Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 jüdische Rundschau Palästinensischer Bilderbogen Von Dr. Albert Baer, Haifa (Siche ״Jüdische Rundschau“ Nr. 102/1013 ü. Nr. 8/1031) Von Chauffeuren und der BerufsutmchUhtung llamra Square ist der traditionelle Wagenplat/ Haifas, liier standen fiulicr die l,(erdcwagcn, von denen es aueli jetzt iineli eine große Aii/ahl gibt, hier stellen jet/t die Autobusse und Taxis, und /war nach Nationalitaten versehieden. An *Ier einen Seite des Plat/es, dem Eingang /um jüdischen (iesciiidtsvieitel, Mcrkas Misehari, stehen die jüdischen Taxis, an der anderen Seite, dem Fiugatig /um arnhisehen Markt, «lie araiiisclien, und der ganze Mittclplatz. wird von den Autobussen. 11 .ich dem Karmel und dem Wohnviertel I ladar I lakarmel eingenommen, deren Uhaiiffeure aussehlielllieh jüdisch sind. Oherhalh »los Plat/es stellen noch die jüilisetien Autobusse nach Butt» (ialim, «lein jmliselien Woluivivrlel am Ufer des Meeres, und die arabischen Autobusse nach der Eisenbahnstation Karmel. Andere I inien, die früher ebenfalls noch von der Mitte des Plat/es;umginge», iiinllleii weielieu und ihre Aufstellung an einem grollen Platz, am Hafen nehmen, weil «Itc Ver- Stärkung «les Verkehrs naeli I ladar Hakarmel mit seinen jetzt wohl 15 000 jüdisehen Einwohnern eine erhebliche Vermcliriiiiir «ler Autobusse erforderte, so dal! jetzt tatsächlich ein 3-Mim1len־Verkcbr /wischen Merkns Misehari 11ml I ladar I lakarmel bestellt, während der Verkehr nach dem Karmel noch immer zu Wunsche» übrig labt. Die Tätigkeit als Chauffeur in einem solchen Autobus und insbesondere ווו einem Wagen nach I ladar 1 lakarmel ist ein sihr begehrlcr Beruf, aber keineswegs einfach zu erreielieu, weil sowoiil von seiten der Regierung wie von seiten der den Verkehr bedienenden Kooperative der Chauffeure allerhand Schwierigkeiten gemacht werden. Selbstverständlich haben sieh auch einige von <1011 ״Neuen" bemüht, Mitglieder der Kooperative zu werden und auf (inuid ihres aus Europa mitpebraehteii l'iiluei seheins oder naeli hier bestandenem Examen von der Regierung die I Izenz zu erlauben, und es ist erfreulicherweise auch einigen gelungen. Sie sind nntiirlieh sehr slolz auf ihre neu ' Würde lind können es auch sein; sie haben eine maieriell sichere Position erlangt, der Bend als Chauffeur ist im ganze» Laude hochgeschätzt und gesucht. Die für die Abfertigung der Fahrgäste — der Chauffeur ist zugleich auch Billettverkäufer not* wendigen hebräischen Sprnchkcniitnissc sind schnei 1 erworben und wo die Worte fehlen, stellt eine Bewegung zur rechten Zeit sieh ein, man muH ja aueli mit Touristen aus aller Welt, mit englischen Polizisten und Soldaten und mit arabischen Fahrgästen verhandeln, und wird manchmal in die I nge versetzt, Fragen zu beantworten, die über den Kaut tles Billetts hmnusgohcii. Man 11,11111־ nicht behaupten, daII die städtischen Chauffeure sehr freigebig mit ihren Auskünften und 'ihren Worten sind, und diesem Typ haben sieh die ״Neuen“ schnell nngepaßt. Mögen sie auch sonst im Privatleben die umgänglichsten und redefreudigsten Leute sein, sobald sie im Autobus sitzen, suchen sie den paläst in eil* siseheu Typ 711 wahren, und ein wortkarges Brummen trilt vielfach an die Stelle menschlicher Sprache, wobei dies allerdings, wie schon gesagt, fehlende Spraelikenntnisse ausgezeichnet ersetzt. Selbstverständlich ist der Beruf des Chauffeurs liier keineswegs sozial weniger geachtet als der Beruf des Kaufmanns oder Akademikers, wie cs ja überhaupt in Palästina im sozialen Sinne keine Stamlesunterschiedc gibt; jedenfalls ist der Arbeiter und Handwerker in der Cie- Seilschaft genau so geachtet und geschätzt wie der Akadcmiker, eines der erfreulichsten Kemi/eiclion des jüdischen Aufhaus Palästinas. Aus diesem Cirunde kann cs auch keiner der neuen Finwauderer aus Deutschland hier f 111 Lande als ein Hinabsleigeii auf der sozialen Stufenleiter empfinden, wenn er seinen Beruf wechselt. Sicher geht dieser Berufs- Wechsel nicht ohne grolle Schwierigkeiten aller Art vor sieh, subjektive und objektive, aber die Empfindung einer Deklassiermug braucht hier jedenfalls niemand zu haben. Von den ca. IO früheren Anwälten ans Deutschland, die sich in Haifa atifhalten oder bis vor kurzem aufgehalteii (iahen, sind ein Viertel zur Laiidwirlscli.ift übergegangen, ein Viertel sind als Kaufleute — selbständig oder in Stellungen — oder in der Industrie tätig, ein Teil sind Handwerker, sechs bereiten sich aut «las hiesige Aiiuallsex aincii vor. Vielfach Italien auch die Frauen der früheren Akademiker Berufe, betreiben hier ein Ladengeschäft usw, Noch sind nicht alle Neuen ״eingeordnet1', aber dieser Prozeß macht doch Fortschritte. Winter Mit dem Monat November und dem Beginn der Frühregen beginnt auch in Palästina die Winter/eit; einen Herbst im europäischen Sinne gibt es liier nicht. An maneben Tagen ist es empfindlich kalt. Das Thermometer nähert sich, in den verschiedenen Luiidcstciien ganz verschieden, dem Nullpunkt, in Jerusalem z. B. gab es wieder auf kurze Stunden Schnee. Wohl mancher neue Einwanderer bat im Sommer beim Auspackcn seiner Winters;iclicn, des *licken Wintermantels und der Handschuhe gedacht, (lall diese Kleidungsstücke für Palästina höchst überflüssig seien, aber er hat cs an den regnerischen und kühlen Tagen «loch als angenehm empfunden, einen dicken Mantel zu bähen, und auch WintcrlmiidscluilH* kann man an solchen Tagen sehr gut gebrauchen. Sogar Herren- und Damenpcl/e wer- «len um diese Zeit lu-r vorige holt. Für die Hausfrauen bringen die Regentage viel Reinigungsarbeit mit sich, denn es gibt vielfach auch in der Stadt noch!!!!gepflasterte Straßen und Wege, da die Stadtverwaltung nicht so selmell Straßen anlcgen kann wie die Häuser gebaut werden, und aueli hier bleibt daher der Erdboden an den Schuhsohlen kleben und wirtl mit ins Hans und in die Wohnung getragen. Von «len Schuhen müssen dicke Schichten nassen oder getrockneten Samtes in Scheiben ahgesclmitteii werden, und die arnhisehen Scimliputzer verzeichnen Hochkonjunktur, Sie steigern bei solchen Schuhen ihren Preis von!'.. <■rusch (יו'!• Pf. auf 1 (iriisch, timl in ganzen Scharen strömen sie am Sclinbbath in das jüdische Wohnviertel Hadar ttaknrincl, um hier den Bewoltiicrii die zur Scliahbath-Kleidimg passenden gut geputzten Schuhe zu verschaffen. Durch die imfertigen und schon hewohnten, aller im Treppenhaus noch nicht überall verglasten Häuser pfeift der Wind, wobei übrigens die in arabischen Häusern 'Wohnenden Leute keineswegs besser daran sind als <lie in jüdischen Häusern wohnenden, weil auch die arabischen Wirte den jüdischen in der schlechten Behandlung der Mieter keineswegs naelistehen. In den Wohnungen ist es also 11111 diese Zeit incHt recht kalt, sie sind ja wegen der acht bis neun Sommermonate ohne Ocfcn gebaut, und mau Nr. 20, 9. III 19^ I 1 Touristen diskutieren voller Erwartung die Probleme Palästinas, Die Cbaluzim nützen die Tage der Reise zur Vergrößerung ihrer H hiüiuj, Kenntnisse, Unser Bild zeigt Olim des Jugendblindes ,VferkUute', ויי Die neuen Badcanlugcn an der Straße Tibcrias—Daganiah. Dr, S. Lnehnumn. der bekannte Heilht'idcr-Expetic aus Deutschland, weilt gegenwärtig im Zusammenhang mit dem Ausbau der Quellen von Tiherim in Jerusalem. hilft sich mit den transportablen Pctrolcumöfen, die dort aiiigestelll werden, wo man gerade Wärme haben will. Nur eine allgemeine Durchwärmung der Wohnung wie in Europa bei Kachelöfen oder gar bei der Zentralheizung ist damit nicht zu erreichen; daher beginnt man jetzt auch neue größere Wohnhäuser mit Zentralheizung zu bauen. Die Radio- und (iramiiiopliomnusik, die in den Sommermonaten von den Balkonei! und Terrassen her zu »ווווווווו!ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו!ווווווווווווווווווווווווו!וווווווווווווווו1וווווןו!וו!ווווווו1וווווווווווו1וו1וווווווווו!ווו Häckden di&tdafy: ........... hören ist, siedelt im Winter in die Wohnungen über, und da wie bei allen modernen Häusern auch bei den palästinensisclicn die Wände nicht sehr schalldicht gebaut sind, kann der Bewohner eines solchen Hauses von Freitag abend bis Sonnabend Nacht einschließlich ein ganzes gemischtes Programm der ernsten und heiteren Musik aller Volker und Zeiten zu Ijöreii bekommen. Der Winter ist auch liier, wie in Europa, die ״Saison“, die Zeit der geselligen Veranstaltungen, Alle Vereine erwachen zu neuem Leben, cs mehrt siel! die Zahl der Vorträge, Versammlungen, Sitzungen, Kurse, Bälle und ״Neschafim“. Aber ein Peel« für solche Veranstaltungen ist es, wenn gerade besonders starker Regen fällt, denn die Bevölkenmg liebt es nicht, bei Regen niis/ugchcu. Ein Hand* werker, der zu einer eiligen Reparatur bestellt wird, erscheint nicht, weil es ״regnet“; angesagte Sitzungen fallen aus usw. Die neuen Einwanderer haben sich »och nicht an diese l.amlessitle gewöhnt, so daß zu einer Veranstaltung der nhachiluth Olej lierniania und des Keren Hajessod trotz, strömendem Regen 3P0 Leute erschienen! Niemals aber bcklagt sieh jemand über das schlechte Wetter, denn alle wissen, daß der Regen für das ganze Land von größter Wichtigkeit ist, ״(icschctu low“ (guter Regen), ״(icsclicm hahraehah“ (Regen Bringt Segen) sind die Bezeichnungen für das. was man in Deutschland ein ״Hundewetter“ zu nennen pflegt, jeder fühlt sich mit dem Wohlergehen des Landes aueli in dieser Beziehung verbunden. Die Jüdische Bucli-Verelnigung teilt mit, daß das erste Buch der Jahresreihe, der neue Roman von (Jcorg Hermann ״Lilie Zeit stirbt•',' in etwa 10 Tagen zum Versand gelangt. Das Buch wird lediglich in der benötigten Auflage hergcstcllt, Nachlieferung ist nicht möglich; ebensowenig gelangt das Buch in den Buchhandel. Anmeldungen au die Jüdische Buch- Vereinigung, Berlin W 15, Pariser Str. 7. Der Violoneellovirtuose und Komponist Joachim Stutschewsky hat kürzlich in Wien und Zürich Konzerte veranstaltet, die ausschließlich Werken neuerer jüdischer Komponisten gewidmet waren. Der jüdische Musikvcrcin in Krakau hat Stutschewsky cingeladen, Anfang März einen Abend jüdischer Musik zu veranstalten. Tel *׳ Awiwer Konzert - Rundschau T cl-Awiw, im Februar 1034. Noch klingen die Töne der lluherinannselien (icigc in uns nach und schon sind Artur Schnabel und Lriki M o r i 11 i angekündigt. Die Zw ischenpause wird ausgciullt von Konzerten, deren Programm-Niveau nicht immer identisch ist mit der Qualität der künstlerischen Darbietung. Aus Amerika kommt Deborah N i k I a d und stellt sich dem Tel-Awiwer Publikum in einem Beethoven-Abend als Dirigentin und Pianistin vor. Das palästinensische Orchester unter Leitung von Wolfgang Frie-dländer spielte das Klavier• konzfrt Fs-dur, bei welchem Frau Nikl.nl die Klnvierpartie übernommen hatte. Sie verfügt über eine einwandfreie Technik, wirkt aber reichlich iinkon/eiitriert. Als Dirigcnti» Her Lginoid• Ouvertüre und «ler Siebenten Symphonie zeigt sie sielt überaus akademisch. Sie vergißt keine einzelne Phase des Faktes n! schlagen. Die grolle I inie fehlt ihr aber und von der Kraft und Wärme der Beethovenschen Schöpfung wurde mir wenig spürbar. Als Ucbtiitg für das Orchester war immerhin auch 1 diese Aufführung begrüßenswert. I In einem Violin-Abeml von Meyrowitz hörte nun I ein sehr schön gespieltes Bruch-Konzert, während man sich I mit seinem Bach-Stil nicht ganz hefreumlci! kann. I's war N־• I dauerlicli, 'daß diese Veranstaltung, die im Zeichen einf« starken künstlerischen Bemühens staml, keinen stark.!?n «• such mtfwics. In «ler gleichen Woche hörte mau zwei Klavicr-Kon«,rie. Die Pianistin Rozy B o r o w s k i ־ T c m i a 11 k a zeigte in einen sorgtältig zusmnmengestellten Programm gute Technik, jedoen läßt ihr Spiel den Zuhörer ziemlich miberiilirt. Ihre Darbiotungen wurden unterbrochen durch Cello-Vorträge von Harry Soll, «ler von Sara Heller einfühlsam begleitet wurde. Die erst dreizehnjährige Klavierkünstlerin S 11111 a mit ״ S I! a f i r zeigt sich als außerordentlich he;«chtensw׳ertcs_ Talent und ist zweifellos nicht nur für das palästinensische Käm/crt• leben eine große Hoffnung. Sie spielte die Sonate op. ׳• (Pathetique) von Beethoven mit einer erstaunlichen Kraft iw 1 einer Hingabe, die hei «len Hörern sofort Resonanz hm1׳ I Auch die Papilions von Schumann sowie das Scherzo v״« Chopin und die Aria Variata von ll.ieli waren;uillcrordo! liehe Leistlingen, während ihr Lis/t-Spiel (Licbedrauin) ף״ Ansprüchen nicht ganz, genügen konnte. Bei Variationen um; Rondo von Schubert assistierte am Flügel Professor Da" Schorr, der Lehrer «ler jungen Künstlerin. Manfred ücis Wie der Telegraph meldet, hat Dr. Martin lD'.iJ früher Dozent an der Vh1iversit.it Leipzig, an der Univcrm. Leiden mit großem Erfolg seine Antrittsvorlesung ״ '״r, und Wesen «ler Eheschließung nach altorientalischer «'u fassung“ in holländischer Spruche gehalten. Oie Leitung der S I;1 b ״ d k a er J e s c 11 i w a in . 1J ru Salem beabsichtigt, das Andenken ihres früheren lei'‘׳ d«'S vor wenigen Monaten verstorbenen Raw Moscheil •; dechai Epstein, durch ein Werk zu ehren, «las in sCl״M Sinne zugleich kulturellen und sozialen Zielen gewidmet י , soll. Es soll in Jerusalem ein modernes Jesclii'va-I lein! den Namen des Toten erstehen. jfg ' * •־־־׳־,V f/fßp*.!”5ן \ > '..i׳ '.־! ... ¥:<l ‘ff-,I JLQ! u/'״ P- ־! *'"‘®יי! ״mm■ <!%' ü ן!' »fl ך_____-<1<__י1י1><><י verlangen sie dieT'\koshnlo$elusenW, desgilde-helmdal-/;,׳ \teppich'kat,al03«j : ‘!S30.5S!41: -1865“ -?§89: “183; a ־« “HM131; ־««- bettu m ra n dun gen brücken 1 Loufer (365 י0§.ס)^ו1^365£4501״5?.מ PQ r10ß91״Y) I £ 2Bei1vcdc0.?5״l5sOl. 26eHvori,m?S״l5550.2**״ ״ IrriC a/ g vor-1a.Q.e:n««03s^M?*fi1^0.13.25 17. 5 24.״־ Verkauf nur Berlin C2j Sßandeuermi *An«!,חך \! t: j••