Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1934)
- Date
- 1934-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653452-2653477--25037-2682150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
934 ר׳ ד¬ - J , -*•־ i«r 27/28 >י / Jahrgang W G r^111r1״ r*6*”׳ -ז l ן׳י״יי״״™^ 4-״״l 1 r—1־ r ןך*ן ןך״»״^^| ■ 5 1»4tyMaJ| tr<*׳£ 3^<. «■®6 1 I \ \ tt111l«3^~-'111׳ WJI 40.— Preis RM |!«1»»"»1 1’I y»-n■'״g ןך־׳י״י״״־־י^ " |d*HmeRa״xA®zta|? ■• Af1»»lgonv«rw*n>1n* 1 Berlin WIS, Melnekertr. 10 « i f,rtn1US«t1wl.Nr. |1 Bim.rck 3181/82,7165/70,7240/4Z - pro Monet ■| UM. 2•-1י״״״ס״״ז ׳ RM. 5.75. — Pom*check-Kon״!n der Abomiornrnu-AUtrilunic | 573 71 »1|״<ן (liir Groft - Brrlln), B.rlln 17 392 (für d.» >ihri«c Reich). Au.Und.- j k*!»sl" |'ז־ןי״י*י Undeswkhmn«. — Erscheint Jeden Dianstag nnd Freiing. BERLIN כ׳ ניסן תרצ״ד DONNERSTAG, 5. APRIL 1934 : per Zionismus erstrebt für das jüdischo Volk die Schäftung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. 31 KumtmM E®m1 Anielgenlarif 1 Die I2t*»p«hrn» MtIli01et«r-25oll* RM. —,סי, hlr S)«llrnr1<«uche RM. —,10, für FamillrnnachHchtrn RM. —,15. Ein»l<n1*l«.n mir!•*fr! Vrvraua- «ahloni auf Poatachrck-Konlo Rrrlln 7161» oder in dar Anrairrn Annahma Montag bla Freitag 9—15 Uhr. AnnahmaathluS für die Dianatag-Auagab« Montag 10 Uhr für die Fraltag-Auagaba Mittwoch 13 Uhr (Familiananralgan bl# Donnrratag 10 Uhr) ,,Baseler Programm“ inhert ihrtoM U 40 18-20 VerelM* יף׳ילש■ \נ~')ץ3'/ח I 1• i f3414»< .׳^ \ »י״ייי^ ך״*ן V^-aI Kmmrnä^' teil kmd Wam Von 3 0 ACHIM PRINZ Wenn innn in diesen Tagen durch Palästina fahrt, offenbart sicli einem das Eriihlingswundcr des Hohen Liedes, das man in den Peßaclitagcn zu lesen pflegt: ,,Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin, die Blumen sind hervorgekommen im Lande. Her Frühling ist da, und die Turteltaube läßt sich im Lande hören. Der Feigenbaum hat Knoten gewonnen. Die Weinstöcke haben Augen bekommen und es duftet.“ Im Süden Judas duften die Blüten der Orangenbäume bis weit in die Stadt hinein; wenn man durch das Oalil wandert, siebt man Tausende von roten Anenmnen und blauen Glockenblumen; wenn man das Emek durchejuert, überschaut man das satte Grün der weiten Flächen. Die Fahrt von Tiberias nach Flaifa geht an Hunderten von blühenden Mandelbäiimen vorbei, und die bläulich-rote Blüte der Aprikosenbäume belebt überall die Landschaft. Die grauen Berge bekommen Grün, die neuen, eben angeset/ten Wähler, die die Regierung pflanzt mul die die jüdischen Kolonisten angelegt haben, lassen 1ms ahnen, wie dieses Land einmal ausgcschcn hat und wie cs noch einmal anssehen wird. Blickt man von dem (nahe Trumpcldors auf die weite Ebene von Galiläa, umgeben von den Bergen ringsum, von den schrieeigen Gipfeln des Ffermon und des Libanon, von den Bergen Syriens, dann ahnt man etwas von der unver- Reichlichen Schönheit und der heroischen Größe dieser Landschaft. Nie konnte man ahnen, wie schön Palästina ist, keine literarische Schilderung gibt uns eine Vor- Stellung von dem eigenartigen Reiz dieses Landes, und man beginnt zu verstehen, daß im Beginn jeder echten Arbeit für das Land Chibhat Zion in einem ganz ursprünglichen Sinne stehen muß: die Liebe zum Lande, rur Landschaft, zu den Bergen und zu den Tälern. In diesem Lande wohnen Menschen, in Städten und stif dem Lande, die allesamt von einem neuen und starken Lebensgefühl erfaßt zu sein scheinen. In den Städten schleppen die Menschen noch vieles aus ihrem alten Leben mit: die Art, die Sorgen zu tragen, zu kämpfen und zu leben; die Art, Gemeinschaft zu verstehen, sich im Beruf einzuglicdcrn, Geselligkeit zu ״veranstalten“. Deshalb liegen die Enttäuschungen, die menschlichen Enttäuschungen, bei den Städtern. Das Dorf aber ist so stark, daß es alle neuen Mensehen in sein Kraftfeld hineinzicht. Wenn wir früher etwas leichthin von dem ״neuen Juden“ gesprochen haben, so finden wir seine Erfüllung in den ländlichen Siedlungen von Ercz- Israel. Es sind Menschen von einer neuen Sicherheit dem Lehen gegenüber, Menschen mit neuem Gesicht, neuem Körper, neuer Haltung. Es sind Juden, die ausgezogen sind, um das Fürchten zu verlernen, und die cs gründlieh verlernt haben. Jedes Gespräch mit einem alten Siedler, der zwei Jahrzehnte schon im Lande ist, vermittelt dieses starke und neue Gefühl einer gelungenen Umformung des jüdischen Menschen. Jede Begegnung aher mit der zweiten Generation von jüdischen Siedlern pbt einem die Gewißheit, daß dieses Experiment ge- 'UnRen ist und daß die scherzhafte Formulierung von dem Wert der ״inneren Alijah“ seinen ernsten Inhalt hat. Der Eindruck, daß in diesem Lande glückliehe Juden wohnen, der Kontrast mit dem Judenschicksal in den Ländern der Galuth, wirkt 31s das stärkste und schönste Erlebnis einer Palästina-Reise in einem nach und gibt uns neue Maßstäbe für die Forderungen, die der Arbeit in diesen Ländern gestellt werden müssen. Dieses Glücksgefühl, welches das ganze Land durch- *trümt und den Rhythmus des Lebens bestimmt, be- I deutet keineswegs, daß man nicht jeden Tag vor den |j mannigfachen Sorgen des Aufbaus steht. Tausend 1 Schwierigkeiten bestehen, und jede von ihnen kann eine I Gefahr bedeuten. Die innerpolitische Lage, die künst- 11!che Verminderung der Einwanderung, manche Sorge 1“״ Landwirtschaft, die Landflucht vieler Arbeiter tu |fle Städte, das alles steht als schwieriges und zu I *ösendes Problem vor den Augen aller verantwortlichen Menschen in Palästina. Niemand nimmt diese Dinge leicht. Aber man geht an alles heran in der Gewißheit, daß jede Schwierigkeit einmal überwunden sein wird. Man k a n n das, weil man an die Stelle der kleinen Zeitrechnungen, in denen der Jude der Galuth zu Hause ist, nn die Stelle jener Behendigkeit, die schon morgen die Erfüllung sehen muß, das Denken in Generationen gesetzt hat. ״Später einmal“ bedeutet für den palästincnsischeu Juden die Zeit der Enkel und Urenkel. Bei allem Tempo in der Entwicklung der Städte, in der Bautätigkeit in Tcl-Awiw und in Haifa, bei aller ficberhaften Arbeit, die dem ganzen Lande den Eindruck des Unaufgeräumten und Unfertigen gibt, wächst das eigentliehe Land langsam und bedächtig, und die Natur läßt sich von niemandem Gesetze vorschreiben, die nicht in ihrem Wesen liegen. bewundert das, was geschaffen wurde, aber man hat sich noch nicht den neuen Kräften erschlossen. Jeder hat den Eindruck, daß eine zionistische Erziehung für die deutschen Juden in Palästina zu einer dringenden Notwendigkeit wird. Nur so wird man sie voll akzeptieren, nur so werden sie dort glücklich werden. Die deutschen Juden aber, denen das Verständnis für die Sprache und ihre Not- Wendigkeit, für das Ostjudentum und das durch seine Menschen geschaffene Aufbauwerk, für die besondere d&n 0)faUäli: In bedächtigem Schritt, mit langem, tiefem Atem wird Palästina aufgehaut. Sein Maßstab heißt Generation und Geschichte. Im letzten Jahre sind 12000 deutsche Juden nach Palästina gekommen. Anekdoten, Witze und Beschwerden sind in großer Anzahl an die Ocffcntlichkcit getragen worden, und es verlohnt sich vielleicht, einmal in einem kurzen Ucbcrblick. über die Lage der deutschen Juden in Palästina zu sprechen. Nach der Statistik der Hitachduth Olej Oer* man in, derjenigen Stelle, die eine Uebcrsicht über die Einwanderung aus Deutschland hat, sind etwa 30 <y# der deutschen Juden auf das Land gegangen. Die anderen 70»/# befinden sich in den Städten, von ihnen der größte Teil in Tcl-Awiw, ein recht erheblicher Prozentsalz in Haifa und der kleinste Teil in Jerusalem. Dort, wo die Menschen auf das Land gegangen sind (und es handelt sich dabei keineswegs nur um junge Menschen, sondern auch um Akademiker, die ihren Beruf gewechseit haben), ist die Einordnung in die Arbeit und in die Aufgabe außerordentlich rasch und gut vonstatten gegangen. Die ländliche Arbeit spannt den Menschen so stark in Kraft und Sinn des Tages ein, daß man sich der Schönheit und Größe dieser Aufgabe einfach nicht entziehen kann. Sieht man etwa die Menschen, die zu siedeln beginnen und unter sehr schwierigen, völlig neuen Umständen an ihre Arbeit gehen, sicht man die jungen Menschen in den Kwuzoth und im Moschaw, sieht man die Kinder in En Charod, dann weiß man, daß in wenigen Jahren hier ein neuer, guter Stamm von Palästinensern geschaffen sein wird. Jeder von diesen ländlichen Einwanderern macht den Versuch, hebräisch zu sprechen, viele sprechen es schon, jeder von ihnen bemüht sich, in die besondere Form der Siedlung hineinzuwachscn, für die er sich entschieden hat, und seine Arbeit in die große nationale Aufgabe cinzuordncn. Auf dem Lande unterscheiden sich Zionisten von einstigen Antizionisten nicht. Viele von denen, die in Deutschland unsere Sache leidenschaftlich angegriffen haben, sind dort gute Zionisten geworden, begreifen das Werk und finden von hier aus Zugang und Glück in ihrer Arbeit. In den Städten liegen die Dinge wesentlich anders. Hier wird der Umbruch des Lebens nicht spürbar. Die Gesellschaft der Städte ist im wesentlichen eine Gesellschnft, wie sic überall zu finden ist. Das, was wir vom Zionismus als einer gescllschaftsreformicrcndcn Bcwcgung erträumt haben, hat sich in den Städten nicht erfüllt. Noch hat man keine klare Vorstellung, wie überhaupt in einer so großen Stadt, wie etwa Tel-Awiw heute ist, eine neue Gesellschaft entstehen soll. Sicher aber ist, daß die Ungelösthcit dieser Frage ein wirklich tiefes und richtiges Verständnis für das, was im Lande geschieht, oft verhindert. Ein großer Teil der Menschen, die in die Stadt gehen, hat von der Geschichte des Aufhaus und von seinen Kräften nicht die geringste Vor* Stellung. Hat er noch dazu, wie das sehr häufig der Fall ist, in der Stadt eine leidliche Existenz gefunden, so ist vollends der Weg zu einer Unterscheidung zwischeu seinem Leben von einst und seinem Leben in Ercz-Isracl verbaut. Oft fehlt das primitivste Verständnis für die allgemeinen Interessen Palästinas. Man steht außerhalb dieses Lebens, außerhalb der Gesellschaft^ Die Tagung des Aklions-Comitccs Palästinensische Wochenschau Präsident der Wiener Kultusocmcindo bei Bundeskanzler Dollfuß Die Nichtaricr in der Wirtschaft Die ״Jüdischo Rundschau“ im letzten Jahre (von Dr. Max Grüncwnld, Mannheim) Juden und Jüdisches auf Postwertzeichen (mit Bildern) Da« arabische Problem Schulentlassene Jugend — was nun? Palitstlnn-Rildhcllage (u. a,: Bildes• von Purim und Possach —- Ankunft der Jugend-Alijnh in En Charod) Literatur-Blatt (u. a.: ״Da« Mahl“ von S. Tsdicrnichowski — Ein Großfürst hoi Juden — Eine Wciz.monn-Biographi«) Von jüdischer Musik (u. a.: Erich Werner: Pesaach und acina Lieder — Jakob Schönberg — Vom Wesen des Chnsnnuth) Palästina-Wirtschaft (u. Neues Loben am Toten Meer — Die Facharbeiter-Frage — Ein palästinensisches Industrie* knrtcll — Vor der Levante messe — Bericht über den Palästina-Markt — Rcchtsnnwiilte in Palästina —■ Das japanische Dumping) Berliner Rundschau (u. a.: Scder der 350) — Sport-Rundschau — Hebräischer Fernunterricht Psyche dieser Menschen fehlt, haben es schwer, sich einzulebcn und mehr als einen erzwungenen Notbehelf in ihrem Aufenthalt in Palästina zu sehen. Aus diesen Verständnislosigkeiten entspringt das Mißtrauen, das der Jischuvv der Einwanderung aus Deutschland gegenüber empfindet. Dieses Mißtrauen ist oft ungerecht. Es übersicht, daß diese Einwanderung schon heute eine große Anzahl von neuen und guten Dingen in das Land gebracht hat. Es wünscht aber mit Recht, daß zu den technischen Neuerungen, zu dem neuen Straßenbild und vielem anderen, was den deutschen Juden zuzuschreiben ist, auch eine innere Umwandlung hinzukommen muß, wenn die neue Alijah dem Lande nützlich sein soll. Die Zionisierung der deutschen Juden in Palästina, die Einführung in die primitiven Fragen des zionistischen Aufbaus, die Nationalisierung der in den Vorstellungen der Assimilation aufgewachsenen Menschen ist eine Aufgäbe, die sofort in Angriff genommen werden muß. Diese Erkenntnisse bedeuten aber für jeden deutsehen Juden, der nach Palästina gehen will, daß er sich darüber klar werden soll, , daß eine Uebersiedlung nach Ercz-Isracl nicht zu vergleichen ist mit einer Ansiedlung in irgendeinem anderen Lande der Welt. Die augenblickliehe Prosperität des Landes ist kein wesentliches Merkmal des Aufbaus. Die Einwanderung nach Palästina ist ihrem Begriffe nach mit der Schwere und der Unsicherheit, ja geradezu mit der Gefährlichkeit des Aufbaus verknüpft. :Das Land kann nur Menschen gebrauchen, die ihrq Uebersiedlung in dem Bewußtsein einer Erneuerung ihres Lebens und einer Erneuerung ihres jüdischen Seins vorbereiten. Daß Palästina heute Tausenden von Menselten auch Existenz bedeutet, daß in den nächsten Jahren Zehntausende von jungen Menschen in das Land kommen können und Arbeit finden werden, das ist nur wirtschaftlich von Interesse. Es ist schön so, aber es tangiert den Kern des Aufbauwerkes nicht Die Bi-