Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-04-05 · Heft 27-28 (5.4.1934) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 27-28 (5.4.1934)
Date
1934-04-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653477--25051-2682164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLINER RUNDSCHAU Nr. 27/28, J. APRIL 1934 M*fcj שלח שוב י- 3 &{י9 oj*& ־־R הי" Itcfu $ש ך 7ו du Zun• יפוז r da* (den (א. ו «der »“8). '0»t™ erden üüfett &ufnn*?fsler pp>1 a» oldv. nissi• Fan• vsky. Lehr• 11 c• n e f Ein• und clircr ann. ner- . I'ür .g;«(L1, nach •1'HI'־ .11r.cn Uhr ויזיין .'olks• rank־ p,\’011 Mitl'hr, April, bürg• Uhr, ,.Au» ulturichm. In, in o'cph 4anna.D. vor• 1 von 1 •m den U n, Seder der Dreihunderifünfzig F״r jeden, der schon von Kindheit an jüdische Tradition kennt, ist der Scileiabeiid eng verknüpft mit der Familie und der liiins iclieii Atmosphäre des Pessaclifostcs. In diesem Jahr jedoch drängte es sehr viele Menschen, die noch n i c ־ niäis einen . 0 d e r mitjjeiiiaclit halten, zu diesem sehönen j״le Inn; uralte mul laitpst im Unbewußten verloren ge- ״laiihle 110/ic Innige 11 zu jüdischen Dingen sind an diesem [Y,־״׳leidest 111 rausenden von Mensehen wieder w,u׳h geworden• Aller das Interesse^ allein reicht nicht ans; man mutt es auch verstehen, einen Seder zu machen, und sehr viele verstehen cs eben noch nicht. In richtiger Erkenntnis dieser Jjchlaijc hat die B e r 1111 e r J ii «I i s c 11 e O e 111 c i n 1t e eine Anzahl von gemeinschaftlichen Sederaheiuien veranstaltet die alle außerordentlich begehrt waren. Wir haben den Seder mit«lebt, den die Synagogonvcreiuigimg des Friedenstenipels ausrichtete; für 300 Menschen hatte man Platz fchalfen können, viele Hunderte jedoch konnten nicht mehr berücksichtigt werden, Der große Saal erstrahlt in festlicher Beleuchtung scclis lange Tafeln sind aufgeslcllt, einladend blitz,11׳ die Oe• dicke. und auf jeder 1 nfel steht überdies ein großer Leuchtcr, dessen tlaekerndc Lichte eine eigene Festesstimmuno verhielten. Auch die Mensche״ dieses Abends sind festlich Ptkh’idct tmd feierlich gi'stiiniut; l.rwartung und Spannung lieuen in iliren Mienen. Zumeist sind cs eine oder mehrere | iunilh'11, die sich /usaiiimcngesdilossen haben, 11111 den Abend l'icr gemeinsam zu verInInpc 11. Aber im Verlaufe des AIh'imIs scheint es fast, als verschmelze diese Masse einander unbekannter Menschen zjt einer großen einheitlichen 1' a miiic, die sieh znsnmim'iigefiiiulen hat durch die alten Melodien, durch die merkwürdigen schönen Bräuche und durch das imcrklärbare Gefühl des Verhundeitscins mit einer uralten Vergangenheit, Rnbb. Dr. Prinz leitet den Abend durch einen kurzen historischen Rückblick auf die Bedeutung um! Entstehung des Pcssachfcstcs und aut den ursprünglichen Sinn der einzelnen Bestandteile der Scderschüsscl ein. Mit großer Aufmerksamkeit folgten alle dem Vortrag der Wagnda durch Oberkantor N e u m a n n und sangen kräftig mit. Der Stil eines ־ alten jüdischen Scderalicn ds wurde mich dadurch einigermaßen gewahrt, daß F)r, Prinz nt! einzelnen Stellen die yorlesnng unterbrach tmd Erklärungen oder Crfai/tingon einfügte. Folgerichtig hätte nun auch jeder An• wc-emle das Recht zu fragen erhalten müssen; dies war aber M!miich bei der Menge der Menschen praktisch nicht inöglieb, t itizelue schöne alle Bräuche wiederum verlieren sich leider in einem so großen Kreise. So gab es z. B. nicht die inr den Propheten Elija hu geöffnete Tür; ein Brauch, der in engen Familienkreisen eine besonders tiefe Wirkung audibt. Nach der Mahlzeit fand vier Seder seinen Höhepim kt in den abschließenden 1 iedern ״Bacha/i hnlajla", ״Ki 10 nach“, ״Adir 1111“ lind ,,Uh,ad gadja“. Ein besonders feierlicher Moment war es, als das ״Laschanah liabaah“ getagt wurde; man spürte die innere Erregung, die sich über alle_ misgebreitct batte; so mancher dachte wohl an Anffliörige, die bereits in Erez Israel leben, und mancher andere legte sieh die Frage vor, ob dieses Wort an ilun in diesem Jahre wohl Wahrheit werden würde. Keiner verließ diesen Scderabcml ohne das Bewußtsein, fach diese gemeinschaftliche Ausübung alter indischer Bräuche etwas von dem stets gleichen Sinn unserer Ufoim-lite in sieh erfahren z.11 haben: von dem ewigen l eid und der nie versiegenden Freude des Juden. Seder hcdeutete so allen mehr als ״Ordnung“, in wörtlicher lieberlet/iiiig; er wurde zu einer neuen Einordnung i!1 die jüdische Ociiicinschaft. N, »Tev/cT. eine jüdische Schauspieleriruppe ״Henkt nicht, wenn Ihr uns sollt: Wir Kinder wußten nicht, was uns geschieht 1“ so rufen im Chor die Kinder deutscher Juden ihren Eltern zu. Und dennoch — fa konnte man allenthalben hören! — sah man selten so viele strahlende Gesichter und hörte selten so viele jubelnde kimicrstiuimen wie in diesem Winter, wenn man durch eine der zahlreichen Kinder■ und Schulfeiern sich durchschlug:?11 riinmikkah, >11111׳ Chamischah Assar, zu Purim... Oowiß gehiilirt das l lauptverdieust bei diesem erstaunlichen Vor* f'siige neben der Beweglichkeit vier Kleinen selbst der l'idischon Schule und ihrer Führerschaft, die es — j'ianchmal unter eigenen Opfern an Mühe und Zeit und . . . «Iirstoft — verstand, den Kindern das innere Gleichgewicht?•1 erhallen. Einen großen Anteil an diesem Verdienst aber ht auch eine jüdische Schauspieler-Truppe, die fast *Hc diese Kinderfeste mit ihren Darbietungen erheiterte und verschonte. Das ist die Gruppe ״T e w a“, deren Mitglieder?וחיי grollen Teil Ciialuzim sind. Geleitet wird sie von pr, Arie Sborowitz, 11er schon als Student eine Spieltruppe gegründet hatte, die z. B. zum ersten Male in Deutsch- .1״ז ,Bariali auffiihrtc. Die prachtvollen Figurinen, denen üc ein_ gut Teil ihrer Wirkung verdankt, sind von Anpi annrowit/ ausgeführt, die nach einer künsticrischcn Ausbil*?"״g durch Berliner und Weimarer Kunstschulen 11. a. auch (ler ״Schule der jüdischen Jugend“ den Werkunterricht er-!nit hat. Mit den bescheidensten Mitteln verstellen cs diese lungcii Menschen, mit ihren Stricken ״Salomos Zaubcrgartcn“,?" dein der junge jüdische Komponist Wolfgang Brün die ״'ychmal sehr sehla׳׳kräftigc Musik schrieb, und der alt* ®ehehten ״Arche Noah“ (deren Texte beide Male von Albert "1'd Kate Baer verfaßt sind) unauslöschliche Wirkungen bei r״m kleinen Publikum hervor/ubringeu. Oft spielen die sinder, fast ohne es zu wissen, selbst mit . . . und die tinheit zwischen Bühne und Parterre stellt sich in geradezu klassischer Weise her. Den Schlager vom ״Necken und tecke«״ aus ״Salomos Znubcrgarten“ singen alle Kinder, 7cn» sie nach Hause gehen; und die alten Kinderheder?,זז Kuh mul des Königs Og von Basclian aus der Arche ״oa י finden nicht minderen Beifall. Es wäre sehr, zu befrußen, wenn die Truppe ״Tewa“ ihren Plan verwirklichen 0״mite, in eiert nächsten Monaten auch andere Staute zu “i’sticlien und andere jüdische Kinder mit ihren, Wundern zu “heuen. Aber die Mitglieder gehen zum Teil auf Hach- *fair,ah tmd können nicht mehr mithalten. Hoffentlich finden h i 1R'״e, künstlerisch begabte junge Menschen, die ** •°ckt, sich an diesem schönen Werke zu beteiligen, *i»• *?“ htactlthche Krankcnhctm, Berlin N 24, Elsässer Str. 85, mel- ׳'״ «l.üi die Sidle einer Sutio.Hscluvcstcr, die das Ilebammcnexamcit 1 **L'b'gt liabcn muß, neu zu be.clz.cn i't. —- Außerdem wird d.oau « ״"'Rcwiccn, daß in allen Abteilungen vollkommen freie ArzlwalU I '1‘"sfalirt ist, *ס jalj ais0 jcjcr i’alicnt sich von «einem bisherigen fi c־*! cmcui von ihm gewünschten Arit behandeln lassen kann, icr- I bLglbt da* Kuratorium erneut bekannt, daß «ne C-esehwu st- I 7»*w?«lelle, unter Leitung von Dr. Albert 1 K ®pwchstunden! Montatr und Donnerstag von 9 bis 10 Uhr. Jüdische Atusik im Kiilturluiiul. Die ״Variationen filier einen palästinensischen Volkstanz“ von Israel Brand mann, die 'I miln־ in den Kiiltiirbimdkonzcrteii nnffiihrte, müssen von mimlcsfens zwei Seilen aus beurteilt werden: nach dom Werl ihrer Tendenzen und nach dem Wert ihrer Gestaltung. Br,1111)111־;uni ist einer von den wenigen jüdischen Musikern, die iiuvli einem betont jüdischen Slil streben. Derjenige, der in der Dynamik Erez-Isracis steht und von ihr ״ergriffen“ ist, hat es leichter, sie zu begreifen und sie durch ein kirnsttorisches Medium niis/iisprecheii. Der Wiener Branclinann hat, um auf den richtigen Weg zu kommen, einen Volkstanz, des Landes als Grundstein für sein Gebäude genommen. Lr hat dann in Variationen versucht, die rhythmischen, harmonischen und melodischen Kräfte bloß/ulegen und neuztigesf iHen. Fr verwendet für ein orientalisches Kolorit Piz/i• eati, Elageok'Uöne, liegende, bonhinailGc Stimmen, rczitativische Elemente. Fine orientalische Landschaft und Geste kann auch mit europäischen Sinnen echt nachempfunden und naehgezclchnet werden -- es muß nur mit wesentlichen Mitteln ,geschehen. Bramlmaun hätte mit einer zielstrebigeren harmonischen Entwicklung, einer strengeren Beziehung der einen Variation zur anderen aus dem Thema mehr herausholen könne״, als ihm wirklich gelungen Ist. — An der fol- Ronden 3. Symphonie konnte (ler Dirigent Michael Tattbc zeigen, welche tiefen Beziehungen er zu ״cifulller", ins I raiiszoiKlonte reichender Musik hat. Er weiß, daß bei Brahms das Altvaterische nicht der Güte, der mitreißende Schwung iiichi der norddeutschen Zähflüssigkeit entbehren darf. — Solbten waren einmal Ewel S t c g m a 1111 mit Haydns Cello* kou/ert in D-dur, ein andermal die Pianistin Heida Herr- 11' a 11 11 s, deren Impulsivität den miisikantischen Teilen von Mozarts A-dur-Kon/crt zugute kam. Dr. Hans Nathan. Solistin des vierten Konzertes im März war die Pianistin Grete Sultan. Sie spielte das erste Klavierkonzert Beethoven.s, C-dur, mit der unbeschwerten Miisizierfreudigkeit, deren es bedarf, ohne dabei die sich hier schon ankfindigende Romantik aus/uschsdtcn. Ihre ausgeglichene Technik, ihr modulationsfäliigcr Ton, verbunden mit selbstverständlicher Musikalität, errangen ihr einen stürmischen Erfolg. Rosenstock ,führte das klangschöne Orchester mit gewohnter Sicherheit und Präzision, Dr. Osk a r G 1111 in an n. Zweite Aufführung des ״Ellas". Die imigebildete J li dischc U h o r v e r e 111 i g 1111 g bat, in Verbindung mit der schon einige Jahre bestehenden Jüdischen Orchester- Vereinigung, hei der wohlgclungcncn Wiederholung des Mcndclssohnsehcn Oratoriums ״Elias“ gezeigt, daß sic ein disziplinierter Klangkörper ist, der sich ohne weiteres an ein so schwieriges Werk heranwagen darf. Die Chöre wurden mit Ausdruck und tonschöu und, wo cs nötig war, mit Kraft und Fülle gesungen, beeinträchtigt nur, wie leider die ganze Autführnng, durch die überaus schlechte Akustik der Fasanenstraßen-Sviiagoge. Ein dauernder Nachhall störte namentlich die Forte-Wirkimgeii. Julius Peiß ach owltsch nahm die Titclpartie seiner Stimmveranlagung nach mehr von der Ivrisehen als von der dramatischen Seite. Er traf den oratorischen Stil recht gut und sang mit Geschmack und Ausdruck. Mas Mansfeld sang mit weicher Stimme — auch er mehr Lyrikor als Dramatiker — ausdrucksvoll die Tenor-Soll. Eine Netgtmg zum Vorschleppen der Tempi müßte er bekämpfen. Von den Damen, unter de icn Paula E i n d her g.weit hervorragte, verfügt Alice 11 1! ה n e s - C a s s I e r e r Uber eine gut gebil- «!etc, nur etwas kühle Stimme, während Alice Oelsen her g ihre Technik und ihre Gestaltungskraft noch *ehr vertieten muß. Manpicrita Vogels dortf-Seeken tmd Else Locwen reichten selbst für kleinere Partien kaum aus. Der Ihngeut I co Kopf, dessen unermüdliche Arbeit durch einmütiges Erheben von den Plätzen anerkannt wurde, darf mit dem vorläufigen Ergebnis seiner Mühen zufrieden sein. r. n. 3. Abend des Neuen Streichquartett». Das Neue Streichquartett (Frey, Prager, Meyer, Weil) hat sich durch seine gewissenhafte künstlerische Arbeit einen Kreis treuer Freunde erworben. Das eiritte Konzert versammelte in der Singnkademie eine ungewöhnlich große Zahl von Menschen, die den intimen . Reiz einer Kammermusik zu sciiätzen wissen. Verglichen mit dem Stand vom Winteranfang Ist das Klangbild des Ensembles viel einheitlicher geworden; die Violinen sind nun in das Ganze einbezogen. Es wird nach wie vor mit schmalem, aber weichem Ton musiziert, mehr zart als üppig, mit sorgfältiger Phrasierung. Das E-molI-Quartett von Smetana, das Klavierquintett von Brahms, das Forellenquintett von Schubert (Kontrabaß: Rudolf Levy) wurden nicht nur mit Gepflegtheit, sondern auch mit Bemühen um stillst!• sehe Treue gespielt — nicht ohne Hilfe von Joset Rosenstock, der bei den zwei letzterwähnten Werken am Flügel saß. Es wäre 711 wünschen, daß das Quartett seinem Interesse für moderne Kammermusik von Juden — wie früher — wieder nachgeht. Es könnte so seine Kräfte In den Dienst bremumd aktueller Kulturarbeit stellen. n. Jüdische Schule Klopilockitraßc — K«l10rd*nun. Nach den Oslerk'ticn v.־iui der grsnmie UntcoirlitstietricH nnrtv Kni'W'rriamm 28 »er* legi. Dir Srlmle licginnt wegen de» Umbaus erst *in 19. April, 9 Uhr. Während der Ferien linden keine Sprechstunden statt, Anträgen nur frliriflilrh nach Kaiz-rdamm 78, — Sprechstunden der Leiterin *b Ifl. April, zwischen 12 und 13 Uhr, Kaiserdamin 78, Tel, Westend J 3, 209*. der Junnpruppon dor B2V DAS JÜOJÖLK UNTEUE6S" DlaQRta«, don 20. April 1934, JUff Uhr, Im Palal» (loa Cmtnm, Ro«*nth*ler Str, 36 E• •״ק*•»: Martin Bandmann, Joachim Prinz, S.Tachartok Sprnch-Chöra BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIOUNO Junggruppon! Frlodrlchahaln, JnnnowitzbrUcko, Centrum ״ÄDLOJÄDÄ" /׳ Ein Volksfest In Tel-Avhr Bildbericht van den dlealührlgen Purlm-Vciar■ Snlrlt Friedrlchahat• lirim, Lamlrhetr•» Str>8• 87, «. April, 16 Uhr für fändir. X-eilunf.- Freu D». We|»l. Dnlrk HitnsiplRtx Schule, Sigmund-hol U, 11. April, 20.3ü Uhr Itnlnrr.‘ Kurl Hosenher*. Arbeltrsemelrachtklt nIrrUH KSnig von rortuiet, Burfatrat* M, 10. April, 20JO Uhr Rl'lnrr: F. 1 n Itt, Bnirk Kr*uxberf(-Tems«lhal S<hut(hellt ßr»u»ret, UthttrleldnStr.lI, 9• April, 20.30 uhr ii*<in,r. I. iiaab, Bezirk Neukölln l’»M״r.e-Fe>1»iile, Den;*tr»8« ISl-152 h. April, 20.30 Uhr <U־Bhl. Berrstr.) Rtdniri Dr> W*li», Bezirk Savlgnyplat* Heim, K>nt-8rr*8e 54, 10. April, 20.30 Uhr ltninrr׳ Dr, Witzi, Bezirk Sehmareezidnrt f*BIHa Vikmrtacen•■», Wtlbeh■!«»* M4, U. April, 20.30 Uhr Huhur: F. iaaah, Ifauskonzcrfc. In einem Hatiskonzert gedachte man des vor 18 Jahren in Berlin verstorbenen jüdischen Komponisten Friedrich Gernsheim. Die ans den nachgelassenen Manu- Skripten gebotenen Werke, eine V'ioLnieello-Son ile!>111011, kurz vor dem Tode komponiert, und ■t I iciler fügten dem feststehenden Bilde (1er iisheims neue Züge kaum hinzu. Seine von Dr, Hans Nathan in seinen einleitenden Sätzen mit Recht betonte Abhängigkeit t on Brahm* wurde deutlich, in den Liedern klingt cs manchmal nach frühem Richard Strauß, Da* hebräische 1 ied ״Llohcmi" für Violoncello und Klavier hat außer seinem Titel keine Beziehungen zum Judentum. Ls ist deiitsch-romantisdie Musik, von einem großen Könner einfallsreich und klangvoll gemacht. Professor Bruno Eisner und Hermann Weil spielten die Instrumentalwerke vortrefflich. Ihrem knnzertmäßig großen Ton wäre ein vielfach größerer Raum ebenso angemessen gewesen, wie der großen Stimme Olga E i s 11 c r s, die die Lieder mit Empfiiuluug'iuul Ausdruck gestaltete. — An demselben Abend sangen in einer Veranstaltung im Gruncwnkl die Sopranistin K o c h - S t a b i n s k i mul «ler Tenor Merkowitz. Die Sängerin sang mit schöner, jugendlich-dramatischer Stimme, tlic sic unbedingt auf die Buhne weist, sehr ausdrucksvoll unter anderem die Arie der ״Tosca", Herrn Berkowitz׳ Stärke sind jüdische Gesänge. Die echt kautoralc Art seines Vortrags weist ihm den Weg seiner Betätigung. O. ü. Zwei Konzerte. In «lern Konzert im Bcchsfelnsaal am 4, März batten nur die ausgezeichnete I iedbegleitung von Gerhard Goldschlag und die Kompositionen von I eo Levy da* Niveau, das man unbedingt von einem öffentlichen Konzert verlangen muß. Dieser vertont Lönssehe Gedichte entsprechend volkstümlich, schreibt einen klangvollen, maßvoll modernen Quartettsatz 11ml findet im 123. Psalm eine von Herzen kommende musikalische Einkleidung für die Pein *eines Volke*. Dr. Misch unterschätzt sicher nicht die Schwierigkeiten, die die alten Madrigale bieten; aber es bcdnrt noch einer weiteren monatelangcn minutiösen Schulung aiisgewähilcr musikalischer Sänger, bis mau damit vor eine kritische Ocffcntlichkrit treten kann. Selbst kleine Cliöre von Mendelssohn oder Brahms bereiten noch tonlicbe Schwierigkeiten. Das an sich nicht üble Material des Baßbaritons Fritz K a 11 f f in a n n muß ebenfalls erst intensiv geschult werden, bevor die noch ganz im Hals sitzende und nicht tragfähige Stimme ein solch anspruchsvolles Lied- und Aricnprogramm einigermaßen nnshält. Da* mitwirkciute weihliehe Streichquartett hat eine Zukunft, die Damen iniisizieren mit Geschmack und Können. — Tags zuvor wirkte in einer der Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde ״Freude im Winter" in der Synagoge Rykestraße der ganz vortreffliche Violoncellist Ewel Steg!11 an mit. Die Altistin Toni Goldschlag sang mit schöner, aber noch nicht völlig freier Stimme vier romantische Lieder ihres Mannes. Dr, Oskar ü u 11 m a n n. Der Wclnbaumschc a-cappella-Cbor gab vor einiger Zeit Unter Leitung seines Dirigenten ein Konzert im Dccthovcnsaal. Er zeigte sieb als einheitlicher und disziplinierter Klangkörper, mit gepflegten Stimmen. Das Programm war auf deutsche Musik abgestimmt. Die Interpretation, die für Braluuschc Chöre Geltung hatte, hätte nur nicht aut Musik des 15. und 16. Jahrhunderts ausgedehnt werden sollen. Durch eine gefühlsbetonte Dehnung der vielen Binnenkadenzen kann leicht der Fluß des Ganzen gehemmt werden. Das Minnespiet (für Frauenstimmen und Harte) des Modernen Hugo Herrmanti neigt mehr zu Imprc^iouistischoin Mattglanz als zu linearer, asketischer Strenge; es verrät eine sehr eingellende Kenntnis des Chorklaagcs, Der Harfenpart wurde von Ilse Nathan sauber und verständig ausgefuhrt. Stefan Freukel spielte einige Bravoursiuckehen; das Format dieses Geigers kann erst hei wichtigeren Aufgaben ganz zur Geltung kommen. — Von einem Hauskmizert, bei dem u, a. Ignaz Waghaitcr und Paul Uclitenstcrn mitwirkten, sind Duette, von Paula 1 indherg und Julius Pclssachowitsch gc- Rungen, bemerkenswert. Die beiden Stimmen ergeben einen homogenen Klang, da sie eine ruhige, oratorienhafte Führung gemeinsam haben.—Der Pianist Stefan Antal, der im Logen- 11,1119 Klciststraße ein Konzert gab, ist ein wesentlich virtuoser Typ. Dieses mühelose Bewältigen komplizierter technischer Probleme (Liszt, Chopin) findet auch heute noch ein begei- Stertes Publikum, Eine ähnlich bravouröse Haltung (nach dem Piignanl-Kreisler und dem de Falla zu urteilen), — bei gepflegtem Spiel — zeigte der Geiger E m s e i I e m. Am Klavier: R c i z eti s t c i n, - Lin ilmiskonzert bei Dr. Meyer soll nach seinem zweiten Teil beurteilt werden. Die Sängerin• nen Agnes Len hach (Alt) und Elsa Koch *Stabinskl (Sopran) boten noch keine geschlossenen Leistungen, haben aber entwicklungsfähiges Material. Sie wurden, etwas summarisch, von Dr, W. Lichcnthal begleitet. Der Pianistin Lilv Dymont liegen am besten Stücke, die eine trockene, perlende Lauftechnik verlangen. Dr, H ans Nathan. Im Kulturbund schloß Dr. Anneliese Landau ihren Zyklus ״Das Lied der Romantik“ mit einem stilbthcli atisgc• zeichneten Vortrag über Gustav Maldcr. Es kam ihr darauf an, ihr Publikum au die Musik her׳anruliihrcu; sic gab daher nur eine Skizze des Meisters und seines Werkes. Alan hatte aber auch das Thema anders anpneken können und Probleme aufleuchten lassen können wie z. B. Mahler und die moderne Musik, Mahler» Judentum (nicht mir sein religiöser Stand• rnmkt); aber das ist eine ganz andere Art, die bei einein Laienpublikiim schwerer anspricht. Heber das selbstlos-geistige Musizieren von Fritz I. cchner, der die ״Lieder eines fallrenden Gesellen“ sang, und seinen Begleiter Wolfgang Ros 6 ist kein Wort der Kritik zu verlieren; für mich war das einer «ler stärksten Eindrücke «l«־s hiesigen Konzertwiiitcrs. Dr. Oswald Jonas sprach über Mendelssohn. Eine Ehrenrettung de* Meister*, wie er sie versuchte, scheint mir heute, w׳o Men* ilelssohii weder unternoch überschätzt wird, nicht notwendig zu sein; jedenfalls wird durch Polemiken, seien sie noch so ehrlich gemeint, di«3 Frage auf ein persönliches Gebiet gcscho• ben, wo zur Entscheidung die Argumente fehlen. Dora Ilernstein-Börner sang Lieder von Mendelssohn. Ihr Begleiter war Stefan Antal, der erst in Solostücken sein eigentliches pianistisches Können zeigte. H. N. In der Freien Jüdischen Volkshochschule sprach Dr. W. Nußbaum über erbbiologische Probleme. Es wurden die Beziehungen zwischen Volk und Fremdling im Pentateuch besprochen. Ferner wies der Vortragende darauf hin, «laß Auslese zur Ehe und die Schaffung qualifizierter Berufsstände der Bibel außerordentliche üegenwartsnähe verleihen. Julius WalteT. Klub der Kinder! Bunter Nachmittag. Zum Abschluß des Wintersemesters veranstaltete der Klub der Kinder in der ״Tribüne“ einen bunten Nachmittag. Ein Querschnitt durch die Arbeitsgemeinschaft des Klubs brachte interessante musika- Esche, sprachliche und sportliche Einzel- und Gcmcinschaftslcisitingen, die allen kleinen und großen Gästen gefielen. Besonders cindrucksreich war das im|X)sa111c Einzugsbild der betciligten Kinder von 6—10 Jahren mit ihrem gut cinstudierten Sprechchor. Man *ah, daß trotz der Vielseitigkeit de* Arbeit»• gebiet« jedes Kind« Interessen erfaßt und gefördert werden. ha-kisch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.