Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1934 .»ו PALÄSTINA WIRTSCHAFT t ן»'"*"?! »■־•'•ךץ 1 ו ill1 It'U J fe »י*"׳ ffff 4J1 IhJ 44. ‘ Lp » / ''*■ Um, ,,r,|i I )1 a I 3S.« י'*,',;״ Ir!u ADLER 'trnOc 26 ו".*!׳", "!",י! ."»יי׳ 1"1s1ln$ ter!;1?n »••«• l.l illf״, r ,״״I A1״ fr.H.r \4(,j etihnln o (entmin HLE ןן *«iq 3 י iwr M’t! 1 Hilf Mr- ן I | 1 ־Y ü Pension Idn Hti n mH imi. 1U1 cm RM 48 RM 38 llonung HIN• Von Adolf Böhm Wir entnehmen die nachstehenden Ausführungen einem Aufsätze Adolf linlnns im .himmr-Hcfl der /eit■ schrift ,,1'0 I ä s t i n tt , die enn Atbdf lUihm in 11'1171 herausgegeben wird. Im gleichen llu/le schreit>i l)r, .1. (;rann es he älter: Der Hudenerwerb des Keren Knpnn'th, Sltnllbuuingenieur 1 um Tel-AmUe, I. Schi//• mann ilher: Ihis Ihnten in I'iddsliiin, i)r. ] 1’. Kitas• her« (früher München) (ihn■: l'rinzittielles ilher die Stellung der I'seelmlngie an der Universität Jerusalem. Stnhrichtcn und Daten, tvie immer, sehr reiehlwltig, snteie eine umfangreiche Rubrik eon llücheibvshre• chwtgen schließen das lieft. plc wirtschaftliche Entwicklung Palästinas weicht bekannt- :: I, in ihrem Wesen von vier aller anderen Lander ah. Sie .,.-t den Charakter einer A 11 f b a 11 k o 11 j 1111 k t ti r mul des- .',ff, ist es alliierst schwierig, irgendwelche Prognosen nach yj jairr /״ stellen, wie sie die heutige Konjunkturforschung!,fl! Ahseh.it/ung hestiniiuter Faktoren (iekl- und Kapi- ..,';markt, Proiluktioiisimlox, Arbeitslosigkeit, Preisbewegungen, r-ntcn usw, mit yieiülioher Treffsicherheit autsteiien. 1־. nl1 hier sind zwei sonst nicht vorhandene Faktoren: 1!nW a ״dir 11 n g und K ין ״ i t a I z ti 1' I 11 li fur die Wirt- , iijttsenhvie,klung maßgebend. Die Beurteilung der I n; e ■ net davon ah, wie man die weitere Entwicklung dieser ׳iMori'i! beurteilt. Das Jahr 1933 war diesbezüglich ein «!sordl.ilir. Die legale .Einwanderung betrug ea. 30(HK) See- ׳n (amtlich(' Sehluli/iffern liegen noch nicht vor). Da/tt;״mint die sogenannte ,,illegale“ Immigration von Touristen, it eine Stellung erlangt haben (manchmal ist das auch nicht ,!ir Lall) und ohne die Lrlatibnis ab/uwarten, int Lande;rhliebcn sind. Die Menge dieser ״Illegalen“ war 1933 ilolgc des Mangels an Arbeitskräften eine besonders hohe. n:e Zahl der Touristen bis Ende September wird amtlich?;i Mi WH• angegeben, inan kann sie also für das Jahr JVJ'J ruf ca. OatliNl bis 7(10( 10 schätzen. (Der Aufschwung der Touristik ist ein bedeutender, von 13 200 Reisenden im ihre 10)0 bis zu dieser Zitier.) Die Zahl der im l ande fblicliemn Touristen ist ein Bruchteil davon und jedenfalls dir hoch, wenn auch die übertriebenen Schätzungen, die äniher im Umlauf sind, sicher nicht zutreffen. Jedenfalls Mt sich die A hsorp t ion s k r a f t des Landes, das Anfang PH3 ea. '2011000 bis 210000 jüdische Liiiwohner zidilte, .!!< unv ח r s t e 11 h a r g r o I! erwiesen. Sie war, wie bekannt, ״,mg licht durch den gleichzeitig erfolgten Kapitalzustrom. D l.mle September sind rund 2000 ('amilien der Kapitalisten- Tasse .״ingewandert. Nimmt man nach Analogie der Fnijuetc Ir )ewish Agency fur 102(» bis 1032 3700 Pfund au MfÜ.il fur die!־';niiilie an, so wurden diese 2000 Personen ״:ad 7יT Millionen Pfumf mitgebraeht haben. Diese Ziffer ׳scheint aber deshalb viel zu hoch, weil der Druck auf c!c Angehörigen der Miltelklasse so groß war, daß sicher wie Familien cimvnmlertcn, die nicht mehr als die ver-!״etc Minim,-dsuimne von 1000 Pfund besaiten. Aber inan »ud wohl nicht fchlgelien, wenn man trotzdem den Kapitalzus t r o m für 1033 mit mindestens fünf .Millionen' Pfund anniinrnt, um so mehr es ja noch «Tie Zustroimii'cllcn gibt, als bloß die der Kapitalien der [iimanilcrer. ... von 11000;mf 10 <!(K1, resp. wenn man die gerade vor Belriebscrölfnung stehenden Fabriken in Anschlag bringt, auf 18 ioo gestiegen. Dies ist nicht verwunderlich, da noch alle (lurcjigcliihrten Industncen1|11ete11 in Palästina die Durchselmitts'ald d0r beschäftigten per Betrieb als sehr klein erwiesen haben (etwa 5 Arbeiter per Betrieb). Selbst wenn wir;iiinehinen wollten, daß im Jahre 10)3 3000 Industriearbeite!• neu eingestellt worden sind, so wären das nur 10״',״ der legalen. Linsvanderuug, Zu beachten ist ferner, daß, nachdem mit der rapiden Zunahme der Bautätigkeit auch die Daum,ater׳ialimluslräc sieh sehr stark ausgedehnt hat, ein Rückgang, der Baukoujiinkttir sofort eine Depression in diesem wichtigen hnlustrie/weig zur Folge haben würde. 1 >ic N e 11 g r ii n d u n genin der Industrie sind, wie erwähnt, 1033 sehr zahlreich gewesen. Leider erfolgten iirnuer häutiger mehrere in ein und derselben Branche so dal) — wie. z. B. schon derzeit in der Strickwarenindustrie — ein imeripiieklieher Konkurrenzkampf, der zur Senkung der Reiitabiiiiat und der Löhne führen muß, in vielen Branchen schon zu konstatieren oder zu erwarten ist. Im großen '!1■'ui/eu sehi'int ahnmich ein sehr weites Leid für industrielle faligkeit vorhanden zu sein, denn die F.infuljr von Fertigfahrjk,•den ist weiter sehr stark gestiegen; sic beträgt viele Millionen Pfniul mul konnte nur zu einem kleineren Teil durch heimische Produktion ersetzt werden. Auch könnte Palästina für bestimmte Industriezweige Vcrcdelungsland werd eit. 1 laben ■die beiden wichtigsten Zweige der Produktion: Landwirtschaft und Industrie trotz, ihres Wachstums nur eine beschränkte Aufnahmefähigkeit für Einwanderer — bei beiden kann es sich derzeit nicht um Zehntausende per Jahr handeln — so ist es klar, daß die sogenannte Kon• 1 u 11 k tue d a v 0 n a b h ii 11 g t, ob di e B aubewegung in genügendem Maße a n h a 11 c n kann. Dies bat zwei Voraussetzungen: Erstens «len entsprechenden Zustrom von Menselien und Kapital, zweitens die Fortdauer der Wirtsciiafjliehen Prosperität. Das eine hat das andere zur Vorausset/ung und umgekehrt, aber dennoch enthält diese Ver• kniipfung mich eine Antinomie; Bei starker Einwanderung steigert die starke Nachfrage die HodenprcisC und dies wirkt hcmmciul auf Prosperität und Einwanderung. Was die erste Voraussetzung betrifft, so ist heute der Druck, dem die Juden in so vielen Ländern nebst dem ökonomischen ausgesetzt sind, so stark, daß ein übermächtiger Drang nach Al i iah bestellt. Die britisch c Verwaltung tut unrecht, wenn sie dem nicht Rechnung trägt. Es hat sich 1933 gezeigt, daß Im Momente, wo sie die legale Linwamle• rimg unter den Bedarf eiiisehränkt, die ihr und der Zionistisehen Organisation unerwünschte, unkontrollierbarc illcgnle Einwanderung stark zuniinmt. Diese Finvvanderimg soll mm gehemmt werden durch die Vorschrift, daß jeder Tourist fortab (><• Pfund deponieren muH. Es ist dies zunächst ein harter Schlag für die Touristik an sich. Es wird sehr viele jüdische Touristen geben, die nicht nebst den Kosten der Reise noch ein Depot von ()(• Pfund in bar werden erlegen können. Was die Touristik für die Wirtschaft des Landes bedeutet, geht aus der oben'für 1933 genannten Zahl der Ischi.1» Bndung . April *n T«j?6 *tertl. ft •Uh tK« o 84882 SCH an r«n«t<*a I. 3? blrcilig :sb.) 1,3 «Meff( tffi. •ו!»ו e r t 0 I ׳ bK 74, 'tfi* Der wundeste Punkt der jüngsten Fntwickhin^ ist die gering e Aus <1 c h n n 11 g der 1 a 11 d iv i r t s c 11 a f t - liehen Produktion. Der jüdische Bodenbesitz nimmt ז«י in minimaler Weise zu, die Neukolonisation hat einen so kleinen Umfang, daß sie, abgesehen von Wadi 01 Cliawcrctli, «'0 viele hundert Familien angeset/t worden sind, kaum wnnenswert ist. Die Vermehrung der lamlwirisehaftliehen Bevölkerung hält nicht im entferntesten Schritt mit jener granghaften des städtischen jüdischen Jischuw. Die Folge ייו nicht nur eine Schwächung der strukturellen Position der Juden, sondern eine Stärkung der arabischen. Denn die so »Br gewachsene Bevölkerung der Städte hat einen gewaltig wh steigernden Nahrimgsmiltclhedarf, die arabischen Dörfer g'scn sieh dem an. Die zweite F'olge ist eine bedeutende sicigcrung der F i 11 f u 11 r von N a 11 r u n g s m i 11 e I n. 5'mn man liest, daß z. B. im ersten Halbjahr 1933 doppelt סי viel Eier als im ersten Semester 1032 (1(1 Millionen gegen f Millionen Stück) cingeiührt wurden, eine ähnliche Zu- Mhmc bei Oeflüget usw. konstatiert, dann muß man es he• >׳äcn1, daß die vom politischen, nationalen mul Wirtschaft• jjTrri Standpunkt so wichtige jüdische landwirtschaftliche Mlonisation relativ so geringe Fortschritte macht. Nur ein ׳ehr erfreuliches wichtiges Moment ist it bezug auf die Be- «Rungen der jüdischen Kolonisation zu verzeichnen•, die jwraschcmlen W a s s e r f 111111 e, die seit 1931• und in der ™teil Zeit in immer steigendem Maße in den jüdischen kokniic« durch An Wendung verbesserter Bohrmethmleii ge• Jucht, wurde». Diese Funde ermöglichen es den betreffenden Kolonien, ihre Wirtschaft stark zu intensivieren und damit "lc Sicdlcr/ahl zu verdichten. Wenn die Bodenpreise von Beute — in der Nähe der Pflaiizuiigskolonicn verlangt man *™30 יי bis *10 Pfund per Dimain — den Bodenerwerh für fukolonisation erschweren, so ist wenigstens durch diese ««crfuiulc, denen noch weitere folgen werden, eine er- Siedhmgsmöglichkeit in den bestehenden Kolonien kfgebcu. Diese Funde sind auch deshalb so ungemein wert• 3 weil Palästina in den letzten Jahren fortwährend unter wre gelitten hat und auch in diesem Winter der Regen «her noch sehr spärlich gefallen ist. Wahrscheinlich wird frntr die Hausse der Bodenpreise in den besiedelten (legen- «n da/u führen, daß endlich der Erschließung jener (icbietc : ^treten wird, an die man sich bisher wegen der ■Kannten Schwierigkeiten nicht herangewagt hat — wie ' ™31•tat, Hulch und Negcb. O, falls muß man, abgesehen von der gegenwärtigen T'uatmn, i״, Auge behalten, daß eine Ausdehnung landwirtschaftlichen Kolonisation eme j. |C,hc ',*יי• Viel Zeit und viel Mitteln ist. Sie kann der Mit- 1: c '*vr nationalen Fonds nicht entbehren,, die geravte ff. u״(l speziell, wenn es sich um Kolonisation in neuen d ״.lel«n handelt, lebenswichtige Funktionen für das julscllc Aufbauwerk haben. Keinesfalls gibt es hier ent dem zelmtauscnde Juden per Jahr ^nghaftes Tempo, bei "**״bringen wären. ז^נ,ן *'veitwichtigstc Produktionszweig, Gewerbe und h rie, hat einen mächtigen Aufschwung genommen. °1' •"זיC^ wäre er nicht imstande, allein eine so stark •’«achsenc Arbeitcrcinwandcrung, wie sie heute vorhanden Reh״,“ al,mcntierc11. Das kann belegt werden durch die Er• teiCSc,dcr letzten Industriezählung der statistischen Ab• <U8 jewish Agency vom Frühjahr 1933. Diese zeigte, Chkii ,103° in vier Industrie angelegte Kamtal sich vor• Ä ,.14) ‘ויי,h gegen 2,3 Millionen Pfund). Die Zahl der 1»nid״! 'icn Angestellten und Arbeiter ist aber trotz dieser Wcn Expansion in diesen 2«/a bis 3 Jahren nur um 50״,״. Die Lage des palästinensischen Arbeitsmarktes Ans Haifa wird uns geschrieben: Der schnelle Wirtschaftliehe Aufstieg, der in Palästina seit etwa 1930 zu verzeichnen ist, hat auch auf den palästinensischen Arheitsmarkt ein gewirkt. Palästina wird dementsprechend mit Recht als ״das Land ohne Arbeitslosigkeit״ bezeichnet. Freilich muß man sieh davor hüten, diese Formulierung nun so mi f zu fass cii , daß jeder Mensch, der frisch ins Land kommt, sofort Arbeit erhält, daß man sich von seiten der aibeitvennittclmk'ii Stellen geradezu um ihn reiße, ganz gleich, wer er sei und was er könne. Auch auf solche Formulierungen konnte man in letzter Zeit mehrfach stoßen, und sie sind nun freilich nicht ungefährlich, denn sie gehen ein falsches Bild von der tatsächlichen Lage, erwecken Illusionen und Enttäuschung. Vor allem sind sie aber dazu angetan, denjenigen In• slitutimicn, die den Markt aus ihrer Praxis heraus übersehen und ohne eine gewisse Planmäßigkeit natürlich mich in der Zeit der heutigen Hochkonjunktur nicht arbeiten können, ihre Tätigkeit ohne Not zu erschweren. Wenn man sich hierüber klar geworden Ist, .wird eine Analyse des gegenwärtigen Zustandes des palästinensischen ArU ilsinarktes dennoch zu dem Resultat kommen, daß Pa• lästiua i m Said o einen s t a r k c n Arbeiter m a n g c I hat. Wir haben eine wirklich übergroße Knappheit an gelernten Arbeitern i n d e 11 St ä d t e n, wir haben eine starke Nachfrage nach 1111 g e I e r n t e 11 Arbeiter n a 11 f d c m Ia n d c. Aber wir haben auf der anderen Seite bereits ein Angebot au ungelernten mul halhgclemten Arbeitern in den Städten, das an manchen Punkten über den Bedarf hinausgeht. Es ist eine Frage der Verteilung, um auch dieses rein lokale Uebcr• an gebot an ungelernten und halhgclemten Arbeitskräften zur Absorption durch den Arheitsmarkt des Landes zu brin• gen, aber das Problem liegt eben wesentlich in dieser Vcrtei* iungsfrage. Der (inmd hierfür ist folgender: In den Stadien, also vor allem in Tel-Awiw und Haifa, pflegen sieh zunächst die An• kömmlinge zu sammeln. Das hat einfach technische Gründe. Der Ankömmling hat im Ankmiftshafen, also in Tel-Awiw oder Haifa, eine Reihe von Dingen zu erledigen, er muß den gcsmulhulspoli/cilichrii Vorschriften genügen, sein Gepäck aus dem Zoll holen usw. Die Dinge nehmen etwa eine Woche in Anspruch. In dieser Woche pflegen sich die meisten An• kömmiinge auch bereits um Arbeit zu bemühen. Nehmen wir an, es handelt sieh um einen wirklich gelernten Mann mit FachnusbiUhing, um einen Menschen also, der sein Fach im 110r• maien Lehrgang gelernt mui im regulären Betrieb ausgeübt hat. Ist dieser Fall gegeben, dann ist die Unterbringung eines solchen Menschen, wenn nicht ganz besonders komplizierte persönliche Verhältnisse vorliegen, gar kein Problem. Er wird schnell Arbeit finden, bei der er sein gutes Auskommen hat. Schwieriger liegen die Dinge schon bei den Halb gelernten mit kurzer H a c h s c 11 a r a h. An solchen Mensehen ist a u c h noch Bedarf vorhanden, aber es kommt hierhei sehr weitgehend auf den Grad ihrer Ausbildung an und auf ihre rein persönlichen Eigenschaften, Geschicklichkeit, körporliche Zähigkeit usw. Der Mangel an fertiger Ausbildung kann sehr häufig durch solche persönlichen Eigenschaften kompensiert werden. Dennoch darf der Betreffende nicht erwarton, daß seine Leistung als die eines voll ausgebildetcii Hand- ■ werkers oder Arbeiters bezahlt wird. Sehr viele junge Menselten, die sich jetzt noch in Europa auf handwerklicher Touristen hervor, die zumindest eine Million Pfund im Lande verbraucht und damit einen sehr wichtigen Faktor für die GcsamtwirlscTiaft bedeutet haben. Ein Ruckfall der I ourisfenzahl etwa auf die I lalftc der vorjährigen bedeutete einen Ausfall von einer halben Million Pfund Ausgaben von Touristen im lande. Was die Ilern m u ״ g der illegale 11 L I n w a n d e runp durch jene Bestimmung betrifft, so muß wiederholt werden, was alle maßgebenden Stellen der Jewisli Agency mit vollem Recht erklären, daß ihnen die illegale Entwänderting genau so iincrwiinscltt ist, wie der Regierung, da sic unkontrollierbarc, für die zionistischen Ziele und das Land ungeeignete, manchmal sogar schädliche Elemente ins Land bringt. Auch entsteht durch diese Eiiiwandcrimg, die viele Llemente mit sich fuhrt, die nicht einziiordncn sind, eine künstliche Arbeitslosigkeit, die mm wiederum der Regierung einen Vorwand zur Einschränkung der Einwanderung gibt. Die meisten illegalen Einwanderer iimlcn allerdings Arbeit und die Vertreter der jewislt Agcncv weisen darauf hin, daß mir die Drosselung der legalen Einwanderung durch die Administration, schuld daran ist, daß die Möglichkeit für tausende 10m isten bestellt, Arbeit im l ande zu finden. Be* sonders krall tritt diese Drosselung im Oktober zutage, wo von der Exekutive 25 011(1 Arbeitsplätze fur das .Halbjahr Üktober-März ttacltgcwicsen und nur 5300 Zertifikate be• willigt wurden. Fs gibt daher nur einen Weg, die illegale Einwanderung aut ei" Minimum zu beschranken und der ist, daß che Regierung eine genügende Zahl von Zertifika• ten bcrcitstelli Alle Sperrmaßuahmen werden sonst auf die Dauer nichts nutzen. Der Drang, in Frez Israel zu leben, ist heute hei der Masse der Juden so stark, daß immer, wenn das Land fähig ist, Tausende mul Abertausende von Ar• beitskräften aufzunehmen, alle Damme überflutet werden, was keine Macht der Erde verhindern knim. . . . Der für die Wiufermoimte zu gewärtigendc Rück• gang der legalen tt tt d illegalen Einwanderung wird vielleicht die wohltätige Folge haben, daß die tibermäßig in die Höhe getriebenen Preise für Boden, so wie dies bereits begonnen hat, etwas zuriiekgehen werden. Hier ist und -bleibt (Irr wundeste Punkt im Aufbauwerk. Diese hohen Preise verhindern eine Ausdehnung der landwirtschaftlichen Kolonisation, die hohen Mieten in den Städten verteuern den Lebensstandard, den Arbeitslohn und damit die Produktion«• kosten, daher auch die Konkurrenlifähigkeit der Industrie, somit das ganze wirtschaftliche System. Wenn dies bisher noch nicht in Erscheinung trat, so ist das dem wichtigen Umstand zn/usrhreihen, daß dem wirtschaftlichen Handeln vieler Juden in Palästina starke außerökonomische Antriebe zugrunde liegen. . . . Der Jude zahlt die unsinnigsteil Preise für Boden im Bewußtsein der Unwirtschaftlichkeit dieses Tuns, aber er trägt jedes Risiko und verschmerzt Vcrmögcnsverltisto, wenn er mir in Frez Israel sein Heim gründen kann. Diese außerökonomischen Motive sind geeignet, auch weiter das Bild der Wirtschaft Palästinas zu verzerren, das ohnehin infolge des besonderen Anfbauclurakters der ökonomischen Dynamik kein normales sein kann. Immerhin, auch hierin gibt cs Grenzen, und dieser Faktor kann keinesfalls von entscheidender Bedeutung sein. Die Steigerung der Bodenpreise muß ihre natürliche Grenze finden und die Möglichkeit, daß durch einen krisenhafter! Rückschlag die Wertinflation zuriickgctricben wird, ist nicht von der Hand zu weisen. . . Hachscharah befinden, stehen offenbar auf dem Standpunkt, sie kämen hier in ein Land, in weichem sogar schon ihre Ausbildung von ein paar Monaten l änge mul von nicht immer einwandfreier Qualität sie zu ״Spitzenleistungen'‘ befähige. Her I lalhgelcrnte oder der Ungelernte kann hier nicht mit l.öhmn rechnen, die nur dem Facharbeiter bezahlt werden. Fr kann aber auch nicht damit rechnen, in Positionen hineinzukommen, die nur ein Facharbeiter ausfiillen kamt. Und hier besteht nun tatsächlich bereits ein gewisses Dilemma. Es ist klar, daß den Menschen, die aus Mittelctiropa hierher kommen, das städtische Leben mehr zusagt als das auf dem Lande und als die Arbeit auf dem Lande. Ein Teil der Menschen also, die mit flüchtiger oder doch nicht ganz ausreichender Fachausbildung hierher kommen, ist an sich schon psychisch gegenüber der Landarbeit gehemmt. Die nsychische Hemmung verstärkt sich gerade wegen der erwähnten Ausbildung, die dem Betreffenden das Gefühl gibt, er habe ein Recht darauf, in der Stadt zu bleiben und könne hier auch etwas leisten, während hl Wirklichkeit an Kräften dieser Art in den Städten bereits ein gewisses Ucberangchot vorhanden ist. Man muß diesen Menschen also begreiflich machen, daß ihre Anzahl an gewissen Punkten des Landes, eben in den Städten, bereits zu groß zu werden beginnt während auf der. anderen Seite die Landwirtschaft nach Arbeitskraft ten aller Art geradezu schreit. Fs hat sieli erwiesen, daß es sich hei den meist er! Menselien der Kategorie von Halb• und Ungelernten, die in den Städten Arbeit stielten, obwohl man sie auf dem Lande dringend braucht, nur tun ein Uchergaugsstadium von hochstens einigen Monaten handelt. Alsdann beginnen auch dje hartnäckigsten ״Gegner der Landarbeit“ sich von der Notweitdigkeit der oben angedeuteten Verteilung zu überzeugen, und sind dann sehr schnell vom Arheitsmarkt absorbiert. Das Problem löst sich also für den einzelnen unter mehr oder minder großen Schwierigkeiten, aber es löst sich deshalb, weil eben tatsächlich im Saldo im Lande ein fühlbarer Mangel an Arbeitskräften besteht. M. Jüdische Bodenkäule im Haila-Tiberias Distrikt Haita, <t. März, (J.T. A ) Ein vom amerikanischen Ricliter Bcrnard A. Roscnblatt, dem Ingenieur Joseph Lcvy und einigen anderen Finanzlcutm gebildetes Konsortium hat im Haila-Tiberias-Distrikt umfangreiche Boden kaufe aus dem Nachlaß des Grafen Sclirn Dschcdkl aus Alexandrien durchgeführt. Es handelt' sich tun 4000 Dtntam in Santach, ein L.andstiick, das von der Eisenbahnstation bis zur Grenze der Kolonie Daganiah reicht, ferner um einige tausend Dunam an der Straße Haifa—Liberias, HO Dttnaiti, die ein Verbinduiigsstück zwischen der Haifaer jüdischen Vorstadt Hadaf, Hakarmel und dem Berg Karmel darsteilen, ein 200 Duttatrt großes Verbindungsstück am Kischon-FIttß zwischen der Stadt Haifa und dem großen Bodenkomplex des Keren Kajem,eth an der Haifa-Bucht, sowie um 100 Dunam angrenzend an Bath Galittt. Schließlich gehören zu dem Besitz noch 400 Dunam in der Stadt Tiberias. Das Konsortium beabsichtigt, das Gebiet sofort wcitemivcraußern und hofft, damit den Ansätzen einer Bodenspekulation entgegentreten zu können«