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Jüdische Rundschau · 1934-03-16 · Heft 22 (16.3.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 22 (16.3.1934)
Date
1934-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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11). 3. U33i Pf. 2?, / Jahrgang 39 F! i I : <י \ g"*־ Hll.lll|g r\ I, 1t. *..,3 1—ו r.3 t II; \ V, /J » i; , V31I> l.il.נ fel״|ftJeU11nr.v®rI** An*elaen*«rw«Hana 1 Berlin WJS, Malnakantr.10 fmrd!J * Bff״n*rck 31RI/8X, 7165/70,7240/42. - Be;mgnpr(4!i pro Monat JU4,2,-—« ptn Qu«rt«l RM■ 5»75* ־־־־ Poatarhpck *Konten der Abonnement»*Abteilung; ^!^,71573 (*'"1r Groft-Berlin), Berlin 17 392 (für d■» Übrige Reich)• AualinH»•. ki j«williger Lendeswühnin*. ־— Erscheint Jeden Dienet«? and Freit«|, '"’1"'"!)g ^״,,-׳.ן ן»■» ..•-־—g L \ \ י \ כ״ט אדר חרצ״ד FREITAG, 16.MAERZ 1934 Preis RM —.25 ■ yי־—־״׳ ׳t i 1.. *,n f t iJ k ••*1 Ant«lg»at»1if 1 Die 12gespaltene MiUimater-ÜUnJo RM. —.20, für Stellengesuch« RM, —40, für FamÜlennachrichten RM —,!£ EinreUnreicrn nur gegen Voran•• f»Wt»n* auf Postscheck-Konto Berlin 71618 oder in der Anroigen-Annahme Montag hie Freitag 9>—־I5 Uhr, Arniahmeachluft für die Dienttag-AtHgahe Montag 10 Uhr Wr die Freltag-AuagaHe Mittwoch 13 1711 ז (Famillenanreipen hie Dnnnerttat 10 Uhr) par Zionismus erstrebt fdr das indische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ,,Baseler Programm•* %/ ׳ t! ..'ו־1ווי|^ 4«|6 Oי" > c. 0Gi0£־i1GlaIl Hccgi׳ ÜIMq zur £rboit Wien, 13. 3. 3-1. Oie Ruhe in Oesterreich ist wicdcrgckchrt, aber noch ־jHcri die Erregung in den Gemütern nach. Begreiflicher- »eise herrscht unter der jüdischen Bevölkerung besondere ]slcrvcsit.1t. Die politische Situation in Oesterreich ist auf »eitere Sicht durchaus labil; noch weil! man nicht, wie die lifmftige ständische Verfassung in der Praxis ausschen, wie dj, Kräfteverhältnis in der Regierung künftig beschaffen sein wird. Daß hei den lebhaft betriebenen Masscnentlassungcii von Beamten und Angestellten der Wiener kommunalen Betriebe und Acmtcr eine beträchtliche Zahl von Juden, die Sozial- Aus dem Inhalt: D«e neue Städte-Ordnung Palasti- ׳'. na• — Bilder von der Purimfeier in Tel-Awiw — Juden und Araber — jüdische Filmschaffende (״Heinrich VIII., Franziska Gaal)• Von indischer Musik — Berliner Rundschau Sport •Rundschau (u. a. Die jüdische Mannschaft bei den Kampfspielen in New Delhi). demokraten waren oder sozialistisch verdächtig sind, hetroffen werden, ist einleuchtend, und wenn auch diese Mailnalnnc nicht als anfijüdisch zu bezeichnen ist, so wird sic jedenfalls den V c r e 1 c 11 d u n g s p r o z e ß des osterreich i sc hen Judentums beschleunigen. Andererseits läßt sicli nicht übersehen, daß gewisse der Regierung nahestehende Kreise schon seit längerer Zeit auf eine Revision der Gesetze im Sinne einer Rtchtsbcschränkung der Juden drängen, nicht zuletzt der hinter dem Präsidenten der formell noch bestehenden chrisilichso/inlen Partei, dem ehemaligen Minister Dr. Czermak, stehende Flügel. Czcrmak selbst schwebt eine Regelung der jüdischen Rechtslage aut der Basis eines Einver- ת eh in cns mit den Juden vor, das aber doch im wcsentliehen auf einen Verzicht auf Gleichberechtigung in mancher Hinsicht hinausläuft. Es ist klar, daß die österreichischen Juden zu solchen Verhandlungen niemals bereit sein und in eine Schmälerung ihrer Rechte freiwillig nicht cinwilligcn werden. In dieser Hinsicht liegen die Verhältnisse der ostertcichischcn Juden so, daß Friedensvertrag und Verfassung den Juden die volle G I c i c h b c * recht igung garantieren. So hat sich Oesterreich vorpflichten müssen, alle zur Zeit des Inkrafttretens der Verträge im Besitze des Hcimatrcchtcs befindlichen Personen als Staats- «»gehörige anzuerkennen und allen Staatsangehörigen ohne Unterschied von Sprache, Rasse und Religion die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte ziizuerkcnneii. ״Unterschiede in Religion, Glauben oder Bekenntnis sollen keinem österreichischen Staatsangehörigen beim Genuß der biirgcrliehen und politischen Rechte nachteilig sein, wie z. li. bei Zulassung zu öffentlichen Stellungen, Aenitcrn und Ehren- *(eilen oder bei Ausübung verschiedener Gewerbe und Inönstrien.“ Es neißt ferner in Artikel 68 des Traktates von St. Gennain: Wenn sieh unter den Einwohnern von Städten und Bezirken nach Rasse, Religion oder Sprache b c t r ii c h t - liehe Minoritäten befinden (was ohne Zweifel auf die Juden ^iens zutrifft), so sei diesen von allen für Erziehung*-, Religions- und Wohlfatigkeitszwecke aus öffentlichen Mitteln ®0,"weisenden Beträgen ein angemessener Teil z.u überlassen, f(ne Bestimmung, deren Durchführung von der Wiener jiidischcn Gemeinde bisher vergeblich gefordert worden ist. "»d endlich hat Oesterreich zugestimmt (Art. 66), daß die obengenannten und eine Anzahl weiterer Bestimmungen, so- *'eit sic Personen berühren, die nach Rasse, Religion oder Sprache Minderheiten angeboren, Verpflichtungen von ״i n- (*!,nationalem Interesse“ darstcllen und unter die ^*rantie des Völkerbundes gestellt werden. Diese Verpflichtungen können nicht ohne Zustimmung der Mehrheit «es Rates des Völkerbundes abgeändert werden. In den Interviews, die der Bundeskanzler und ebenso der Führer des Hcimaiscliutzes, Fürst Starhcmbcrg, in der letzten p't gegeben haben, war regelmäßig auch von der Juden- *raRe die Rede, und in allen Fällen ist versichert worden, "חי an eine antisemitische Gesetzgebung nicht gedacht werde, 7°^c* Starhcmbcrg freilich gegen eine ״Vorhcrrscnaft“ des Judentums Stellung nimmt. Die Hauptgefahr für die österreichischen Juden liegt *״er in einer antijüdischen Politik via facti. Schon seit Jahr und Tag können Juden keinerlei Stelle ln öffentlichen Diensten erlangen, und man kann berechnen, Ws״n der letzte jüdische Beamte oder 61 (entlieh Bedienstete verschwunden sein wird. Absolventen der Medizin haben keine Aussicht, «n einer öffentlichen Klinik (unbesoldet) zu hospitieren, was praktisch auf eine Behinderung der Niederlassung hinaiisläuft, so daß das Spital der Wiener jüdischen Oenieirde hier langsam der einzige Ausweg wird. Wie man eben erfährt, hat die neue Wiener Stadtverwaltung das Vorschlagsrecht zur Vergebung von Bauarbeiten einem Verein deutscher Ingenieure übertragen, in dessen Statut der Arier- Paragraph enthalten ist. Das Fachblatt des dem Bundeskan/ler nahestehenden niederösterreichischen Bauernbundes predigt Wirtschaftsnntiscmitismus, und in letzter Zeit ergeht sich die antisemitische Presse in Angriffen gegen die jiltitsche Aerztcschaft, wobei ein neu entstandener Verein christlich-deutscher Acrzte die Führung haben dürfte. Wie die bevorstehende Einführung der ständischen Verfassung sich auf die Lage der Juden weiter auswirken wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist es klar, daß die Schaffung einer einheitlichen jüdischen Repräsentanz in Oesterreich von aktuellster Bedeutung ist. Diese besteht noch nicht und auch die in letzter Zeit gemachten Versuche, wenigstens die verschiedcncn zionistischen Gruppen zu einigen, haben noch kein Ergebnis gezeitigt. Man muß hoffen, daß dirsc jüdische Einheitsfront unter Führung des zionistischen Präsidenten der Wiener Jüdischen Gemeinde bald zustande kommen wird, denn cs ist außer Zweifel, daß eine im Namen der Gesamtjudenschaft verhandlungshcrcchtigtc jüdische Instanz dringend nötig ist. Schon heute ist die berufliche Lage der jüdischen Jugend nahezu ausweglos. Die freien Berufe des Anwalts, Arztes, auch des Ingenieurs bieten dem Nachwuchs auf keinen Fall Aussichten, und es bedarf dringend eines planmäßig gcleiteten Umschichtungsprozcsscs. Daß es ferner bei der Behamlhmg der, Frage der Zukunft der österreichischen Juden ebenso um die jüdische Erziehung geht, und daß die künftige christliche Schule auch hier neue Fragen aufwerfen wird, ist einleuchtend. r. d. Antijüdische Bestrebungen Wien, 13. März. (J.T. A.) Das den! Justiznünister Dr. Sc h u s c h!1 i g g nahestehende Organ der Ostmärkisehen Stimiischnrcn ,,Der Stürmer" gibt der Erwartung Ausdruck, daß die von den Ostmärkisehen Sturmscliaren aufgerollte Frage der Wiener Einbürgerungen nunmehr, da Richard Schmitz, als Regierungskommissar für Wien eingesetzt sei, eine Bereinigung erfahren werde. Fine weitere, nicht minder wichtige Frage falle dem Hundesminister für Handel, Stoc kluger, zu, in dessen Hand die Gewer,hereehtsfragen liegen. Eine Mindestforderung wäre, daß die Ansuchen tun Ausnahme von der Sperre des Antrittes von Gewerben nicht nur nach rechtlichen, sondern auch nach staatspolitischen Gesichtspunkten gclmndhabt werden. An den Minister wird die Forderung gerichtet, die Ent- Scheidung in Gewerbefragen nicht nach sachlichen Gesichtspunkten zu treffen, sondern einen Unterschied z.u machen, indem Ansuchen von Personen, die nach 1018 die osterreichisclic Staatsbürgerschaft erworben haben, nur ״in besonders triftigen Füllen" berücksichtigt werden sollen. Der Verband 11 e u t s c h n r i s c 11 c r Kcchtsanwalte Oesterreichs versendet ein Rundschreiben, in dem mit Bezug auf verschiedene der Vcrhandsleitung aus Kreisen der Mitglieder und der arischen, christlich-deutschen Presse zugegangene Anregungen ntifgcfordcrt wird, zu statistisciien Zwecken jenes Material zu sammeln, weicncs geeignet wäre, die Ursachen und Auswirkungen des wirtschädlichen Niederganges der arischen Rechtsanwaltschaft darzulegen. Zu diesem Zwecke werden die Mitglieder ersucht, solche Fälle bekauntzugeben, in denen sieh arische Firmen und sonstige Parteien des In- und Auslandes eines nichtarischen Vertreters bedienen. Der christlichso/ialc ״Josefstiidtcr Volksvcrein Dr. Karl Lueger“ verbreitet ein Masscnflugblatt, in welchem er sich an alle wendet, die ״für Glaube, deutsche Sitte, Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit cinzutrctcn" gewillt sind, und erklärt: I)er ״JoscMädlcr Volksvcrein Dr. Karl Lueger" bc* kennt sielt zu einem praktischen Antisemitismus, zur Ausschaltung jedes jüdischen Einflusses. Unsere Christlich-deulschc Bevölkerung krankte bisher unter den zersetzenden Wirkungen des Judentums. Solange in Oesterreich das öffentliche Leben von Juden unbeeinflußt war, sei Oesterreich angesehen gewesen. Seit die Macht der Juden sich geltend machte, sei Oesterreich zerklüftet und zersplittert. Das öffentliche Lehen müsse einen Wiederaufhau erfahren, der den destruktiven jüdischen Einfluß ausschließt. Emptangsabend für Dr. Welztnann in Jerusalem Jerusalem, 13. März. (J.T. A.) Zu Ehren Dr. Chaim W c i z m a 11 u s, der vor kurzem In Palästina eingetroffen ist, veranstaltete die Palästina-Exekutive der Jcwish Agency einen Empfang, an dem 60(1 jüdische und nichtjüdlschc Persönlichkeilen tciinahmcji. Im Mittelpunkt unseres Denkens stellt in einer Welt, die die zum Leben notwendigen Güter dem Menschen nicht ohne sein eigenes Zutun in den Schoß wirft, die Arbeit. Mag auch bei allen Kulturvölkern ein erheblieber Teil ihrer Angehörigen und ein nicht unbetriieht- Heber Sektor im Denken jedes Einzelnen auf die kult u r c 11 c Sphäre gerichtet sein, so ist doch im Laufe der Jahr' underte in immer stärkerem Maße eine Vers ach- 1 i c h u n g des Lebens cingetrctcn, wobei zwar die Mühe, die auf die Erzeugung der einzelnen Lebensgiitcr aufgewandt werden muß, durch den Fortschritt von Organisation und Technik der Arbeit allmählich geringer wurde, während gleichzeitig die Summe der gcleisteten Arbeit eines Volkes und der von ihm produ* zierten Güter stieg und als gewaltiger Motor dieser Ent- Wicklung eine Steigerung der Bedürfnisse beinahe in der ganzen Welt cintrat. Wir Juden empfinden es seit Jahrzehnten besonders intensiv, was cs bedeutet, eine mehr oder weniger gesicherte Stellung im Arbeitsprozeß zu besitzen. Es schien im vergangenen Jahrhundert eine Zeitlang so, als ob die Juden des europäischen Westens und auch Deutschlands in der Wirtschaft fest v c r w u r - zeit seien, und ihre durchschnittliche Wohlhabenheit befand sich im allmählichen Anstieg. Schon um die Jahrhundertwende gelangte dieser Prozeß zum Abschluß; cs machten sich die ersten Anzeichen einer Wirtschaftliehen und sozialen Krise bemerkbar, die die ökonomische Zukunft dieser Teile des Judentums bedrohten. Wenn in der jüngsten Vergangenheit durch die Ausgliederung der Juden aus gewissen Bezirken des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland der Vorgang wirtschaftlichen Abstiegs im Bewußtsein der deutschen Juden besonders stark hcrvorgctrctcn ist, so sollte man doch nicht verkennen, daß es sich hierbei nicht um isolierte Ereignisse handelt, sondern daß damit der Schlußstrich unter eine jahrzehntelange Entwicklung gesetzt worden ist. Es liegt uns gewiß fern, die wirtschaftliche Zukunft der deutschen und der europäischen Juden überhaupt in einem allzu optimistischen Lichte zu schert. Ganz unabhängig von den Maßnahmen staatlicher Natur ist die allgemeine Tendenz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in den meisten Ländern so geartet, daß eine FOftexistenz der Juden in Ihrer bisherigen sozialen Struktur unmöglich ist. Selbst unter den günstigsten äußeren ■Umständen muß aber der daraus resultierende Prozeß des Umbaus für die Betroffenen eine Periode schmerzlicher Einschräitklingen und Entbehrungen sein. Das deutsche Judentum befindet sich mitten in diesem Umstcllungsprozcß. Und in diesem Zusammenhänge können wir cs begrüßen, wenn von autoritativer Seite in zahlreichen Anordnungen festgelegt worden ist, daß die deutschen Juden auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Betätigung keinen Ein- Schränkungen unterworfen sind, soweit nictit Maßnahmen allgemeiner Art auch Juden treffen. Erst in den letzten Tagen ist eine in dieser Hinsicht bedeutsame Verordnung ergangen, die bestätigt, daß für das wichtige Amt der Führung von Betrieben der P r i vatwirtschaft das Arierprinzip keine Geltung haben soll. Wenn auch in der Wirtschaft der freie Wettbewerb die Einwirkungsmöglichkeiten der öffentlichen Instanzen einschränkt, so ist doch die Tatsache, daß die jüdischen Unternehmungen in der Frage ihrer Führung keiner Ausnahmebchandlung — mit ihren für die Wettbewerbsfähigkeit nachteiligen Folgen — unterworfen sind, außerordentlich wichtig. Gerade der gegenwärtige Moment ist ja so recht geeignet, die Bedeutung jedes einzelnen Betriebes für den Neuaufbau der deutschen Wirtschaft zu zeigen. Wenn auf den Gebieten kulturcllcr Art und in der Verwaltung öffentlicher Funktionen eine Abgrenzung zwischen Juden und Nichtjuden vorgenannten werden konnte, so ist die Ausdehnung

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