Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 31 (17.4.1934)
- Date
- 1934-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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;.2w $t,Sl / Jahrgang 39 1׳ to3' **£ ךי״*ייו-ן r ה12 h 1 ::ל לר) ץ־ג r\ Nhi \ \ Cinriitnii» J| ך*״י־~ Wä /'? L״. ,,J *־» ןךי״יאן ׳ "«"*1 g*■'<"—■*■"»“■ן Preis HM-.25 ^יי"■/ \J ttir/y Ct־:'*/ An».»lg»n*»rw«Unng, B.rUnWll, 10 S.mm.l-Nr.) 1 ni.marck 3181/82,7185/70,7240/42. - D..״״,rrH. pro Monat UM 0״ז.־־.נ Q'״ 1*"״M 5•7י• ~ P״«arhack Kont.n dar AWn.m.nt.- Ahi.llung prtlln 71 573 (dir GroS * Berlin), B.rlln 17 392 <lttr d.. HM«. R.leh), Au.l.nd.. b.«i In I'*"111*״ L-nodp'wlhrmiR. — Kr.chelnt Jaden Dl.natag and Frallag. wmJ t1 ׳i1i 1-■- ב׳ אייר חרצ״ד DIENSTAG, 17. APRIL 1934 por Zionismus erstrebt fOr das jOdliche Volk dla Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Holmstitte ln Palistlne. ״Baeeler Programm•• *■*י*יn,,Mw||a|1MafcdiMH11^Ma,MBWwiiM^ww^jiHlan'i «..ג,.־־ » .• — - - ...—. . . . — _ A».*l(,nUrU1 Dia 12«Mp11t.na Mm1ma1.r-Z.il. RM -,20, Nlr S!«ll.n«»,Mh• RM -JO, für F.mlli.m1achrkh1״n RM -45■ Eloral.B«.!!«, nu, (a|« Vor.ua• •״' P״׳»th»d>-Komo B.rlln 7101« od.r In d.r Ar״.l«.n.Aan.hn>. Mont** bla Frtli.t 9—1« Uhr. Ann.hmr.rhlul Mir dla Dl»nrt.i Au»,.b. Mow.j 10 UW lür dla Fr<it.«-Au.ttb« Mittwoch IJ UKr (F.tnlllm.nialjMi bl. Doan.r.1.« 10 Uhr) ל׳ ך* go c.ia ) 1; / ׳׳■ '•mß V £״ -.»«״a*4l ClW'dPt^ u4m lylm, Motor inner!4933 tabra« lung ns?eise 5-7 Es ist gerade in bewegten Zeiten notwendig, ge• legentlicli auf die einfachen Grundwahrheiten «iriickznkommcn, die den großen Vorgängen im Leben der menschlichen Gemeinschaften zugrunde liegen. Nicht nur daß viele, die in einer Zeit ruhigeren Geschehens ihr privates Leben führten, ohne sich um die öffentlichen Dinge sonderlich zu kümmern, nicht immer das Verständnis für all das besitzen, was historisch geworden ihnen in einer Zeit des Umbruchs entgegentritt, auch 89 mancher, der gewohnt ist, gesellschaftliche Dinge « überdenken, sicht nicht immer die Grundlinie, die sich durch die Ereignisse hindurchz.icht. Spricht man heute mit deutschen Juden über die lionistisclie Idee und ihre Verwirklichung in Palästina, so stoßt man wohl auf sehr viel Verständnis für unsere aktuelle Arbeit, aber zugleich auf ein Maß von Un• ke ת n 111 i s der Vergangenheit, das oft erstaunlieh ist. Für viele beginnt die Geschichte des Zionismus mit dem Frühjahr des Jahres 1933, als ihnen nun ersten Male die Judenfrage brennend vor Augen trat und die zionistische Lösung zwingend einging. Diese Kreise des deutschen Judentums —- nicht die schlechtesten und sehr oft mit dem Willen begabt, über l'ckoiuitnisse und Formeln hinaus zu einem fundierten julcscin und einem lebendigen Judentum zu gelangen -- waren bereits seit ein bis zwei Generationen von allem Jüdischen weit entfernt, ihre geistigen Interessen lagen milkrhalh des jüdischen Bezirks, und ihre Bildung wies auf unserem engeren Gebiete eine gewaltige Lücke auf. Die Unwissenheit eines großen Teiles der deutschen Juden über jüdische Dinge war wenigstens in der Generation, die in der Vorkriegszeit jung war, noch außerordentlich groß. Und wenn es auch bei denen, die in der Nachkriegszeit ihre Erziehung ganz oder teilweise durchgcmacht haben, unter dem Einfluß des sich vor־ bereitenden Umschwungs bereits etwas besser geworden ist, so darf man auch ihre Kenntnisse von jüdischen Zusammenhängen und jüdischem Kulturgut nicht überschätzen. Dies steht in einem merkwürdigen Gegensatz nt der Meinung, die heute weite Kreise der Umwelt über uns haben, daß nämlich eine starke Verwurzelung der Juden in jüdischem Wissen vorhanden sei. Für den Zionismus entsteht so die Gefahr, daß viele derrrsche Juden ihn in gewissem Sinne als ein Produ kt der Umwelt empfinden. Wir sehen in Deutschliad und in Europa eine starke nationale Welle, die Rückkehr zu den Begriffen von Volkstum und Gemeinschaff, von bodenständiger Kultur und Wirtschaft, und « liegt daher nahe, die zionistische Bewegung als eine Wider- Spiegelung dieser Vorgänge im jüdischen Volke zu empfinden. k mag sein, daß Juden von einer solchen Meinung aus nt einer Bejahung des Zionismus, seiner Erzichungs* ״heit und seines Aufbauwerkes in Palästina gelangen. mag auch sein, daß aridere ihn unter diesem Gesichtsfunkt als eine Erscheinung der Angleichung an die Umgebiing ablchnen, weil sie das Bedürfnis zur DiffcrendcrU'ig heute stärker denn je empfinden. All diesen Ansichten gegenüber muß gesagt werden, daß sie grund- *egend verfehlt sind. Gewiß enthält die zionistische Bewegung als Versuch einer nationalen Renaissance des jüdischen Volkes *״ *!len seinen Teilen Elemente, die auch in den heutigen nationalen Bewegungen der Völker Europas wirksam jjnd׳ Besonders in seiner westlichen Ausprägung der Zionismus es immer empfunden, daß er eine ״postassimilatorischc“ Erscheinung ist, d. h. von Mensehen getragen wird, die Emanzipation und Assimilation creits erlebt haben. Sie sahen, wie seit dem Beginn 19. Jahrhunderts zugleich mit den Tendenzen, die (lne Auflösung der nationalen Organismen!“m Inhalt hatten, die in Wirtschaft und Gesellschaft ™«׳nationale Bindungen schufen, diejenigen Kräfte wirk- '5," wurden, die ihnen entgegen in der Erfüllung ־'• nationalen Lebens das Ideal sahen, natio- } * Staaten anstrebten und im Geistigen Einwurzelung c* Einzelnen in seinem Heimatboden als Voraussetzung schöpferischer Leistung empfanden. Unter dem Eindruck dieser Idee und gleichzeitig unter dem Druck, der für die moralisch Empfindsameren die Tatsache der Juden• feindsehaft schon damals bedeutete, entstand ein natio• naler Wille unter den Westjuden, und sie schlossen sich dem Zionismus an. So ist etwa Fichtes Ideenkreis in gewissem Sinne eines der Elemente, das auf diesem Wege in den Zionismus cingegangcn ist. Aber wir dürfen nicht verkennen, daß gegenüber diesen geistigen Wurzeln der jüdischen Nationalbcwc• gung, die sic in eine Parallele mit den Bewegungen der Völker Europas setzt, andere Elemente in ihr wirksam geworden sind, die sie deutlich gegen andere Volksbewe• Rtiiigcu dieser Art abgrenzen. Die Mehrzahl der Juden, die sich dem zionistischen Ideal und dem Aufbauwerk in Palästina /!!gewandt haben, befand sich in einem gesellschaftlichen und geistigen Zustand, der durch die Assimilation noch nicht hindurchgegangen war — sie brachten so In die zionistische Bewegung das Erbgut eines jüdischen Volksgefühls ein, das weniger durch Reflexionen geleitet war als durch die Tatsache des als unzerrissen empfundenen Bandes jüdischer Tradition und der. gewiß anormalen, aber doch sehr starken Wirkiiehkeit eines jüdisch gestalteten täglichen Lebens. Und dieses Element ist es, das auch heute die zionisti• sch«■ Bewegung in allen ihren Teilen maßgebend becin• flußt; es ist gewiß mit dem aus der Umwelt zu 11ns Gekommenen verwachsen, aber es bestimmt entschei* dend das Gesicht unserer Bewegung, Wenn heute im Zionismus eine Auseinandersetzung über die Formen geführt wird, in denen die Verwirklichung erfolgen soll, und wenn gegenüber Erscheinungen, die die Methoden des politischen Kampfes der Umweit auf unser Lager übertragen wollen, von allen aufbauwilligen Kräften im Zionismus so energisch Front gemacht wird, so geschieht dies nicht zuletzt aus dem gesunden Empfinden dafür, daß die jüdische Renaissancebewegung aufs äußerste gefährdet werden muß, wenn sie ihren autonomen Weg verläßt und sich Methoden verschreibt, die niemals der gesellschaftlichen und der geistigen Lage des jüdischen Volkes zu entsprechen vermögen. Diese Erbschaft eines quantitativ und qualitativ reiclieren Judentums, als es das westliche und das deutsche ist, im Zionismus in modernen Formen lebendig' geworden, führt uns weit über das Jahr 1933 zurück Einwanderung und KapitalziiHuß nach Palästina im Februar Jerusalem, 12. April. (Jf. T. A.) Wie die ״Official Gazette‘׳, das Amtsblatt der Palästina-Regierung, mittcilt, sind im Februar 278') Einwanderer, unter ihnen 2756 Juden, nach Palästina gekommen. Von den neu Eingewanderten ge• hören 356 der Kategorie A an, für die ein Mindestkapital von 1000 Pfund vorgcschricbcn ist. Die Palästina-Regierung gibt bekannt, daß ihr Vcrwalt u n g s ii b e r s c h u ß von 1 230 295 Pfund am 1. April 1933 aut 2 153 732 Pfund am 1. April 1931 gestiegen ist, sich somit im Laufe eines Jahres verdoppelt hat. Die Einnahmen der Palästina-Regierung in diesem Zeitabschnitt betrugen 3 531 220 Pfund. Der Ausschalfungsprozeß in Oesterreich Wien, 12. April. (J. T. A.) Der Juden,msschaltungsprozeß geht in Oesterreich konscc|1te11t weiter. Heute wird die Konstituienmg des Vorstandes der Gewerkschaft der Angestellten in den Geld-, Kredit- und Vers i c h e r u n g s i n s t i t u t c n gemeldet. Diese Berufsgruppen bestehen zu einem erheblichen Teil aus Juden, und in den aufgelösten Freien Gewerkschaften der Bank- und Sparkassenbeamten, sowie der Vcrsicherungsangestcllten waren auch Juden in den Vorständen vertreten. In dem neu konstituierten Vorstand der Gewerkschaft ist kein Jude mehr. Die österreichische Gewerbesperre Wien, 11, April. (J.T.A.) ln einer Versammlung der christlich-sozialen Kauflcutc ln Salzburg führte Handelsminister Stockinger u. a. folgendes aus: z,,Gewisse Gewerbegruppen haben durch eine IJeberflutung seitens nichtbodenständiger Elemente Schaden gelitten. Durch die Gewerbesperre haben wir gegen eine weitere Ueberflutung• einen wirksamen Damm aufgerichtet.“ und verankert unsere Bestrebungen nicht nur etwa In den Gedankengängen des 19. Jahrhunderts, sondern in den Kräften, die die ganze jüdische Oeschichte bestimmten. Es geht daher nicht an, sozusagen einen ״kurzfristigen“ Zionismus für sich zu akzeptieren; Jude sein, Zionist werden muß mehr bedeuten als Parolen des Tages zu folgen; cs muß eine Wiedererweckung der Im jüdischen Menschen liegenden Kräfte zum Inhalt haben, muß Zionsliebe, Chibbath Zion, auch im Herzen der deutsehen Juden wieder entzünden. Gewiß sind wir Zionisten Realisten. Wir sind sogar die einzigen, die in unseren Tagen dem jüdischen Volke Nach der A.-C.-Sitzung — Kaschrulh In den palästinensischen Arbeiterküchen — Frühllisgsrelse in Erez Israel (von C. Z. Kltitzel) — Dag Galulhproblcm (von Dr. Gustav Löffler, Frankfurt a. M.) — Der Konflikt ln Arabien — Die Abreise (ein Romankapitel von S. J. Aßnon) — Die Frage der Betrlcbslührcr — Der palästinensische Außenhandel Beilagen: Kinder Rundschau — Berliner Rundschau Hebräischer Fernunterricht etwas Reales zu bieten haben, eine Aufgabe, die das Lehen, unserer Generation zu erfüllen vermag. Aber wir sind zugleich erfüllt von der vollen ״Utopie“ eines sich seihst erneuernden Volkes, das in den Werken des Tages mehr als das Seh- und Meßbare schafft, das sich wieder. cinsammelt aus der Zerstreuung nicht nur im Sinne einer rein physischen Sammlung, sondern auch im Hinblick auf die Elemente des Geistes, die durch die Jahrtausende hindurch von uns getragen worden sind. In diesem Sinne ist auch für das deutsche Judentum, mag Palästina noch so sehr Realität geworden sein, die Entscheidung zum Zionismus zugleich eine Entscheidung zur Idee, die das Leben des Einzelnen unter eine große Spannung stellt und es nur dann sinnvoll werden läßt, wenn man sich nicht nur materiell und ökonomisch, sondern auch kulturell und sittlich um dieses Judesein bemüht. Es ist daher mehr als oberflächlich gedacht, wenn heute jüdisehen Jugendlichen von Interessenten gesagt wird, sie seien deshalb ״Idealisten“, weil sie Nichtzionisten sind, im Gegensatz zu denen, die den realen Weg Palästinas gehen. Hier liegt eine Verkennung der wirk« liehen Tatsachen vor. Eine Sache ist nicht deshalb idealistisch, weil sic keine Aussicht auf Verwirklichung hat, und nicht deshalb realistisch oder gar mate• rialistisch, weil sic auf dem Wege des wirklichen .Werdens ist. Es Ist vielmehr so, daß es Losungen gibt, die zu nichts verpflichten, und andere, die In jedem Zustande den Menschen unter das Gesetz eines Handelns zwingen. Zu diesen aber gehört der Zionismus, mochte er nun eine reine Erzichungsbewegung sein und die Vorbereitung auf die Zeit des Umbaus des jüdischen Volkes auf seine Fahne geschrieben haben, oder mag er bereits den Weg der Verwirklichung betreten haben. In jedem Falle bedeutet er keinen bequemen Ausweg für den und jenen — wenn auch vielleicht mancher in unserer Generation dem Irrtum verfallen ist, daß er ein solcher Ausweg wäre —, sondern er ist stets eine Entscheidung, deren Beginn man wohl kennt, weil am Anfang Erkenntnis und Bekenntnis stehen, deren Macht für die Gestaltung des eigenen Lebens aber nicht überschaubar ist. Es ist die Kraft des jüdischen Volkes und des Judentums, die sich in Jahrhunderten und Jahrtausenden angcsammelt hat, die sich heute in einer großen Aufgabe konzentriert, und die auf den, der sich ihr nähert, mit aller Gewalt einwirkt. Darum ist der Zionismus menschlich umformend, und darum wird er auch das deutsche Judentum, soweit es von ihm erfaßt ist, tiefgehend wandeln: Er wird es in den lebendigen Ablauf der jüdischen Geschichte einbeziehen. K. L