Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1934)
- Date
- 1934-03-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische Rundschau Seite 7 *״*• M>sa f fi I 1• 13, IH. 1934 y> palästinensischen Zeitungen Ein WhfsthuHsbuad 1 ncr HiirK«־r1nrl5ier von Tel-Awiw 11.1t den Vorschlag KC.! J! i'iin'11!»tinil ul vr okonom,sGum jüdischen OrrmiiJ״ti0x'();.r ן and wirte, Industriellen, I lamlwcrker, Kaufientc /u dem auch die ( nisali״nei! der Arbeiter nnpcliörcn ' 7m diesem Vorscliingc schreibt M. S m i 1 ה n s’k v im l׳w ll.1i״n>11׳י.,;״' Bedeutung dieses Bmnles ist nicht zu ' .,5״d1.1t/e״, olnvolil der Bund sieh von allen Tätig- : ,1lf״ frriilwHeii uuiltto, die rem politisch sind, hatte er ן '.|j fine drohe politische Bedeutung. Zwar winde die wichi '|e politische L rage unseres l.cbcns — unsere Beziehung :’«ieii Arabern — nicht in seine Kompetenz fallen, aber; ,n״fh hatte er auf diesem Gebiete entscheideiideii F.mllull. 1 ijuioimsche I r;t}4en, wie die tler t£1 riehturip: von Straßen. 1 VerlHssertuip unseres 1;isenbahiinetzcs, der Errichtung | -־ Hahns in Jaffa, alle dien׳ Fragen sind jüdischen umi j .,!,;;<■11011 Produzenten gemeinsam. Und es kann sein, daß | , pfini'iiisaiue Beratung und lätigkcit auf diesem (ichiete ’;;dien Juden und Arahern auch eine politische Annäherung ׳;Kitiilin 11 oder die Spannung wenigstens mildem konnte. .»wichtigste Alt(gäbe freilich f 11 r einen solchen Bund wäre »ökonomische: Verteidigung unserer Interessen nach .fn mul tmcli außen. In früheren Zeiten glaubten wir, 5'die Besiedelung Palästinas auf der Grundlage der ■״jwirbchnft!,Hein vor sieh gehen wird. Leider hat die .,״kliim! eine andere Richtung angenommen, und neben die .,(lairbchalt treten Industrie und Handel als gleichbcrcch* -c Faktoren. Zwischen diesen drei Faktoren muß ein starker ‘■i (;;schlossen werden, und er kann geschlossen werden, •« cs gibt im gegenwärtigen Augenblick keine Gegen- ׳;(, wo 11 aber viele gemeinsame Angelegenheiten. Den .,,nt Markt, der der allerskherstc ist, erzeugt und er• ,j,rt die Landwirtschaft für die Industrie und die In- ,nie fiir die Lnmlwirtschaft. Beide sind daran interessiert,; inl;indische Erzeugung vor der fremden Konkurrenz zu ,׳!fi!reu und die Möglichkeiten der Eroberung fremder ׳••Ide zu schaffen. Mit der neuen ökonomischen Eutwkk- ■j uml der Verschärfung der Konkurrenz ist es dem i/fliicn nicht mehr möplieli, sich zu behaupten, nur die ,'pcration kam; hier von Erfolg begleitet sein.“ Als Bei- •;■ן fiir diese Kooperation führt Smilansky den Kredit an. 7tist (In׳ Kreditmarkt in Palästina mehr oder weniger günstig, arr ohne Zweifel mul) man in dieser Bc/iclumg auf Er- ‘aitcruiuten gefaßt sein und wehe den verschiedenen ökono- .dien Kreisen im Lande, wenn wir in der Zeit der finan- .Im Krise, die früher oder später kommen muß, nicht in vii fcdiii ökonomischen Bund /tisammcngcsclilossen sind, •inicht mit gemeinsamen Kräften unsere Interessen schützen neu. Smilansky weist auch darauf hin, dal) der Regierung;tauber eine Vertretung notwendig ist, welche die ökoriosehen Interessen wahrnimmt und die Regierung über die •iarfnlssc der Bevölkerung aufklärt. Die Regierung sei ■-•ten Willens, aber ohne genügende Kenntnis der Erforder• jse des Landes. Die ״Sammlung der Zertlreulen" In eugeniicher Beleuchtung In der Monatsschrift ״Mosiiajim“ wendet sich der bc- ׳nute Pädagoge Dr. I. Rubin an die Aerztc und Lehrer י einem Ailikcl, in welchem er auffordert, die eiigcnisdie •Jniiinu; der in Palästina vor sich gehenden ״Sammlung ׳' /i'isliciilrn1‘ zu lieaclitcn, Palästina nähme in dieser dum:׳ eine ganz gesonderte Stellung unter allen jü- •:lim! iiiwaiideningsliimlern ein. In «nderen 1.ändern heft /wischen dm verschiedenen jüdischen Lniidsmannschaf- '1׳i keine Tendenz der Annäherung. So z. I). bestehen in taeriks zwischen ungarischen und russischen Juden fast ״1״f ßczit'luingeii. Die einzelnen Gruppen behalten auch י der nachfolgenden Generation ihren abgeschlossenen wpncncbarakter. Anders ist dies in Palästina. Einerseits «I«t die Kleinheit Palästinas die Annäherung, andererseits c-teht auch ein sentimentales Moment, welches die ein• 5■׳w indischen Gruppen zur gegenseitigen Annäherung ״mgt. Dazu kommt, daß nirgends in der Welt die Viel- *1ckeit der jüdischen Gruppen so groß ist, wie in Pa- ■Sna. So ergibt sich ׳ die Möglichkeit einer ״Mischehe“ *sehen den verschiedene« jüdischen Gruppen, die vom;enisciun Standpunkte aus sehr zu begrüben ist. Zwar hat » einzelne Gruppe ihre Schattenseiten, aber jede hat auch!e Lichtseiten, und so besteht die Möglichkeit der Sunt•;'״mg zu einem großen Aufstieg. Hieraus ergehen sich h?ogische Konsequenzen. Es ist entschieden zu verwerfen, ״״׳ für einzelne Gruppen besondere Kindergärten geschaffen wdtn. hie Schule muß zu einer Annäherung der Landsmann- Wien fuhren. Leider ist bisher noch nichts davon zu “fn, daß die Lehrer die psychologischen Eigentümlich• *teil der verschiedenen jüdischen Gruppen studieren, oder « sie ihre Aufmerksamkeit den Wandlungen zuwenden »den, welche in psychologischer Beziehung in der Seele das laust derJitddM Land t Bevölkerung / Landwirtschaft Städte, Bauwesen / Industrie / Verwaltung Gesundheitswesen / Erziehung / Elnwan* derung / Deutsch-palästinensische Wirtschäfte-Beziehungen / Keren Hajessod Keren Kajemeth LeJisrael / Zionismus vom 18.-25• MUrz 1934 von 12—20 Uhr In Markt 9 י• Zionistische Vereinigung Leipzig h /? \;׳r/ / ״- י"I ft! f > u V ״■״) ץ־־',•׳* ץ ') | , j ( :1 X ־ ** lb*J 4äJ IkJ C־ .״* f*5 ( 7n, 7'!זך y u ■ Pariser Brief *. n. 11. März 1Q31 In den letzten Monaten sind In der jüdischen Presse Mitteilungen erschienen, daß einzelne jüdische Organisationeu in ihrem Bestreben, für die jüdisclicn Emigranten aus Deutschland etwas zu tun, Pläne in Vorbereitung oder auch schon ausgearbeitet haben, einen Teil der Emigranten, welche den Wunsch äußern, sich auf dem Gebiete der Landwirt- Wirtschaft um/usehkhtcn, mul entsprechende Mittel besitzen, ln L r a 11 k r e i c 11 zu kolonisieren. Konkrete Angaben sind bis heute nicht gemacht worden. Ein Bericht über eine I ariser Tagung des Zcntralvcrbandes der ORT-Ocsellschaft öat Andeutungen gebracht, daß bereits geeignete Ländereien für jüdische Sicdhmgszwccke in Frankreich vorhanden sind, eine genauere Darlegung des Planes aber war Im Berichte vermieden. Es ist ferner bekannt, daß mich hei der Tagung, welche unter dem Vorsitz des Ilochkoimtiissars James W. Macdonalci in London im Januar stnttgefunden hat, über fäicdliiugsmöglichkriten In Frankreich gesprochen wurde. Beschlüsse nach dieser Richtung sind jedoch nicht gefaßt worden, da die jüdischen Vertreter in dieser Konferenz, vor allem die JCA.,. anscheinend für derartige Projekte nicht viel übrig Hatten, oder aber solche Projekte noch nicht zum Gegenstand von Erwägungen zu machen bereit waren. Hingegen gibt es einige private Gesellschaften, die, vom Wunsche beseelt, zu helfen, auf eigene Faust nicht nur Siedluiigspläne ausgearbeitet, sondern auch bereits Güter erworben!iahen, auf denen deutsche Juden als Kolonisten angesetzt werden sollen. Man findet in der Presse ausführliche Beschreibungen, weiche sich in leuchtenden Schilderungen über Möglichkeiten und Vorteile einer jüdischen Kolonisation in Frankreich ühcrhicton. So konnte man in einer ernsten Zeitschritt eine wundervolle Schilderung über eine Siedlung an der G i r o 11 (I c - M ii n d 11 u g lesen und bekam den Eindruck, als ob in jener Gegend bereits ehemalige jüdische Rechtsanwälte und Kaufleute aus Deutschland als Landwirte einer glücklichen Zukunft cntgcgcnsehcn. Dabei ist die Wahr* beit viel nüchterner. Es handelt sich zunächst nur um Pläne, um Wünsche uml um Hoffnungen. Wenn man die Fragen prüft, ob objektiv die Mftglieh keif vorhanden ist, in Frankreich zu kolonisieren, und begründete Aussicht auf Erfolg in diese«! Wirtschaftsgebiet besteht, so kann man nur mit einem ja antworten. In der Tat liegen die Verhältnisse in Frankreich so, daß die allgcmeine Weltagrarkrise sich in diesem Lande am wenigsten be• merkbar in acht. Besonders die Form der gemischten Wirt- Schaft (Gefreideban, Obstzucht, Viehhaltung, Gcmiisc- und Weinbau sowie Geflügelzucht) bietet durchaus die Chance, einen ,aufnahmefähigen Markt zu finden und die Kolonisten, wem! sie ihre Sache richtig verstehen, zu ernähren. Brachliegende Ländereien sind genügend vorhanden. Das französisclie Lnmlwirtschaftsniiiilsterinni stellt jedem, der cs wünscht, eine Liste von Gütern zur Verfügung, die billig erworben werden können, und die, bei entsprechender fachlicher Elgnung der Kolonisten, durchaus geeignet sind, in Intensive Kultur genommen zu werden, Frankreich bat Im Gegensatz zu anderen Staaten im Laufe der letzten 2b Jahre seine Agrar- Produktion kaum gesteigert. Auf einzelnen Gebieten Ist das Proiluktionsqu,uitinn sogar zurückgcgangen. Der gesteigerte Verbrauch von Ohsf, besonders von Edelobst, das In Südfrankreirh gezüchtet werden kann, aber nicht genügend gezüchtet wird, führt dazu, daß Frankreich Importland für verschiedene Ohstarten ist, anstatt dal) es, entsprechend den in seiner Landwirtschaft liegenden Möglichkeiten in diesen Obst* arten Exportland wäre, Die Haltung der französischen Regierung zu den Kolonisationspläncn steht nicht einwandfrei fest. Bisher ist man .allerdings noch nicht mit einem großzügigen, wohldurchdachten Plan an die Regierung hcrangctrctcn. Man kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit annehmrn, daß sie nichts dagegen hatte, wenn ווה verschiedenen (hinkten des Landes Gruppen von 50 bis 60 Familien angcsicdclt werden sollten. Bei diesen Plänen kommt aber auch die Haltung der französischen Juden heit in Frage. Ohne ihr tätig« Interesse und ohne ihre Förderung bei den Behörden wird er wohl sehr schwer sein, wcitcrgreifemlc Kolonisationsplänc für jüdische (;migranteil in Frankreich zur Durclihihiung zu bringen. Die bisherigen Erfahrungen lassen befurchten, daß die autoclithone französische Jmlenlieit es nicht gern stellt, wenn von den jüdischen Emigranten nus Drutsehhind eine größere Zahl in Frankreirh so installiert wird, daß die Zahl der Juden im Fände eine merkliche Vergrößerung erfährt. Das Verhalten des ,,Comite National" und aller an dem bisherigen Hilfswerk für die deutschen Emigranten interessierten französischen J11• den ließ erkennen, daß man nuf jüdisch-französischer Seite stets bestrebt war, den Aufenthalt 11 er Emigranten in Frank* rcicli als ein Provisorium zu organisieren. Die verschiedenen Kolonisationsplaiie leiden von vorn-• herein an einen! Mangel, der ihre Aussichten nicht allzu gün* stig erscheinen läßt. Wir meinen damit das F c 111 c 11 einer zentralen Stell c, die die einzelnen Pläne prüft und genügend Autorität hat, mit allen in Frage kommenden Faktoren über diese Angelegenheit zu verhandeln. Es geht bei diesen Unternehmungen um das Schicksal von Menschen, die zumeist den letzten Rest ihres Vermögens dazu verwendet! wollen, sich eine neue Existenz zu schaffen. Die allergrößte Sorgfalt und die subtilste Gewissenhaftigkeit sind in derartigen Fallen unerläßlich. Solange nicht von einer erfahrenen autoritativen Stelle aus die einzelnen Probleme einer jüdischen Kolonisation aut <l.1s genaueste geprüft siml( kann die jüdische ('öffentlichkeit zu derartigen Aktionen kein genügendes Vertrauen haben. Kotonisationsarhcit gehört zu den schwierigsten Untern ehniungen. Die Erfahrungen vieler Stinten, sowohl in der Innen« kolonisntion wie hei Kol;1nisati«ms,arbeiten in Ucbcrsce, sollten für all diejenigen eine Lehre sein, welche von wenig Erfahrung beschwert daran gehen, anderen Menschen anzuraten, daß sie sich in Plane einlassen, die vorher nicht genügend durchdacht sind. Gerade bei der Frage der jüdischen Kolonisation in , Frankreirh spielt das M c 1! s < 11 c!1 m n t c r i a l eine außerordentliche Rolle. Diese Seite des Problems scheint von «len Privatunternehmern der jüdischen Knhmisatioti in t rankreich nicht genügend berücksichtigt zu sein. Audi haben sich diese privaten Gesellschaften, soweit bisher bekannt ist, nicht der Unterstützung repräsentativer und finanziell potenter jüdischer Organisationen versichert. Wenn z. B. irgendein Kolmiisationspnnkt in Palästina oder in Argentinien nicht die erwarteten Hoffnungen erfüllt hat, so springt die kolonisierende Instanz ein und hilft dert in Schwierigkeiten geratenen Kolonisten att ihren SicdhmgsstcIIcn, oder aber, wenn sich diese Siedhmgsstclien als durchaus ungeeignet erweisen, werden die Kolonisten an irgendeiner anderen Stelle angesetzt. Was aber wird geschehen, wenn die schönen Plane in Sitdfraukreicli sich als ein l'chlscltlag erweisen? Wer wird da entspringen? Wer wird helfen? Hat 111:111 sich überlegt, «lad bei einem Zusammenbruch dieser Siedlung viele l'amilicn den letzten Rest ihres Vermögens verloren haben und der Verzweiflung ausgeliefert sein werden? Damit ist nicht gesagt, daß die privaten Kolrmisatkms• Unternehmer Menschen sind, die nur auf eigenen Vorteil Iredacht sind und hierbei die Interessen der Siedler nicht genügend in Betracht ziehen. Im Gegenteil, es handelt sich um wohlmeinende und gutgläubige Menschen. Aber in solchen Fallen, wo es tun das Schicksal von vielen Familien gebt, genügen persönlicher Anstand und guter Wille nicht. Es gehört hierzu auch außerordentliche Dispositions-Fähigkeit, profunde Fachkenntnis und genügend Erfahrung. Ob aber diese Eigenschaften bei allen Unternehmern vorhanden sind, die aus jüdischen Emigranten freier Berufe Bauern in Frankreich machen wollen, bleibt eine offene Frage. der jüdischen Kinder vor sich geht. Nur einzelne Lehrer haben die Wichtigkeit dieser psychologischen Forschungen begriffen. Die Psychologie ist, wie in anderen Ländern, so’auch in Palästina große Mode, aber die vielen Interessenten psychologischer Forschung und psychologischer Be• trachtmi)׳ sind fast ausnahmslos in die Schule europäischer PsvcholoVcn gegangen und übertragen kritiklos fremde Be• traclitiingsweisen nach Palästina, obwohl gerade Palästina Probleme aul/eigt, die in anderen Ländern kaum bekannt sind. Dr. Rubin verlangt eine Zusammenarbeit der Aerztc, Psychologen und Pädagogen, welche auf systematischem Wege und nach einem im voraus bestimmten Plan die psvcliobiolopischen Strukturen der einzelnen Landsmannschaft ten und den’ Einfluß Palästinas studieren. Solche Phänomene, wie die massenhafte Proletarisiermig der Juden, die in Pa- Uistina nicht unter ökonomischem Zwang, sondern aus ideellen Motiven heraus erfolgt, aber auch die Probleme, die mit «lern Ucbergang zur hebräischen Sprache oder mit dem Ucbergang von der Stadt zum Land verbunden sind, bc׳ dürfen dringend einer Klärung. Hebräisch Die bebr. Tageszeitung ״Dawar״ bringt folgende Ausfüimmgeii von Josef Baraz, dem Mitbegründer der Kwuza Dagania, der im Lande große Autorität genießt: Unter allen Vorwürfen, «lie mar. den deutschen Finwan• «icrcrn «nacht, ist der der schwerste, daß sie die deutsche Sprache in Palästina heimisch machen. Ich fuhr zufällig auf einem Schiff von Triest nach Pa• Uistina mit 1200 Juden mis allen Ländern, unter ihnen viele Einwanderer aus Deutschland. Ein Charakteristikum unter• schied diese Einwanderer schart von den Einwanderern aus Polen uml Rumänien: ihr Verhältnis zur hebräischen Sprache! Einzeln und in Gruppen saßen die deutschen Einwanderer und lernten eifrig Hebräisch. Sic dachten mit Recht, daß, wenn sie einwandern wollten, sic auch die Landes• spräche können müßten. Durch Gespräche mit ihnen gewann ich die Uebeiveugung, daß sic die Sprache nicht nur aus praktischen, sondern auch aus kulturellen Gründen erlernen wollten. Aber mir scheint, daß sich ihnen diese Einsicht im Lande verwischt, liier erfahren sie näm* lieh, daß die Notwendigkeit, Hebräisch zu können, nicht so groß ist, und ihre Energie erschlafft allmählich. Auf der Straße, im Restaurant, im Cafd und sogar neuerdings in Versammlungen kann man ohne die Sprache auskommen. Hat nicht der Jiscltuv mehr Schuld an dieser Auffassung als der neue Einwanderer? Ich denke hier nicht an das breite Publikum, sondern crade an uns, die Arbeiterschaft. Ich will hier nicht die ritisicren, «lie ihr gut bürgerliches Leben tn Tel-Awiw. in Haifa und in Jerusalem nicht aufgaben. Ich winde mien ja auch nicht gegen die Menschen, die hier leben, wie einst in Odessa. In dieser Schicht finden sich hauptsächlich die Revisionisten, auch Aerztc uml Apotheker lind ähnliche Kreise. Man erkennt sic überall an <lcr russischen Sprache, aut dem Kongreß, in Zusammenkünften, in Tel-Awiw׳, auf der Straße. Sie sind begeisterte Anhänger der hebräischen ״Kultur“ und treue Bewahrer des reinen Russisch. Aber auch die Arbeiterschaft ist nicht frei von diesem Ucbcl. Auch sic haben die russische Sprache bei gewissen Vergnügungen wie Kino tisw. gleichsam wiedcrbclcbt. Und aut vielen Neubauten hört man Jiddisch. Auch die nationalen Institutionenhaben sich dem Zeit• geist angepaßt. Für die Versammlungen der ״Oie Germania“ werden deutsche Plakate gedruckt, und die Arbcitcrorgarslsation von Haifa erläßt ihre Bekanntmachungen gar in drei Sprachen. Das ist das Resultat der Anpassung an den neuen Zustand und diese Anpassung kennt keine Grenzen. Warum nur eine Bekanntmachung, warum nicht eine Versammlung in drei Sprachen? Wer weiß, wohin wir auf diese Weise gelangen können? Jetzt heißt es, diesen Niedergang auflialtcn. Die Arbeiterschaft, die selbst die ״heilige Sprache“ zur Sprache des Lebens und zur Sprache der Arbeit iimgewandelt hat, sic darf ihre Eroberungen, die sie so viel gekostet haben, nicht einfach fallen lassen, Mit vieler Mühe haben wir aus dem Hohr.'ilscben eine Sprache des täglichen Lebens ge• macht. Nach der Arbeitszeit, in den Stunden der Muße, wurde sic gelernt und gelehrt. Wir müssen diesen Eifer und diese Unermüdlichkeit auch den neuen Einwanderern vererben. Es gibt bei uns keine Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage, aber es gibt Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit Diese muß die Arbeiterschaft überwinden! Die Palästina-Ausstellung findet für den Freistaat Sachsen n u r in Leipzig statt. VORALPINtl KNABtNINlTITUT 1 ״'‘״080’?ugERBEP, JChvvEÜ Französische und deutsche Handelsschule mit staatlichem Diplom. Elsmontar- und Gymnasial -Abteilung 8arlona Itallana Paprlfleata. Moderne Sportanisgen und Werkstätten