Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1934)
- Date
- 1934-04-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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. 19.11 JÜDISCHE RUNDSCHAU VON JÜDISCHER M US1K Nr. 27/28, i. APRIL 1954 >r» ■ i\ -M,h| ־' i,fifrr .1, 1 $»״ Jf mn חי־ 1»! ןן0י: X,t'l'Dnr)v*U mnnn '* ist,!״:; 11 »»•Im t liciiT! ו:ז1 “1!״I i נן2?ג־נ1 ff« *** Uti וו atiBRd fciif u. Paris I er tu IW Sons« ich«'retng«*o* t Choral: Ps. 113(114). Tonus peregrinus. Melodie I 1 (*s fft; <&rr Molodicgnipptn sclmrf unterscheiden, dio ganz, In der Art der synsch-imibisehcn Mnqnmcn gehalten sind, nämlich dio. Psnlmodien heim Lesen dor 11 ng ndn 11 und dio Melodien der M 11 s s n f K c (1 u s c 11 «11. Insbesondere) hohen sich die llngadnli-NVoisen im allgemeinen unverändert erhallen, und von diesen wiederum zeigt! om seliilrfsten der hcrillimto Prolog der ILigtidiih,' dn» ״Hab lnehmiili“ die WcscnszUgo der vorderasiatischen Volksmusik. (l'.s wird in Ost* und Süd* curopti ziemlich gleiehur!ig rezitiert; dio Melodik gehört voll•׳ kommen dem M111|n1n ,,Nawu“ an, der auch dio Klagelieder |Kinn(h| beherrscht.) Auch einzelne der Hnllol-Panlmen der Ilngndnh werden von den Scplmrdim und in Osteuropa fnst Übereinstimmend vnrgot ragen; mich sie liositzcn sehr viel Achnlicli* keil mit den l’sidniodien der kidholischon Kirche, deren LI* lurgie .ja eine gnn/.u Heilio <ler llnllel-Psnlmen nufgennmmen lud. (I)cr Vortvng des grollen llnllcl beim Sscdor muß nuf voreliriM 1 i <11־c 'I'rmlilion zurtlekgchcn, denn schon in don Evangelien findet sich anläßlich der Beschreibung des Abendmnhlcs das Wort u\1vpovxtt; dnfür, womit dio llnllclujah• [)Salinen gemeint sein dürften.) Was die Musik jener Psalmen anlnngt, so besitzt m. E. das PcssiicU-lhdlel die fVUcsto Melodik von allen Pcssneh* Hymnen. Hierfür glmibc ich, einoa zwingenden Beweis geben zu können: cs ist mir gelungen, eilte Melodie nufz.ufinden, die in drei fast identischen Varianten von scphnrdischcn und litaiiische 11 Juden, nber uuclt (auf völlig sinngfeichen latcinisehen Text) von der katholischen Kirche verwendet wird, liier das interessante Beispiel: 1 7־ CI3CT CI Cu— ׳ ־:, iszxzc....״ ־־־—ד־.״דל” ....tr— .W-rjv t\ \ ft י■ v—:—-1—r״־־x—h— ""1י*»«׳®1״ 4£ mm m ייי^ Tn ״—" © ׳יי VF w״ . ןן — ןי־—■«j ׳ ו1־ י ור־״ין—׳־׳»״ w—mi ־״*©״׳ ® In ex 1 * fu Is ■ ra ־ el de Ae-gyp-to, do*mus Jo-cob de po ־ pu '• Io bar ba ro uaw. -1ג-r-r י Melodie II (litauische u. sef. Juden). t± -fflü D־ ׳ zeth Jls * ra el ml * mit * ra ־ Jim, beth Ja ■ a kow me •am lo es. 7, tipir. Oper. «chsi, aich isiö.)״h. Melodie III (Idclsohn, Mclodienscholz, Bd. IV, Nr, 79). [3—Z_X- \ N-'1— k—- 4 ־ 1. » ».׳6 שידרו! J-f—m—K 1—tfcf ——*Lei-—s ft—r c! .... ..... -—.. ...'*י.. .. sklro-lmUt I, Hindj*rf UUM t r k tuftfc 11 i * k berg *0* 33, B 1 Phtr) 1pJ1«n 543? tritt io f!״j (sciiält! ri u n, Offart ickealf. Moh nlsch-ta nah ha ־ lcl ־ la ha seh, Die Melodie 1 stammt aus dem Über usualis (edit. vnti* Mna) und ist der Psalm 113, hei uns Psalm 114, die Melodie wird als Tonus peregrinus bezeichnet, Die Melodie II wird nuf denselben Text (aber hebräisch) tbrciiistiimncnd mit kleinen Varianten von den litauischen Juden und den lmlkunisclien Sephnrdim gesungen. Die Melodie III wird auf das ״M1111 ni.schtnnnh“ des ressnrlmlicnds gesungen und ist noch heute im ganzen vor* Mren Orient sehr beliebt. (Siehe Idclsohn, Bd. IV, Nr, 7ft.) M:1n (Iher/cuge sich von der frappanten Achnlit.11 keil der irci Weisen! Dieses eine Beispiel filr viele «ndero gibt uns ״tn schlüssigen Beweis für das ehrwürdige Alter dieser ''(•Imlien, dn slawische und scplinrdisehc Juden sie bcnül/cn *nd sic sieh außerdem mit dem Hinweis ״Tonus peregrinus“ |m kirchlichen Gesang findet, Diese Bezeichnung gehen dio *Ultimiisclicn Chorn!forscher allen jenen Melodien, die nicht ״> den Zwang der Kirchentonarten cinzuordncn sind, vor- ׳»?stvcisc also den frühchristlichen Melodien, die sic als ״fremde“ Tonart empfinden. Audi uns deutschen Juden erscheinen diese Melodien teil gerade hcimiillieli. Im allgemeinen ist von den Pcssneh• welodicn hei uns, nur die des C'liad gadjah heimisch. Dieses Jepuliirc Lied scheint sich aber in den verschiedenen Utn* "trn Hem jeweiligen Tyims des Volksliedes angepaftt zu ml ־ kol ho ■ lc ־ lot usw. haben; so wird es in Deutschland' nuf dio Melodien ver* schiedener Kindcrliedcr gesungen, während in Polen und Ruß* ]und slawische Rhythmen und Melodiefloskeln vorherrschen (hier und du findet man muh hei diesem Liedchen den ulten ostjüdisehen und arabischen ״Jignz-Steiger"). Die zweite Gruppe der Possnchweiscn bilden die Mclo* dien der . M 11 s s n f - K 0 d u s c h n h. Sie worden ganz und gar von der bekannten Wendung beherrscht, dio uns nllcn von der \\ eise des ״üimhoro bimhero, b'jnmenu li’knrow“ geläufig ist. Sie ist viel jüngeren Ursomngs nls dio Heilio der Iliigmliih-Melodion und mich nur in Kfittcl* und Osteurnpn gebväuchlich. Schon die Balknnjmlen kennen dieses Motiv nicht, das übrigens nuch in einer Variante zu Ssimclmth 'riiora Verwendung findet; dio Weise scheint also nls he* sonders für freudige Gelegenheiten passend empfunden und erfunden •zu sein. Zum Schluß möchte ich noch nuf ein neues pal Hst 1• nensisehes Pessachlied himveisen, das in der Reihe der Liedpostknrten des KKL erschienen ist: dio Melodie ist strnff vhythmiseh und hat dadurch Tanz- oder Mursehchnrnktcr, Im übrigen macht sich in ihr der Einfluß des Orients schon sehr stark, aber in durehnu» organischer Weise, geltend. Erich Werner, Saarbrücken. Jüdische Musik in Zürich Vir erhalten folgenden Bericht; , Ihr Winfcrsaison brachte zwei der Notierung werte Er- 1?in.S'ic auf musikalischem Gebiet. Int Februar gab der d iM Joachim S t 111 s c I! c w s k y ein Konzert unter MitlrKt!11g der Sängerin Hanna Schwarz, des hier wirkenden j'T־׳w׳s Irma (Klavier) und Alexander Schaichet (V10- H') mul amlerer einheimischer Künstler. Ein Streichquartett •011 Br,.,1 1,.... .. , ... ,, .• ״.,״;1.1; 1״״.;Kdu׳s .. V UltiVtllll?V.ttVI IMIIlaUtl• v*1« » ■ - hracl B r a ״ d m a 11 11 ״Variationen über ein palästinen* 1׳c ־1־_1!1.« , , , *. t..1... Ah,״״ e , •11 ״ ׳ vi 111 u 11 11 )( י Ul imiuuvii n«,v, * ן.-- 1 K's Tanzlied" erregte als erste Nummer des Abends °rt starkes Interesse, nicht wegen der Verwendung der 1|>c״ct1 hoiiskata, sondern durch die ganz, eigenartige, von 10110(1 ז!neu Musik sicherlich unterscheidbare Harmonik und '11'!(liuile Erfituluugsguhc. lihciiso fesselnd war Joseph ., •011־ s ״Suite fiir Violine und Klavier aus der Musik zu bpiet Slcinpciiju", ein unglaublich temperamentvolles (;lls tics Komponisten, der in der jüdischen Musikliterauir ״'״ l’lalz seit Jahren erobert hat. Joel Fugels Suite für '* •hhlmk erzielte wie immer und überall lebhafte Zuslim- I l'f• Stutschcwsky selbst zeigte sich nicht nur als ■.( ‘״r, seines Cellos, sondert? auch als impetuoser Komno- Wahrend jedoch seine für Klavier geschriebenen ״I a- 151■,11,״״'hen Skizzen“, die nach einer den Ton haltenden ״»"־liehen Stimme verlangten, tastende Versuche nach juchlt ,r A»Sti1״cl<sform sind, sind seine Stücke für das Cello, trn״ *'•Dtigwirkung und Reichweite ihm gleichsam organisch is», . si|ul, ״Kiliali", ״Mcdidation chassiduiuc" und der , i.Mcdtol Kcdcm", so originelle Bearbeitungen inncilich melodischer Fiiihiüc, dal! sie wie Achrons zum Repertoire jüdischer Mustk gehören, ho 11»" ׳Ihingsvolic Ansätze eine jüdische Knnstmusik Inetet, die C״er Saiteninstrumente in Solo oder Zusammeiispiel be- 80 י wenig befriedigt heute einigermaßen die Vokal• komposition eines Engel, Milner oder Krcin, wenn sie sich vom echten jüdischen Volkslied entfernt. Welch unaiisscliöpfharcn Schatz . dieses darstcllt, zeigte von neuem das Auftreten einer nordischen christlichen Sangerin, Fuge! Lund, die als unerreichbare Interpretin curopäischer Volkslieder allerorts, wo man sic kcmienlerntc, cntliu* siastisch gefeiert wird. Ihre holte Begahtmg erweist sich darin, daß sie sich bis in die feinsten Regungen der jüdischen Seele zu vertiefen weiß. Fugel Lund wirkte hei einen! von der Züricher Wi/o-Gruppe zusammen mit dem Keren Kajenicth gegebenen Ball im ersten Teil mit und brachte in ihrem Konzert, bei dem sie Volkslieder der Deutschen, Franzosen, Fngläiuler und der skandinavischen Halbinsel sang, nls rinen für hielt stehenden Abschnitt eine Reihe jiddischer Volkslieder und -gesängo. Religiöse Emanationen wie das Duale und ״Kaddiseh tarn Berditschcwcr“ oder jüdische Liebeslieder und die Gattung der ״ITcilnehs“ reproduziert Engel l.uiul in gleich oh:i!K1men,1UT, jede Stimmung aus kost eiulen Weise. Engel Eund wäre in der läge, aus ihrem Archiv mehrere Abende mit dem Vortrag jüdischer und hebräischer Voiksliedcr, zt» denen sie l'erdmaiid Kauter mit diskretester Kunst be• gleitet, zu geben. _ Norbert Weid lot. Aron Friedmann: Das Gebet (Öcibcl), für eine Singstimme, mit Orgel- oder Klavierbegleitung. Im Selbstverlag. Das schon so oft komponierte Innige Gedicht Geibcls hat Musikdirektor Eriedmaim wieder neu vertont. (Seine Killder haben es dem Vater zum 78. Geburtstag drucken lassen.) Was den Komponisten zutiefst bewegte, hat er. hebräischen östlichen Inleiitioncn folgend, wiederholt und dein Vortragenden ״aus Herz gelegt“. Die Begleitung ist polyphon gehalten imü bis ins einzelne bedacht, nur• müßte der Organist die Triolet! akkordisch greifen oder sich anders helfen, um nicht banal zu wirken. Arno Nadel« Jüdische Musiker unserer Zeit Jakob Scliönbcrö Die Begabung Jakob Schönbergs — als Schriftsteller; und Verfasser des Buches ״Die traditionellen Gesänge des• israelitischen Gottesdienstes in Deutschland“ kamt er hietl■ nicht zttr Diskussion stehen — scheint auf dem Gebiet der Harmonik zu liegen. Seine kontrapuitktischen Kompositionen, — unter ihnen zwei Kanons mit ״jüdischer“ Melodik,, d, h. hier vor allem mit Verwendung der im Vor-, deren Orient gebräuchlichen übermäßige״ Sekunde: eine Studie cti passant — seine I l-tnnll-Euge für Klavier sind sehr gewissenhaft gemacht, sichen aber im ganzen hinter seinen anderen Werken zurück. Seine 1 Jeder besitzen int er-, essantc Barben. Wer nicht das Jahr ihrer Entstehung kennt,( der wird, das ״Land von unser Vergangenheit“ (Text von Zuckcr-I lollämlcr) — die übliche Entwicklung eines Musikers des 2״. Jahrhunderts vor Augen — später ansrt/cn' als' ״An den Moml“, denn es ist harter im Klang 1111(1• hat schär-׳ fere Konturen, tu Wahrheit ist cs zwei ,Jahre eher ge•’ schrieben. Es war Sehönhergs erste wesentliche Koni•'; Position. Bemerkenswert an diesem I.icd ist neben der: Atclmlir, die einer svnngogaten Weise entlehnt ist, die. Begleitung. Ein wesentlicher’ Baustein ist der nnanlgelöste■ Sept- und Nonakkord (I)rciklang, nach oben durch 1 Terz, und 2 Terzen erweitert), in Umkehrungen und in den ver-■ schiedensten Lagen, oft mir mit einigen Tönen vertreten. Hin״.׳ kommen die vielen Quart-, Quintmul Scptgänge,, die vielen chromatischen Erhöhungen, die Dissonanzen her-, vorrufen. Diese einzelnen ״Earbfleckcn“ sind konform der( im Text Gestalt gewordenen ostjüdisehen!Mentalität: sic, unterstreichen, grell und bunt, ein durch Leiden bizarr gewordenes Hoffnimgslaclielii und eine glutvolle Sehnsucht nach Ruhe, nach dem 1״ and von unser Vergangenheit“. In Goethes 1 icd ״An den Mond“ ist fast dasselbe Material verwendet; der Non- und Septakkord ist nur voller, schatten-' hafter, verdienender geworden. Jakob Schönberg hat sich an das Visuelle, an die Bilder des Textes gehalten. _ Fr ist der Stimmung impressionistisch nachgegangen, die im An-■ fangssatz angedcutet ist (N'ehdlandschaft), im Gegensatz zu Franz Schubert, bei dem eine edle Ruhe Natur und Ich zu einer kosmischen Einheit verschmilzt. Schönberg hat, wahrscheinlich als erster in der IJteratur, eine Durchkomposition versucht, wobei er aber auf sich entsprechende Strophen auch picht verzichtet hat. Der Stil des I.inles ist der des frnnzöstsehen Voriinpressioitismus; der Einfluß Debussys ist schwächer (Schönberg ist dafür zu sentimcntalisch, zti wenig verspielt), als der von Cliausson und Ce.s.ir E'ranck. Ein Beweis ist die Eleganz und kokette Biegsamkeit der Melodik und Harmonik. — In beiden I icilcrn gibt cs rezitafivischc Stellen, meist mit einer plötzlichen harmonischen Auflichtung, hei denen Freude in Verzückung iimschlägt: es war Schönhergs jüdisches Naturell, das ihn zu dieser Ueberstcigcrimg trieb. Nach diesen Liedern schrieb Jakob Schönberg in den Jahren 102«) bis 1032 Instrumentalmusik: ein Rondo für Holz- Bläser, ein symphonisches Vorspiel, ein yorspiel zti einer fantastischen Komödie, ein Streichquartett, eine Klaviersonate. Während er in seinen I iederti französische Einflüsse ver* arbeitet (auch in dem Indischen Eicd; die koloristische Ver- Wendung der Akkorde zeugt davon), nimmt er in seinem t Bläser 1;imlo.-deutseb-romantische Elemente auf. In diesem , gutgeforinten, leichtflüssigen Stück erinnert viel an Robert J Schumann, trotz kleiner moderner harmonischer Eskapaden. Jetzt (oder auch mit dem symphonischen Vorspiel in Eismoll, das ich nicht kenne) ist die_ Orientierung des Kornnonisten zur Vergangenheit zurück im wesentlichen beendet. Im Vorspiel zu einer fantastischen Komödie beginnt eine rücksichtslose Stimmführung; die akkordische Konzeption wird dadurch nicht aufgehoben. Das Svmphonisrh-Massive (auch in der starken Besetzung), die parodistisohen Elemente wären ohne Gustav Mahler, der glänzende Schwung der weitgespannten Themen ohne Richard Strauß nicht denkbar. Das ungesättigte Klangbild weist in ganz moderne Bezirke. F.s ist kein Zufall, daß das fanfarenartige Qiiartenthema in Hörnern und Trompeten am Anfang des Vorspiels von J. Schönberg als Vorbild den Anfang der Kammersymphonie op. 9. von Arnold Schönberg hat. Diese Tendenzen zu cinem_ un•׳ sinnlichen, unstofflichen Klang, zu einer Isolierung der Stintmen voneinander, zu einer damit verbundenen Ditferenzicrmig und Zerfaserung im Geistigen werden im Streichqimrtett aufgenommen und radikal wcitcrgehildct. Achulich wie bei Arnold Schönberg bleibt auch in dem Werk seines Verwandten bei aller Irrvalisierimg das Sentiment als Basis: es verrät sich in den vielen schwelgcrBchon melodischen Bögen. In der Klaviersonate wird Schönberg konzilianter — irdischer könnte man sagen in bezug auf die esoterische Schreibweise seines Quartetts. Er gibt eine vielfältige Stirnmit'keit zugunsten eines nkkordisehon, virtuosen Klavier- Satzes auf. Die Thematik wird ^besonders nach der harmonischen Seite hin verarbeitet. Es entstehen feurige, stark klnvicristiscli bedingte Steigerungen. Der Schluß dieser einsät/igen Sonate hat eine effektvolle, apothcosiscli-romantische Geste. Innerhalb moderner ״Vokabeln“ tauchen die Non- und Scptakkorde auf, die schon für Schönhergs Anfänge bezeichnend waren; sie sind nur stumpfer, weniger bunt als früher. — Wie wir schon zu Beginn hervorhoben, ist , Schönberg mehr in der Farbe (d. 11. im Harmonischen) als in der Zeichnung selbständig. Es sagt viel, daß er den Tendenzen Arnold Schönhergs in seinem letzten Werk, der Sonate, nicht mehr gefolgt ist; er knüpft vielmehr — auf einem anderen Niveau stehend als früher — an einzelne Bauelemente seiner Lieder an. Seine weiche Natur konnte auf die Datier das allzu Abstrakte, im Sinnlichen nur schwach Verwurzelte, durch starke Geistigkeit verwehend Gewordene der Schönhcrgschcn Schule nicht ertragen. Er konnte ohne Kolorit, das sich vor allem aus dem Spiel der Akkorde ergibt, nicht atiskouimcn. Und besonders dies ist es auch, was unter Einflüssen in seinen Kompositionen als etwas Persönliches licrvorlcuchtet. Dr. Hans N a t h a n. Eine neue Jüdische Schallplatte. ״Seiner“ HL (112. Leo Stein Chor und Orchester. ״II a t i k w a 11“ und ״Ich far alte im". — Die Platte scheint für den ״alltäglichen“ Umgang bestimmt zu sei״. Von diesem Standpunkt aus gesehen, sinel die Aufnahmen und die künstlerischen^ Leistungen gut zu nennen. Das ostjüdische I.icd ist mit slawischer Lchendigkeit gesungen; sehr echt die nasale Färbung, die Beieanto- Sänger so ungern anerkennen wollen. Streckenweise klingt die Stimme etwas scharf — ■wahrscheinlich stand der Sänger zu nah am Mikrophon. — Ein paar Streicher (Violinen, Cello), ein Klavier, zu denen sich einmal Bandonion und Gitarre gesellen, sind besser mit ״Instrumentalcnsemble“ als mit ״Orchester“ zu bezeichnen. H. N. Dr. Heinz Unger ist vor kurzem von einer erfolgreichen Konzertreise aus Spanien zuriiekgekehrt. Am lö, April wird Unger erstmalig in einem Qucen’s Hall-Konzert an der Spitze des Londoner Philharmonischen Orchesters er* scheinen. Solist des Konzerts ist Franz Osbom,