheren Schulen — Schließung eines Warenhauses — Die Alijah aus Deutschland Beilagen: Von jüdischer Kunst (mit Bildern von Ludwig Mcldncr) — Sport-Rundschau (mit Bildern) — Berliner Rundschau cignisse der letzten Wochen eine Kampfstellung beider Seiten gebracht (die Erklärung, man werde sich dem Zwange nicht beugen, wirft ein helles Licht auf die herrschende Psychologie), und cs gibt anscheinend keine Stelle im Lande, die genügend Autorität hätte, die Angelegenheit rasch und für die Dauer In Ordnung zu bringen. Es ist Interessant, daß bei diesem Konflikt sämtliche Organisationen der Arbeitnehmer zusammen gegen die Pflanzer stehen. Auch die Revisionisten, die man verschiedentlich in letzter Zeit im Bunde mit Unternehmern und Pflanzern gefunden hat, kämpfen für das Prinzip der jüdischen Arbeit. Bisher haben sich die Konflikte nur zwischen Pflanzern und Arbeitern abgespielt. Die Araber sind sozusagen die stummen Zuschauer. Die Arbeiterschaft bemüht sich zu er* klären, daß sie sich in ihrem Kampfe nur gegen den jüdischen Unternehmer und nicht gegen den arabischen Arbeiter, sein Werkzeug, wende. Ob es auf die Dauer möglich sein wird, den direkten Konflikt mit dem arabischen Arbeiter zu vermeiden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls liegt an dieser Stelle noch eine spezielle politische Gefahr, die neben den anderen Komplikationen, die in diesen Konflikten auftauchen, keineswegs gering geschätzt werden darf. aussagen, bis zu welchem Grade der Prozeß Wirtschaft* lieber und kultureller Aushöhlung der Hauptmasse des jüdischen Volkes noch fortschreiten kann. Daß er trotz einer Scheinblüte in gewissen Ländern und zu gewissen Zeiten seit langen Jahren unaufhaltsam vor sich geht, ist evident. Und jeder weiß auch, daß der Abbau der geistigen jüdischen Substanz trotz größten Anstrcngun* gen, die ihm entgegengesetzt worden sind, gewaltige Fortschritte gemacht hat, nicht zuletzt auch in den Ländern des Ostens. Worum cs nun geht, ist die Frage, in welcher Richtung die Volkscrzichung, d. h. nicht nur die Bildung der Jugend, sondern auch die Beeinflussung des gesamten Gefühlslebens der Juden in der Frage ihrer eigenen Zukunft zu gehen hat. Es besteht auf der einen Seite die Hoffnung, daß durch eine große und konzentrierte Anstrengung, die an einem Punkt, nämlich in Ercz Israel, gemacht wird, auch die geistige Situation in der Galuth — und viel»• leicht sogar ihre materielle — so stark positiv beeinflußt werden kann, daß min aus den Kräften, die in den Jahr-!Hinderten der jüdischen Vergangenheit gewachsen sind, auch in den Ländern der Zerstreuung eine eigene jüdische Leistung hervorgehen und dort ein gesichertes jüdisches Leben entstehen kann. Manche von denen, die in diesem Sinne die Galuth bejahen, glauben, daß schon jetzt in einem Zeitpunkt, in dem jene konz.cn* 'trierte Leistung in Palästina noch in den Anfängen steckt, es zugleich notwendig ist, die Stimmung des Volkes dahin zu beeinflussen, daß es sich seinem jetzi* gen Leben gegenüber nicht distanziert, sondern auch hier alle Kräfte ohne inneren Vorbehalt lür die Schaffung jüdischen Lebens einsetzt. Demgegenüber bestehen diese Vorbehalte, die da* von ausgehen, daß die Lage der Juden in den Ländern der Welt heute so gefährdet ist, daß nur durch die Konzentration auf die eine große Aufgabe in Ercz Israel eine Sicherung des Judentums für die Zukunft möglich ist. Aus diesem Grunde müßten heute,alle Kräfte für diese Chance eingesetzt werden. Man erkennt wohl die großen Leistungen der jüdischen Galuth in der Vergangenheit an, man weiß auch, daß es letzten Endes Kräfte des Galuthjudentums sind, die Palästina wieder aufbauen sollen, aber man erhofft die entscheidende Kraft für die jüdlsche Zukunft doch nur unter den neuen Bedingungen, die auf eigenem Boden im Lande unserer klassischen Vergangenheit gegeben sind. Hieraus folgt ein gewisser Vorbehalt gegenüber den jü* dischen Aufgaben, die außerhalb Palästinas von unserer Generation zu lösen sind. Es besteht wohl die Notwcndigkeit und innere Verpflichtung zur Teilnahme an ihnen, aber sie werden nur als Palliativmittel betrachtet, die dazu dienen, den weiteren Verfall unserer alten Positionen hinauszuzögern. Der Zionismus umfaßt in sich als die große nationale Renaissancebewegung des jüdischen Volkes Strömungen verschiedener Art in bezug auf die Bewer* tung unseres Diasporalebens. Für ihn ist gegenüber der mehr psychologischen Differenzierung, die in diesem Problem liegt, viel wesentlicher die Frage nach Inhalt und Zukunft unseres Volkstums. Auch hier gibt es gewiß keine völlige Einheit in der Bestimmung dessen, was in Palästina werden kann und soll, bzw. was Palästina in dieser Hinsicht für die Gesamtheit des jüdischen Volkes zu bedeuten vermag. Es ist aber von den Anfängen der zionistisehen Bewegung an stets klar gewesen, daß der Weg der jüdischen Renaissance nicht erst jetzt beginnt und in einer geistigen Atmosphäre, die von dem entleert ist, was in der jüdischen Geschichte gestaltet wurde, sondern daß er seinem ganzen Charakter nach von der historisch gewachsenen Art der Menschen bestimmt wird, die den Willen zur nationalen Wiedergeburt in sich I,