Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1934)
- Date
- 1934-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ס i fa 19 / Jahrgang 39 י-—•-•״ין- C* ״ u 1 ן '\. r~l r ir ר~ 1 r;•׳,־ <׳-/ 1־T ״׳ ' ' * ־' ' \v 1J V«: 1 \ \J f j r ׳•, 4..,,.1 '׳״<-*. \ ..Ul.jl '׳׳<״. ר־- 1»־ ד"? י i!«j ך#׳ י J•»-» «""■-ו ■* ——ו.!!! ן>׳ ""«*ן ןי«־*!*-«ן ןי»"׳ ( I נ' V נ,"",! }J fl, \ f ״»־** ffcll 1 IL^»׳ \ \ / / r\ ןן—״«g ן, } W *; i Frei• RM —.25 <״\ r—•! r / \ 5 \ .׳/ ' l, י , ' י ^fll.UBng.V•׳!■« ■. An*«l**1.*.n.«U»1,״, B.rllnWl*,M«ln.h.,l,.1« I' 31«!/«2,71<7240/42 ,5/70 י. - H,״,e״rr״l. pro M״t״.t UM2 ־<—• I"״ Q"־5.75 1«1״ PortBchock-Konrim dm־ Al>ont1*mtm*-Abf»iIrrnK: Ml" 71 573 (l״r <י״1י״מ-«״׳כ. B«rlin n 392 (lür d.« ühH«״ R.lch). Auü.ml*. ״״,, In 1**׳«%•׳ UndMwIlhnin*. - Kradi.Int jaden »!««■tag and r»!tag. B ERLIN י״ט אדר תרצ״ד DIENSTAG, 6.MAERZ 1934 Anialgenlarlf 1 Dia 126n»p»lt»n• Mllllrnrnm-Zril• UM. —,JO. Kl, Smllnntvnurha RM. —,10, lür Fnmillnrmarllrichten RM. —,1$. Eta1«Unf*l|«n nur *׳c»B Vor*״»- *aVilunß *ul Po*t*rhuch• Konto Berlin 71 61S oder in dar Anreißen-Annihm* Montag hi* Freitag 9—15 Uhr. Ann*hme*chlttS IIIr che Dl*n*t*g-At1a«*b* Monta! 10 Uhr. lür die hreltag־Att«gah* Mittwoch 13 Uhr (Famllienanrrigen hl* Donneratag 10 Uhr) p*r ZlonUmu• •rslrebt IQr da« JQdische Volk dlo Schaffung clnor Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ,,Baseler Programm'!hl4V*./7 L'naaMaJ It-r-mji!\ רד, | כ־ך! ׳ 1 u׳ 1 r1, ׳ (״ 1} J |eath>j £e~• J״,»41 L Ü» '־ ,"*יי"' ץי״יייייין ן 'ן y—1>***"^"'**^ { ־<״•—■< ך<׳^ 11 :, r 1!!!י!;׳;! 11 י r j!. j! (: Juden imd Levantiner Es ist /11 begrüßen, wenn in allen Kreisen des deutscheu Judentums, die sich Gedanken über Gegenwart und Zukunft unserer Gemeinschaft machen, die Erörtcrimgcn über die jüdischen Aufgaben der Zeit fort- ״csetzt werden. Wir können aus zahlreichen Anzeichen feststeilen, daß es heute nicht mehr so ist wie noch vor wenigen Jahren, als die Zahl der deutschen Juden, die am jüdischen Lehen und an der Arbeit für die Neu-; (׳(?taltun״ der jüdischen Zukunft tcilnahmen, verhält* rimiiilSig klein war, während ein Großteil von ihnen mir gelegentlich bei besonderen Anlässen an jüdischen Dingen sich beteiligte. Heute dagegen empfindet man 1״anz deutlich, daß alle oder fast alle deutschen Juden in den Problemen, die mit der Gestaltung des jtiili-!dien Lehens Zusammenhängen, innerlichen Anteil nelimn; wir haben eben alle gemerkt, daß das Judentum für jeden Einzelnen in den praktischen Dingen des Lebens sehr relevant geworden ist. So ist es dazu gekommen, daß die Diskussionen, die über all diese Fragen geführt werden, einen ganz anderen Widerhall in den Herzen der deutschen Juden finden, als es vorher jemals der Fall war. Um so crölier ist die Verantwortung derer, die in der Oeffcntlichkcit über die Probleme des deutschen Judenlatus sprechen, mögen sie nun die gegenwärtige Situation darstcllen, oder Wege für die Zukunft suchen. Man muß es bedauern, daß in diese Dis- 1 kinsloiicn 211111 Teil Begriffe hiiieingctragen worden sind, die nur wenig mit der Wirklichkeit des jüdischen Lebens zu tun haben! tmd deren Verwendung nur aus einem Interesse an der Mcmik an sicli zu erklären ist. Ein solches Wort ist;8. die Unterscheidung zwischen den deutschen Juden, die in Deutschland ihre Zukunft suchen, und den anderen, die ausgewaiidcrt sind oder die Auswanderung!״streben. Wer das Lcbensscliicksal vieler Familien eini- »maßen kennt, die ausgewandert sind, und von ebenso '!den anderen, die voraussichtlich in Deutschland ihre Existenz weiter suchen werden, der weiß, daß der Entdiluß zur Auswanderung oder zum Hicrblcihen nicht durch ideologische oder prinzipielle Erwägungen hertcigcfülut wird, sondern daß die Fragen der u׳irt- , schaf tl i ch cn Existenz die ausschlaggebende Rolle dabei spielen, wenn man davon nbsiclit, daß rein menschliche Dualitäten auch hierbei wichtig sind, "ic ja die Lebonsgestaltung des Einzelnen überhaupt! durch seine mehr oder weniger große Beweglichkeit, j 5einen Optimismus oder seinen Pessimismus den Dingen Id« Lehens gegenüber bestimmt wird. Aus diesen zu- ^Higen Tatsachen nunmehr einen Schluß auf die Besinnung von Menschen zu ziehen, ist einfach 1 *surd. ן Dabei ist die Frage der Gesinnung im jiidi- | |:bcn Lehen überhaupt ein Problem, das einer Klarf2ung bedarf. Uns scheint, daß sowohl in der Ge- ®ünde wie in allen jüdischen Organisationen und In- ., •btutioneu ein M a ß s t a b gegeben sein sollte, der | den Wert des Juden für diesen Lebenskreis bestimmt: Das ist die Kraft seines Willens zum Judcscin, *eine Bemühung um die Gestaltung des persön- I lieben Lebens im Geiste des Judentums und j seine Bereitschaft zur Mitarbeit an den großen I jüdischen Aufgaben unserer Generation. btiier dieser Voraussetzung allerdings gibt es heute im putschen Judentum keine fest in sich abgeschlossenen . cr gar sich feindlich gcgenübcrstchcnden Fronten, j J1* sie von mancher Seite anscheinend gewünscht wer-! c.n• 1ייי Gegenteil, wir haben es in unzähligen Fällen! und sehen es täglich aufs neue, wie die Starke יי ו die Gemeinsamkeit der Erlebnisse des vergangenen ״ lrcs Mensche!) aus den verschiedensten jüdischen La- . ווזזן zusaniincnfülirt und in ihnen die Bereitschaft weckt,! :r %fnes Leben neu zu gestalten, den Weg zu einem '! >».. ״füllten Judentum zu finden und an eiert ' 1 iirt " jüdischen Aufgaben mitzuarbeitnn. Es ist mcnsch* * י E״r lerstiindlich> wcnn Repräsentanten einer vergangenen 1 ״,^he im deutschen Judentum und Führer von Or-! '"1«honen, deren innere Struktur jener Vergangenheit i juPr*ch> nicht aber unserer drängenden Zeit, diese ־ idit u f11״& der Seelen nicht wahrhaben wollen, die I luetischen von ihnen fortführt. Was sich hier an* bahnt, ist aber ein elementarer Prozeß, der nicht durch mehr oder weniger gut gemeinte ״Bcschwörungs* versuche“ zu bannen ist: Das gemeinsame Erlebnis der deutschen Juden, die einheitliche Gestaltung ihres Schicksals und die für alle gleich gerichteten Aufgaben im Interesse der jüdischen Zukunft führen den besten Teil unserer jüdischen Generation dahin, ein reiches, nicht formelhaftes, sondern mit Lehen erfülltes Judentum zu ersehnen. Die wirklichen Einzclschicksale, aus denen sich das Oesamtscliicksal der deutschen Juden zusammensetzt, sind überall sehr ähnlich gelagert. Die echten Interessen weisen die deutschen Juden aufeinander hin, Wenn heute trotzdem Differenzen über Wertung der Gegenwart und Gestaltung der Zukunft bestehen, so stammen diese Unterschiede nicht aus dem Leben, sondern sie sind höchstens darin begründet, daß die bewußte Erfassung der Lebensvorgänge nicht bei allen deutsehen Juden im gleichen Maße vorgeschritten ist. Es sind Differenzen im Bewußtsein; daher gilt es für alle, denen jüdisches Schicksal wirklich am Herzen liegt, die Aufhellung des jüdischen Bewußtseins im deutschen Judentum zu fördern. Eine Front allerdings gibt cs, gegen die wir mit aller Kraft kämpfen, und deren Vertreter wir niemals als für das deutsche Judentum repräsentativ anerkennen können: Wir meinen die Schar derer, die jeder Chance n a c I! I a 11 f c n, wenn nur ein Funke von Hoffnung besteht, daß sich für sie die Möglichkeit einer —- wenn iukIi noch so geringen — Existenz bietet. Wir denken an die Opportunisten, die ihre Segel stets nach dein Wind drehen, ohne wirklichen Zielen nach־ zugehen. Wir meinen diejenigen, die sich in jedem Zustand w o 111 f ü h I e n, weil sie sich persönlich diesen oder jenen Vorteil zu verschaffen verstehen, aber niemals an die Sorgen und Aufgaben ihrer Gemeinschaft denken. Dieser ״Le va n t i n 1 s m u s“ ist nicht auf die östlichen Gestade des Mittclmecrs beschränkt: wir finden ihn auch in den Großstädten Europas und nicht zuletzt im deutschen Judentum. Wie wir ihn als Zionisten auf dem Boden Palästinas bekämpfen, weil wir in ihm eine Gefahr für den wirklichen Aufbau Ercz-israels sehen, so richtet sich unsere ganze Leiden* schaft auch liier dagegen, daß Juden dem gemeinsamen Schicksal zu entfliehen suchen, sich aus der Reihe her* ausstcllcn und damit wahre Abtrünnige sind; denn wir wissen aus unserer Geschichte, daß diejenigen Gruppen des jüdischen Volkes, die den Versuch einer Sonderexistenz gemacht haben, stets Verlorene waren, deren Spuren Im Ablauf der Geschichte mehr oder weniger verwischt wurden. Manchmal hat cs den Anschein, als ob es organisiertc Gruppen im deutschen Judentum gibt, die diesen gefährlichen Weg gehen wollen. Wir sagen frei heraus, daß wir daran noch nicht glauben können und wollen! Es scheint uns dem natürlichen Sinn zu wider* sprechen, daß deutsche Juden in größerer Zahl sich dazu zusaiumciituri, um sich von der Gesamtheit und Arierprinzip und Reichsverfassung Das ,,Berliner TagelilaU“ vom 2. März berichtet über die Klage eines Hamburger Rechtsanwalts, der die Ent- Ziehung seiner Hcrufszulassungals gegen die R e i c 11 s v e r f a s s 11 n g verstoßend angcfochtcn hatte: diese Klage ist vom Ilamburgischcn Obcrvcrwal* tungsgcridit endgültig abgewiesen worden. Die Klage des früheren Anwaltes stützte sich im einzelnen auf die Behauptung, daß das entsprechende Hamburgiselie Gesetz vom 23. Juni 1933, das die Zuständigkeit des Vcrwatlurigsgerichtes cineiigtc, gegen die Artikel 105 und 107 der Weimarer Verfassung verstoße. Das Gericht stellte in einem umfassend begründeten Urteil fest, daß eine zwingende S t a a t s 11 o t w c n d i g kc i t vorlicgcn könne, nach der gcwisse Personen ihrem zuständigen Richter entzogen werden könnten. Eine Unterlassung dieser Möglichkeit könnte sogar der Allgemeinheit zum Schaden gereichen. Auch in der verwaltimg finde eine ständige Weiterentwicklung statt, die eine Neugestaltung der Dinge erforderlich mache. Man könne nicht annehmen, daß Reich und Länder gehindert sein sollten, 1m Wege der Gesetzgebung das Notwendige beizeiten zu tun. Was die Frage nnbetangt, ob die Reichsverfassung noch gelte, so könne sie im vorliegenden Falle offen bleiben. Auf der einen Seite liegen keine Gründe vor, die ihre weitere Geltung schlechthin unmöglich erscheinen lassen, auf der anderen Seite könne die Gültigkeit nicht unterstellt werden. ■ ihren großen Aufgaben abzusondern, um ein Judentum g c r i tt g c r c r Qualität zu leben und sich aus unserer jüdischen Zukunft seihst auszuschnlten. Wir glauben, daß die Worte mancher, die für diese Gruppen auf treten, nicht der Gesinnung derer entsprechen, die heute noch hinter ihnen stehen; es wird der Augenblick kommen, in dem es nicht mehr möglich sein wird, daß von innen her die Tendenzen der Auflösung wirksam werden, wenn auch dieser Teil der deutschen Juden, der überwiegend Aus dem Inhalf: Interessengegensätze und Reform- ~ 1 versuche in Palästina — Aus einer galizischcn Judenstadt (Feuilleton) — ״Wildente״ und ״Esther“ im Kulturbund (mit Bildern) — Die Wahrung der Distanz — Das Schicksal der Nichtarier Frauen-Rundschau (u. a.: Die Frau in der Alijah au• Deutschland — In Baruch in einer Mädchenfarm — Um das Frauenwahlrecht in Palästina Berliner Rundschau aus Menschen besteht, die wie alle anderen ein Empfin* den für jüdisches Schicksal und jüdische Geschichte haben, zur Erkenntnis der wirklichen Zusammenhänge gelangt. Bis dahin allerdings gilt es, wachsam zu sein. Wir haben bereits in unserer letzten Ausgabe über eine Kundgebung berichtet, die die Rcichsvcrtrc* t ti n g der deutschen Juden gegenüber Tendenzen erlassen hat, die eine Gefahr für die gemeinsame jiidisehe Arbeit darslellcn, die gewiß keine Uniformierung der Gesinnungen erfordert, aber auch nicht eine Be* Schränkung auf wenige Gebiete verträgt, während man die wesentlichsten Aufgaben unserer jüdischen Gencration in Deutschland ihr vorenthalten möchte. Wir haben die loyale Zusammenarbeit mit allen Gruppen des deutschen Judentums in der Reichsvertretung stets akzeptiert und taten dies in dem Bewußtsein, daß hier eine Arbeit geleistet werden solle, die unter den ge* gebenen Voraussetzungen ein möglichst hohes Maß an jüdischen Lebenswerten zun! Ziele hat. Wenn heute gewisse Gruppen gegen ein solches Arbeitsprogramm — das für den, der historisch zu sehen verstellt, noch klein genug ist! — agitieren, so gefährden sie nicht nur die Lösung unserer gemeinsamen Aufgaben, sondern sic demaskieren sich vor der jüdischen Oeffcntlichkcit und nicht zuletzt vor ihren eigenen Anhängern als die Vertreter eines Judentums der Auflösung und des inneren Verfalls. Hiergegen müssen sich alle deutschen Juden wenden, denen es ernst um ihre eigene Zukunft ist. Im Hinblick auf das gemeinsame Schicksal der deutschen Juden muß dies geschehen. Es ist heute nicht die Zeit, u!n die Kraft, die wir besitzen, in• Polemik zu vergeuden. Vielmehr muß uns Juden klar werden, wie sehr wir miteinander verbunden sind, in wie hohem Grade einer auf den anderen angewiesen ist und wie stark daher die Bindungen sind, die nicht nur unser gegenwärtiges Leben gestalten, sondem uns einfach zwingen, die Arbeit für unsere Zukunft gemeinsam durchzuführcn. Diese Arbeit allerdings — und das ist wohl der Glaube aller, die Verständnis für historische Vorgänge besitzen — wird auf anderen Wegen getan werden müssen, als cs in den vergangenen Jahrzehnten bei Aktionen für einzelne Hilfszwecke der Fall war; die Geschichte wird zeigen, ob sic wirklich geeignet war, die materiell und kulturell bedrohte Zukunft des Judentums zu sichern. Es ist der Prüfstein des heutigen Geschlechts im deutsehen Judentum, ob es dieser großen Aufgabe gewachsen ist. Auch wenn manche Symptome dagegen zu sprechen scheinen, glauben wir doch daran, daß die echten Kräfte, die im deutschen Judentum schlummern, sich in dieser Zeit des gemeinsamen Erlebnisses durchsetzen werden. Gegen kleinlichen Partei* und Or• ganisationsgeist ist heute die Stunde echter jüdi* scher Männer gekommen, die nur das eine Ziel ken* nen: In gemeinsamer Arbeit das deutsche Judentum einer besseren Zukunft entgegenzuführen, die nicht nur materiell seine Existenz gewährleistet, sondern es auch wieder in Verbindung mit allen lebendigen Kräften des jüdischen Volkes bringt, , K. L A *I